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Kommentare kommentieren

Fabian Mohr erwartet ein Mindestmaß an Identität von seinen kommentierenden Leserinnen und Lesern, Stefan Niggemeier, der sich bereits für einen Kommentar Dritter vor Gericht verantworten musste, bietet das Ausblenden der Kommentare auf seinem Blog an und bei anderen Blogs wie z.B. Bildblog oder Anke Gröner sind Kommentare gar nicht erst möglich. Und für die Mainstream-Presse steht eh fest, dass das so alles nicht mehr gehen darf. Eines der wichtigen Alleinstellungsmerkmale der Blog-Kultur, die offene Kommentarfunktion, die Einladung zur Diskussion, ist sicher nicht vom Tode bedroht, doch es riecht etwas komisch.

Etwa 0,5 bis 2 Prozent der täglichen Spreeblick-Leserinnen und Leser mischen sich an regulären Tagen aktiv in stattfindende Diskussionen ein, die überragende Mehrheit unserer Besucherinnen und Besucher liest Spreeblick also „passiv“. Solche Zahlen mögen auch mal größeren Schwankungen unterliegen und unterscheiden sich bestimmt von denen anderer Sites, dennoch werden die „stillen“ Leser wohl auch in anderen Blogs die Mehrheit bilden. Diese Erkenntnis ist m.E. enorm wichtig: „Die Kommentatoren“ sind nicht „Die Leser“, sondern ein kleiner Teil von ihnen.

Kommentierende Blog-Leser mögen also in der lesenden Minderheit sein (und böse Zungen behaupten sogar, dass einige von ihnen gar keine Leser sind), doch sie sind diejenigen, die sichtbar sind, und so prägen sie das Bild eines Blogs u.U. überproportional mit. Denn die Ausdrucksweise, der Ton, die vorhandene oder fehlende Freundlichkeit, der Grad an Respekt vor Dritten in den Kommentaren können neben den Artikeln die Stimmung eines Blogs maßgeblich für alle beeinflussen.

Wir dürfen und wollen uns nicht beschweren: Faktisch machen sich die allermeisten Spreeblick-Kommentatoren auch bei Kritik die Mühe, ganze Sätze zu tippen und halbwegs beim Thema zu bleiben oder einfach nur respektvoll miteinander umzugehen, doch wie in jeder Kneipe auch sind es nicht diejenigen Gäste, mit denen man lacht, trinkt und diskutiert, sondern diejenigen, die in freudiger Erwartung eines Rauswurfs andere Gäste anrempeln, Frauen anbaggern oder anders Streit suchen, die einem den Tag oder Abend versauen können. Und obwohl ich mir die Frage „Warum?“ immer noch nicht ohne Zuhilfenahme psychologischer Nachschlagewerke beantworten kann, obwohl ich gelernt habe, Trolls zu ignorieren, Rassisten zu löschen und auf Unterstellungen oder Lügen möglichst nicht zu reagieren, bleibt nicht nur für den oder die Betreiber eines Blogs oft ein bitterer Beigeschmack und ein Verlust an Spaß übrig, wenn auf einen längeren Artikel persönliche Anfeindungen gegen den Autor, andere Leser oder Dritte in den Kommentaren stattfinden.

Immer häufiger bekommen wir Mails von Leserinnen und Lesern mit Hinweisen/ Korrekturen/ Meinungen direkt zu einem bestimmten Artikel, etwas, das noch vor zwei Jahren Seltenheitswert hatte, als Kommentare eben als Kommentar gepostet wurden. Ausnahmslos begründen die Leser dann ihre Mail anstelle eines Kommentars damit, dass sie „keine Lust haben, sich in den Kommentaren anpöbeln zu lassen“ oder „mit den Spinnern in den Kommentaren nichts zu tun haben wollen“ (das sind Zitate). Und immer wieder höre ich in Gesprächen mit Lesern, dass sie die Kommentare nicht interessieren würden oder dass sie sich von den Kommentaren in Blogs sogar abgestoßen fühlen. Das ist eine traurige Tatsache und vor allem: Schade.

Denn solches oder ähnliches Feedback scheinen auch andere Blogger zu erhalten, was zu den oben aufgezählten Reaktionen führt. Und obwohl man durchaus berechtigt darüber lästern kann, dass es eine umfangreiche Redaktion wie die der SZ offenbar nicht schafft, die eigenen Kommentare mit Fingerspitzengefühl zu moderieren, scheint es angebracht zu sein, wieder einmal die Diskussion über die Diskussion jenseits der rechtlichen Lage zu führen (die wiederum keineswegs neu ist — man denke an viele Foren oder auch an Heise). Denn egal, ob es der Wahrheit entspricht: Der Ton mancher Kommentare, die Art der Auseinandersetzung, wie sie teilweise in Blogs geführt wird, scheint zu einem Blog-Image zu führen, das dem Medium nicht gerecht wird und das vielleicht potentielle Leser abschreckt und somit ein Wachstum der Blogosphäre verhindert. Kommen dann noch vermeintliche Sensationsmeldungen in der Mainstream-Presse hinzu, scheint für viele Menschen festzustehen: Blogs, das sind Websites, in denen sich der hasserfüllte Mob austobt.

Manchen Blogs mag das egal sein und mancher Blogger mag es für ein Zeichen von Schwäche halten, wenn sich Leser oder auch Autoren nicht uneingeschränkt beleidigen oder diffamieren lassen wollen. Doch ich mag mich nicht in einer realen oder virtuellen Gesellschaft bewegen, in der Schwäche als negatives Charaktermerkmal gilt und in der es nach dem Motto „Survival of the loudest“ zugeht. Und ich sehe durchaus gewisse Unterschiede zwischen Meinungs- und Beleidigungsfreiheit.

Ich tue das hier schließlich nicht, um verbale Kriege zu führen und mein Leben mit Hass zu füllen, dazu ist mir meine Zeit zu kostbar. Ich tue es, weil ich davon überzeugt bin, dass eine weit gefächerte Bloglandschaft einen wichtigen Teil zu einer alternativen Medien-, Diskussions-, Informations- und auch Unterhaltungslandschaft beitragen kann. Dass es dabei auch mal rauher zugehen kann und nicht immer jedes Wort sorgsam gewählt wird, ist normaler Teil einer jeden Debatte. Sollten jedoch hasserfüllte und aus Selbstzweck Dritte attackierende Minderheiten das Bild einer Medienform zu prägen beginnen, darf das nur noch ein Grund mehr sein, ihnen nicht das Feld zu überlassen.

(Anlass für diesen Artikel waren die von uns nicht freigegebenen Kommentare und Trackbacks aus den üblichen Richtungen u.a. zu diesem Artikel von Fred, die an Rassismus, Hass und vor allem Dummheit schwer zu überbieten sein dürften.)

108 Kommentare

  1. 01
    Gerhard

    Meine Frage ist allerdings, obes nicht sinnvoller ist, einen massiv und dumm pöbelnden Kommentartroll verbal und in aller Öffentlichkeit zu „zerlegen“, als ihm „radikal“ die Stimme zu nehmen.
    Denn es gehört zu Meinungsbildung dazu, „Idioten“ als Idioten präsentiert zu bekommen.

    Ich rede hier natürlich nur von den harmloserern Äußerungen.

  2. 02
    Der Mob

    Ich würde Kommentare verbieten. Sei der Artikel noch so gut, am Ende stehen immer die Kommentare…

  3. 03

    dann werd ich mal noch schnell was sinnloses schreiben bevor mir der digitale mund verboten wird :)
    danke johnny, immer schön von Dir zu lesen !

  4. 04

    Kommentarfunktionen sind wichtig und gehören zum Medium Internet wie der Schuh zum Fuß – zumindest ist das meine Meinung. Besonders für Online-Journalisten kann das unangenehme Folgen haben – am Ende muss man sich gar mit dem Leser auseinandersetzen und Fehler eingestehen! Aber ist es nicht genau das, was das Medium Internet ausmacht?

    Zeitungen folgen einem einseitigen Informationsweg: der eine schreibt, der andere konsumiert. Und wer dann doch mal einen Leserbrief schreibt, wird meistens totgeschwiegen. Was also bisher nicht ging, wird im Internet möglich: Der Rezipient wird mündig und kann mit dem Autor interagieren. Dass das Einige zum Pöbeln nutzen und dadurch ein saurer Beigeschmack entsteht, ist bedauerlich, aber nicht zu ändern. In keinem Fall sollte deshalb die Kommentarfunktion abgeschafft werden.

    Wiederum bedenklich finde ich, wenn die Pöbeleien dann allzusehr hochgekocht werden. Da wird eine Kleinigkeit zum hochexplosiven Zündstoff und vorallem haben solche Diskussionen die fabelhafte Eigenschaft, sich ins Endlose zu steigern. Das kostet Kraft und Nerven und ist auch noch relativ ertragsfrei. Sich mit konstruktiver, vielleicht auch provokativer Kritik auseinandersetzen, ist keine schlechte Sache. Aber wenn nur noch beleidigt wird, hat das nichts mehr mit Meinungsäußerunsgfreiheit o.ä. zu tun und dann ist es doch durchaus legitim, einen User zu sperren oder solche Kommentare einfach zu löschen.

