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Gedanken nach Paris

Heute morgen haben drei der vielen PR-Mails mit diesem Satz begonnen:
„Hallo Johnny, ich hoffe, du hattest ein schönes Wochenende!“

Nein, hatte ich nicht. Es war ein beschissenes, bedrückendes, beängstigendes, unendlich trauriges Wochenende.
Ich schaffe nur, einzelne Gedanken aufzuschreiben.

Was sind das für Experten, die ich lese, sehe und höre? Heute morgen im Inforadio vom RBB wiederholte einer von ihnen die Sätze des Bundespräsidenten Joachim Gauck und bestätigte, man habe es hier „mit einer neuen Art von Krieg“ zu tun. Terroristische Angriffe, so der Experte, habe man bisher gegen Unternehmen und die Politik gekannt (als Beispiel wurde die RAF genannt, im Ernst). Die Tatsache, dass nach Beirut und Paris nun die Zivilbevölkerung bedroht sei, sei neu.

Ich will wirklich nicht klugscheißen, weil ich ja kein Terrorismusexperte bin, aber … New York? Madrid? London? Boston? Die russische Passagiermaschine über der ägyptischen Sinaihalbinsel? Die Attentate gegen die israelische und die pakistanische Bevölkerung? Die vielen Morde des IS oder Daesh (oder wie immer die sich gerade nennen, genannt werden wollen oder sollen) in muslimischen Ländern? Waren das etwa keine Angriffe auf die Zivilbevölkerung?

Für die Gefolgschaft des selbsternannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi ist ein Krieg mit folgender Apokalypse das erklärte Ziel (lest diesen Artikel bitte, sobald ihr zwei Stunden Zeit habt). Diese Leute wollen, dass wir einen Krieg gegen sie führen.

Zu den Geschichten, auf denen das Daesh-Konstrukt basiert, gehört der Krieg gegen alle, die sich ihrem Kalifat nicht unterwerfen. Der Gegenentwurf dazu muss zeigen, dass Angriffe gegen Daesh allein gegen diese Organisation gerichtet sind und auch der Verteidigung der muslimischen Welt dienen. Ich halte das für essentiell. Und ich wünschte, es gäbe ein anderes Wort dafür als „Krieg“.

Daesh gibt vor, 1,5 Milliarden Muslims hinter sich zu haben. Das stimmt nicht. Abgesehen davon, dass bereits Hunderttausende, möglicherweise Millionen Muslime von Daesh getötet wurden, lehnen muslimische Gelehrte das selbsternannte Kalifat ab. Ein Schulterschluss mit der muslimischen Welt ist daher unumgänglich, ohne ihre Unterstützung kann der Daesh-Terror nicht beendet werden.

Es ist richtig, dass Daesh durch den Scherbenhaufen entstanden ist, den die USA und ihre Verbündeten im Irak hinterlassen haben. Das gibt sogar die US-Regierung zu. Dies in Sozialen Netzwerken immer wieder zu betonen bringt aber in der aktuellen Situation nicht besonders viel, denn die Frage lautet ja, was nun zu tun ist und wie man solche Fehler in der Zukunft vermeidet. Bei den vielen „Die USA/der Westen/Europa sind selbst schuld“-Hinweisen, die ich lese, frage ich mich, was genau das für Schlussfolgerungen nach sich ziehen soll. Alle halten sich ab jetzt mal fein raus? Diese Option gibt es nicht, fürchte ich.

Wer Daesh erfolgreich bekämpfen will, muss den Menschen vor Ort Alternativen bieten. Er muss zeigen, dass sich nicht allein „der Westen“ gegen den Terror wehrt, sondern die Weltgemeinschaft. Und dass auch andere als Daesh Schulen und Straßen bauen können. Und diese Anderen sollten das ohne Terrorismus, Genozide, Exekutionen, Versklavung und Rückkehr ins Mittelalter schaffen.

Pegida, AfD, NPD: Ihr habt den Schuss echt immer noch nicht gehört, oder? (Man verzeihe mir bitte diese Wortwahl.) Wie völlig verblendet muss man eigentlich sein, um noch während der Attentate in Paris und danach weitere Hetze gegen genau jene zu starten, die vor genau dem Terror flüchten? Ihr – Rechte, Konservative, Nazis – seid Teil des Problems, weil ihr die „Weissagungen“ radikaler Islamisten bestätigt, wenn ihr behauptet, dass ein Zusammenleben verschiedener Glaubensrichtungen nicht möglich wäre. Ihr verbreitet ebenfalls Terror, auch ihr wollt die Zeit zurückdrehen und andere Menschen eurem Weltbild unterwerfen, und auch ihr setzt Gewalt und Angriffe dafür ein.

Fast meine gesamte Timeline schimpft auf die Politik und einzelne Politiker, auf die Regierung, auf den Regierungssprecher, auf Sicherheitsbehörden, auf eigentlich alle. Niemand scheint mehr jemandem zu vertrauen. So verständlich oder gar begründet das sein mag – es stärkt die Rechten. Die genauso auf alles und jeden schimpfen.

Der gefährliche Unterschied ist aber: Die Rechten haben eine sichtbare, sich miteinander solidarisierende Bewegung (Pegida) und eine Partei (AfD). Wer mit der Regierung ebenfalls unzufrieden ist, deswegen aber noch lange keine Rechten unterstützt, hat: nichts.

Weshalb es im Moment meiner Meinung nach enorm wichtig ist, sich bei aller Kritik und bei allen Meinungsverschiedenheiten zu den bestehenden demokratischen Parteien und auch zur bestehenden Regierung zu bekennen. Und diese, wann immer es das eigene Gewissen auch nur halbwegs zulässt, zu unterstützen. Der Applaus für eine Kanzlerin, die mit den Worten „Wir schaffen das!“ ein Zeichen setzte, war in meiner Filterblase sehr verhalten. Verständlich, denn auch ich fühle mich unwohl dabei, einer Regierung zu applaudieren, deren Entscheidungen ich zu oft nicht mittragen mag. Was bei fehlender Unterstützung solcher Kanzlerinnen-Signale jedoch passiert, das erleben wir: Sogar aus den eigenen Reihen kommen diejenigen angekrochen, welche die Situation für ihre eigene politische Karriere ausnutzen oder am rechten Rand fischen gehen wollen.

