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Eine Murmelbahn aus Papier

In den nächsten paar Tagen bin ich unterwegs, werde also noch weniger schreiben. Das ist für alle Leserinnen und Leser natürlich eine heikle, fast existenzbedrohende Situation: den ganzen Tag vor dem weißen Bildschirm, im Internet wieder nix los, alle 1.639 Spreeblick-Artikel schon dreimal gelesen und kommentiert, was soll man da machen?

Fear not, fellow Konsensgegner! Lest einfach den folgenden Artikel, druckt euch die Bilder und die Anleitung aus, besorgt euch viele große Bögen Papier, ein paar große Bögen Pappe und etwas Klebstoff, klaut den Nachbarskindern eine Tüte Murmeln und bastelt übers Wochenende …

Eine Murmelbahn aus Papier!

Untertitel: Spiel, Spaß und auch Fun and Games für die ganze Bagage!

Um zu einer Papiermurmelbahn zu kommen, bei deren Anblick Frauen vor euch auf die Knie fallen und sich Männer neidvoll abwenden werden, braucht man neben den oben genannten Utensilien und etwas Geduld noch eine gute, große Schere. Noch besser ist ein anständiger Cutter (Vorsicht! Das Laminat!) und ein möglichst großes Schneide-Lineal. Also nicht das aus Holz.

Die Papier- und Pappe-Bögen sollte man so groß wie möglich wählen, wenn man Superlativen in der Geschichte des Papiermurmelbahnbaus anstrebt, und wer tut das nicht? DIN A3 reicht kaum, geht aber, dauert halt etwas länger mit der Streckenplanung.

Für eben jene Strecke wird das Papier benötigt. Man schneidet zunächst viele Längsstreifen aus, deren Breite vom Durchmesser der verwendeten Murmeln abhängig ist, da ein Drittel der Papierbreite die spätere Bahn ausmacht (die anderen beiden Drittel bilden die Seitenteile). Soll heißen: hat die Murmel einen Durchmesser von acht Millimetern, sollten die Längsstreifen ca. dreimal einen Zentimeter breit sein (man kann den Computer dafür ausgeschaltet lassen, einmal kurz mit dem Auge prüfen reicht völlig). Die Kugel muss durch die Bahn passen, die man nach dem Zurechtschneiden der Papierstreifen durch zweimaliges, gleichmäßig verteiltes Längsfalten eben dieser Streifen vor sich sieht. Siehe Bilder, siehe PDF-Anleitung.

Mit diesen zu einem eckigen „U“ gefalteten Papierstreifen lässt sich viel anstellen, wenn man es ernst meint mit der Papiermurmelbahn-Konstruktion. Kurven baut man, indem regelmäßig verteilte Einschnitte in ein Seitenteil und die Hauptstrecke die Verformung des Papierstreifens zulassen, überlappende Elemente werden nach Zufriedenheitsprüfung mit der Kurvung zusammengeklebt. Loopings sind ähnlich umzusetzen, allein müssen an dieser Stelle die Einschnitte an beiden Seitenteilen, nicht jedoch an der Hauptstrecke erfolgen. Siehe Bilder, siehe PDF-Anleitung.

Mit etwas Experimentierfreude kommt man durch dieses simple, aber effektive Verfahren der Papierstreifen-Manipulation auf erstaunliche Ideen wie Murmel-Falltüren, Sprungschanzen, Wippen und andere Schwerkraft-Studien. Siehe Bilder, siehe PDF-Anleitung.

Damit die Murmeln jedoch murmeln können, und zwar am besten der gerade mühevoll erstellten Strecke entlang, braucht die Bahn Stützen. Hier kommt (wer gut aufgepasst hat, hat es bereits vermutet) die Pappe ins Spiel. Naturgemäß kräftiger als Papier soll sie uns ihre Dienste für das Stütz- und Ständerwerk zur Verfügung stellen. Ein wiederholtes Mal werden dafür möglichst lange Streifen ausgeschnitten. Diese werden jedoch nur einmal längs gefaltet. Ein kleiner Längsschnitt an einem Ende des Streifens sorgt dann für zwei herumflabbernde Enden, mit deren Hilfe man die neugewonnenen Streckenstützen, -pfeiler und -ständer auf eine Grundplatte (auch hier: Pappe rules, ok!) aufkleben kann. Siehe Bilder, siehe PDF-Anleitung.

