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Steile Thesen, Teil 42

Ich habe die Einladung zu einer Tagung am 6. Mai in Gelsenkirchen angenommen. Dort sollen im Rahmen eines Workshops verschiedene Thesen diskutiert werden. Meine Aufgabe war es, eine dieser Thesen zu formulieren:

Das Internet gilt bei vielen Nutzern als eigenständige Gesellschaftsform, als eine Art „Staat im Staate“, mit eigenen, oft kollektiv entwickelten Regeln, mit eigenen sozialen Interaktionsformen, mit eigenen Vor- und Nachteilen und auch mit eigenen Sprachen — jedoch ohne Regierung.

Bestehende Regierungen erkennen darin einen Machtverlust. Um die Kontrolle über die virtuelle Gesellschaft zu erlangen, werden Regierungen ob der dezentralen Struktur des Internet Maßnahmen direkt beim Nutzer ansetzen: So wie jeder PKW mit einem individuellen Kennzeichen einer bestimmten Person zugeordnet ist, wird jeder Internet-Nutzer durch einen „Internet-Ausweis“ bei jeder seiner virtuellen Tätigkeiten identifizierbar sein.

11 Kommentare

  1. 01

    Mmh, ich finde die These gar nicht mal so steil, weil ich meine zumindest einzelne Bestandteile schon öfter mal gehört zu haben.
    Und es gibt ja bereits Ansätze die in diese Richtung gehen wie den ePA.

    Wird es eine Möglichkeit geben, die Diskussion im Workshop zu verfolgen, nachzu -lesen, -hören, -sehen?

  2. 02

    Ist Internet eher „Anarchie“ oder „freie Marktwirtschaft“?

  3. 03
    Daniel

    @mart: Das eine schließt das andere nicht aus…

  4. 04
    corax

    Halb OT:
    Traurig ist ja, dass die „žAktion Mensch“ mit dem ZDF verschwägert ist und dass das ZDF gleichzeitig einen der übelsten Internetauftritte überhaupt hat, was Barrierefreiheit angeht.
    Vielleicht kann das ja mal einer da ansprechen.

  5. 05

    Die grundsätzliche Aufgabe an die Webcommunity wäre da ja, ihre Wünsche bzgl. des Machteingriffes von Regierungen durchzusetzen. Theoretisch betrachtet ist es ja nun mal so, dass die Regierungen, unabhängig von der Staatsform, die Legitimation eines beachtlichen Anteils des Volkes haben. Theoretisch betrachtet sollte es auch zutreffen, dass die Regierungen im Sinne ihrer Untergebenen die Waage zwischen Entzug von Freiheitsrechten und Sicherheitsgewinn halten. Theoretisch betrachtet.

    Im Internet sehe ich da eigentlich eine Chance, weil es eben (noch) keine wirklichen Staatsgrenzen gibt. Regulierbar ist das Ganze eigentlich auch recht schwer. Wenn – speziell im Fall der deutschen – die Gesellschaft endlich mal wieder in den Hinterkopf gerufen bekäme, dass sie und sonst keiner eigentlich der Inhaber der Macht im Staat sein sollte, würde hier sowieso einiges wesentlich besser laufen. Aber dafür müsste man sich ja bewegen. Darum die Chance, mit dem Internet sowas wieder zu verinnerlichen; eben weil hier noch herzlich wenig Mittel vorhanden sind, wirklich etwas zu regulieren und dadurch die Freiheit noch relativ begreifbar ist (sieht man mal vom Muli ab, aber den braucht eh kein Schwein). Ich würde im Bezug auf die Politikverdrossenheit nämlich die These in den Raum stellen, dass die Ursache zum größten Teil darin liegt, dass die Menschen Freiheit kaum noch als besonderes Gut spüren, weil sie mehr und mehr durch schleichende und Vorschlaghammer-Bevormundung aus dem Blickfeld verschwindet.

  6. 06

    Hi, das ist ja ne These über die ich vor 2+ Jahren in Karlsrhe bei unsere ersten Treffen schon verwundert war.
    Grundsätzlich haben Staaten natürlich ein Intersse ‚ihren Job zu amchen‘, d.h. die von den Bürghern sich selbst gegebenen Regeln (*räusper*) durchzusetzen.
    Generell fragt sich, ob im ontext neuer Medien (Schrift -> Pharao/Kaiser/Monarchie, Druck mit beweglichen Lettern -> Demokratie, many2many, collaboration, trallalla -> ???) nicht neue Formen der Selbstorganisation von Machtstrukturen entstehen.

    Anders: Ich denke wie damals so auch heute, das der Job, Identität im Netz zu fixieren in den Händen der Nutzer, p2p und distribuiert nicht nur machtpolitisch eleganter gelöst sondern auch ‚kanalgerechter‘ wäre.

    Ich zweifle ganz, ganz langsam daran, dass Staaten immer die besten entiten sind, um ‚etwas geregelt zu kriegen‘. Oder anders: es ist die Duiskussuion nötig, was Staaten gut können, was Firmen gut könnne, was NGOs gut können und was freischwebende Netzwerke gut können. Nur wenn wir das rechtzeitig rausfinden, hat deise Zivilisation noch 100, 200, 500 Jahre.

    Soviel zu meiner steilen These ;) [Ich blogg das noch mal bei mir Und TRackbacke nochmal…]

  7. 07
  8. 08
    PiPi

    @PiPi:

    Sorry, mein Fehler

    Nachfolgender Link erläutert das Anliegen:

    http://knopper.net/knoppix-adriane/

  9. 09
    Sascha Stoltenow

    @ Andre´

    Die Tagung inkl. aller Workshops soll live als Flashstream laufen, inkl. der Möglichkeit von außen Fragen zu stellen. Nach Tagungsende ist geplant, die Videos als Dokumentation im Netz stehen zu lassen.

    Beste Grüße

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