  5. 05

    In einem solchen Artikel mein seit mehr als zwei Jahren bestehendes Blog aus Kommentierbaren Kommentaren (Klog) heimtückisch nicht zu erwähnen, empfinde ich als persönlichen Affront vergleichbar mit dem Überfall auf den Sender Gleiwitz; ich werde Spreeblick vermutlich aus der Blogroll nehmen müssen oder so!

  6. 06
    Der Mob

    @nora

    Ich will den Artikel lesen, keine dümmliche Kommentare.

  7. 07

    @Der Mob: Sie meinen solche mit Grammatikfehlern drin, Herr Mob?

  8. 08
    Michael

    Kommentare gehören zu Blogs, wenn man das will. Ich meine: Es ist jedem Blogger’s Entscheidung, wie er sein Blog gestalten möchte. Und je nachdem, mit oder ohne Comments, entwickelt sich der Blog auch in eine bestimmte Richtung und versprüht eine gewisse Atmosphäre. Denn die meisten Blogger lesen ja auch die Kommentare und werden durch diese beeinflüsst.

    Viele Artkel bei TechCrunch wären durch Hinweise und Kritiken der Kommentatoren etwa erst garnicht zu standen gekommen. Außerdem lassen sich viele Blogger auch auf Diskussionen mit den Kommentatoren ein und konkretisieren ihre Ansichten, die sie im eigentlichen Post gemacht haben. So zieht sich der rote Faden des Artikels durch die Kommentare fort …

    Wer die Kommentare nicht liest, der riskiert, das Interessanteste zu verpassen.

  9. 09
    lork

    Wenn man kluge Kommentare hervorhebt und Dumme ausblendet, steigert das die Motivation Kommentare zu lesen und zu verfassen IMHO deutlich. Ein sehr gutes, Nutzer basiertes Kommentar-Bewertungssystem hat z.B. slashdot.org. Keine Ahnung ob das auf kleine Blogs übertragbar ist.

  10. 10

    @Sascha Lobo: Wäre das konsequenterweise nicht eine Klogroll?

    Was den Artikel angeht: Kommentare, Schmommentare. Oder so. Ihr habt hier einen viel zu stark ausgeprägten Kommentarfetisch (Wieviele Artikel auf Spreeblick handelten 2007 von Kommentaren? Zugegeben das war kommentarseitig sicher kein leichtes Jahr für Euch. Aber trotzdem.).

    Ein Bewertungssystem wäre auf jeden Fall eine Lösung. Haben größere US-Blogs wie engadget et al auch. Und wie meine Vorkommentierer schon sagten, kennt man ja auch von Slashdot zB. Oder youtube. etc etc

  11. 11
    xconroy

    Zur Motivation für gute Komentare: der Mensch mag es nun mal, wenn man ihm Bienchen und Sternchen als Belohnung gibt ;-)

    Wenn technisch machbar, plädiere ich für folgendes Kommentarsystem:

    Bewertungen als „lesenswert“ oder „exzellent“ analog zur Wikipedia werden hervorgehoben.

    Normale Kommentare erscheinen normal, so wie jetzt.

    Schlecht bewertete Kommentare, sofern sie nicht juristisch angreifbar sind, werden nicht gelöscht, sondern als Spam markiert und müssen extra geöffnet werden (analog zu YouTube).

    Bienchen- und Wettbewerbsdenken werden schon dafür sorgen, daß die User sich Mühe geben, lesenswerte oder sogar exzellente Kommentare zu schreiben (und wie bei Wikipedia sollte man natürlich eine Extra-Kategorie (Anthologie?) einführen, in der die allerexzellentesten Kommentare gesammelt werden).

    Wär das was?

  12. 12

    Ich denke mal, das die Leser eines Blogs (ich setze das jetzt mal voraus), voll mündig sind.

    Deswegen können sie zwischen ordentlichen und ernstgemeinten Kommentaren zu Trollen etc. unterscheiden.
    Vor allem wissen sie, das die Kommentare nicht die Meinung etc. des Bloggers sind. Denn dafür steht ja der Artikel.

    Einfach die Kommentare stehen lassen. Solche Trolle denunzieren sich schon selbst. Und nur solche löschen, die komplett gegen die „normalen“ Geschäftsformen verstoßen.

    Just my 0,02 Euro

  13. 13
    lana

    pöbeleien und dummheiten gibt es nicht nur in der u-bahn und in „spreeblick“-kommentaren, sondern sogar in zeitungsartikeln und blogeinträgen. einen diskurs im sinne von „was sollen bloß die nachbarn denken“ zu führen, wird dem medium genauso wenig gerecht, wie das generalisieren einzelner inhalte, um die kommentarfunktion einer wertung „von oben“ zu unterziehen.

  14. 14
    Sven

    Ich denke, dass man Kommentare in den meisten Blogs nicht mit den Kommentaren in den Internet-Ausgaben der Mainstream-Presse vergleichen kann. Vielleicht sollte versucht werden dies stärker zu kommunizieren, wenn man eine wachsende Bloglandschaft und mehr Leser möchte. Ein positives Beispiel für Kommunikation mit Hilfe von Blogs war gestern auf dem tagesschau-Blog zu beobachten:
    http://blog.tagesschau.de/?p=993
    Jörg Schönenborn, Deutschlands Chefwahlumfragenanalyst, hat mehr oder weniger sofort auf eine Reaktion zu seinem Beitrag geantwortet. Jetzt müsste man den tagesschau-Blog-Kommentierern nur noch austreiben, dass ein Artikel auf einem Blog selbst kein Blog ist…

    Ach ja, ich finde es hat Boing Boing verbessert Kommentare zu zulassen. Und die müssten ja ein Troll-Magnet der höchsten Kategorie sein.

  15. 15

    (mein jährlicher kommentar wird fällig, hust)
    kommentarbewertungen finde ich schwierig, weil meta-meta rating anstrengend ist. was soll man noch alles bewerten? ich will doch nur lesen!
    eine einfache lösung scheints jedenfalls nicht zu geben. bitte lasst euch nicht unterkriegen! übrigens, hat das kommentieren seit einiger zeit bei euch nachgelassen, oder täusche ich mich?

  16. 16

    danke für diesen Artikel!

  17. 17

    ausserdem passiert was gaaaaanz schlimmes wenn nicht ein jeder, der das hier liest, es sofort kopiert und an fünf weitere artikel drankommentiert…
    ernsthaft!!!

  18. 18
    PiPi

    Na,
    dann kann ich getrost weiter meinen ‚Sermon‘ schreiben.

    (Wobei ich nicht mal weiss was das Fremdwort bedeutet)

  19. 19

    kommentare sind ein thema so leidig wie der nahostkonflikt und ebenso unlösbar wie dieser.
    es gibt kommentare wie die die der anlas dieses artikels waren, die muß man löschen.

    ansonsten muß man sich des öfteren mal im lokalen pelzhandel eindecken. ich finde die tendenz zur zensur bedenklich. bedenklich finde ich auch die mär vom respekt vor anderen, der toleranz etc. pp. .

    der grund warum blogs und foren solche probleme haben ist nicht primär darin zu sehen das leute online die sau soviel mehr rauslassen als im rl.

    das problem liegt darin das wir alle unser leben so gestalten das wir uns mit menschen die radikal anderer ansicht sind nicht auseinandersetzen müßen.

    nicht um sonst haben wir die gesprächstabus die wir haben : religion, geld, politik. darüber spricht man nur mit gleichgesinnten weil da schnell der spaß aufhört.

    online treffen die haltungen ungefiltert aufeinander und die kommunikation unter abwesenden mit den bekannten handicaps heizt die gemüter noch mehr auf.

    jetzt schlägt landläufig die stunde der sozialpädagogen. es wird zu einem respekt, einer toleranz und einem grad an diskurskultur aufgerufen das niemand in seinem eigenen alltag lebt, lebt im streit mit menschen die das gegenteil des eigen lebensentwurfs vertreten.

    die vielbeschworene sachlichkeit ist ein mythos der bürgerlichen öffentlichkeit und erfordert enweder die abwesenheit starker überzeugungen oder eine nicht all zu großen variationsbreite des meinungsspektrums.

    politik ist immer ad hominem.

    trolle muß man löschen oder ignorieren, auf jeden fall aber mit nichtbeachtung strafen. für den rest des streibarenpublikums gilt aber das wir hier auf dem neuland das wir gerade roden nicht zu früh mit dem zäune ziehen beginnen sollten. wir müßen uns an die rückkanalfähige öffentlichkeit erst gewöhnen.

    wir haben hier zum ersten mal tatsächlich öffentliche und nicht veröffentlichte meinung und die tünche der zivilisation ist in der breite eben viel dünner als das viele wahrhaben wollen.
    das alles sah man nur nicht in den klassischen medien, hier bekommt eine stimme was vorher keine hatte. das hat die digitale boheme von klein bloggersdorf mit dem prekariat der nachmittagstalkshows gemeinsam.

    was den kommentar abstinenten teil des publikums anlangt, die gab und gibt es offline auch. in der, schule in der uni, die schweigende masse die angst hat den mund auf zu machen. die schreiben jetzt eben mails und das ist gut so, so haben sie ihre form des austausches gefunden.

    vielleicht bin ich als /. und heise sozialisierter netizen etwas härter im nehmen und etwas schneller im ignorieren aber ein blog , zumal eines das sich mit politik und gesellschaft befaßt, ist kein ponyhof und keine gesellschaft zur gegenseitigen bewunderung .
    wieviele gespräche entwickeln sich offline den zu einem wirklich fruchtbaren austausch, eben nicht so wahnsinnig viele. anderes zu erwarten weil wir uns schriftlich äußern ist unrealistisch. die menschen werden durch vernetzung nicht klüger sie werden nur mit ihrer eigenen unzulänglichkeit stärker und direkter konfrontiert und lernen vieleichtetws daraus. und wenn es nur das ist manchen kommentar nochmal ein stündchen zu überschlafen.

    auch die herren sind nicht immer ästhetisch und die damen oft genug nicht von zartem gefühl um einen einzelnen herrn aus düsseldorf zu bemühen.

    wir müßem lernen uns auszuhalten wenn wir das schlachtfeld den schlammschlächtern überlassen verlieren wir das vielleicht wertvollste stück öffentlichkeit das wir haben.

    ein blog ist ein orchesterstück wir müßen alle mitspielen dann gewinnen die mißtöne nicht die oberhand.

    schönes wochenende alle zusammen

  20. 20

    @westernworld: ot : johnny widererwarten funkt das edit plug-in immer noch nicht, weder in FF noch safari, mea culpa für die rechtschreibfehler. und ich hab java+script an u. privoxy aus.

