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ARD zensiert Putin-Interview

Die ARD hat ein zehnminütiges Interview mit Wladimir Putin ausgestrahlt, das im Original 27 Minuten lang war. Die Kürzung des Interviews ist also nicht weiter erstaunlich, dass die gekürzten Stellen fast ausnahmslos Kritik an der westlichen Haltung zum Kaukasus-Konflikt enthielten allerdings schon.

Mit der vorgenommenen Kürzung erhält das Interview einen vollkommen anderen Informationsgehalt. Die ARD hat in diesem Falle die Grenze zwischen journalistischer Verantwortung und Meinungsmanipulation überschritten.

Und ich verkneife mir den Hinweis auf die vom „žQualitätsjournalismus“ immer wieder herbeigeschriebene, scheinbare Irrelevanz von Blogs explizit nicht. Das ganze Interview in drei Videos mit deutschen Untertiteln (die ich nicht verifizieren kann) nach dem Klick, das Transkript mit den markierten Kürzungen gibt’s beim Spiegelfechter.

61 Kommentare

  1. 01

    Strike for Blogosphere! >;o)

  2. 02

    Da will sich die Bloggerszene doch nur wieder aufspielen. Habt Ihr denn keinen Respekt vor den siechenden Medien aus der Nachkriegszeit? Was haben die nicht alles für Euch getan?!

  3. 03
  4. 04

    Bin beeindruckt

    Wie schnell es gelingt das gesamte Videomaterial mit Übersetzung zu liefern.
    Spiegelfechter unterstellt der ARD unterschwellig eine Art von Zensur. Wer weiss?

    Guckst Du:
    http://blog.tagesschau.de/?p=1380

    Alles Gute
    @PiPi

    Liebe Kommentatoren [René]

    Ihr seid tausenden von Lesern verpflichtet.
    Ich bin nur für mich selbst verantwortlich.

  5. 05

    @PiPi: Lies Dir dort mal die Kommentare durch, Beispiel:

    An die Redaktion

    Die Art und Weise wie Sie das Interview gekürzt haben stellt sehr Wohl Zensur da. Sie haben wesentliche Dinge weggelassen. Warum ist die Frage von Putin wer den Krieg begonnen hat und die Antwort von Herrn Roth nicht dabei. Ein anderer Blickwinkel? Wohl eher passt die Frage und die Antwort nicht in Ihr Weltbild vom bösen Russen.

    Ich bin zustiefst entäuscht von den deutschen Medien. Wie wäre es gewesen das gesamte Interview ins Internet zu stellen? Aber auch hier bei Ihnen nicht einmal der Hinweiss, dass das Interviw gekürzt ist.

    SCHÄMEN SIE SICH! mehr kann ich dazu nicht sagen.

    Journalisten sollen die Menschen objektiv informieren, so dass sich jeder eine eigene Meinung bilden kann. Das haben Sie nicht getan. Das hat nichts mit normalem Auswahlprozess zu tun. Das ist Zensur.
    Ich verstehe jetzt auch warum Sie immer so gut über die Zenur in russischen Medien schmipfen können. Sie wissen beim Thema Zensur wo von Sie reden!

  6. 06
    OverFlow

    Oha und jetzt der große Knall: das war noch nie da. Und hier, René, sind wir uns eins: es ist nichts Neues, aber es bleibt mehr als wichtig, dass die böse Bloggerszene darauf aufmerksam macht. Der Rest ist ja bereits verARDisiert. Und das sag ich als ARD-Fan ;) Aber ich kann Grenzen ziehen.

    Guten Abend

  7. 07

    Hört endlich auf mit dem leidigen „Blogs vs. Journalisten“-Thema. Dazu ist nun wirklich alles gesagt. Dann kann man sich wieder auf die Inhalte konzentrieren und wahrscheinlich wird man sogar viel ernster genommen. Von anderen Bloggern und Journalisten. Und von dem ganzen Rest, den die Debatte wirklich nicht interessiert sowieso.

    Und zum Thema: Danke, dass ihr solche Sachen featured.

  8. 08

    @Gernot: Ich habe den Satz ganz bewusst reingeschrieben, denn in den vergangenen Wochen machten klassische Medien mal wieder massiv Front gegen das Internetz, und das hier ist ein Fall in dem bewusst oder aus Versehen Desinformation betrieben wird. Und wer korrigiert das? Genau. Außerdem stehts ja nur im Nachsatz, ist nicht Main-Content und damit echt vertretbar.

    Aber eigentlich haste Recht. War das letzte mal, versprochen *g*

  9. 09

    @PiPi Pipi

    Spiegelfechter unterstellt der ARD unterschwellig eine Art von Zensur. Wer weiss?

    IdT – wer weiss? Die Wikipedia schreibt als Einleitung zum Thema „Zensur“:

    Zensur (censura) ist ein Verfahren eines Staates, einer einflussreichen Organisation oder eines Systemträgers, um durch Medien oder im persönlichen Informationsverkehr (etwa per Briefpost) vermittelte Inhalte zu kontrollieren, unerwünschte beziehungsweise Gesetzen zuwiderlaufende Inhalte zu unterdrücken und somit dafür zu sorgen, dass nur erwünschte Inhalte veröffentlicht oder ausgetauscht werden.

    Wenn ich diese Definition an die Kürzungen des IV anlege, so handelt es ich wohl tatsächlich um Zensur, da die Kürzungen „nicht erwünschte Inhalte“ betrafen.

    Ob man nun von Zensur, Manipulation, von grober Verletzung der Presseethik oder (im besten Falle) von miserablen Journalismus (durch die Redaktion, nicht durch Herrn Roth) sprechen muss, überlasse ich mal den Lesern – da soll sich jeder sein eigenes Urteil bilden.

  10. 10
    DerBenni

    Vielen Dank für das komplette Interview. Das hilft doch SEHR der eigenen Meinungsbildung.

    Wie war das nochmal? Die kleinen, flinken müssen den großen, behäbigen vormachen wie es geht, damit diese es im großen Stil weiterentwickeln können?!?
    Ach eigentlich hab ich gar keine Lust mehr auf das Thema, aber das hier ist verdammtnochmal ein Paradebeispiel!
    Danke!

  11. 11
    peter h aus b

    Der Schröder weiss schon, warum er sich mit Putin versteht.

    Das die Merkel mit so einem nicht kann ist auch klarDer ist ihr intellektuell haushoch überlegen. Da ist ihr Sarkozy lieber. Gleich und gleich..

    Mich wundert schon seit Beginn des Konflikts, wie hier in den Medien darüber berichtet wird. Das der SackarschWilli einen an der Waffel hat, müsste doch bekannt sein, das er kein Demokrat ist, auch.
    Und das Georgien Südossetien nach dem Zerfall der Sowjetunion annektiert hat, ist ebenfalls Fakt.

    Als ehemaliger Mitarbeiter beim Öffentlich-Rechtlichen kann ich sagen, das da alles mit „rechten“ Dingen zugeht. Gesteuert von parteihörigen Juristen und Pfaffen. Links wird ausgemerzt. Mit allen Mitteln.

