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Carbon/Silicon

carbon/siliconZugegeben, man benötigt eine romantische Vorliebe für gealterte Helden und eine Abneigung gegen technisch „gute“ Musiker (Fachjargon: „Mucker“), um Carbon/Silicon überhaupt eine Chance geben zu wollen, denn zu … naja … „fragil“ waren die bisherigen Songs, egal ob mpfree oder nicht.Und nun hat das mit viel Spaß und Selbstironie gestartete Projekt von Tony James (ehem. Generation X und Sigue Sigue Sputnik) und Mick Jones (ehem. The Clash und Big Audio Dynamite, was übrigens immer noch ein grandioser Bandname ist) mit „The Last Post“ das erste „echte“ Album veröffentlicht. Wie es sich gehört habe ich das Werk erstanden ohne vorher reinzuhören, die Jungs brauchen schließlich jeden Cent und die Aktualisierung der Clash-etc-Sammlung fällt ja in den letzten Jahren finanziell nicht mehr wirklich ins Gewicht. Ich tat dies in voller Erwartung eines Albums, das bestenfalls meine eingangs erwähnten Instinkte befriedigen würde und das somit vielleicht für nicht mehr als ein Lächeln sorgen würde.Und jetzt bin ich ein bisschen baff. Denn Sensationen sind die 14 größtenteils in früheren Versionen erhältlichen Songs zwar bestimmt nicht, aber sie sind alles andere als schlecht! Mick Jones, vielleicht durch seine Erfolge mit den Libertines und den Babyshambles in seinem Selbstbewusstsein als Künstler gestärkt, hat sich viel Mühe mit dem Gesang gegeben, der durch die für ihn typischen Kindermelodien mäandert und dabei seltener den Halt verliert als man es von anderen Aufnahmen gewöhnt ist.Der Sound entspricht einerseits den Erwartungen und bewegt sich somit auf sympathischem Home-Recording-Niveau, wirkt aber andererseits nicht ganz so schnell hingehauen wie die früheren Carbon/Silicon-Nummern. Die Credits hierfür gehen an Bill Price als Produzenten bzw. Remixer, einen weiteren alten Helden, den Jones und James offenbar ebenfalls „wiederbelebt“ haben. Wer also mit B.A.D. und SSS klar kam, wird mit CSI (wie sich die Band als „Carbon/Silicon, Inc.“ gerne abkürzt) keine Enttäuschungen erleben.Die Helden der Helden haben sich kaum verändert und auch für unpeinliche Selbstreferenzen sind CSI alt genug: In „The Whole Truth“ wird mal wieder „All Day And All Of The Night“ von den Kinks zitiert, „What The Fuck“ (sic … ) dürfte jedem Clash-Fan ob der Gitarrensounds einen Schauer über den Rücken jagen und bei „Really The Blues“ höre ich „Atomic“ von Blondie. Mit anderen Worten: Alles gut.Value what is neccessary, leave what is not. Das Tony-James-Blog, massig MP3s für lau und weitere Infos gibt es bei der Bande selbst.Oder hier:Video aus dem StudioDirektCIS LiveDirektBBC-InterviewDirekt

3 Kommentare

  1. 01
    ber

    Okay, alte Helden, sympathisch, toll dass sie immer noch … aber das ist leider etwas schlaff. Ich wünschte Mick Jones würde mal, vielleicht nicht schreien, aber ich hab das Gefühl der ist total gehemmt. War der schon immer so?

  2. 02

    Naja. Der war mal jünger, würde ich sagen. :) Aber ich weiß, was du meinst.

  3. 03
    ber

    Doofe Frage – „Should I stay …“ ging also mal.

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