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Grundgesetzlich richtig.

„Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch.“ Solange ich auch nachdenke, ich kann an dieser Feststellung nichts erschreckendes finden. Gut, einen Zusatzartikel ins Grundgesetz zu schreiben ist etwas übertrieben, aber ansonsten: mir leuchtet das ein.

Es hat in Deutschland bisher noch keine sprachnormierende Politik gegeben. Selbst die Nazis waren gegen den Sprachpurismus. Dafür gab es immer wieder mal spracherhaltende Bewegungen: Im Barock zum Beispiel versuchte Philipp von Zesen, Begriffe wie Dörrleiche (für Mumie), Lotterbett (für Sofa) und Meuchelpuffer (für Pistole) durchzusetzen. Und später, im 19. Jahrhundert, hätte Joachim Heinrich Campe gerne gehabt, dass die Deutschen Menschenschlachter für Soldat sagen und Zwangsgläubiger für Katholik. Schade, dass sich das nicht durchsetzen konnte.

Abgesehen von den unterhaltsam gescheiterten Korrekturen an der deutschen Sprachbaracke ist die Liste der Übersetzungen, die die beiden vorgeschlagen haben, beeindruckend: Von Ableitung (statt Derivation) bis Sterblichkeit (statt Mortalität), von Erdgeschoss (statt Parterre) bis Voraussage (statt Prophezeiung) – allein Campe hat für 300 neue Vokabeln gesorgt. Das ist mehr, als die Lokalsportredakteure der Zeitung aus meinem Heimatdorf überhaupt beherrscht haben.

Das Auge misst mit, aber Vergleichspunkte sind schwierig zu finden. Den Gegenentwurf zur bisherigen deutschen Sprachpolitik liefert Frankreich, dessen Kulturmessianismus zwar kein leuchtendes Beispiel geistiger Offenheit abgibt, aber den CDU-Vorstoß einigermaßen relativiert. Frankreich zieht seit genau 469 Jahren eine rigide zentralistische Sprachpolitik durch, die auf dem besten Wege ist, die anderen neun Regionalsprachen aus dem Sprachenatlas zu tilgen. Gleichzeitig war Frankreich in den letzten beiden Jahrhunderten im Vergleich zu Deutschland sehr wohlwollend Einwanderern gegenüber gestimmt. Voraussetzung war, eine gemeinsame Grundlage zu finden, die es ermöglichte, zu kommunizieren: die französische Sprache. Im 19. Jahrhundert Heine, in den Nachkriegsjahren Adamov, Ionesco, Beckett, heute Ben Jelloun: alle haben (auch) französisch geschrieben. Es ist ein seltenes Phänomen, dass ein Schriftsteller aus seiner Heimatsprache herauskommt.

Frankreich liegt, was die Sprachpolitik anbelangt, am anderen Ende der Skala: Es ist ganz sicher kein leuchtendes Beispiel, zeigt aber, wie sich Dinge anders entwickeln können, wenn durch einen symbolischen Akt die Sprache zu dem erhoben wird, was sie ist. Zum wichtigsten gemeinschaftlichen Element. Man kann darüber streiten, ob ein rechtlich relativ sinnfreier Eingang ins Grundgesetz nötig ist, der vermutlich ohne jede Konsequenzen in der Rechtsprecherei bleiben wird: aber auch wenn man es nur kann, sollte man es auch. Zumindest bei etwas so Grundlegendem wie der Sprache.

Die Gegenargumente sind reichlich dünn. In der Verfassung stehe ja schon genug, hab ich immer wieder mal gelesen. Jo mei. Wer glaubt, ein simpler Satz wie „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“ überfrachte auf ewig die Verfassung, kann genauso dafür plädieren, den Passus mit den Landesfarben rauszuschmeißen. Schwarzrotgold brauchen wir eh nur alle zwei Jahre, wenn mal wieder Fußball ist, die Sprache brauchen wir immer.

Und: es sei ein wahlkampfeinheizendes Thema. So ein Quark. Natürlich geht das uns was an: natürlich beschreiben wir über darüber unsere Position. Wahlkampf. Wann ist eigentlich nicht Wahlkampf? Na gut, in der Sommerpause. Dann wäre es ein Sommerlochthema und alle schreien, sobald es aufs Tapet kommt, „Sommerlochthema“. Oder es ist eben doch irgendwo Wahlkampf, in Buxtehude wird der Bürgermeister gewählt oder in Leer der Gemeinderat. Wir sollten überhaupt nicht mehr über Grundlegendes sprechen, denn das könnte ja Wahlen beeinflussen, jemine, und verhindern, dass sich alle Kandidaten bis auf die Blutgruppe gleichen. Hinterher beklagen wir uns dann gegenseitig, dass unsere Politiker so farb- und blutlos sind, schielen verträumt nach Amerika und vergessen wieder, die eigenen Debatten ernstzunehmen. Postmodernes Deutschland, möge Benjamin von Stuckrad-Barre Deine Chroniken schreiben, anders willst Du es ja nicht verdient gehabt haben.

Und, zuletzt: die Abgrenzungstendenzen. Kann ich nicht sehen. Ich finde, so viele Migranten wie möglich sollten Deutsch sprechen, zum Beispiel um ihre Rechte wahrnehmen zu können, um am gesamtgesellschaftlichen Diskurs teilhaben zu können, um nicht nur eine Stimme zu haben, sondern sie auch nutzen zu können. Ich bin da bestimmt nicht der gleichen Auffassung wie die CDU/CSU, was Vermittlungsmethoden anbelangt, aber in der Sache, in der Sache haben sie recht:

Deutsch gehört ins Grundgesetz.

77 Kommentare

  1. 01

    Und ich dachte immer, „Dörrleiche“ wäre ein Synonym für Rentner… ;-)

    Egal – wie andernorts bereits geschrieben, bin ich der Meinung, dass Bayrisch keine Sprache und deswegen dann zukünftig verfassungswidrig ist :-D

  2. 02

    Wie du schon richtig sagst: Über die Vermittlungsmethoden kann man sich streiten. Aber Fakt ist: Wenn man in Deutschland lebt, ist man ohne gute Deutschkenntnisse eindeutig im Nachteil.

    Verwunderlich finde ich dann allerdings, dass sich in der Diskussion um einen Deutschverweise im Grundgesetz eher die Parteien stark machen, die nicht dafür bekannt sind, gute Konzepte für Integration von Ausländern zu entwickeln. Und dann stellt sich mir schon die Frage: Soll das Ganze eine Hilfe sein – oder eine Verpflichtung, die man anderen auferlegen will.

  3. 03
    Frédéric Valin

    @glamorama:blog: Ich muss eben klugscheißen: Bairisch ist eine oberdeutsche überregionale Varietät und also keine Sprache. Es gibt in Deutschland nur drei (vielleicht vier) Regionalsprachen: Deutsch, Sorbisch, Dänisch und vielleicht Friesisch. Dass sich an deren Status in den Landesverfassung irgendwas ändert, ist ein Gerücht.

    Außerdem ist bairisch toll. Insgesamt sind Dialekte toll.

  4. 04

    Die gleichen Politiker, die da Deutsch im Grundgesetz fordern, haben die Arbeitsbedingungen für „Deutsch als Fremdsprache“-Dozenten so sehr verschlechtert, dass diese ihren Beruf lieber aufgeben:

    http://www.daf-initiative.de/?Nettoeinkommen
    http://www.daf-initiative.de/?Wussten_Sie_schon…%3F

    Die Aktion „Deutsch ins Grundgesetz“ ist Symbolpolitik ohne Folgen. Das tatsächliche Problem der Integration von Zuwanderern wird dadurch kein Stück gelöst.

