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Dreiundsechzig Jahre Hiroshima

Am 6. August 1945 startete von Tinian aus die Enola Gay mit 13 Mann Besatzung und der zweiten amerikanischen Atombombe, Little Boy, Sprengkraft: 12 500 Tonnen TNT. Wäre dies ein Spiegel-Artikel, stünde hier, dass der Himmel wolkenlos war und der Käpten einen oder keinen Schnurrbart hatte und die Bombe um 8 Uhr fünzehn Minuten 17 Sekunden ausgeklinkt wurde. 43 Sekunden später detonierte Little Boy über Hiroshima und zerstörte 80% der Innenstadt. Zwischen 90.000 und 200.000 Menschen waren auf der Stelle tot; bis Ende 1945 starben 140.000 Einwohner an der Strahlung. Beginn des Atomzeitalters.

In den Jahrzehnten des Kalten Krieges war die Gefahr eines Atomkrieges ständig präsent. Noch 1982 denkt Christa Wolf in der Kassandra darüber nach, was die Welt ohne Europäer wäre:

In der niederländischen Stadt Groningen habe eine Konferenz von Friedenforschern, Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen, Ärzten, ehemaligen hohen Militärs der NATO stattgefunden: alle diese Teilnehmer hätten das Schicksal Europas sehr skeptisch beurteilt, weil (…) die USA, in der Vorstellung befallen, durch die Entwicklung der Waffentechnik sei der nächste Krieg auch als Atomkrieg „šgewinnbar“™ geworden, darauf aus seien, Europa zum Schauplatz dieses nächsten Krieges zu machen. Die Vernichtung von Hunderttausend Europäern und Russen sei eingerechnet (…). Europa habe, wenn es nicht damit beginne, eine vollkommen andere Politik zu betreiben, noch eine Gnadenfrist von drei, vier Jahren.

Heute klingt, was Christa Wolf schrieb, surreal bis hysterisch: die atomare Bedrohung ist untergegangen unter all den anderen Bedrohungen. Klimawandel. Internationaler Terrorismus. Hühnerpest. Mit der Atombombe treibt man niemanden mehr in den Keller oder Konservenbüchsen kaufen.

Vielleicht gibt es so was wie eine allgemeine Besorgnis nicht: wahrscheinlich kippt die Besorgnis in der Masse immer zu Hysterie um. Oder zu Gleichgültigkeit, sofern man sich nach einigen Jahrzehnten des duck and cover bewusst gemacht hat, wie lächerlich Schildkröten der 50er Jahre aussehen.


direkt

Dabei ist die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges gestiegen. Gut, Europa wird wohl nicht das Schlachtfeld sein, sollte es einmal dazu kommen. Obwohl hier noch 480 nukleare Fliegerbomben gelagert werden, deren Trägerflugzeuge nicht die Reichweite haben, jenseits von Europa eingesetzt zu werden. Altlasten eines Kalten Krieges, den man hier fürchtete, und der (nur) Südamerika, Afghanistan, Süd-Ost-Asien und fast die komplette Subsahara verheerte.

Momentan existieren ungefähr 17 500 Atomsprengköpfe weltweit, davon sind 98 % in den Händen Russlands oder der USA. 4000 Sprengköpfe sind allezeit einsatzbereit und erreichen jedes Ziel der Erde binnen 30 Minuten. China, Frankreich, Großbritannien, Israel, Indien, Pakistan und vermutlich Nordkorea verfügen über A-Waffen und entsprechende Trägersysteme. Der Iran arbeitet mutmaßlich an einer Entwicklung der Bombe.

In der Iran-Frage zeigen sich drei der großen Probleme momentan: Bedroht von einer US-amerikanischen Invasion, trachtet die Regierung des Landes erstens danach, sich die Bombe zu beschaffen, um ihr Überleben zu sichern. Außerdem ist, zweitens, die Welt kleinteiliger geworden: Das globale Wettrüsten zwischen Ost- und Westblock wurde abgelöst durch ein lokales Wettrüsten zwischen Pakistan und Indien einerseits und andererseits zwischen dem Iran und Israel. Und, drittens, sind durch wegfallende Handelsbeschränkungen und die Technologieentwicklung die Möglichkeiten, sich die Bombe zu beschaffen, gestiegen.

