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Wir alle sind ein bisschen Hitler

Juchee, wir haben eine neue Hitleranalogie. Helmut Schmidt, der Altbundeskanzler, hat Lafontaine, Obama und „Adolf Nazi“ als gleichermaßen charismatisch bezeichnet. Vielleicht wars ja nur eine verspätete Retourkutsche für Lafontaine, der Schmidt einst die Tugenden eines KZ-Wärters untergeschoben hat.

Nun sind Hitleranalogien immer ein bisschen Goebbels, weil sie hinken und zum Satzende gerne mal überschnappen. Schmidts Hitleranalogie ist in erster Linie ganz schlechter Stil und zeigt, dass es dem alten Herren zu lang gestattet war, sich gegenüber der Presse so zu verhalten, als wäre sie sein verlängertes Wohnzimmer.

Problematischer finde ich den expliziten Vergleich, den Schmidt an späterer Stelle zieht: zwischen Lafontaine und Le Pen. Schmidt sieht den Unterschied zwischen beiden darin, dass der eine rechts ist und der andere links. Es gibt noch ein paar mehr Unterschiede, die Schmidt vergisst zu erwähnen. Zum Beispiel dass der eine ein Kriegsverbrecher und Folterer ist, der andere nicht. Dass der eine wegen Aufstachelung zum Rassenhass und Verteidigung von Kriegsverbrechen verurteilt wurde, der andere nicht. Lafontaine ist aufgeblasen, Le Pen gefährlich. Zumindest war er das, inzwischen riecht er glücklicherweise ein bisschen modrig.

Bei aller Verachtung, die der Arbeit und der Rhetorik Lafontaines gebührt: Das sind unterschiedliche Kaliber. Lafontaine mag in seinem Wirkungswahn, in seiner Rattenfänger-Attitüde unsympathisch, widerlich und falsch wirken. Ein Verbrecher ist er nicht. Im ständigen Vorwurf vor allem von Seiten der SPD, er sei ein Populist, Rattenfänger und psychisch seit der Messerattacke 1990 nicht mehr ganz auf der Höhe, entlastet sich die Partei. Denn für Linkspartei und insbesondere Lafontaine gibt es eine recht einfache Erklärung:


direkt

Die SPD wäre gut beraten, Lafontaine nicht als Rattenfänger an den Pranger zu stellen. Denn damit bezeichnet sie die ganzen von Schröder, Agenda 2010 und Hartz IV enttäuschten Ex-SPD-Wähler als Ratten. Kein geeignetes Mittel, die verlorenen Anhänger zurückzugewinnen.

Zurück zur Hitleranalogie: Was Schmidt genau damit bezwecken wollte, wird wohl sein dunkles Geheimnis bleiben. Glücklicherweise. Nicht, weil unmotivierte Hitlervergleiche verboten gehören, im Gegenteil: sie haben einen angenehm demaskierenden Nebeneffekt. Sondern weil sie (meistens) so sinnlos sind. Natürlich kann man Grass mit Hitler vergleichen (wegen des Schnurrbarts), oder Angela Merkel auch (weil sie auch nicht malen kann und Haare auf dem Kopf hat). Es bedeutet nur nichts mehr. Außer, dass Lafontaine ungerechtfertigterweise einige Sympathiepunkte sammelt, als Diffamierungsopfer. Wie Hitler damals, vor der Machtergreifung.

50 Kommentare

  1. 01
    Christoph

    „Bei aller Verachtung, der der Arbeit und der Rhetorik Lafontaines gebührt“

  2. 02

    Nun ja, allzu lange ist das mit Lafontaine und seiner „Fremdarbeiter“-Hetze ja auch noch nicht her.

  3. 03
    Frédéric Valin

    @Christoph: Danke.

  4. 04

    oh! marc uwe kling, der alte slammer.

  5. 05

    Ähm. Blödes Lied by the way. Und wenn schon verraten, dann doch bitte auch die Grünen da mit rein. Die Sozis waren ja nicht ganz allein. Is doch wirklich nich fair, dass die das alles abkriegen. Nur was reimt sich auf Grünen?

    Ansonsten, Hitler Bezug eher blöd. Und Le Pen. Mit dem kann ers an Niederträchtigkeit wohl nicht aufnehmen. Ist aber mittel- bis langfristig genauso Gift für Demokratie und Freiheit, und kommt damit schon fast wieder ran an den Rechtsaußen aus Frankreich.

