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Wenn HipHop böse wird. Richtig böse.

Das Amtsgericht Tiergarten hat Musiker des Labels Hirntot wegen ihrer Texte zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt. Das ist der erste Fall, bei dem Musik strafrechtliche Konsequenzen hat, die nicht aus dem rechtsextremen Lager stammt.
Da ich das Gesamtwerk von Uzi, Schwartz und Blokkmonsta nicht kenne, kann ich mir meine Meinung nur anhand von einigen Videos auf Youtube bilden. Und werde an die Geschichte vom mongoloiden Einreiter erinnert.

Der mongoloide Einreiter

Wir müssen so 13, 14 gewesen sein. Mein bester Freund, ich und zwei Mädchen aus unserer Klasse schrieben uns Zettelchen, in denen wir uns in Obszönitäten gegenseitig überboten. An eine Zeichnung erinnere ich mich noch vage. Das heißt: nicht so sehr an die Zeichnung, nur an den Titel: Katharina und ihr mongoloider Einreiter.
Wir hatten einen im wahrsten Sinne des Wortes Heidenspaß daran.
Nun, dummerweise ließ einer von uns die Zettel unter seiner Bank liegen.
Wo sie von einer Lehrerin entdeckt wurden.

Man kann sich diese Zettelsammlung ruhig so vorstellen wie den Monolithen zu Beginn von Odyssee im Weltraum. Für unsere Lehrer waren das Dinge aus einer anderen Welt. Unsere Klasse war eine Ansammlung von dermaßen wohlerzogenen Kindern, dass es gewirkt haben muss, als wäre in Heidi eine Hentai-Sequenz gelaufen.
Unsere Geschichtslehrerin hat auf dem Schulhof mit meinem besten Freund und mir über den Fund gesprochen – noch waren die Schuldigen nicht ausgemacht. Wir vergingen vor Scham und Peinlichkeit, als die von uns sehr verehrte Lehrerin den mongoloiden Einreiter ansprach. Und ganze Gebirgszüge fielen uns vom Herzen, als sich herausstellte, dass wir beide als Verdächtige nicht in Frage kamen. Denn wir waren von den Wohlerzogenen die Bravsten, wir waren Vorbilder an Anstand, Gerechtigkeit, Eifer, Bescheidenheit und kindlichem Antifaschismus.

Es ist vermutlich normal (ich hatte nur eine – wenn auch lang anhaltende – Pubertät, also kann ich es nicht mit letzter Sicherheit sagen), dass mit dem neuentdeckten Vokabular der Erwachsenenwelt in der Pubertät experimentiert wird. Den Begriff „mongolider Einreiter“ hatten wir mit ziemlicher Sicherheit nicht aus Dalli Dalli oder den Aachener Nachrichten, nicht aus der Schwarzwaldklinik oder Büchern von Christine Nöstlinger. Der entstammte allein unseren mit Testosteron (und offensichtlich hat Östrogen eine ähnliche Wirkung – die Mädchen haben schließlich mitgemacht) aufgeschwemmten Gehirnen.
Und es ist vermutlich ebenso normal, dass die Ergebnisse dieser Experimente in eben dieser Erwachsenenwelt ein ganz anderes Gewicht erlangen. Wie ein Laborvirus, der ausbricht.

Mongoloider Einreiter, das war für uns einfach wahnsinnig lustig. Unsere Lehrer hätten uns dafür wahrscheinlich in die Psychotherapie geschickt.

Was sagt das über das Label Hirntot aus? Zunächst nicht viel – die nun Verurteilten sind zwischen 22 und 26 Jahren alt und auch bei nachsichtigster Berücksichtigung von Entwicklungsstörungen gelten sie nicht mehr als pubertierend.
Und doch stelle ich mir den Moment, in dem der Staatsanwalt Liedtexte vorgelesen hat, ähnlich vor wie den Moment, als unsere Lehrerin „Mongoloider Einreiter“ sagte.
(Da fällt mir ein: Meine Grundschullehrerin berichtete meiner Mutter ein paar Jahre zuvor von der Verwahrlosung der Sitten in unserer Klasse, traute sich aber nicht, die Dinge beim Namen zu nennen. „Die sagen Sachen wie: `Kratz mich doch am Po´.“ Tatsächlich war unser Lieblingssatz mit acht: „Kraul mich am Mokka.“)

Was die Frage aufwirft, ob ein Strafprozess der richtige Ort sein kann, um Texte die in einer Atmosphäre des sich an Krassheit Überbietens entstanden sind, zu bewerten.

Denn durch diese Settingverschiebung kommt es zu Schlüssen, die wiederum jeder Vernunft entbehren.
„Nahrung und Futter für Amokläufer“ seien die Texte, sagte der Richter.
Von abertausenden von Selbstmördern richtet alle Jahre einer seine Angst, seinen Selbsthass, seine Auslöschungssehnsüchte nach außen. Ein seltener, aber schwerwiegender psychischer Defekt – ausgelöst durch Schüttelreime?

Rappende Rassisten

Seltsam mutet auch an, dass es ausgerechnet diese Drei erwischt hat.
Denn tatsächlich gibt es seit einiger Zeit eine extrem bedenkliche Entwicklung im deutschen Rap. Mehr und mehr werden die Battles entlang ethnischer Grenzen ausgetragen.
Der Albaner Bözemann beispielsweise fordert den Palästinenser Massiv per Video heraus. Laut krawalla.myblog.de war einer der sogenannten TopFriends von Bözemann bei MySpace ein Profil mit der Bezeichnung SS Skanderbeg, das mittlerweile wegen Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen gelöscht worden ist. Die nach dem albanischen Nationalhelden Fürst Skanderbeg benannte 21. Waffen-Gebirgs-Division der SS war ein aus Albanern gebildeter Truppenverband, der an der serbischen Zivilbevölkerung Kriegsverbrechen verübt hat. Krawalla zufolge schrieb Bözemann diesen Kommentar bei SS Skanderbeg:

JA MAN MEIN OPA WAR AUCH DABEI!!! ES LEBE DIE 21. SS SKB DIVISION!!!
BÖZEMANN

Auch ein junger Afghane namens AK-65 steigt in den Ring („Du bist kein Moslem, du bist ein Nuttenkind, du bist der Grund, warum ich Albaner jetzt hasse“) – heraus kommen bei Youtube Kommentare wie dieser:

du verbrennst die albanische flagge? junge ich ficke deine mutter wenn ich in deiner gegend bin kame ta qi at non qifsha piqken e sames und du scheisst auf albanische flagge komm nicht nach frankfurt am main du depp azad hängt nur mit albaner ab du jude du dreckiger!! ich würd am liebsten deine mutter schwängern und die dan umbringen

oder

Verpiss dich im Afganistan du scheisse terrorist

Man kann natürlich der Ansicht sein, alles, was mit Rhythmus unterlegt ist, sei durch die Freiheit der Kunst gedeckt.
Aber die gesungenen Flugblätter der Nazibands können sich selbstverständlich genausowenig auf Grundrechte berufen, wie ich, wenn ich per Gedicht Max zum Mord an Johnny anstiften oder per gereimter SMSen Ex-Freundinnen stalken würde. Auf Youtube gibt es mittlerweile eine unüberschaubare Anzahl von HipHop-Videos mit volksverhetzenden Inhalten. Von jungen bis nicht so ganz jungen Rappern mit Migrationshintergrund. Und klar, Deutsche sind natürlich auch dabei.

Vom Schwulenhass, der bei einigen längst eine eliminatorische Ebene erreicht hat, hier gar nicht zu reden.

Machogehabe, Selbstüberhöhung – das waren Urelemente des HipHop. Aber auch die Überwindung von ethnischen Differenzen über die gemeinsame Musik.
Die Pervertierung einer Musik, die einst ein schwarzes Selbstbewusstsein propagiert hat zu einem Mittel, jeden, der zu einem anderen Gott betet, zu bekämpfen, zu einem Propagandainstrument in ethnischen Straßenschlachten – das ist nicht nur eine künstlerische Sackgasse. Das ist eine gesellschaftliche Fehlentwicklung, mit der das Strafrecht überhaupt gar nichts anfangen kann.

Nachzuvollziehen ist die Trendwende im HipHop an dem Titel „Fremd im eigenen Land“.
In der Single „Fremd im eigenen Land“ von Advanced Chemistry ging es um das Gefühl, im Geburtsland ausgegrenzt zu sein, das junge Afro-Deutsche erleben:

Der Albumtitel Fremd im eigenen Land des Deutschen Rappers Fler dagegen spielt bewusst mit Ausländerfeindlichkeit, das Album ist ein auf Skandal kalkuliertes Produkt. Wahrscheinlich ist Fler nicht einmal Rassist. Er verlässt sich nur lieber nicht auf sein Talent allein.

Es ist nicht auszuschließen, dass er wirklich nichts versteht:

Wenn ich aber dann von diesen Leuten (gemeint sind Advanced Chemistry) dafür gehatet werde, dass ich mein Album „žFremd im eigenen Land“ nenne, kann ich das nicht verstehen. Die heutige Jugend kann sich mit der damaligen Zeit nicht mehr identifizieren. Daher sehe ich kein Problem einen Titel zu benutzen der meine Situation gut beschreibt.

Eine zynische Industrie

Das Ekligste bei der ganzen Sache ist vielleicht der Zynismus der Labels – diese setzen auf den wohligen Schauer, der bei der weißen Mittelschicht, die als Käufer anvisiert ist, ausgelöst wird durch die mit den jeweiligen Ethnien verknüpften Stereotypen. Der deutsche Nazi, der albanische Kriminelle, der afghanische Terrorist.
Vertreter von Völkern, die wir aus dem Fernsehen nur unter Waffen kennen, werden in die Arena geschickt, um sich unter unserem Gejohle die Kehle durchzuschneiden.
„Manman“, flüstert der bleichgesichtige Labelboss, „wir haben hier einen Afghanen, der war in einem Terrorcamp.“
„Aaaalt“, ruft sein A&R-Mann ins Handy, „ich habe da gestern einen ugandischen Kindersoldaten gecastet, der hat seinem Vater die Kehle mit einer Machete…“
„Geil, ist gekauft!“
Kurden, Sinti, Roma, ugandische Kindersoldaten, paschtunische Warlords und dann Klingonen.

Die Grenzen des Strafrechts

Wann passiert mal etwas als Reaktion, das nicht total hilflos ist?
Was bedeutet eine Bewährungsstrafe in einer Szene, in der sich die Protagonisten mit ihren Verurteilungen wegen Zuhälterei brüsten?
Es ist doch ganz offensichtlich an der Zeit, zu vermitteln, dass ein Zuhälter nichts anderes als ein Sklavenhändler ist, also genau das, wogegen der HipHop einst aufbegehrt hat. Das kann Monika Griefhahn, die in den Texten des Hirntot-Labels angegriffen wurde, nicht leisten und Richter können das auch nicht. Dafür muss es wieder Chancen geben für Einwanderer und deutsche Bildungsferne, jenseits von Illegalität und Rückzug ins eigene Kopfghetto.

Ein Richter kann aus dem Zusammenhang gerissene Zeilen von Mainstream-Rapper Kool Savas (Unterstützer der Kampagne Du bist Deutschland) nicht unterscheiden von Auswüchsen einer rassistischen Szene.