Und was passieren wird, wenn wir uns völlig raushalten, indem wir bspw. gar nicht mehr wählen gehen, das muss jedem klar sein: Doppelstellige Wahlergebnisse für die AfD.

Es genügt nicht, „Refugees Welcome!“-Schilder in die Luft zu halten. Es bleibt zwar das richtige Signal, denn eine Europäische Gemeinschaft, die friedlich und freundlich Muslime aufnimmt, verwirrt und verärgert radikale Islamisten. Es widerspricht, siehe oben, einem wichtigen Teil der Geschichte, die sie verbreiten.

Trotzdem genügt es nicht, wenn gleichzeitig gegen jede Form des Versuchs der Reglementierung oder Kontrolle von Zuwanderung gewettert wird, denn diese braucht mindestens Koordination. Der belgische Innenminister Jan Jambon sieht die Probleme seines Landes, das als Keimzelle einiger Täter gilt, u.a. in der nicht vorhandenen Kommunikation zwischen den sechs verschiedenen Polizeidienststellen und anderen Autoritäten begründet.

Seine erschütternde Analyse zeigt: Es ist nicht alles allein durch Willkommenskultur zu lösen. Einige der (Mit-) Täter sind junge Belgier oder Franzosen. Die Herausforderungen im Rahmen der aktuell bei uns Hilfe suchenden Menschen werden über diese Generation hinausgehen, wenn ihre in Europa geborenen Kinder sich nicht wirklich heimisch fühlen. Wenn sie sich weiterhin von der Gesellschaft, in der sie leben, ausgeschlossen fühlen, so wie es jetzt bei vielen Migrantenkindern der zweiten oder dritten Generation der Fall ist, dann sind sie anfällig für Märchen aus der Vergangenheit ihrer Vorfahren und anfällig für abstruse Versprechungen eines besseren Lebens, eines Lebens voller Anerkennung. Wie also aus früheren Fehlern gelernt werden und in der Zukunft tatsächliche Integration stattfinden kann, das muss schleunigst diskutiert werden.

Es genügt nicht, die Tore zu öffnen.
Es muss ich auch etwas dahinter befinden.

Es haben sehr bittere Zeiten für die Freiheit begonnen. Das Argument, dass die französische Vorratsdatenspeicherung und Überwachungsmechanismen auch die erneuten Attentate nicht verhindern konnten, mag stimmen. Hören wird es so gut wie niemand mehr, in der Sicherheitspolitik nicht, aber auch nicht in der Bevölkerung. Wenn auch nur die Vermutung im Raum steht, dass Netzwerke in Playstation- oder PC-Games für Rekrutierungen und Planungen von Terroranschlägen genutzt werden, dann wird es kaum noch Menschen geben, die einem Monitoring dieser Kanäle widersprechen. Natürlich ist es falsch, unsere Freiheiten einzuschränken. Solange aber niemand den richtigeren Umgang mit solchen Szenarien vorschlagen kann, kommen immer kältere Zeiten auf uns zu. Die grausame Tatsache, dass es so gut wie unmöglich scheint, Anschläge dieser Art zu verhindern, wird nicht dazu führen, dass es niemand mehr versucht.

Ich bin echt am Ende. Ich versuche, zu verstehen, und das ist das Schlimmste: Es geht nicht.

Als Nachtrag noch ein paar weitere Artikel aus deutschsprachigen Blogs:

Tapio Liller: Paris, Lauterbach
Wolfgang Lünenburger: Ich habe Angst
Mathias Richel: Angst

45 Kommentare

  1. 01

    Danke Johnny,
    einer der wenigen Wortmeldungen zur Sache mit sowas wie „Common Sense“. Respekt dafür.

  2. 02
    Wiebke

    danke!

  3. 03
    Katja

    Danke, Johnny. Mal wieder fasst Du in Worte, was völlig ungeordnet in meinem Kopf herumspukt. Ich habe das Wochenende ebenfalls mit dem Versuch verbracht, zu verstehen. Und es will auch mir einfach nicht gelingen.

    Ich kann und mag mir nicht vorstellen, was die Menschen und Regierungen Europas aus dieser Situation machen. Ich befürchte ganz stark, dass die Entwicklung in eine Gesellschaft der Angst, des Misstrauens und der Überwachung nicht mehr aufzuhalten ist. Und habe davor noch viel mehr Angst als vor weiteren Terrorakten.

    Es hat schon viele Momente gegeben, in denen ich die Welt nicht verstanden habe. Seit Freitag ist mal wieder einer davon, und er fühlt sich so richtig beschissen an. Nein, auch ich hatte kein schönes Wochenende. Es ist ein schwacher Trost zu sehen, dass ich damit nicht alleine bin. Aber immerhin ist es ein Trost. :-) Danke Dir.

  4. 04
  5. 05

    @Katja: Also ich glaube diese „…Gesellschaft…der Überwachung…“ haben wir schon seit 15-20 Jahren.

  6. 06
    Katja

    @Uwe: Ja, da hast Du sicherlich recht. War auch kurz davor, „Weiterentwicklung“ zu schreiben – wahrscheinlich wäre das passender gewesen. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass es noch schlimmer geht. Und dass es noch schlimmer werden wird.

