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Barack Obama: The Yes Man

Elender Skeptiker, der ich manchmal bin, habe ich bis zuletzt gezweifelt, ob nicht doch noch die Wahlcomputer der Firma H.O.P.P.L.A., eine 50-Trilliarden-Dollar-Zahlung von Halliburton oder gar die amerikanischen Wähler dafür sorgen würden, dass der nächste verwirrte Greis ins Weiße Haus einzieht. Und was war ich froh darüber, dass diese Zweifel der Vergangenheit angehörten, als ich heute morgen nicht den Snooze-, sondern den Twitter-Button am Handy und danach die On/Off-Taste der TV-Fernbedienung drückte, um mit noch verquollenen Augen den überragenden Sieg von Barack Obama bestätigt zu sehen.

Man kann, darf, muss die gestrige Nacht feiern, denn the real change, die tatsächliche Wende, hat mit dem Sieg von Obama über McCain bereits stattgefunden, und sie ist beinahe unabhängig von den folgenden Jahren der Obama-Präsidentschaft, die wohl niemand mit nur einem Funken Realitätssinn als heilbringenden Pfad ins Paradies erwartet. Natürlich wird er unangenehme Entscheidungen treffen. Natürlich wird er Kompromisse eingehen müssen. Und natürlich ist er US-Amerikaner und wird somit einiges von sich geben, was europäische Augenbrauen in die Höhe schnellen lässt. Doch wenn auch nur zehn Prozent dessen, was Obama in den nächsten Jahren zustande bringen wird, mit meinem Leben, meiner Haltung, meinen Wünschen für ein weltweites Zusammenleben zu tun haben werden (und die Chancen dafür stehen nach aktueller Kenntnislage gut), dann ist das ganz realistisch betrachtet im Vergleich zu seinem Vorgänger eine Steigerung, die jeden Enthusiasmus rechtfertigt.

Die wichtigste Veränderung, die diese US-Wahl in Gang gesetzt hat, ist die des Generationswechsels. Stimmungen unterliegen Veränderungen, doch die Generation, die für Barack Obama vielleicht zum ersten Mal den Weg zur Wahl gefunden hat, wird sich nicht wieder ruhig stellen oder ignorieren lassen. Nicht vom gestrigen, unfassbar hohlen und erschreckend senilen TV-Gestammel der Kauders und Schilys dieser Welt (wobei es ein Vertreter der US-Botschaft war, der Obama als möglichen „ersten akfrikanischen Präsident der USA“ bezeichnete …) und nicht von denen, die jungen Obama-Wählern fehlendes Interesse an „echten“ Inhalten vorwerfen.

Denn während Politiker in aller Welt und ganz besonders auch in Deutschland die angebliche Politikverdrossenheit der jüngeren Generationen beweinen und zwischen Respekt, Fassungslosigkeit und Arroganz taumelnd zusahen, wie Obama „nur“ mit Charme, Charisma, Humor, einem exzellenten Team, treffenden Slogans, souveränem Auftreten und klaren Worten sowohl Köpfe als auch Herzen eroberte, sprach sein Team die Sorgen, Fragen und Wünsche dieser Generationen einfach genau dort an, wo man sie trifft. Barack Obama hat seine Wähler nicht zu sich gebeten. Er ist zu ihnen gekommen. Und hat zwar nicht Wasser in Wein verwandelt, aber etwas anderes, nicht minder ungewöhnliches getan:

Er verbreitete Hoffnung, während seine Kollegen Angst predigten. Positive Motivation gegen negative. Yes statt No. Keine richtig schlechte Strategie.

Wer Obama deshalb als „falschen Messias“ bezeichnet und es gar nicht erwarten kann, endlich „seht ihr, er macht Fehler!“ rufen zu dürfen — wer also offensichtlich aus ganzem Herzen hofft, dass dieser Mann, sein Team und seine Wähler grandios untergehen werden, der dürfte bei allem Verständnis für Vorsicht gegenüber solch großer Vorschuss-Zustimmung an Zynismus kaum zu übertreffen sein. Denn wenn schon allein der Wunsch, die Hoffnung auf eine friedlichere und, ja, bessere Welt für alle und auf führende Personen, die diesen Wunsch teilen und an seiner Umsetzung arbeiten, arrogante Häme und den Wunsch nach Scheitern hervorruft:

Was bleibt dann?

Bonus-Track für diejenigen, die Maltes Bezeichnung von Bush als „Schwein“ bemängelten.

83 Kommentare

  1. 01

    Das hast Du schön gesagt.

  2. 02
    ZeroG

    Si!
    Da zudem die von allen herbeigepredigte Wirtschaftskrise zu 80% aus Psychologie besteht und 20% Liquiditätsengpass aufgrund Bankenkrise denke ich kann ein Charismatiker da am besten rausführen.

    Ansonsten wirds kaum möglich sein, schlechter als Bush zu regieren.

    Überfrachtete Erwartungen sind allerdings so gefährlich, wie 2000 die Stimmen für Nader, die Gore das Amt kosteten und so mit grünem Rückenwind der Welt Bush und den „Patriot Act/Clean Air act“ brachten etc. pp!

  3. 03
    JanM

    Johnny, kannst Du mal aufhören, meine eigenen Gedanken besser als ich in Worte zu fassen? Das nervt!

  4. 04
    Martin2

    „Ich will zehn nackte Friseusen, zehn nackte Friseusen, oh oh…“
    Ich werde ständig an diesen Song erinnert, wenn ich an den Triumph denke. Hatte eigentlich auch damit gerechnet, dass das mal aus einer Wahlkneipe ertönt.
    Obama scheint mir besonnen. Ein guter Politiker muss keine guten Antworten parat haben, sondern sich die Zeit nehmen sie zu finden. Er hört hin, er wägt ab, er überlegt. Damit hat er im Grunde allen Politikern etwas vorraus. Wir brauchen das auch in Deutschland.