  6. 06
    Frédéric Valin

    @fpk: Sühnen. Erkühnen. Hünen. Du schreibst den Text, und Johnny macht nochmal den Reinhardt ;)

  7. 07

    @fpk:
    hinter allen bühnen
    verraten uns die grünen

  8. 08

    Leute ich passe. Mit eurer wortgewalt kann ichs nicht aufnehmen. :-(

    Cheers!

  9. 09

    Mal ganz ernsthaft gefragt: Wieso gebührt Lafontaines Arbeit und Rhetorik Verachtung? (Wieso nimmt ein Großteil der linken Intelligenz diesen Satz als so gegeben an, dass sie ihn nicht einmal belegen muss?)

  10. 10
    peter h aus b

    @Simon:
    Genau das hab ‚ ich mich auch grad‘ gefragt..

    Lafontaine ist alle mal wählbarer als Merkel, Westerwelle oder Steinmeier..
    Ach so, die Grünen.. Wer soll das z. Z. sein?

  11. 11
    bensen

    Der Hitlervergleich im letzen Satz krönt das Ganze ;)

  12. 12
    Frédéric Valin

    Wahrscheinlich kann man darüber trefflich streiten, ob Lafontaine der Linkspartei schadet oder nutzt. Ich finde ihn unerträglich, und ich finde seine Reden irgendwo zwischen anbiedernd und selbstherrlich. Und ich verstehe mich auch nicht in einer Schicksalgemeinschaft mit ihm.

  13. 13

    @peter h aus b: Ob er das ist, ist eine andere Frage. Ich persönlich finde das Konzept der Linkspartei eher nicht so gut. Mir ging es eher darum, wieso man Lafontaine so verteufeln muss. Kann man sich nicht inhaltlich mit ihm (d.h. seiner Partei) auseinandersetzen?

  14. 14

    Ich finde es auch etwas bedenklich, dass Lafos Doofheit schon Pseudoevidenz erlangt hat und in der öffentlichen Diskussion zu gefühlten 99 Prozent nur die angebliche Qualität und angebliche Attitüde seiner Rhetorik entwertet wird, jedoch nur zu einem Prozent über deren Inhalte debattiert. Wir sind da meines Erachtens alle etwas zu berieselt. Die Linksfraktion stellt ein paar Reden auch ins Netz, bei YouTube kann man sich Lafo live geben. Ich hoffe, ich provoziere keine allzu große Kollektiverschütterung, wenn ich äußere, dass das für mich Hand und Fuß, gar Eier hat, was der Napoleon Hitler von der Saar da sagt.

  15. 15
    Matze

    Ironie Modus an://
    So ganz verstehe ich den Hitler-Vergleich nicht.

    Hat man Hitler auch schon mit Hitler verglichen? Bevor er Reichskanzler wurde? UNd wenn ja, warum hat ihm das Bonus-Punkte gebracht?

    Und mit wem wird man einst Oskar Lafontaine vergleichen?
    //Ironie Modus aus.

    Und danke für Marc Uwe Kling.

  16. 16

    Ach so, Lafontaine geht nicht, weil er populistisch redet? Und die anderen nicht, oder was? Nenn‘ mir doch mal einen aktiven (oder nicht mehr aktiven wie Schmidt da gerade …wie traurig), in den Medien präsenten Politiker, der noch ohne Populismus auskommt. Die halten doch alle das Gros des Wählervolks für ausschließlich triebgesteuert.

    Die SPD-Politiker sind doch bloß so brastig auf ihren ehemaligen Genossen, weil der mit seinem Populismus Wähler einfängt, die früher SPD-Populisten (genauer neoliberalen Schröderianern, die die ehemalige Arbeiterpartei gekapert haben) auf den Leim gegangen sind.

    Ich würde mir aufgrund der aktuellen politischen Lage wünschen, dass zur nächsten Bundestagswahl überhaupt keiner mehr ’ne gültige Stimme abgibt. Nicht eine! Und dann will ich mal sehen, wie die in Berlin dann noch eine Regierung bilden wollen, die sie als demokratisch legitimiert ausgeben (obwohl keiner dieser Volksverarscherparteien die Mehrheit des Volkes hinter sich hat).