  7. 07
    Christopher

    „Wie völlig verblendet muss man eigentlich sein, um noch während der Attentate in Paris und danach weitere Hetze gegen genau jene zu starten, die vor genau dem Terror flüchten?“

    Aus meiner Sicht bist Du aus folgendem Grund nicht weniger verpeilt:

    Es ist leider nicht so dass alle Leute die vor Chaos flüchten verstehen wovor sie eigentlich geflohen sind, nämlich häufig unter anderem vor einem nicht säkularen Staat. Beispielsweise viele von den in Deutschland lebenden Türken die sich an der Wahl in der Türkei beteiligt haben, denen wir die Freiheit geschenkt haben, haben zum Dank Erdogan gewählt: viele Migranten haben einfach nichts verstanden von unseren Grundwerten. Es ist einfach ein Desaster mit Euch Linken, wie ihr unsere Errungenschaften verratet und mit Leuten teilt die es nicht verdient haben. Es geht hier nicht um die pauschale Verurteilung von Nationalitäten, aber es gibt leider viele die den Zusammenhang zwischen ihrem mittelalterlichen Weltbild und dem Zustand ihrer Gesellschaft nicht erkennen und solche Leute brauchen wir hier nicht. Träumt weiter Euren realitätsfernen Traum.
    Jaja löscht uns, beschimpft uns und baut weiter an Euren potemkinschen Dörfern.
    Ich weiss dass ich mir solche Kommentare eigentlich sparen kann, aber hin und wieder kann ich es nicht lassen.

  8. 08
    Talky

    Erstmal danke für Deine Zeilen. Ich geh mit fast allem mit, nur das Du denkst, dass das USA etc.-Bashing keine Schlussfolgerungen nach sich zieht, sehe ich etwas anders. Dadurch, dass es so gut wie keine selbstkritische Haltung aus der westlichen Welt gibt im Bezug auf die Einmischung in einzelne Länder wie Irak, Afghanistan u.a. und deren Auswirkungen, meine ich, jene selbstkritische Haltung wäre die erste Schlussfolgerung. Wieso es scheint, dass die westliche Welt aus diesen Erfahrungen nichts lernt. Das steckt, glaube ich jedenfalls, auch in den Worten: ‚Die sind ja selbst schuld‘. Und wieso man nicht endlich anfängt darüber nachzudenken, dass man wohl doch keinen Frieden schafft, wenn man mit Waffen jedweder Art herumhantiert.
    Oder ich bin doch auf dem Holzweg und die Basher sind einfach nur zynisch geworden und warten achselzuckend nur darauf, bis es mal wieder irgendwo ‚knallt‘.

  9. 09
    gondor

    Danke für diesen tollen, nachdenklichen Artikel.
    Und die (hilflose) Frage bleibt also Was/wie tun?
    Denn so dringend(st) zumindest ein Antwortansatz für alle Beteiligten/Betroffenen ist, es gibt nur SEHR wenige die diese Frage stellen ohne sie gleich mit einer (derailing!) Schuldfrage zu verknüpfen.
    Mir geht ähnlich wie Dir und ich tendiere fatalerweise zunehmend besonders nach solchen in Europa „passierenden“ Sachen alle News-/Socialplatform-kanäle erstmal „abzuschalten“. Das ist so falsch wie aber temporär aus (mentalen/emotionalem) Selbstschutz nötig.
    Eine wenn auch nur ansatzweise Unterstützung auch nur einer der Verursacher/Entscheider darf man von mir allerdings nicht erwarten! In dem Punkt möchte ich Dir dann doch vehement widersprechen.
    Die verzeifelte Frage, v,a. auch angesichts der zahllosen Fronten (sic), bleibt: Wie/was tun?

  10. 10

    @Christopher: Ein paar Fragen:

    1) Hast du Quellen für die Wahlentscheidungen der hier lebenden Türkinnen und Türken (ich meine die Frage nicht zynisch)?

    2) Und was meinst du mit „Leuten, die es nicht verdient haben?“ Wie hast du dir dein aktuelles Leben verdient? Und hat jemand, der jetzt die AfD wählt, das Leben „verdient“, das er durch die Parteien vorfindet, die er so ablehnt?

    3) Welche Leute brauchen wir hier und wer sucht die aus?

  11. 11

    @Talky: Ich lese schon auch Selbstkritisches und Nachdenkliches, aber du hast natürlich recht: Schwäche/Versäumnisse zeigen oder Fehler eingestehen ist nicht gerade die Stärke westlicher Politik.

    @gondor: Eine der vielen Absurditäten ist ja: Da wird angeblich jede Innovation, alles Moderne von den Fundamentalisten abgelehnt. Aber die Rolex am Arm und das Internet sind super …

  12. 12

    Der Grund, warum die Rechten ihre Hetzrethorik nicht stoppen werden ist der, dass sie exakt dasselbe Weltbild haben wie die IS: Sie wünschen sich das Ende der Zivilisation. Daher hört sich vieles davon auch so ähnlich an. Sei es die grundsätzliche Ablehnung alles Fremden, die generelle Ablehnung und Infragestellung der Staatsordnung und der Legitimation demokratisch organisierter und gewählter Strukturen („Deutschland GmbH“, „Vasallenstaat“, „Alle gekauft!“, „Lügenpresse!“), die Selbstüberhöhung durch die Verachtung der anderen, die Entrationalisierung und Hysterisierung, der Verbreitung von Terror und Horrorgeschichten zum Setzen eines verstörenden Grundrauschens (und daher ist es ihnen egal ob die Falschmeldungen von ausgeraubten Supermärkten, Vergewaltigungen und Überfällen eigentlich sofort als Fakemeldung entlarvt werden – darum geht es nicht, sondern um die Persistenz des erzählten Bildes), die weithin sichtbare Gewalt (bei Rechten seit nunmehr MONATEN in Form von Brandanschlägen)… die leben in derselben Welt und erwarten den ultimativen Kulturkampf, der quasi jederzeit ausbrechen wird.
    Und daher haben sie beide auch dieselben Feinde: Alle, die in Frieden miteinander leben wollen. Wir sind eigentlich mehr als die. Aber in einem Land, in dem die SPD gegen etwas stimmt, nur weil die Linke dafür stimmt, wirkt diese Minderheit – völlig unnötigerweise – übermächtig. Weil die Mehrheit sich nicht einig wird.

  13. 13
    Gerhard

    Bei der Aufzählung der Terrorangriffe fehlen u.a. die unzähligen Selbstmordattentate gegen die israelische und die pakistanische Zivilbevölkerung.