  5. 05

    Sehr schön formuliert, da fehlten mir die richtigen Gedanken.

  6. 06
    Jerky

    Das hast du jetzt sowas von schön gesagt, Johnny. *strahl*

  7. 07
    Florian

    Es geht um ‚change we can believe in‘ (vgl. hier), nicht ‚change that happens‘. Beisterung erzeugt — so bei mir, und generell denke ich —, daß nun überhaupt geglaubt werden kann — Die Bestätigung der Masse durch sich selbst und vor sich selbst als einer Bewegbaren. Und dieses Phämomen, diese Erscheinung ist als ungekoppelt mit der Tat zu sehen, die aus ihr resultieren könnte. Nicht zweifle ich an, ob etwas passiert, sondern will nur das Augenmerk auf die Potentialität richten, die Obamas Bewegung mißt. Allein in Bewegung zeichnet sich Masse ab, ruhend ist sie tot. Und die tote Masse war — und ist, zB bei uns noch — die Gefahr der ‚demokratischen Systeme‘. Die Anführungsstriche beziehen sich auf diese Bewegbarkeit: Schwungmassen, kritische Massen, Massenaufgebot. Massenbedarf.

    Wenn also in Konsequenz dessen die Verschaltung Glaube-Tat, dh. die Wörtlichnahme von ‚change‘ aufgehoben werden kann, und die Schwungmasse sich selbst beschwingt, dann ändert sich etwas. Jedoch eben unabsehbar, weil ungewußt. ‚change we can blindly believe in‘. Aber vielleicht ist das auch die Gefahr der Masse. Es handelt sich um die Wörtlichnahme, die Mediokratie und das Auflösen der Wahrheiten. Rhetoriken, die inmitten ihrer Unwahrheiten ihren blinden Punkt finden lassen können, an dem sie selbst nicht gelten, um genau da erst für den Konsumenten überhaupt zu gelten. Er wird zum Wissenden, umlief er doch seinen Stillstand nur als vermeintlichen. Die Lügen der Unwahrheiten sind sozusagen die Chancen der Völker, die dazu eines tun sollten: aufmerksam Lesen; dann finden sich Druckfehler, Überschminkungen, Verzerrungen, worin das Volk seinen Platz findet. Um zu wählen, zu revoltieren und nicht zu glauben sondern zu wissen (Obacht!, s.o.).
    Die Kraft des Risses (in der Mediokratie) bewegt und macht erst die Masse, aber paradoxerweise braucht sie dazu ihre eigene Bewegung. Es ist, als würde man sich selbst anrühren: nur wenn die berührte Körperstelle den intendierten Reiz aufnimmt, ist auch die reizende Hand zufrieden. Und selbstgewiss fühlt man sich tatkräftig.

    „Schwindet das Bewußtsein von der latenten Anwesenheit der Gewalt in einem Rechtsinstitut [Staat wie Volk], so verfällt es.“ (Benjamin)

  8. 08

    Kommt zufällig die Firma H.O.P.P.L.A. aus Uppsala?

  9. 09

    Erschreckend, dass im Ergebnis insgesamt die Wahl mit gerade 52 zu 47% ausgegangen ist. Eigentlich doch ein ganz enges Höschen (falls es ein Verhältniswahlrecht gäbe).

  10. 10

    Kurz angedacht:

    Erst miese Stimmung gemacht / wenig versprochen -> Später der Held weil alles doch viel besser gekommen ist.

    Auf tolle Stimmung gemacht / zu viel versprochen -> Die Erwartungen sind viel zu hoch und am Ende steht er als Verlierer dar.

    Irgendwo ist es also auch eine Frage zwischen Ehrlichkeit und dem Versuch der trägen Masse ein positives Momentum zu verpassen. Die Chance, dass die positiv beeinflusste Masse nun nicht enttäuscht wird seh ich allerdings als eher gering an – dafür fehlt es dem Land momentan an der Kraft, um sich selbst am Schopf aus dem Sumpf zu ziehen.

  11. 11
    Carsten

    Danke für den Link zum Bonus-Track (Cheney Artikel in der FAZ). Gibt es eigentlich berechtigte Hoffnung, dass die Hinterleute um Cheney / Rumsfeld doch noch zur Rechenschaft gezogen werden?

  12. 12

    Nur kurz, weil das Thema eigentlich viel zu komplex ist, aber:

    wie Obama „žnur“ mit Charme, Charisma, Humor, einem exzellenten Team, treffenden Slogans, souveränem Auftreten

    Also, vom souveränen Auftreten jetzt vielleicht mal abgesehen, wäre Boris Jelzin da das weit bessere Beispiel. Viel Charme (Russlandtour inkl. Mütterchen herzen), Humor (kompensiert mit simulierter Bürgernähe klassische Souveränität, vgl. tlw. Bush) und weitgehender Verzicht auf Inhalte bei maximalem Spin. Bonuslevel, geht nur in Russland: Ein Großteil des Wahlkampfs fand faktisch ohne Jelzin ihn statt. Aus Gründen.

    David Axelrod (Obamas oberster Spindoktor: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,587783,00.html) hat da im Grunde nur zusammengeführt bzw. perfektioniert, was er – zugegeben – Jahre zuvor mit erfunden hat.

    Wenn ihr mal die Möglichkeit habt: Die Doku „Spin-Doktoren – Die Marionettenspieler der Macht“ vonP aul Mitchell und Tania Rakhmanova wird immer mal wieder bei Arte (und iirc Phoenix) wiederholt. Kann ich nur empfehlen:

    http://www.arte.tv/de/geschichte-gesellschaft/geschichte-am-mittwoch/903072.html

    PS: Und ja, mir wären Ratio/Inhalte im Zweifel lieber, als Emotionen/ein visionärer Führer. Wir wissen ja, wohin das führen kann. Politikverdrossenheit hin oder her.