  12. 12

    ’ne Nummer kleiner als „zensiert“ ging’s nicht?

    Zensur ist immer noch staatlich (und die ARD ist eine Menge, aber kein Staatsfernsehen).

  13. 13

    Ich schätze mal, die ARD wird diesen Manipulationsskandal – gewohnt, bewährt – aussitzen. Da wird es keine ernsthafte Reaktionen geben.

    (außer evtl. eine weitere Live-Schalte zu SaakaSchwili)

    Anders gesagt: Das Beschwindeln der Bürger gehört zum Programm. Die ARD findet es so, wie es ist, völlig in Ordnung.

    (vielleicht aber werden Jauche & Co zum Ausgleich einen neuen „Du bist Deutschland“-Spot für uns drehen: PR-Propaganda zwecks mehr „Eigenverantwortung“ seitens der Arbeitslosen)

  14. 14

    @Lukas:

    Zensur (censura) ist ein Verfahren eines Staates, einer einflussreichen Organisation oder eines Systemträgers, um durch Medien oder im persönlichen Informationsverkehr (etwa per Briefpost) vermittelte Inhalte zu kontrollieren Wikipedia

    Anders gesagt: Zensur ist nicht nur staatlich, sondern institutionell. Und die ARD ist sicherlich eine Institution. Aber ja, hätte man einen Nummer kleiner machen können. Muss man aber auch nicht, in diesem Fall.

  15. 15

    @Lukas Lukas

    Die ARD ist also nicht staatlich? Sie ist öffentlich-rechtlich und ihre leitenden Angestellten werden im allgemeinen über den Parteiproporz besetzt. Aber lassen wir das ;-)

  16. 16
    Chr

    Ich hab’s schon beim Spiegelfechter geschrieben und schreibe es nochmal hier: einfach bitter ist das! Ich bin mal wieder unglaublich desillusioniert…

  17. 17

    Kein wunder dass der Original Übersetzer in dem ARD Interview so gestottert hat!
    Aber ganz abgesehen davon, ich frage mich ob diese Geschichte auch eine zweite Runde in den Massenmedien schafft, sind Sie auch selbstkritisch?

  18. 18
    Lemmy Caution

    Die Propaganda des retro-imperialistischen Rußlands ist eigentlich nur für Linke interessant, die mit Freiheit nix anfangen wissen und bereit sind, sich mit jedem Arsch zu verbünden, der eine anti-westliche Rhetorik zum Besten gibt, egal wie naiv und verlogen die auch immer ist. Die implizite Annahme, unsere Medien hätten dort aus politischen Gründen manipuliert sind völlig gaga und sagen eigentlich mehr über den Autor der Annahme aus als über unsere Medien.

  19. 19
    Frank

    @Lemmy Caution:

    Geh doch mal auf Spiegelfechters Blog und schau dir den Text an. Das farbig markierte wurde weggeschnitten und nicht gesendet, das Interview völlig sinnfrei und sinnentleert gesendet treu dem Motto „Der böse, russische Bär“. Das ist albern, menschenverachtend.

    Hier geht es nicht um Rechts oder Links. Es geht um handfeste, wissentschaftliche Belange. Und die „öffentliche Meinung“ muss natürlich entsprechend geformt werden. Daß die erzkonservativen alten Säcke aus den USA schon Gelbsucht kriegen, wenn die Kommunismus hören, sollte auch bekannt sein. Siehe Verfolgung der Kommunisten in den USA.

    Die Atlantikbrücke wirds schon richten.

    Mahlzeit

  20. 20
    Lemmy Caution

    Och Frank,

    sag mir bitte, welche Aussagen des russischen Caudillo einen bundesrepublikanischen Demokraten überzeugen könnten?
    Schöne Worte kamen auch von Mao, Hitler oder Fidel Castro. Das ist nicht so schwierig.
    Die Ergebnisse? Rußland ist weit entfernt von unseren rechtsstaatlichen Standards. Ein Rohstoffexporteur, dessen Gini Koeffizient inzwischen bestimmte demokratie-mässig höchst fragwürdige lateinamerikanische Gesellschaften erreicht hat. Eine sehr wenig innovationsfähige Wirtschaft.

    Nun wird eben Rußland zugejubelt. Hauptsache jemand plappert diese dumpfen Parolen gegen unsere nicht perfekte, aber insgesamt vergleichsweise doch recht angenehmen westlichen Gesellschaften.

    In Amerika brauchen Kommunisten nicht verfolgt zu werden, weil die Gesellschaft dort gegen diesen Unfug beneidenswert immun ist.

  21. 21
    Aufklärer

    Zensur?

    http://blog.tagesschau.de/?p=1380

    „žWartungsarbeiten
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    das Blog befindet sich momentan im Wartungsmodus.
    Bitte rufen Sie die Seite zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal auf.
    tagesschau.de“

    Im google cache ist momentan noch alles vorhanden so wie es aussieht.

    z.B. als Kommentar

    „ž12: Dimitri
    Am 30. August 2008 um 20:37 Uhr

    Bestes Beispiel der freien weslichen Presse ist das gestrige Interview Putiins bei ARD. Announciert als komplettes Interview wurde nur ein Drittel davon und zwar mit schlechter Übersetzung gezeigt. Alle interessanten Kommentare Putins wurden ausgeschnitten. Alles, was der über Kosovo gesagt hat, über Geschehnisse im Südossetien, wo georgische Panzer über Kinder rollten, wo Frauen in Häuser gesteckt und verbrant wurden, wo Georgier beim Marschieren durch die Stadt Granaten in jeden Keller geworfen haben, wo sie noch Zivilisten vermuteten“¦

    Symbolisch, dass gleich danach eine Sendung über amerikanische Wahl lief. 320 Minuten lang. Wo gerade Putin in seinem Interview gesagt hat: „Wenn Europa eigene Interesen vergisst und nur nach Befehl aus Washington handelt, werden wir gezwungen über europäische Angelegenheiten mit Washington zu sprechen“. Diese Äusserung ist natürlich genau so zensuriert worden, wie viele anderen.“

    oder

    „žDas Interview ist eine absolute Frechheit. Zu einem Großteil gekürzt u. nach westlichem Belieben manipuliert!

    Unglaublich ihr elenden Staatssender!“

  22. 22

    @ Lemmy Caution

    Es wäre doch schön, wenn die ARD gegen Zensur – in Gestalt entstellend gekürzter Interviews – „beneidenswert immun“ wäre. Zu „freien“ Märkten (was dich interessiert) gehört auch freie Information.

  23. 23
    ich

    Och Lemmy,

    sag mir bitte, welche Aussagen des amerikanischen Caudillo einen bundesrepublikanischen Demokraten überzeugen könnten?
    Schöne Worte kamen auch von Merkel, Sarkozy oder Bush.. Das ist nicht so schwierig.
    Die Ergebnisse? Die USA sind weit entfernt von unseren rechtsstaatlichen Standards. Ein Rohstoffexporteur, dessen Gini Koeffizient inzwischen bestimmte demokratie-mässig höchst fragwürdige lateinamerikanische Gesellschaften erreicht hat. Eine sehr wenig innovationsfähige Wirtschaft.