Macht mir nichts denn ich bin dope und wichs auf jeden, Adolf Hitler war mein Name in meinem vor vorletzten Leben. MC’s reden viel, doch wissen nicht weshalb und was. Ihr seid schwul und dient eurem Label-Boss nur als Stuhl. Realisiere es ist möglich dass ich deine Schwester töte. Ich hab keinen Platz für Frauen allerhöchstens an den Klöten, Deine Flows gehen sicherlich nicht flöten

Ich will jeden von euch haben, jeden von euch schlagen, jedem an den Kragen, euch schlachten und begraben (…) Keiner von euch traut sich, meinen Namen zu erwähnen/
an der höchsten Laterne werd ich euch erhängen

Mit Textexegese allein kommt man hier nicht weiter. Ist es in Reime gegossene Pubertät, Splatter oder ethnische Brandstiftung? Um das zu deuten, muss man HipHop verstehen, muss der Szene geschuldete Überzeichnungen trennen können von Werteverschiebungen, muss den Kontext kennen, die Zeichensprache der Videos deuten können.

Und auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Jugendzentren, mehr Geld für Schulen, Integration. Das sind die Schlüssel, nicht Strafrecht. Verbote sind in Zeiten des Internets für die hohle Hand, da reicht ein Blick auf die aberwitzigen Abrufzahlen noch des primitivst gemachten Videos.

Mein bester Freund und ich, wir haben übrigens auch ohne Strafe gemerkt, dass wir es übertrieben hatten.
Wir waren aber auch brav.

99 Kommentare

  1. 01
    Matze

    Hm, kommt man hier mit Erziehung weiter? Also, die bösen dummen Krakel-Rapper ignorieren und die guten hofieren? Bei einem Kind soll man ja auch das gut gemachte loben und das nicht so gute ignorieren und eben nicht schimpfen.

    Hm, aber dieser Rap (Hip Hop würde ich es nicht nennen) ist sicherlich nur ein Symptom nicht die Ursache.

    Aber blöd und ecklig ist es trotzdem.

    Ich will wieder Fanta4, Fettes Brot statt Sido und Konsorten.

  2. 02

    jugendkultur hat doch immer schon provozieren wollen, aber womit kann man denn heute noch provozieren? da wundert es doch nicht, dass die grenzen des guten geschmacks vollständig eingerissen werden; sonst regt sich ja keiner auf.
    außerdem glaube ich ganz bestimmt, dass die geistige pupertät heute bis mindestens ins 25. lebensjahr reicht.

  3. 03

    wobei es ja mittlerweile heisst, das gangsta rap in d wieder auf dem absteigenden ast ist und sich alle wieder mehr backpacker-skills zulegen. ohne dabei backpacker zu werden. also so eine art melange. oder best of both worlds. oder so. die stumpfen gewaltaufrufe kommen jedenfalls auch beim konsumenten nicht mehr so wahnsinnig gut an. man hat langsam mal wieder lust auf etwas mehr als „ich ficke deine familie“.

    übrigens ist das neue sido-album super. bei dem hat man wenigstens eine klare entwicklung beobachten können.

    yo.

  4. 04

    Und schuld sind wir mal wieder selber, weil das Multikulti Märchen vom aus Prinzip knuffigen, liebenswerten und grundguten Migrationshintergründler einfach so schön war.

  5. 05
    Parolendenker

    Ausweisen.

  6. 06
    Matze

    @Jan TM: Und was machst Du mit dt. Rappern, die Battletracks machen? Ausweisen?

    So’n Quatsch. Der Rap ist Symptom, nicht Ursache. Die Frage ist, ob man die KRankheit heilen kann oder will. (Angesichts sinkender Bildungsausgaben und ausgeKOCHTER Heuchel-Hunde.

  7. 07

    Ich halte es da mit Frank Zappa, Worte sind Worte und nichts weiter:

    http://www.youtube.com/watch?v=8ISil7IHzxc

    Es ist falsch, Leute wegen Musik in den Knast zu stecken.!

  8. 08

    @Parolendenker:

    du machst deinem namen alle ehre

  9. 09

    HipHop heute ist was die World Wrestling Federation für uns früher war.
    Maskierte Clowns im Imagedress. Auf zum Cagematch!

    Tatsächlich hat Nilz recht: Der Trend geht wirklich weg vom G-Style. Ich empfehle dazu dieses Interview von Falk mit Sido (http://www.mixeryrawdeluxe.de/index.php/Broadcast/Archive/style/pastshows) (dessen neues Album wirklich gut ist).

    Ich vertraue darauf, dass Jungs wie Huss & Hodn, F.R., Materia usw. wirklich ein neues Kapitel aufschlagen können.

    Und ja, riesige Idioten und Arschlöcher gibt es auch im HipHop.

  10. 10
    Maltefan

    @Paolo Pinkel: Danke für das Video! Zappa ist einfach großartig.

  11. 11

    @Mathias Richel:

    die aussage gilt für sido und vlt noch für massiv. aber wenn du es auf die videos, die ich meine, beziehst, dann könntest du genauso gut sagen, skinheads sächsische schweiz wären ein wanderverein.

  12. 12
    Jan(TM)

    @Matze: Wer redet von ausweisen? Null Toleranz für mittelalterliche Ehrbegriffe, Terrororganisationen (UCK) und Schwulenfeindlichkeit wären doch mal ein Anfang – sprich das gleiche was für Arschlöcher ohne Migrationshintergrund gilt.

  13. 13

    @Jan(TM): Am besten wir führen eine Behörde ein, der jedes Lied vor Veröffentlichung vorgelegt werden muß.

  14. 14

    Die anfängliche Freude über dieses Urteil ist verfolgen. Der Verstand arbeitet wieder normal:

    …das Einzige, was die Justiz wirklich interessiert hat, war die beschriebene Gewalt an Polizisten. Die Erwähnung der anderen Textstellen im Urteil sind im Grunde Moral-Alibi und interessierten für das Urteil sicher nicht im Geringsten. Aber egal. Viel wichtiger ist, dass ich es für äusserst streitbar halte, ob solche Textestellen nicht doch unter den Begriff „Satire“ oder in irgendeiner anderen Form vom Recht auf künstlerische Freiheit gedeckt sein müssten(?). Nicht, dass ich solche Texte gut finde (in Gegenteil), aber strafrechtlich relevant?
    Die „Jungs“ sind bereits etwas älter, aber das Niveau ist trotzdem pupertär. Die Texte sind im Grunde nur eine Übersteigerung des in dieser Phase unter Jungs so extrem wichtigen Schwanzlängenvergleichs. Ein zweiter Anhaltspunkt für eine missverstandene Satire wäre der Name des Labels: „Hirntod“.

    Nein, ich finde die Texte weder gut, noch geistreich. Aber in einem solchen Urteil befürchte ich einen sehr deutlichen Schritt in Richtung einer „Moral-Zensur“. Jeder, der seiner Freude über die Verurteilung solcher Schwachmaten nachgibt, sollte sich bewusst sein, dass es sich hier um ein Präzedenzurteil handelt. Der Gedanke, was übereifrige Polisten, Staatsanwälte und Richter unter Berufung auf dieses Urteil in der Zukunft anrichten werden, verlangt eigentlich schon fast nach einer Soli-Party, um eine wirksame Berufung gegen das Urteil zu finanzieren.

  15. 15

    Und was machen wir eigentlich mit Blogs, die für solche menschenverachende Musik Werbung machen?

    KIZ-Lyrics sind auch nicht gerade ohne

    dreißig Atzen und sie alle geh’n auf Klassenfahrt
    mit einem Affenzahn Richtung Nachbarstaat,
    die Lehrer gucken, ob ich Waffen in den Taschen hab‘,
    denken die Jugendherberge wird zu ei’m Massengrab,
    fürchten ein Attentat, sind mit dem Feind allein,
    sie kenn‘ die – Rütli-Schule, kenn‘ Columbine,
    doch mich noch nicht, ich box‘ den Dorfpolizist,
    häng‘ die – Bauern auf, nehm‘ das Ortsschild mit,

  16. 16

    @Paolo Pinkel: nur dass man bei k.i.z. die ironie ja schon mit nem baumstamm eingeprügelt bekommt.

  17. 17

    JAAAAA, jetzt überbieten wir uns mit Zitaten.

    Kauft euch die aktuelle Juice. Auf der CD sind schöne Lieder drauf.

    Ein Technoremix von Savas, wo er ausnahmsweise mal wieder sinnvolle Sachen sagt. Ein sehr lustiges Lied von Hammer & Zirkel, ganz normale, sympathische Jungs, die ihr Hackfleisch feiern.

    Caught in the Crack, (zumindest ehemalige) Linksradikale, die Gangstarap machen, dass einem die Arschbacken vor Lachen abfallen.
    Und der Rest fast nur schöne Musik. Wirklich. Gut, zwei drei Lieder sind stumpfer Dreck von schlecht gebitetem Betonrap ohne jeglichen kreativen Anspruch. Aber indem man über solch einen Dreck auch noch echauffiert redet, schenkt man ihm doch die Aufmerksamkeit, die er gar nicht kriegen sollte.

    Genau deswegen reißen die doch das Maul so krass auf: Weil sie sonst nicht gehört würden. Weil die Medien- und Publikumslogik befiehlt, dass man nach dem Schlagen das Abstechen bringen muss, dann das Schlachten, die Schwulen, die Juden etc. Wenn man nicht krass ist, wird man ignoriert. Das merkt jeder noch so ungebildete 14jährige sehr schnell.

    Um die Straftaten (siehe SS-Bözemann) soll sich die Polizei kümmern. Die Rapszene selbst ist schon viel weiter. Bloß kommt das bei diesen Husos von Spiegel online etc. nicht an. Das dauert halt noch.

    Glaubt nicht, dass nicht auch innerhalb der Szene zumindest in Teilen schon gutmenschlicher Konsens herrscht, dass man keine menschenverachtende Scheiße machen will.

  18. 18

    @meier: Ich stand schon bei kiz in der ersten reihe und habe mich dabei fast totgelacht. Daß die anderen Anwesenden die Musik mit dem gleichen Abstand betrachteten, wage ich zu bezweifeln.

    Das ist aber auch vollkommen egal. Musik an sich tut niemanden weh, auch wenn sie agitiert und hetzt. Zensur ist ein viel größeres Übel und sollte in jeder Form bekämpft werden. Wehret den Anfängen!

    Ich will jedenfalls weiter menschenverachtende Untergrundmusik hören können. Zum Glück verstehen deutsche Richter kein (jamaikanisches) Patois.

  19. 19
    corax

    Und auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Jugendzentren, mehr Geld für Schulen, Integration. Das sind die Schlüssel, nicht Strafrecht.

    Zensur ist immer heikel und ne Gratwanderung aber einige Textstellen auf die du aufmerksam gemacht hast, find ich echt bedenklich.

    Mein Vorschlag deshalb: wenn Strafen, dann saftige Geldstrafen für Künstler und Label (hat den angenehmen Nebeneffekt, das böse Texte nur aus Kalkül nochmal überdacht werden) und zwar zweckgebunden ausschließlich für Jugendarbeitsprojekte.

