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Deutschland – Serbien

Lange Zeit war die Schweigeminute für Heinrich Kwiatkowski das Stimmigste, Aufregendste und wenn nicht Bewegendste, so doch zumindest Bewegteste. Während der Partie bewegten sich die deutschen Spieler wie Jabba the Hutt in der Sauna, neben manchen Spielern stand schon ein Arzt, um den Totenschein auszustellen. Kevin Kuranyi wurde an der Biegung des Strafraums beerdigt.

Serbien hat dankenswerterweise einen sehr unangenehmen Gegner simuliert. Sie standen konzentriert in zwei Viererreihen, die sie auch noch verschoben, was angesichts des deutschen Klimakteriums etwas unfair schien.
Das 1:0 für Serbien nannte Christoph Metzelder einen Fehler, fügte jedoch hinzu, dass es Fehler und Fehler gebe. Ich neige dazu, es einen Fehler von Christoph Metzelder zu nennen. Jens Lehmann ist zur Zeit nicht der Torwart, der einem auf ihn zulaufenden Spieler Angstschweiß in die Poritze laufen lässt und konnte dementsprechend das Tor nicht verhindern.

Die Ecken von Bastian Schweinsteiger landeten weiter entfernt vom gegnerischen Tor als sein Friseur vom Geschmack der Zeit. Die Wechselpolitik von Joachim Löw war undurchschaubarer als die von Hans-Dietrich Genscher und für eine sich endlos dehnende Viertelstunde lag ein Hauch von Ribbeck über der Schalker Arena. Es stellte sich raus, dass Löw nicht konnte, wie er gewollt hätte. Körperliche Verfallserscheinungen von Klose, Mertesacker und Lahm machten ihm einen Strich durch die Rechnung.

Ballack war sehr gut, Gomez hatte gute Szenen, dabei Pech, als er einen Ball, den er selber an der Mittellinie erobert hatte, kurz vor dem Tor verstolperte. Fritz ordentlich, Frings ebenso, Podolski sorgte tatsächlich für Bewegung und Neuville mit der Wiederauflage seines Tors gegen Polen für Erleichterung.

Als Ballack schließlich den Ball zum 2:1 durch eine Lücke in der serbischen Mauer drosch, war aus einem schwachen Spiel wenigstens noch etwas Aufmunterndes mitgenommen worden.

Bleibt zu hoffen, dass die fehlende Dynamik an den Trainingseinheiten der vergangenen Woche lagen und nicht an der fehlenden Kabinenansprache von Jürgen Klinsmann. Denn so verängstigt, wie manche Spieler aussahen (Ballack wirkte bei der Gedenkminute, als würde er gleich losheulen), sollte man gegen Polen besser nicht antreten.

20 Kommentare

  1. 01
    rio

    warum reden eigntlich ALLE (kicker, netzer…) davon dass gomez neben klose vor poldi im sturm spielt?

    fand ihn heute sehr schwach, bei weitem nicht so belebend wie podolski – und ja gomez hat eine gute saison hinter sich – aber all das zählt jetzt nicht mehr!

    da ich weder gomez noch herrn „der-ball-verspringt-mir-bei-der-annahme-immer-so-weit-äh-scheisse-äh“ kuranyi besonders überzeugent fand, meine ich gomez müsste für podolski weichen, v.a. weil dieser auch mal einen tödlichen pass unterbringen kann (siehe z.b. gegen weissrussland) und m.E. nach auch besser mit Klose harmoniert…

  2. 02

    der einzige Anlass zu Hoffnung ist das deutsche EM Quartier. Im Ascona haben sich Deutsche schon immer wohl gefühlt.

  3. 03

    Warum wohnt das DFB Team eigentlich in der Schweiz, wenn es doch die Gruppenspiele in Klagenfurt und Wien bestreitet (also ganz eindeutig NICHT in der Schweiz)?

  4. 04

    Ich hab nach der sterbenslangweiligen ersten Halbzeit ausgeschaltet, was die deutsche Mannschaft dann auch gleich zum Toreschießen genutzt hat.

    Immerhin: Die Entscheidung für Olli Neuville hat sich schon mal als die richtige herausgestellt. (Was mir natürlich vorher schon klar war.)