  13. 13
    Thomas C

    @Der Postillon: 7 Millionen Hosen!

    Und sind denn die Unterschiede bei Bundestagswahlen so viel grösser?

  14. 14
    Frank Schenk

    Aber sowas von /signed Johnny!

    Mein Lieblingsabsatz:

    Denn während Politiker in aller Welt und ganz besonders auch in Deutschland die angebliche Politikverdrossenheit der jüngeren Generationen beweinen und zwischen Respekt, Fassungslosigkeit und Arroganz taumelnd zusahen, wie Obama „žnur“ mit Charme, Charisma, Humor, einem exzellenten Team, treffenden Slogans, souveränem Auftreten und klaren Worten sowohl Köpfe als auch Herzen eroberte, sprach sein Team die Sorgen, Fragen und Wünsche dieser Generationen einfach genau dort an, wo man sie trifft. Barack Obama hat seine Wähler nicht zu sich gebeten. Er ist zu ihnen gekommen.

    Er hat genau den Nerv der Menschen getroffen. Und da laut einer Statistik, die letzte Nacht im N24 gezeigt wurde etwa zwei drittel aler Amerikaner ihre Entscheidung auch an der Rasse des Kandidaten festmachen, sind 52% ein hervorragendes Ergebnis. In Zukunft und wenn Obama seinen Job gut macht, wird dieses Hautfarben-Ressentissement sicher weiter sinken.

    Ich bin frohen Mutes und hoffe, daß sich einiges ändert.

    Herzlichen Glückwunsch Mister President!

    gruß

  15. 15
    JanM

    Zum oft wiederholten Argument „Obama kann nur verlieren, weil die Erwartungen an ihn völlig überzogen sind“: Ich denke, man sollte den amerikanischen Wählern einfach mal zugestehen, dass sie vielleicht keine naiven, realitätsfernen Deppen sind, die von einem vermeintlichen Heiland zum nächsten taumeln. Ja, die Euphorie und der Pathos da drüben wirken aus kühler deutscher Sicht überzogen, aber daraus zu schließen, die US-Wähler wähnten sich dank Obama jetzt an der Schwelle zum Paradies, halte ich für falsch.

    Ich glaube, der Großteil der US-Bürger hatte und hat unter der Bush-Regierung in einem Maße zu leiden, wie man es sich als Europäer, der von dem Mann hauptsächlich seine sprachlichen Aussetzer und die Sache mit der Brezel mitbekommen hat, schwer vorstellen kann. Dass jede deutliche Veränderung da wie ein Befreiungsschlag wirkt und entsprechend emotionale Reaktionen auslöst, ist doch irgendwie nachvollziehbar. Das bedeutet doch nicht automatisch, dass man übersehen hat, dass Obama hoppala auch nur ein Mensch (und sogar eher ein Pragmatiker als Vollblut-Idealist) ist.

    Man könnte das Argument auch umdrehen und sagen: Nach 8 Jahren Bush wäre selbst ein sprechendes Tamagotchi im Oval Office eine Verbesserung. Obama kann also nur gewinnen!

  16. 16

    Und das ist genau die Stimmung, die ich meine, und die ich will. Deshalb rufe ich: Haeusler ’09!

  17. 17
    peter h aus b

    Hm, ich kann diese Euphorie nicht teilen. Klar ist Obama der wahrscheinlich bessere Präsident als Bush oder McCain, aber:
    Gibt es einen echten Unterschied? Alle sind sie in erster Linie knallharte Patrioten: America, America.. der Rest, da schaun wer ma‘..
    Und wie schon in einem Posting hier von mir geschrieben: hatten die Amerikaner denn eine Wahl? Was ausser Change würde denn funktionieren? Noch mehr nicht vorhandene Kohle in unsinnige Kriege investieren? Noch mehr GIs im Bodybag zurückkehren lassen?

    Nee, nee, ich bleib auf’m Teppich. Lasse mich aber gerne, sehr gerne in den nächsten Jahren eines Bessern belehren. Denn ein gutes Miteinander wollen wir doch alle..

  18. 18
    Thomas C

    @peter h aus b: „in erster Linie knallharte Patrioten“ .. hab ich was verpasst? Er ist patriotisch, was er als Präsdent der USA auch unbedingt sein sollte, aber „in erster Linie“ und „knallhart“? Gerade sein moderater Patriotismus hat ihn für „in erster Linie knallharte Patrioten“ angreifbar gemacht

    Und die Amerikaner hatten offensichtlich eine Wahl.

  19. 19

    Dankeschön Johnny, du sprichst mir aus dem Herzen und, trotz aller eigenen persönlichen Skepsis und Vorsicht, will ich eigentlich hoffen, dass diese Wahl etwas verändert und (so abgerissen das klingt) es ist diese Hoffnung die mich aufstehen lässt (im großen und ganzen).

  20. 20
    ZeroG

    Gibt es einen echten Unterschied?

    Zum Beispiel den, dass McCain erst Bomben auf Iran werfen, und dann mit den Verlierern dort reden will, während Obama sagt, er redet lieber vorher mal mit denen und schaut dann weiter.

  21. 21

    Bei John F. Kennedys Deutschlandbesuch war an mich noch nicht zu denken, bei der Mondlandung war meine Mutter 14 und wahrscheinlich noch Jungfrau, bei Muhammad Alis Comeback gegen Joe Frazier entschlossen sich meine Eltern, erst einmal meinen Bruder zu zeugen – und nun das! Das ich das noch erleben darf! Das ist der Mauerfall von Washington!