  5. 05
    Frédéric Valin

    @Christian: Wenn die Falschen das richtige sagen und daraus das falsche ableiten, bleibt es aber immer noch richtig. Ich will mir das Thema von der CDU nicht wegnehmen lassen.

  6. 06

    @Frédéric Valin: Wenn noch so viel Platz ist, wie wäre es dann mit einem weiteren Zusatz im Grundgesetz? „Die Hautfarbe in Deutschland ist weiß.“ Die Grundgesetzerweiterung ist eine Diskussion über ein Thema, bei dem kein aktuelles Problem besteht (denn Deutsch ist unbestritten die Sprache in Deutschland). Das Ganze zielt nur gegen Ausländer und ist ein neuer Versuch, wieder die „Deutsche Leitkultur“ anzubringen.

  7. 07
    Frédéric Valin

    @Der Postillon: Ich bin Ausländer und fühle mich nicht angezielt. Deswegen musst Du mir das erklären: Warum ist eine Regelung der gemeinsamen Kommunikationsbasis rassistisch?

  8. 08
    Nabab

    Ich fand es eigentlich immer sehr charmant, dass man die Sprache in Deutschland so unaufgeregt über ein Verwaltungsgesetz geregelt hat und damit auch noch dem Begriff Amtssprache zum Leben verholfen hatte. Denn hier regelt der Staat, was er regeln kann. Wie die Leute untereinander sprechen, kann er nicht regeln. Mein Gegenbeispiel sind die rigideren Sprachgesetze in den baltischen Staaten oder auch in der Ukraine. Dort ging die Sprachpolitik von der Intention her gegen die Dominanz des Russischen. Welchen Grund hat aber die Intention, Deutsch in das Grundgesetz aufzunehmen? Ist Deutsch dabei, auszusterben? Werden wir von einer anderen Sprache bedrängt? Sehe ich alles nicht so. Es ist Allgemeingut, dass die Sprache in Deutschland Deutsch ist. Ich halte die bisherige unaufgeregte Variante für vollkommen ausreichend.
    Übrigens finde ich die Reflexe auf diesen Parteitagsbeschluss (und es ist nur ein Parteitagsbeschluss) ziemlich witzig. Man könnte meinen, dass mancher erst jetzt mitbekommen hat, dass seine Muttersprache Deutsch ist.

  9. 09
    Felix

    Verstehe ich das Richtig?
    Wir sollen etwas ins Grundgesetz aufnehmen, das hoffentlich nichts bringt? Ich überlege mit Schrecken, was Gerichte aus diesem einfachen Satz fabrizieren können.
    Ich meine, was wurde alles aus „Die Würde des Menschen is unantastbar.“ an Rechten und Grundrechten abgeleitet? ( Allgemeines Persönlichkeitsrecht, Recht auf informationelle Selbstbestimmung oder jetzt neu: Ein Recht auf „Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme“)
    Das ist zwar alles total toll, jedoch erkennt man schön, wie weitreichend die Konsequenzen im Grundgesetz sein können. Ich halte es darum eher für fahrlässig Dinge nur so als Symbole ins GG zu packen.
    Und natürlich kratzt mich der eklige Populismus der CDU dabei.

    Disclaimer: Ich bin Laie in Sachen Verfassungsrecht. Wenn ich also überreagiere, klärt mich auf.

  10. 10
    Lebedjew

    Abusus non tollit usum bzw. verfassungsgemäß gesagt: Missbrauch hebt den rechten Gebrauch nicht auf. Und alltagspraktische Regelungen auch den Gebrauch durch die Rechten nicht.

  11. 11

    @Der Postillon: Ich persönlich finde die Aufnahme des Satzes ins Grundgesetz albern, aber nicht halb so albern wie diesen Kommentar.

  12. 12
    Frédéric Valin

    @Felix: Das soll in Artikel 22: wird also kein Grundrecht. Ob da überhaupt irgendwas einklagbar ist, ist umstritten. Wahrscheinlich eher nicht.

  13. 13
    rio

    und was ist, wenn wir in ein paar Jahrzehnten (u.a.bedingt durch das Internet) mehr Englisch als Deutsch reden? Handeln wir dann verfassungswidrig?
    Und ist das nicht auch eine Lüge? Sprechen hier etwa alle Deutschen deutsch?

    Außerdem frage ich mich, warum man nicht mehr in die Sprachbildung investiert statt nur Populismus zu betreiben und wenn man es denn festlegen will, würde doch eine Verwaltungsvorschrift auch reichen, oder?

  14. 14
    Frédéric Valin

    Ihr seid alle so unpathetisch.

    @rio: Für Amtssprache reicht eine Verwaltungsvorschrift, ja. Natürlich. Und keiner kann dich zwingen, anders zu sprechen, als Du sprichst. Aber gehts nicht genau drum: einen Konsens zu finden, wie wir miteinander sprechen? Und streiten? Und diskutieren? Einen gesellschaftlichen, keinen juristischen.

    (Und einen öffentlichen, keinen privaten.)

  15. 15
    fredge

    @Der Postillon: Ich finde es zwar gefährlich, etwas wie Sprache gesetzlich zu verankern. Aber erstens hat dies tatsächlich Vorteile für den gemeinsamen Umgang miteinander. Zweitens: Rede doch nicht so leichtfertig daher. Das sind zwei vollkommen verschiedene Dinge, die du da über einen Kamm scherst.

    Zu erstens: Neulich in Neukölln. Es war ein schwerer Unfall auf der Hermannstraße und ich ging gerade zur U-Bahn. Weil ich neugierig ob der vielen Krankenwagen, der gesperrten Straße und Polizei war, frug ich einen deutschen Türken, was denn passiert sei. Er konnte es mir nicht beantworten, weil er außer ein paar winzigen Brocken Deutsch nichts sagen konnte. Ich dachte mir, dass es schade ist, einander nicht kennenlernen zu können, weil die Sprachbarriere ein schier unüberwindbares Hindernis zu werden scheint. Und wer jetzt behauptet, man könne sich auch anders unterhalten als mit Sprache, der hat vielleicht noch nie im Ausland gelebt und sich in einer fremden Sprache versucht zu artikulieren oder der zehrt von mythisch-romantischen Vorstellungen aus seiner Kindheit. Bildung muss sein! Sprache auch!

  16. 16
    hape

    was mich an diesem Vorschlag viel mehr stört ist der Gedanke an die ganzen Leute, die dann mit so Sprüchen wie „ja gut so bevor wir mal nen türkischen Bundespräsidenten haben und wir dann alle türkisch sprechen müssen“, gehört von nem eigentlich gebildeten Menschen, ankommen und das eben zum Anlass nehmen, blöd rumzupoltern. Und das wiederum lässt dann eben zweiflen, ob die CDU nicht doch auf ein gewisses Klientel, nämlich eben die Konservativen (oft gerade junge Menschen) der Art „ich hab nix gegen Ausländer, ich hab sogar Freunde die Ausländer sind, aber…“ abzielt.

    Die Auswirkung dieses Vorschlags ist vllt gering und er ändert, wenn er denn angenommen werden würde, wenig bis nichts, aber diese unnötige Deutschtümelei und die Untergangsängste die da teilweise präsentiert werden, find ich sehr berfremdlich.

  17. 17
    Frédéric Valin

    @hape: Die Deutschtümelei find ich auch befremdlich. Den Vorschlag nicht.

    (Oder anders: Ist es schlecht, globalisierungskritisch zu sein, bloß weil es Nazis gibt, die das auch sind?)