  21. 21

    @westernworld: Großen Dank für den vorletzten Satz! Sowas wollte ich sagen. Fiel mir so vorhin nur nicht ein.

  22. 22
    xconroy

    @westernworld:

    seh ich bißchen anders.

    Erstmal glaube ich nicht, daß „Das Kommentarproblem“ prinzipiell „unlösbar“ ist. Nur weil wir a) bestimmte Vorstellungen haben, wie ideale Kommentarsektionen auszusehen haben, und b) keinen Plan wie wir das erreichen könnten, gibts keine Lösungsansätze? Hätte die Steinzeit so gedacht, würden wir Feuer und Räder heute immer noch für Science Fiction halten ;-)

    Eine mögliche Lösung ist, das Problem gar nicht erst als solches zu sehen. Beleidigungen und juristisch Relevantes werden gelöscht, fertig. Ist in vielen Blogs so.
    Nun will man hier ja, wenn ich Johnnys Post richtig verstehe,“mehr“. Qualität also.

    Aber erreicht man die, wenn man ein Blog als Orchester betrachtet? Ist in meinen Augen ein komplett unpassender Vergleich. Orchester sind nicht frei (außer wenn sie improvisieren), sie müssen einer vorgegebenen Linie folgen, und wer abweicht, stört. Sowas kann schnell in einer Schulterklopfcommunity enden.

    (du könntest jetzt sagen: es ginge nicht um inhaltliches Abweichen, sondern um ImTonvergreifen. Würde ich dir aber nicht abnehmen, wegen dem weiter oben: daß Menschen sich nicht gerne mit Menschen anderer Ansicht auseinandersetzen).

    Und auch dieser Vergleich paßt nicht so ganz, wie ich finde: ein Blog ist nicht das komplette reallife. Aus letzterem kann man sich nicht so einfach ausloggen (kann man schon, aber wenn man wieder rein möchte?), daher ist ein gewisses Maß an kuscheliger Wir-Stimmung lebensnotwendig. Ein Blog ist eher sowas wie ein Fußballfeld: in einem bestimmten Bereich vertritt man halt unterschiedliche Ziele und arbeitet „gegen“ den anderen – aber nur in diesem abgesteckten Gebiet.

    Klar nehmen viele Leute Kritik an ihren Ansichten persönlich. Aber ist deshalb jede politische Auseinandersetzung „ad hominem“? Ich finde nicht. Ich halte nichgt viel von der FDP und kann mich mit meinem besten Kumpel, der ein glühender Liberaler ist, trotzdem stundenlang sehr angeregt darüber unterhalten, und trotz oder gerade wegen gegensätzlicher Auffassungen haben wir beide was davon (ist inzwischen schon ne Art Tradition).

    Das ist vermutlich die „Diskurskultur, die niemand lebt“. Viele tun es trotzdem, vielleicht kennst du nur keine ;-)

    Und auch dem „durch Vernetzung nicht klüger werden“ stimme ich nicht zu. Wo du heise erwähnst: ohne Telepolis wäre ich vermutlich etwas dümmer als ich tatsächlich bin, und das hat weniger mit den Artikeln zu tun als mit den Diskussionen dort, an denen ich mich beteiligte (ich weiß, Spreu, Weizen, bla. Mir muß niemand erzählen, daß in Heiseforen viel erlesenster Schrott geschrieben wird).

    Wenn man nicht krampfhaft alles als Problem betrachtet, sondern nur Sachen die tatsächlich problematisch daherkommen, sieht die Welt viel freundlicher aus ;-)

  23. 23
    Ben

    Hmmm, ich lese im Gegenteil meist eher die Kommentare, als den eigentlichen Artikel…

  24. 24
    F. Kobel

    Bei Welt Online kann man kommentieren ohne sich anzumelden, etc. und was dort täglich abgeht ist ein schlichter Wahnsinn… da tobt und tanzt der deutsche Mob… http://www.welt.de

    Der Kommentarchef hat das auch schon mitbekommen und vor einiger Zeit einen Artikel geschrieben, der sich mit diesem hier im wesentlichen deckt, auch wenn er logischer Weise stilistisch eine Liga höher spielt…

    http://www.welt.de/wams_print/article1600388/Querulanten_aller_Lager_vereinigt_euch_Im_Internet_tobt_sich_das_gesunde_Volksempfinden_aus.html

  25. 25

    i

    @xconroy: ich gratuliere dir zu deinem freund meine erfahrungen sind da andere, im besonderen mit sog. liberalen (das war früher anders als liberal noch etwas anderes bedeutete als heute).

    „Das ist vermutlich die „Diskurskultur, die niemand lebt“. Viele tun es trotzdem, vielleicht kennst du nur keine ;-)“

    wäre dies ein verbreiteter ansatz würden wir diese diskussion wohl nicht führen.

    „Aber erreicht man die, wenn man ein Blog als Orchester betrachtet? Ist in meinen Augen ein komplett unpassender Vergleich. Orchester sind nicht frei (außer wenn sie improvisieren), sie müssen einer vorgegebenen Linie folgen, und wer abweicht, stört. Sowas kann schnell in einer Schulterklopfcommunity enden.“

    da verstehst du mich falsch. der vergleich bezieht sich auf die vielzahl der stimmen die den gesamteindruck prägen und die atmosphäre in einem blog bestimmen. so werden ausreißer mehr oder eben weniger wahrscheinlich, grenzen durch nachahmung und gefühlten konsens, ich krieg das grad nicht besser formuliert sorry, ausgehandelt und bestimmt.

    keiner will der einzige sein der in einem cafe aufsteht und anfängt zu krakelen, wenn man aber schon eine wirshausschlägerei in vollem gange antrifft beim betreten des lokals, warum nicht einsteigen?

    zur these von der schulterklopfcommunity, diese gefahr ist ja eher nicht der anlaß dieser diskussion.

    “ aber ein blog , zumal eines das sich mit politik und gesellschaft befaßt, ist kein ponyhof und keine gesellschaft zur gegenseitigen bewunderung .“

    wie gesagt „¦

    „Und auch dem „durch Vernetzung nicht klüger werden“ stimme ich nicht zu. Wo du heise erwähnst: ohne Telepolis wäre ich vermutlich etwas dümmer als ich tatsächlich bin, und das hat weniger mit den Artikeln zu tun als mit den Diskussionen dort, an denen ich mich beteiligte … “

    das glaube ich dir gerne, ist aber nur von ankdotischer relevanz den wir erörtern hier die streit- und diskussionskultur der breiten masse an blogkommentatoren und die läßt nicht auf solche lernerfolge schließen.

    „Wenn man nicht krampfhaft alles als Problem betrachtet, sondern nur Sachen die tatsächlich problematisch daherkommen, sieht die Welt viel freundlicher aus ;-)“

    dem kann ich mich nur anschließen, vielleicht ließ da der tenor meiner ausführungen an klarheit zu wünschen übrig. es ist ja gerade die übermäßige problematisierung der kommentare im allgemeinen die ich bemängele.
    der wunsch nach regulierung und glättung bis zur uniformität, das giftt der politischen korrektheit eben. und das ist ein feld das einen unlösbaren konflikt bietet, wieviel gemeinschaftliches regulativ vertragen die kommentare bis sie in konsens, schöhnheit und langeweile sterben und wieviel muß sein um der neuauflage des 30jährigen krieges vorzubeugen.
    kanntest du mac guardians, die waren das schlechthinige negativ beispiel dafür wie eine seite an ihren kommentatoren eingehen kann.

    noch eins zum abschluß, johnny ging es nicht so sehr um qualität im inhaltlichen sinne, sondern darum das viele seiner ansicht nach abgeschreckt werden durch eine atmosphäre permanenten sautreibens. so mein verständnis seines textes.

  26. 26

    @PiPi (18):
    Der Duden sagt:

    Sermon der; -s, -e ⟨lat.⟩ (veralt. für: Rede; heute meist: langweiliges Geschwätz; [Straf]predigt)

    Ein schönes Wort, gelle? Zumindest bleibt’s offenbar gut hängen ;o).