  17. 17
    Frédéric Valin

    @Iris: Zwischen Pest und Cholera wähle ich lieber eine Impfung. Oder eine Bananenmilch. Ist lecker und macht weniger Umstände.

  18. 18
    Claas

    Wer hat uns verraten?
    Sozialdemokraten!
    Wer war mit dabei?
    Die Grüne Partei!

  19. 19

    Bananenmilch-Partei. Klingt gut. Irgendwie nicht so verstockt wie „Linker Neoliberalimus“.

    ;-)

  20. 20

    Schmidt hätte einfach sagen sollen, dass kleine Männer der deutschen Politik noch nie gut getan haben. Das hätte das absurde Obama-Namedropping ausgeklammert und er hätte noch nicht mal Unrecht gehabt.

    Ansonsten bin ich aber schon der Meinung, dass man die rhetorischen Fähigkeiten von verschiedenen Leuten miteinander vergleichen darf. Auch mit denen Hitlers. Ich frage mich auch jedes Mal, wenn ich Lafontaine und/oder Hitler sehe, wie Menschen diesem anstrengenden Geschrei überhaupt zuhören können/konnten. Geschweige denn, sowas auch noch gut finden.

    Ach, und das hier ist großartig:

    Nun sind Hitleranalogien immer ein bisschen Goebbels, weil sie hinken und zum Satzende gerne mal überschnappen.

  21. 21
  22. 22

    das mit der retourkutsche kommt aber auch von spiegelonline.

    „Sozialdemokrat Wolfgang Thierse hält die Äußerung dagegen für eine Retourkutsche – mit 20 Jahren Verspätung.“

  23. 23

    Ich bin kein Oskarexperte und schon gar kein Fan. Aber die wenigen Interviews, Talkshowauftritte und sonstigen Äußerungen, die ich so kenne, wirken für mich moderat. Jedenfalls nicht unmoderater als die Äußerungen anderer Politiker. (Ehrlich gesagt finde ich das schrille Geschrei der anderen Parteien, sowie die Sprache auf die Linke fällt, wesentlich populistischer und argumentationsärmer als alles was Lafontaine jemals gesagt hat.)

    Klar, Lafontaines Äußerungen sind bestimmt von einem grundlegend anderen Verständnis von Wirtschaftspolitik und jenseits des sonstigen politischen Konsenses. Wer mit diesem vorherrschenden Konsens nicht einverstanden ist (so wie ich), kann ihm ja aber wenigstens mal zuhören. Hab ich mir das jedenfalls vorgenommen. Demnächst irgendwann“¦

  24. 24

    Wenn ich das Interview lese, sehe ich da wirklich keinen Hitler-Vergleich. Schmidt sagt ja nicht mal „Lafontaine ist ein charismatischer Redner, so wie Hitler auch“, o.ä.

    Er sagt sinngemäß: Lafontaine ist ein charismatischer Redner. Charismatischer Redner reicht aber nicht für gute Politik. Auch Hitler war ja ein charismatischer Politiker.

    Damit betont er einfach nur sein Argument. Hitler war ein sehr charismatischer Redner, und über seine politischen Leistungen müssen wir nicht reden. Daraus kann man erkennen, dass charismatische Reden nicht gute Politik erzwingen. Im Sinne von: wenn Lafontaine ein guter Politiker sein will, muss er auch noch andere Qualitäten demonstrieren.

  25. 25
    MaarLehne

    @Iris (16): Zwischen Pest und Cholera wähle ich lieber eine Impfung. Oder eine Bananenmilch. Ist lecker und macht weniger Umstände.
    +++++++++++++

    Dieser Kommentar spricht eine deutliche Sprache! Das Wörtchen „lecker“ in diesem Zusammenhang ist von einer nicht zu überbietenden Oberflächlichlichkeit, die den ganzen „Eingangs-Text“ ad absurdum führt. Provokation um der Provokation willen. Nur keine Umstände…

  26. 26
    Thomas

    Was ich nicht verstehe:

    Wo ist der Unterschied zwischen Lafontaine und anderen Demagogen wie Kauder, Merz, Merkel, Müntefering?… ich meine außer dem, daß letztere die Meinungsmachenden Organe (Bild, Spiegel, Stern, Focus etc.) auf „ihrer Seite“ haben…

  27. 27

    Also zumindest als ich gestern den Beitrag im Hitlerblog geschrieben habe, war auf Spon von Retourkutschen noch nichts zu lesen und bei Thierse davon auch noch nichts zu hoeren.