  14. 14

    Christopher: Es geht nur mit „teilen“, wobei ich aber nicht weniger Freiheit habe, wenn ich sie geteilt habe, sondern mehr, denn Freiheit sind keine Würstchen. Und wenn das schon für Dich „links“ ist und Du hier „uns“ und „euch“ unterscheidest, dann musst Du schon sehr weit rechts stehen, denn links von „uns“ dürfte noch massiv viel Platz sein, dass von Deiner Warte aus humanistisch und libertär denkende Menschen „links“ sind.
    Und: Du möchtest Menschen, denen Du absprichst, irgendwas verdient zu haben, also ausgrenzen und von dem guten Leben von das verdient habenden freien Menschen ausschließen (womit Du das ja eigentlich nur als billigen Futterneid entlarvt hast, aber egal)? Nur, dann hätten wir französische Verhältnisse. Gratuliere, Du hast es schlimmer gemacht.

  15. 15
    JensderZweite

    Ich glaube als Teile einer (langwierigen) Anwort bräuchte es:

    – eine großes, ziviles Aufbauprogramm für Länder im nahen Osten
    – ein Divestment in Erdölindustrien und Weiterentwicklung der Energiewende um einigen der Unterstützerländer verschiedener am Krieg in Syrien beteiligter Gruppen langfristig Gelder zu entziehen
    – jetzt erst Recht, viel mehr Investitionen in Integrationsmaßnahmen in den europäischen Staaten
    – die großen Nationen in Ost und West müssen gemeinsam mit den Regionalmächten eine stabilisierende Lösung für Syrien finden

    Der ewige Ansatz der Verschärfung von Sicherheitsmaßnahmen ist vergleichbar mit End of Pipe Technologien im Umweltschutz (https://de.wikipedia.org/wiki/End-of-pipe-Technologie). Es wirkt zwar vielleicht kurzfristig, verändert aber nichts an den Ursachen.

  16. 16

    Ich hätte Frau Merkel sehr gerne applaudiert. Wenn sie ihrem „Wir schaffen das“ sofort entsprechende Taten hätte folgen lassen. In Form von Investitionen in Wohnraum, Personal, umfassender finanzielle Unterstützung von Ländern und Gemeinden – schlicht: in Form eines „Kraftaktes“, der nicht nur der Situation angemessen gewesen wäre sondern auch ein klares Zeichen gesetzt hätte, dass sie meint, was sie sagt, untermauert, dass sie es Ernst meint.

    Das ziemliche Gegenteil ist passiert. Man ist inzwischen – wie vor 20 Jahren – wieder eingeknickt vor den Rechten und vor den gröhlenden xenophoben Mitläufern. „Hier schaut, ihr Nazis, wir tun doch schon was ihr wollt – jetzt bitte wählt wieder uns, ja?“ – das hat ja beim letzten Mal schon sooo gut funktioniert. Nicht.

    Und man lässt auf der anderen Seite die vielen tausend Menschen, die bis zur Erschöpfung ehrenamtliche und freiwillige Arbeit leisten und dafür ihren Jahresurlaub und ihre komplette Freizeit geben, im Regen stehen. Gegenüber einer Mangelverwaltung und eines nicht selten inkompetenten, überforderten und ignoranten bürokratischen Apparates, der dieser Arbeit auch noch nicht selten in den Rücken fällt.

    Und Gauck faselt von Krieg.

    Das ist das Problem: Die Nazis haben die AfD. Wir haben niemanden.

  17. 17
    thilo

    Leider konnte ich Spreeblick in der letzen Zeit aufgrund meiner Rockmusikallergie zunehmend selten lesen, daher freue ich mich umso mehr, dass es immer noch einer der Plätze ist, die ich besuche, wenn etwas außergewöhnliches auf der Welt passiert.

    Natürlich ist das schlicht affirmativ (gleiches Milieu, Alter etc.), aber eben nicht nur, weil Johnny nicht nicht nur (aber auch!) sein Herz befragt und reflektiert, was die anderen tun – sondern selber klar denkt und schreibt.

    Danke dafür.

  18. 18

    Danke Jonny für deine klugen Worte gegen das Kriegsgetrommel und die Analyse der Situation.

  19. 19

    @Jens: Da ist leider viel Wahres dran.

    @Gerhard: Du hast sehr recht, ich habe das im Text ergänzt, danke!

    @JensderZweite: Danke. Es tut gut, Lösungsansätze zu lesen. Dass es keine schnellen gibt, ist traurig, aber eben auch wahr.

    @Sven: Yup. :(

    @thilo (und anderen): Danke für die netten Worte. In der Hoffnung, dass auch noch die Rockmusikallergie verschwindet (oder ich öfter deinen Geschmack treffe)! :)

  20. 20
    thilo

    @johnny: Das ist einfach. Ich halte es mit Alfred Lion: „It must schwing!“ Geht notfalls auch mit Elektrogitarre! ;D

  21. 21
    Svenja

    “You cannot have Liberté, Égalité, Fraternité without Sécurité. It’s time to be more angry than sad. Thoughts and prayers won’t stop the next attack. This war against civilization must be fought or lost. The free world has overwhelming economic and military advantages and must use them to take the fight to the terrorists and all who support them. Resist all attempts to blame anyone other than these murderers and their horrific ideology. Vive la France.“
    Garry Kasparov, 14. November 2015

  22. 22
  23. 23
    Jan

    @Christopher: Grundwerte verstanden? Wer von denen, die gegen „Flüchtlinge“, „Ausländer“ oder „Moslems“ hetzen, hat denn „unsere Grundwerte“ verstanden?
    Du bewegst dich auf sehr dünnem Eis, wenn du über andere aufgrund deiner eigenen Vermutungen herablassend sprichst (nicht zuletzt „die Linken“), denn das passt überhaupt nicht damit zusammen, dass du behauptest, du würdest diese „Werte“ vertreten.

