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Spreeblick-Drogenführer Teil III: Legal erhältliche Naturdrogen

Teil I
Teil II

Alle legal erhältlichen Naturdrogen (deren Zahl recht unüberschaubar ist, weshalb ich mich hier auf einige Beispiele beschränke) haben gemeinsam, dass ihre Wirkung nicht abzusehen ist. Obwohl sie legal sind, werden sie nicht häufiger konsumiert als die illegale Droge Ecstasy:

2004 kam die Drogenaffinitätsstudie der BZgA zum Ergebnis, dass etwa gleich viele Zwölf- bis 25-Jährige Erfahrungen mit psychoaktiven Pilzen und Pflanzen gemacht hätten wie mit Ecstasy: jeweils rund 4 Prozent.

Stechapfel

Die Rauschwirkung des Stechapfels wird durch Scopolamin ausgelöst. Sie soll dem Vernehmen nach ungefähr so angenehm sein wie eine Chemotherapie in einer Dunkelkammer und vermutlich gibt es nur Erstkonsumenten. Es heißt ja, man müsse alles einmal ausprobiert haben, aber bevor man Stechapfel konsumiert, sollte man zunächst einmal an einem Stierkampf teilgenommen haben, möglichst als Stier.

Ein ehemaliger Kommilitone von mir, der durch den berühmten Stechapfel-Fall (NStZ 1985, 25 f.) auf die Droge aufmerksam wurde, schreibt:

Also wie sich das für einen Drogen-Experten gehört, muss ich mit dem Setting anfangen. Freitag- oder Samstagabend vorm Weggehen war ich allein zu Hause und hab mir so einen Tee gebraut. Erwähnenswert ist vielleicht, dass ich von der NJW dazu angestiftet wurde und auch das Rezept daraus hatte. (NJW wird aber wohl trotzdem nicht verboten.)

Ich also so nen Tee getrunken und wie immer nix gemerkt. Mir war nach ner Weile n bisschen mulmig und vielleicht auch schwindelig, aber nur ganz leicht und nicht so auf die breite Art. War mir der Sache nicht ganz sicher. Ich bin dann auf zum H., wo alleine Freunde schon fleißig gesoffen haben. Ich bin langsam und behutsam gegangen, irgendwie fühlte ich mich nicht breit, aber mir war die Sache nicht so ganz geheuer. Mein Mund war wahnsinnig trocken, aber Bier konnt ich keins trinken. Ich hab mich dann eher schüchtern zu den anderen gesetzt und als ich dann so was sagen wollte wie „Ich habe gerade einen Stechapfeltee getrunken“, kam das nicht raus. Hab nur leise was angesetzt zu sagen. S. guckt mich an und rallt, dass irgendwas nicht stimmt und platzt raus „Ey Junge, du bist ja total breit“ und ich sitz nur da und reagiere mit einem etwas verlegenen Lächeln. Da merkte ich, dass ich irgendwie gelähmt war. Also deutlich unter Einfluss, aber nicht enthemmt wie beim Saufen oder abgespact wir beim Kiffen oder irre wie beim Acid oder aufgedreht wie beim Extasy. Sondern gelähmt.

Dann machte auch der NJW-Drogenratgeber wieder Sinn. Die standen doch auch einfach nur neben ihrem Kumpel, der im wadenhohen Wasser ertrunken ist. Gelähmt.

Hab das nicht nochmal gemacht und wüsste auch nicht warum, es sei denn, ich müsste 6 Wochen auf nem Sklavenschiff unter Deck verbringen. Aber wer gern Valium nimmt, dem gefällt vielleicht auch Stechapfel.

Eine andere Bekannte hat einfach mehrere Stunden mit jemandem geredet. Klingt undramatisch, wird aber durch die Tatsache interessanter, dass niemand im Raum war.

Dem jungen Mann in dem Video geht es ebenfalls nicht so gut.

Muskatnuss

Ich hielt es immer für eine Legende, dass Muskatnuss eine Wirkung haben soll. Wenn man es schafft, genug zu sich zu nehmen (der Geschmack soll außerordentlich ekelerregend sein), entfaltet das in der Muskatnuss enthaltene Myristicin seine Wirkung.