  18. 18

    Gut, war vielleicht ein bisschen überspitzt. Aber:
    1. @Frédéric Valin: Können Türken in der U-Bahn bald Deutsch, weil es im Grundgesetz steht oder wenn man mehr in Bildung investiert?
    2. Wer kein Deutsch kann, der kann Artikel 22 noch nicht einmal lesen
    3. Eine gemeinsame Kommunikationsbasis ist durch die Amtssprache längst geregelt. Welchen Vorteil bringt eine Aufnahme also?
    4. @Frédéric: Dass ein Nicht-Deutscher, der perfekt Deutsch kann, sich nicht diskriminiert fühlt, wundert mich nicht im Geringsten.

  19. 19
    rio

    @Frédéric Valin: genau wie du es sagst: es geht darum einen Konsens zu finden: einen gesellschaftlichen, keinen juristischen. Warum diesen gesellschaftlichen Konsens also juristisch festlegen? Vor allem in Hinblick auf die Wandlungsfähigkeit gesellschaftlicher Konsense (ist das der richtige Plural?)?
    Und eben diese mögliche Wandlungsfähigkeit wird mit dieser Eintragung ins Grundgesetz negiert – vor allem aber stehen hinter einem Konsens zwar die anteilig größte Gruppe, trotzdem sollte dieser nicht die meistens ebenfalls präsenten Minderheitenmeinungen ignorieren: Auch hier wird also wieder negiert – wenn wir Deutsch ins GG aufnehmen unterlassen wir die Erwähnung von z.B. Türkisch als durchaus wichtigem kulturellem Gut einer gesellschaftlich durchaus ebenfalls relevanten Gruppe…

    Ach ja und bzgl. „Ihr seid alle so unpathetisch.“: Nicht nur ich lebe Leidenschaft in meiner Angelegenheit, man sollte immer Blick haben das Andere auch Leidenschaft bzgl. Ihrer Sache aufbringen –
    –> ums kurz zu sagen: ja bin oft pragmatisch ;-)

  20. 20

    Der Konsens, wie wir miteinander sprechen, wird jeden Tag gefunden – indem wir sprechen. Das Grundgesetz ist jedenfalls nicht dafür gedacht, Diskurse anzustoßen. Da gibt es bessere Wege.

    Natürlich überfrachtet jedes Gesetz, das unnötig ist, die Verfassung. Da braucht man auch keine anderen Beispiele hernaziehen, niemand leugnet, dass es viele unnütze Gesetze gibt. So what? Man muss einen Sachverhalt doch mal für sich betrachten. Wenn es unnötig ist, ein Gesetz zu erlassen, ist es nötig, es nicht zu erlassen blablabla. Aber so ist es nun einmal. Vor allem, wenn es um ein diffuses Gesetz wie dieses geht. Die Sprache ist Deutsch. Aber was ist Deutsch? Und wenn die Sprache nicht mehr Deutsch ist?

    Es ist schade, dass Du auf die Argumentation aufmerksam machst, dass es reines Wahlkampfgedöns, ohne dann näher drauf einzugehen sondern einen schwer verständlichen Rant schreibst. Es geht halt nicht darum, dass das Thema auch für Wahlkampfzwecke benutzt werden kann, sondern darum, dass es überhaupt nur deswegen eingebracht wurde: um ein paar Stimmen abzuholen. Mehr bezweckt der Vorschlag doch überhaupt nicht, deswegen ist es eigentich müßig, sich damit näher zu befassen.

    Interessant natürlich, dass auch dieser Artikel zum Selbstverständnis nicht ohne einen Blick zum Nachbarn auskommt :-) Aber das gehört wohl dazu.

    Die Gegenargumente sind nicht mal reichlich dünn, Du hast nur die meisten vergessen. Recht gut fand ich da diese Ansicht, die dann doch ein bisschen mehr zu bieten hat als deine 3 Beispiele.

  21. 21

    Ich gebe Dir Recht, dass nicht viel dagegen spricht, den Satz ins Grundgesetz aufzunehmen. Es spricht aber auch nicht viel dafür, an der Grundlage unserer Gesellschaft herumzudoktern.

    Ich finde das GG sollte einen Nimbus der Unantastbarkeit haben, damit es dann Schergen wie Schäuble oder Zypries nicht so einfach haben, es zu vergewaltigen.

    Das GG zu ändern muss ein großer Akt sein, der selbst am letzten Stammtisch diskutiert wird und nicht nur eine Randnotiz, weil dort vorher klargestellt wurde, dass die Erde rund ist und im Sommer manchmal die Sonne scheint.

  22. 22

    Ein Bekenntnis zur Schaffung einer gemeinsamen Kommunikationsgrundlage. In die Runde gefragt: Wer würde sich dagegenstellen?

  23. 23
    René

    Es ist zwar durchaus gerechtfertigt, die Amtssprache im Grundgesetz zu verankern, warum nicht? Aber dann sollte man wenigstens bei der Ausgestaltung des Passus die Nationalen Minderheiten nicht unter dem Tisch fallen lassen. Trotz alledem ist der Passus nun nicht zwangsweise notwendig: er verfestigt lediglich einen Status Quo. Anstelle die politische Energie nun für diesen Passus zu verschwenden, sollten wir uns lieber um die wichtigeren Dinge kümmern.

  24. 24

    Das Grundgesetz gilt in der, vom Parlamentarischen Rat verfassten, und bisher rechtmäßig veränderten Form. Dass der entsprechende Normgeber dieses Gesetz in deutscher Sprache abgefasst hagt lässt den Schluss zu dass die Bundesrepublik Deutschland zwischen der unendlichen Sprachenvielfalt der einheimischen Bevölkerung die deutsche als Nationalsprache ausgewählt hat. Dort wo es drauf an kommt, im Verwaltungs- und Prozessgesetzen, ist entsprechend geregelt dass die „Amtssprache“ deutsch sei. Das genügt.
    Das Grundgesetz ist gerade deshalb so lobenswert, weil es übersichtlich ist und kurz. Wir können jetzt nicht jedesmal wenn ein MiPrä wieder sein geltungsbedürfnis befriedigen, oder eine planlose Partei eine völlig sinnfreie Blendgranate abschießen möchte nur um die eigene Planlosigkeit zu vertuschen das Gesetz mit Nichtigkeiten füllen. Denn was kommt als nächstes? Umlauten und ß müssen von der Verfassung geschützt werden. Kindergrundrechte in die Verfassung (das ist Schwachsinn, weil Kinder die gleichen Grundrechte genißeen wie Erwachsene). Immer dann wenn die Politik von ihrer eigenen Unsicherheit und Planlosigkeit ablenken will wird voirgeschlagen irgendeinen belanglosen Schwachsinn in die Verfassung zu schreiben, das ist respektlos unserem tollen GG gegenüber! Vielmehr sollte man das GG dort ändern wo es tatsächlich verbesserungswürdig ist, bspw. bei der Ping-Pong Gesetzgebungskompetenz, welch ein Schwachsinn.

    Aber wer weiß, evtl. bewerte ich das alles falsch und alle Krisen lösen sich auf wenn der Deutsche endlich mit der Gewissheit zu Bette geht dass die deutsche Sprache von der Verfassung gewährt wird.

    Grüße,
    Torben

  25. 25

    „So lange ich auch nachdenke, ich kann an dieser Feststellung nichts erschreckendes finden.“ Ich auch nicht – aber reicht das, um den ominösen Satz tatsächlich ins GG zu nehmen? Die Diskussion um diese CDU-Idee füllt nun schon meterlang die Kommentarspalten einiger Blogs, aber ich habe bisher nirgends – auch hier nicht und erst recht nicht bei der CDU – einen Grund gefunden, der DAFÜR spricht. Leider nur ganz viele Sachen, die NICHT DAGEGEN sprechen.