  22. 22

    @jo: Nu ja. Recht hast du, aber: Bei Bundestagswahlen ist es erstens kaum möglich, mit weniger Stimmen trotzdem zu gewinnen (wie Bush 2000) und nach den Umfragewerten mit bis zu 12% Differenz nenne ich 47 zu 52% immer noch ein enges Höschen. Außerdem sag ich „ganz enges Höschen“ einfach gerne.

  23. 23
    Thomas C

    @Der Postillon: Das „Höschen“ in „ganz enges Höschen“ liest sich irgendwie auch super!

  24. 24

    @Der Postillon: Danke, Mann. Das bedeutet mir viel.

  25. 25

    Selbst wenn es keine messbaren Fortschritte und Veränderungen geben sollte – was ich nicht glaube -, pflanzt Obama Hoffnung und viel positive Kraft in eine Welt, in der diese Worte beinahe verloren gingen.

  26. 26
    peter h aus b

    @Thomas C:
    Sie waren wählen, aber sie hatten keine Wahl. Was die enorme Zustimmung für Obama ja beweist!

    @ZeroG: Auch McCain hätte nicht „sofort“ gebombt. Und ob Obama das nicht auch tun wird, nach dem reden, mal sehen.

    Ich kann mir nicht helfen, aber ich bin mir fast sicher, Obama ist die Art Typ, mit dem in der Schule keiner spielen wollte. Der ist unbedeutend älter als ich, wirkt aber wie mein Opa… Ich mag den einfach nicht, der hat was zu Ehrgeiziges, zu Präsidiales, zu Überlegtes als das er auf mich wirklich sympathisch wirken könnte.

  27. 27
    peter h aus b

    Wieso krieg ich ständig „loading comment failed“? Egal.

    Mit „zu Überlegt“ meine ich, er überlegt ständig, wie er am besten rüberkommt.
    Also sehr ich bezogen. So wirkt das zumindest auf mich.

  28. 28
    peter h aus b

    SpOn:
    „Die „New York Times“ schreibt noch in der Nacht von einer „nationalen Katharsis“. Eine Läuterung, Rückbesinnung auf den „American Dream“, der zerschmettert wurde unter Bush, politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich.“

    Und was heisst das? Nichts anders als: „Wir sind die Größten, die Schönsten, die Sieger“ (Ok, das Zitat ist von Majestix in „Kampf der Gallier“, aber es trifft hier perfekt zu) Genau das ist der America Dream.
    Ich hoffe es bleibt ein Traum. Das war ja das Beste bei Bush, das die USA auf das Normalmaß zurecht gestutzt wurden, das zu ihnen passt.

  29. 29
  30. 30

    @peter h aus b: na moment mal. das ist ja die crux an der sache. schwache staaten schwächen uns alle. starke staaten bringen uns alle voran. das keine sache der meinung. das ist logik.

  31. 31
    Chr

    @Der Postillon: Und du und ich und alle sollten noch viel, viel öfter „ganz enges Höschen“ sagen!

    @all – Warum lehnt ihr euch nicht einfach mal zurück und freut euch, dass ein „Maximal-Pigmentierter“ jetzt US-Präsident ist. Wer hätte daran vor drei, vier Jahren geglaubt?

  32. 32

    „Was bleibt dann?“
    [@ J.H.]

    Beiträge,
    die von den Lesern kommentiert werden.
    Nicht immer im Sinne des Verfassers. ;-)

  33. 33

    @meistermochi: „Ganz enges Höschen“ sagen ist aber auch klasse…

    Ich warte jetzt auf den ersten deutschen Bundeskanzler mit Migrationshintergrund. Weißer als Merkel oder Steinmeier geht ja wohl gar nicht.

  34. 34
    Thomas C

    @Der Postillon: Ich! Ich! Ich!

    Und „Ganz enge Höschen“ werden Bundeswehruniform!

  35. 35
    westernworld

    es ist das kriminelle spiel nicht nur die spieler die kriminell sind, herr lessig formuliert es viel zu nett.

    follow the money

    das fand ich auch an maltes artikel bei weitem zu kurz gesprungen.

    bush böse, jetzt wird alles wieder mehr oder minder schön.

    bush war nicht allein und es ist noch lange nicht vorbei, am rande bemerkt waren auch mehr als genug demokraten an seinen verbrechen beteiligt. was mit william f. buckley und barry goldwater als backlash gegen den new deal begann hat tiefe wurzeln in amerika und sowohl das amerikanische als auch unsere staatswesen grundlegend korrumpiert. das projekt der wiederbelebung des gilded age ist noch lange nicht tot.

    und auch der amerikanische anspruch die von gott erwählte nation zu sein, qua sendung berufen die welt nach ihrem bilde zu formen ist für mich grundsäzlich inakzeptabel.
    da schenken sich demokraten und republikaner übrigens recht wenig in der hinsicht und nein der viel zitierte isolationismus ist kein widerspruch, sondern die nur die kehrseite der selben medallie.

    ein teil von mir freut sich ja durchaus das obama gewählt wurde, ein anderer fragt sich ob es nicht langfristig besser für die anderen 96% der weltbevölkerung wäre wenn die gop auch die nächsten 30 jahre regierte und das problem das amerka in jeder hinsicht darstellt ein für alle mal lösen würde. ich bin da wirklich gespalten „¦

    amerika war immer eine häßliche geschichte nur der erzähler war mal mehr mal weniger sympathisch, seine rolle als projektionsfläche tut dies leider keinen abbruch da sind die europäer im allgemeinen wie die deutschen im besonderen nicht lernfähig.

    amerika ist ein thematisches faß ohne boden es gäbe noch viel zu sagen, aber ich bin das thema irgendwie leid geworden.