En Spreeblick-Leser schreibt:

Es passierte ungefähr eine halbe Stunde nichts, so dass ich auch nicht mehr mit irgendeiner Wirkung rechnete. Der Fernseher war zufällig an und es war alles wie immer.
Irgendwann hatte ich dann das merkwürdige Gefühl, dass der Sprecher mich direkt anspräche. Ab da bemerkte ich, oha, jetzt gehts doch los. Der widerliche Geschmack der Nüsse kam auch wieder und ich fühlte mich generell nicht wohl.
Es hatte was von der leicht paranoiden Verstimmung auf Cannabis, wenn ihr wisst was ich meine… Negative Gedanken, depressive Grundstimmung, Grübeln. Es war alles in allem gut, dass ich allein war in dem Moment. Ich löste mir ein bisschen Ascorbinsäure in nem Wasserglas auf, daraufhin wurde der „Trip“ angenehmer.
Insgesamt nicht zu empfehlen.

Es gibt einige Videos auf YouTube, die die extreme Länge und Willkürlichkeit der Wirkung bezeugen. Das Video, das ich rausgesucht hatte, ist leider schon wieder gelöscht worden. Auch der dort gezeigte Trip war eher unangenehm und vor allem: Er dauerte, wenn ich mich recht erinnere, zwei Tage.

Spice

Um Spice wird momentan reichlich Wirbel gemacht, was dazu führen dürfte, dass die Besitzer der Läden, die diese Mischung verschiedener exotischer Naturdrogen anbieten, von der allgemeinen Krisenstimmung noch eine Weile verschont bleiben.
Der Spiceladen schreibt:

Alle hier aufgeführte Produkte sind zum Verräuchern bestimmt, und nicht zum inhalieren oder zur oralen Aufnahme. Falls Sie dennoch beabsichtigen diese Produkte andersweitig zu verwenden, bitten wir Sie hiermit Ihren Einkauf abzubrechen.

Ein Spreeblick-Leser hat die Produkte anderweitig verwendet:

Spice gibt es in drei Varianten – oder besser: Güteklassen. Silver mutet mehr als Abfallprodukt der Gewürzmischung an und enthält sogar noch kleine Ästchen. Gold ist annehmbar und für den weniger Betuchten die Wahl, während Diamond qualitativ am besten die schnellere sowie größere Wirkung erzielt. Die Wirkung kann sich sehr unterschiedlich auswirken, fängt aber meist mit einem Lachflash (Auslöser oft Banales) an und geht weiter bis zu Dingen die man zu sehen glaubt, die aber nicht exisitieren (zB. Vögel die einen angreifen – nicht selbst erlebt). Die Dosis dazu muss aber recht hoch sein. Um eine angenehme und unterhaltsame Phase zu haben, ohne sich abstürzen zu lassen, reichen 3 g. Am besten Pipe oder Joint. Ich bevorzuge Pipe.

Ein weiterer Leser schrieb mir:

Meine Erfahrung beziehen sich auf etwa vier Gramm Spice Gold, geraucht jeweils im dicht gestopften Blunt als ca. 1:3 Spice/Knaster Mische. Ab etwa 1 Gramm für mich alleine gibt es definitiv einen leichten Flash, sehr angenehm übrigens. Unterscheidet sich etwas vom THC-Flash, aber nicht grundlegend. Problem: Gras ist viel billiger (weil man weniger braucht), wirkt besser und ist gut erforscht. Bei Spice weiß man nicht, was man raucht und wie es wirkt. Gruselig, aber allemal eine Alternative, wenn es legal sein muss oder man grad kein Gras da hat.

Psylocibin ist seit 2005 verboten und wird daher unter illegalen Halluzinogenen behandelt.

Man sieht: Nicht alles, was legal ist, sollte man brauen, essen, schnupfen oder rauchen. Aber Skeptiker der Drogen-Legalisierung sollten sich vor Augen führen: Die meisten Menschen sind von Natur aus nicht wahnsinnig genug, mit Drogen zu experimentieren. Oder hat sich Eure Mutter schon eimal verschämt Muskatnuss aus dem Mundwinkel gekratzt, wenn Ihr sie in der Küche überrascht habt?