  26. 26
  27. 27
    scipio

    @hs

    Warum sollten Änderungen des GG ein großer Akt sein. Zeiten ändern sich, Ansichten ändern sich, alles ändert sich. Und unantastbar ist das GG ohnehin nicht, wie man in Art. 146 lesen kann. Ein schönes Beispiel für die Nachteile einer statischen Verfassung kann man im Waffenbesitzartikel der USA erkennen. Thomas Jefferson sagte nach Einführung dieser Verfassung übrigens: „Kein Gesetz kann ewig gelten. Deshalb müssen wir darauf dringen, es spätestens alle 5 Jahre zu prüfen und ggf. zu ändern.“ Daraus wurde zwar nichts, aber die Idee ist trotzdem richtig.

  28. 28

    @scipio: Dann können wir Verfassungen u.ä. gleich abschaffen und alles über normale Gesetze regeln. Der Sinn einer Verfassung ist für mich, dass es mich vor Willkür/Populismus der aktuellen Machthabern schützt. Wenn jeder für jeden Blödsinn daran herumspielen darf, verliert es sein wesentliches Alleinstellungsmerkmal und wird zum symbolischen Spiegel der aktuellen Launen.

  29. 29
    jim

    die Farbe der Flagge und die Hauptstadt mit der Sprache zu vergleichen war wahrscheinlich ein Versuch, etwas Polemik in die Sache hinein zu bringen. Um auf der Ebene zu bleiben: vor Berlin war Bonn die Hauptstadt der BRD ;-)

  30. 30

    Wer Interesse an ganz anderen Aspekten dieser Diskussion hat, sollte

    http://www.jurblog.de/2008/12/05/deutsche-sprache-als-spaltpilz-im-widerstreit-gesellschaftlicher-kraefte/

    lesen! Ein sehr interessanter Gastbeitrag pro Deutsch im Grundgesetz.

  31. 31
    fredge

    @Der Postillon: Ich gebe dir vollkommen Recht. Ich habe ja bereits geschrieben, dass auch ich es für gefährlich halte, eine Sprach per Gesetz festzulegen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es wirklich so kommen wird, schließlich hast du schon angesprochen, dass es bereits Regelungen für die Amtssprache gibt. Nicht schlecht finde ich allerdings, dass das Thema einmal wieder angesprochen wird. Klare und eindeutige Positionen sind der Beginn einer differenzierteren, äh, nuancierteren, äh, Unterschiede herausausstellenden Debatte, die vielleicht auch zu dem Punkt kommen wird, warum so viele Einwanderer keine Lust haben, die Sprache ihres neuen Landes zu erlernen. Blickt man zu den Amerikanern, dann fragt man sich schon, warum sich dort niemand über all jene aufregen mag, die doch noch immer die Sprache ihrer alten Heimat sprechen. Auch ich finde es super und absolut spannend, wenn ich manchmal ein paar Brocken Arabisch mit meinem Späti-Mann schwätzen kann oder wenn ich was Neues auf Türkisch lerne. Zu wenige, mmh, Urdeutsche scheinen dies aber zu merken: Dass Interesse an der deutschen Sprache nur zustande kommt, wenn man auch als Deutscher Interesse an den Menschen und ihrer Sprache zeigt, die zu uns kommen und mit uns zusammen leben wollen.
    Ob ein Türke in er U-Bahn bald Deutsch sprechen kann, liegt sicherlich weder an Gesetzen noch an der reinen Möglichkeit der Bildungsofferte (äh, Angebot). Vielmehr daran, dass er merkt, wie schön es ist, sich mit anderen Leuten austauschen zu können. Und dann vielleicht in einem Deutschen auch weniger ein Opfer zu sehen als einen Mitmenschen, mit dem man gemeinsam lernen kann.

  32. 32

    @E. S.: Schön. Hat eine Weile gedauert bis ich die ähs kapiert habe.

  33. 33
    S.D.

    Zweiter Artikel der französischen Verfassung:

    „Art. 2. – La langue de la République est le français

    L’emblème national est le drapeau tricolore, bleu, blanc, rouge.

    L’hymne national est la Marseillaise.

    La devise de la République est Liberté, Égalité, Fraternité.

    Son principe est : gouvernement du peuple, par le peuple et pour le peuple.“

  34. 34
  35. 35

    Wieso ist die CDU-Spitze eigentlich gegen diese GG-Änderung?
    Vielleicht deshalb:

    „žDeutsch bleibt die Sprache der Familie, der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest, aber – Englisch wird die Arbeitssprache.“
    (Günther Oettinger)

  36. 36

    Im Gegensatz zur Sprache, war war die Landesflagge durchaus in der Diskussion. Sich auf Schwarz-Rot-Gold geeinigt zu haben, war durchaus politisches Bekenntnis. Dass hierzulande vor allem Deutsch gesprochen wird, stand aber nie, nichtmal bei den Nazis oder in der DDR, zur Debatte.

    Es geht meines Erachtens auch nicht darum, ob ein solcher Passus jetzt schaden würde, oder nicht. Es geht um das durchschaubare Manöver der CDU rein nationalistische Nullthemen besetzen zu wollen. Es geht um die Geisteshaltung einer solchen Partei und was sie – vor allem in den heutigen Zeiten – für wichtig erachtet.

  37. 37

    Wenn Deutsch vorgeschriebene, rechtlich verankerte Amtssprache wird, freue mich schon sehr darauf, künftig niemals wieder Verständigungsschwierigkeiten mit Bajuwaren, Sachsen oder Sorben durchleiden zu müssen. :D

  38. 38

    Das kommt also dabei raus wenn sich eine Partei zu den wichtigsten Themen unserer Zeit berät.
    Erbärmlich.

  39. 39
    Chr

    Ich habe den Eindruck, dass es in ausnahmslos ALLEN Politikfelder weitaus drängendere Probleme gibt als zu diskutieren, ob Deutsch als Sprache in der BRD Verfassungsrang haben sollte.

    @Frédéric Valin: Vorab und zuallererst: Ich bin KEIN Verfassungsrechtler. Immer wenn ich diesen Themenbereich berühre, sind’s zumeist nur bestimmte Grundrechte. Ich hab mir überdies das, was da hinsichtlich möglicher erklagbarer Rechte gestritten wird, bislang nicht näher angesehen und werd’s wohl auch nicht tun. Davon krieg ich eh nur Kopfweh.

    Man sollte einfach grundsätzlich die Finger vom Grundgesetz lassen, sofern Änderungen nicht zwingend erforderlich sind. Mir persönlich fallen nur wenige Grundgesetzänderungen ein, die – wenigstens nach meiner Rechtsauffassung – die Rechtslage und -praxis in Deutschland nicht erheblich verschlechtert hätten!!

    Das soll in Artikel 22: wird also kein Grundrecht. Ob da überhaupt irgendwas einklagbar ist, ist umstritten. Wahrscheinlich eher nicht.

    Fakt ist aber, dass Deutsch als Sprache eben Verfassungsrang gewinnen würde. Unabhängig vom Willen des Gesetzgebers kann das einfach nicht ohne Folgen für Verfassungsdogmatik und damit auch einfachgesetzliche Regelungen bleiben. Wie und wo sich das alles auswirken könnte, kann ich nicht absehen. Was bleibt ist Unbehagen!

    Dass diese Formulierung nicht in den Grundrechtekatalog aufgenommen wird, sagt jedenfalls nichts darüber aus, ob irgendetwas einklagbar wird. Ich vermute mal, es lässt sich aus der Aufnahme der Landessprache Deutsch ins GG schlicht kein konkretes subjektives Recht ableiten. Aber letztlich würden sich Juristen damit herumschlagen und mE gibt es keine Auffassung, die nicht irgendein Jurist vertreten würde – egal, wie abwegig sie sein sollte.

  40. 40
    Chr

    @scipio: Na ja, gerade die US-Verfassung ist gerade ein Bsp. für „lebende“ Verfassung. Dass sich die Amis auf ihr Recht zum Waffenbesitz als ein VerfassungsR berufen können, ist vornehmlich ein politisches Problem. Entschärfen könnte man den entsprechenden Zusatz jeder Zeit!