    Nun wird eben Amerika zugejubelt. Hauptsache jemand plappert diese dumpfen Parolen gegen unsere nicht perfekte, aber insgesamt vergleichsweise doch recht angenehmen westlichen Gesellschaften.

  24. 24
    Lemmy Caution

    Och Jungs,
    wenn man in Moskau Green Cards für die USA verteilen würde, wie schnell würden die Abnehmer finden?
    wenn man in New York Green Cards für Rußland verteilen würde, wie schnell würden die Abnehmer finden?

    Die Bundesrepublik Deutschland ist eben in die westliche Wertegemeinschaft eingebunden. Das steht auch überhaupt nicht zur Debatte.

    1. Die USA ist kein Rohstoffexporteur. Gegen Rohstoffexporteure grundsätzlich läßt sich auch nix sagen. Z.B. gelingt es Rohstoffexporteuren mit intelligenten Institutionen wie Norwegen und Chile, dass die Profite aus diesen Geschäften nicht die Restwirtschaft erdrosseln. In Rußland oder Venezuela ist das aber nicht so. Dort läuft das Geld aus den Rohstoffen direkt in die Taschen von Klaquateuren des aktuellen Caudillos. Wg. nicht abgemildeter Dutch Disease Probleme, kann sich die Rest-Wirtschaft nicht entwickeln.
    2. Die Wirtschaft der USA ist sehr innovationsfähig, z.T. deshalb, weil besonders gut ausgebildete und intelligente Menschen gerne dahin auswandern. Letzteres läßt sich von Putins Rußland wohl deutlich nicht behaupten. Im Gegenteil neigt die Intelligenz dort zur Auswanderung.
    3. Der USA wird nicht zugejubelt. Stattdessen begleiten wir sie in einer kritischen Partnerschaft.

    Ihr erhaltet doch die Informationen aus dem Interview. Die überwiegende Mehrheit ordnet die „Argumente“ des Kriegsherrn Putin ohnehin ein wenig anders (und vielleicht realistischer) ein.
    Seh also keinen Grund, sich da irgendwie zu beschweren.

  25. 25

    @Aufklärer

    wenn man in Moskau Green Cards für die USA verteilen würde, wie schnell würden die Abnehmer finden?
    wenn man in New York Green Cards für Rußland verteilen würde, wie schnell würden die Abnehmer finden?

    Was hat das mit der Frage zu tun, ob man die Aussagen eines Staatsmannes in einer sinnentstellenden Art und Weise kürzen darf?

    Die Bundesrepublik Deutschland ist eben in die westliche Wertegemeinschaft eingebunden. Das steht auch überhaupt nicht zur Debatte.

    Oh doch, genau das steht zur Debatte. Warum sind „žwir“ in eine „žwestliche“ Wertegemeinschaft eingebunden und nicht in eine abendländische oder auch europäische? Spielen Tolstoi, Puschkin oder Dostojewski keine Rolle für unsere Wertegemeinschaft? Was bringt Dich dazu, unsere Werte auf ein gemeinsames Wirtschaftssystem zu reduzieren? Ich fände es ja positiv, wenn unsere Werte auf Basis von Aufklärung und Humanismus aufbauen würden, nur sehe ich keinen Grund, warum man z.B. die USA und nicht Russland in diesen Klub aufnehmen sollte. Eine gemeinsame Wertebasis ist mehr als ein gemeinsames Interesse der Politik oder der Eliten. Der „žgemeine Russe“ ist von Dir und mir gar nicht so verschieden. Er schätzt die westliche(sic!) Kultur ungemein, kennt Goethe besser, als die meisten Deutschen, schaut (auch) französische Spielfilme, hört amerikanische Musik und isst gerne mediterrane Speisen. Ich sehe keinen Grund, hier eine imaginäre Trennlinie zu ziehen, nur weil Russland idT ein autoritäreres Regierungssystem hat, als die meisten westlichen Länder.

    Ihr erhaltet doch die Informationen aus dem Interview. Die überwiegende Mehrheit ordnet die „Argumente“ des Kriegsherrn Putin ohnehin ein wenig anders (und vielleicht realistischer) ein.
    Seh also keinen Grund, sich da irgendwie zu beschweren.

    Wie soll die Mehrheit, Putins Argumente „žohnehin“ ein wenig anders einordnen, wenn sie die Argumente gar nicht kennt und von Seiten der Medien alles unternommen wird, dass dies auch so bleibt?

  26. 26
    Frank

    @Lemmy

    Rußland ist weit entfernt von unseren rechtsstaatlichen Standards.

    Welche rechtsstaatlichen Standards?

    – Abhören
    – VDS
    – Festnahmen ohne hinreichenden Tatverdacht
    – Aushebelung der Unschuldsvermutung
    – Zensur, gezielte Desinformation der Bevölkerung
    – Geduldete oder selbst durchgeführte Inhaftierung von Bundesbürgern ohne hinreichenden Tatverdacht oder gar Gerichtsurteil
    – geduldete Folter an deutschen Staatsbürgern
    – blinde Gehorsamkeit gegenüber einem Kriegstreiber

    Nein, bei diesen Punkten geht es nicht um Russland. Das alles passiert in Deutschland. Wenn es der Obrigkeit und ihrer Organe (BKA, BND, VS, MEK etc.) in den Kram passt, machen sie mit dir, was sie wollen.

    Wie heißt das so schön? Bevor man über den Dreck vor Nachbars Haustür meckert, sollte man erst mal vor der eigenen Tür kehren!

    Und daß das Interview sinnentstellend gekürzt wurde, kann ja wohl jeder mit minimalen, kognitiven Fähigkeiten feststellen.

    gruß

  27. 27
    Chr

    @Lemmy Caution: und @Lemmy Caution:

    Propaganda des retro-imperialistischen Rußlands […] sag mir bitte, welche Aussagen des russischen Caudillo einen bundesrepublikanischen Demokraten überzeugen könnten

    Diejenigen, die über ein wenigstens ausreichendes Verständnis des Völkerrechts verfügen und es zudem für die langfristige Stabilität der Völkergemeinschaft für sehr wesentlich halten, können einigen Passagen durchaus zustimmen!

    Mein Eindruck ist, du verkennst die Aufregung, die sich hier ausbreitet. Es geht sicherlich keinem/r hier darum zu behaupten, Russland sei ein Rechtsstaat, eine Vorzeigedemokratie mit blütenweißer Weste und sowieso viel toller als der Westen – ist abwegig! Um solche Überlegungen wegzuwischen, reicht der Verweis auf die jüngere Geschichte Tschetscheniens. Genauso wenig geht es darum, die getätigten Aussagen eines Putin per se als die Wahrheit zu verkaufen.

    Die implizite Annahme, unsere Medien hätten dort aus politischen Gründen manipuliert sind völlig gaga.