  36. 36
    Chr

    @westernworld:

    amerika war immer eine häßliche geschichte

    Gott sei Dank – Europa und insbesondere Deutschland hat im Gegensatz dazu IMMER die Fackel des Humanismus und der Aufklärung hoch, hoch, HOCH getragen!

  37. 37
  38. 38
    westernworld

    @Chr:

    das habe ich nicht behauptet, aber die institutionelle und nennen wir es mal „mythologische“ kontinuität im selbstverständnis sind im gegensatz zu europa schon von anderer qualität.

    die unwidersprochene öffentliche heldenverehrung die einem john mccain für seine teilnahme an einem verbrecherischen krieg zu teil wird wäre so in deutschland nach 45 nicht denkbar.

    die kategorische nichtachtung des selbstbestimmungsrechts anderer völker sind in den usa kein wirklich kontroverses thema außerhalb einiger ethnischer minderheiten. man denke nur an mossadegh oder die sog. banana wars die liste der heldentaten ist lang.

    und sich mit dieser geschichtlichen kontinuität im gepäck als retter und bewahrer von freiheit und demokratie zu feiern ist schon ekelerregend.

  39. 39

    @Chr: Und nu? Den Amerikaner an sich abschreiben oder darf man sich über einen vergleichsweise positiven Wechsel an der Regierung freuen?

  40. 40
    westernworld

    da ich ja nicht mühsam das rad dauernd neu erfinden muß, hier ein paar links die meine grund sätzlichen problemstellung vielleicht ein wenig besser illustrieren als es ein kurzer kommentar kann „¦

    http://www.nowpublic.com/obama-cfr

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28513/1.html

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28552/1.html

  41. 41

    @Chr: nur ein wort: judenvernichtung.

  42. 42
    westernworld

    wow max, der spamfilter hat mich ja trotz links nicht gefressen, respekt!

  43. 43
    Chr

    @westernworld:

    [Sich als] bewahrer von freiheit und demokratie zu feiern ist schon ekelerregend.

    Absolut! Keine Frage! Ich gebe dir sowas von Recht! Man kann an dieser Stelle auch weiter graben und sich formidabel ereifern…

    Dennoch erscheint mir deine Darstellung, auch schon unter @westernworld:, undifferenziert – auch wenn ich zu den allerletzten gehören würde, die Stars’n’Stripes hochhalten möchten. Sicherlich lebt Europa eine andere Kultur, alles andere wäre irgendwie verwunderlich. Ob deshalb hier alles besser ist als drüben, wage ich ernstlich zu bezweifeln.

    Insbesondere wollen wir mal abwarten, wie es mit der deutschen Soldatenverehrung im Zuge der bundesrepublikanischen „Normalisierung“ weitergehen wird.

    Was ich sagen will:
    Diese Pauschalisierungen – böse Amis dort, liebe, gute Kontinentaleuropäer hier – verursachen jedenfalls bei mir ein … vorsichtig formuliert … ausgesprochen schlechtes Bauchgefühl. Natürlich muss man amerikanische Politik weiterhin kritisieren, das fällt ja meistens nicht wirklich schwer. Daraus aber gleich eine kulturelle Überlegenheit Europas bzw. Unterlegenheit der Amerikaner zu schneidern, find‘ ich ungefähr so abwegig wie den Friedensnobelpreis für Kissinger! Und so klingen deine Beiträge ein wenig, zumindest in meinen Ohren…

  44. 44

    @Der Postillon: Scharf beobachtet. Das meinte Chr (ominöser Name) ja mit seinem Beitrag.

  45. 45

    @Der Postillon: huch. sorry. bin jetzt schon ewig wach.

  46. 46
    Chr

    @meistermochi: So sieht’s mal aus!
    @Der Postillon: Wat? Wieso ominös? Ist das ansteckend? Überhaupt: Selber!

  47. 47
    westernworld

    @Der Postillon: was amerika wenn überhaupt wirklich etwas verändern wird ist es der demographische wandel, so in 30-40 jahren wird eine nichtweiße bevölkerungsmehrheit möglicherweise tatsächlich an den grundfesten des wasp- erbes sägen „¦ bis dahin würde ich amerika als den erklärten gegner einer gerechteren welt sehen.

    was auch etwas ändern wird ist das schwindende wirtschaftliche gewicht der usa was aber durchaus zu einer verstärkten nutzung millitärischer optionen beitragen könnte.

    freuen darf man sichnatürlich.
    obama ist eine schöne geste wenn man so will, aber versprechen würde ich mir nicht allzuviel davon als europäer.

    seine bedeutung liegt mehr im innenpolitisch symbolischen bereich.

    versteh mich nicht falsch ich halte barak den menschen für das redlichste was seit bobby kennedy im weißen haus saß, aber obama der politiker ist das verktorprodukt der politischen verhältnise denen er enspringt.

  48. 48

    @westernworld: „seine bedeutung liegt mehr im innenpolitisch symbolischen bereich.“

    moment mal: wer von dem us-präsidenten sicher sein will, lebt am besten IN den staaten.

    mehr als der prez zählen dort die zahlreichen kommunalen strukturen. von der führung der bundestaaten mal ganz abgesehen.

  49. 49

    @meistermochi: Immerhin. Warten wir mal ab. Dass jetzt alles gut wird erwarten ja auch die wenigsten.

  50. 50
    Agnor

    Wir brauchen auch etwas so inspirierendes in der deutschen Politik.

    Projekt: Juden für den Bundestag

  51. 51
    Edson Volkantes

    Ich hatte vor dem Zweikampf kein Problem mit beiden Kandidaten. Die politischen Marschruten war nicht wirklich fundamental unterschiedlich, beide erschienen mir durchaus wählenswert und – seien wir mal ehrlich, schlimmer als unter Bush konnte es doch nun wirklich nicht werden.