    Der Grundgesetzkatalog und seine „Ewigkeitsgarantie“ sind Segen und Plage zugleich. Insbesondere in Zeiten übersteigertem Sicherheitsdenken staatlicher Organe sind die Grundrechte meist der Rettungsanker. Andererseits steht bspw. Art. 6 GG der Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften gegenüber heterosexuellen im Wege. Die Väter (und die zwei Mütter) des GG haben bei Schwulen wohl halt pfui gedacht. Das ist tatsächlich ein erhebliches Problem, weil an dieser Stelle die gesellschaftliche Realität die Verfassungsrealität längst überholt hat und man wegen Wesentlichkeitstheorie den Kerngedanken des Art. 6 GG nicht ändern können wird. Das ist in diesem Fall halt Mist!

    @hs: So sieht’s mal aus!

  41. 41
    Jellinek

    @fredge:
    Was in Gottes Namen ist denn „gefährlich“ daran, die Landessprache in die Verfassung aufzunehmen ?? Das sind immer so Phrasen…
    Das kann doch mal ein großer Schritt sein in die Richtung, die Sprache wirklich zu fördern !
    Wir haben nicht wenige Zuwanderer, die auch nach vielen vielen Jahren noch kein anständiges deutsch sprechen und quasi nie wirklich in der dt. Gesellschaft angekommen sind. Und gerade Verständigung ist das Wichtigste, Grundlegendste, um den sozialen Frieden zu wahren. Null Bock auf Kampf der Kulturen.

    Eine sich zurückziehende, türkisch geprägte Parallelgesellschaft, die auf lange Sicht einen Staat im Staate bilden würde, kann nicht in unserem Interesse sein.
    Auch wenn ich mich jetzt äußerst unbeliebt mache, sage ich ja zur Assimilation, alles andere führt in die Katastrophe.
    Der erste und wichtigste Schritt, das zu verhindern ist die Sprache.

  42. 42

    „Was in Gottes Namen ist denn „gefährlich“ daran, die Landessprache in die Verfassung aufzunehmen ??“
    Wenn man mit solch einer Nullnummer Zeit verschwendet die für wichtigere Beschlüsse von Nöten gewesen wäre.

  43. 43

    @Chr: Alles außer Assimilation führt in die Katastrophe? Kannst du das belegen? Oder einfach nur mal behaupten?
    Durch eine Verfassungsänderung hat noch keiner eine Sprache gelernt und durch eine Grundgesetzänderung wird auch kein Integrationsmuffel Deutsch lernen.

  44. 44
    Muin

    Das Grundgesetz ist auf deutsch. Das halte ich für eine recht unmissverständliche Aussage.

  45. 45

    Na Prima

    mir bleibt nur noch das Pissoire zu erwähnen.
    (Gänglicher Sprachgebrauch für Pissbecken)

    Sehe zwar Kulturelle u. Glaubens bedingte Unterschiede.
    Einen Menschlich begründeten „SINN“
    kann ich wahrlich nicht erkennen.
    @PiPi

  46. 46
    fredge

    @Jellinek: Jens hat es schon gesagt. Es ist zunächst nicht die grundsätzliche Tatsache der Möglichkeit einer Aufnahme des Deutschen in die Verfassung in der Form eines Gesetzes. Es ist vielmehr die ideologische Komponente, die von wichtigeren Themen ablenkt und – im Sinne einer kausalen Wirkursache – nicht das eigentliche „Problem mit den Einwanderern“ beim Schopfe packt. Das Problem ist weit verzwickter als es auf ein bis dato nicht existentes Gesetz zu reduzieren.

    Ich schieße zurück: „Kampf der Kulturen“, „Eine sich zurückziehende, türkisch geprägte Parallelgesellschaft, die auf lange Sicht einen Staat im Staate bilden würde, kann nicht in unserem Interesse sein.“ Das sind ebenfalls nur Phrasen. Zum Thema Parallelgesellschaft lässt sich sehr viel schreiben und ich kenne mich damit auch nicht aus. Lediglich eine Freundin von mir hat vor kurzem im Rahmen ihres Soziologiestudiums diverse Interviews in Nord-Neukölln durchgeführt, sich mit dem Bürgermeister unterhalten und im Zuge ihrer Arbeit eine sehr genaue Defintion des Begriffs „Parallelgesellschaft“ eingebracht, der deutlich gemacht hat, dass wir nicht neben einer solchen leben, sondern noch immer gemeinsam. Ich muss das auch zugeben: Ich habe nicht das Gefühl, in Neukölln neben „den Anderen“ zu leben. Stattdessen habe ich hier vor kurzer Zeit z.B. ein Theaterstück erlebt, bei dem verschiedene Stationen innerhalb des zentralen Neuköllns besucht wurden. Dabei war auch ein türkischer Kulturverein, der nicht zu knapp bemüht war, uns zu zeigen, wie ein Miteinander aussehen kann, ohne die Kultur des jeweils Anderen zu untergraben.

    Du sagst „ja“ zur Assimilation. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass du da voll und ganz dahinterstehst. Sicherlich gibt es hierzulande viele ernstzunehmende migrationsbedingte Probleme, die nicht heruntergespielt werden dürfen. Auch ich tue nicht so als sei alles rosig. Aber mit deinem angesprochenen Versuch der Assimilation erreicht man wohl eher das Gegenteil. Eine Unterdrückung von Kultur hat, soweit ich darüber informiert bin, noch nie dazu geführt, dass Menschen glücklich wurden. Stattdessen kehrte man nur Probleme unter den Teppich, die irgendwann wieder hochkämen. Denk‘ doch nur über dich selber nach. Würdest du dir verbieten lassen, deutsch zu sein? Würdest du dir verbieten lassen, Weihnachten zu feiern, nur weil du in einem muslimisch geprägten Land lebtest? Würdest du deinen Kindern im Ausland nicht Deutsch beibringen wollen, damit sie wissen, wo sie herkommen und damit du ihnen vorlesen kannst? Würdest du nicht vielleicht auch leckeres Vollkornbrot in deinem Supermarktregal begrüßen, weil du das Weißbrot des Auslands nicht mehr ertragen könntest und würdest du dann nicht einen Supermarkt mit deutscher Kost besuchen, weil es dort alles gibt, was du aus deiner Kindheit noch kennst und was dir hilft, dich deine kulturelle! Identität nicht vergessen zu lassen?

    Als letztes noch: Wenn du interessiert daran bist, die deutsche Sprache zu pflegen, dann fang‘ doch einfach bei dir selber an und korrigiere deine Groß-, Kleinschreibung und Kommafehler. Ich sage das nicht, um dir eins auszuwischen. Aber falls man wirklich den Anspruch hat, die eigene Sprache zu pflegen, dann kann man das immer tun. Und nicht den ersten Stein werfen.

  47. 47

    @fredge:
    Um so länger ein Artikel/Kommentar desto glaubwürdiger die Antwort?

    Nicht in jedem Fall,
    fehlt der reale Bezug.

    Schade

  48. 48
    fredge

    @PiPi: Auf welche Stellen beziehst du dich genau? Ich weiß, dass ich Quellen nennen müsste, um einem allgemein gültigen Konsens von Wissenschaftlichkeit gerecht zu werden. Aber beim Schreiben war mir auch klar, dass in Blogs, zumal in den Kommentaren, zumeist nur Positionen beschrieben werden. Ich bin schon froh, wenn das Thema hier nicht morgen schon wieder in der Versenkung verschwunden ist. Schon jetzt geht es wieder um Knutschvideos. Schade.