    Ob solch eine Interviewzerschlagung aus politischer Gründen, persönlicher Parteinahme der verantwortlichen RedakteurInnen oder sogar schlicht aus journalistischem Unvermögen heraus stattfindet – letzteres ist ziemlich unwahrscheinlich, ist an dieser Stelle überhaupt nicht erheblich! Politische Gründe wären der größere Skandal, keine Frage, es bleibt praktisch in jedem Fall ein erhebliches Presseversagen.

    Man wird aber in dem von dir verteidigten, freiheitlich verfassten Westland von insbesondere dessen Öffentlich-Rechtlichen – bedenke deren gesetzlichen Auftrag! – verlangen dürfen MÜSSEN, dass substantiiert kritische Bemerkungen über die durchaus schwierige Ambivalenz des Westens zur völkerrechtlichen Staatssouveränität von Seiten eines „Ministerpräsidenten“ einer nicht unbedeutenden Nicht-West-Nation nicht sämtlich aus einem Interview gestrichen werden. Die Regime, in denen das üblich ist, werden wohl auch von dir normalerweise anders bezeichnet.

    Die Empörung hier und in anderen Blogs fußt gerade auf einem Grundgedanken der freiheitlichen Demokratie, der freien, unbeeinflussten und ggf. staatskritischen Berichterstattung. Die Presse soll mit ihrer Öffentlichkeit mE eben gegenüber dem Bürger ein institutionelles Meinungskorrektiv gegenüber staatlichem Handeln sein – wenigstens seiner Systematik nach! Und wenn das hier nachweislich auch die ARD derart an die Wand fährt, sieht’s einfach mal richtig schlecht aus mit den Idealen, die du hier – völlig zu Recht – hochhältst!

    […] gegen unsere nicht perfekte, aber insgesamt vergleichsweise doch recht angenehmen westlichen Gesellschaften.

    Die Verteidigung demokratischer und rechtsstaatlicher Werte kann jedenfalls nicht darin bestehen, jede berechtigte oder unberechtigte Kritik mit dem Label einer reflexhaften Anti-West-Attitüde oder linkem
    Avantgardismus wegzuwischen… „Angenehm“ ist zweifelsohne nicht das entscheidende Kriterium, an dem man den Wert einer Gesellschaft berechtigterweise wird messen können und hängt ohnehin erheblich davon ab, was für einen rechtlichen oder gesellschaftlichen Status du inne hast.

  28. 28
    Chr

    @Frank: Nicht alles völlig unwahr. Um das umzupflügen, würde nicht einmal die vorangegangene Kommentarlänge reichen…

  29. 29
    Lemmy Caution

    Jetzt mal wirklich im ernst.
    Putin versucht es immer so darstellen, dass andere genauso zynisch, maßlos und machtgeil sind wie er selber.
    In westlichen Demokratien mit ihrer
    – funktionieren Gewaltenteilung
    – der vielfältigen Presse
    – der zahlreichen Möglichkeiten der wirtschaftlichen Betätigung
    – der unabhängigen Justiz
    – der demokratischen Mentallität
    läuft das aber ein wenig anders.

    Unter der Regierungszeit von Konrad Adenauer hat in diesem Land eine Westbindung stattgefunden. Dies bildet die Grundkonstante unserer Außenpolitik.
    Der „gemeine“ Russe hat fast permanent in einem brutalen Unterdrückerstaat gelebt. Ostdeutsche mögen da eine gewisse Verbundenheit empfinden (Stockholm Syndrom?). Die Mehrheit aber nicht. Ich habe nichts gegen Russen persönlich. Im Gegenteil arbeite ich mit vielen Rußland-Deutschen zusammen. Die wissen aber oft ziemlich genau, warum sie dieses Land verlassen haben, sobald dies möglich war.
    Übrigens sind auch die Polen, Tschechen, Slowaken und Ungarn sehr beunruhigt über die neuesten Entwicklung in Putins Rußland. Diese Leute haben – anders als die DDR-Bewohner – ihre eigenen demokratischen Gesellschaften geschaffen. Ich vertraue dem Urteil dieser Leute.
    Und ehrlichgesagt ist mir zeitgenössische amerikanischer Kultur (Hollywood, Business-Literatur) näher als diese Götes oder Dototschewskis. Unsere westliche Wertgemeinschaft beruht nicht auf einer (vermeintlich) elitären Kultur, sondern besitzt (im Westen) viel tiefere Wurzeln, die sich natürlich auch in der Arbeitserfahrung in unserem ähnlichen Wirtschaftssystem speist.

  30. 30
    flynn

    Was sollen diese schwachsinnigen anti-russischen Beissreflexe? Warum muss man aus allem unbedingt eine Dichotomie basteln? Es geht hier nicht darum wie scheisse Russland ist (Hint: Ziemlich scheisse.) sondern darum wie scheisse die ARD ist (Hint: Auch ziemlich scheisse.)

  31. 31
    Lemmy Caution

    flynn,
    wenn Rußland in seinen Taten ziemlich scheisse ist, aber Putin ein recht hohes Talent besitzt, Rußland an naivere Zeitgenossen als die beste Erfindung seit geschnitten Brot zu verchecken.
    Warum muß dann die ARD die propagandistischen Highlights herauspicken?

  32. 32

    @Frank

    Putin versucht es immer so darstellen, dass andere genauso zynisch, maßlos und machtgeil sind wie er selber.

    Das ist auch nicht komplett von der Hand zu weisen.

    In westlichen Demokratien mit ihrer
    – funktionieren Gewaltenteilung
    – der vielfältigen Presse
    – der zahlreichen Möglichkeiten der wirtschaftlichen Betätigung
    – der unabhängigen Justiz
    – der demokratischen Mentallität
    läuft das aber ein wenig anders.

    Darum sind „žwir“ ja auch die „žGuten“ und sollten mit aller Kraft daran arbeiten, dass die Punkte, die Du hier aufzählst auch wirklich so eingehalten werden. Es ist wenig hilfreich, wenn man in diesem Falle das Fehlverhalten der ARD damit entschuldigt, dass in Russland alles ja noch viel schlimmer ist. Das stimmt, ist aber keine Entschuldigung für das eigene Fehlverhalten. Wenn wir eine „žvielfältige“ Presse für uns beanspruchen, dann ist auch jegliche Kritik erlaubt, wenn dies in dem einen oder anderen Fall mal nicht so ist.

    Unter der Regierungszeit von Konrad Adenauer hat in diesem Land eine Westbindung stattgefunden.

    Und unter der Regierungszeit Brand hat in diesem Land die Ostpolitik stattgefunden, die auf einen Dialog mit dem damaligen Klassenfeind setzte und Wandel durch Annährung erreichen wollte und erreichte. Man kann sich nicht nur die Rosinen der Geschichte herauspicken, die den eigenen Punkt unterstreichen. Wäre Deutschland 1989 beispielsweise ein bedingungsloser US-Satellit gewesen, der nie seine Fühler nach Osten ausgestreckt hätte, wäre die Wiedervereinigung in dieser Form sicher nie möglich gewesen.

    btw.: Konrad „Konradowitsch“ Adenauer war ein Politiker, der Putin durchaus das Wasser reichen konnte.