  20. 20
  21. 21

    @Jan(TM): Bitte was?

    Du forderst Null-Toleranz für alles was nicht in (d)ein gutmensch-weltbild passt, ich sage Freiheit ist die Freiheit der Andersdenkenden.

    Und solang sie nur reden/singen, tun diese Andersdenkenden niemandem weh. Also laß sie doch.

    Wir sind alle Terroristen!
    http://youtube.com/watch?v=FprnQnz8WOA

  22. 22

    Terroristen? Terroralarm?
    http://chaosradio.ccc.de/ctv115.html

    Zum Topic: ich habe schon etliche Songs gehört, die wesentlich drastischer zur Sache gingen.
    Death- und Black-Metal, Grindcore. Hach, was gab’s da für lustige Anekdoten.
    Cannibal Corpse: „In Deutschland sind die ersten drei Alben, die EPs „Hammer Smashed Face“ und „Worm Infested“ indiziert. Gegen „Butchered at Birth“ besteht ein Beschlagnahmebeschluß nach § 131. (…) Außerdem wurden viele Alben mit zwei unterschiedlichen Covern veröffentlicht, da die amerikanischen Versionen der Zeichnungen so brutal sind, dass sie in Ländern wie Deutschland nur in gemäßigter Form auf den Markt gelassen werden.“ (siehe wiki)
    Selbiges bei der Fun-Punkcombo NoFX: deren Cover zu „Heavy Petting Zoo“ wurde für Deutschland entschärft.

    Eine gewisse Christa Jenal hatte sich damals mächtig ins Zeug gelegt. Rammstein wollte sie auch ans Leder, wegen vermeintlicher Verherrlichung des 3. Reiches und dergleichen mehr. O-Ton Jenal:

    „Die Live-Show von denen ist wirklich gigantisch und perfekt gemacht. Wie ein Aufmarsch. So stelle ich mir die Inszenierungen der Nazis vor. Mein Hauptkritikpunkt sind jedoch Texte wie „˜Bück dich“™ und das mit dem Vater und der Tochter [gemeint ist „˜Tier“™ ]. Das sind Scheißtexte ohne Distanz.“

    2005 wurden noch die Videos zu „Rosenrot“ und „Mein Teil“ auf Geheiß der Behörden entschärft. Drei Jahre vorher wurde die DVD „Live in Berlin“ (FSK 16!) um den Song „Bück dich!“ bereinigt.
    Von den Ärzten stehen mindestens 3 Songs auf dem Index: „Geschwisterliebe“, „Claudia“ und „Schlaflied“.

    Und nun schreiben wir das Jahr 2008 und die Musiker kommen wegen ihrer Songs vor den Kadi. Wenn beim nächsten Tatort auch nur ein Mord gezeigt wird, sollte mal jemand Strafanzeige stellen.

  23. 23
    beggar

    Danke, Salz.

  24. 24

    Immer wenn der Malte ueber gegenwaertigen Hip Hop schreibt, wundere ich mich, was er alles weiss und kennt. Und immer wenn ich dann die Kommentare lese, bekomme ich das Gefuehl, dass die Themen und Spreeblick nicht ganz zusammen passen.

  25. 25

    Nee, Spreeblick ist eher Britpop.
    Gab’s nach Oasis eigentlich nochmal ’ne Britband mit Starallüren?

  26. 26

    Spontane Eingebung: Hier sollte vielleicht noch jemand mitdiskutieren, für den es auch noch ein Leben nach der Pubertät gibt: eine Frau ;o).

    Jetzt noch kurz was Ernsthaftes: Es ist imo eine Schande für das Land, in dem wir leben, dass AGGROS die Idole unserer Kinder sind. Was könnte deutlicher das Versagen der ‚Erwachsenen‘ dieses Systems vor Augen führen? Das Label und alle, die sich damit die Ärsche vergoldet haben, sind in meinen Augen ein Symbol für die ekligste und verkommenste Seite des deutschen Hip-Hop. Damit will ich nicht sagen, dass es heute hierzulande nicht noch viel Schlimmeres gibt als das, was sich Hip-Hop oder Rap nennt (und sich damit die Verwandtschaft zu einer Kultur anmaßt, der es m.E. nicht im Entferntesten das Wasser reichen kann). Aber dieses Label war in meinen Augen der Anfang vom Abstieg des deutschsprachigen Hip-Hop. Sie waren die ersten – die €rfolgshungrigen Leitwölfe, die Scheiße zu Gold reimten. Und jetzt gibt’s ’ne ganze Meute von gierigen, gewaltverherrlichenden, frauenverachtenden Straßenkötern, die ihnen nacheifern und versuchen, ihren €rfolg noch zu ‚toppen‘. Ich würde Sido ja gern mal fragen, ob er stolz ist auf seine ‚Kinder‘. Sich den Dreck abklopfen, wenn man von der Straße runter ist und sich im Ruhm reinzuwaschen, ist leicht. Zu leicht imo …

    Doch so traurig es für eine wie mich ist, die Hip-Hop seit 20 Jahren liebt, diese Entwicklung eines Großteils der Szene in Deutschland zu sehen – dass die AGGRO-Reime Kassenschlager sind, sagt auch, dass diese Typen die Helden der Hip-Hop-Kids von heute sind. Sie treffen mit ihrem narzisstischen, asozialen Macho-Shit voll ins Schwarze. Und DAS ist imo die wahre Tragödie.

    Abhilfe?

    Jugendzentren, mehr Geld für Schulen, Integration. Das sind die Schlüssel, nicht Strafrecht.

    Dem möchte ich noch was hinzufügen: Das von oben verordnete Motto Leistung soll sich wieder lohnen sollte imo dringend abgelöst werden von Erfolgreiche Menschen sind soziale Wesen oder sowas in der Art. Wir brauchen keine Generationen von skrupellosen Ellenbogentaktikern, deren Werte sich nur in Währungen beschreiben lassen, sondern dieses Land braucht Kinder, die soziale Kompetenzen wieder angemessen schätzen lernen. Erst dann werden sich auch ihre Idole ändern.

  27. 27

    Tja, Iris, dumm gelaufen. Die Realität zeigt leider überdeutlich, dass erfolgreiche Menschen nicht sozial sind. Ganz egal, ob ihr Label ein paar MP3-Leecher verklagt und runiert, oder ob ein Manager den Job von dessen Eltern wegrationalisiert. Genau diese Realität wird Tag für Tag vermittelt und genau hier setzen kleine Labels wie Aggro und Hirntot an. Die haben übrigens nur soviel miteinander zu tun, dass sie beide aus Berlin kommen.

    Die Hirntot-Crew macht dabei noch einen recht lustigen Eindruck. Sie Jungs sind inspririert von Horrorfilmen. Sie setzen das in Raps um. Mein Gott, wie schröcklich!
    Wer das verbieten will, muss in letzter Konsequenz auch alle anderen Medien verbieten, in denen Gewalt vorkommt. Und das sind eben nicht nur Splatterfilmchen, die oft vor Selbstironie nur so strotzen, das ist eben auch der Tatort auf dem Ersten und der viel diskutierte Szenefilm von Fatih Akin (Chiko). Und das sind dann auch Klassiker von Hitchcock, ebenso wie allerlei Lektüre, angefangen bei der Bibel.
    Wo willst du nun anfangen mit verbieten und maßregeln?

    Ich habe keine Ahnung, wie alt du bist (und bei Gott, ich will’s auch gar nicht wissen), aber ich kann mich gut an meine Jugend erinnern. Die üblichen Verdächtigen waren damals Punkrockbands, heute sind es HipHopper. Es ist in jeder Generation dasselbe ausgelutsche Gejammer vom Untergang des Abendlands. Ist es es nicht grausam, sich irgendwann wie die eigene Großmutter anzuhören?

    What I want I take
    What I don’t I break
    And I don’t want you
    With a flick of my knife
    I can change your life
    There’s nothing you can do
    [AC/DC – „Problem Child“ 1976]

    Die AC/DC-Songs gröhlt noch heute jeder Fußballfan. Es ist exakt dasselbe Gewäsch, das jetzt die jungen Rapper bringen. Aber die Gnade der nicht vorhandenen Englischkenntnisse und „die guten alten Zeiten“ lassen gern mal Fünfe gerade sein, nicht wahr?

  28. 28

    Tja Salz (#27), dumm gelaufen. Du hast entweder nicht richtig gelesen, was ich schrieb oder Du hast’s nicht verstanden.
    Ich liebe Hip-Hop, mit AC/DC konnt‘ ich noch nie was anfangen. Und ich schrieb in meiner Antwort auf die Frage der Abhilfe nicht, dass soziale Menschen in der Realität erfolgreich sind, sondern dass ich wünschte, es wäre so. Und wo hab‘ ich hier was von verbieten geschrieben? Dass AGGRO & Co. ein Spiegel deutscher Realität sind, darin sind wir uns einig. Davon abgesehen hatte ich Englisch-LK ;o). Bleibt für mich nur die Frage: Was hat Dein Kommentar mit meinem zu tun?

  29. 29

    Mit dem Englisch waren die Fußballfans gemeint, die „Highway to hell“ gröhlend durch die Straßen ziehen und bisweilen alles kurz und klein schlagen, was sich ihnen in den Weg stellt. (nein, ich hab nichts gegen Fußball, ich finde nur die meisten Fans sehr debil)
    AC/DC war nur ein Beispiel, weil die Kapelle jedem ein Begriff sein sollte. Es gibt hunderte anderer Beispiele. Auf irgendeiner Webseite sammelten sie mal Songtitel, die über Jahrzehnte im Radio rauf und runterliefen, die aber nie gespielt worden wären, hätten die Programmverantwortlichen die Texte verstanden. All die drogenverherrlichenden Songs von den Stones beispielsweise.

    Stimmt, bei deinem letzten Absatz hatte ich mich verlesen. Aber ich nehme an, wir sind uns einig, dass die soziale Kälte in den nächsten Jahrzehnten noch zunehmen wird. Noch ist’s halbwegs friedlich. Ich bin mir sicher, die ganzen kleinen HipHop-Bengels wünschten sich ihre verkorkste Kindheit zurück, wenn irgendwann wirklich mal jeder Zweite mit ’ner Wumme rumrennt, damit umgehen kann und im Zweifelsfall nicht lange fackelt. Die Gangsta-Rapper versuchen den Eindruck zu vermitteln, auch mit einer solchen Grenzsituation fertig zu werden, deswegen fahren die kleinen Kids drauf ab. Ich wette, Sido und Bushido sind für viele eine Art Ersatzvater oder -bruder. Es ist eben sonst niemand da. Mit den glattgebügelten Fernsehclones mögen sich einige identifizieren können, viele suchen sich aber Idole, die zumindest „ihre Sprache“ sprechen. Und daran ändern auch Almosen an ein paar Jugendzentren nichts. Denn so ein Platz zum Abhängen kann den armen Teufeln auch keine Zukunft herbei zaubern. Und die Kids wissen das.

