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Die Mauer fällt noch dieses Jahr (3)

I live by the river!

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Hier geht es zum ersten bzw. zweiten Teil

Es waren schon vorher bei anderen SFB/ORB-Sendern Stasi-Geschichten durch die Reihen gegangen. Jetzt waren sie bei FRITZ angekommen.

Einem der beliebtesten und erfolgreichsten Moderatoren aus der ehemaligen Ost-Mannschaft wurden frühere Stasi-Kontakte vorgeworfen. Und sie wurden von ihm bestätigt. Mega-Sitzung. Krise. Weltuntergang.

Ich hatte nicht viel mitbekommen. Ich war zwischendurch immer wieder mit der Band unterwegs und mischte mich in die internen Querelen ohnehin so wenig wie möglich ein, aus purer Faulheit. Aber diese Sitzung konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Und nun saßen wir da wie zu den Anfangszeiten. Westler auf der einen, Ostler auf der anderen Seite. Gut gegen Böse. Ein paar nicht wirklich erhellende Erklärungen seitens des betreffenden Moderators, unglaubliches Missverständnis auf Seiten der Westmannschaft.

Und ich war genervt. Sehr. Ich war genervt von den heuchlerischen Reaktionen meiner West-KollegInnen. „Erschüttert“ und „verletzt“ waren sie. „Nie wieder“ könnten sie „ihm vertrauen“. Wie konnte er nur. Als hätte er sie persönlich verraten, trotz seiner Beteuerungen, niemals irgendjemanden verraten zu haben und ohne jede Kenntnis der damaligen Situation. Er, der sich immer in den künstlerischen Kreisen des Ostens bewegt hatte, habe Kontakt zur Stasi gehabt, wie so viele, aber wichtige Informationen habe es von ihm nie gegeben. Egal. Es flossen West-Tränen. Unglaublich.

Genervt war ich aber auch von den Ostlern. Wie wär’s denn jetzt mal mit Klappe aufmachen? Den Mann verteidigen, Zustände erklären, Stellung beziehen? Nichts. Schweigen. Kopf runter oder gegen die Decke gerichtet. Ein paar halbgare Versuche, doch die Vergangenheit hatte uns eingeholt. Wir waren dort gelandet, von wo wir uns schon lange entfernt vermutet hatten. Ein Trugschluss der fettesten Art. Was für ein Scheiß-Land, selbst unter wiedervereinigten Intellektuellen.

Ich hatte seine „Talk“-Sendungen mit Kult-Status ein paar Mal gehört und für außergewöhnlich und gut befunden, ich mochte ihn, obwohl ich ihn nur selten getroffen hatte. Und nun saß er da wie ein Häuflein Elend, ohne nennenswerte Unterstützung der „Seinigen“ und der unwissenden Dramatisierung der „Anderen“ ausgeliefert. Mir missfiel das alles. Und es interessierte mich brennend.

In einer Mischung aus Naivität und Neugierde war mein „Ich finde das spannend, wollen wir mal ein Bier trinken gehen?“ das Einzige, was richtig schien. Klar. Lass machen.

Und so begann eine merkwürdige Verbundenheit, die ich im Nachhinein mit gegenseitiger Ehrlichkeit, Respekt und andauernder Neugier erklären möchte. Ich habe immer auf mein Recht auf westlichen Kulturschock gepocht, habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich die Puhdies (und, wenn ich ehrlich bin, fast alles, was mir damals an Ost-Kultur bekannt war) Scheiße finde, habe erklärt, warum ich bestimmte Dinge nicht verstehe. Im Gegenzug har er mir einige große Namen des Ostens (und damit Deutschlands) näher gebracht, mir Gegebenheiten, unterschiedliche Sichtweisen vermittelt. Wir haben uns unsere Helden erklärt. Was für ihn Heiner Müller war, war für mich Joe Strummer. Beide sind sie tot.

Wir haben uns Fragen gestellt, haben uns bemüht, Dinge zu erläutern, uns das gegenseitige damalige und aktuelle Leben zu beschreiben. Aus seiner Sicht konnte ich sein früheres Handeln verstehen. Das reichte mir, um mich nicht über ihn zu stellen. Und es reichte uns beiden, um nicht in die Falle des „wir sind alle gleich“ zu tappen, sondern um die Chance des „wir sind anders“ zu nutzen und daraus etwas zu machen.

