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moli: (We) Control Your Privacy?

Schön und gut, wenn ein irisches Social Network mit dem Claim „Control Your Privacy“ 20 Millionen Euro Zusatzkapital auftreiben kann, aber irgendwie blöd, wenn neue Nutzer mit PR-Spam begrüßt werden.

Die Basis-Geschäftsidee von moli ist dabei nicht die schlechteste. Die Site, die bald auch in Deutschland starten will („Freuen Sie sich darauf — da wird es wirklich spannend!“) will u.a. mehrstufige Kontaktfreigaben ermöglichen.

Soll heißen: Ich kann bei moli verschiedenste Social Networks (Facebook, LinkedIn, MySpace usw.) integrieren oder „mergen“, mit einem Login erreichen und die von mir hinterlegten Inhalte (Fotos, Videos …) einzeln für von mir festgelegte Kontaktgruppen freigeben. Meine Bikini-Fotos könnten somit nicht alle meiner „Kontakte“ sehen, sondern nur diejenigen, die ich persönlich bei den ABCs (den Anonymen Bikini Crossdressern) kennengelernt habe.

Netzweite Kontrolle über die eigenen Daten ist ein immer lauter werdender Wunsch von Internet-Nutzern und garantiert eine gute Business-Chance für entsprechend vertrauenswürdige Anbieter. Ob moli ein solcher ist, darf zur Zeit jedoch noch bezweifelt werden.

Denn kurz nachdem sich die irische Designerin und Bloggerin Sabrina Dent bei moli angemeldet hatte, wurde sie von ihrer moli-Mailbox bereits mit Spam-Freundesanfragen begrüßt, die nach ihrer durch Kommentare in ihrem Blog ausgelösten Recherche auch noch direkt von moli-Mitarbeitern stammten.

Kein wirklich guter Start in die angebliche Kontrolle der Privatheit, sondern eine weitere Warnung vor zu viel Vertrauen bei der Weitergabe von persönlichen Daten an kommerzielle Anbieter. In diesem recht harmlosen Fall ging es vielleicht um übereifrige StartUp-Teams, in anderen Fällen könnten es auch mal Praktikanten sein, denen u.U. der Zugriff auf unsere als „privat“ gekennzeichneten Daten nicht verschlossen ist und die in ihrer Weitergabe entweder einen lustigen Witz oder ein gutes Geschäft vermuten könnten.

Ein System, dass die Kontrolle über persönliche Daten im Netz erlaubt, kann daher nur ein offenes und dezentrales sein. Ein weiter ausgebautes OpenID etwa (Update: siehe hierzu jedoch auch die vorhandenen Bedenken, via).

15 Kommentare

  1. 01
    Philipp

    Ich will auch deine Bikini-Fotos sehen, Johnny. :)

  2. 02

    @Philipp: Da musst du erstmal eine Freundesanfrage schicken und mich in dein Profil ploppen oder wie das heutzutage heißt „¦

  3. 03

    Sehr wahr — nur der letzte Satz mit Verweis auf OpenID ist eher nicht so ganz das gelbe. siehe Identity Corner oder auch Ralf Bendrath. So ganz gelöst sind die Probleme, die alle möglichen Anbieter vereint, noch nicht.

  4. 04

    @Johnny Haeusler: gruscheln, heißt das ;)

    Aber zum Artikel: Im Prinzip „vergrößert“ man seine Privatsphäre dadurch nicht, man verschiebt sie nur. Jetzt ist eben die Frage traue ich Facebook oder Moli mehr? Und besonders wenn es um die netzweite Identität geht, sollte man sich ziemlich genau überlegen, ob und wem man vertraut. Schließlich (reine Annahme von mir jetzt) hinterlegt man seine Benutzerdaten für zahlreiche andere Netzwerke.

    Mir wäre es viel lieber wenn tatsächlich ICH die Kontrolle über meine Daten hätte. Sprich: die zentrale Netzindentität läuft nicht auf den Servern eines übereifrigen Start-ups sondern auf meinem eigenen. Denn nur dann habe tatsächlich ich die Kontrolle über die Daten. Und, zumindest vor einigen Monaten, noch keiner daran gedacht hat, habe ich ein entsprechendes Projekt gestartet > http://cocur.org.

    Sorry für die Werbung, aber es musste sein. Es passt einfach zu gut. Außerdem ist bei Cocur ja alles CC, ohne Werbung und so. Ich hoffe das ist ok.

  5. 05

    @einbecker: Danke, habe ich ergänzt!

    @Florian: Kein Problem mit dem Hinweis, gerne doch. Den Mainstream wird man mit einer eigenen Server-Lösung jedoch kaum erreichen, eine Lösung muss ohne jeden Aufwand einfach selbstverständlich integriert sein — für jeden Nutzer. Glaube ich.