  28. 28

    @Martin Probst:

    huch. das habe ich eben fast wortgleich zu fred im chat gesagt:

    ich finde es völlig ok zu sagen: charisma kann es ja wohl nicht allein sein, was einen politiker ausmacht, charisma hatte hitler auch
    12:09 eigenschaftsvergleiche sind ok, gleichsetzungen nicht
    männer mit bart sind out seit hitler, deshalb kann thierse nichts werden

  29. 29

    @Malte Welding: mit der Kritik an dem Le Pen Vergleich hat er allerdings recht, vergaß ich zu erwähnen. Beide versuchen, mit illusorischem Unsinn Leute davon zu überzeugen, sie an die Macht zu bringen, allerdings verfolgt Lafontaine dabei keine dermaßen menschenverachtenden Ideologie wie Le Pen, und diesen Unterschied übergeht Schmidt.

  30. 30

    Gibt es Beweise für die Aussage „Merkel kann nicht malen“? Ich sah noch nie eins ihrer Werke. Und Hitler konnte besser Landschaften malen als ich und wahrscheinlich viele von euch es können. Just my two cents.

  31. 31
    tamtam

    Godwins Law ist gültig. (nicht nur im Internet)
    q.e.d.

  32. 32
    Frédéric Valin

    @ovit: Keine Ahnung, ob das von SpOn kommt, haben tu ichs vom Hitlerblog. Der Gedanke, dass das eine Retourkutsche sei, liegt aber auch nahe.

    @Martin Probst: Es ist kein Vergleich, aber eine Analogie. Malte meinte auch, das wäre eine Aufzählung. Seh ich nicht so: ich seh die bewusste Provokation und glaube nicht an den Impuls in Schmidt, einfach nur seinen Punkt klar machen zu wollen.

    Was Hitler-Anspielungen so problematisch macht, steht hier. Hitler ist nicht irgendein Vergleichspunkt wie meinetwegen Scheidemann oder Brandt oder Kennedy. Hitler steht für evil, und das ist es auch, was die Empörung auslöst.

    @Daniel: @MaarLehne: Es gibt ein Ereignis, das mit Lafontaine zu tun hat. Lafontaines Rhetorik und sein Hang zur Selbstdarstellung waren mir ein Nebensatz wert. Damit wollte ich zum Ausdruck bringen, dass ich nicht die Kritik an Lafontaine meine, wenn ich Schmidts Aussagen kritisiere. Sondern dass ich zwar mit der Kritik an Lafontaine als Grundhaltung einverstanden bin, sie aber in dieser Form inhaltlich (steht oben) finde.

    Dass andere auch Sandburgen bauen, steht auf einem anderen Blatt. Man kann bestimmt eine Menge gemeine Sachen über Kauder, Merz, Merkel und Müntefering sagen, aber im Gegensatz zu Lafontaine eines nicht: Sie sind keine guten Redner.

    Ich seh schon, die Einordnung Lafontaines ist eine offene Frage. Ich finde, dass er sehr viele richtige Sachen sagt. Aber ich kann mich nicht zu einem resignierten „form follows function“ durchringen.

  33. 33
    Frogster

    @tamtam: Hehe, wollte ich so auch gerade schreiben. Mit dem Nazivergleich ist in jedem Fall jegliche Sachdiskussion umgehend abgebrochen.

  34. 34

    Und von wegen verraten. Hier ein wenig Realität zu Onkel Oskars Märchenstunde: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,578251,00.html

  35. 35
    lork

    Alles was er sagt ist dass Charisma alleine keine gute Eigenschaft für einen Politiker ist. Und Hitlervergleiche sind doch allmählich was ganz normales.

  36. 36

    @fpk (34)
    Wer verlinkt denn SpOn? On? Nein, sowas.

    Die Linke? Jetzt erst recht!

    Wo gibt’s Schmidt’s „gute Politiker“? Willi Brandt ist leider schon gestorben.

  37. 37
    Viva Hammonia

    Schmidt ist der fähigste Soze aller Zeiten, das mal vorweg.