  24. 24
    Mister T

    @Sven: „In Form von Investitionen in Wohnraum, Personal, umfassender finanzielle Unterstützung von Ländern und Gemeinden“
    Naja, sind wir mal ganz ehrlich: die Gastarbeiter, die wir selbst eingeladen haben, sind direkt in einen Beruf hineinimigriert und trotzdem hat unsere Gesellschaft einen großen Teil ihrer Familien in zweiter Generation bei der Integration wieder verloren. Wenn man unter perfekten Bedingungen einer absolut kontrollierten Einwanderung derartig versagt, kann man glaube ich davon ausegehen, dass in den nächsten Jahren große Probleme auf uns zukommen und unsere eigene (ähnlich alleinegelassene) Unterschicht in wenigen Jahren ausgiebig mit einem großen Teil der gerade Eingewanderten in Konflikt geraten wird. Nicht, weil man es nicht anders schaffen könnte, sondern weil die Leute, die verhindern werden, dass es geschafft wird, von dem Misserfolg und sozialem Unfrieden mehr profitieren werden, als vom Erfolg. Der politische Wille ist nicht da, und wo der Wille existiert, fehlt der Mut. Und wo beides vorhanden ist, kommen irgendwelche Pegidas oder CSUler und verhindern eine sachliche Auseinandersetzung.

  25. 25

    Mir aus dem Herzen, danke.

    Das Erste, was sich ändern müsste, ist die Einsicht, dass miteinander Reden und Kooperation unumgänglich sind – und zwar nicht mit der Prämisse, irgendeinen neuen Krieg anzuzetteln, der alles nur verschärft. Leider nicht erfüllbar: „… die Wirtschaft, Sie verstehen …“

  26. 26
    Anne

    Danke. In großer Hoffnung auf wirklich friedliche Zeiten & eine sichere Zukunft für uns ALLE !

  27. 27
    Christopher

    @ Johnny:

    Hier ist eine Quellenangabe. Wer die Dramatik dieser Fakten nicht erkennt, dem ist aus meiner Sicht nicht mehr zu helfen:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/tuerken-in-deutschland-spitzenwerte-fuer-erdogan-in-essen-a-985474.html

    Ja die Grundlage auf der ich in Mitteleuropa geboren bin ist ein Zufall und zugleich ein ganz besonderes Privileg und jeder der hier lebt sollte sich im klaren darüber sein dass dieses Privileg auf sehr dünnen Eis steht und wir sehr gut aufpassen müssen wer dieses betritt.
    Der Gedanke dass wir eine Welt sind ist zwar theoretisch richtig, der Anspruch so zu tun als könnten alle Menschen jetzt und heute unter gleichen Bedingungen leben ist mehr als naiv. Die Differenzierung zwischen Wirtschafts- und Kriegsflüchtlingen ist eigentlich sinnlos, weil es vermutlich mehr als eine Milliarde Menschen gibt die unter grauenvollen Bedingungen leben. Diese traurigen Fakten machen aber auch klar dass der Gedanke diese externen Probleme auf deutschem Territorium lösen zu wollen völlig idiotisch ist. Die Umsetzung dieses Anspruchs kommt dem Untergang Deutschlands gleich.
    Diese Tatsache nimmt die Mehrheit unserer Volksvertreter momentan leider nicht zur Kenntnis, ich fürchte deswegen keine andere Wahl zu haben als die Notbremse zu ziehen und möglicherweise eine Partei zu wählen, die zwar kein Sympathieträger ist, die aber das Problem erkannt hat. Dieser plötzliche Solidaritätswahn mit allen Menschen dieser Welt könnte unser Land gegen die Wand fahren und ich fürchte dass es dieses mal entgegen aller Einschätzungen des Mainstream, die Linken sein werden die dafür verantwortlich sind.
    Das Nazitrauma hilft in diesem Fall nicht bei der richtigen Entscheidung sondern könnte dazu führen das Deutschland an einer Art Spätfolge des Nationalsozialismus untergeht, weil es nicht fähig ist harte aber notwendige Entscheidungen zu treffen.

    Wir brauchen hier moderne, klar strukturierte Menschen die im 21. Jahrhundert angekommen sind und keine Menschen die an den Weihnachtsmann oder ähnlichen Hokuspokus glauben. Glauben heisst nichts wissen und wir wollen doch denke ich eine Wissensgesellschaft sein. Es ist mir einfach völliig unverständlich wie sich das früher einmal progressiv denkende linke Spektrum auf einmal mit religiös-mittelalterlich geprägten Menschen solidarisiert, mit denen wir Mitteleuropäer heute einfach nichts gemeinsam haben.
    Ich würde Leute nur handverlesen nach Deutschland lassen, sonst werden wir noch viele Neuköllns haben und dann untergehen. Es sind schon viel mächtigere Imperien untergegangen weil sie nicht aufgepasst haben, das sollte man nie vergessen! Die Fragilität unseres Status wird bei weitem unterschätzt!

  28. 28
    gondor

    @Johnny Haeusler: …und natürlich die modernsten Waffen und Fahrzeuge :(
    Was einen zusätzlich enervierend frustriert; es kommen IMMER und immer und immer wieder die gleichen „Argumente“ und derailing-Argumentationsschemata die scheinbar einfache Lösungen u.a. durch Schuldzuweisungen etc. bieten. Als ob Unsinn durch (endlose) Wiederholungen weniger abstrus oder gar wahrer werden würden. Es ist so UNGLAUBLICH ermüdend gegen solche verbalen Gummimauern und auch noch die Medien- und die Politikerphrasen anzuargumentieren.

  29. 29
    malsomalso

    @Sven: Ich glaube Merkel ist sehr geschickt darin öffentliche Stimmungen aufzugreifen. 2010 während der Thilo Sarrazin Debatte hieß es noch „Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert!“ Diesen Sommer, als viele Helfer/innen Sachen gesammelt und verteilt haben, hieß es eben „Wir schaffen das“. Glaubwürdig ist das nicht.

    Den Verwaltungen Inkompetenz zu unterstellen ist mir etwas zu pauschal. Die müssen sich an die festgelegten Abläufe und Gesetze halten und sind mit der Masse an Leuten verständlicherweise überfordert. Innerhalb von fünf Jahren ist die Anzahl an Asylanträgen um das 7,5 fache gestiegen*. So flexibel sind Behörden nunmal nicht angelegt. Das die Leute dort irgendwann Dienst nach Vorschrift macht kann ich nachvollziehen.