    Daher Abhilfe: das können wir uns abschminken. Damit hätte man vor anderthalb Generationen anfangen sollen, nun liegt das Kind nicht nur im Brunnen, es ist längst ersoffen. Wir leben in einer sehr spannenden Übergangszeit. So langsam wird alles knapp. Rohstoffe, Energie, Arbeitsplätze – und hie & da sogar schon Nahrungsmittel. Wir haben andere Probleme als ein paar Halbwüchsige, die ihre Pubertät ausleben. Google z.B. mal nach „Monsanto“, das wird dich ein paar Tage beschäftigen (wenn du’s nicht schon kennst). Ein paar Kinder mit Gewaltphantasien getriggert aus Gruselfilmchen, sind unser kleinstes Problem. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass wir es den Kindern schuldig sind, ihnen die Freiheit zu lassen, ihre kleinen Macken auszuleben, Denn viel mehr bleibt ihnen vermutlich nicht.

  30. 30
    Matze

    @Batz, Monsato in allen Ehren, aber hier geht es um Hip Hop, Gewalt, Frauenhass (klar, immer nur auf Bitches, logo) thematisiert.

    Viel geschickter wäre doch, er kümmerte sich um Monsato.

  31. 31

    das nervige ist eigentlich immer nur, das bei spreeblick diskussionen über aktuellen hip hop immer in so einer allgemeingültigen ete-petetigkeit ausarten.
    aggro war von vorneherein ein klares geschäftsmodell, das zum beispiel sein wachstum auch als feste grösse mit einrechnete, im gegensatz zu vielen anderen kleinen labels, denen es irgendwann über den kopf wuchs (royal bunker z.b.) und die deswegen keinen bock mehr hatten oder welche die gegründet wurden, um erstmal nur für einen künstler plattform zu sein (eristguterjunge, label von bushido) und die sich langsam anderen acts öffnen. ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, das aggro eines der wenigen noch wirklich funktionierenden labels in d ist. nun kann man pauschal all diese sachen in einen topf werden, auch all diese rapper und es einfach AGGRO nennen. aber die frage ist: gibt es keine möglichkeit, das ganze noch undifferenzierter zu sehen? nennen wir einfach alle rapper sido! oder so.

    zwischen dem rumgehoole eines hirntotlabels und dem business eines agro berlin liegen nicht nur geschäftlich welten, auch inhaltlich. und ich glaube nicht das alle kinder und jugendlichen, die diese musik hören sofort zu seelenlosen asi-zombies werden, die man unbedingt davor schützen muss.

  32. 32

    Guten Morgen Salz (#29).
    Schon viel besser. Da ist ordentlich Stoff drin, über den man reden kann.

    Ich wette, Sido und Bushido sind für viele eine Art Ersatzvater oder -bruder. Es ist eben sonst niemand da. Mit den glattgebügelten Fernsehclones mögen sich einige identifizieren können, viele suchen sich aber Idole, die zumindest „ihre Sprache“ sprechen.

    Die Sido- und Bushido-Papis sind schlimm genug. Ich würde aber auch nicht wollen, dass sie sich die ‚glattgebügelten Fernsehclones‘ zum Vorbild nehmen. Die halten nämlich imo auch nicht gerade hehre Werte hoch, sondern vermitteln eher den Eindruck, dass sie für ein bisschen Prominenz ALLES machen würden (Man erinnere sich nur mal kurz an Heidis Top-Model-Dressur). Es muss doch noch was anderes geben, an das sie glauben könnten, als Ghetto-Gangsta oder Medienzirkus-Gladiator, oder?

    Wir leben in einer sehr spannenden Übergangszeit. So langsam wird alles knapp. Rohstoffe, Energie, Arbeitsplätze – und hie & da sogar schon Nahrungsmittel. Wir haben andere Probleme als ein paar Halbwüchsige, die ihre Pubertät ausleben.

    Bis auf den letzten Satz gebe ich Dir recht. Ich bin nicht bereit, sie aufzugeben. Wenn wir aufgeben, uns um die Zukunft unserer Kinder zu sorgen, können wir ihnen und uns auch gleich die Kugel geben. Das wäre wenigstens kurz und schmerzlos.

    Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass wir es den Kindern schuldig sind, ihnen die Freiheit zu lassen, ihre kleinen Macken auszuleben, Denn viel mehr bleibt ihnen vermutlich nicht.

    Nein, wir sind es ihnen imo schuldig, zumindest zu versuchen, ihnen aus diesem Scheißhaufen wieder rauszuhelfen, den wir vor ihnen aufgetürmt haben. Und dazu ist es imo zuallererst nötig, ihnen Zukunftsvisionen von einer wertvollen Welt zu vermitteln, für die es sich zu kämpfen lohnt.

    Apropos Monsanto: Die stehen auf meiner persönlichen Liste der schlimmsten Raubtierkapitalisten und Konzernimperialisten schon lange ganz oben. Wenn ich an die denke, entwickle sogar ich Terrorismus-Fantasien. Monsanto ist für mich der Feind, das Böse. Und alle Medienmacher und Politiker, die mit denen kooperieren, stehen in meinen Augen auf der dunklen Seite der Macht. DAS sind Gegner, an denen sich intelligente Künstler abarbeiten könnten.

  33. 33

    @nilz (#31):

    zwischen dem rumgehoole eines hirntotlabels und dem business eines agro berlin liegen nicht nur geschäftlich welten, auch inhaltlich.

    Nö, seh‘ ich nicht so. Dazwischen liegt in meinen Augen nur Zeit und Geld. Es sind imo nur verschiedene Stufen einer Entwicklungsrichtung des deutschen Hip-Hip. Aggro und die nachfolgenden ‚Hirntodlabels‘ liegen in meinem Koordinatensystem auf einer Linie. Sie gaben den Stoff vor, mit dem sich richtig Asche machen lässt.

    Und weil ich differenziere und es für mich durchaus auch noch anderen Hip-Hop gab und gibt – auch deutschsprachigen, nenne ich hier den Dreck (in meinen Ohren) beim Namen.

    ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, das aggro eines der wenigen noch wirklich funktionierenden labels in d ist.

    Ah ja, dann erklär‘ mir doch mal differenziert, was da Deiner Ansicht nach so doll funktioniert – außer Geld machen.

  34. 34

    @wolle: Ich glaube, sowas wie Präzedenzurteile gibt es in D nicht „¦ Malte? Weißt du da mehr?

  35. 35

    @Johnny Haeusler:

    nee, die gibt es nicht und noch weniger vom amtsgericht tiergarten. in rechtsauslegungsfragen kann bgh-rechtsprechung bindend sein für eingangsinstanzen.
    klingt toll, oder? stimmt auch ungefähr.

  36. 36
    Ygg

    Im Allgemeinen bin ich gegen Zensur, befürworte aber Fälle wie diesen hier. Das ist keine Musik mehr. Den Richtern den Vorwurf zu machen Sie würden das ganze nicht aus „Szenesicht“ sehen und damit wär ein Prozess ungeeignet ist naiv bis dämlich. Die Textpassagen wurden so besungen und nicht anders und man muss solche Urteile an dem Maßstab bemessen, wie diese Texte gerade auf Szenefremde wirken, die nicht abgestumpft sind.
    Schließlich käme hier ja auch keiner auf die Idee in sein Blog Schwachsinn wie „Ich bin Adolf H und werd euc alle umbringen“ zu schreiben nur weil er der Ansicht ist das er sich auf die Pressefreiheit berufen kann.

  37. 37

    iris, so sehr ich deine übrige argumentation auch verstehe, differenziert gehst du nicht an die sache ran. klar, du unterscheidest zwischen fanta 4 und sido, aber alles andere wirfst du in einen topf. ich brösel dir das jetzt nicht hier alles auf, weil ich das ja ansatzweise schon im vorigen kommentar gemacht habe. ich will auch nicht hirntod verteidigen oder g-hot oder irgendeinen rotz von spätpubertären deppen, die nicht wissen wohin mit ihrer gähnfantasie. interessiert mich alles nicht. worum es mir geht ist:

    man muss eben auch im genre gangsta-rap, oder wie immer man das auch nennen will, differenzieren, des es gibt schon deutliche unterschiede zwischen der (gewachsenen) ironie eines sido und der unbedingten ernsthaftigkeit eines bushido, um mal die zwei grossen namen zu nennen. das sind inhaltliche unterschiede, qualitative unterschiede. die nennst du eben nicht beim namen, die wirfst du in einen topf. und da kannst du „weil ich differenziere“ noch so dick unterstreichen, es wird dadurch nicht richtiger.

    versteh mich nicht falsch: ich erwarte gar nicht das du dich mit so einer musik auseinandersetzt. du musst keine texte lesen, keine songs hören. niemand muss das. aber dann tu auch nicht so, als wenn du dich damit beschäftigt hättest.

  38. 38

    Ich finde, die Diskussion geht total am Thema vorbei. Es geht überhaupt nicht darum, ob Musik die Jugend versaut, ob es wichtigere Themen als Gewalt gibt oder ob es nur ums Geld verdienen geht,

    Hier wurden Haftstrafen verhängt, weil jemand ein paar Lieder geschrieben hat, die auch nicht schlimmer als das nächtliche Fernsehprogramm sind.

  39. 39

    @nilz (#37):

    klar, du unterscheidest zwischen fanta 4 und sido, aber alles andere wirfst du in einen topf.

    Wo? Dass hast Du vielleicht gelesen. Aber ich hab’s ganz sicher nicht geschrieben – weder hier noch woanders. Ich weiß nicht, wieso Du mir das unterschieben willst – weil ich Aggro Berlin und was daraus gewachsen ist ziemlich exakt für das Ätzendste halte, was die deutsche Rap-Szene hervorgebracht hat, werfe ich noch lange nicht alles in einen Topf.

    Wenn Du hier schon eine Gutejungs/Bösejungs-Gegenüberstellung haben willst, dann nimm‘ von mir aus Samy Deluxe und Jan Delay vs. Sido und Bushido (nur mal so als spontane Beispiele). Das erste Team hat imo Klasse, das zweite nur große Fresse.

    es gibt schon deutliche unterschiede zwischen der (gewachsenen) ironie eines sido und der unbedingten ernsthaftigkeit eines bushido, um mal die zwei grossen namen zu nennen.

    Tschuldige, aber ist das Dein Ernst?
    Ein maskierter Macho, der mit Fuffies im Club um sich schmeißt und Frauen an der Kette spazieren führt – gewachsene Ironie? Die einzige Ironie an seiner Präsentation hat der Typ höchtswahrscheinlich selbst gar nicht geblickt: Die goldene Maske, ohne die er sich zuerst nicht mal ins Licht der Öffentlichkeit getraut hat, hat mich an den gierig-dummen König Midas erinnert.
    „Die Leute wollen hören, wie ich den Typen eine aufs Maul haue. Sie wollen wissen, wie ich meine Drogen verkaufe“-Bushido – unbedingte Ernsthaftigkeit?
    die zwei Großen … was? Prolls? Absahner?
    Diese zwei Großen haben Frauenverachtung, Gewalt- und Verbrechensverherrlichung in der Hip-Hop-Szene populär gemacht und wurden damit (sogar nach eigener Aussage) zu schlechten Vorbildern. Damit haben sie in meinen Augen – aus purer Geldgier und Geltungssucht – den deutschen Hip-Hop besudelt.
    Bushido könnte ich mit ganz viel gutem Willen an meinen nachsichtigen Tagen noch zugute halten, dass er scheinbar langsam dahinter kommt, dass bei ihm irgendwas falsch läuft, dass Geld scheffeln wohl doch nicht alles sein kann:

    Der Rapper hadert bereits seit längerem mit seinem Schicksal. Zuletzt klagte er der Süddeutschen Zeitung sein Leid: „Irgendwie bin ich einfach nicht glücklich. Manchmal fühle ich mich wie König Midas, dem alles zu Gold wurde, was er anfasste, und der am Ende verhungerte. (…) Ich denke mir oft: Das soll mein Leben sein? Dann bin ich immer total depressiv“.