  49. 49

    In einem Land, in dem der Friese den Bayer nicht versteht und andersherum, da sollte man sich doch die Frage stellen: Was ist Deutsch?

    Meine Antwort: Standarddeutsch ist das Konstrukt, das in den Medien benutzt wird, und das die wenigsten Menschen wirklich beherrschen. Das Konstrukt, das geschrieben wird. So glauben wir zumindest, aber auch hier lässt uns die Herkunft nicht im Stich, zum Beispiel beim Perfekt (norddeutsch) vs. Präteritum (süddeutsch) als bevorzugte Vergangenheitsform.

    Welche Notwendigkeit besteht also, sich einem solchen Konstrukt zu verpflichten?

  50. 50
    chrastorpheus

    Ob es in Deutschland noch keine sprachnormierende Politik gegeben hat, weiß ich nicht. Für Österreich scheint es aber nicht zu gelten, wenn man Karl Kraus´ Artikel „Fremdwörterschutz“ aus der Fackel 474-483 von 1918 glauben schenkt. „Der Chef des Generalstabes hat mit Erlaß Pers. Nr. 23.490 von 1917 verfügt: Seine k.u.k. Apostolische Majestät geruhten Allergnädigst anzuordnen, daß hinsichtlich jener eingelebten Fremdwörter, welche durch ungewohnte Neubildungen ersetzt wurden, der frühere Sprachgebrauch wieder herzustellen ist und daß eine Zusammenstellung der nunmehr wieder anzuwendenden Ausdrücke verlautbart werde, auf deren Gebrauch strenge zu sehen ist. Es sind daher künftig im dienstlichen Verkehr und sinngemäß für alle Formen und Zusammensetzungen folgende Wörter anzuwenden: Adresse, Aspirant, Auto, Automobil, Bibliothek, Distanz, Generator, Hughes, Instruktion, Kuvert, Legitimation, Loris, Motor, Motorwagen, Organisation, Pare (Mehrzahl Parien), Photographie, Radio, Rezepisse, Rubrum, Telegraph, Telephon, Terrain, Urgenz. Etwaige Ergänzungsanträge können eingesendet werden.“ Die Regulierung versucht also die Exzesse des durch Kriegseuphorie hervorgerufenen Sprachpurismus´ einzudämmen. Und auch wenn ich die Urgenz meines Kommentars noch in meinen Fingerspitzen spüre, bezweifle ich nun seine Relevanz für die in Rede stehende Thematik.

  51. 51
    corax

    @Chr: Das Art 6 GG unter die sogenannte „žEwigkeitsgarantie“ des Art 79 GG fällt ist ein weit verbreiteter ärgerlicher Irrtum.

    Artikel 79 Absatz 3 lautet:

    „žEine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt werden, ist unzulässig.“

    Der Schlüssel ist hier das „žund“ was oft mit „žbis“ verwechselt wird.
    Die Artikel 2 bis 19 (u.a.) lassen sich jederzeit verändern und sind es ja auch schon oft.

  52. 52
    Jellinek

    @fredge:
    Ich bin selbst polnischer „Assimilant“ oder „Integrant“, wie auch immer. Ich halte es für eine Selbstverständlichkeit, sich die Sprache eines Landes anzueignen, in dem man leben möchte bzw. lebt.
    Wenn ich türkische Mitbürger sehe, die immer noch kein deutsch können, obwohl sie hier Jahre leben und Deutsche beschimpfen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln.
    Es hängt auch nicht wenig von dem Willen eines Zuwanderers ab, sich in eine Gesellschaft zu integrieren. Sprache ist dabei das Mindeste.
    Davon, dass die Kinder türkischer Einwanderer wohl auch in der 4., 5. und 6. Generation größtenteils noch Ufuk, Rukiye und Erdinc heißen werden, rede ich garnicht erst. Hinzu kommt der politische Einfluss über Moscheen, sich bloß nicht zu sehr zu integrieren und viele vieles mehr.
    Alles in allem verstehe ich die Deutschen nicht.
    Diese grenzenlose, blauäugige Toleranz wird nochmal große Probleme bringen. Und eigene Interessen werden als „nazihaft“ verunglimpft.

  53. 53

    @fredge:

    Nein, ich wuerde mir nicht verbieten lassen Deutsch zu sein. Aber ich bemuehe mich, mich recht weitgehend zu integrieren und habe da auch wenig bis keine Probleme mit. Ansonsten haette ich nicht auswandern brauchen und waere besser in Deutschland geblieben.

    Wenn ich Kinder haette waere meine allererste Sorge dass die English lernen, das ist schliesslich die Landessprache hier. Gleichzeitig wuerde ich mich freuen wenn es mir gelaenge sie zweisprachig aufwachsen zu lassen, aber nicht weil ich das Deutsche bewahren moechte sondern weil ich glaube dass Zwei- oder sogar Mehrsprachigkeit im Leben hilfreich ist.

    Von Kommentaren in Deutschen Blogs und e-mails zu Deutschen Bekannten/Verwandten abgesehen schreibe ich nur noch in Englisch. Ja, auch persoenliche Notizen. Ich denke weitestgehend in Englisch, bin mir ziemlich sicher ich traeume auch in Englisch (ich kann mich nur selten an meine Traeume erinnern).

    Das geht inzwischen so weit dass ich manchmal Deutsche Woerter nicht weiss, entweder weil ich sie nie gelernt habe (z.B von neuen Geraeten oder von Fachbegriffen) oder weil sie mir zumindest kurzzeitig entfallen sind.

    In einem Deutschen Supermarkt bin ich hier noch nie gewesen (kann ich mich jedenfalls nicht dran erinnern), auch wenn’s glaube ich in London welche gibt. Zugestanden, ein paar „Deutsche“ Lebensmittel esse ich noch (Schwarzbrot, Pfeffersalami, die gibt’s hier in so ziemlich jedem Supermarkt), Deutsches Bier trinke ich hingegen praktisch gar nicht mehr (auch wenn’s davon hier so einige gibt). Wenn es die Deutschen Lebensmittel nicht gebe wuerde ich das auch ueberleben, aber sie bereichern halt den Speisezettel (genau wie die vielen anderen „importierten“ Lebensmittel).

    Ja, Assimilation ist moeglich. Und ich halte sie zu grossen Teil fuer gut, richtig und wichtig. Das heisst nicht dass fremde Kulturen keine Bereicherung sind und neue frische Aspekte bringen koennen und sollen. Das inoffizielle Englische (oder sogar Britische) Nationalgericht ist ja schon seit einiger Zeit nicht mehr Fish & Chips, sondern Chicken Tikka Masala. Die Manager der Top 5 English Premier League Vereine sind auch alles Auslaender, von den Spielern mal ganz abgesehen.

    Aber mir gehen Deutsche gewaltig auf die Nerven die nach Grossbritannien „auswandern“, dann aber in einer Deutschen Clique bleiben und staendig meckern wie schlimm hier doch alles ist. Warum bleiben sie dann nicht in Deutschland?

  54. 54
    Frédéric Valin

    @Sebastian S.: Ich seh da nicht mehr als meine drei Beispiele: Der Status der Regionalsprachen bleibt bestehen, wie Lukas da auf was anderes kommt, weiß ich nicht. Danach kann ich ihm nicht mehr ganz folgen, denn ich weiß nicht, ob das Deutsch der jungen Leute deutscher ist als das Deutsch der Oberammergauer Rentner, bezweifle das aber.

  55. 55
    Frédéric Valin

    @Jellinek: Warum werden eigentlich immer die Türken als integrationsunwillig dargestellt, obwohl da nun wirklich gar nichts dran ist?

    (Ich würde auch nie im Leben mit Leuten reden, die Chantal, Pascal, Denise oder sonst so einen undeutschen, vererbfeindetetn Namen tragen. Nee, echt nicht.)