    * siehe: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/76095/umfrage/asylantraege-insgesamt-in-deutschland-seit-1995/)

  30. 30

    @Christopher: Entschuldige bitte, ich habe aufgehört, mich ernsthaft mit dem Rest deines Kommentars auseinandersetzen zu wollen, nachdem du den Spiegel-Artikel als Quelle angegeben hast und ich den Twist in deiner Argumentation begriffen habe.

    In dem Artikel wird die Wahlbeteiligung der in D lebenden, wahlberechtigten Türken mit 8% angegeben. Und von denen haben dann tatsächlich bis zu 70% Erdogan gewählt. Das sind dann aber insgesamt nur knapp 6% von allen hier lebenden, wahlberechtigten Türken. So kann man es auch ausdrücken. Wenn man das will.

  31. 31
    Armin

    @gondor:

    Neukölln ist momentan der interessanteste und einer der lebenswertesten Stadtteile Berlins, wenn nicht Deutschlands. Ich würde es als gebürtiger Kasseler, Interims-Göttinger und Berliner seit nunmehr 13 Jahren sehr begrüßen, wenn mehr von Deutschland so sein würde wie Neukölln.

  32. 32
    Gondor

    Derailing auch hier wieder :-( @Christopher: Empfehle die „100 Fragen nach Paris“ von Jan Böhmermann. Sind gute Fragen dabei ;-) Ansonsten, s. Post 29.

    In einer Zeit in der die denkbar gegensätzlichsten Kulturen/Ansichten per Web „aufeinandertreffen“ und auch physisch nur noch Stunden voneinander entfernt sind habe ich denkbar wenig Hoffnung auf eine friedliche „Lösung“ des Problems der (globalen) Koexistenz. Der Mensch hat nunmal in (fast) allen Kulturen/Gesellschaften die Gewalt als „letzte Lösung“ von Konflikten etabliert und scheint gar nicht(s) mehr ander(e)s denken zu können, wie eben auch generell in der Natur schon vorhanden…

    Die eigentliche Frage ist doch, können wir (Menschen) uns eigentlich Lösungen ohne Gewalt (auf die eine oder andere Art) vorstellen und sie auch durchsetzen/durchhalten? Ich fürchte nicht.
    Friedliche Aktionen wie „Refugees welcome“ oder das humanitäre Engagement Freiwilliger hierzulande bis zur Erschöpfung bleiben (Leider!) nur „Strohfeuer“ wenn sich ansonsten inhaltlich/gesellschaftlich/politisch nicht Grundlegendes ändert – und zwar nicht nur hier (in den Köpfen). Da gäbe es vorher eine MENGE systemveränderndes „zu tun“. Und dies beträfe durchweg alle gegenwärtigen Gesellschaften/Gesellschaftssysteme, egal wo man sie politisch einordnet oder wie man sie benennt. Kaum realistisch, oder. Denn alle sitzen mittlerweile in einem (weltwirtschaftlichen) Boot und sind voneinander „abhängig“. Hoffnungslos also? Trotzdem alles versuchen. Was bleibt sonst…

  33. 33
    Christopher

    @Johnny
    auch wenn „nur“ 8% aller Wahlberechtigten an der Wahl teilgenommen haben, ist kaum anzunehmen dass nur die Erdogan-Wähler zur Wahl gegangen sind.

    Ich würde es deswegen also wie eine nicht repräsentative Umfrage einschätzen, aber immerhin eine Umfrage bei der viele tausend Wähler teilgenommen haben. Es ist nicht davon auszugehen dass sich diejenigen die nicht zur Wahl gegangen sindsich komplett anders verhalten haben.
    Die Geschichte wird zeigen wer realitätsnaher gelegen hat.