    Für Herrn McCain sprach seine Erfahrung und seine Prinzipien, die sich nicht ausschließlich an der Parteilinie orientierte. In Interviews wirkte er oft sympathisch und locker, eigentlich eine Art Dorfältester mit einem offenen Ohr für alle.
    Herr Obama erschien mir ein bisschen zu süß, irgendwie zu „charismatisch, praktisch, gut“. Schließt man allerdings die Augen und stellt sich das genaue Gegenteil von Bush vor, sieht man wohl Herrn Obama.

    Also: Egal, wer gewinnt, es wird wieder salo(o)nfähig, Amerika gut zu finden.

    Je weiter sich der eigentliche Wahlkampf jedoch entwickelte, umso unfassbarer und surrealer wurde für mich der republikanische Aspirant. Ich möchte gerne denken, dass irgendein linkischer Hintermann Herrn McCain zu dieser skandalösen Kampagne geraten hat. Oder das Herr McCain irgendwann die Erkenntnis kam, dass er eigentlich doch keinen Bock auf die Führung eines finanziell ruinierten, weltpolitisch isolierten Staates hat.

    Wie dem auch sei, ich hoffe, dass die Euphorie der Wähler etwas gedämpft wird, so dass die Erwartungen an Präsident Obama nicht so hoch sind, wenn er im Februar offiziell antritt. Er hat seinen Wahlkampf mit einem Wort wie „Change“ übertitelt. Nun muss er zumindest im Hinterkopf behalten, dass diese Worthülse von den Wählern vielleicht mit egoistischen, übertriebenen und überdrehten Inhalten ausgefüllt wird.

    Disclaimer: Ich hoffe, dass eine persönliche Note von mir, der sich sonst nur in der Beobachter- und nicht in der Kommentatorenrolle sieht, erlaubt ist.
    Ich verfolge US-Politik (wie wahrscheinlich die meisten) aus dritter Hand und begründe mein allzu lückenhaftes Hintergrundwissen mit dem intensiven Studium des brilliantesten politischen Analysten, den Amerika derzeit zu bieten hat – die Rede ist natürlich von Jon Stewart. Das Problem dabei ist leider, der Herr ist Comedian und betreibt eine Fake News Show. Deshalb verzeihe man mir meine fehlende Expertise.

  52. 52
    das

    Zum Bonustrack: Auf das Monster scheint man sich einigen zu können.

  53. 53

    @PiPi:
    Manchmal
    @westernworld:
    glaube ich an das gute im Menschen.

    Setzt allerdings voraus,
    dass der Mentor sich vom Zustand des Schreibenden überzeugt hat. [www.lotto.de/]
    Meine gezogenen Nieten sind unzählbar (Unwort).

    Alles Gute
    @PiPi

    P.S.:@westernworld:
    Ist mir doch egal

  54. 54
    westernworld

    “ Ob deshalb hier alles besser ist als drüben, wage ich ernstlich zu bezweifeln.“

    ich auch. allerdings fiele mir nicht viel ein was dort besser wäre als hier und ich hab mir das ein wenig länger als nur mal 2 wochen im urlaub live und in farbe angesehen.

    ein großteil dessen was hier in den letzten 30 jahren schief lief, eine folge, der deregulierung im nachklapp zum scheitern des bretton-woods-systems und dem damit einhergehenden verlust des primats der poltik

    amerika ist nicht nur als geographische entität, sondern muß auch, vor allem in wirtschaftlicher hinsicht, als überörtliche ideologie die hier genauso schädlich ist wie dort betrachtet werden.

    „Dennoch erscheint mir deine Darstellung, auch schon unter @westernworld (35):, undifferenziert“

    das ist das grundsätzliche problem an blogkommentaren zu komplexen themen, eine bis in alle einzelheiten differenzierte würdigung aller feinheiten würde die form sprengen und ein buch wollte ich eigentlich nicht schreiben“¦

    andererseits ist differenzierung erkenntnistheoretisch nur das mittel zur verallgemeinerung.

    sie dient zur extrapolation einer grundgesamtheit die homogen genug ist um allgemeine aussagen über sie treffen zu können.

    wo der begriff der differenzierung, aber mit dem der sog. ausgewogenheit verwechselt wird ist er meines erachtens abzulehnen.

    maßstab für die richtigkeit einer aussage kann nicht der grad ihrer schärfe oder einseitigkeit, sondern sollte der grad ihrer richtigkeit sein.

    und um noch ein mißverständnis auszuräumen ich habe über die staaten der eu auch wenig bis nichts gutes zu sagen, europa dient mir in diesem zusammenhang lediglich als refelxionswert ob der besonders in den usa viel beschworenen westlichen werte die ja auf eine gemeinsame kulturelle und ideelle identität rekurrieren.

    so und jetzt ist schluß ich bin hundemüde und bitte etwaige tippfehler und wortauslassungen zu entschuldigen.

  55. 55
    Chr

    @westernworld: Also, hmmm…

    eine bis in alle einzelheiten differenzierte würdigung aller feinheiten würde die form sprengen

    Wohl wahr.

    Ich will nicht biestig klingen, aber der Behauptung, dass „Differenzierung erkenntnistheoretisch nur das mittel zur Verallgemeinerung“ darstellt und der „extrapolation einer grundgesamtheit“ dient, „die homogen genug ist um allgemeine aussagen über sie treffen zu können“, kann mE an dieser Stelle dahinstehen, weil ich Differenzierung – nach deiner begrifflichen Festsetzung – tatsächlich schlicht Ausgewogenheit „verwechselt“ zu haben scheine.