Am Beispiel: Abdul Kadir Khan gilt als der Vater der pakistanischen Bombe. Er steht im Verdacht, ab 1987 Baupläne für Zentrifugen, die Bombe, Sprengköpfe und Raketen an weitere Länder wie Nordkorea, Libyen und den Iran verkauft zu haben: als Nationalheld Pakistans ist er allerdings unantastbar. Seit allerdings ein Treffen ehemaliger pakistanischer Atomwissenschaftler mit Al“™Qaida bekannt geworden ist, dräut neues Unheil am Horizont: ein nuklearer Anschlag internationaler Terroristen.

Jenseits der Entwicklungen in der zweiten und dritten Welt steigt auch bei den etablierten Atommächten die Akzeptanz der Nuklearwaffen. 2006 ließ der damalige französische Präsident Jacques Chirac verlauten, dass Frankreich zur Sicherung strategischer Ressourcen nicht von vornherein auf den Einsatz einer Atombombe verzichten werde. Die USA haben Miniatur-Atombomben (Bunker Buster und Mini-Nukes) entwickelt. Russland und China bauen neue Trägerraketen, Großbritannien ein neues Atom-Uboot.

Und das alles ohne Konsequenzen, denn der Einsatz von Atomwaffen ist völkerrechtlich nicht geächtet. Zwar gibt es dazu immer mal wieder schöne Absichtserklärungen, die aber — genau wie die Abrüstungsvereinbahrungen — keinerlei Konsequenzen haben. Großartig gescheitert sind beispielsweise die Überprüfungskonferenzen zum nuklearen Nichtverbreitungsvertrag in den Jahren 2000 und 2005.

Es ist übrigens nicht so, dass mögliche regionale Nuklearkriege keine weltweiten Auswirkungen hätten. Im April diesen Jahres veröffentlichten Michael Mills und Owen Toon eine Studie, die die Konsequenzen am Beispiel einer Konfrontation zwischen Indien und Pakistan durchging. Würden beide Seiten ihre insgesamt 110 Atomwaffen einsetzen, würde durch den aufsteigenen Ruß die Ozonschicht um bis zu 70 % reduzieren. Konsequenz: dreifach erhöhtes Krebsrisiko und Ernteausfälle, die einer anderen Studie zufolge eine Milliarde Hungertote zur Folge hätten..

Nuklearwaffen in instabilen Staaten, vorhersehbare Verbreitung der Technik, mehr und mehr Bereitschaft der Atommächte, offensiv mit den eigenen Arsenalen umzugehen, eine hilf- und wirkungslose Kontrollinstanz, allgemeine Auf- statt Abrüstung: Das Zeitalter der Atombombe ist noch lange nicht vorbei.

31 Kommentare

  1. 01
    mx

    von unbekannter französischer musik morgens um sechs zur atombombe nachts um eins? was für ein tag..

  2. 02
    lanas zeugen

    facts and figures gut rübergebracht.

  3. 03
    corax

    Der Iran arbeitet mutmaßlich an einer Entwicklung der Bombe.

    .
    Quellen?

    Dachte das sei (vorläufig) vom Tisch?

  4. 04
    Marc

    Danke corax,

    die Unterstellungen, der Iran betreibe ein atomares Waffenprogramm sind nichts anderes als Unterstellungen.
    Alle „Sanktionen“ und „Strafmaßnahmen“ basieren auf nichts. Der Iran wird für sein legitimes Recht, atomare Technologie zur Energieerzeugung zu erforschen, abgestraft.

    Ansonsten ist es natürlich richtig, daß es verständlich wäre, wenn sich der Iran angesichts der eindeutigen Bedrohung durch die USA und durch seine nächste Nähe zu Israel, das seinerseits tatsächlich Atomwaffen besitzt (entgegen diverser Sperrverträge), um eine eigene atomare Abschreckung bemühen würde.

    Ansonsten ist das pauschale Bedrohungsszenario „internationaler Terrorismus“ derart diffus, daß es höchstens als modernes „Böse Hexe im Wald“-Märchen taugt. Ich will die Terrorgruppe sehen, die tatsächlich, wie im Artikel erwähnt, eine Atombombe in Händen hält und wirklich einsetzt.

    Bisher gingen all die furchtbaren Ereignisse von Staaten aus – und dabei auch noch von gefestigten und nicht von irgendwelchen „failing“ oder „fallen“ states. Ich sehe absolut keinen Grund, warum sich da etwas geändert haben sollte.

  5. 05
    Peter H aus B

    @corax:
    bist du wahnsinnig, so was zu posten? Viva Harmonias Weltbild könnte ins wanken geraten..