  34. 34

    Terror ist konzipiert als der Versuch, mit relativ geringem Einsatz größtmöglichen Schrecken zu verbreiten. Unsere Angst ist deren Triumph. Das Erste, was man tun sollte, wenn man etwas gegen den Terror tun will, ist nichts zur Endemie der Angst selbst beizutragen. Die Briten gaben seinerzeit, als die Deutschen Terror-Angriffe auf London flogen, die Parole aus: „Keep calm and carry on“. Psychisch ist das als Erstreaktion die bessere Antwort als alle diese vielen „Ich habe Angst“-Bekundungen, die ihrerseits bei anderen wieder die Angst verstärken.
    Ein Übermaß an Angst führt immer zu langfristig verhängnisvollen Reaktionen – es hat Israel politisch in die Sackgasse getrieben, die USA in den Irak-Krieg, in völlige Überbetonung der Geheimdienstarbeit und zu einer dramatischen Überbewaffnung sämtlicher Haushalte, ebenfalls mit der Folge, dass man das, wovor man sich ängstigt, nur durch die Angst selbst immer weiter aufpumpt.
    Und Angst ist ja auch die Hitze, auf der von der CSU an bis hin zu den Neo-Nazis jetzt die Suppen aus Ausländerfeindlichkeit, Kriegsgelüsten, demographischem Protektionismus etc. verrührt werden. Die ganze AfD ist die Partei der Angsthaber. Es gibt schon Leute, die aus Angst vor mehr Kriminalität selbst kriminell werden, Häuser anzünden und Menschen krankenhausreif schlagen.
    Sich nicht bis ins Mark erschrecken zu lassen, ist zudem der erste Schritt zu Besonnenheit und zum Bewahren von Vernunft. Tatsächlich verdient sich auch bei mir Angela Merkel damit meinen höchsten Respekt, dass sie geradezu vorlebt, wie man auch unter allseitigem emotionalem Druck sich den Verstand bewahrt und die Vernunft eher hochfährt als aufgibt.
    Ob bittere Zeiten für die Freiheit begonnen haben, weiß ich nicht. Ich erinnere mich, wie ich 2001 in Leipzig im Hotelzimmer fassungslos die Bilder im TV sah und sofort dachte: Das führt in den Überwachungsstaat. Hat es auch. Inzwischen hat sich allerdings auch bewiesen, dass dieser logische Ausweg alles andere als ein Allheilmittel ist. Insofern kann man sich jetzt durchaus den Realitäten stellen und fordern: Bitte weniger falsche Konzepte gegen die Miseren im arabischen Raum. Z.B. war es ein falsches Konzept, über den Irak herzufallen und zu glauben, Krieg und Krise könnte man a) lokal begrenzen und b) irgendwie dämpfen. Beides war falsch und das scheint ja sogar Putin zu dämmern, dass die Aufzucht von Terroristen sich regelmäßig als der berühmte Schuss herausstellt, der nach hinten losgeht. Man muss also über Konzepte reden und feststellen, dass dringend in Big Surveillance weniger und in andere Maßnahmen mehr investiert werden muss. Viel wichtiger als mehr Datamining in sämtlichen Kommunikationsdaten sind z.B. das Lahmlegen von Finanzströmen (Western Union etc.), der viel entschiedenere Kampf gegen Waffenhandel und Waffenschieberei (wieso hat der IS überhaupt noch so ein schier unerschöpfliches Waffenarsenal???), Verbesserungen in der polizeilichen Zusammenarbeit. Und danach sollte man vielleicht darüber nachdenken, ob klassische Antiterror-Maßnahmen ausgeweitet werden müssen, an welchen Stellen und in welchem Umfang. Solche Plätze wie Flughäfen und Stadien werden ja bereits seit Langem als neuralgische Punkte verstärkt geschützt – und Paris hat ja gerade bewiesen, wie ganz klassische „Ordnungs“-Maßnahmen das geplante Hauptmassaker verhindert haben.
    So könnte man vielleicht eine 50 Punkte-Liste aufstellen, was alles zu tun und zu untersuchen wäre. „Einreisende besser kontrollieren“ braucht meines Erachtens gar nicht unbedingt drauf stehen, viel wichtiger wäre es einreisende Waffen besser zu finden – also eher verdächtige Fahrzeuge filzen als bärtige junge Männer.
    Nur müsste man als erstes auf das Niveau von Merkel kommen und die Tatsachenlage nüchtern wie eine Physikerin betrachten. Habt doch bitte jetzt nicht alle so fürchterliche Angst! So schlimm ist es doch gar nicht. Der IS lernt schwer und daher vermutlich zu spät, dass Terror und völlige Isolation gegen den Rest der Welt letztlich ein fataler taktischer Fehler sind. Ich würde sogar vermuten, dass der Kipppunkt 2015 überschritten wurde, es für den IS sozusagen bereits 1941/42 ist. Dass wir die Kapitulation in circa 3 Jahren sehen, ist doch eine Prognose, die zuversichtlich stimmen sollte …

  35. 35
    Walter

    Es hier so darstellen, als hätten die USA vor Jahren mal einen Fehler gemacht, ist vor dem Hintergrund der sich täglich fortsetzenden verbrecherischen „Politik“ der westlichen „Demokratien“ wenig nachvollziehbar. Ein enormer Verfall von Recht und Moral, den viele offenbar immer noch nicht wahrnehmen wollen oder können.

    Ganz bestimmt werde ich mich nicht hinter eine Regierung stellen, die mehr denn je Waffenlieferungen in Krisengebiete zulässt, die aktiv den kalten Krieg wieder entfacht hat, die sich unterwürfig an Umstürzen gewählter Regierungen oder Massenmord per Drohnen beteiligt. Wir sind nicht die Guten.

    Selbstverständlich gilt es, die Ursachen für Flucht und Terror zu bekämpfen und nicht die Flüchtlinge. Das erreicht man aber nicht mit Kampfjets. Oder um es mit den Worten des Theologen Eugen Drewermann zu sagen: „Die Nato ist heute die schlimmste Angriffsarmee der Weltgeschichte.“

  36. 36
    g.h.

    neben dem fast schon obligatorischen „danke“ für den text auch noch ein spezielles „danke“, dass du daesh auch wirklich daesh nennst. das kommt hier in diesem land ja leider noch viel zu selten vor. die macht der worte wird leider zu oft unterschätzt.

  37. 37

    @Walter: In dem Punkt „Ursachen bekämpfen“ sind sich bestimmt viele einig. Trotzdem braucht es noch ein bisschen Arbeit drumherum, um das überhaupt möglich zu machen, oder? Und natürlich sind „wir“ nicht die uneingeschränkt Guten. Gibt es die denn überhaupt?

  38. 38
    Taki

    Danke für diesen Artikel, Johnny!