Die richtige und umsichtige Planung, der natürliche Feind des echten Nerds, lässt sich umgehen, indem man Kleber wählt, der die Einzelteile nicht sofort unwiderruflich aneinander bindet. Probieren geht auch hier über ihr wisst schon und nach einigen Minuten hat man nicht nur den Papierbogen raus. Siehe Bilder, siehe PDF-Anleitung.

Zweiflern sei gesagt: Das alles macht höllisch Spaß, ist auch für Kinder ab etwa sechs Jahren eine, na klar, erbauliche Erfahrung (Papa plant, die Kinder lernen Streifen schneiden) und vor allem: es funktioniert. Die Bilder, entstanden im letzten Winter, beweisen es und für die ganz Kritischen und P.M.-Redakteure unter euch gibt es ein paar kurze MPG-Videoclips von unserer Bahn. Auf die sich irgendwann der Hund gelegt hat.

Video „Gesamtansicht“ (3,2 MB)
Video „Viele Murmeln“ (1,6 MB)
Video „Looping“ (1,2 MB)

42 Kommentare

  1. 01
    Gunnar

    Fast meditativ, wenn man die Videos in der Schleife sieht/hört, besonders „Viele Murmeln“.

  2. 02

    Kleber der nicht sofort fest wird:
    Fixo Gum, das Grundutensiel eines jeden Studenten der Stadtplanung/Architektur. Stinkt wie Sau, hält aber gut und lässt sich jederzeit wieder lösen.

  3. 03

    Tipp für die Kleinkunstschaffenden:

    eine passende Kulisse herrichten
    das Ding bauen lassen (verwandte- oder Nachbarsgören – so hat man dann auch gleich viele Namen für den Abspann) :)
    die Szene hübsch ausleuchten
    Feuerzeugbenzin bereitstellen
    Nach einigen Testfahrten das Papier gut mit dem Brandbeschleuniger einweichen

    ***Kamera ab***
    **Kamera läuft**
    „Äktschn!“
    **abfackel**

    „cut, gestorben“

    Das Ganze mit dramatischer Musik aufbretzeln. Geschrei aus Katastrophenfilmen reinmischen.

    Wenn man mit mehreren Kameras arbeitet und/oder ein paar Zeitlupenstudien reinschnippelt, kann man den kleinen Event locker auf 5min. strecken.

    Yeah! Wer richtig Phantasie hat, „interviewt“ vorher die Murmeln.
    Und danach vielleicht ein paar Überlebende.
    Man könnte kleine Smilie-Gesichter draufmalen und mit Stop Motion arbeiten…

  4. 04
  5. 05

    johnny, bist du dir darüber im klaren, das du sicherlich bald geboinboingt wirst?

    btw genial :d brauch ich nur noch ausreichend papier :)

  6. 06

    bald kommen ja wieder die langen, dunklen winterabende … ich glaube ich weiss was ich dann bastel …

  7. 07
    Pascal

    Hätte nicht gedacht, dass sowas hält, wenn die Murmeln durchrauschen… Aber bei sanfter Streckenführung hat man eh nichts zu befürchten.
    Man könnte auch ein Videohandy auf einem Matchboxauto hinter einer Murmel runterfahren lassen und mit der Grafik von Marble Blast Gold, das beim iBook usw dabei ist vergleichen…

  8. 08

    Eine wirklich tolle Idee. Was macht man bloß an den langweiligen Winterabenden dieses Jahr, wenn man keine Kinder hat …?? Ich werde wohl im Internet sein ;-)

  9. 09

    habe just auch über was aehnliches gebloggt ;-) frueher, als ich noch kind war habe ich auch so ne aehnliche murmelbahn gebaut. ich fand aber auch meinen geldautomaten mit papierfuehrung sehr unterhaltsam, der das geld durch ein paar papierne kaskaden durchrollen liess und dann nach groesse aussortiert hat :)

  10. 10
    Tony

    Was zm Teufel ist eine Murmelbahn?

  11. 11

    So lasse ich mich auf keinen Fall abspeisen, Herr Johnny. Ich werde jeden Tag hier auftauchen und Frust bekommen, weil nichts neues da steht. Und das wird für das mit Ihrer Seite verknüpfte Wohlbefinden nicht förderlich sein. Ich will geführt werden. Basta.

  12. 12

    Prima! Gleich an alle befreundeten Eltern weitergeleitet.

    Auch prima: das Spreeblick-Logo im PDF.