    Hitlervergleiche regen deinereinen doch nur auf, wenn sie zu den falschen Leuten gezogen werden @Frederic.
    Ansonsten kann man sich vor lauter verbal abgefeurten Hitlern und Nazis ja kaum retten…

    Zeigt aber wieder schön diese Ambivalenz, die sich wie ein roter Faden durch deine Weltanschauung fädelt.
    Und das auch noch zu so verschiedenen Sachthemen, die auf den ersten Blick überhaupt keine Konnexität aufzuweisen scheinen. Auf den ersten… Faszinierend !

  38. 38
    Martin2

    Die Aussage, dass ein charismatischer Redner noch kein guter Politiker sein muss, erklärt sich selbst. Dazu bedarf es keine Eigenschaftsvergleiche, schon gar nicht mit Hitler. Wobei mich das nicht weiter stört.
    Übrigens Hitleranalogie: Anophthalmus hitleri. Ein Käfer der nach Adolf Nazi benannt wurde. Ein brauner, räuberischer Laufkäfer, der sich gerne in Höhlen verkriecht.

  39. 39
    bloody

    Schmidt ist senil.

  40. 40

    @Martin2 (#38):
    Aber umgekehrt muss ein charismatischer Redner auch nicht unbedingt ein schlechter Politiker sein, oder? Warum werfen Lafontaines Gegner ihm ständig nur vor, WIE er redet, statt sich an dem, WAS er sagt, abzuarbeiten? Haben sie dem nichts entgegenzusetzen?

  41. 41
    Thomas

    @Iris: Weil es inhaltlich bei Lafontaine kaum was zu monieren gibt. In vielem was er sagt hat er ja recht. Hatte er auch schon als es um die Kosten der deutschen Einheit ging.
    Nein, inhaltlich können sich unserer herrschenden nicht mit ihm auseinandersetzen, weil sie dann eingestehen müssten, dass ihre Politik am Volk vorbei geht… und das, wo doch alle Nase lang irgendwo irgendwelche Wahlen sind ;)

  42. 42
    Matthäus

    Kann meinen beiden Vorrednern nur zustimmen.

    Wenn sich die SPD inhaltlich mit Lafontaine oder der Linkspartei auseinandersetzen will, muss sie sich selbst bloßstellen und zugeben, dass ihr Parteinahme angesichts ihrer mehr als asozialen Politik keinen Pfifferling mehr wert ist. APD können sie sich ja nicht nennen, das würde nicht ankommen und Ähnlichkeiten mit der Pogopartei aufweisen.

    Naja, und sich über Lafontaines Rhetorik zu beschweren ist zwar teilweise angebracht, macht aber wenig Sinn angesichts von Reden prominenter CDUler und CSUler wie Stoiber, Beckstein und Böhm. Bei denen wäre ein Hitlervergleich definitiv weit angebrachter.

    Höchstens könnte man sagen, dass es der Linkspartei nicht ganz so zuträglich ist, wenn sich Lafontaine in zu arger Polemik verliert, statt es eben ANDERS als die anderen Politiker zu machen. Nach der Politik von Rot-Grün und der Großen Koalition kann es allerdings zwangsläufig nicht mehr allviel Schaden für die Linke geben.

  43. 43
    Matthäus

    Äh.. in der dritten Zeile sollte es ParteiNAME und nicht ..nahme heißen. Sorry, konnte den Kommentar nicht bearbeiten..

  44. 44

    Toller Text, bester Spreeblick seit langem (trotz konstant hohem Niveau ;-) ). Danke. Für Schlusspointe, für den Vergleich, der „goebbelst“.

  45. 45

    Kann mich den überwiegend positiven Kritiken leider nicht anschließen. Zwar ist es richtig, dass Hitleranalogien immer ein Zeichen von Schwäche und – wie im Text gesagt – „schlechter Stil“, jedoch bin ich der Überzeugung, dass eine Gleichstellung von Lafontaine und Hitler nicht Schmidts Absicht war. Nicht in diesem Maße jedenfalls. Seine Ausführungen waren rein theoretisch auf die Eigenschaft ‚Charisma‘ bezogen, wurden aber für die Medien zum gefundenen Fressen. Damit hätte Deutschlands Lieblingskanzler a.D. allerdings rechnen müssen. Die alte Fehde mit Lafontaine spielte natürlich auch mit rein.

    Schmidt selbst hat seinen angeblichen „Vergleich“ übrigens gestern im TV-Interview auch nochmal erklärt.

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