  27. 27

    btw: für mich persönlich sind Blog-Diskussionen das Wichtigste an Blogs, bzw. das Interessanteste am Internet überhaupt. Das Netz ist für mich der große (soziale, nationale, oberflächliche Grenzen überwindende) Gedankenaustausch. Blogs sind in meiner Einordnung der Kommunikationsplattformen eine Weiterentwicklung und persönlichere Variante der Foren. Aus diesem Grund kommentiere ich auch wesentlich mehr in anderen Blogs als ich eigene Blog-Postings veröffentliche.

    Blogs, in denen nicht kommentiert werden kann, besuche ich so gut wie nie. Allerdings setze ich in meinem Blog durchaus auch hin und wieder mein ‚Hausrecht‘ durch. Und zwar in der Form, dass ich in meinem virtuellen Zuhause keine Nazi-Propaganda, sowie keine rassistischen, fremdenfeindlichen oder sonstige diskriminierende oder menschenfeindliche Äußerungen dulde. Und was darunter zu verstehen ist, bestimme da ich. Den virtuellen Raum, für den man selbst verantwortlich ist, nach eigenen ‚Hygienemaßstäben‘ zu pflegen, gestehe ich nicht nur ebenso den Betreibern anderer Blogs zu, sondern ich erwarte es sogar von ihnen.

  28. 28

    es bleibt dabei festzuhalten, dass spreeblick damals einen grimme-online-preis auch für seine kommentare bekommen hat. oder vor allem wegen diesen? sei es drum. das man den rechten mob nicht duldet, ist selbstverständlich. doch das ist doch keinesfalls der alltag, sondern die ausnahme. hinterfragende, kritische und manchmal auch provozierende kommentare sind doch viel schwieriger zu handeln und da hat auch spreeblick seine probleme.

  29. 29
    Oliver

    Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass für Einige mit dem Starten des Internets eine völlig neue Persönlichkeit geboren wird – eine virtuelle Zweitexistenz; eine gänzlich unterschiedliche digitale Persönlichkeit: Man kann sich einen Nickname geben, kann Kontaktdaten verschleiern und völlig losgelöst losballern. Das kann spannend sein – birgt aber auch Gefahren (für sich und andere). Ein ähnlicher Fall wird hier mal aufgeführt: „Tödlich beleidigt im Blog“ http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/media/731016.html

    Anonymität lässt scheinbar Barrieren fallen, lässt implizite Werte manchmal vergessen. Entstehen hier multiple Persönlichkeiten? Oder wird das, was von vornherein nicht vorhanden war, stärker hervorgehoben? Da dürften sich Soziologen und Psychologen bestimmt draufstürzen wollen.

    Komischerweise bleibe ich persönlich online der Selbe, wie offline. Vielleicht habe ich „das Internet“ nur noch nicht verstanden…

  30. 30
    schläfer

    Kommentare bewerten? Das geht in die Hose! In „meinem“ Spartensport-Forum konnten die Teilnehmer bis vor kurzem die Beiträge anderer in den Threads mit Sternchen im Schulnotenstil bewerten. Eigentlich gedacht, um die Qualität der Beiträge zu erhöhen, wurde das Bewertungssystem nun abgeschaltet, weil sich ein nicht unbeträchlicher Teil des Foruminhalts inzwischen um die Bewertungen drehte, man sich anonym mit Sternchen bepflasterte und das Klima aggressiv und tw. vergiftet war. Es unterminiert ganz schön das Selbstbewußtsein, wenn man für einen Kommentar (auch für die Bitte um Hilfe) ANONYM vielfach abgekanzelt wird, ohne zu wissen, warum und die Möglichkeit, darauf zu reagieren. Selbst bei den weniger Empfindlichen kratzte das auf die Dauer am Ego. Viele Mitglieder hörten auf zu Schreiben oder verliessen das Forum wegen des ständigen Streits. Zur Zeit herrscht Katerstimmung.
    Wenn Dir also mal zu wenig auf Spreeblick los sein sollte, Johnny, weißt Du, wie Du Leben in die Bude bekommst. Zeitweise.

  31. 31

    @Johnny:
    „ein blog ist ein orchesterstück wir müßen alle mitspielen dann gewinnen die mißtöne nicht die oberhand.“
    Das klingt in der Tat wie etwas, was du sagen (und auch noch so meinen) könntest. Würg.

    Ihr solltet nicht vergessen, dass „eure Leser“ auch die Leser der Kommentare sind. Und obwohl ihr hier relativ viele persönliche Beleidigungen/Tiefschläge stehen lasst; finde ich, ihr könntet auch ruhig ein bisschen kontroversere politische Meinungen stehen lassen. Manches, was ihr als „Rassismus“ bezeichnet, entspricht mehr oder minder den Tatsachen (auch wenn es 10mal vereinfacht!)

    „Der Unterschied zwischen den Drohungen der „ guten Deutschen“ und den Drohungen von Islamgläubigen: erstere sind nur Maulhelden, letztere setzen ihre Drohungen auch öfters mal um. Ihr habt die Angst so weit verinnerlicht, daß Ihr Eure Eigenen Rationalisierungen ( nicht lustig) glaubt.“
    -> Sowas ist natürlich Schwachfug, brennende Asylantenheime usw widerlegen das ja eindeutig. Aber es ist Schwachfug, den man nicht einfach ignorieren oder löschen sollte. Ihr solltet euch damit auseinander setzen.

    Ich habe das Gefühl, dass ihr Kommentatoren generell als lästig empfindet. Das finde ich arrogant und unsympathisch.

    Eure selbstauferlegte Rolle als „Randgruppensympathisanten“ sowieso, wer den Islam in Schutz nimmt, aber sonst regelmäßig sich über das Christentum lustig macht, hat nicht mehr alle Nadeln an der Tanne.

  32. 32

    Kurz und knapp:

    Gepöbelt wird auch auf der Straße, deshalb jedem hier (im Netz) den Mund zu verbieten, oder gar operativ die Stimmbänder rauszutrennen, halte ich trotzdem für verwerflich!

    Es gibt allerdings Grenzen des guten Geschmacks, und da halte ich es – auch nach eigener Foren-Admin Tätigkeit – für richtig, das eine oder andere Schmuckstück zu löschen. Das entspricht einem lautstarken „Halt endlich mal den Rand!“ und ist völlig legitim.

  33. 33
    lucky.d

    obwohl ich wohl eher zu den „bloglesern“ gehöre möchte ich nicht auf die kommentare verzichten. sie bereichern die artikel und erkären mein regelmässiges vorbeischaun.

    ach ja: ein dank an spreeblick und die kommentatoren – danke!

  34. 34

    @Christoph:
    Ich habe das Gefühl, dass gerade bei Spreeblick Kommentatoren mehr gepampert und gepflegt werden als in so manch anderem deutlich über dem Durchschnitt gelesenen Blog.

    |||

    Ansonsten erst einmal Danke für den Artikel, Johnny. Der spricht mir aus der Seele. Blog ist nicht gleich Blog, so sind auch Kommentatoren dort nicht gleich Kommentatoren. Interessanter sind — meiner Erfahrung nach — Kommentatoren in den Vielautorenblogs oft deutlich schneller und aggressiver neben der Spur als in den One-(Wo)Man-Blogshows. Vielleicht weil in den «privaten» Blogs oft die anderen Kommentatoren schneller professioneller und kreativer den Umgang mit dem Kommentatortroll regeln, der jegliche Erziehung zu missen scheint, als man es selber tun könnte. Was wiederum oft in einem Vielautorenblog gar nicht so einfach funktioniert.

    Kommentare sind wichtig. Sie machen einen großen Reiz des Bloggen für mich aus. Sie bringen zum Nachdenken, zum Lernen, lassen mich oft lachen, manchmal — klar auch das — fast zum verzweifeln (weniger weil man sich als Autor getroffen fühlt als das man kaum glauben kann, was manche Leute denken und dann auch noch ungefiltert veröffentlichen. Streckenweise ist es ja fast pathologisch surreal). Die Dinge haben nun mal nicht nur schöne Seiten. Die Auseinandersetzung mit Kommentatoren, die die Grenze im roten Sektor überschreiten, zwingt aber auch zur persönlichen Entwicklung.

    Meine Naivität zur Denke anderer Personen hat deutlich Federn gelassen, seit ich so manchem Kommentar begegnet bin. Ein Kommentar-Ranking halte ich dennoch für grotesk. Irgendein Zeitungsportal macht das doch, die Süddeutsche? Schwachsinn, gut für Leute die Bundesjungendspiele schon geil fanden, weil Pünktchen zählen ihren Lebenzweck definiert. Das ist so wie «Feiner Kommentar! Komm her, kriegste heute ’nen Sternchen.» Gehöre ich nicht zu. Habe ein recht gutes Gefühl dafür, wann ich einen guten Kommentar schreibe, wann einen mittelmäßigen. Überhaupt denke ich mit etwas Selbstkritik gibt es auch hier und dort den einen Kommentar von mir auf den ich heute sehr viel weniger stolz bin, den ich heute so nicht mehr schreiben würde. Das ist aber auch Entwicklung, manche Dinge lernt man «on the (comment)-job». Das Recht muss ich anderen auch zugestehen. Und ob jemand auch einen neutralen Kommentar in den falschen Hals bekommt, das hängt sowieso noch von vielen anderen Faktoren ab auf die der Kommentator gar keinen Einfluss hat.