    Dies bildet die Grundkonstante unserer Außenpolitik.

    Die Grundkonstante, das ist richtig. Aber mit dem Zusammenbruch des Kommunismus hat sich so einiges geändert. Die Welt ist multipolar geworden und (Stichwort Irakkrieg) die Bindung von Berlin an Washington ist nicht mehr alleine durch Blockdenken geprägt, sondern auch durch eine eigeneständige Interessenpolitik.

    Übrigens sind auch die Polen, Tschechen, Slowaken und Ungarn sehr beunruhigt über die neuesten Entwicklung in Putins Rußland. Diese Leute haben – anders als die DDR-Bewohner – ihre eigenen demokratischen Gesellschaften geschaffen. Ich vertraue dem Urteil dieser Leute.

    So, dann kennst Du sicher auch die Umfragen zum Raketenabwehrschild aus Tschechien und Polen. Dort lehnt die Mehrheit des Volkes eine unnötige Washington-Orientierung ab. Die übergroße Mehrheit der Ukrainer ist gegen eine NATO-Mitgliedschaft des Landes. Ich schätze mal eher, Du „žvertraust“ dem Urteil der dortigen Politeliten, aber kaum dem Urteil „ždieser Leute“.

    Und ehrlichgesagt ist mir zeitgenössische amerikanischer Kultur (Hollywood, Business-Literatur) näher als diese Götes oder Dototschewskis.

    Das glaube ich Dir sogar und dies erklärt auch Deine Denkweise.

    Unsere westliche Wertgemeinschaft beruht nicht auf einer (vermeintlich) elitären Kultur, sondern besitzt (im Westen) viel tiefere Wurzeln, die sich natürlich auch in der Arbeitserfahrung in unserem ähnlichen Wirtschaftssystem speist.

    Das Wirtschaftssystem ist viel zu jung, um signifikante kulturelle Auswirkungen zu haben. Ansonsten hätten wir auch gemeinsame Wurzeln mit Staaten wie Südkorea, Japan oder Taiwan, die sich in puncto Wirtschaftssystem kaum von Westeuropa unterscheiden. „žErstaunlicherweiser“ ist dies aber nicht der Fall. Wenn ich einen Russen treffe, sind die interkulturellen Unterschiede wesentlich geringer, als bei einem Koreaner — obgleich der Russe (lt. Dir) sein ganzes Leben lang unterdrückt wurde und andere Vorstellungen von Marktwirtschaft und Verteilungsgerechtigkeit hat.

  33. 33
    Lemmy Caution

    Und unter der Regierungszeit Brand hat in diesem Land die Ostpolitik stattgefunden, die auf einen Dialog mit dem damaligen Klassenfeind setzte und Wandel durch Annährung erreichen wollte und erreichte.

    Hä? In der Ostpolitik fand doch kein Wandel hin zur DDR statt. Mann. Wir haben in den 70ern und 80ern über die DDR gelacht. Es ging in der Ostpolitik lediglich darum, dass – da wir nun mal das überlegene System sind – dann können wir mit den Loosern wie Honecker auch ein bischen entspannter umgehen. Es ging vor allem darum, den wenigen Ostdeutschen, die sich gegen das System auflehnten, einfacher aus dem Unsinn herausbringen zu können. Die deutsche Ostpolitik war in die Entspannungspolitik der USA eingebundenen.
    Meine Interessen sehe ich nach wie vor durch eine Westbindung unterstützt. Eine Idee der Westbindung besteht darin, romantische deutsche Alleingänge von vornerein zu unterbinden.
    Bzgl des Raketenschildes änderten sich die Umfragewerte der Polen und Tschechen, als die Russen es ihnen verbieten wollten.

    Das Wirtschaftssystem ist viel zu jung, um signifikante kulturelle Auswirkungen zu haben. Ansonsten hätten wir auch gemeinsame Wurzeln mit Staaten wie Südkorea, Japan oder Taiwan, die sich in puncto Wirtschaftssystem kaum von Westeuropa unterscheiden.

    Das sind ja hochromantische Vorstellungen.
    Mein ganzes Leben und das meiner Eltern und Großeltern war stark durch das Wirtschaftssystem der freien Marktwirtschaft bestimmt. Vermutlich habe ich deshalb mit Japanern und Süd-Koreanern tatsächlich mehr gemeinsam als mit Ostdeutschen oder Russen. Übrigens bin ich 7 kyo Amateur Go-Spieler.

  34. 34

    @flynn

    Hä? In der Ostpolitik fand doch kein Wandel hin zur DDR statt.

    Vielleicht solltest Du Dich neben Hollywood und Business-Literatur auch mal ein wenig mit jüngerer Geschichte beschäftigten. Die Ostverträge scheinen Dir unbekannt zu sein. Auf dieser Basis ist eine Diskussion wohl kaum möglich.

    Mann. Wir haben in den 70ern und 80ern über die DDR gelacht.

    Welch überaus reife Aussage. Chapeau!

    Es ging in der Ostpolitik lediglich darum, dass – da wir nun mal das überlegene System sind – dann können wir mit den Loosern wie Honecker auch ein bischen entspannter umgehen.

    Loser mit zwei „žO“? Vielleicht solltest Du Dich auch mal mit der Sprache des „žüberlegenen Systems“ beschäftigen. Nicht, dass ein englisch- und deutschsprachiger Russe, der dies hier liest, noch über Dich lacht ;-)

    Meine Interessen sehe ich nach wie vor durch eine Westbindung unterstützt.

    Das bezweifele ich nicht. Nur sind „žDeine Interessen“ nicht gleich den deutschen Interessen.

    Mein ganzes Leben und das meiner Eltern und Großeltern war stark durch das Wirtschaftssystem der freien Marktwirtschaft bestimmt.

    Sicher, es gibt Menschen, deren kulturelles Verständnis über einen profanen Materialismus nicht hinausgeht. Dies ist aber zum Glück eher die Ausnahme.

  35. 35

    @ Lemmy Caution

    Jetzt mal wirklich im ernst. Putin versucht es immer so darstellen, (…)

    Verstehe. Und darum ist es begrüßenswert, wenn das Putin-Interview sinnentstellend verkürzt wird.

    Ich vermute, dass die Russen dieses ARD-liche Beispiel westlicher Pressefreiheit sehr imponierend finden.

  36. 36

    Update
    Die ARD ist auf die vielfache Kritik eingegangen und wird das vollständige Interview zeigen.

    Selbstverständlich ist unser journalistisches Interesse, das ganze Interview zu veröffentlichen.“

    …am Dienstag, den 2. September um 6:20 im WDR-Regionalprogramm…

    (selbstverständlich)

  37. 37
    Lemmy Caution

    Wenn die Ukraine einmal EU Mitglied ist, dann kann sich ja auch Rußland um einen Beitritt bemühen. Die müßten dort allerdings einiges ändern.