    Danke für den Link..

  6. 06
    Herr_M

    Ich glaube auch weiterhin an die Präventivkraft der wechselseitigen Zerstörung.

  7. 07
    Frédéric Valin

    @corax: Das Ding ist: Atomenergie ist eine dual use-Technologie. Und das iranische Atomprogramm steckt noch in den Anfängen. Tatsächlich gibt es momentan keine Anzeichen dafür, dass der Iran waffenfähiges Material anreichert.

    Gleichzeitig ist aber bekannt, dass der Iran von Khan beliefert worden ist. Bis heute weiß man nicht, was da geliefert wurde. Außerdem weiß man, dass der Iran an ballistischen Raketen entwickelt hat, mit technischer Unterstützung aus Nordkorea. Das sind erstmal nur Indizien, obwohl der Iran selbst Verstöße gegen den Sperrvertrag eingeräumt hat. Und die Wahrscheinlichkeit, dass der Iran in diesem Moment an der Bombe strickt, ist niedrig. (Sagt auch der Bericht: „We assess with moderate confidence Tehran had not restarted its nuclear weapons program as of mid-2007, but we do not know whether it currently intends to develop nuclear weapons.“) Gleichzeitig sind die im August 2002 aufgekommenen Zweifel am iranischen Atomprogramm bisher noch nicht ausgeräumt.

    Was ich sagen will: Kurzfristig ist es sehr unwahrscheinlich, dass der Iran die Atombombe baut oder sogar bereits gebaut hat. Und auch wenn keiner so ganz genau weiß, an welcher Stelle das Programm gestoppt wurde, lehnt man sich nicht allzuweit aus dem Fenster, wenn man sagt: allzuweit sind sie wohl nicht gekommen.

    Ich geh die These von Götz Neuneck (Proliferation und Kontrolle von Massenvernichtungswaffen, in Globale Trends 2007) mit, dass es Anzeichen gibt. Und ich geh auch mit, wenn er (mit Michael Brzoska und Oliver Meier) sagt, dass Alarmismus unangebracht ist. Aber das Thema ist deswegen nicht vom Tisch, weil keiner weiß, was genau bisher im Iran entwickelt worden ist.

    @Marc:

    Ansonsten ist das pauschale Bedrohungsszenario „internationaler Terrorismus“ derart diffus…

    Ja. Allerdings gab es bereits den ersten Anschlag einer terroristischen Vereinigungen mit Massenvernichtungswaffen, auf die U-Bahn in Tokyo. Es stimmt, bisher sind atomare Terror-Anschläge nur ein Szenario, und man muss aufpassen, dass man da nicht irgendwelche Panikgeschichten zu schreibt: aber ich finde es kein völlig abwegiges Szenario. Und ich finde, man sollte sich mit dem Thema auseinandersetzen und es nicht die ganzen Hardliner besetzen lassen.

  8. 08

    Atomspürengköpfe ist ein schönes Wort :-)

    Zu Hiroshima und Nagasaki und der amerikanischen Debatte darüber gibt es eine noch nicht beendete Serie bei USA erklärt:

    Teil 1
    Teil 2

  9. 09

    Ach herrjeh. Habe noch was vergessen (wieso kann man eigentlich nicht mehr editieren?):

    Die Einleitung zur Japan-Serie

  10. 10
    mika

    „..the atomic bomb flash can burn you worse than a terrible sunburn.“
    „..there are two ways of an coming atom bomb – with warning and without warning.“ Duck and cover – einfach ganz ganz großes Kino.

  11. 11
    corax

    @Frédéric Valin: Du wichtest aber anscheinend anders als ich.
    Israel, Pakistan und Indien haben den Sperrvertrag nicht unterzeichnet.
    Pakistan und Indien befinden sich quasi im permanenten Kriegszustand gegeneinander und grade justamente sind die USA dabei Indien mit Technologie zu versorgen. Woher Israel sein KnowHow und Equipment bezogen haben dürfte, sollte wohl klar sein.
    Iran hat in der Neuzeit keine Länder angegriffen, ich sehe keinerlei Grund warum Iran a) keine Atomkraft nutzen sollte (bis auf die Umwelkomponente) und b) selbst wenn der Iran Atomwaffen produziert keine nennenswerte Gefahrerhöhung in der Region. Im Gegenteil, das Patt würde sich imho dort verfestigen.

    Der „nukleare Nichtverbreitungsvertrag“ scheiterte übrigens hauptsächlich an den USA.