  13. 13

    Och nöö, Johnny – ich hab doch noch nicht mal mein USS Defiant (DS9) Pappmodell fertig, und dann kommst DU auch noch mit sowas?

    Ich komm zu nix mehr, noch nicht mal zu meinem Spanisch-Kurs.

  14. 14

    Manueller Trackback (mein Blog findet die Trackback-URL nicht):
    […] Für die, die es etwas weniger exklusiv, aber dafür interaktiver und actionreicher haben möchten wurde gestern auf Spreeblick eine Anleitung zum Bau einer eigenen Murmelbahn veröffentlicht. […]

  15. 15

    Super, der Tag ist gerettet und ich muss bei diesem blendenden Sonnenschein nicht raus, sondern bau eine Murmelbahn. Habt dank, habt dank, am Ende hätte ich noch soziale Kontakte pflegen müssen, soweit kommt es noch. ;)

  16. 16
    nahlinse

    Ich musste so eine Bahn mal bei einem Teambildungsseminar bauen. Einziger Unterschied, wir durften keinen Kleber verwenden. Material: Jede Menge Papier und 5 Büroklammern. Gewonnen hatte das Team, bei dem die Kugel am längsten brauchte, bis sie unten angekommen war. Schönes Gefrickel war das :-). Interessanterweise haben die reinen Ingenieurteams nicht gewonnen. *eg*

  17. 17
    Martin

    Ihr seid alles opfer!!!! soll ich euch von ramona sagen. Ihr Looser.

  18. 18
    anton zellerhoff

    Liber Johnny,
    wenn mann die Videos rückwärts laufen lässt, dann ist das ganz lustig. Dann springen die Murmeln zurück in ein Hand.

    Anton. 5 Jahre

  19. 19

    wie geil ist das denn?

  20. 20
    puppe

    welche stärker nimmst du bei den pfeilern und bei der bahn selber?
    ich habe die pfeiler mit 220g/m² und die bahn aus „normalem“ druckerpapier..ca.90g/m² gemacht–ich komme aber damit nur 20cm hoch..
    welchen klerber benutzt du..der uhu stick scheint mir ein bissche schwach zu sein und eine ganzschöne sauerei..bitte um antwort

  21. 21

    puppe, ich hab’s nicht gewogen, aber das papier war schon schwerer als normales druckerpapier (fast pappe) und die pfeiler aus sehr festem karton…

  22. 22
    Black66

    ey dein projekt ist sau geil aber schwer zu bauen ich werde es versuchen

  23. 23
    johannes

    Hallo,
    Gibts das PDF noch?
    Genau sowas suche ich nämlich.

    lg johannes

  24. 24

    ich find die murmelbahn total klasse

  25. 25

    murmelbahn= :-) :-) :-) :-) :-) :-) :-) :-) :-) :-) :-) :-) :-) :-) :-) :-)

  26. 26
    anja

    hallo,
    gibt es die pdfs irgendwo noch? ich würde so eine murmelbahn nämlich mit meinen kindern in der schule gerne bauen und brauche noch ein paar anregungen.

    lg*anja

  27. 27
    anja

    oh, hab gerade entdeckt, dass die letzte pdf funktioniert. graziaze*anja

  28. 28
    leon

    geil super

  29. 29
    leon

    echt graß will ich haben

  30. 30

    @leon muttu baun un graß rauchen

  31. 31
    Buba Lila

    … super Idee, und danke für die ausführliche Anleitung – ich werde auch jeweils ein solches Pappmodell bauen und es erst danach mit anderen, festeren Materialien, Schläuchen, Gipsstrecken, feinem Pappmachee, Holz, Posterrollen etc. bleibender umsetzen.
    Ein Super-Projekt auch für (ärmere) Kinderheime…

  32. 32
    Buba Lila

    … und noch eine Ergänzung fällt mir dazu ein: aus Alu-Einweg-Geschirr kann man mit Hilfe von Bastelsplinten und Sekundenkleber richtig geniale Teile dazu bauen.

    Man kann leicht Löcher in die (hohen, einfach hinbiegen) Seitenwände bohren und das Bahn-Teil mittels Paketschnur oder Draht flexibel an der Strebenkinstruktion vertäuen… als etwas hochwertigere Streben eignen sich, abgesehen von vertäuten Holz-oder Bahnbus-Stöcken, für die Edelvariante auch Plexiglas-Rohre…Löcher kann man ja hineinbohren…

    … Mittels eines vertäuten Boden- und Mittelrahmens an den Grundpfeilern müsste das halten… klar, nageln und das Anbringen von Winkeln und Schrauben für die „Variante Festung gehen natürlich auch…

    Die flexible Fassung aber könnte man, samt Schläuchen, auch im jeweiligen Sandkasten um den Sandhügel herum montieren…

  33. 33
    Buba Lila

    … und es nimmt kein Ende.