    Die Ostverträge bedeuteten die staatliche Anerkennung der DDR. Eine Anerkennung bedeutete aber nicht, dass wir diese Trabischrauber und Stasi-Schnüffler irgendwie ernst genommen haben. So ähnlich ist das jetzt mit Rußland. Du bist zu stark auf die Gesetzes-Texte fixiert. Sogar linke Gruppen haben sich meist scharf vom Ostblock distanziert. Mit Ausnahme von irgendwelchen DKPlern. Die bekamen 0.x % bei Wahlen.
    Mann. Mann. Mann. Redet hier vom Verständnis der jüngeren Geschichte und versucht, die Westbindung und Ostverträge auf die gleiche Ebene zu setzen, die so eine Art Äquidistanz der Bundesrepublik zwischen West und Ost zur Folge gehabt hätten. Genau das war in den frühen 70ern die Polemik-Linie von CDU-Harlinern, entsprach aber einfach nicht der Realität.

    Das Putin Interview wurde aus meiner Sicht nicht sinnentstellend wiedergegeben. Es wurden eben 50 Minuten Propaganda herausgestrichen.

    Nur sind „žDeine Interessen“ nicht gleich den deutschen Interessen.

    Sicher nicht. Die Mehrheit der Deutschen wird aber einer Abnabelung von den USA und einer Hinwendung zu Rußland wohl kaum zustimmen. Sollte es dafür eine Mehrheit geben, würde ich btw. sofort ohne Murren dieses Land verlassen und woanders neu anfangen.

    Mir unterlaufen im englischen schon einmal Rechtschreibfehler. In den internationalen Teams, in denen ich mein Geld verdiene, benutze ich für Dokumente Rechtschreibüberprüfungsprogramme. Im Email-Verkehr begehen eigentlich die meisten Leute Rechtschreibfehler. Der Umgang ist lockerer, als du es dir vielleicht vorstellen kannst. Dieser Dotoschewski kann bestimmt besser schreiben. Marktwirtschaft ist übrigens kein „amerikanisches System“. Es gab bedeutsame Beiträge von Deutschen, Österreichern, Schotten, Engländern, Peruanern, Chilenen, Kanadiern und und und.

  38. 38
    Lemmy Caution

    Welch überaus reife Aussage. Chapeau!

    Danke.
    Volxkultur jenseits der weltrevolutionären Verklemmtheit eben. :-)

  39. 39

    @Spiegelfechter

    Die Ostverträge bedeuteten die staatliche Anerkennung der DDR. Eine Anerkennung bedeutete aber nicht, dass wir diese Trabischrauber und Stasi-Schnüffler irgendwie ernst genommen haben.

    Wer ist „žwir“? Für jemanden, der bis eben, noch nicht einmal wusste, was die Ostpolitik ist, lehnst Du Dich aber ziemlich weit aus dem Fenster.

    Du bist zu stark auf die Gesetzes-Texte fixiert. Sogar linke Gruppen haben sich meist scharf vom Ostblock distanziert.

    Was hat das mit diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu tun? Nichts? Richtig!

    Redet hier vom Verständnis der jüngeren Geschichte und versucht, die Westbindung und Ostverträge auf die gleiche Ebene zu setzen,

    Na haben wir gerade eben den KVHS-Kurs „žEristische Dialektik für Anfänger“ abgeschlossen und wollen das Gelernte mal im echten Leben ausprobieren? Da solltest Du aber früher aufstehen, eine Gleichstellung kann ich aus dem Geschriebenen nicht herauslesen.

    Das Putin Interview wurde aus meiner Sicht nicht sinnentstellend wiedergegeben.

    Ich glaube auch kaum, dass ausgerechnet Du das beurteilen könntest. Aber jedem sei seine Meinung gestattet.

    Sicher nicht. Die Mehrheit der Deutschen wird aber einer Abnabelung von den USA und einer Hinwendung zu Rußland wohl kaum zustimmen.

    Warum können so große Denker, wie Du, nicht über einfache Schwarz-Weiß Vergleiche hinausdenken? Die Welt besteht aus vielen Grautönen und ist etwas komplexer, als Du es Dir zu vorstellen vermagst.

  40. 40
    Lemmy Caution

    Für jemanden, der bis eben, noch nicht einmal wusste, was die Ostpolitik ist, lehnst Du Dich aber ziemlich weit aus dem Fenster.

    Dein Argumentationsstil ist ein wenig ermüdend. Wo habe ich behauptet, dass ich nichts von der Ostpolitik gewußt hätte?
    Du solltest ein bischen an den Manieren deines Argumentationsstils arbeiten.

    Diplomatisch und wirtschaftlich standen wir den USA und Westeuropa deutlich näher als der DDR. Unsere Automobilindustrie ist eher am Wettbewerb mit Ford, GM-Opel, Renault, Toyota und Fiat gewachsen als an Trabant und Wartburg. Die DDR besaß – auch wegen der Armut der dortigen Bevölkerung – nur eine sehr geringe Bedeutung für die Exporte der bundesrepublikanischen Unternehmen.

    Na haben wir gerade eben den KVHS-Kurs „žEristische Dialektik für Anfänger“ abgeschlossen

    Deine Kenntnisse griechischer Fremdwörter ist wirklich beeindruckend. Ich hoffe für Steinbrück, dass du das irgendwie pekun äh bimbes-mässig umsetzen kannst. Also gehen wir da de acuerdo, dass die Westbindung für die außenpolitische Grundausrichtung der Bundesrepublik einen deutlich höheren Stellenwert besassen als die Ostverträge?

    Die Welt besteht aus vielen Grautönen

    Ja klar. Nur in Sachen Westbindung bin ich eben für klare Signale.

  41. 41

    Lemmy Caution? Ist das nicht ein rechtslibertärer Kollektivist und Englisch-Kenner von der Marco-Kanne-Solidarność ? Ich will dich ja nicht groß anpissen, aber deine Verteidigung der Pressezensur (hier: ARD) ist für einen, der anderswo den prinzipientreuen Liberalen mimt, doch etwas schräg. Wenn Putin also „Propaganda“ äußert, womit du meiner Meinung nach (teils) Recht hast, dann kann man immer noch
    1. den westlichen Zuschauern ein eigenes Urteilsvermögen zutrauen
    2. die Behauptungen im Putin-Interview von Experten kommentieren lassen

    Es wäre nicht nötig gewesen, die Aussagen von Putin zu entstellen.

    Wenn die ARD aus dem Interview fast alle seiner Argumente rausschneidet, besonders seine Kritik am Verhalten der westlichen Staaten im Kaukasus-Konflikt, dann ist das eindeutig Zensur, zumal die ARD ja direkt nach seinem Interview stolze 320 Minuten Zeit für die Berichterstattung über den US-Wahlkampf hatte und ansonsten z.B. auch gerne mal Westerwelle (dem „Leuchtturm der Freiheit“) 30 Minuten für ein vergleichsweise nachrangiges Interview einräumt.