    Und ob 11 Beutel mit Sarin „Massenvernichtungswaffen“ sind, darüber würde ich auch streiten. Da könnte man ja auch einen Tanklaster mit Chlorgas o.ä. stehlen und irgendwo in einer Kleinstadt gegen das Rathaus brettern, da kämen wohl mehr Menschen bei ums Leben.
    Unter „Weapons of Mass Destruction“ stell ich mir jedenfalls etwas anderes vor.
    Das irgendwelche Terroristen möglicherweise eine schmutzige Bombe basteln könnten mag ich glauben, aber eine Nuklearbombe ist doch etwas völlig anderes. Das die nicht so einfach zu handeln ist, sieht man doch schon daran wie wenig Staaten sie überhaupt bauen können.

    Viel gefährlicher halte ich die neue NATO-Doktrin Erstschläge mit Atomwaffen als legitime Option zu betrachten, nicht in Europa aber von Europäischen Staaten aus.
    Das ist sich abzeichnender Irrsinn dem kaum entgegen getreten wird.

  12. 12
    Frédéric Valin

    @corax: Ganz ehrlich: ich weiß es nicht. Ich glaube allerdings, dass eine weitere Verbreitung von Atomwaffen keine stabilisierende Wirkung hat. Kurzfristig mag das stimmen: langfristig sind mir die Konsequenzen zu unabsehbar. Das ist Punkt eins. Außerdem haben solche Patts bisher sehr hässliche Stellvertreterkriege nach sich gezogen, das gilt sowohl für den Kalten Krieg als auch für die Situation zwischen Pakistan und Indien.

    Punkt zwei ist die unerträgliche Arroganz und völlige Verantwortungslosigkeit der offiziellen Atommächte. Da bin ich absolut Deiner Meinung.

    Was den „internationalen Terrorismus“ anbelangt (ich bin mir bewußt, dass das eine unzulässige Verkürzung ist, für die ich mich deswegen entschieden habe, um den Artikel nicht allzu ausufernd werden zu lassen): Es gibt da vier Szenarien. Kernwaffen stehlen, selbst nukleare Sprengköpfe herstellen, radiologische Waffen bauen (schmutzige Bomben) oder Nuklearanlagen angreifen. Die ersten beiden Punkte sind sehr unwahrscheinlich, obwohl gerade in Russland die Sicherheitsbedingungen, naja, weit unter hervorragend liegen. Für die anderen beiden Szenarien gilt: ich halte sie nicht für so unwahrscheinlich, als dass ich sie unterschlagen würde.

    Das ist nicht meine Hauptsorge, deswegen hab ichs im Artikel auch nur am Rande erwähnt.

  13. 13
    sven

    Ich hab mal ne Doku im öffentlich rechtlichen gesehen das die pakistanischen Atomexperten zum teil in Deutschland ausgebildet worden sind. Weis da einer näheres ?

  14. 14
    Frédéric Valin

    @sven: Ich weiß nicht, ob Du das meinst, aber Khan war, bevor er Vater der pakistanischen Bombe wurde, bei der deutsch-niederländisch-britischen Firma URENCO tätig.

  15. 15
    Chr

    Ein Iran mit Atomwaffen ist selbstverständlich KEINE Geschichte, die man sich nachts im Falle einer weltpolitisch bedingten Einschlafstörung zur Beruhigung selbst erzählt – ohne Frage!

    Erlaubt man sich den Perspektivwechsel in die abstrakte Person „eines (militärisch) Verantwortlichen“ für entsprechende Gefahren- und Risikoprognosen oder ggf. sogar für deren Beseitigung, würde mir persönlich in dieser Rolle mutmaßlich bei so manchem denkbaren Szenario – auch jenseits des Irans – der Schweiß die Stirn hinunterlaufen und oben genannte Schlafstörung nicht Ausnahme, sondern eher der Standard sein…

    Ich glaube wie @Frédéric Valin:, dass die Verbreitung von Nuklearwaffen unter regionalen Mächten keine Stabilisierung verheißt! Sollte der Iran aber tatsächlich in den Besitz „der Bombe“ gelangen, ist dennoch nicht zwangsläufig mit einem nuklearem Waffengang zu rechnen, oder? Egal wie ernst das Mahdi-Gefasel eines Ahmadinedschad zu nehmen ist, nur politisch sind Nuklearwaffen schon sehr, sehr wertvoll, siehe Nordkorea. Zudem sind A’s Entgleisungen offenbar im eigenen Land nicht unbestritten. Man darf annehmen, auch im Iran gibt es unter den Klerikern die klassischen Machtpolitiker, denen nicht religiöser Wahn Gesetz ist und denen sehr klar sein wird, dass der Iran in dem Augenblick aus der zukünftigen Menschheitsgeschichte gestrichen sein und für Tausende von Jahren der Oberfläche des Modes gleichen wird, in dem er nuklear bestückte Raketen gen Israel oder sonstwo schickt.