    Allerdings tränen meine Augen, seit ich lesen durfte, dass der …

    maßstab für die richtigkeit einer aussage kann nicht der grad ihrer schärfe oder einseitigkeit, sondern sollte der grad ihrer richtigkeit sein.

    Also geht’s darum, dass derjenige Recht hat, der Recht hat…?

    Müde, genau, ich auch. Gute Nacht.

  56. 56

    Ich warte auf einen türkisch-stämmigen oder afro-deutschen Bundeskanzler. Wäre das in Deutschland möglich?

  57. 57
    Stiller

    @Andreas Avantgarde: Ich habe seit gestern auch diesen seltsamen Gedanken:
    wir haben Glück, in dieser Zeit geboren zu sein: ich habe Tschernobyl (na ja, ein eher zweifelhaftes Glück; aber etwas, das die Welt nachhaltig prägte), den Mauerfall und nun diese Wahl erlebt. Alles Dinge, über die spätere Generationen in Geschichtsbüchern nachlesen werden.

    Aber – um zum Thema zu kommen: was Obama wirklich bewegen kann; ob er den Schwung und die Begeisterung durch die kommenden 4 Jahre aufrecht erhalten kann. Und erst dann wird sich zeigen, wie „historisch“ diese Wahl war.

  58. 58

    Als wäre das Bush-Amerika der letzten Jahre
    vom eigenen Totenbett auferstanden:
    Young, gifted and black.

  59. 59

    @Stiller: wenn du Lust hast, setz dich mal über meine Website mit mir in Kontakt… suche immer Gleichgesinnte

  60. 60
    moses

    Wie armselig und verzagt müssen sich die westlichen Demokratien fühlen, wenn sie die größte Euphorie allein schon aus der Tatsache ihrer Gestaltungsfähigkeit gewinnen. Wie perspektivlos und folgewillig machen sie ihre Gedanken gleich.
    Obama wird die „richtige“ Politik machen, er wird große Teile der Probleme Amerikas, ja sogar der Welt lösen – das gebietet allein schon der Sachzwang und eine beschämende Alternative. Jedoch wurde er eben NICHT für die IDEEN gewählt, für seine Lösungen, mit denen er Glück und Frieden in die Welt tragen will. Obama ist Projektionsfläche für das Prinzip Hoffnung und die Freiheit, sie einzulösen. Das ist zu wenig.
    Im wesentlichen (es wurde auch immer fort auf diese verzerrte Dualität hinunter gebrochen) wurde zwischen „Yes“ (we can) oder „No“ (we fail) entschieden; dürftig, wenn der Gesellschaftskonsenz schon zur Politik gereicht. Zu was die „neu“ gewonnene Mündigkeit (um mal einen kantschen Begriff zu verwenden, der zeigt, dass auch „the mother land of freedom“ Quellen besitzt) gebräuchlich wäre, wurde nie thematisiert.
    Und ich bin mir sicher, dass die gleichen Euphoriker zetern werden, wenn „unangenehme Entscheidungen“ (s.o.) nicht zuletzt in den Niederungen der deutschen Realpolitik gefällt werden müssen. (O-Ton eines Sachverständigen: Obama mag zwar in Amerika links sein, aber „seine Wirtschaftspolitik liegt immer noch rechts der FDP“.)

    Es ist kein Zynismus, der Zweifel streut. Im Gegenteil, entdeckt man doch darin echte Anteilnahme und auch Kritik, denn von dieser ist niemand befreit.
    Ich wiederhole: Noch wurde keine Zukunft geschaffen, wir sind erst dazu übereingekommen, uns die Perspektive darauf zuzugestehen; der Rest liegt in der verschleiernden Nebeln des Optimismus.

  61. 61
    Thomas C

    @moses: Es wurde bereits Zukunft geschaffen. Viell. eine die Dich nicht tangiert. Dafür aber Millionen Afro-Amerikaner, Afro-Deutscher, Hispanics, Deutsch-Türken, Rumänen, Serben, Italiener …

    Diese Zukunft hat Obama und seine Kampagne geschaffen. Eine Zukunft die vor zwei Jahren niemand erahnen konnte. Ist da die Hoffung und Euphorie nicht zumindest zu verstehen?

    Wie verbittert oder engstirnig kann man sein um das Postive so stark zu verdrängen?

  62. 62
    moses

    @Thomas C:
    ad 1: Auf die Emanzipation der „Rassen“ hinzuweisen; haben schon einige US-Kommentatoren gerügt, sei ein typisch europäischer Anachronismus. In den USA sind alle Ethnien in FAST allen Ämtern und Institutionen vertreten gewesen, diese Gleichstellungsbewegung hat damit vielmehr ihr Ziel vollbracht, als „Neue Zeiten“ einzuläuten.
    ad 2: Verbittern kann nur die Realität und das Umfeld. Was du Engstirnigkeit nennst, nenne ich Stoizismus. Wenn überhaupt, dann ließe sich mir vorwerfen, dass ich mich nicht enttäuschen lassen will.

  63. 63
    Thomas C

    @moses: zu ad1: Ich unterschreibe gerne dass Amerika heute in diesem Punkt, wie früher in vielen anderen, Europa 10 Jahre vorraus ist. Damit wird die von Dir kritisierte europäische Vorfreude doch umso verständlicher.

    Mit einem „Schwarzen“ im Präsidentenamt ist aber auch in Amerika die letzte mögliche „Bastion“ gefallen. Und dieses „Symbol“ lässt sich nicht wegdiskutieren.

    Denke ich.