  56. 56

    Frédéric: Schöne Gedanken in Deinem Text. Ich möchte noch einen hinzufügen: Ich halte es nicht für gut, den Satz ins Grundgesetz aufzunehmen, eben wegen Sorbisch und Dänisch. Ich finde es aber immer wieder erstaunlich (und ermüdend), wie fast jedes Thema dafür taugt, auf den jeweiligen politischen Gegner, der mal die Linkspartei und in diesem Falle die CDU ist, einzuprügeln.

    Wenn es denn wirklich so ist, daß die CDU diejenigen vertritt, die Angst vor dem Wandel der klassischen westdeutschen Gesellschaft haben, dann ist das Bedürfnis nach diesem Satz zum einen ein (positives) Zeichen dafür, daß dieser Wandel längst stattfindet — zu der Zeit, als das Grundgesetz geschrieben wurde, war die Gesellschaft so homogen, daß niemand auch nur über einen solchen Satz nachgedacht hat.

    Zum anderen wäre es vielleicht auch ein Zeichen des Aufeinanderzugehens, wenn die Befürworter des Wandels die Ängste der anderen akzeptierten und die argumentative Auseinandersetzung über den Wandel offen und ohne versteckte Angst und Ressentiments geführt würde.

  57. 57
    Jan(TM)

    Als im zweisprachigen Raum(sorbisch/deutsch) Lebender finde ich das etwas seltsam und hochgradig überflüssig. Als nächstes kommt dann „Die Bundesrepublik bekennt sich zum christlichen Glauben und seinen Grundwerten.“?

    http://www.domowina.sorben.com/pm/081204.htm

  58. 58
    Frédéric Valin

    Ich möchte das nochmal unmissverständlich feststellen: Die Aufnahme in die Verfassung würde am Status der Regionalsprachen nichts ändern. Ein Zusatz bei Artikel 22 setzt nicht automatisch die brandenburgische, sächssche und schleswig-holsteinische Verfassung außer Kraft.

    (Woher kommt denn bloß dieses Gerücht?)

  59. 59
    Jellinek

    @Frédéric Valin:
    Tja nun, wahrscheinlich weil es viele Leute gibt, die in der Realität leben. Bei Jugendgangs, Messerstechereien und kruden Ehrvorstellungen sind doch eher selten Vietnamesen, Italiener und co. tonangebend. Das, obwohl es garnicht so wenig von beiden gibt hier.
    An meine polnischen Vorfahren im Ruhrpott ernnern nur noch Familiennamen wie Koslowski und co.

    Das Beispiel mit Chantal, Pascal und co. geht am Kern des Problems vorbei. Das sind „schicke“ Modenamen, kein Ausdruck identitätsbewahrender Abschottung, gefördert vom nationalistisch geprägten türkischen Regime.
    Ein deutscher Mann wird auch in Zukunft wohl kaum die Möglichkeit haben, eine Türkin zu heiraten. Umgekehrt ist dies kein Problem, weil mit dem türkischen Vater die Identitätsbewahrung gesichert ist.

    Das Ergebnis wird auf lange Sicht hin zwei Gesellschaften, eine schrumpfende deutsch-„multikulturelle“ und eine türkisch dominierte in einem Staat sein. Wenn du meinst dass das gut geht, Prost Mahlzeit.

    Vor dem Hintergrund fand ich die „gutteutonische“ Aufregung über eine für die Zukunft durchaus wichtige Feststellung im GG, überspitzt.

  60. 60
    Keno

    Frédéric, „Plattdüütsch höört to de westgermaanschen Spraken. Se hett den tweten germaanschen Luudwannel nich mitmaakt un is dormit ene nedderdüütsche Spraak. De offizielle Sprakenkood na ISO 639-2 is nds. Plattdüütsch is in dat Königriek vun de Nedderlannen un in de Bundsrepublik Düütschland in de Europääsche Charta vun de Regional- oder Minnerheitenspraken opnahmen.“ Dat heb ick ut de Wikipedia. Bi-toe: Ick kenn di ut dien Koeken! ^^

  61. 61

    @ Keno
    yo dat sek ik auk.
    Nach 12 Jahren Hannover kann ich nur sagen: Was die Preußen hier seit 1866 geleistet haben, würde heutzutage Genocid und kultureller h…aust etc. genannt werden.
    Da freu ich mich, wenn provencalisch und Veneto und bayerisch aufmucken.
    Bi us hier in Hangover küert, pratet und snakt vandage keen eener meer plattdüütsch.
    Ist mit der ISO endlich eine Rechtschreibung für plattdeutsch eingeführt?

  62. 62

    Im Tschechischen soll es ein Sprichwort geben, hat mir mein Schwiegervater beigebracht, der in Komotau (Comotov) lebte, in Wien studierte (Sonderschullehramt), seine Prüfungen in deutsch und tschechisch absolvierte und dann, auf Drängen seines Vater, für ein Jahr in die Slowakei ging, um die dortige Sprache zu erlernen, das Sprichwort lautet: Je mehr Sprachen du sorichst, umso mehr bist du Mensch. Das gefällt mir. Vielleicht kann man mal einen Schritt zurücktreten und bedenken: Sprache hat zwei Gesichter: Einmal ist es ein Oberflächenphänomen, heisst: sie ist zu jeder Zeit, wie sie ist; zum Zweiten: Sprache hat Wurzeln, die niemand ausloten kann, Sprache ist eine überabzählbare Unendlichkeit, noch dazu eine, die sich – letztlich – jeder aufgezwungenen Regelung zu widersetzen weiss, weil sie den ihr eigenen Gesetzen der Sprachevolution unterliegt. Neben Gehirn, Bewusstsein und Gesellschaft gehört Sprache zu den komplexesten Gebilden, die das Universum hervorgebracht hat. Jede Sprache ist ein Selbstläufer, sie ist zwar auf sprechende Menschen angewiesen, so wie Menschen auf Sprache angewiesen sind, aber Sprache sollte man immer beides: Pflegen und laufen lassen. Am Ende weiss die Sprache, zusammen mit den Menschen, immer noch selber, was für sie gut ist, zur Bewältigung aller vorkommenden Kommnunikationsprobleme. Wir solten Sprache – alle Sprachen – bewundern und administrativ unsere Finger davon lassen.

  63. 63

    In die Verfassung gehört: „žDie Bewohner der Bundesrepublik Deutschland sind Menschen“. Einmal Formfleischgeschnetzeltes im Teigmantel, bitte. Mit scharf. Ach ja, ich möchte mich wiederholen: In die Verfassung gehört außerdem: Die deutsche Sprache ist durch Grammatik und Rechtschreibung geregelt („žIch gehe Stadt“, original von mir gehört, ist doch Deutsch, oder?!). Ansonsten: „Im Grundgesetz sind die wesentlichen staatlichen System- und Werteentscheidungen festgelegt.“ Weckt mich, wenn Sprache durch Entscheidungen geregelt wird. Ich meine „žSprache“, nicht Rechtschreibung und Grammatik. Aber, Frédéric, Danke für die „žDörrleiche“. Ich gehe jetzt Texte zur Frankonischen Umwälzung lesen, oder war’s der Französische Aufstand? Hmpf, „¦ Sprache: schwer, sie festzuschreiben, leicht, sie zu pflegen im Tun.