    Das, was die ARD mit Putin und den Zuschauern veranstaltet hat, das war schäbig.

    Es gab von der ARD für die Zuschauer keinen Hinweis darauf, dass das Interview stark gekürzt wurde (von rund 30 Minuten auf knapp über 9 Minuten) und dass missliebige Äußerungen von Putin aus dem Interview rausgeschnitten wurden. Und immerhin etwas schäbig ist es m.E. auch, sorry, wie du „Lemmy Caution“ diese Medienmanipulation verteidigst. Lemmy, es mag gut sein, dass wir alle für dich etwas zu „links“ sind: Aber du bist kein Stück ein Liberaler. Null. Niente. Nada. Niet.

  42. 42
    nrq

    @Lemmy Caution:

    Wo habe ich behauptet, dass ich nichts von der Ostpolitik gewußt hätte?

    Für jeden, der hier mitliest, war das hier:

    Hä? In der Ostpolitik fand doch kein Wandel hin zur DDR statt. Mann. Wir haben in den 70ern und 80ern über die DDR gelacht. Es ging in der Ostpolitik lediglich darum, dass – da wir nun mal das überlegene System sind – dann können wir mit den Loosern (sic!) wie Honecker auch ein bischen entspannter umgehen.

    ein ziemlich eindeutiger Hinweis darauf. Der Schulaufsatzstil aus #37 hat das eben angelesene Google/Wikipediawissen dann sehr offensichtlich gemacht.

    Bitte sei dir bewusst, das du nicht nur mit dem Spiegelfechter diskutierst. Hier lesen auch zig andere Leute mit. Und für die ist deine offen zur Schau gestellte Ignoranz („Und ehrlichgesagt ist mir zeitgenössische amerikanischer Kultur (Hollywood, Business-Literatur) näher als diese Götes oder Dototschewskis.), auf die du nach Hinweis pampig reagierst, auch sehr ermüdend.

  43. 43

    @Lemmy Caution

    Dein Argumentationsstil ist ein wenig ermüdend. Wo habe ich behauptet, dass ich nichts von der Ostpolitik gewußt hätte?

    Das musst Du nicht „žbehaupten“, man merkt das auch so.

    Du solltest ein bischen an den Manieren deines Argumentationsstils arbeiten.

    Da hast Du natürlich recht.

    Diplomatisch und wirtschaftlich standen wir den USA und Westeuropa deutlich näher als der DDR. Unsere Automobilindustrie ist eher am Wettbewerb mit Ford, GM-Opel, Renault, Toyota und Fiat gewachsen als an Trabant und Wartburg. Die DDR besaß – auch wegen der Armut der dortigen Bevölkerung – nur eine sehr geringe Bedeutung für die Exporte der bundesrepublikanischen Unternehmen.

    Kann es sein, dass Du gerade eben in eine selbst gebuddelte Falle tappst, ohne es zu merken? Du kennst die aktuellen Aussenhandelszahlen zwischen Deutschland und Russland? Vor allem die Exportzahlen Deutschlands nach Russland?

    Deine Kenntnisse griechischer Fremdwörter ist wirklich beeindruckend. Ich hoffe für Steinbrück, dass du das irgendwie pekun äh bimbes-mässig umsetzen kannst.

    Mach Dir mal keine Sorgen um mich. Leute, die immer wieder zu einem pekuniären Schwanzlängenvergleich ausholen wollen und andauernd erwähnen müssen, wie erfolgreich sie doch im „žinternationalen Business“ seien, betrachte ich übrigens eher mit Mitleid.

    Also gehen wir da de acuerdo, dass die Westbindung für die außenpolitische Grundausrichtung der Bundesrepublik einen deutlich höheren Stellenwert besassen als die Ostverträge?

    Aber selbstverständlich. Zu Zeiten des Kalten Krieges war dem so, obgleich Deutschland (und Frankreich) unter den westlichen Staaten außergewöhnlich gute Beziehungen mit „dem Osten“ pflegten.

    Ob die einseitige Fixierung auf die Westbindung heute die beste Strategie für Deutschland ist, will ich mal in Frage stellen.

    Ja klar. Nur in Sachen Westbindung bin ich eben für klare
    Signale.

    Na, dann kannst Du Dich ja bei Merkel und ihrem Ecki bedanken. Du wirst gut bedient.

  44. 44
    Lemmy Caution

    Jungs,

    ich hab mich über Kanne auf antibuerokratieteam ungefähr so kritisch geäußert wie hier.
    Und es ist echt müssig darüber zu diskutieren, ob ich das mit den Ostverträgen von euch erfahren habe (es ist wirklich nicht so) oder nicht.
    Spiegelfechter: Du hast das eben ergoogelt.
    Lemmy: hab ich nicht.
    Spiegelfechter: hast du wohl.
    Lemmy: hab ich nicht.
    Also egal wie polemisch wir jetzt hier auch diskutieren. Das macht aber echt keinen Spaß.
    Hab übrigens in meiner Jugend von Dotoschewski Der Spieler, Die Brüder Karamasow, Schuld und Sühne und Aus einem Totenhaus sowie vor ein paar Jahren Die Dämonen gelesen. Könnt ihr mir jetzt glauben oder nicht.

    Die Ostverträge führten zu einer Art staatlichen Anerkennung der DDR. Vorher hat die Bundesrepublik sogar Botschaften abgezogen, wenn andere Länder mit der DDR Botschafter ausgetauscht haben. Diese nicht-Anerkennung behinderte die Bundesrepublik. Ausserdem wollte man menschliche Erleichterungen für die wenigen Oppositionellen in der DDR.

    2004 betrugen die Exporte nach Rußland 15.000 Mrd, in die USA 65.000 Mrd. Neuere Daten liegen mir nicht vor.

    Ich sehe Rußland wirtschaftlich vornehmlich als einen Exporteur von Rohstoffen. Natürlich haben die Russen auch eine Menge Potential. Bei dem Ausgangswert ist das auch nicht so schwierig. Programmiermässig (mein Job) sind russische offshores die billigsten. Ok, vielleicht sind die philipinos inzwischen noch billiger.
    Wirtschaften, die sich so stark auf Rohstoffe konzentrieren, laufen immer Gefahr, dass es da eine Menge Korruption, Ämterpatronage, etc. entsteht und die Kompetivität der Restwirtschaft von den einfachen Gewinnen von hochpreisigen Rohstoffen leidet (dutch disease). Venezoelanische Publizisten haben lange von Chávez Öl The devils excrement genannt.
    Norwegen und Chile haben für sowas Sparfonds, in die die windfall profits der Rohstoffe fallen. Sowas existiert in Rußland nicht.

    Im übrigen hatten westdeutsche Unternehmen in Rußland in den letzten Jahren immer wieder Probleme mit einer großen Rechtsunsicherheit zu kämpfen. Gleiche jetzt in Georgien. Rußland hat da viele Versprechen von wegen Rückzug nicht eingehalten. Hört man vielleicht aus der Wirtschaft irgendein Interesse an einem Bündnis mit Rußland?