    Versteh‘ mich nicht falsch: Aber ich hab‘ mich schon mit Hip-Hop und Rap-Musik beschäftigt, als Du vermutlich nicht mal wusstest, was das ist. Also tu‘ bitte nicht so, als ob Du mich darüber belehren könntest, wie ich welchen Rap-Stil zu interpretieren hätte. Die von Dir offenbar verehrten AGGRO-Rapper haben übrigens imo überhaupt keinen Stil. Da gibt’s für mich nichts zu interpretieren. Das ist nun mal meine Meinung. So einfach ist das.

  40. 40

    ok. offensichtlich verstehst du nicht worauf ich hinaus will.
    ich würde zum beispiel auch niemals samy deluxe, imo der beste mc den es in deutschland gibt, mit jan delay, der immer wider gute nummern macht, aber auch oft genug übers ziel hinausschiesst, in einen topf werfen. ich verehre dendemann, fettes brot, kinderzimmer productions und die fantas. aber ebenso auch huss & hodn, kiz und den „neuen“ sido. das ist es eben was ich mit gewachsen meine: nummern wie „mein block“ oder die von dir zitierten „fuffies im club“ finde ich auch, überraschung, arm bis langweilig. aber ich habe gesehen das da eine entwicklung stattfand. das neue logo zum zweiten sidoalbum: ein handgemalter schriftzug mit herz drumrum, klar, sicher nicht ironisch gemeint. der text von schlechtes vorbild, ganz klar keinerlei ironie („doch ich hab geld[…] und du musst immernoch bahn fahren“). und wenn der opener des neuen albums mit kinderchor ist, dann sicher nur weil sido ernszunehmender popmusiker werden will.

    ja, bushido macht das alles nicht. aus jedem seiner texte, selbst beim mittlerweile 7. album, trieft immernoch das „ich komme von der strasse, hier ist das leben hart, du kennst mich nicht, mein vater ist weg“. keinerlei entwicklung, keinerlei selbstreflektion. wie gesagt: du musst das nicht sehen, es würde vorraussetzen das du dich damit beschäftigst.

    auch mich als unbedingten aggrofan zu „outen“ wird dir nicht gelingen, die jungs machen immernoch genug platten, die mich langweilen. und andere die mich amüsieren, wie toni d. zum beispiel. das das alles scheisse und stillos ist kann ja deine meinung sein, sie beruht eben nur nicht auf analyse sondern auf pauschalisierung. so einfach ist das.

    bushido, sido und auch kool savas sind die grossen, weil sie wohl die erfolgreichsten acts des berliner ghetto-raps sind. deswegen die zwei grossen. kein qualitüätsmerkmal, ich weiss, aber das behaute ich ja auch gar nicht.

    und das du alles andere in einen topf wirfst, hast du ja mit deinem samy/jan vs. sido/bushido beispiel wieder bewiesen.

    und klar: ich kenne rap und hip hop vermutlich erst seit zwei wochen. was masse ich mir an dir, differenzierungsgöttin, etwas zu erklären.

  41. 41

    @nilz (#40):

    Nein, die Differenzierung zwischen Sido und Bushido, auf die Du hier so vehement bestehst, ist mir schlicht und ergreifend egal – 1. weil ich persönlich beide zu schlecht finde, um ihren Werdegang en détail vergleichen zu wollen, 2. weil sie für die von mir beschriebene Entwicklung einer Richtung des deutschsprachigen Hip-Hop und die persönliche Verantwortung von AGGRO-Rappern dafür m.E. keine Rolle spielt. Ob und wohin sich Sido zwischenzeitlich entwickelt hat, befreit ihn imo nicht von seiner Verantwortung für den anfänglichen Treibstoff seiner ‚Karriere‘ (mit dem es, seinem Beispiel folgend, jetzt auch andere nach oben schaffen wollen) und das Label nicht von dem Trend, den sie setzten.

    Nach meiner Auffassung ist es nicht Differenzierung, was Du hier machst, sondern Relativierung. Das Ergebnis Deiner Ausführungen sieht nämlich knackig auf den Punkt gebracht so aus:
    Sido-Rap ist in Relation zu seinen Anfängen heute weniger asozial. Und AGGRO ist in Relation zu Hirntot weniger extrem.
    Das stimmt ja vielleicht, aber es ist im Bezug Trendsetter-Status, den ich AGGRO-Rappern hier vorwarf, nicht Differenzierung sondern Relativierung. Es entlastet sie nicht von ihrer Verwantwortung dafür, was sie angestoßen haben. Hugh, die ‚Differenzierungsgöttin‘ hat gesprochen ;o).

    Davon abgesehen hab‘ ich’s nicht nötig, Dir gegenüber meine Hip-Hop-Kompetenzen zu beweisen und deswegen will ich jetzt hier auch nicht noch mehr Namen in den Raum werfen, nur damit Du dann wieder behaupten kannst, ich würfe sie alle in einen Topf. Und alle angemessen zu würdigen, die ich kenne, würde eh den Rahmen sprengen.

  42. 42

    gute antwort. es geht mir immer schlecht, wenn ich mich ärgern muss. den ärger hast du rausgenommen, danke schön (ernsthaft). auch wenn ich die musikrichtung immernoch nicht so schwarz-weiss sehen will wie du, ich verstehe ja was du meinst. und ich habe genauso gedacht, bevor ich angefangen habe mich mit dem ganzen berlin kram zu beschäftigen. ich gestehe jedem seine entwicklung zu, wenn das nicht so wäre, könnte ich ja heute nicht mal die ärzte hören, weil ihre frühen platten so doof waren

    wenn es zu kriminell wird, wenn zum mord aufgerufen wirs oder es faschistisch wird, dann krieg ich bauchschmerzen, dann komme ich auch mit dem „dumme jungen-streich“-argument nicht mehr weiter. wie zum beispiel bei den unsäglichen onkelz. oder eben bei den hirntot-jungs. da können die mir noch so oft sagen, sie hätten sich um 180grad gedreht, ich kann mir das nicht antun.

    nun empfindest du die frühen sido-sachen genauso, ich mache da einen grossen unterschied. den es für mich offensichtlich gibt, für dich nicht. was solls, klassische patt-situation. gehen wir lieber raus und geniessen die sonne.

    btw: wenn du es nicht nötig hast mir deine kompetenzen zu beweisen, dann lass doch auch so alberne sprüche wie: ich kenn mich schon länger aus als du. stimmt nämlich nicht…;-)

  43. 43
    ber

    Etwas zu einseitig old-school HipHop immer als Stimme der amerikanischen Ghettojugend zu betrachten, die gegen das Schweinesystem kaempft.

    Das war zum grossen Teil Party Mucke — („rock it to the bang bang boogie“), es ging um Bling („i got more clothes than muhammad ali“) und darum zu zeigen, dass man cool ist (i’m a helluva man when i’m on the mike“).

    Titel wie „The Message“ wuerde ich fast fuer eine Ausnahme halten. Und schau dir die Klamotten der The Furious 5 an. Bei den Black Panthers haette man die bestimmt nicht aufgenommen.

    *aus „Rappers Delight“, Sugarhill Gang

  44. 44
    Lite

    Also ich wage mal zu behaupten, daß der Großteil der Leute hier noch nie etwas von Hirnot, Frauenarzt oder King Orgasmus gehört hat, alle zeigen immer nur auf Aggro, gähn. Wenn jemand die Texte dieser Leute ernst nimmt, hat er selber schuld. Sollen sie doch ihr Ding machen, auch wenns für manche Ohren hohl klingt. Ist halt n Thema, über welches sich ausgezeichnet streiten lässt, ein Festmahl für die sabbernde Boulevardpresse. Titten, Blut und zerplatzte Schädel kommen immer gut und sind Klickgaranten.

  45. 45

    @nilz (#42):

    nun empfindest du die frühen sido-sachen genauso, ich mache da einen grossen unterschied. den es für mich offensichtlich gibt, für dich nicht.

    Ich kann zwar mit Deinem Patt gut leben, möchte aber trotzdem noch mal versuchen, Dir zu erklären, wieso ich da tatsächlich keinen großen Unterschied mache:
    Die Themen, die mich regelmäßig auf die Palme bringen und zum Widerspruch herausfordern, heißen gruppenspezifische Menschenfeindlichkeit, Diskriminierung und Gewaltverherrlichung. Und ob sich diese Menschenfeindlichkeit z.B. gegen Frauen, Schwarze, Migranten oder Homosexuelle richtet, spielt für mich tatsächlich eine untergeordnete Rolle. Sie rappen gegen Menschen und vermarkten ihren Hass als Stärke und Coolness. DAS ist es, was ich verachte.

    Was ist denn für Dich faschistisch und kriminell? Frag‘ Dich doch mal (ganz in Ruhe und im Geheimen), ob Du auch so nachsichtig gegenüber Sido wärst, wenn er z.B. in einem Video-Clip einen schwarzen Menschen an einer Kette geführt und mit abfälligen, entwürdigenden Schimpfworten über Schwarze gerappt hätte? Und Bushidos rassistische, homophobe und frauenfeindliche Botschaften werden für mich auch nicht harmloser, nur weil er selbst einen neudeutsch sogenannten Migrationshintergrund hat und darauf angesprochen in Interviews behauptet, das wär‘ ja alles gar nicht so gemeint. So kommt’s aber rüber. Und dafür ist er verantwortlich.

    Und die Hirntoten: Tja, die haben eben aus meiner Sicht nur noch ’ne Schüppe oben drauf gelegt – frei nach dem Motto: Noch härter, noch krasser, noch skrupelloser muss es sein, um die alten Helden zu übertrumpfen und sich von der Masse der Nacheiferer abzusetzen.

    btw: wenn du es nicht nötig hast mir deine kompetenzen zu beweisen, dann lass doch auch so alberne sprüche wie: ich kenn mich schon länger aus als du. stimmt nämlich nicht“¦;-)

    Sorry, konnt‘ ich mir nicht verkneifen, Dir das reinzudrücken. Ich bin kein kleines Mädchen, das verschüchtert den Kopf einzieht, wenn man versucht, mich ungerechtfertigt des Platzes zu verweisen … so von wegen: „Du hast Dich bloß nicht genug damit beschäftigt“. Ich reagier‘ da tendenziell eher nach dem Motto: „Na warte Kleiner, sooo nicht.“ ;o)

    Ach ja, und noch mal eben was von wegen Differenzierung: Wenn ich heute Leuten, die ich neu kennenlerne, sage, ich steh‘ u.a. auf Rap, dann kommt oft: „Ach das ist doch das Zeug von 50 Cent und Sido, oder? Aber das ist doch so frauenfeindlich und gewaltverherrlichend.“ Da möcht‘ ich manchmal echt kotzen … und zwar 50 Cent und Sido direkt vor die Füße.