    Aufgrund der aktuellen öffentlichen Informationslage erscheint es zwar unwahrscheinlich, dass der Iran sich kurzfristig über konventionelle Waffen hinaus aufrüsten kann. Über die Zuverlässigkeit öffentlicher Informationen lässt sich allerdings formidabel streiten…

    Was mich wundert, im Zusammenhang mit dem gehypten Szenario nuklearer Bedrohung wird in der Öffentlichkeit vergleichsweise wenig über Indien und insbesondere das politisch instabilen Pakistan diskutiert!?

    Oh, oh, was ich noch sagen wollte: sehr schöner Beitrag, Frédéric!

  16. 16
    Frédéric Valin

    @stralau: Herrje, ich brauch ja auch lang für ne Reaktion. Danke! Is verbessert.

    @Chr: Die relative Stille um Pakistan und Indien ist mir auch rätselhaft. Vielleicht liegts daran, dass die Bedrohungssituation schon länger anhält. Dass es da keine großen Aufreger mehr gibt. (Obwohl die Kooperation der USA mit Indien verantwortungslos ist und ein echter Aufreger.)

  17. 17
    christoph kratistos

    „Und das alles ohne Konsequenzen, denn der Einsatz von Atomwaffen ist völkerrechtlich nicht geächtet“

    Und welche Konsequenzen Völkerrechtliche Ächtungen haben, sehen wir ja an ausgelöschten Schandflecken der menschlichen Kriegsführung wie Folter, Genozid, usw. :>

  18. 18
    Sascha

    Vielleicht denken manche auch so: „Wenn im Iran (beispielsweise) eine Atombombe hochgeht, warum solle mich das jucken? Ist doch sehr weit weg!“

  19. 19

    Ich denke mir, der Iran will schon seit längerem Nuklearwaffen bauen.
    Nach dem Irakkrieg, der offiziellen Präventivkriegsstrategie der USA und den jahrelangen öffentlichen Überlegungen von US-Politikern, scheint mir das auch nicht verwunderlich zu sein.

    Und die eigentliche Neuigkeit am Bericht der US-Geheimdienste über die Einstellung des iranischen Atomwaffenprogramms, war doch, dass der Iran überhaupt ein Atomwaffenprogramm hatte (!!), das dann eingestellt wurde.

    Vermutlich hat man sich im Iran dazu entschieden, erstmal den gesamten zivilen Atomkreislauf, inklusive der Urananreicherung, zu beherrschen. Weil von dort aus ist es dann nur noch ein (relativ) kleiner Schritt zu einem militärischen Nuklearprogramm und Atomwaffen.

    Und ich fürchte, entscheidend für Krieg und Frieden in dieser Frage ist nicht, was der Iran tatsächlich hinter seinem zivilen Programm macht, sondern was man Israel darüber denkt.
    Hier in Europa lässt es sich locker sagen, ein iranisches Atomwaffenprogramm sei nicht bewiesen. Wenn man in Israel lebt, betrifft das einen viel direkter. Deswegen ist es schon ein ernstes Problem und die Übungen der israelischen Luftwaffe sind sicher keine leeren Drohungen. Ich fürchte, das ist so.

    Deshalb sollte Iran wenigstens dazu gebracht werden, seine Brennstäbe nicht selber herzustellen, sondern sich diese liefern zu lassen. Aber das lehnt Iran leider ab, soweit ich das mitbekommen habe.

    Naja, der einzige Grund, warum wir hier überhaupt alle sitzen heißt Wassili Alexandrowitsch Archipow
    http://de.wikipedia.org/wiki/Vasili_Alexandrovich_Arkhipov

  20. 20
    Chr

    In der aktuellen Washington Post wird eine Studie des Institute for Science and International Security zitiert, nach der …

    a military strike against Iran’s nuclear facilities would probably only delay the country’s progress toward nuclear-weapons capability, according to a study that concludes that such an attack could backfire by strengthening Tehran’s resolve to acquire the bomb.