    Rußland ist als Konsument unserer Produkte und Rohstofflieferer interessant. Auf der anderen Seite werden wir uns diesem Muskelspiel und den Drohgebährden nicht beugen. Für ex-DDR Bürger mag das normal sein. Wir in Westdeutschland werden darauf niemals eingehen.
    Und warum hat eigentlich die Bevölkerung der ehemaligen „sozialistischen Bruderländer“ wie Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn so wenig Interesse an einem Wirtschaftsbündnis mit Rußland. Die sprechen sogar sehr ähnliche Sprachen. Trotzdem scheinen sie sich in einem Sicherheitsabstand von Rußland wohler zu fühlen. Wie gesagt: Nachdem die Russen mit den Drohungen wegen des Raketenschildes anfingen, kippte dort die Stimmung hin zu pro-Raketenschild.

  45. 45

    Die ARD entschliesst sich nun doch, das komplette Interview auszustrahlen. Und zwar auf WDR, und jetzt kommts: 2. September um 6.20 Uhr in der Früh!

  46. 46

    Hallo,

    für Leute die sich generell über nicht-berichtete Fakten über den Südossetien-Konflikt und eine nicht-US-konforme Berichterstattung interessieren: ich habe gestern eine Site http://www.southossetiaconflict.org angelegt, unter anderem ist da der komplette Text vom Putin-ARD-Interview zu sehen, sowie zahlreiche andere Experteninterviews.

    Grüße,
    Sergey

  47. 47

    @ Lemmy Caution

    Jungs, ich hab mich über Kanne auf antibuerokratieteam ungefähr so kritisch geäußert wie hier.

    Das stimmt, da hast du Recht. Ich habe es mir gerade beim Antibürokraten-Kollektiv noch mal angesehen, und du formulierst es dort ziemlich deutlich und mit guter Argumentation, warum die die mit Hitlerbezug diffamierende Argumentation von Marco Kanne ablehnst.

    Offenbar gibt es bei den Rechtslibertären doch keine Einheitsmeinung. Das ist ja schon mal eine gute Nachricht. Und mein hochdrechseltes „rechtslibertärer Kollektivist (…) von der Marco-Kanne-Solidarność“ dir gegenüber kann ich getrost streichen. Es stimmt ja nicht.

    Sorry!

    2004 betrugen die Exporte nach Rußland 15.000 Mrd, in die USA 65.000 Mrd. Neuere Daten liegen mir nicht vor.

    Ein wichtiger Punkt, den du hier anführst. Ich habe mal versucht, mich mittels Internet ein wenig schlauer zu machen:

    2007 betrugen die deutsch-russischen Importe und Exporte jeweils rund 30 Milliarden Euro. Die deutsch-russischen Handelsbeziehungen boomen. Wer mehr wissen möchte, findet dies hier vielleicht ganz gut.

    Wirtschaften, die sich so stark auf Rohstoffe konzentrieren, laufen immer Gefahr, dass es da eine Menge Korruption, Ämterpatronage, etc. entsteht und die Kompetivität der Restwirtschaft von den einfachen Gewinnen von hochpreisigen Rohstoffen leidet (dutch disease).

    Das erklärt zwar nicht den georgischen Angriff auf Südossetien, und m.E. auch nicht den Konfliktverlauf des Kaukasuskrieges, ist aber meiner Meinung nach ansonsten ein guter Punkt, wenn man über Russland spricht.

    Rußland hat da viele Versprechen von wegen Rückzug nicht eingehalten.

    Richtig, aber vielleicht kommt das noch. Immerhin hat dies Putin (im vollständigen Interview…) ziemlich deutlich angekündigt.

    Rußland ist als Konsument unserer Produkte und Rohstofflieferer interessant. Auf der anderen Seite werden wir uns diesem Muskelspiel und den Drohgebährden nicht beugen. Für ex-DDR Bürger mag das normal sein. Wir in Westdeutschland werden darauf niemals eingehen

    Lemmy, es stimmt zwar: Es ist (im vollständigen Interview…) eine deutliche Drohgebärde von Putin zu erkennen. Aber, falls ich dir einen gut gemeinten Ratschlag geben könnte:

    Du würdest deutlich mehr Punkte mit diesem Argument machen, auch bei Spreeblick, wenn du auf das bei dir traditionelle (und bei dir mitunter abartig intensive…) Bashen von DDR-Bürgern einfach verzichten würdest. Das wäre mein, hoffentlich für dich annehmbarer, Ratschlag.

    Du musst das selber wissen, aber unter deinen rechtslibertären politischen Freunden, Lemmy, gerade da findest du jede Menge (deutlich überproportional!) Ex-DDR-Bürger.

  48. 48
    Pipi

    @John Dean:
    Du scheinst eine sehr vorgefasste Meinung von SPREEBLICK Besuchern zu haben.
    Dein eigenes (Bisher Gutes) ‚Terminal‘ scheint nicht mehr auszureichen. Schade

  49. 49
    Leonard Euler

    An alle: Mich wundert das Russlandbild, das viele hier im Kopf haben, nicht. Seit Jahren kommen hier Informationen aus den Massenmedien über Russland nur stark filtriert an, es scheint so als gäbe es nur negatives über das Land zu berichten.

    Dem ist nicht so!

    Russland befindet sich im Umbruch. Die Wirtschaft floriert, der Wohlstand der Menschen steigt, Putin ist beliebter denn je, der Kampf gegen die Korruption ist in vollem Gange, große Teile der Profite, die mit Rohstoffen gemacht werden, kommen dem Volk zugute: soziale Programme werden aufgebaut und neustukturiert, Infrastruktur wird aufgebaut, marode Industrien, oder solche, die noch in den Kinderschuhen stecken werden aufgepeppelt. Gleichzeitig wird nicht gleich das ganze Geld verprasst, wie z.B. in Venezuela, es wurden enorme Reserven für die Zukunft aufgebaut.

    Es gibt wieder Hoffnung in Russland.

    Woher ich das ganze weiß? Berichte aus erster Hand von Verwandten und Bekannten, die in letzter Zeit dort waren.

    Das Land hat noch einen langen Weg vor sich, aber es befindet sich auf dem richtigen Weg.

  50. 50
    RinoX

    Ja ja,,… dies ist so ein Grund warum ich die Öffentlichen Medien und ihre GEZ Steuer keinesfalls als „neutral“ Bezeichen, würde. Das ist nämlich Rechtskonservative Scheiße vom feinsten ….

    Ich zahl keine GEZ, und würden das mehr Menschen tun, würde dieses letzte Veraltete Bollwerk der Volksverhetzung auch endlich zusammenbrechen.

  51. 51
    europol

    Die ARD zensiert grundsätzlich. Es werden vermutlich nur ca. 50% der kommentierten Beiträge zu politischen Entscheidungen auf der ARD Homepage veröffentlicht. Auf dem obigen Bild sieht man auch, wer dafür mitverantwortlich ist und welche politisch/religiöse Richtung sich dahinter verbirgt.

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