  46. 46

    und trotzdem sieht man an dieser diskussion genau das, was es eigentlich ist: eine geschmacksfrage.
    so etwas juristisch zu bewerten ist ein gefährlicher weg.

    ob man es präzedenzfall, präjudiz oder einfach nur einen irrtum nennt. am ende gilt es das recht auf freie meinung zu verteidigen. auch wenn es einem mal nicht gefällt.

  47. 47

    tja, da wollte ich hier jetzt auch mal was sagen, aber irgendwie ist ja schon alles gesagt. deswegen nur kurz (habedie diskussion ehrlich gesagt nur bruchstückhaft verfolgt)
    @iris: rap war schon lange vor 50 pfennig und sido gewaltverherrlichend und frauenfeindlich.
    @nilz: sehe ich total vollkommen genauso. abgesehen davon: fettes brot verehre ich spätestens seit dem neuen album nicht mehr, weil ich das schlecht finde und das kein hip hop mehr für mich ist.

  48. 48

    @Jo (#47)

    […] war schon lange vor 50 pfennig und sido gewaltverherrlichend und frauenfeindlich.

    Setz‘ mal nacheinander ein: der Mann, das Musikgeschäft, das Fernsehen, MTV, VIVA, die Welt. Na, fällt Dir was auf?

  49. 49
    beggar

    Ich bin raus. Der Text, die Diskussion – in mir keimt die Erkenntnis, das Blogs vor den gleichen Problemen stehen wie politische Bewegungen. Verloren in der Quote, irgendwo zwischen dem modernen Mainstream und individueller Verarmung.

  50. 50

    @beggar:

    muss ich das verstehen?

  51. 51
    beggar

    @Malte
    Die beschriebenen Auswuechse sind zum Grossteil auf die Oekonomisierung sozialer und kultureller Stroemungen zurueck zu fuehren: Wo ist das Geld, wo ist die Quote? Nach Abzug aller Befindlichkeiten bleibt nicht mehr als Mitleid.

    In den 80ern hat ein vergleichbares Verbot bei den Aerzten zu einem oeffentlichen Skandal gefuerht, heute ist das eine Randnotiz in einem Blog mit geradezu trauriger Hilflosigkeit. Das laesst sich durch das hohe Grundrauschen in den Medien erklaeren, fuehrt zu den extremen Formen der Provokation, und damit zu den Ergebnissen wie sie Hirntot liefert.

    In den 80ern hat die Volkszaehlung zu massiven Protesten gefuerht. Hier und jetzt werden Daten auf Vorrat fuer schlechte Zeiten gespeichert, ohne dass sich jemand daran stoert. Auch hier findet sich – getarnt mit dem Mantel der Sicherheit – das Muster der Oekonimisierung von privaten und kulturellen Stroemungen wieder.

    Das ist Mainstream, fuer viele in diesem Land ist der Homo Economicus und die daraus resultierenden Massnahmen „common sense“. Nach meiner Wahrnehmung ist Spreeblick fuehrendes Blog und hat damit die verdammte Pflicht, diesem Trend zu wiederstehen und die dafuer notwendigen Subroutinen naeher zu eroertern. Damit kritisiere ich nicht Dich in Person, Malte.

  52. 52

    @beggar:
    Hallo beggar,

    offenbar vertreten die Autoren ihre persönliche Anliegen konsequent.
    Siehe MALTE

    So hat halt jeder seine Präferenzen.

    Let’s Rock!

  53. 53

    Nee, beggar, das sehe ich völlig anders. Spreeblick ist Mainstream. Da geht deine Erwartungshaltung wohl etwas mit dir durch. Spreeblick ist in meiner Wahrnehmung in erster Linie Popkultur. So ’ne Art Polylux aus der Blogosphäre.

    Kritsche Blogs, die sich mit der Entwicklung, die du schilderst auseinandersetzen, gibt’s aber zu hauf. Nur gehen sie im Gundrauschen unter. Siehst du, hier schließt sich der Kreis. Spreeblick ist vermutlich das führende Blog, weil es Mainstream ist. Mehr als Mainstream erträgt der Durchschnittleser nämlich nicht. Die Leute wollen nicht verunsichert werden.

  54. 54
    Mitleser

    @Iris:

    Hier sollte vielleicht noch jemand mitdiskutieren, für den es auch noch ein Leben nach der Pubertät gibt: eine Frau

    Danke, das hat der Diskussion in der Tat sehr gut getan.

  55. 55

    @Salz:

    das ist lustigerweise jetzt eine echte hiphop-debatte.
    in einer zeit der vielen mainstreams ist spreeblick innerhalb einer überschaubaren szene einer der größeren spieler. aber echter hauptstrom?
    und das mit polylux war unter der gürtellinie.

  56. 56

    Schuldigung. Ich nehme Polylux zurück und ersetze es durch… Was weiß ich, ich weiß gar nicht, was an Zeitgeistlichem in der Glotze läuft. Such dir einfach was aus.

    Eine echte HipHop-Debatte? Nunja, HipHop ist auch Mainstream. Das ist die mainstreamigste Jugendkultur, die es je gab. So passt es also wunderbar in mein Bild vom Spreeblick als Popkultur-Magazin oder -blog.

  57. 57
    werther

    danke, Dein Artikell tröstet ein wenig über den Hasslärm aus unserem Jugendzimmer hinweg.

  58. 58
    Butters

    Ich dachte der Beitrag könnte zum Thema passen:

    http://www.youtube.com/watch?v=Y6lP7_3t_VQ

    Aber ansonsten einfach brasilianische Verhältnisse antizipieren, alle Minderheiten diskriminieren und irgendwann ne Mauer bauen, um das ganze Gesockse auszuschließen!

    Sehr gut Deutschland, weiter so!

  59. 59
  60. 60
    effzehn

    Method man in 2Pacs „Got My Mind Made Up“ auf „All Eyez On Me“ (1996):

    „Fuck you losers, while you fake jacks I makes maneuvers
    like Hitler, stickin up [jews] wit german [lugers]“

    Mir ist nicht bekannt, Method Man sei Antisemit. Battle Rap kann manchmal tatsächlich sehr weit gehen, was ich hier jetzt mal ganz wertungsfrei erwähnen wollte.

  61. 61
    dolores

    alles kleine verwundete hunde, die nur in den arm genommen werden wollen.

    and they all have their sad sad stories.

  62. 62

    @effzehn (#60)

    Man kann Rap lieben und muss trotzdem nicht alles in Ordnung finden, was unter dem Begriff Rap auf den Markt geworfen wird. Man kann imo sogar Battle-Rap mögen und trotzdem noch ein Gespür dafür haben, wie weit Dissen gehen kann, ohne menschenverachtend zu sein. Und seine Grenzen oberhalb der Gürtellinie braucht speziell dieses Genre … andernfalls kann’s nämlich auch tödlich enden, wie man seit dem East Coast vs. West Coast-Krieg weiß.

  63. 63

    Diese Diskussion geht nach meiner Meinung völlig am Thema vorbei.

    Die grundsätzliche Frage ist, ob das Strafrecht gegen Texte im Hiphop ein brauchbares Mittel sei. Low & Order gegen Rapper-Texte – geht es eigentlich noch? In den USA begreift man gerade, dass dieses Modell besonders in der Erziehung von Jugendlichen ein total gescheitertes Konzept ist. Und da kommt es augerechnet in Deutschland zu so einem Urteil. Diese dusseligen (und zudem reuemütigen) Rapper verbüssen stellvertretend für die Fehler, die eigentlich das in sich verfallende Wertesystem mit seinem dumpfen Sensationsjournalismus, seinem DSS und all dem anderen geistigen Dünnschiss verbrochen hat. Das Urteil ist so sinnlos, wie es ungerecht ist und müsste daher eigentlich jeden anständigen Menschen zum Protest bewegen. Stattdessen diskutiert man hier allen Ernstes über Textstellen?

  64. 64

    „das gangsta rap in d wieder auf dem absteigenden ast ist und sich alle wieder mehr backpacker-skills zulegen.“

    Wo nie Skills waren, können auch keine zugelegt werden. Kaum einer der Gangsterrapper von heute hat seine Ausbildung vor 10 Jahren auf den Jams in Deutschland gemacht. Ihr fresst und diskutiert halt nur die Musik, die euch eh über den Schreibtisch läuft. Es gibt so viele gute Rapper und gute Rapmusik (Maeckes & Plan B, Laas Unltd), aber gute Musik und technisch anspruchsvolle Rapmucke ist wie Skateboarding: Otto Doof kann es einfach nicht nachvollziehen, und er wird niemals danach suchen gehen, geschweige denn so etwas freudig bewerben. Für den funktioniert nur der Hammer, meckern, Skandal. Und der kauft sich auch nur das, worüber alle reden, worüber sich alle aufregen – zum Beispiel die Spastis im Netz.
    Und was weinen die Freunde 15 Jahre alter Musik überhaupt? Fettes Brot von 1992 gibts doch noch, nur heißen die heute „Büro am Strand“.

  65. 65

    Oh, und Nilz: Samy Deluxe ist nicht Deutschlands bester MC, das war er vielleicht vor drei, vier Jahren, aber Sams Zeit ist um, der Hunger ist weg. Olli Banjo ist Meilen weiter. Sam ist inzwischen nicht mal mehr zweibester MC, ja, nicht mal drittbester. Laas Unltd hat Herrn Deluxe auf Banjos Album amtlich und restlos geburned und auch ein Savas macht erheblich mehr Action am Mic.

  66. 66

    @wolle:

    wenn ich darauf aufmerksam machen dürfte, was ich geschrieben habe:

    Mit Textexegese allein kommt man hier nicht weiter. Ist es in Reime gegossene Pubertät, Splatter oder ethnische Brandstiftung? Um das zu deuten, muss man HipHop verstehen, muss der Szene geschuldete Überzeichnungen trennen können von Werteverschiebungen, muss den Kontext kennen, die Zeichensprache der Videos deuten können.

    Und auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Jugendzentren, mehr Geld für Schulen, Integration. Das sind die Schlüssel, nicht Strafrecht. Verbote sind in Zeiten des Internets für die hohle Hand, da reicht ein Blick auf die aberwitzigen Abrufzahlen noch des primitivst gemachten Videos.

    allerdings ist es – soviel habe ich gelernt – völlig egal, was ich schreibe, die leute führen die diskussion, die in ihren köpfen steckt.

    es geht nicht um das aggro. texter mit eher putzigen splatterreimen landen vor gericht und müssen ANTI-AGGRESSIONSTRAINING beim therapeuten machen.

    gleichzeitig entwickelt sich das rappende äuquivalent zu landser.
    und die reaktion des staates? youtube abschalten, wie es die türkei andauernd macht? das wort ficken vebieten?