    Die Gründe hierfür seien ua militärischer Natur:

    The analysis by the Washington-based Institute for Science and International Security found that Iran’s uranium facilities are too widely dispersed and protected — and, in some cases, concealed too well — to be effectively destroyed by warplanes. And any damage to the country’s nuclear program could be quickly repaired.

    Die These ist zwar immer wieder mal in der Diskussion aufgetaucht. Die Untersuchung ist meines Wissens die erste.

  21. 21
    Chr

    @Sukram71: Archipows gab’s viele, nur, wenige sind so bekannt geworden wie er. Es ist offenbar nicht der Regelfall gewesen, dass russische Offiziere ohne direkte Insubordination Raketenstarts verhindern konnten. Unser Dank sei ihnen allen gewiss…

  22. 22

    @Sukram71 Chr
    Ja, ich weiß, Archipows gabs einige. Siehe auch die Links unten im Wikipedia-Artikel von Archipow.
    Aber die Geschichte mit Archipow halte ich schon für einen ganz besonders krassen und beeindruckenden Fall:

    Während der Kubakrise … am „schwarze Samstag“, dem 27. Oktober 1962, als die Atombomber schon alle in der Luft waren … mit nem U-Boot das Atom-Torpedos verschoss („Die Schwächen der mangelnden Genauigkeit des Zielsystems glichen sie durch die Feuerkraft von Torpedos mit Atomsprengkopf aus.“ :) ) … einfach nur heftig …
    Damals hätte nur einer im falschen Moment husten müssen oder vom Kurs abkommen und wir würden hier alle nicht sitzen.

  23. 23
    Frédéric Valin

    @Chr: Absurd in dem Zusammenhang ist, dass die Bunker Busters entwickelt werden, um unterirdische Bunker zu zerstören, in denen Forschungseinrichtungen geschützt werden. Atomwaffen zu entwickeln, um Atomwaffenbau zu verhindern – thats strange.

  24. 24

    Es gibt für Israel eh keine andere Lösung, als mit den arabischen Ländern und den Palästinensern einen Ausgleich zu finden, mit dem alle einverstanden sind.
    Weil auf Dauer (z. B. 20 Jahre) lassen sich arabische Atomwaffen m. E. sowieso nicht verhindern, wenn dort der Konflikt bleibt. Militärschlag hin – Luftangriff her …

    Deshalb sollte Israel eine viel stärkere Friedenspolitik betreiben und halt iranische Atomwaffen ggf. akzeptieren. Sicher leicht gesagt … Bei den Arabern, gibts ja auch offenbar genug Leute, die vom Kampf gegen Israel leben uns sonst überhaupt keinen Lebenssinn fänden.

  25. 25
    Chr

    @Sukram71: Ja, stimm‘ ich voll und ganz zu!

    @Frédéric Valin: Dr. Strange, um genau zu sein…

    @Sukram71:

    Es gibt für Israel eh keine andere Lösung, als mit den arabischen Ländern und den Palästinensern einen Ausgleich zu finden

    Jap! Das denke ich auch. Die Voraussetzungen hierfür sind psychologisch ausgesprochen schlecht und politisch scheint mir, dass immer noch zu vielen der Konflikt nützlicher ist als Frieden.

  26. 26
    Chr

    Sehr spannendes Thema und deshalb noch einen letzten kleinen Video-Beitrag des American News Projekt:

    Washington’s neocons are alive and well, advising both John McCain and President Bush. Now many are saying Bush should permit Israel to attack Iran’s nuclear facilities after Election Day before the new president takes office. ANP investigates as we chase down John Bolton, Bill Kristol and Frank Gaffney to see how far ahead these hawks are thinking. And a new report says the whole plan could backfire.

    Hier der Link zum video.

  27. 27
    Chr

    Hmmm, Link lässt sich nicht einbinden…? Na, dann eben so:
    http://newsproject.org/videos/107

  28. 28

    ein bisschen off topic, aber trotzdem;

    groningens spreeblick-debüt- juchu!

    // ansonsten hätte ich auch auf die usa-erklärt-reihe verwiesen. sehr lesenswert!

  29. 29

    Der Iran-Konflikt wird sich in diesem Jahr noch zuspitzen. Irgendwie werde ich den Gedanken nicht los, dass die Bush-Administration wirklich noch vor dem Ende von Bush(idos) Amtszeit einen Angriffskrieg beginnt? und dann gute Nacht?

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