Also plauderten wir in den kommenden Monaten live on air über unsere Unterschiede, unsere Vorurteile, unsere Sorgen, unsere Sicht der Dinge. Wir redeten über die Banalitäten des Alltags, über Kunst und Musik. Und wir hatten einen ungeheuren Spaß dabei, der sich auf die HörerInnen in Ost und West übertrug. Die halbe Stunde, die meiner Sendung folgte, seiner voranging und die aus diesen gemeinsamen Plaudereien bestand, wurde in kürzester Zeit und zur Freude einiger Menschen an den Berliner und Brandenburger Radios zum eigentlichen Kern unserer beider Shows. Als das alles 1998 aus schwierig wiederzugebenden Gründen aufhörte, gingen wir beide unsere eigenen Wege. Unsere Kontakte sind sporadisch, aber immer herzlich und vertraut.

Und so stehe ich heute da, inmitten dieses Berlins, das tief im Osten Deutschlands liegt und kann mit Grund sagen: Es wird noch ewig dauern, bis dieses Land wirklich vereinigt ist, und dabei geht es nicht um Gehälter. Dresden ist nicht Hamburg und wird es auch hoffentlich niemals sein. Ich verfahre mich immer noch in Mitte und werde nie erfahren, ob die Frauen aus dem Osten besser ficken, aber eines kann ich mit Sicherheit allen Himmelsrichtungen empfehlen:

Learn to love it. Kommt mal aus euren Höhlen raus, es gibt viel zu lernen.

47 Kommentare

  1. 01

    Amen.

    Ein sehr schöner Schluss und eine sehr persönliche „westdeutsche“ Sicht auf die Dinge. Ich kenne von den Verwandten primär die „ostdeutsche“, insofern sehr interessant.

    Und wenn wir eines Tages endlich das west und ost streichen können, ist es endlich geschafft.

  2. 02

    Ja, Euren gemeinsamen Teil habe ich auch damals sehr gern gehört. Den Umgang des anderen Moderators mit der Stasi-Sache fand ich, nun ja, seltsam. Ich hätte wirklich gern mehr erfahren.

    Aber: daß du, der du mit Sticks & Stones für meine musikalische Erziehung quasi mitverantwortlich bist, ostdeutsche Rockmusik mit Puhdys und Rammstein abhakst, hat mich schon ziemlich schockiert, als ich neulich den Gerhard-Schöne-Artikel las.

  3. 03

    Schöner Dreiteiler. Da fang ich jetzt mit Mitte 30 auch schon an, in den guten, alten (Radio)Zeiten zu schwelgen… mann mann mann
    Ehrlich gesagt würden mich die „schwierig wiederzugebenden Gründe“ sehr interessieren, wenn das nicht zu persönlich ist.

  4. 04

    Theoretisch eine einwandfreie Sache, das die Mauer gefallen ist, so kommt man leichter nach Berlin, und leichter wieder raus. Aber mal ehrlich wer will schon mit Magdeburg, Paderborn oder Gera vereinigt sein? Ich nicht. Das liegt aber vielleicht auch daran das mir das Gefühl „gesamt deutsch“ zu sein nicht so liegt. Ich geh auch lieber zu Union als zu einem Länderspiel. Ach und so nebenbei bemerkt musikalisch fällt mir tatsächlich wenig ein, zum Osten, letztens saßen wir bei einem Bier und haben uns überlegt welche wirklich gute, evtl. auch grosse Band den aus Süddeutschland kommt bzw. kam – eingefallen ist uns nichts, zumindest nichts von Bedeutung.

  5. 05
    StefaNL

    @Johnny du sprichst mir aus der Seele hatte für 3 Jahre eine Freundin in Brandenburg und habe mich zu der Zeit in Berlin Verliebt. Kann es aber bis heute nicht verstehen das alle um den ost west quatsch so eine show machen.
    zum thema ob die Frauen aus dem Osten besser ficken: nein, nur anders :-)

    @Gene October ich hoffe die Aufzählung Magdeburg, Paderborn oder Gera war nur Sarkastisch.
    Ach und du hast Bielefeld und München vergessen :-)

  6. 06

    …und Gütersloh, ganz besonders Gütersloh….