  5. 05
    Richi

    Poldi fand ich nicht so dolle. Aber Jansen nach vorne auch gut, nach hinten leider 2 mal unaufmerksam.

    Um mal eine Lanze für Metzelder zu brechen, er hat sich einfach falsch entschieden, wollte den Passweg versperren und es klappte nicht. Das hat nix mit Schnelligkeit oder Folgen der Verletzung zu tun. Glaube das meint er mit Fehler und Fehler ;)

  6. 06
    westernworld

    apropos kabinenansprache, löw mag ja der größere fußballfachmann sein, aber er hat gegen tschakka-jürgen einfach den nachteil das charisma einer abgelaufenen packung toastbrot zu besitzen.

    ich warte bis er das erste mal mitten im satz einschläft.

    schade das malte nicht die spiele kommentiert, sondern ein langweiler von ard/zdf. doch wer weiß wenn wir brav sind gibts noch einen live-audiocast zur em.

  7. 07
    seBastian

    @Georg: Weil die Schweiz den schöneren Sportpark hat. Ist dort ja auch netter als in Österreich.

  8. 08

    Das würde ich so nicht unterschreiben :)

  9. 09

    wir aber vermissen diese fooligan-inhalte auf fooligan.
    geld schießt tore.

  10. 10

    @westernworld: Ach richtig, das war der Hauptgrund, weshalb ich ausgeschaltet hatte: Steffen Simon. Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass der geeignet wäre, Fußballspiele zu kommentieren? Oder überhaupt irgendwas zu tun, was mit Sport oder Medien zu tun hat?

  11. 11

    Also ich persönlich finde ja Steffen Simon am erträglichsten bei Sportübertragungen der Öffentlich-Rechtlichen.

    Ansonsten: Über Testspiele berichten ist wie zu Architektur zu…

    Entschuldigung.

  12. 12
    horst

    @rio: …möglicher weise, weil er in 32 pflichtspieleinsätzen unglaubliche 28 tore geschossen hat…

  13. 13

    Trotzdem spielen wir immer noch besser Fußball als wir singen können.

  14. 14

    Na wenigstens braucht man sich bei solchen wenig langweiligen Texten langweilige Spiele nicht selber angucken.

  15. 15

    @rio:

    in dem fall haben ausnahmsweise mal alle recht

  16. 16

    Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank.

  17. 17

    Die Journalisten haben jedenfalls ihr Lieblingsthema gefunden: Metzelder und Lehmann – sowie der angeblich entscheidende Mangel an Spielpraxis. Jede torgefährliche Aktion des Gegners, jedes Gegentor wird nun das Resultat der Uneingespieltheit sein; als wenn es nicht auch Gegentore und gegenerische Torschüsse geben würde, wenn sie alle Saisonspiele bestritten hätten. Aber dann wäre die hohe Anzahl der Spiele sicher die monokausale Begründung der Journalisten für „Fehler“.

    DAS ist Fußball – und es ist klar, dass der Gegner auch mitspielt, unter Umständen sich sogar eigene Torchancen herausarbeitet. So was soll es in einem Fußballspiel geben – habe ich mal gehört. Und das meinte Metzelder eben mit der Unterscheidung zwischen Fehler und Fehler. Auch wenn Enke oder Adler, Friedrich oder Westermann spielen würden, könnte es Gegentore, die aus „Fehlern“ resultieren, geben. Man stelle sich das einmal vor…

  18. 18

    @Sportsmann:

    du hast ja recht. aber wahnsinnig fit wirken beide nicht.

  19. 19
    rio

    @Malte Welding:

    @horst:

    ihr habt alle recht? das wage ich zu bezweifeln – wann hat gomez sich schon mal gegen internationale top verteidiger (ala vidic, siehe gestern) durchsetzen können? passt er wirklich so gut ins team wie podolski?

    weil: wie gut jemand auf dem papier ist (in dem fall in stuttgart) zählt bei der em und in einem anderem team nicht mehr – sonst wäre ja auch shevchenko der topscorer der premier league…

    versteht mich nicht falsch: gomez ist ein super stürmer – für die em würde ich mir wegen seiner größeren kreativität und den oben genannten gründen aber podolski wünschen…

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