Statt HSV – St. Pauli Freiburg gegen die Eintracht zu sehen, das ist, wie wenn man Meerweh hat und dann nur in den Aquadom darf. Obendrein war das Spiel so seicht wie ein Froschtümpel. Momentan haben wir einen Boxer als Gasthund zuhause, da ist in zwei Minuten mehr los als in diesem kompletten Spiel.
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Bundesliga 19
Hannover 96 stelle ich mir vor wie einen passiv-aggressiven Frosch. Er sitzt den ganzen Tag auf seinem Stein und starrt böse in die Gegend, aber niemand lässt sich dazu herab ihn wahrzunehmen. Das Phänomen Hannover wird überhaupt so gut wie nicht wahrgenommen. Das liegt natürlich daran, dass man aus reinem Selbstschutz Hannover so wenig wie möglich wahrnimmt als einigermaßen normal veranlagter Mensch. Aber nicht nur.
Bundesliga 18
Nuri Sahin steht verlegen vor der ARD-Kamera, denn Beckmann hat Fragen. Wie ein frisch gewaschener Wombat schaut er in die Kamera und grinst. Dass der überhaupt in der Lage ist, einen Zweikampf zu führen, geschweige denn zu gewinnen, meistens zu gewinnen, ist kaum zu glauben. Beckmann ist dementsprechend aufgeregt und fragt (ungefähr), ob denn nun er, Sahin, heute morgen mit einem Lächeln auf den Lippen aufgestanden wäre, das wohl was mit der Meisterschaft zu tun hat, irgendwie, aber direkt wollte er die Frage nicht stellen, stattdessen sagt er fortwährend Sahins Namen in einer Betonung, wie man sie zuvor noch von niemandem gehört hat, er betont den Namen auf der letzten Silbe, er ist ganz schön stolz, dass er das so gut kann. Sahin schaut mit dem gebotenen Desinteresse links und rechts an der Kamera vorbei, wenn die Frage vorbei ist, zögert er kurz und antwortet gelangweilt, was Beckmann langweiliges wissen wollte. Da weiß man wieder, dass er das kann: den anderen auflaufen lassen. Wer das Interview während der Sportschau nicht gesehen hat, der kann sie immerhin hören und dem sei gesagt: es hatte was brandeskes. Andere Frisur, aber sonst.
Diese Abgeklärtheit, diese Coolness und gleichzeitig auch die damit einhergehende Respektlosigkeit, das ist es, was Dortmund momentan auszeichnet. So ist das, wenns läuft. Wenns läuft, dann läufts, da helfen keine Windeln.
Bundesliga-Rückrunde – Das wars, so isses, so hättes sein können
Vor der Saison habe ich, ich erinnere mich ungern daran, die Abschlusstabelle getippt: jetzt ist die Zeit der halben Wahrheit. Ungefähr nichts von dem, was ich prognostizierte, stimmt, aber das macht nichts, denn jetzt ist Zeit für ein paar Korrekturen.
Bundesliga 17
Hells Bells auf St. Pauli, der Aufsteiger hat es läuten hören. Zum ersten Mal seit langem wollen sie mal wieder mitspielen, schön spielen, mit dem Fußball, der sie hat aufsteigen lassen. Ablaufen statt abgrätschen, riskante Pässe in die Spitze statt hoch in den Rückraum, vielleicht sogar ausnahmsweise den ein oder anderen Angriff konsequent über eine Seite auszuspielen. Aber zwei Probleme: der Rasen hatte Akne. Und Mainz.
Bundesliga 14
Es hätte auch ganz anders kommen können. Ein Satz, der immer passt. Ganz besonders auf Werder Bremen. Die Ungelenkheit dieser Einleitung ist eine Hommage an das Konterspiel der Werderaner. Wenn die Menschen so stricken würden wie Bremen kontert, gäbe es keine Norwegerpullis, nur Schals.
Bundesliga 13
Vor einem Jahr, da war der Himmel über Bayern schwarz wie die Seele van Gaals. 20 Punkte, Platz acht, in der Championsleague von Bordeaux zum Pilzesammeln geschickt und heulend wieder nach Hause gekommen: es sah nicht gut aus. Tabellenführer damals: Leverkusen. Spieltag dreizehn kamen sie nach München, und Uli Hoeneß sprach in kaum zu vernehmender Zurückhaltung, mit untertriebener Gestik vom „Spiel der Spiele“. Endergebnis: eins zu eins. Mitleidig sah man nach München und schickte Taschentücher für die kurze Nase van Gaals.
Bundesliga 12
„Im Stile einer Klassemannschaft“, höre ich jetzt fortwährend, habe Leverkusen den Sieg bei St. Pauli in Sack und Tüten gehauen, aber ich kann das nicht glauben, ich habe das Spiel nämlich gesehen. Zehn Minuten lang dachte, Bayer werde den Hamburgern richtig wehtun, aber von wegen: Wie Heynckes schlußendlich darauf kam, dass sie zur Pause hätten dreinull führen müsse, weiß man nicht; vor allem nicht, wenn man weiß, dass Sidney Sam mit seinen Chancen umzugehen pflegt wie ein verwirrtes Eichhörnchen mit seinen Nüssen vor der Winterszeit.
Ausflug mit Ball
Ich kann ja eigentlich gar kein Football, nichtmal nach einer ganzen Staffel Friday Night Lights, aber der Stunt, den die Driscoll Middle School hier unten aufführt, der hat mich vor Begeisterung jauchzen lassen.
Bundesliga 11
Mönchengladbach funktioniert wie ein Beckett-Roman. „Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“ Mindestens aber unterhaltsamer scheitern.
Bundesliga 10
Narzissmus ist kein seltener Charaktermangel unter Fussballprofis: es ist eben schwierig, sich nicht an der eigenen Großartigkeit zu besaufen, wenn Woche für Woche Tausende und Abertausende am eigenen Tun Anteil nehmen. Kommt schon vor, dass man sich dann für so bedeutend hält wie eine hinduistische Gottheit: es hilft dann auch nicht, auf dem Teppich zu bleiben, denn die können bekanntlich fliegen. Read on my dear…