  7. 07
    sik

    ups, wo bin ich hier? etwas verwirrt darüber, dass wir hier auch einen du-weisst-schon-wen haben, scheint es mir nach 15 Jahren deutscher Einheit immer noch eine ganze Menge Trennendes zu geben. Auch ich habe Kuttner damals oft und gerne zugehört, denn um den geht es ja wohl. Oder sollte hier vielleicht von Lutz Bertram, oder einigen anderen, der ehemaligen DT64-Garde die Rede sein, die eine ähnliche Vergangenheit haben/hatten? Wohl kaum, denn eure gemeinsamen Gespräche waren mir manchmal auch recht unterhaltsam. Manchmal nur deswegen, weil ich zur der Zeit damals selten zum Radiohören kam.
    Das Trennende was ich meine, scheint mir auch darin zu liegen, dass ich hier in allen Kommentaren der drei Blogs zum Thema irgendwie nur „Wessies“ entdecke. Gibt es knapp 16 Jahre nach dem Fall der Mauer keinen mehr, der im ersten sozial… *hüstel* Staat auf deutschen Boden lebte. Ich schon. Nur heute nicht mehr. Heute lebe ich im Vorzeige-Ländle mit der niedrigsten Arbeitslosenquote in diesem unseren Lande. Das ist auch genau der Grund.
    Nein, Ost-Frauen ficken übrigens nicht besser, auch nicht wirklich anders. Meine ist aus dem Westen, mein Beitrag zur Wiedervereinigung;)
    Und was hört man da gestern wieder hauptsächlich in den Nachrichten? Selbstbeweihräucherung unserer Politiker im Streit um das Kanzleramt. Da reisst uns ein „Du bist Deutschland“ auch nicht wirklich raus.
    Schluss jetzt, muss schaffa;)

  8. 08

    @StefaNL
    Woooah, das mit dem „Ostfrauensex“ geht ja wohl etwas zu weit (≈ „Haben schwarze Männer größere Schwänze?“) – wird der Ostler, das unbekannte Wesen, hier jetzt in den Zoo gestellt?

    Zustimmen kann ich, dass Stuttgart/München mir viel fremder sind, als z.B. Magdeburg oder Rostock.
    Und bin oft erstaunt darüber, dass so mancher Altbundesbürger nicht mal weiß, wo Halle liegt oder welche Sehenswürdigkeiten z.B. Dessau zu bieten hat.

    Einen interessanten Nachmittag hatte ich, als mich meine 10jährige Nichte (lebt bei Magdeburg) mal fragte: Was war eigentlich die DDR?
    In der Schule wurde sie Zugezogene als Wessi beschimpft. Erklären, was das ist, konnte ihr aber keiner der Mitschüler. Für Kinder im Osten wird die jüngere Geschichte wohl genau so ausführlich überliefert, wie damals im Westen der 50er …? Hab mich gefreut, dass sie solche Fragen stellte!

    … VEB ist ein Fußballclub, ABV ein voller Anrufbeantworter und die DSF ist Spochtfernsehen…

  9. 09

    @StefanNL
    Ach ich hab da soviel vergessen – aber München ganz sicher, das war ein Fehler. Aber den Ost/West Quatsch gibt es auch wenn man es nicht wahr haben will, erlebe ich tagtäglich auf Arbeit – ist nie schlimm, meistens erheiternd und manchmal muss die eine Seiten nur noch den Kopf schütteln – typisch Wessi eben

  10. 10

    @sik
    sic!!!
    Aber in Süddeutschland kann man ziemlich anecken, wenn man bemerkt, dass ihre niedrigere Arbeitslosenquoten vielleicht auch damit zu tun haben, dass Hunderttausende schwäbischer Ehefrauen nicht in der Statistik auftauchen.
    In anderen Bundesländern ist es durchgesetzter, dass eine Frau (selbst wenn sie verheiratet ist) einen Beruf ausüben könnte… oder sich eben bei der Agentur drum bemühen.

  11. 11

    @Frau Generator: Nicht mal als Neubundesbürgerin weiß ich, welche Sehenswürdigkeit Dessau zu bieten hat…. Nicht mal nach einem sehr flüchtigen Blick zur wikipedia kam mir die eine Erleuchtung, warum ich das wissen sollte….