    Zu Deinem zweiten Absatz: Natürlich waren in den Terroranschlägen bisher immer wieder Zivilisten betroffen, aber ich denke schon, dass diese Anschläge sich von den anderen unterscheiden (ohne damit die vorigen relativieren zu wollen!): 1) es trifft eine europäische Großstadt ein zweites Mal innerhalb einer relativ kurzen Zeit, trotz aller sicherheitspolitischen Konsequenzen aus den „Charlie Hebdo“ – Attentaten 2) vorher konnte man im „falschen Zug“ oder „falschen Flugzeug“ sitzen, jetzt können wir in jedem Café und auf jedem Konzert getroffen werden. Wir sollen uns nirgendwo mehr sicher fühlen. Damit haben die Terroristen ein Ziel erreicht. Zum Glück erreichen sie aber nicht immer ihre selbstgesteckten Ziele. Nicht auszudenken, wenn die Selbstmordattentäter es ins Stadion geschafft hätten! (Aber warum lässt sich ein angeblich militärisch ausgebildeter Kämpfer von einem Wachmann abhalten, ins Stadion einzudringen?)
    Was jetzt als Konsequenz geschieht (und in diesem Jahr auch schon passiert ist), ist in IMHO ein Dammbruch. Wenn vorher schon immer wieder das Pendel verständlicherweise reflexhaft Richtung Sicherheitsdenken ausgeschlagen ist, so hat es diesmal sehr fundamental öffentliche Konsequenzen angestoßen (um mal im Bild zu bleiben). Und wer will schon verantwortlich sein, wenn etwas schiefläuft?
    Es werden (leider!) mehr öffentliche Veranstaltungen abgesagt und es wird mehr überwacht. Wir wollen uns ja sicher fühlen und das wird sich wohl in Zukunft auch fortsetzen, also haben die Terroristen ein weiteres Ziel erreicht.
    Auch wird wohl so die VDS weiter durchgedrückt werden (auch, wenn ich sie nicht für das sinnvollste Instrument halte und die Anschläge in Paris leider eben gezeigt haben, dass sie sich damit nicht verhindern lassen.) Viele Maßnahmen erscheinen mir oft mehr wie ein magisches Ritual gegen die allgemeine Angst. Hauptsache, es wird etwas getan! Also werden (zum Beispiel) einfach mal Daten gesammelt, was das Zeug hält, irgendwo findet man bestimmt was und schon gibt es ein Mehr an angeblichem Sicherheitsgefühl. Wir wollten halt nicht ohnmächtig sein.
    Ebenso die Kriegsrhetorik: Jetzt muss doch mal durchgegriffen werden! Was das im konkreten Fall bedeutet, weiß noch niemand so genau und die ungefähr wahrscheinlichen Ergebnisse dieses „Durchgreifens“ sehen wir unter Anderem im Irak und Afghanistan. Ich habe auch keine endgültige Lösung und ich glaube, in diesen Tagen verantwortlich zu sein, ist echt n harter Job. Um es mal zu pointieren: Egal, ob Du das Spiel absagst oder stattfinden lässt (und es passiert etwas), Du hast irgendwie immer die Arschkarte.
    Hoffen, lieben und weiterleben ist wohl die einzige Option. Mir fällt da wieder der etwas hilflose Kommentar eines Journalisten in der ARD ein: „Aber die Pariser wollen sich nicht unterkriegen lassen, sie wollen weitermachen.“ Ja, natürlich, was auch sonst?

  39. 39
    ich

    @Johnny Haeusler: da wird auch barbie für die töchter gekauft, cola getrunken, chips gegessen. in ihrer doppelmoral sind sie letztlich arme würstchen aus schweinebret. scheint ein problem der unterdrückerreligionen zu sein.

  40. 40
    m

    Das Problem heisst Islam.
    Jeder, der das nicht wahrhaben will ist ein naiver Idiot.

  41. 41
    Armin

    @Taki: das haben die IRA und Konsorten schon vor Jahrzehnten durchgezogen (ETA usw vermutlich auch, da kenne ich mich nicht so mit aus). Da hat’s auch diverse Sicherheitsmassnahmen gegeben und die haben irgendwelche pubs, shopping centres und sonstwas in die Luft gejagt. Sowohl in (Nord-)Irland als auch in Grossbritannien.

    Zugestanden, auf ein bzw zwei Laender beschraenkt, aber das konnte auch „jeden“ treffen.

  42. 42
    Taki

    @Armin: Völlig richtig, dass es jeden treffen kann. Aber mein Kommentar beschränkte sich eigentlich auf die im Artikel genannte Organisation und deren m.E. leicht veränderte Strategie.

  43. 43

    @m: Was ja alle Verschwörungsfreunde verbindet, egal welcher Ausrichtung: Alle, die nicht der gleichen Überzeugung sind, sind „naiv“.
    Und natürlich auch Idioten.

    Es ist daher mit großer Wahrscheinlichkeit völlig überflüssig, dir zu antworten, aber ich hab gerade drei Minuten Zeit:

    1) Worauf basiert deine Annahme?
    2) Wenn du recht hättest: Welche Konsequenzen ziehst du daraus?

    Glücklicherweise hast du nicht recht, deine Antworten auf diese beiden Fragen interessieren mich dennoch.

  44. 44
    Gondor

    Als erstes eine Frage: Findest Du es (für Dich) wirklich sinnvoll jetzt (mit m) eine Diskussion über „den Islam“ anzufangen?

    Zum Artikel:
    Um einen Satz Deinerseits aufzugreifen
    „Es genügt nicht, die Tore zu öffnen.
    Es muss ich auch etwas dahinter befinden.“
    Möchte das selbst gern anders formulieren:
    Es genügt nicht die wirtschaftlichen Grenzen zu öffnen (sprich eine EU zu etablieren) Es muss auch die Zustimmung der betroffenen Bevölkerungen vorhanden sein. Und die sind zu einem grossen Teil nicht wirklich gefragt worden. Die (Lobby-)Politik richtet an, die Bevölkerungen baden aus. Die Diskrepanz wird von (rechten) Populisten ausgenutzt, die im Grunde die selben Lobbyinteressen bedienen wie die momentanen Entscheider in der Politik.
    Das die humanitäre/europäische Idee grundsätzlich unterstützt wird wird, denke ich, durch viele länderübergreifenden Initiativen/Projekte und u.a. auch die vielen Freiwilligen zum Anlass Flüchtlinge deutlich. „Die Politik“ aber konterkariert das anstatt entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen.

    Wer mir übrigens die Frage beantworten kann warum es in dieser Parteienlandschaft (wenn man denn schon diese Demokratie-/Gesellschatsform bevorzugt) scheinbar ums Verrecken keine wählbare Partei gibt die die „Vernünftigen“ wählen könnten bekommt von mir einen Keks.

    Ich „verstehe“ das alles auch nicht mehr. (Willkommen im Klub)

    Btw. Überlegung: „Wie realisiert man die Umsetzung des digitalen KlickKlick-„Aktivismus“ so vieler in eine realpolitische „Macht/Bewegung/Einfluss“ in der realen Welt“ Wäre das nicht ein Thema für die re:publica?

  45. 45

    @Gondor: Erste Frage: Nee, sinnvoll ist das nicht, aber ich kann es manchmal nicht lassen … :)

    Was Europa angeht (was bei der letzten re:publica das Thema war, jetzt aber natürlich nochmal ganz andere Gewichtung bekommen hat): Sehe ich ähnlich. Und die rp wird garantiert einige der Themen wieder aufnehmen.

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