    Ja, manchmal muss man Grenzen aufweisen. Neulich musste ich — nein, ich musste nicht wirklich aber ich habe — eine Kommentatorin zensiert und ein Stoppschild gesetzt. Wenn jemand glaubt mich als Blogger/in auf eine soziale oder intellektuelle Ebene bringen zu wollen (interessanterweise ja immer unterhalb der Ebene des Kommentators angeordnet — nie oberhalb! ,-) ), auf der ich mich nicht wiederfinde, zumal der/diejenige eine merkwürdige persönliche Nähe impliziert, die keine DSL-Leitung der Welt hergibt, dann ist auch mal Schluss mit professioneller Bloggerakzeptanz. Dabei fühle ich mich aber sehr unwohl. Zensur von Kommentaren hat für mich immer noch etwas von Buchverbrennung. Tatsächlich ist es aber interessant zu sehen, wie sehr empfindlich Leute dann darauf reagieren, wenn man sagt «Dein beleidigender Erguss ist hier unerwünscht. Und daher unsichtbar.» Sie beklagen dann den Tod ihres geistigen Babys, Selbstreflektion löst das aber in den seltenen Fällen aus. Zumindest nicht offensichtlich.

    Der Geist ist frei, klar mancher davon auch hier und da verkümmert. Das sollte aber kein Grund sein, sie einzusperren. Bei der Diskussion um die Handhabe muss ich immer an diese Produktionssorte denken, die ein sterile Umgebung notwendig machen. Viel gelacht, viel entspannt, Spaß gehabt wird in solchen Umgebungen eher nicht. Man muss Kommentatoren leider immer wieder auf die Finger hauen und Dressurarbeit leisten, das nervt, denn dafür schreibt man eigentlich nicht. Andererseits sehe ich die viel größere Gefahr in hanseatischen Gerichtsurteilen zu Kommentaren als in ihnen selbst.

    Aber eine Funktion wie «Dieser Kommentar wird vorrübergehend ausgeblendet, wir empfehlen dem Kommentator eine Nacht darüber zu schlafen und ihn morgen noch mal überarbeiten», die hätte ich gerne. Einstweilen.

  35. 35

    „Survival of the loudest“ gefällt mir sehr gut, als Begriff.

    Was Oliver (29) schreibt, sind Überlegungen, die ich auch kenne.
    Es ist eigentlich ein Dauerthema, nicht ungewöhnlich, daß es an verschiedenen Stellen gleichzeitig wieder diskutiert wird.

    „You can’t do that…..“ entstand aus dem Gespräch mit einem Fachmann.

  36. 36

    Ich hänge da immer noch dieser Wohnzimmer-Analogie an: Ich akzeptiere auf meinem Blog, was ich auch in meinem Wohnzimmer akzeptieren würde. Andere Meinungen ja, Faschismus nein. Kritik ja, Beleidigungen nein. Pseudonyme ja, gezielte Anonymität nein.

    Funktioniert eigentlich ganz gut.

  37. 37

    @carboniferous charly (#32):

    Gepöbelt wird auch auf der Straße, deshalb jedem hier (im Netz) den Mund zu verbieten, oder gar operativ die Stimmbänder rauszutrennen, halte ich trotzdem für verwerflich!

    Was verstehst Du darunter?
    Ich steh‘ auf dem Standpunkt: Wer in meinem virtuellen ‚Wohnzimmer‘ auf den Teppich kotzt, fliegt raus. Aber es steht ihm natürlich frei, sich ’ne eigene Bude zu mieten und sich da auszukotzen. Da muss ich nicht dafür zahlen und kann einen Bogen um die Sauerei machen ;o).

  38. 38

    @ Iris:

    Ich denke – um mal in deinem Bild zu bleiben – wer sich Fremde ins „Wohnzimmer“ einläd, der riskiert auch, dass auf den Teppich gekotzt wird. Rauswerfen ist dann okay (also extrem widerliche Kommentare löschen, klar), aber deshalb generell keinen Teppich mehr zu verlegen wäre überreagiert.
    Wer’s ganz privat haben möchte, der möge sich ein Tagebuch/Fotoalbum kaufen und analog bleiben … das hier ist nunmal kein einseitiges Kommunikationsmedium, dafür gibt es klassische Medien ohne Userfeedback.

  39. 39

    @carboniferous charlie

    (…) aber deshalb generell keinen Teppich mehr zu verlegen wäre überreagiert.

    Wäre übersetzt, die Kommentarfunktion abzuschaffen, oder? Wie ich bereits weiter oben (#27) schrieb, besuche ich Blogs ohne Kommentierungsmöglichkeit so gut wie nie. Ergo sehe ich das wie Du.

  40. 40
    Lothar Eckstein

    In der Londoner Times wurden Leserbriefe immer mit vollem Namen und voller Adresse des Schreibers abgedruckt. Prinzip: Wer seine Meinung äußert, sollte gefälligst auch als Person dazu stehen. Das ist sicher extrem. Genauso extrem ist aber anonymes Gemotze hinter wechselnden Pseudonymen im Netz. Ich wünschte mir eine Entwicklung der Netiquette dahingehend, dass Blogkommentatoren genauso wie Blogautoren mit ihrem Namen für das einstehen, was sie schreiben. Das mag naiv klingen, aber ich hoffe, es gibt eine ähnliche Entwicklung wie bei Mobiltelefonen: Es ist inzwischen zurecht fast unhöflich, wenn man andere Menschen mit unterdrücktem Anrufernamen belästigt. Vor ein paar Jahren sah das noch ganz anders aus.

    Vielleicht ist es meine Mauselochperspektive, aber meine Wahrnehmung ist, dass in angelsächsischen Blogs sehr viel höflicher und sachlicher kommentiert wird, als in deutschen. Demokratische Debattenkultur hinkt bei uns – von Parlamenten bis Debating Societies in Universitäten, von Zeitungen bis Blogs – den Angelsachsen generell hinterher. Dass das sogar bei Massenmedien verhältnismässig gut zu machen ist, zeigt die BBC sowohl als TV-Sender als auch online.

  41. 41
    plotti

    Wieso überlässt man es nicht der Community, die Kommentare die gut sind auch zu würdigen und alle anderen zu begraben, so geschieht das täglich auf Seiten wie digg.com oder reddit.com und ich finde das einen sehr guten Ansatz. Vielleicht etwas technisch aber hey das ganze Internet ist etwas technisch…

  42. 42

    @Lothar Eckstein:

    dass in angelsächsischen Blogs sehr viel höflicher und sachlicher kommentiert wird, als in deutschen.

    Jein. Mal etwas weiter als nur Blogs geguckt, also was ich z.B auf den kommentierbaren Seiten des lokalen Kaeseblatts hier manchmal lese ist schon brutal. Da bin ich echt ueberrascht dass die das teilweise da stehen lassen.

    Und auf den Politischen Blogs fliegen teilweise auch schon ganz schoen die Fetzen. Ich weiss nicht ob Du Dir mal zu Zeiten des Golfkrieges LGF und Konsorten durchgelesen hast, ich meine da sind die Deutschen Blogs ein Kindergarten gegen.

    Oder die Kathy Sierra Diskussion mit den echten oder eingebildeten Morddrohungen. Da gab’s dann kurz danach die Diskussion ueber einen Blogger Codex, hat sich aber soweit ich mich entsinnen kann ziemlich im Sand verlaufen.

    Debattenkultur gibt es sicherlich, aber Prime Minister’s Question Time ist doch inzwischen zu einem Witz verkommen.

  43. 43

    Bei allen Bedenken gegen Kommentare: Was wäre dieser Beitrag ohne ihnen? Und darum gehts doch auch und gerade bei Blogs: die Etablierung einer Diskussionskultur. Das gab es vorher nicht, da konnten Leser nur lesen. Gut, die Sache mit der Kultur gelingt nicht immer auf Anhieb, aber der Weg dahin ist dennoch wertvoll – auch wenn er manchmal nervt.

  44. 44
    endur

    Genau wegen so einer Einstellung wärst du einer der ersten, der in meine utopische Kommune aufgenommen würde, Johnny ;)

    Die Welt wäre schlicht ein besserer Ort wenn jeder so denken würde wie du. Oder wie ich. Oder wie wahrscheinlich viele hier.

    Doch, schau nach draußen, schau dich einfach mal auf den Straßen um. Das Phänomen das du hier beschreibst ist doch nicht nur in Blogs zu finden, das ist (fast) überall um uns herum.
    Einfach weil die Leute keine andere Art kennen, sich selbst zu bestätigen, als über die Schwächen anderer herzuziehen. Sie „niederzumachen“.

    So lange sich diese Kultur, die durch diverse gesellschaftliche Faktoren auch noch gefördert wird, nicht ändert, so lange wird es auch – sorry – Idioten geben, die nach diesem Prinzip vorgehen.

    Das blöde daran ist, dass Diskussionen über so ein Thema kaum helfen, da sie meist nur von Leuten geführt werden, die auf der anderen Seite der Medaille stehen – mir oder dir, quasi.

    Die wahren Kommentarsünder wissen nämlich ganz genau, dass sowas eigentlich Sch*iße ist, diskutieren deshalb auch gar nicht erst darüber, machen es einfach um sich nen „schnellen Kick“ zu geben und interessieren sich nicht weiter für das Thema.