  12. 12

    Ich kann Frau Generator mehr als tendenziell zustimmen. Auch ich fühle mich in Rostock und Magdeburg mehr zu Hause, als in Stuttgart oder Köln.
    Aber was ist daran so schlimm? Es gibt mit Sicherheit genügend Hamburger die mit München nicht so richtig warm werden. Und hier gab es noch nicht einmal eine 40jährige Auszeit in der gemeinsamen Geschichte.
    Nord-Süd-Unterschiede sind immer nur amüsant bis liebenswert und Ost-West-Unterschiede ein deprimierendes Zeichen, der noch nicht vollzogenen inneren Einheit?

  13. 13

    Welche Sehenswürdigkeiten haben den Rothenburg? Oder Bad Dürkheim?

  14. 14
    sik

    @generator: sik ist schon richtig, da es als akronym nichts mit dem lateinischen sic zu tun hat. sic;)
    Ja es stimmt, BaWü ist sicherlich auch das Land der Hausfrauen und ich kann jeder nur raten, sich aus prinzip arbeitslos zu melden, um die Statistiken zu korrigieren. Aber hier in BaWü sieht es dennoch wohl besser aus als anderswo, wirtschaftlich. Habe mich gerade selbst neu beworben, zwei Bewerbungen raus, erste gleich angenommen und fange dort neu an.
    Was hier in BaWü auffällt ist der hohe Anteil an (Ex)-Ossis in den Firmen. In meiner jetzigen Firma sind es etwa 15% in der neuen ist der Anteil genauso hoch. Warum? Flucht aus einer Armutszone? Hat jemand die Wahlkampagne der Partei (Die Partei) mitbekommen? SBZ – Sonderbewirtschaftungszone. Und dann den (leidlichen) Witz gehört wonach die Mauer aus Glasbausteinen wieder aufgebaut werden sollte, damit „die im Osten“ sehen, wie schnell man sich im Westen wieder erholt, wenn kein Soli mehr fällig ist?
    @Charles: Ja, es ist deprimierend! Aber was hilft da? Ein Augen-zu-und-durch sicher nicht. Aber Du-bist-… will mir auch nicht so richtig schmecken!

  15. 15

    Also Rothenburg hat nur Spielzeugläden und Weihnachtsmuseen zu bieten. Im Prinzip auch noch ne sehr schöne Stadt, die aber nicht mehr auffällt, für Spielzeugläden und Weihnachtsmuseen.

  16. 16

    Els: Bauhaus und Wörlitzer Park, beides sehr sehenswert, beides Unesco-Weltkulturerbe.

  17. 17
    sik

    @els: Pfingsten gibt’s dann noch den Meistertrunk, jedes erste Septemberwochenende die Reichsstadttage, das Kriminalmuseum nicht zu vergessen, Taubertal-Open-Air, aber im Grunde … ja, Wohlfahrt-Weihnachtsdorf. Und ich bin kein Rothenburger, wie schon erwähnt!

  18. 18

    Oh ja… da werden Erinnerungen wach. Ich hab Euch damals viel und gern zugehört, hätte aber nie gedacht, dass intern so eine Schmierenkomödie aufgeführt wurde. Hatte damals eigentlich die Hoffnung gehabt, dass man bei Fritz schon ganz locker mit den Dingen umgehen konnte. Letztendlich – so mein Eindruck – ist Kuttner ja ganz unbeschadet aus der Sache gekommen. Ich habe seine Videoschnipselabende in der Volksbühne genossen – für mich war die persönliche Vergangenheit des Machers eher nebensächlich. Aber das mag auch daran liegen, dass meine Erinnerungen an die Zeit vor dem Mauerfall eher pubertäre sind. Ich hatte halt nix auszustehen und deshalb auch keinen Grund bitter zu sein.

    Danke für die Erinnerungen ;-)

  19. 19

    Mal hinausgehen und sich umgucken war prima. Vor acht Jahren zog es mich von West nach Ost-Berlin. Vor drei Jahren lebte ich für knapp ein halbes Jahr in Thüringen, nun bin ich wieder im Osten Berlins untergekrochen. Und im Februar begrüßen wir unser ost-west-deutsches Kind, ein Wossi.

    Nicht lästern und über einander maulen: Gucken gehen, eigene Erfahrungen fernab des Boulevards sammeln.

  20. 20

    Die Sehenswuerdigkeit bei Dessau ist der Wörlitzer Park und in Dessau selbst na was wohl?
    Woher kommt Bauhaus nochmal? nunja.