    Zur Perfektionierung unserer Bahn können wir uns Einweg-Alu-Aschenbecher besorgen.
    Wenn wir diese umdrehen, ergibt sich eine Fahrrinne, die zwar eventuell noch nicht ganz glatt, aber schon sehr gut vorstrukturiert ist.

    Das schneiden wir in Schieben-Stücke und biegen alles hin, wie es uns am besten passt.

    Billig zu kriegen sind auch Lochzangen und Ösen mit 5mm Durchmesser.

    Wir stanzen also Löcher in den oberen Rand, jeweils am Ende unserer Schiene, und versehen diese Löcher für längere Haltbarkeit und flexiblen Einsatz mit je einer Öse.

    An diesen Ösen lassen sich die Schienen mit einander verbinden, aber auch am Rahmen der Bahn oben aufhängen bzw. am Stützpfeiler festbinden.

    Das geht mit jeder Schnur, aber natürlich auch mit einer schicken Metall-Bastelkette von 3mm Durchmesser. Zu letzterem dann noch Häkchen aua Draht biegen, um die Kette an den Ösen einzuhaken. Geht natürlich auch für die Schnur.

    Als Rahmen kann man auch Bambusstäbe zu einem Tipi-Gerüst verbinden und die mindestens 3 Spitzzelt-Pfeiler dann innen und außen mit weiteren Bambusrohren verstreben (durch Verknoten).

    Daran hängt man die Aluschienen, den durchsichtigen Plastikschlauch etc. dann auf.

    Einen Schlauch bzw. eine Bahn kann man außerdem ja grundsätzlich außen herum führen, spiralförmig, für die einfachen, stetigen Dinge im Leben.

    Und wer hat, stellt die gekaufte Bahn, z.B. das Plastikkonstrukt von vidaXL mal 3 auf einander montiert, irgendwie in die Mitte des eigenen Konstruktes.

    Das passt aber auch gut an eine Wand, mit Aufhäng-Leiste und/oder Deckenhaken.

    *roll*

    Und am Schluss führt ein Weg in die ganz alte Ur-Holz-Murmelbahn, die am Schluss Punkte gibt.

    Ja. Vom Höhepunkt aus geht’s immer nur bergab, und vom Tiefpunkt aus geht’s immer nur bergauf.

    Das weiß schon die Parabel… :-)…

  34. 34

    Zu guter Letzt:

    Kann man Reste von alten Schienen-Kugelbahnen einfach in daa Alumunium der Einweg-Geschirrteile einlegen und diese um die Schienen herum drapieren.

    Gibt’s oft billig, von defekten Bahnen.

    Das Papier des Modells ist noch nützlich, um die Alubahn innen auszukleiden. Man muss ja eventuell Nahtstellen zwischen den Bauteilen überbrücken, wenn man eben keine Schienen hat.

    Mir hängt gerade schon eine an der Spitze des Außentipis aufgehängte, zu ihrer Mitte hin leicht nach oben gewölbte Kreuzung mit vier Ausgängen vor dem inneren Auge…von da aus führt die Bahn in vier Richtungen abwärts… nachdem sie zuvor evtl. aus vier Richtungen darauf zu führte… pyramidal… die Wölbung erreicht man z. B. durch Unterkleben der Alukreuzung mit biegsamem 3mm-Aludraht… eine Art Wipp-Waage….

    Punkte vergibt man evtl. je nach dem, wo die Kugel liegen bleibt.

    So. Jetzt aber.

    Nochmal danke für die Starthilfe und für das klasse Modell…

  35. 35

    … PS:

    Den mobilen Rahmen ersetzt für feste Installation leicht und jedenfalls über kürzere Strecken noch immer transportabel die häufig gebraucht und günstig anzutreffende Klappleiter bzw. Klapptrittleiter.

    Die gibt’s in so vielen unterschiedlichen Höhen, dass jung und alt problemlos gleichzeitig daran herumwerkeln können.

    Bei Holzleitern: egal, ob man bindet, klebt oder nagelt.

    Und anmalen kann man det olle Dingje ooch….

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