    Das sind zumindest meine Beobachtungen.

    So long,

    endur

  45. 45

    Ab und an muss man Kommentare löschen oder verhindern, weil sie einfach nur noch nerven oder beleidigen. Die Reaktionen fallen oft so aus: „Hier zu schreiben nuetzt doch eh nix, da nur nur am zensieren und loeschen bist. Von wegen Meinungsfreiheit…“ Ein glänzendes Beispiel, wie man das Wort „Meinungsfreiheit“ für seine Sinne mißbrauchen kann. Oder versucht zu mißbrauchen. Diese Person kann (fast alles) sagen was sie will, ohne dafür bestraft zu werden. Wieso aber glaubt diese Person, sie habe ein durchsetzbares Recht darauf, sich in den Kommentaren meines Blogs auskotzen zu dürfen? Solche Einstellungen sind mir ein Rätsel. Wenn diese Person dann noch meine Angehörigen versucht in den Dreck zu ziehen, dann zensiere ich diese Kommentare. Denn mit Meinungsfreiheit hat das nichts zu tun.

  46. 46
    Markus

    Das ist Eitelkeit vom Feinsten, wenn man Blogs ohne Kommentare betreiben will oder drüber nachdenkent. Nach dem Motto: Meine Weltanschauung muss keine Kritik ertragen müssen. Findet man übrigens besonders häufig bei den politischen Linken. Sollte einem zu denken geben …

    PS: Die Kommentar-Vorschau ist für den A…. (sehr langsam unter Firefox)

  47. 47

    @johnny: ihr macht alles richtig. nicht, dass man das ausführen müsste. aber, ja, ich bin dankbar für kommentieren dürfen. ja, ich bin dankbar für die möglichkeit, das meinungsspektrum sehen zu dürfen (also nochmal ja, ich lese kommentare), und wiederum ja: vollpfosten löschen geht völlig klar. allerdings hab ich nichts davon vor diesem artikel je in frage gestellt.

  48. 48
    Frédéric Valin

    @Markus:

    Meine Weltanschauung muss keine Kritik ertragen müssen. Findet man übrigens besonders häufig bei den politischen Linken. Sollte einem zu denken geben.

    Wie kommt man auf sowas? Gibts dafür irgend einen empirischen Beweis? Irgendwas?

  49. 49

    @Frédéric Valin: Ach, Frédéric, das ist doch ein bekanntes Argumentationsmuster. Findet man übrigens besonders häufig bei den politischen Nicht-Linken.

    Q.E.D. ;)

  50. 50
    endur

    diaet: made my day ;) *lachen verkneif*

  51. 51

    Von einem Bewertungssystem für Kommentare halte ich überhaupt nichts. Als Autor sollte man besser von Anfang an entscheiden, ob man im Einzelfall Kommentare öffnet oder schließt.

    Es gibt Themen, bei denen man bereits von Anfang an vorhersagen kann, dass die Kommentare in die Hose gehen werden. Gewisse Themen laden gewisse Geister ein, mit denen man sich entweder auseinandersetzen möchte oder nicht. Bei anderen Themen wiederum weiß man, dass sie höchstens überraschend zu Kontroversen führen werden.

    Allerdings – wenn die Anzahl der nicht vertretbaren Kommentare zunimmt – sollte man überlegen, ob nur registrierte Kommentatoren zugelassen sein sollten, damit man der Flut an Hasstiraden zumindest ein Stück weit Herr werden kann. Die Registrierung hemmt Kommentatoren ein Stück weit in ihren Äußerungen, und sie überlegen sich zweimal, ob sie ihre Verbannung riskieren wollen, indem sie unvertretbare Äußerungen machen oder nicht.

    Es gibt immer einen Weg, eine Meinung auch so zu vertreten, dass sie nicht zwangsläufig auf den Magen schlägt.

  52. 52
    RC

    Ich bin inzwischen bei der Ansicht angelangt einfach alles stehen zu lassen. Soweit es nur irgend möglich ist. Solange etwas nicht (für mich) klar erkennbar dafür sorgen könnte, dass Anwälte _mir_ als Blogbetreiber auf den Hals rücken würden. Das ist bei mir jetzt noch _nie_ vorgekommen.

    Vor allem bin ich stark der Meinung und Überzeugung, dass auch übelste Kommentare, wie sie sich keiner wünscht, ein schlechtes Licht auf den Kommentator werfen und nicht auf den Blog oder den/die Autor/en des Blogs. Meinem Gerechtigkeitsempfinden nach hat jeder selbst zu verantworten was er verzapft. Ein Blog das tolle Einträge hat, aber oft unschöne Kommentare werde ich trotzdem besuchen. Genauso wie ich ein Blog mit mäßigen Einträgen und guten Kommentaren anschauen würde. Es sind die guten Sachen die mich anziehen und nicht die schlechten die mich fernhalten, was darüber entscheidet ob ich regelmäßiger Leser einer Seite bin.

    Eine Seite wie Heise als Beispiel für schlechte Kommentare zu nennen finde ich nicht so glücklich gewählt. Es ist zwar absolut richtig das dort traditionell viel getrollt wird, aber diese Postings werden dann auch beinahe ausnahmslos so schlecht wie es nur geht bewertet. Genauso wie gute Beiträge dann auch ihre positive Bewertung erhalten. Die große Mehrheit der User scheint also ziemlich korrekt eingestellt zu sein. Unter den Bedingungen muss man sich wirklich nicht an ein paar Spinnern stören. Das ein Bewertungssystem für Kommentare kein Heilmittel gegen Trollerei und dergleichen ist, ist leider auch wahr, dass kann nur bei Seiten wie Heise helfen, die so viele Besucher haben, dass auch eine halbwegs repräsentative Abstimmung stattfinden kann. Auf einer kleinen Seite wie meiner würde vermutlich nur der Troll selbst abstimmen – sinnlos…

    Erst gestern habe ich _wieder_ die andere Seite der Medaille kennengelernt. Auf einem Blog, dessen Betreiber der Meinung war das Fans im Privatleben von irgendwelchen Bekanntheiten herumschnüffeln dürften, weil diese ohne nichts wären, wurden meine Kommentare gelöscht, weil ich der Meinung war das Privatsphäre unabhängig davon existiert was man beruflich macht. Die Kommentare waren höflich geschrieben und in akzeptablem Stil, es kann also nur meine Ansicht der Grund für das Löschen gewesen sein. Auf der Seite landete ich zufällig beim Surfen. Ich muss zugeben das mich das durchaus einen Moment lang geärgert hat. Lange Rede kurzer Sinn, auf vielen (schlechten) Blogs wird inzwischen bei Kommentaren recht vieles gelöscht. Wenn jemand keine Meinung ausser der eigenen zulassen möchte, _dann_ sollte er sie doch lieber gleich ganz abschalten. Dann verschwenden wenigstens keine Leute ihre Zeit damit sich für nichts Mühe beim Kommentieren zu machen. Mir ist klar das das mit dem aktuellen Fall und dem Grund dieses Blogeintrages wenig zu tun hat, nur wenn es eben schon gerade um Kommentare geht…

  53. 53

    Danke für die ausführlichen Statements!

    Nur, damit keine Missverständnisse aufkommen: Weder Verbieten noch Bewerten halte ich für eine kluge Vorgehensweise, ich finde im Großen und Ganzen, dass das hier prima läuft. Was mir am Herzen lag, steht im letzten Satz (“ „¦ darf das nur noch ein Grund mehr sein, ihnen nicht das Feld zu überlassen“):

    Denn nur, wenn sich die Stimmen auch weiterhin mischen und eben die wenigen Ausnahmen nicht die Kommentar-Oberhand gewinnen, bleibt das alles sinnvoll und interessant usw.. Wenn immer mehr Leute nicht mehr kommentieren mögen, dann bleiben nur die übrig, die immer und zu allem die Klappe aufreißen. Westernworld drückte das ja schon besser aus.

    Grundsätzlich bleibt in den Spreeblick-Kommentaren fast alles stehen, das wissen regelmäßige Leser. Alles andere wäre heuchlerisch. Alle unserer Autoren (und ich selbst natürlich auch) haben schon oft genug erlebt, dass ihre Kommentare, Widerworte oder Gegendarstellungen unter Artikeln in anderen Blogs, in denen es sie direkt um sie ging, einfach nicht freigeschaltet oder sofort gelöscht wurden. So bleiben die jeweiligen Verfasser zwar unter sich und gaukeln ein Bild der Einigkeit vor, doch dass dieses Bild ein gefälschtes ist, bekommen Leser schnell mit.

  54. 54

    Ich finde die Kommentarfunktion ist eines der Alleinstellungsmerkmale von Weblogs und als solche schlicht unverzichtbar. Ich selbst bin zum Glück weitgehend von echtem Kommentar-Müll bislang verschont geblieben. Das Wenige was ich finden musste habe ich einfach gelöscht. Ich betreibe ein privates Blog, womit in keiner Weise die Einbildung verknüpft ist, in irgendeiner Form zur öffentlichen Meinungsbildung beizutragen. Daher ist es in meinen Augen o.k. wenn ich quasi mein Hausrecht ausübe und unliebsame Gäste hinaus komplimentiere.