  64. 64
    moses

    @Thomas C: Diese Politik ist vorläufig genau das; symbolisch. Viele afroamerikanische Wähler hatten schon im Vorfeld Bedenken geäußert, der Wahlkampf würde auf Grundlage der Hautfarbe und nicht ihrer Nöte gefochten. Zwar hat Obama sich löblich davon distanziert, seinen Erfolg mit dem Rassebegriff zu erklären – in sofern ist er um einiges fortschrittlicher als die Jubelmedien. Doch hat er im Gegenzug auch nicht dargelegt, warum ihn Amerika jenseits der Gezeitenwende wählen sollte.

    p.s.: Es mutet befremdlich an, die Geschichte von Sklaverei und Freiheitskampf mit der Situation unserer Migranten gleichzusetzen.
    p.p.s.: Vielleicht verschließen wir auch nur zu gern die Augen vor den eigenen Erfolgen. Es fühlt sich so viel besser an, unveränderbar schlechter als die USA zu sein.

  65. 65

    …hatten eigentlich viele (oder sogar alle) die hier kommentieren
    schon mal direkt mit Amerikanern zu tun und waren schon mal
    „drüben“ ? Scheint so, denn wie hier über die USA und seine Menschen
    Bescheid gewusst wird ist schon beachtlich.

  66. 66
    Kommissario

    On/Off-Taste? Standby?! ICH GLAUBE WOHL, ES GEHT LOS!!!

  67. 67

    @Kommissario: Ganz klar: Kommentar der Woche! :)

  68. 68

    …erwartete Reaktion.
    Hat mal wieder geklappt. ;)

  69. 69

    @Lemmy: Manchmal bin ich so leicht zu haben „¦ ;)

  70. 70
    Thomas C

    @moses:
    Gerade das ist doch ein Verdienst Obamas. Eben das am Ende des Wahlkampfes die Herkunft nicht mehr die alles entscheidende Rolle gespielt hat. Aber es ist falsch zu behaupten, dass sie keine grosse Rolle spielte. Und es ist ein schöner Traum zu behaupten, dass seine Hautfarbe nicht das Erstaunlichste an diesem Wahlergebnis ist.

    Ich möchte und habe die amerikanische Geschichte nicht mit der der Migranten in Deutschland gleichgesetzt. Das was diese Migranten-Gruppen _heute_ erleben und in den letzten Jahren erlebt haben, unterscheidet sich in wesentlichen Punkten nicht.

  71. 71
    moses

    @Thomas C:
    Mag es sein Verdienst sein, uns (Amerika und dem anhänglichen Rest) gezeigt zu haben, dass in einer Demokratie Progression, vielleicht sogar visionäre Utopien möglich sind. Aber eben genau das wirft ein schlechtes Licht, besser einen Schatten, auf diejenigen, die ihn frenetisch bejubeln. – Es ist ein Grund zur Freude, es ist möglicher Anfang einer hoffentlich langen Kette glücklicher Ereignisse, das dieser Mann von einem (wohlgemerkt EINEM Sessel der gegenwärtigen Weltenlenker sitzt, zu Glauben jetzt lösen sich die Weltprobleme, impliziert den gleichen Allmachtsglauben, wie ihn schon Busch vertrat) bedeutsamen Platz der Politik aus wirken kann. Doch ist ernsthaft kläglich, dass wir allein die Chance schon bejubeln!
    Auch ohne Gottgesandten hatten wir jederzeit die Möglichkeit einen Unterschied zu machen. – Hope and Change hängen eben von uns selber ab, YES WE could have done it several times ago…
    Dass nun eine Kanonade nach der anderen in die allgemeinen Konfettiatmosphäre abgefeuert wird, suggeriert doch nur wieder einmal ein Zufriedenheitsgefühl, zu dem es kein Anlass gibt. Weder haben wir Europäer es geschafft, den großen Problemen entgegenzutreten, noch ist die Revitalisierung des Souveräns ein Grund entgeistert ums Häuschen zu springen. Dass Amerika nun einen Markpunkt in der Geschichte erreicht hat, hinter den es schwerlich zurückfallen kann, ist durchaus anerkennenswert; doch (Achtung! Achtung!) wir sind keine Amerikaner. Hier sollten eigene Zukunftsvisionen zu finden sein, Scham und Drang es besser zu machen.
    Doch ach, weder hinterfragende Beiträge oder Kontra, noch Selbstkritik, die so bitter nötig wäre.
    Ach…

  72. 72
    Jan(TM)

    Obama ist ein Populist und falscher Messias, sein Auftreten als Erlöser nervt und mit dem Wahlprogramm würde er auch in die CDU passen. „Saubere“ Kohlekraftwerke fördern, gegen die Schwulenehe sein, für die Todesstrafe usw usf … für all das jubelt ihr gerade.

  73. 73

    Wo sind all die Obama Gegner?

  74. 74

    @Jan(TM): Es gibt einige Äußerungen und Positionen Obamas im Vorfeld der Wahl, die ich nicht unterstütze, gerade die Sache mit der Todesstrafe ist mehr als ärgerlich und dämlich und ja, sehr populistisch. Aber: Erstmal abwarten. Und wie ich oben schon schrieb: Es gibt weit mehr Schnittmengen mit ihm als mit den meisten anderen. Den perfekten Politiker für jeden einzelnen von uns kann es gar nicht geben.

    „Falscher Messias“ geht mir etwas auf den Wecker, ich brauche, will und sehe keinen „Messias“, ob echt oder falsch.

    Mich interessiert immer sehr, wo du Alternativen siehst. Welches Land, welche Politik, welche Personen, welches System könntest du unterstützen?

  75. 75
    moses

    @Johnny Haeusler: Liegt nicht der erste politische Reflex (und manche würden auch von Pflicht und Verantwortung sprechen) darin, vor der eigenen Tür zu kehren, ergo Interesse für das eigene System/Gesellschaft/Gemeinschaft zu zeigen? – ich meine jetzt mal abseits von den politischen Skandalen und Skandälchen, die ja zur genüge unter dem Rubrum „Politik“ kursieren…

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