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Not safe for work

Vorsicht. Nach dem Klick könnte Erregung einsetzen.

Es ist eine alte Weisheit von Statistikerstellern: Wenn man die Zahlen nicht kennt, dann nennt man einfach irgendwelche hinter dem Komma und erzeugt so den Anschein von Seriosität.
Daher kann der Spiegel jetzt schreiben:
„(…) waren im zu Ende gehenden Monat rund 3,08 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit.“ Mit dieser Zahl kann man sogar rechnen: „Das wären rund 115.000 weniger als im August und rund 463.000 weniger als vor einem Jahr“. Das ist zunächst einmal erfreulich, auch wenn in dem Artikel davor gewarnt wird, dass der Aufschwung vorbei ist, aber geradezu wahnsinnig erfreulich ist es, wenn man sich vor Augen führt, dass 3,2 Millionen Arbeitslose gar nicht in der Statistik auftauchen, womit wir also Minus-Nullkommaeinszwei-Millionen Arbeitslose haben.
Juchu.
Moment. Wie war das noch? Seitdem bekannt ist, dass das deutsche Jobwunder ein lustiger Statistikzauber ist, werden die 3,2 Millionen zusätzlichen Arbeitslosen doch gezählt, oder nicht?
Denn sonst hätten wir ja 6,28 Millionen Arbeitslose und das wären ja geradezu Vor-Hartz-IV-Zahlen und das kann ja nun wirklich nicht sein.

11 Kommentare

  1. 01

    Naja. Scheint ja wohl eher an der Bezeichnung „Arbeitslosengeld“ zu liegen. Hängt wohl auch mit der Zusammenlegung von Arbeistlosenhilfe und Sozialhilfe zusammen. Einen Sozialhilfeempfänger hätte man ja auch nicht automatisch als arbeitslos bezeichnet, oder?

    Wieso sollte man jemanden als arbeitslos bezeichnen, der dem Arbeitsmarkt aktuell nicht zur Verfügung steht?

  2. 02

    ist „arbeitslosengeld“ eigentlich auch die bezeichnung für das Geld, dass Menschen die kriegen, die zwar arbeiten, aber dennoch vom Staat unterstützt werden?

  3. 03
    westernworld

    was in der diskussion um den arbeitsmarktpolitischen effekt der agenda 2010 fortwährend ausgeblendet wird ist demographische wandel jedes jahr rücken weniger junge nach als alte ausgemustert werden.

    außerdem was nützen drei 400€ jobs von denen man dann doch nicht leben kann weil man sozialversicherungstechnisch außen vor ist.

  4. 04

    @christoph kratistos: Meistens ja – Arbeitslosengeld (ALG) II – auch als Hartz IV bekannt.
    (Edit: Link hinzugefügt)

  5. 05
    westernworld

    @christoph kratistos: ja beihilfen zum lebensunterhalt wie das früher hieß, harz4 für die working poor ist technisch gesehen auch hartz4 somit ist nicht jeder hartz4 empfänger immer auch arbeitslos, aber die finden soweit mir bekannt keinen eingang in die statistik, wäre ja unschön.

    der begriff des arbeitslosen sollte durch den des auskommenslosen ersetzt werden, den die implikation das wer arbeitet nicht arm ist stimmt schon lange nicht mehr.

  6. 06

    @westernworld: ich denke, dies („Arm trotz Arbeit“) ist in der Tat eine andere, vermutlich sogar die wichtigere Diskussion als die Zahlenklauberei der Statistiker…

  7. 07
    henker

    es gibt ja eh zwei verschiedene zahlen, die internationale, womit das überall gemacht wird außer hier und die deutsche, laut internationaler sind es übrigens noch weniger als mit der deutschen schreibweise, die haben ne andere definition, in deutschland gilt jeder als arbeitslos, der weniger als 15 Stunden in der Woche arbeitet

  8. 08

    So viel ich weiß, waren die Arbeitsmarktdaten schon zu Kohls Zeiten geschönt. Nur anders. Die Tricks haben sich seit dem etliche Male geändert. Rückschlüsse von damals auf heute sind wahrscheinlich nur noch als Habilitationprojekte in der Wirtschaftswissenschaft stemmbar. Ich wäre also vorsichtig.

  9. 09

    es geht hier nicht um „tricks“ sondern um die definition von arbeitslosigkeit. und jeder definiert sie für anders und hat am ende entsprechend eine andere zahl raus.
    aus dem status arbeitslosigkeit leiten sich eben eine mengen folgen für den betroffenen und den staat ab. es gibt mit sicherheit genug menschen, die sind froh nicht zu arbeiten und auch nicht arbeitslos zu sein. oder wie wäre es mit einem betroffenheitsartikel von einem schwerbehinderten und an sich arbeitsunfähigen, der trotzdem zum arbeitsamt rennen muss und sich um jeden job bewerben muss, damit ihm die leistungen nicht gestrichen werden? sowas lässt sich auch finden. machen wir dann unter dem stichwort „behördenschlamperei“.

  10. 10
    sven

    traue nur Statistiken welche du selbst manipuliert hast !

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