11

Schweiz – Tschechien 0:1

Heute nachmittag also trafen sich die Herren Brückner und Kuhn zu einer gepflegten Party Schach, um dabei Cognac zu trinken. Im Vorfeld durfte die Montessori-Kindergartengruppe „Blaues Pferd“ ihr zum Sommerfest einstudiertes Programm probeaufführen, was allgemein wohlwollende Anerkennung fand. Ein Ball, ein Pfiff, los gings.

Beide Trainer sind nicht untätig gewesen. Zur altbekannten tschechischen Offensivvariante, die Bälle ungefähr zwei Meter fünfzig hoch vor den gegnerischen Strafraum zu schlagen und zu hoffen, Koller sei nicht gerade am Schuhe binden, hat sich eine zweite gesellt: steil und, wenns geht, noch steiler auf Sionko, der springt dann schon.

Die Schweizer hingegen versuchten es mit Flanken aus dem Halbfeld, eine Taktik, mit der Rot-Weiß Essen knapp den Abstieg aus der dritten Liga nicht hat verhindern können. Der Rest war hoffen auf Frei und hier und da mal rumprobieren. Nach zwanzig Minuten Brainstorming kam aber nicht mehr viel, und Streller sang Ujfalusi Schlaflieder aus seiner Kindheit vor. Als kurz vor der Halbzeit Grygera Freis Knie übers Knie brach, weinten die schweizer Gletscher wie seit der letzten Klimakonferenz nicht mehr.

Während der Halbzeit muss jemand den Schweizern erklärt haben, dass Angriffsfußball auch mit mehr als nur zwei Beteiligten vollzogen werden kann. Außerdem hatte Magnin Barnetta aufgeweckt, und bisweilen entstand der Eindruck, die rot gekleideten Gestalten auf der Leinwand wüssten in ungefähr, was sie tun. Dann fiel ein Ball vom Himmel, Sverkos auf den Fuß, 1:0 Tschechien.

Kuhn wechselte zwei Stürmer ein, woraus genau zwei Torchancen resultierten. Die Tschechen betonierten sich ein und entschieden, dass man gegen die Schweiz nicht zwingend Fußball spielen muss, um zu gewinnen. Spielzüge werden eh überschätzt, im Zweifel spielt der gegnerische Verteidiger den besseren Pass. Und weil Vonlanthen einen vom Himmel fallenden Ball nicht wie Sverkos ins, sondern ans Tor schoß, kann man sagen: die individuelle Klasse der Tschechen oder so. Und die tapferen Schweizer.

11 Kommentare

  1. 01

    Komisch, ich dachte, die Taktik der Tschechen war abzuwarten, dass die Schweizer den 16er erreichen und dann über ihre eigenen Füße stolpern? ^^

  2. 02
    Robert

    So eine Scheiße, hier ist ja auch Fußball.

  3. 03

    Parallel Fußball gucken und gleichzeitig im I-Net unterwegs sein mit einem Gerät?
    Multitasking ist nicht jedermanns Sache. Mittlerweile haben die Türken verloren.

  4. 04

    gute analyse. weiter so, und ihr gewinnt nen stammleser :)

  5. 05

    ernst gemeinte frage:
    warum erscheinen fußballtexte nicht mehr dort, wo sie hingehören?

  6. 06

    @frau_karla: Eine gute Frage. Vielleicht eine der letzten, wichtigen, ungeklärten Fragen der Menschheit: Warum nur erscheinen Fußballtexte nicht mehr dort, wo sie doch schon immer hingehörten?

    Fooligan ist, wie vielleicht nicht allen bekannt ist, ein Spreeblick-Blog. In den Zeiten, in denen wir finden, dass uns Fußbälle gut stehen, erscheinen bestimmte Artikel hier. Falls der Klick zu anstrengend wird und der Wechsel von einem Blog zum nächsten ob der übrigen Artikel eine Überforderung darstellt: So kannst du allein den Sportblick betrachten.

  7. 07
    han

    Na, im Moment läuft nicht wirklich viel auf fooligan, aber die bisherigen vier Fußballrückschauen sind so ziemlich das Beste, was ich bisher über die Spiele lesen durfte.
    Im Ernst: Ernsthaft drüber reden kann jeder. Und dann steckt auch noch so viel analytische Wahrheit drin.

    Da können sich die selbsternannten krampfenden EM-Blogs mit -EM- im Titel mal was abgucken oder auch nicht.

    Bravo

  8. 08

    Call me wind bescaue I am absolutely blown away.

  9. 09
  10. 10

Diesen Artikel kommentieren