  67. 67

    „bushido, sido und auch kool savas sind die grossen, weil sie wohl die erfolgreichsten acts des berliner ghetto-raps sind.“

    NILZ! GEHT’S NOCH??!

  68. 68

    dL: klar sind das die grossen. die grossen player. ich sag ja nicht das sie das git oder besser macht als irgendwas anderes, aber verkaufsmässig: ja, das sind die grossen. mit savas kann ich nix anfangen, fand den früher besser als er noch nicht auf karriere gebürstet war. bushido geht mir am arsch vorbei, einzig sido weiss mich zu unterhalten von denen.

    maeckes und plan b, ja, ok, guter act. samy hat seinen zenit überschritten? naja. es stimmt sicher wenn du sagts, das samy satter geworden ist. no doubt. dennoch hat noch keiner seine alten topmarken gebrochen, solange bleibt die krone bei ihm.

    von oli banjo, ich gebs zu, hatte ich nur das erste album, das er damals bei der emi veröffentlicht hat und das fand ich eher schwach. werde mir aber mal , beizeiten , die sparring-reihe anhören.

    von mir aus musst du es auch nicht skills nennen, aber der trend geht wieder deutlich zum storytelling zurück, nachdem sich irgendwie alles im representen festgefahren hatte. ausgenommen natürlich battle-rap, was soll der storytellen.

    mir gehen inszenierte skandale am arsch vorbei. entweder mirgefällt was ich höre oder nicht, wobei ich gerne zugebe, das mir ein gewisser zu erkennender humor in meiner entscheidung hilft. aber deutscher rap wird wohl immer ein einziges diskussionsfeld bleiben. ich weiss noch in den 90ern, da haben sich alle beschwert, wenn mal einer ghetto-rap gemacht hat, er solle doch aufhören, denn in deutschland gäbe es keine ghettos. ich fand das übrigens auch affig. und da hat sich nicht so wahnsinnig viel dran geändert.

    und an volker racho kommt eh keiner vorbei.

  69. 69

    @Malte (#66)
    Kurze Überlegung zu Ursache->Wirkung:

    Die HipHop-Fans honorieren Hass, indem sie ihn kaufen (Beleg: €rfolgsmodell AGGRO). Ergo: Rapper, die in erster Linie Geld verdienen wollen, produzieren das, was der Markt abnimmt. Und dieses Urteil und/oder eine Protestwelle dagegen ist Werbung. Gerichtsurteile und Medienskandale sind Werbetrommeln, die im Musikgeschäft Hass-Produzenten und Konsumenten zusammenbringen. Je mehr öffentliche Empörung, desto größer der Profit. Das war auch vor den Zeiten von Gangsta-Rap schon so.
    Damit erübrigt sich für mich die Frage, ob Gerichtsurteile ein adäquates Mittel gegen Hass-Raps sind, weil: falsche Baustelle. So einfach ist das nicht, gesellschaftliche Fehlentwicklungen zu korrigieren. Das Musikgeschäft ist Teil der Marktwirtschaft. Und da gilt immer noch: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Also müssen wir (die Gesellschaft, der Staat) die Nachfrage(r) ändern, wenn sich das Angebot ändern soll.

  70. 70

    @malte: ich habe dich schon richtig verstanden. ich bezog mich auf die hiphop-diskussion, nicht auf (dein) thema.
    aber die nerds scheinen ja selbst deinen kommentar völlig zu ignorieren. was ist das hier – vielleicht bereits ein art battle?

    ich persönlich fände da ein wenig moderation sinnvoll. denn dein anliegen ist eigentlich viel zu wichtig, als es in einer nerd-diskussion untergehen zu lassen.
    aber dazu ist es bei 70 beiträgen wahrscheinlich eh zu spät.

  71. 71

    @wolle:

    den guten alten forenbegriff „back to topic“ hört man hier nicht so gern:)

  72. 72

    @Malte & Wolle:

    Malte, Dein Text ist lang. Das eröffnet einen großen Interpretationsspielraum. Das Thema hat viele Teilaspekte. Und jeder Diskutant erachtet u.U. andere für mehr oder weniger wichtig. Um nur mal einige Diskussionsansätze zu nennen:
    – Hat ‚die Freiheit der Kunst‘ Grenzen?
    – Ist Gangsta-Rap überhaupt Kunst?
    – Wie weit darf Provokation gehen?
    – Was ist Volksverhetzung?
    – Was sind die Ursachen dafür und
    – Wie reagiert man adäquat darauf?
    – Können Richter Rap beurteilen?

    Wenn Du die Richtung der Diskussion bestimmen willst, musst Du mitdiskutieren. Und zwar so, dass die Mitdiskutanten darauf anspringen.

    @wolle (#70):

    ich persönlich fände da ein wenig moderation sinnvoll. denn dein anliegen ist eigentlich viel zu wichtig, als es in einer nerd-diskussion untergehen zu lassen.

    Nur mal aus Neugier: Was interpretierst Du denn als Maltes Anliegen?

  73. 73

    @malte: das ist schade. es gibt in der öffentlichen wahrnehmung leider kaum noch orte, wo wichtige dinge sachlich diskutiert werden. alles ist show. denn alles wird zur bühne für die reflexion selbstherrlicher eitelkeiten. wen wundert es, dass es dabei irgendwann zu solchen textlichen entgleisungen kommt? aufmerksamkeit ist alles.

    und wenn wundert es, dass sich in diesem land kein protest gegen dieses urteil erhebt? eine differenzierte betrachtung ist viel zu kompliziert, als dass sich irgendwer öffentlichkeitswirksam für eine revision einsetzen würde. also werden ein paar rapper stellvertretend „verknackt“ und allen geht es besser (?)

    natürlich macht es auch mir angst, wenn ich mitbekomme, welche texte auf den handys der mitschüler meiner zehnjährigen tochter laufen (sultan, frauenarzt uä). aber das strafrecht wird da nicht helfen. im gegenteil.

    @iris: darin liegt auch die antwort auf deine frage. ich finde das urteil einen skandal und dagegen zu protestieren, wäre die einzig zulässige reaktion.
    der text von malte ist lang. aber die schlüssige argumentation führt im letzten absatz zu einem eindeutigen statement.

  74. 74

    @wolle (#73):

    Hmm, ein Anliegen ist aber m.E. eine konkrete Absicht. Du hast hier ein klares Anliegen formuliert. Du willst gegen das Urteil protestieren und andere zum Mitprotestieren motivieren. In welcher Form dieser Protest stattfinden soll, hast Du allerdings bisher noch nicht konkretisiert.
    Doch was macht Dich so sicher, dass das auch Maltes Absicht war? Ich lese aus seinen letzten beiden Absätzen nur heraus, dass er Verbote und Strafrecht für unangemessene Reaktionen hält und welche staatlichen Maßnahmen er für sinnvoller erachtet. Dass er oder wir hier irgendwas tun sollen, davon lese ich da nichts.

  75. 75

    hervorragender text.

  76. 76

    wir leben im jahr 2008. da sollte man sich vielleicht langsam daran gewöhnen, dass sich ausserparlamentarische opposition heute anderer mittel bedienen kann, als vor dem beginn der internet-zeitrechnung. eine "neue" form seine meinung wirkungsvoll zu bekunden, sind foren und blogs. besonders in welchen, die tatsächlich gelesen werden und daher auch eine kommunikative relevanz besitzen. so wie dieser "spreeblick" zum beispiel. :)
    eine möglichkeit "irgendetwas zu tun" wäre daher, hier seinen unmut über das urteil zu formulieren. nicht einfach zu sagen: "ich finde es scheisse", sondern sachlich begründet. eben vielleicht deshalb, weil hier auch leute mitlesen, die diesem urteil im ersten moment ihre zustimmung gaben.
    was das erreichen könnte? vielleicht nur den stein zum anstoss einer gesellschaftlichen diskussion oder aber wenigstens den versuch dazu. sonst könnte man sich solche blogs auch sparen und einfach nur das lesen und denken, was uns die verblödungs-medien so vorkauen.

  77. 77

    @Malte Welding:
    Die Jungs waren nichts weiter als Bauernopfer. Die Obrigkeit freut sich („Denen ham was abba gezeicht, doo!“), die Spießercrowd klascht Beifall, obwohl den meisten klar sein wird, dass wir hier nur ein weiteres Beispiel von gelebtem Populismus haben. Und übermorgen ist das Thema vergessen.

    Bleibt zu hoffen, dass die Jungs von Hirntot ihre neuen Nummern etwas subtiler gestalten. Denn in einigen Lyrics steckte viel Wahres (Stadt der Enttäuschung), auch wenn das Betroffenengejammer bisweilen nervt.

    **Ich leb im Gheddo
    das is reichlich schnöde
    ich würd so gerne Mugge mächn
    doch dafür bin ich zu blöde

    Gestern fuhr ich U-Bahn
    der Fahrer war stockschwul
    ich würd so gerne Opel fahn
    doch das is nich cool

    Ich leb hinter Gittern
    wozu mich keiner zwingt
    ich bin nur ein Wellensittich
    der hin und wieder singt**

    Wer mag, kann am Refrain feilen. Der übernächste Poster grunzt den kleinen Rhyme dann in seine iSight, ich schnippele ein paar putzige Effekte rein und dann komm wa ganz groß raus!
    Jemand Zeit, die Beats zu machen?

  78. 78
    beggar

    @salz
    Im Refrain muss sowas wie „Billstedt Ghetto hinten links bei der brennenden Muelltonne, da sitzen unsere Bitches, etc.“.

    Oder ganz weg lassen, nur die Geraeusche eines verbrennenden 17 Jaehrigen und Fahrzeugen einer Muellhalde.

    Fuer die Beats ein Vista Social Club-Sample mit Bassline von Trendmoeller schnell in Garage Band zusammen verwursten, mit der Sony Plastikgitarre in paar Riffs reinhauen, bei youTube online stellen, bei Facebook viral promoten und schon mal Contracts via PDf an alle grossen Labels schicken…

  79. 79

    witzig, diese typen haben mal unser forum (das sich mit elektronischer musik befasst und beileibe nicht mit hiphop) mit ihrem kram vollgespamt.

  80. 80
    Butters

    Man könnte den Scheiß auch einfach verbieten, indiziert is vieles eh schon, nächster logischer Schritt wäre Verbot, gut, das wäre mal nicht restlos aus den USA abgekupfert, wie z.B. die Meinung Zensur ginge gar nicht, aber egal, anderes Thema.

  81. 81

    Musik wird für die Zielgruppe gemacht. Zielguppe sind kleine pubertierende und große spätpubertierende Jungs. Also macht man nichts weiter als die Zielgruppe selber Rappen zu lassen und schon haben die Labels eine Gelddruckmaschine. für mich ganz einfach und Malte muss ich auch noch mal zustimmen.

  82. 82

    Ein paar Gedanken von einem Hopper zu diesem Thema:

    –> Die „Trendwende“ im Hip Hop

    Das mag ein wenig haarspalterisch klingen, ist den Leuten aus meinem subkulturellen Kreis jedoch sehr wichtig: Es gibt diese „Trendwende“ nicht, sondern einen neuen Trend, der sich bestimmter Stilmittel unserer kulturellen Instrumente und einem ähnlichen Vokabular bedient, was bei der Bezeichnung Hip Hop, die die neue Schiene labelt, anfängt und bei der Perversion so genannter „Battles“ über Youtube, sowie deren Gipfelung in Schlägereien, endet.