  21. 21

    Stralau, meine Einschätzung der Ost-Popkultur basiert auf Nichtkenntnis, das habe ich aber oft thematisiert, Jürgen hat sich ja immer bemüht, mich weiterzubilden. :)

  22. 22

    @Sik
    Ich habe auch keine was da helfen könnte. Wüßte ich es, würde ich mich um den Job als Bundeskanzler bewerben. Sofern Frau Merkel dort, auf Jahrzehnte, nicht (für Ostdeutsche) verbrannte Erde hinterlässt. ;-)

  23. 23

    Es kommt mir immer so vor, als ob der eine (auch eine Gegend oder Stadt) nie akzeptieren kann, daß der andere auch seine Potenziale oder Schönheiten hat. Zum „musikalischen Osten“ kann ich nur sagen, daß Bach und Händel eindeutig von hier kommen und seit mehreren hundert Jahren „in“ sind!

    Es ist im Kleinen wie im Großen, da versteht sich Köln nicht mit Düsseldorft (und umgekeht) oder Leipzig kann mit Dresden wenig anfangen. Dabei sind es wohl einfach die Menschen die dort leben, die einer Gegend das Gesicht geben – neben Geschichte, Architektur und Landschaft. Es wird mehr als Zeit grundlegend Vorurteile in Frage zu stellen, auf allen Seiten (im Osten, Süden, Westen und im Norden).

    Ich kann also @Herr Schwaner nur zustimmen und sagen: Neugierig sein und neue Erfahrungen machen und für den Moment die Voruteile zur Seite stellen – das hilf so manche Mauer im Kopf abzureißen!

  24. 24

    Johnny: Ja, stimmt schon, du hast es ja im Artikel sogar im Nebensatz gesagt. Das hört sich da oben auch empörter an, als ich einklich war. Einklich war ich gar nicht empört (mußdochjederselberwissenoberdummsterbenwill), ich setze nur nicht so gern Smilies.

  25. 25

    Ja, Smilies nerven. Aber helfen halt manchmal. Zumindest werden sie hier nicht in gelbe Gesichter verwandelt….

  26. 26
  27. 27
    sandbender

    jonny my dear- du brauchst dringend eine fettere netzanbindung die ladezeiten sind jenseits von gut und böse oder wolltest du die erfindung der digitalen langsamkeit zum patent anmelden.

    ansonsten keep up the good work

  28. 28

    @sven: yep, so läuft das nunmal immer. frag mal einer ’nen sachsen der zu ddr-zeiten nach berlin oder an die küste pilgerte. puuuh…

    @els: dessau im nächsten februar -> http://www.kurt-weill-fest.de

    @johnny: noch interessanter finde ich ja diese art von palaver, wo dir ein süddeutsches gegenüber erstaund mitteilt das er ja im leben nicht drauf gekommen wäre das du ein zoni bist. und schweigsam ist der rechtselbische bildungsbürger auch wenn man vergleiche zwischen stasi und den erben der organisation-gehlen heranzieht.

  29. 29

    Heute ist ja leider immer noch normal, Ossis und Wessis kulturel zu trennen. ich selbst kenne das. Ich bin Ossi, habe sogar eine Zeitlang in Chemnitz gewohnt. Wirke aber nicht wie einer, liegt wahrscheinlich daran das ich fast direkt nach dem Mauerfall rüberkam. ich kenne andere Ossis diw noch wie Ossis wirken. Sie sind meist auch wesentlich später in den Westen gekommen.
    Die Ostkultur ist immer noch vorhanden und lebt weiter. In jedem Ostdeutschen. Auch dort gibt es PC mit Internet und Handys, aber die kultur bleibt Ostdeutsch. Ob es daran liegt das viele Westdeutsche noch immer ein falsches untolerantes Bild vom Osten haben und Ostdeutsche sich deshalb nicht richtig mit dem Rest von Deutschland identifizieren können, oder an anderen Gründen ist mir leider fern. Ich will es auch gar nicht wissen.
    Auf jeden Fall hast du Recht, Johnny, wenn du sagts „Learn to love it. Kommt mal aus euren Höhlen raus, es gibt viel zu lernen.“
    Der Westen muss jetzt lernen, nicht der Osten.