    Natürlich sollte die Sichtweise für die sog. A-Blogs etwas differenzierter sein. Da muss sich eine Redaktion wohl überlegen, bis zu welcher Grenze sie solche Kommentare beantwortet, sie unkommentiert stehen lässt oder selbige löscht. Fall zu Fall Entscheidungen sind sicher nicht die ideale Lösung, eine „Richtlinie“ greift vielleicht oft nicht. Also liegt die Wahrheit vermutlich irgendwo dazwischen- nur – das Abschalten der Kommentarfunktion heißt für mich, dass die Site dann gar kein Blog mehr im eigentlichen Sinn ist.

  55. 55
    Carlo

    Kommentare machen für mich den Reiz eines Blogs aus. Eben durch die Kommentarfunktion sind Blogs (bzw. das Internet generell) wohl das dynamischste, direkteste und „demokratischste“ Diskussionsmedium.
    Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob die derzeitige Form der Kommentarfunktion in Blogs der Weisheit letzter Schluss ist, was die Strukturierung der Diskussion angeht.
    Probleme bei Blogdiskussionen (abgesehen von offensichtlich dummen, beleidigenden oder sonstwie minderwertigen Kommentaren) sind doch meistens:
    – Die Diskussion nimmt einen ganz anderen Verlauf als es das Thema des ursprünglichen Eintrags war (wobei das kein spezfisches Charakteristikum von Blogs, sondern generell eine Eigenschaft von Diskussionen ist.)
    – Es werden mehrere, unterschiedliche, teils wenig miteinander zu tun habende Diskussionen neben- und durcheinander geführt.
    – Gerne würde man als Kommentator etwas zu Kommentar #X sagen, die Diskussion ist jedoch leider schon bei Kommentar #X 50 angekommen und das Thema ist in der Zwischenzeit vom Ausgangsbeitrag Papya-Cocktails zu Holocaust-Verharmlosung oder ähnlichem abgedriftet und ein Papaya-Cocktail-Kommentar wäre mittlerweile fehl am Platz.

    Worauf ich hinauswill: Man müsste es irgendwie – nicht theoretisch-abstrakt, sondern: konkret durch webdesign-technische Kniffe – hinbekommen, dass es die Möglichkeit gäbe, die diversen Diskussionsstränge auseinanderzudividieren, ohne dass dabei die …erm… „Gesamteinheit der Diskussion“ verloren geht. Quadratur des Kreises? So ähnlich. Jedenfalls halte ich das sture Untereinander von Kommentaren noch für suboptimal und der tatsächlichen Struktur von Diskussionsverläufen nicht entgegenkommend. Leider habe ich nicht den leisesten Schimmer von Webdesign und spontan auch keine Idee, wie sowas zu bewerkstelligen wäre.
    Dumme, beleidigende oder trollende Kommentare wären damit zwar immer noch nicht aus der Welt, aber Blogs als Diskussionsplattform noch attraktiver und eventuell würde auch das Diskussionsniveau steigen.

  56. 56

    Der Kommentar ist ein neues literarisches Genre. Vermutlich ist er dazu erst durch das Netz geworden. Jedenfalls lässt sich auch das Kommentieren lernen. Die Kommentarfunktion abzuschaffen, würde einen Rückfall bedeuten. Wenn nicht sogar das Spezifische der Netzkultur eliminieren.

  57. 57

    Hallo Super Artikel

    Geht es nicht darum das man seine eigene Meinung zu einem Beitrag
    Schreiben kann und darf?

    Soweit ich weis ist die Meinungsfreiheit in Deutschland noch nicht abgeschaft ODER ?

    MfG
    Sky

  58. 58

    @Sky:

    Ich kann Deiner Argumentation nicht folgen. Was hat das jetzt mit Meinungsfreiheit zu tun?

    Keiner hindert Dich (und andere) daran ein eigenes Blog/Forum/wasauchimmer zu oeffnen um dort egal welche Meinungen zu vertreten. Von dort kann dann problemlos „vertrackbackt“, verlinkt und sonstwas werden.

    Das heisst aber noch lange nicht dass der Blogger in seinem Wohnzimmer jede Meinungsaeusserung dulden muss. Sicher, der Blogger laedt die Oeffentlichkeit in sein Wohnzimmer ein, damit geht aber auch das Recht einher diese Gaeste gegebenenfalls wieder rauszuschmeissen. Genau wie im „richtigen Leben“.

  59. 59
    DL2MCD

    @ Nora:

    „Besonders für Online-Journalisten kann das unangenehme Folgen haben – am Ende muss man sich gar mit dem Leser auseinandersetzen und Fehler eingestehen!“

    Mit vernünftigen, kosntruktiven Lesern führt man auch gerne einen Dialog. Leider habe ich die hier von Johnny beklagten Exzesse beeits vor geräumer Zeit massiv selbst erlebt und schließlich den Dialog mit den Lesern so wie bei ihm auch gelaufen auf E-Mail verlegt. Wer Dich zerstören will, mit dem kann man nicht diskutieren. In der Blogwelt geht es da (noch?) vergleichsweise gesittet zu.

    Hinzu kommt, daß Du als Journalist, der für sein Wirken bezahlt wirst, trotz hoher Belastung und Zeitdruck keine Fehler machen sollst. Die Fehler, die dennoch passiert sind, dann offen einzugestehen und gar darüber zu diskutieren, macht die Karriere je nach Verlag bzw. Chef sehr übersichtlich.

    Andererseits ist das direkte Feedback sehr schön und baut so manchen Schreiber (ob Hobby oder beruflich) auf.

    Aber das Web wird momentan ständig kälter und ich kann jeden verstehen, der keine Lust hat, sich mit Kommentaren Frust und ev. auch rechtliche Folgen einzuhandeln. Ist m.E. Privatsache des Bloggers, es muß ja keiner lesen.

    Problematisch sind nur Blogs und Foren, wo Kommentare, auch wenn sie nicht ausfällig sind, mal erscheinen und mal nicht. Da schreibt man einmal und nicht wieder. Dann lieber gleich keine Kommentare.

    @creezy: Gute Idee, Briefe hat man früher ja auch eine Nacht liegengelassen, bevor man sie abgeschickt hat. Heute geht viel unbedacht roh raus.

    Und ja, Johnny hat absolut Recht, die Kommentare prägen ein Blog oder Online-Portal. Heise hat bei vielen Leuten einen schlechten ruf wegen der Kommentare, die deshalb auch längst nicht mehr so im Volltext dargestellt werden wie in Blogs: nicht nur wären sie 100x länger als der Text, viele Leser verstehen auch den Unterschied zwischen Text und Kommentaren nicht. Und sagen dann „bei Heise schreiben ja lauter Idioten“, meinen damit aber nicht die Redakteure…

  60. 60

    @DL2MCD: Stimmt. Wollte nur sagen, dass ich die Kommentarfunktion allgemein für eine sinnvolle Sache halte und es schade wäre, müsste man sie abschaffen. Mir geht die Arroganz einiger Journalisten auf den Zeiger. Wer nicht bereit ist, sich mit seinem Leser auseinander zu setzen, der hat meiner Meinung nach irgendetwas falsch verstanden. Dass private Blogs wieder in einer anderen Liga spielen, sollte ja außer Frage stehen. Und auch das idiotische, aggressive Kommentare mit Diskussion nur noch wenig zu tun haben und einem die Sache verleiden können, ist sonnenklar. Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob er Kommentare auf seiner Seite tolerieren möchte oder nicht. Aber schade wärs doch, würden ein paar Idioten es schaffen, eine allgemeine (und vielleicht sinnvolle) Diskussion zu verhindern.

  61. 61
    DL2MCD

    @nora: Ich denke, Kommentare werden nie ganz abgeschafft werden. Sonst hätte es auch nie Gästebücher gegeben. Normalerweise freut man sich doch über Rückmeldung. Nur die Juristen könnten das wirklich unmöglich machen.

    Als ich meinen ersten Online-Artikel geschrieben hatte, habe ich mich auf die Kommentare noch gefreut. Als Autor oder gar Journalist bekommst Du allerdings schon als Leserbrief alles mögliche und unmögliche Zeug zugeschickt. Mit Kommentaren steigert sich das dann noch. Und da normalerweise die Leute eher schreiben, wenn ihnen was stinkt, als wenn sie was super finden, ist dann mitunter ein einziges Gemecker unter dem Artikel, das in persönliche Angriffe und Verleumdungen ausartet und der nicht Web 2.0-affine Leser sagt sich „wieso beschäftigen die eigentlich jemand, über den alle meckern, was ist das denn für ein Dödelblatt?“.

    Ich mußte mein privates Gästebuch stillegen, weil meine Leser (anläßlich eines Testberichts über ein Teleskop wohlgemerkt, also nix Politisches!) dazu aufriefen, da gezielt Nazipropaganda reinzuschreiben, damit ich angezeigt werde. Mein Chef sagte dann dazu, ich sollte halt als Journalist auch gefälligt keine private Website haben. Ein Blog wäre völlig undenkbar gewesen.

    Angeschts all des Ärgers, den ich wegen der Website schon hatte, wäre das wohl wirklich langsam angesagt und es gibt genügend Leute, die das auch wollen. Wie auch der, der dann im Verlagsforum über meine Partnerin herzog. Vermutlich, weil er selbst bei seinem Benehmen keine findet. Trotzdem mußte ich dazu dann wieder Stellung nehmen, nicht er.