    Der normale Hip Hop existiert in Deutschland noch in einer marginalen Position, weshalb es unsereins sehr schmerzt, wenn wir miterleben, dass der Name, der historisch mit unserer Kultur verflochten ist, als Label für diese – Entschuldigung – Scheiße auch von der „normalen“ Bevölkerung übernommen wird.

    –> „Die heutige Jugend“ und die Identifikation

    Fler hat hier unrecht und lügt schamlos oder er hat wirklich einfach keine Ahnung. ;-)

    Ich finde, die heutige Jugend hat es sehr schwer, durch die Entertainment Branche zu „vernünftigen“ Sparten und Genres zu gelangen, mit denen „sie“ sich Identifizieren kann. Gerade in der Musikbranche werden durch die leider noch marktführenden Major Labels neben der herkömmlichen Pop Musik ja nur noch sehr wenige Sparten bedient. Der ernstzunehmende Musiker hat es – gerade in der „Sparte Hip Hop“ – unfassbar schwer im Mainstream-Bereich auf Resonanz zu stoßen. Wenn also der Jugend nur eine beschränkte Palette präsentiert wird und in der schönen Nintendo-Zeit nur wenige Menschen tieferes Interesse an der Musik entwickeln, ist es ja kein Wunder, dass gerade die pubertierenden Jungen (meistens), die, wie schon im Beitrag erarbeitet, so schön von diesem obszönen Kram angesprochen werden, sich ohne groß nachzudenken darauf einlassen und – was wirklich schlimm ist – ein Stückweit dadurch geformt werden. Wenn man dazu noch aus schlechteren Verhältnissen kommt und viel Frust in sich trägt, gibt einem gerade der Rap dann auch ein Ventil zu dessen Verarbeitung. Dies kann natürlich auf positive und negative Weise geschehen und so können die beiden „Fremd im eigenen Land“ als zwei Kehrseiten derselben Medaille gesehen werden. Leider liefert die zynische Industrie zu unserer Zeit ausschließlich der negativen Seite Beachtung (, was übrigens auch sehr viele Probleme für unsere „kulturelle Nachwuchsarbeit“ schafft :-P ).

    –> Der Hip Hop hat als politische Subkultur

    Hierzu muss ich leider sagen, dass dies ein Vorurteil ist. Der Hip Hop an sich ist nichts anderes als eine Partykultur, die sich in sehr schlechten Verhältnissen entwickelt hat. Natürlich gibt der Rap, der erst viel später auf Tonträgern veröffentlicht wurde, eine sehr gute Plattform auch politische Botschaften loszuwerden, was ich persönlich sogar auch tue, aber dies ist nur eine Facette einer vielfältigen Bandbreite und hängt wohl eher mit den individuellen Persönlichkeiten zusammen, als mit einem Hauptstrang, dem die Kultur an sich folgte.

    Aufbegehrt haben die Leute, die es damals „erfanden“ lediglich gegen eine schlechte Zeit, die Kultur entstand auf einer Party mehr oder weniger durch Zufall und eine gute Idee. Da darf man sich auch nicht von der Tatsache verwirren lassen, dass gerade in Deutschland zunächst sehr viele politische und gesellschaftliche Botschaften auf den Tonträgern zu finden waren. ;-)

    –> Hip Hop verstehen

    Der gemeine Hopper kommt oft zu dem Schluss, dass dies nicht möglich ist. Ich spare mir hierzu aber weitere Ausführungen. ;-)

    Man kann jedoch verstehen, was Hip Hop nicht ist. Natürlich kann man viel über die Überzeichnung der eigenen Person sprechen, aber das muss sich im Rahmen halten. Ein essenzieller Bestandteil der Subkultur bestand eigentlich immer darin, sich an Können zu überbieten (nicht an Dummheit, wie es heute der Fall ist). Diesem Ansatz waren die Battles in den vier künstlerischen Bereichen geschuldet, es ging darum, wer mehr „Style“ bewies. Um zu erörtern, wer davon mehr hat, muss man übrigens kein Experte sein, da geht es mehr ums Gefühl. Heute können wir leider beobachten, dass im Mainstream „Hip Hop“ davon abgewichen wird und die Selbstüberhöhung mehr auf der persönlichen Ebene stattfindet, „Disses“ nicht mehr gegen denn Style des Gegners, sondern gegen dessen Person (oder wahlweise Verwandte) gerichtet sind. Ob solche Beleidigungen mehr Style haben als ein komplexer Reim oder sauberer Flow (auf die in angesprochenen Kreisen kaum noch geachtet wird) könnt ihr ja selbst entscheiden.

    Ich hoffe, ich konnte ein paar Denkanstöße geben und Fragen aufwerfen. :-)

  83. 83

    @ Nilz: Es ging mir mehr um den Begriff „Ghetto Rap““¦ Den kann man problemlos Sido und Bushido anhängen, aber Savas eben nicht. Das ist ein Battle MC alter Schule, eine, wenn nicht zwei Generationen vor dem vergleichsweisen Krüppelkack, mit dem die Gangsterkasper heute Schotter machen und Sido auf die 1 geht.

    Aber eigentlich tut das hier auch gar nichts zur Sache.

    Du magst Marschmusik? :)

  84. 84
    rüdiger

    Maltes Text fing ganz amüsant an. „Mongoloider Einreiter“, das hat Poesie & ist so einer dieser Perlen, die man gerne aus dem Netzrauschen pflückt. Aber dann fing es schon damit an, dass er sich über seine „schockierten“ Lehrer amüsierte… vielleicht mal überlegt, dass das bestimmt nicht die ersten Sprüche in der Art waren, von denen die was mitbekommen haben? Dass die guten Pädagogen auch eine Rolle aufrechthalten müssen & nicht zugeben können, dass sie sowas früher selber geschrieben haben oder zumindest die hormonellen Ursachen Eurer Krise kennen.

    Und der restliche Text und die Kommentare… Schwamm drüber… ich habe mir jedenfalls auf Youtube einige Hirntot-Videos angesehen (z.B. von Blokkmonsta), fand die sehr lustig, dagegen sind Rrrrammstein Musiker.
    Danke für den Hinweis.

    Aber an Mushiflo kommt eh keiner ran:
    http://www.youtube.com/watch?v=BHO5tU3PHMw

  85. 85
    Lemmy

    Jugendzentren…sind gleich nach dem Mauerfall wegradiert worden
    und bisher kaum nachgewachsen.
    Bildung…aber wir müssen doch für Opernhäuser sparen.
    Integration….über Lehrer mit Migrationshintergrund wird natürlich
    wieder erst nachgedacht wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.
    Womit wir wieder bei Bildung wären….
    Ansonsten sollte eigentlich jedem klar sein, der sich mal mit Marketing
    in der populären Musik beschäftigt hat, daß die angebliche Selbstläuterung bei Sido nur ein weiterer Schritt ist um mehr Kohle zu machen.

    Leider wird man weiter mit im Schritt nässenden Kids leben müssen,
    die bei einem Dokufilm über Ruanda ständig ausrufen würden:
    „Ey voll zerhackt die Schwester…geil Alter !“

  86. 86

    Die Diskussion um Untersparten im deutschen Rap mal komplett ausblendend: Danke Malte, für den „Fremd im eigenen Land“ Einschub! Wie sich ein Meilenstein der deutschen Musikgeschichte innerhalb von nicht mal 20 Jahren zu einem vollkommen sinnentleerten, durchkalkulierten Produkt entwickelt, zeigt in welcher geistigen Armut wir doch leben.
    Natürlich gibt es auch heute Gegenentwürfe, die sind allerdings leider nicht massenkompatibel.

  87. 87

    Warum benutzt Malte einen Menschlichen Gendefekt um seinen Artikel in mir unverständlicher Weise den ‚Achso schlauen‘ (Intellektuellen) Anschein tiefgründiger
    Weisheiten zu äussern. Vielleicht fehlt hier ein „Allgemeines Verständnis“, das sich
    auch Nichtakademikern erschliesst.

    Unterstelle Malte keinerlei böse Absichten.

  88. 88
    Homo

    Tja, was soll man dazu sagen? Bei diesen greift der Richter hart durch, bei Bushidos Schwulenhassong tat er es nicht. Da Stand dann im Begleitbrief zur Einstellung des Verfahrens, das Homosexuelle ja eine Minderheit seien und deshalb mit Beleidigungen leben müssten.

    Anders bei G-Hot, da hat die Strafanzeige offensichtlich gewirkt. Denn das war in meiner Post: http://s220165578.online.de/2008/06/19/da-bekommt-man-post/

    Nun, letztendes ist es doch immer so, das es in jedem Musikstil bestimmte auswüchse gibt.

  89. 89

    Wenn ich die alten Songs von den 80er in Radio höre, wird mire rst immer so richtig bewusst, was für ein Mist zum Teil heute publiziert wird, gibt ja genug andere Bands deren Texte als Ironie bezeichnet werden aber oftmals von der Jugend ganz anderst verstanden werden, aber jetzt speziell in disem Fall find ichs richtig, sowas sollte man nicht hören bzw. überhaupft auf die Idee kommen sowas zu singen oder was meint ihr

  90. 90

    In den 80ern gab es noch viel Schlimmeren Mist als heute und meine Eltern haben den Text meines Vorredners aufgesagt. Über die Ärzte…

  91. 91
    Ralf W.

    Ach ja, die uralte Geschichte, zum Beispiel wie schon bei den alten Griechen. Der Staat sieht sich bedroht und hat gehandelt. Aber was regt man sich da so auf, schließlich hat man man heutzutage eine zivilisiertere Demokratie, die Verurteilten müssen keine Schierlingsbecher trinken.

    Und in der Diskussionsschlange geht es vornehmlich banal um (Musik-)Geschmack, die verdorbene Jugend und Jugendverderber, womit die Blogosphäre lediglich die Fortsetzung uralter Debattengewohnheiten mit anderen Mitteln ist.

    Wobei das heutige allumfassende Mediengewitter auch seine Vorteile hat, es schützt so manchen Missetäter vor dem Lynchmob, der so erschlagen von den informationellen Ultramassen ist, dass er teilnahmslos geworden ist, statt wegen jeder kundgewordenen Kleinigkeit mit Fackeln und Mistgabel loszuziehen. Auf der anderen Seite kann man heutzutage auch mit einer milden Strafe zu einem Helden werden, früher musste man mindestens aufgeknüpft werden, um in diese Höhen aufzusteigen.

  92. 92
    HUNDEPOPEL

    Die Rapper haben in diesem Lande den Segen von oben. Der Außenminister hat mit Extremen dieses Genre gerappt.

    Da fragt man sich doch, wo Angela bleibt. Hat sie etwa doch einen besseren Geschmack ?

    Sie hat !

  93. 93
    Jeeves

    Ich mache „Textexegese“.

    Und wer macht sie wieder weg?

    Will sagen: wieso das Zeugs nicht einfach als das bezeichnen was es auf den ersten Blick ist? Und auf den zweiten auch.

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