  30. 30
    herrschulze

    ja, johnny,

    die halbe stunde dienstags zwischen zehn und halb elf war tatsächlich der heimliche höhepunkt eurer beiden sendungen. und das nicht nur für die hörer in berlin und brandenburg, sondern auch für einige im fernen erzgebirge (die sächsische radiolandschaft ist leider nach wie vor eine wüste, danke lieber mdr!).

    gerade deswegen würden auch mich die „schwierig wiederzugebenden Gründe“ interessieren, die das beendeten. du warst damals ohne erklärung (und abschied?) auf einmal weg vom sender. zumindest hab ich es so wahrgenommen.

    einen adäquaten ersatz für deine sendung gibt’s leider bis heute nicht.

  31. 31
    jochen

    mir laeuft es noch heute kalt den ruecken runter wenn ich die bilder vom mauerfall sehe. als ostberliner konnte ich nicht so emotionslos darueber stehen wie es dem herrn haeusler passiert ist. ich kann es aber nachvollziehen wenn man bedenkt wie wenig beruehrungspunkte zum damaligen osten der johnny (lt. seiner tollen, ganz eigenen, triologie) gehabt hatte.
    ossis und wessis (als ausdruck der politischen herkunft, nicht der regionalen) wird es noch so lange geben wie es menschen gibt die von dem einen oder anderen land gepraegt wurden und das wird noch eine ganze weile so bleiben. ich finde das nicht schlimm. es kommt immer darauf an wie man die begriffe verwendet. man kann sie abschaetzig und herablassend verwenden, oder eben als das was sie ausdruecken, die urspruengliche herkunft (und die muss man nun wirklich nicht verstecken).
    frueher habe ich immer auf die frage, woher ich kommen wuerde, geantwortet: berlin, denn ich wusste die leute wollten wissen ob ich ossi oder wessi bin und mir gefiel es nicht wenn das das erste war was man ueber mich wissen wollte. darauf kam dann meist immer die nachfrage: ost oder west? und ich antwortete jedes mal: koepenick. das brachte die meisten nicht weiter (da drueben am rhein) und wenn dann noch immer jemand fragen hatte, dann bestaetigte ich das koepenick zum ehemaligen ost-berlin gehoere.
    zum soundgarden am dienstag/sprechfunk: hat noch jemand antennputztuecher ueber? :-)

  32. 32
    Stalinallee Nordseite

    Dessau ist genau so toll wie Gütersloh!!! Oder auch umgedreht.

    Diese ganzen Ost-West-Mist!!verständnisse hören erst in 2 oder 3 Generationen auf, nämlich dann, wenn alle gleich sozialisiert sind und alle den gleichen Mist in der Schule „gelernt“ haben, wenn es keinen mehr gibt der sich an „DIE GUTE ALTE ZEIT“ erinnert und zwar aus eigenem Erleben.

    Und Radio, Radio war ne spannende Zeit…

    98 zwo kriegt ihr nicht k.o.
    An den Slogen von Rockradio B erinner ich mich nicht mehr, aber der war genau so toll.

    Danke Johnny !!!

  33. 33

    Den Mauerfall selbst hatte ich verschlafen, war wohl kein besonderes Fernsehprogramm diesem Abend. Am nächsten Tag habe ich aber alles nachgeholt und bin rüber in den Westteil Berlins. Für mich, der ich eher nüchtern rational alles sehen wollte, war es emotional überwältigend, wie in der Mauerlücker die ersten Tage und Wochen Westberliner uns zuapplaudierten und sich freuten. Man sah individuelle Wiedersehen von Leuten, die sich offensichtlich lange nicht sehen konnten. Das war starker Toback. Ich glaube noch heute, das diese Euphorie auch die Bereitschaft auf beiden Seiten beinhaltete zuzupacken. Aber dann kamen Prophezeiungen von bühenden Landschaften, die für beide Seiten sehr bequem waren. Natürlich stand ich auch (aus heutiger Sicht: wie ein Blödmann) vor dem Kaisers-Track, wo Schokolade und Kaffe verteilt wurde. Wie auch immer, ich habe schnell dazugelernt. Ich denke, mittlerweile waren alle Ossi’s im Westen, haben sich informiert und dazugelernt.
    Jonny’s Wessi-Sicht finde ich fair und offen. Leider verkörpert er damit nicht die breite Masse.
    Abschließend fände ich es gut, wenn Ossi/Wessi als Thema verlieren würde. Beispiel: ALG wird im Osten weniger gezahlt. Damit schürt man wieder Ost/West-Gerede. Hätte man es nicht einfach an sachlichen Lebenshaltungskosten/Bundesland festmachen können? Es sollte doch die geographische Region bei so was keine Rolle spielen.