  6. 06

    @Johnny Haeusler: Ja. Aber ich glaube auch ein Großteil der Menschen die sich das nicht auf dem eigenen Server installieren, würden sich auch nicht bei Netzwerken wie Moli anmelden, nur um mehr Privacy zu erlangen.

  7. 07
    Arno

    Der einzige Weg seine Privatsphäre zu kontrollieren ist immer noch Enthaltsamkeit beim Hochladen.

  8. 08
    erlehmann

    @Florian: Wie wäre es mit Jabber / XMPP als Basis für das dezentralisierte Social Networking ? Schau dir XEP-0154 [1] an und denk darüber nach.

    Der ganzen OpenID-Kritik können zwei Dinge entgegen gehalten werden.
    1. SSL – Das beugt Phishing wirksam vor.
    2. Wer will, kann sein eigener Provider sein.

    Es gilt – wie sonst auch: Sicherheit kommt nur mit einem Preis – hier ist dieser in eingeschränkter Benutzbarkeit spürbar. Wichtig ist allerdings: Wessen Email-Postfach heutzutage geknackt wird, der hat bereits ein Problem, dorthin werden die Passwörter gesendet.

    [1] http://www.xmpp.org/extensions/xep-0154.html

  9. 09

    @erlehmann: XMPP ist zwar für den Austausch von Profilinformationen nützlich, aber um dezentrales soziales netzwerken zu ermöglichen, müssen zusätzlich auch Aktionen wie „Freund hinzufügen“, etc abgewickelt werden können.

  10. 10
    erlehmann

    @Florian: wieso, das geht doch bei jabber wunderbar – „freund“ ist, wer in meiner liste steht „½

  11. 11

    Was sind die Anonymen Bikini Crossdresser?
    Ein Verein?
    Kann ich da Mitglied werden?

    Wann werden die Bikini´s gezeigt?

    Igor

  12. 12

    @Igor: Mitglied wirst du erst, wenn du dein neues Blog mindestens ein Jahr lang täglich gefüttert hast „¦ und gelernt hast, dass man Bikinis ohne Apostroph schreibt „¦ ;)

  13. 13

    @Johnny

    Bei der Schreibweise von Bikinis gebe ich dir Recht.

    Igor

  14. 14

    Ich glaube, hier liegt ein Missverständnis der Redaktion vor. Ich habe mich im Rahmenm einer Studie eingehend mit MOLI aueinandergesetzt – und leider auch angelegt. Das Werbeversprechen ist zwar ein scheinbarer Schutz der Privatsphäre. Zum damaligen Zeitpunkt – Start der BETA-Phase – war vom „merger“/ intergrieren anderer Profile unter MOLI aber nicht die Rede. Selbst wenn dies vorgesehen wäre, kann ich ja nicht die ursprünglichen Daten/ Infos unter den integrierten Anwendungen auf deren Serven „abstellen“ oder unsichtbar machen. Vorgesehen ist wohl die Möglichkeit verschiedene Profile unter Moli anzulegen, na und? Es wird dem Unternehmen kaum gelingen, alle jetzigen User von XING und myspace abzuziehen…
    Ich sehe insofern aus den verschiedensten Gründen keinen Sinn und keinen Nutzen in der Plattform. Das Angebot der geschützten Privatheit ist kein USP, sondern ein UAP – ein reines Werbeversprechen. Der beste Schutz der Privatsphäre ist immer noch der, sich genau zu überlegen, WAS man von sich preisgibt, also veröffentlicht und das Bewusstsein darüber, dass das Web 2.0 eben einen Veröffentlichungsmechanismus darstellt und in Gangsetzt. Und was am schwersten wiegt: WAS IST NEU? NIX!
    Mit besten Grüßen aus Berlin xxx

  15. 15

    ps. Hier ein Auszug aus der original Pressemitteilung, der meinen Ansatz bestätigt – na und!?

    Unter MOLI.com können die Mitglieder zahlreiche Profile innerhalb eines Kontos erstellen und sie ihren beruflichen oder privaten Bedürfnissen anpassen. Dabei hat jedes Mitglied die Möglichkeit, den Zugang zu seinen Profilen zu organisieren: entweder öffentlich für alle, privat nur für einen bestimmten Nutzerkreis oder versteckt, was nur ein ausgewählter Kreis sehen kann. Darüber hinaus können die Mitglieder auf MOLI.com Produkte und Dienstleistungen in ihren eigenen Onlinegeschäften verkaufen und dabei auf das sichere Zahlungssystem PayPal zurückgreifen.

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