    Wenn man dann keine Lust mehr hat, mit dem Leser zu reden, mag das arrogant erscheinen, ist aber reiner Selbstschutz. Auch, wenn es arrogante Kollegen gibt, keine Frage.

    Ich persönlich habe inzwischen praktisch alle Kommentarmöglichkeiten auf Webseiten abschalten müssen, nach mehreren Polizeibesuchen wegen Nazitrollen habe ich einfach keinen Bock mehr auf sowas, und im Gefolge dieser kamen Spammer, die teils 300 Kommentare in 2h eingetragen haben. Sowas kann jemand mit einem normal ausgefüllten Leben nicht mehr drin unterbringen, das muß dann einfach weg. Captchas helfen da auch nicht wirklich.

  62. 62

    „… weil ich davon überzeugt bin, dass eine weit gefächerte Bloglandschaft einen wichtigen Teil zu einer alternativen Medien-, Diskussions-, Informations- und auch Unterhaltungslandschaft beitragen kann.“

    Das klappt hier z.B. sehr gut: brainlogs.de — und hier: wissenslogs.de

    Vielleicht ist Wissenschaft als Thema besonders gut geeignet für eine gute Disskussionskultur?

  63. 63

    Als Y-Blogger sind für mich doch gerade die Kommentare das Salz in der Suppe. Ich blogge schliesslich nicht um den Leser passiv etwas vor die Augen/Ohren/Sinne zu setzen, sondern ich möchte ihm ein Schmunzeln entlocken, zum Nachdenken anregen oder einfach Dampf ablassen und dieses gern mit anderen ausdiskutieren.

    Was mich am Bloggedanken vor 3 Jahren schon fasziniert hat ist die Interaktivität dieses Mediums. Die Dialogfähigkeit ist für mich als kommunikativen Menschen wichtig.

    Vielleicht verschiebt sich dieser Standpunkt, wenn ein Blog wächst und groß wird, aber ohne Kommentare sind Blogs auch nur wieder langweilige Webseiten geschrieben gegen/an eine Wand des Schweigens.

  64. 64

    @DL2MCD: Das tut mir leid. Habe ich zum Glück noch nicht erleben müssen. Nur ein paar Knalltüten mit beleidigenden Kommentaren – naja, und bescheuerte Leserbriefe ;) Unter solchen Umständen gibt es wohl keine Alternative. Schade.

  65. 65

    Ich muß auch sagen: Für mich lebt ein Blog gerade von den Kommentaren, vom Austausch mit den Lesern. Ich mag das. Und das soll auch so bleiben.
    An Blogs, zu denen ich mich nicht aktiv (in den Kommentaren) äußern kann, verliere ich meist recht schnell das Interesse.
    Also, bei mir wird es immer Kommentare geben. Oder ich hör‘ auf zu Bloggen.

  66. 66

    man muß die Blogs wie die Kunst betrachten: ob es eine Beleidigung ist oder nicht, was mancher tippt, daß liegt am Leser selbst, ist also subjektiv (unterworfen? wem oder was?). Das Texte derartige Emotionen beim Körper der Leser herbeiführen können, daß sie sich als beleidigt bezeichnen (die Körper, also Leser), das ist allerdings ein fraglicher Umstand. Eine Tabuisierung dieser Texte ist klarerweise totalitär.
    Vielmehr ist zu fragen, wieso die Leser diese Texte nicht überlesen können oder unterliegen sie nicht dem freien Willen. Die Sache mit der Verantwortung vor Gericht ist natürlich zu hart und unangemessen (nicht verhältnismäßig) – man sollte sich wohl darauf einstellen, daß die Justiz in naher Zukunft generell sensibler, also überreagieren wird. Es sind nur Texte, die keinem Körper schaden können, oder etwas doch? Ich gehe eher davon aus, daß die „Beleidigungen“ eher dazu dienen, um das Profil breiter Gruppen von Nutzern herauszubekommen. Kann man später gut für Werbezwecke nutzen. Kommentare kommentieren, Beobachter beobachten, endet bald in der Endlosschleife. Von den Primärtexten zur Sekundärliteratur – und kein Weg zurück zu Texten die auf etwas ausserhalb der Texte verweisen?

    Grüße, Kristian

  67. 67
  68. 68
    PiPi

    @Gerhard:
    Ohne Deine Aussage zu Zitieren

    Niemand sollte aufgrund seiner Äusserungen,
    sofern diese den jeweiligen (Humanen) Bestimmungen entsprechen, diskriminiert oder abgewertet werden. Ist wohl Klar. ;-)

  69. 69
  70. 70
    Ricci Riegelhuth

    01
    Gerhard:

    „Meine Frage ist allerdings, obes nicht sinnvoller ist, einen massiv und dumm pöbelnden Kommentartroll verbal und in aller Öffentlichkeit zu „zerlegen“, als ihm „radikal“ die Stimme zu nehmen.
    Denn es gehört zu Meinungsbildung dazu, „Idioten“ als Idioten präsentiert zu bekommen.

    Ich rede hier natürlich nur von den harmloserern Äußerungen.“

    Vielen Dank Gerhard,
    Da mir deine Sicht gleich zu Anfang sehr zusagt, will ich ich hier nochmal auf die Grundsätzlichkeit von Haltung hinweisen.
    Wenn Dummheit, Blödsinn,Hass und Hetze als solche sofort und prompt zerlegt werden, so hat das in der gegensätzlichen Haltung eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf die seerosenbegiessenden und geistig limitierten „Tintenverschütter“ auf Blogs. Das ist übrigens nicht allein die Verantwortung des Blogbetreibers sondern eine gemeinsame Aufgabe für jeden der an offener Kommunikation Freude hat und sie auch für eine funktionierende Gesellschaft für notwendig empfindet.

    Kommunikation benötigt Achtung und Pflege. Richtig und zur Not muss auch mal was ausgepflegt werden können…

    Schöne Ostern aus Bad Vilbel im Regen
    Ricci R.

  71. 71
    PiPi

    @Ricci Riegelhuth
    Virtuell: „Knuddel Dich“,
    ob Deiner benannten Aussage ;-)

  72. 72

    Stimme auch dem Gerhardschen Ansatz zu. Sicher könnte man manchmal auf den virtuellen Stammtisch verzichten, jedoch ein Disput, egal auf welchem Niveau ist allemal der pauschalen Zensur (kann man das so nennen?) vorzuziehen.

  73. 73
    Steffen

    Redensfreiheit ist beim „Blogen“ in Gefahr. Laut Gerichtsurteil MUSSEN die Beiträge zensiert werden, wenn es jemanden nicht passt, und es lesen sowieso nur wenige die Blogs. Werden diese tendenzen Blogs zu eine Modeerscheinung verkommen lassen?

  74. 74
    Insolvenz

    Es gibt es gibt die unterschiedlichsten Gründe einen Blog zu betreiben. Wer jedoch am Bau arbeitet sollte sich generell auf eine rauere Tonart einstellen. Wer diskutieren will und dem Leser außen vor läßt macht sich lächerlich. Wer Kommentare erwartet sollte diese auch zulassen und das auch wenn man völlig anderer Meinung ist. Es sei denn die Kommentare sind nicht Themenrelevant oder Sittenwidrig.

  75. 75

    hm… besser nicht verbieten… meine meinung

  76. 76

    Könntet ihr ein bissel konstruktive Kritik üben, warum in meinem Blog sehr selten jemand einen Kommentar abgibt?

    Hier ist die aktuelle Semmel-Satz-Statistik zur Größe des Blogs.

    Vielen Dank im Voraus
    Jan

  77. 77
    mpu

    Zu einem Blog gehören auch Kommentare! Es gibt Blogs welche ausschließlich von Kommentaren leben, je wilder und abstrakter umso besser. Stellt euch einen Politikblog ohne Kommentare vor. Und das das passt doch nicht oder!?

  78. 78
    newss

    @mpu
    gebe dir absolu recht…

  79. 79

    @Jan ich denke das sollte doch jeder selber wissen, was er als Kommentar dazu schreibt, wenn es eben nicht passt kann es ja auch wieder gelöscht werden;)

  80. 80

    Hey Jana!

    Dieses „Kommentar“ kann doch nicht Dein Ernst sein, oder?

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    Liebe Kommentator/innen
    Ich habe mir die Zeit genommen und die hier stehenden Texte alle gelesen. Einiges gefällt mir und anderes auch wieder nicht. So wird es auch sein, wenn man in meinem Blog liest. Ich schreibe gerne, aber manchmal habe ich den Eindruck, dass ich mit Euch jungen Leuten nicht mithalten kann. ( Ich selbst bin 60 Jahre alt. ) Eine Frage lautet: “ Warum sollte ich meine eigenen Texte kommentieren“? Zweite Frage: „Ist es eine Muss, die eigenen Texte zu moderieren“? Dritte Frage: Wie verhalte ich mich, wenn ich haufenweise Kommentare in englischer Sprache serviert bekomme, die übersetzt keinen rechten Sinn ergeben“? Mir scheint diesbezüglich, doch einiges im Argen.

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    Gerhard

    im Allgemeinen ein äusserst guter Gedanke

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    Redefreiheit ist ein MUSS

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