  34. 34
    Ostfrau

    Hmm…..ich finde den Ausdruck „…ob Ostfrauen besser ficken…“ irgendwie herabwürdigend. Ist das beabsichtigt? Warum?

    Einige der Kommentatoren scheinen auch immer noch nicht zu begreifen, was 1989 passiert ist. Aus Sozialismus wurde Kapitalismus und das dauert nun mal ein paar Jahre, weil Menschen mit im Spiel sind.

    Na, dann. Frohe Einheit. Bin etwas neidisch auf eure Einheitspartys in Potsdam und Berlin. Hier in HH ist die Einheit keine Feier wert :-(.

  35. 35
    oxymoron

    @ Johnny – Danke für die Story über die Entstehung der Übergabesendung. Ich hab sie oft und gern gehört, natürlich nach dem Soundgarden! :o) Meine Schwester hat mir sogar mal ein Tape mit einigen dieser Sendungen in die USA geschickt, als ich gerade ziemliches Heimweh hatte!

  36. 36

    Hat den jemand einen Tip für eine interessant Band aus Süddeutschland? Oder von mir aus auch aus dem Osten?

  37. 37

    Ausgesprochen interessant, das aus der Perspektive zu lesen. Feiner Stoff.

  38. 38
    flix

    sehr guter ansatz. wirklich gut. kleine pessimistische prognose: die usa sind seit 140 jahren offiziell ein land, und dennoch können sich norden und süden nicht riechen. wollt ihr das? ich nicht. spread the word!

  39. 39
    Kasi

    Johnny, danke für die Fritz – Story. Habe damals als 13-16jähriger gerne Kuttner gehört (always in my heart: Die Haushaltsgeräte-Sendung) und erinnere mich noch gut an die halbe Übergabestunde. Daß Du allerdings DER Johnny bist, der damals mit Kuttner plauschte – das war mir als Spreeblick-Novize noch nicht klar. Prima!

    Jeder hier hat so seine eigene Geschichte zum Thema Wiedervereinigung, da will ich meine eigene nicht noch extra dazugeben. Was aber fast alle gemeinsam haben ist die Freude über das Ende einer erzwungenen Teilung eines Landes. (Ich kapiere bis heute nicht, wie man sich als damals wie-auch-immer politisch gepolter Mensch nicht über das Ende eines Zwangssystems freuen konnte, ohne im nachhinein über die eigene Weltfremdheit zu erröten.) Und das sollte man vielleicht festhalten, egal wie man über die heutige Situation Deutschlands denkt.

  40. 40

    Das ist wohl auch der eignetliche Punkt: Nicht Gleichmachen sondern die Unterschiede akzeptieren und auch nutzen. Unterschiede zwischen nord und Süd sind allen bekannt und keine große Sache, doch kaum verläuft die „Grenze“ in der anderen Richtung, entstehen Probleme.

  41. 41
  42. 42

    worauf man auf der suche nach sachen nicht so alles stoßen kann, haha.
    jedenfalls das jetzt hier in einer mischung aus „ja, das war was, damals“, „aha, so kam das also zu dieser kollaboration“ und (wie oben ja auch schonmal erwähnt) „für musikalische sozialisation mitverantwortlich – danke..“.
    ich hab seit 1999 kaum mehr außerhalb von autos und fremden küchen radio gehört und mache mich jetzt baldmöglichst mal auf die suche nach den alten mitschnitt-tapes.

  43. 43
    Guido

    Ich erinnere mich an die Radio 4U-Abschiedssendung, irgendwas vor Mitternacht. Ihr habt den Namen „Fritz“ wirklich gehasst, schon damals, und das auch On Air gesagt. Nach all den Jahren weiss ich nicht mehr, ob Du in der Sendung auch dabei warst. Auf jeden Fall war sie sehr bewegend. Danke für die Show.

  44. 44

    @Guido: Ja, da war ich dabei. Danke zurück „¦ für die Erinnerung. :)

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