  64. 64
    Darc

    Ich bin seit langem stiller Leser in diesem Blog. Zu diesem Thema muss ich mich jetzt aber einfach mal äußern.
    Ich finde Hanno (#4) hat ein ganz wichtiges Argument gebracht, dass in der weiteren Argumentation leider weitestgehend vernachlässigt wurde.
    Welche Haltung man auch immer gegenüber Migranten hat, ob man eher für Assimilisation oder eher für multikulturelle Gesellschaften ist oder ob man pro oder contra Deutsch in GG steht, fast alle können sicht auf den Standpunkt einigen, dass es wichtig ist, dass alle Menschen, die in Deutschland in einer Gemeinschaft zusammen leben, zumindest ausreichend Deutsch für eine gemeinsame Kommunikationsbasis beherrschen sollten.
    Wenn ich euch richtig verstehe sehen die meisten Befürworter der GG-Aufnahme dies als einen wichtigen Punkt, der durch eine Aufnahme gefördert wird.
    Nun ist es aber so, dass dieselben Politiker (aus welchen Lager auch immer von Union/SPD/Grüne/FDP) die Integrationskurse und den für eine gemeinsame Kommunikation wichtigen Sprachunterricht für Migranten egal welcher Generation mehr als nur Stiefmütterlich behandeln.
    Ich studiere selbst Deutsch als Fremdsprache und ich kann nur sagen, dass die Lage an den Sprachschulen für Deutsch als Fremdsprache Lehrer prekär ist! Kaum ein Dozent wird heutzutage fest angestellt, Löhne auf Honorarbasis betragen nicht selten 10 bis 15 Euro pro Unterrichtsstunde. Vor- und Nachbreitung, das korrigieren von Hausaufgaben oder Klausuren werden gar nicht vergütet. Bezahlter Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall? Ausgeschlossen! Dazu unterliegen die DaF-Dozenten als Freiberufler den vollen Abgaben zur Renten- und Krankenversicherung. Wenn einem da am Ende noch mehr als der Hartz IV Regelsatz bleibt kann man sich schon glücklich schätzen. Um mehr Geld zu bekommen, muss man eben mehr Unterrichtsstunden „liefern“
    Wie kann man erwarten dass eine solche Förderung eine vernünftige Lehrarbeit ermöglicht?
    Nein an der Förderung der deutschen Sprache bei Migranten ist den Damen und Herren wohl kaum gelegen. Das hätten sie längst haben können, mit einfacher durchzubringenden Gesetzen.
    Worum also kann es gehen? Anglizismen werden verboten? Deutschquote im Radio? Führerscheinprüfung und Ähnliches nur noch auf Deutsch? Vernehmung von Ausländern in D künftig nur noch ohne Übersetzer – man spricht ja Deutsch?
    Nein?
    Das alles soll es also nicht sein? Aber warum dann dieser Vorschlag?
    Wer glaubt dass dahinter keine Pläne zu sprachregulatorischen Maßnahmen sieht (die zugegebenermaßen etwas moderater ausfallen dürften als ich es gerade polemisch überspitzt habe), soll mir mal erklären, was denn dann bitte das Ziel ist. Sprachförderung scheidet ja auch aus.
    Wer vielleicht noch der Meinung ist das einige dezente sprachregluatorische Maßnahmen gar nicht so schlecht seien, dem sei geasgt das soche regulatorischen Eingriffe aus Sicht der Sprachwissenschaft nicht nur als überflüssig sonder gar als kontraproduktiv zu bewerten sind. Denn obwohl die meisten linguistischen Laien gegenteiliger Meinung sind macht Sprachwandel (ja – auch Anglizismen) durchaus Sinn. Wer mehr darüber wissen möchte oder wer den letzten Satz für ungrammatisch hält, dem sei das Bremer Sprachblog empfohlen:
    http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblog/

  65. 65

    @Armin: „(Ich würde auch nie im Leben mit Leuten reden, die Chantal, Pascal, Denise oder sonst so einen undeutschen, vererbfeindetetn Namen tragen. Nee, echt nicht.)“

    Ist das ein Witz?

  66. 66
    Frédéric Valin

    @Der Postillon: Vielleicht reicht der Hinweis, dass ich bisweilen Selbstgespräche führe.

    @Darc: Erstmal: willkommen in den Kommentaren.

    Die Arbeitsbedingungen für DaF-Lehrer sind schockierend. Mir war das in der Form nicht bewusst. Vielen Dank für die Ausführungen.

    Nichtsdestotrotz glaube ich nicht, dass es hier um konkrete Auswirkungen geht. Es geht um Symbolik, und ich halte das für wichtig. Ich finde, man könnte sich auf so einen Satz in der Verfassung berufen, um eben bessere Arbeitsbedingungen für DaF-Lehrer zu fordern – nicht jursitsch, aber ganz unpragmatisch und, ja, auch ein bisschen pathetisch.

    @Keno: Ist Niederländisch nicht ein niederdeutscher Dialekt? Dann wäre Friesisch ja keine Sprache, sondern eine Varietät.

  67. 67

    mist, kann keine trackbacks nach hier senden :(

    dann halt so:
    http://grueneslicht.blogage.de/entries/2008/12/7/die-sprache-der-bundesrepublik-ist-vercheckt

    (bitte alle ankuken, danke :P )

  68. 68

    @Frédéric Valin:
    “ Es geht um Symbolik, …“

    Opel, Banken, Onlineüberwachung alles egal Hauptsache die Sprache wird gerettet?

  69. 69
    Frédéric Valin

    @Jens: Grundsätzlich ist nichts wichtig, außer dass man in Kriegszeiten auf einen Vorrat Kartoffeln zurückgreifen kann, um nicht verhungern zu müssen.

    Davon abgesehen interessiert vllt noch die Atombombe oder das Walsterben. Alle anderen Themen sind eitel und vergänglich.

  70. 70

    zum „echten“ Hannoveraner, als Berliner, also als ein Superpreusse: Ich dachte immer, die Hannoveraner sprechen seit ewigen Zeiten, als nach dem zweiten deutschen Sprachwandel, nach dem Ende des Mittelhochdeutschen nur noch REINES HOCHDEUTSCH? Was sollen denn die verdammten Preussen daran kaputt gemacht haben? Verstehe ich nicht.

  71. 71

    […] Ja ja, der Verein Deutscher Sprache“¦ Lukas mag Recht haben. Vielleicht machen die da nur Unfug. Aber auch ein blindes Vereinsmitglied findet mal ein(en) Korn. Folgendes hatte ich vor […]

  72. 72
    Todu

    Pffff, völliger Unfug diesee Idee. Es gibt wahrlich wichtigere Dinge, um die man sich auf Parteitagen kümmern sollte. Mir geht wahrlich kein Vorteil auf, dieses Bekenntnis zur deutschen Sprache ins Grundgesetz aufzunehmen -warum also tun?

    Das wichtigste an einer Sprache ist für mich die Funktion als Mittel der Kommunikation. Das wäre etwas Bekennenswertes für das Grundgesetz. Alles Andere an Sprache halte ich für unwichtig und für firlefanz…Zumal dies irgendwann zu der Frage führt, was denn deutsche Sprache ist? Wenn ich mich nun nur noch in Anglizismen unterhalte, dann würde ich dieser Vorgabe zwar entsprechen, aber irgendwie hab ich nicht das Gefühl, dass das im Sinne der Möchtgernerfinder wäre…

  73. 73
    Jellinek

    @Todu:
    Grimmelshausen, Lessing, Kant, Schiller, Goethe, Hegel, Nietzsche, Kafka, Mann, Brecht, alles unwichtiger Firlefanz.
    Ignorante Arroganz ist glaub ich die treffende Beschreibung für deinen Beitrag. Hauptsache es klingt wichtig wa…

  74. 74
    jan

    bei unvorsichtiger formulierung kann so etwas später aber auch für unschöne argumente genutzt werden (z.b. streichung öffentlicher mittel fürs übersetzen wichtiger fomulare, etc.), siehe fyms link (#26) für ein paar einblicke in die „english only“ bewegung in the usa. (ich weiß, jon steward macht comedy, aber die leute, die interviewt werden, meinen das durchaus ernst.)

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