34 Kommentare

  1. 01

    Früher haben wir im Blumenladen unseres Vertrauens Hawaiianische Holzrose legal erwerben können. Die Samen Im Mörser zerstoßen und mit Orangensaft getrunken, erzielten nach einer Weile erstaunliche Wirkungen, ähnlich der von hoch potenten Pilzen. Später hat uns der Blumenhändler die nicht mehr verkauft, mit dem Hinweis, dass das verboten wurde. Einen Nachweis darüber konnte ich aber gerade nicht finden. Tatsächlich ist der Geschmack aber so penetrant, dass ich das heute nicht mehr runterbekommen würde.

  2. 02

    Alkohol war meine bisher allereinzigste Droge. Und auch das ist, zum Glück, lange passé.

    Fehlen mir dadurch wichtige Erfahrungen?

  3. 03
    rio

    @malte: wann kommt denn eigentlich cannabis? als nächstes?

    offtopic: und wann gibt es endlich mal wieder einen podcast von euch? würd mich freuen

  4. 04

    @rio:

    cannabis ist in arbeit, aber ich kann noch nicht genau sagen, ob es direkt als nächstes kommt.
    podcast: mal sehen.

  5. 05
    dralles

    In München, in einem öffentlichen Rosengarten, unweit der schönen Isar, befindet sich eine sehr interessante Sammlung giftiger Pflanzen, in denen der Interessierte einige der hier besprochen Pflanzen zwanglos besichtigen kann. Erstaunlicherweise sieht man dort keine hohläugigen Gestalten herumlaufen. Vielleicht gibt es versteckte Überwachungskameras…

  6. 06

    @rio
    @Malte Welding
    Macht eure schmutzigen Deals anderswo klar!

  7. 07
    rio

    @Malte Welding: danke, trotz politikerantwort ;-)

    @Der Postillon: ist doch wie auf dem schulhof: je offensichtlicher und für alle sichtbar, desto unauffälliger ;-)

  8. 08

    @rio:
    politikerantwort?
    die planung wird immer mal wieder über dne haufen geworfen, weil neue zuschriften kommen und neue ideen, aber cannabis kommt natürlich

  9. 09
    rio

    @Malte Welding: war auch nicht ganz ernst gemeint ;-) hat sich halt so gelesen, aber lass dir ruhig zeit – kreativität wächst ja auch nicht auf bäumen…obwohl ;-)

  10. 10

    Dude, where ist my car?

  11. 11
  12. 12
    Zooey

    Was ist mit Salvia Divinorum? Das ist doch die „legale“ Naturdroge überhaupt momentan.

  13. 13
  14. 14
    Micha

    zum Thema Spice:
    http://www.n-tv.de/1068744.html
    frisch aus dem Ticker… Ist wohl doch nicht so pflanzlich wie sich das manche Konsumenten wünschen :)

  15. 15
    handzon

    „In immer mehr Ländern Lateinamerikas wird das umgangssprachlich „žBurundanga“ genannte Scopolamin von Dieben, Sexualverbrechern, Entführern und Mördern verwendet.“

  16. 16

    sPICE gehört gar nicht in die Liste der Naturdrogen. Dafür fehlt der Fliegenpilz

  17. 17

    @Malte Welding:
    Da helfen keine weiteren ‚Links‘
    Du hast dich irgendwo verrannt.

    Aber selbst das hat einen gewissen Charme.

    Alles Gute
    @PiPi

    [Logopäden eine Spielwiese]

  18. 18
  19. 19

    @Zooey: Soweit ich weiß ist das doch auch schon veboten worden. Naturdroge – ja Legal – nein

  20. 20
    astgabel mal im park als arschgabel gelesen

    bestellt

  21. 21
    Jay

    also vor Stechapfel (und allen anderen Nachtschattengewächsen) sollte mn unbeding die Finger davon lassen ! Die Dosierung ist da wirklich extrem Schwierig, da der Wikstoff extrem hohen Schwankungen unterliegt! ( Lebensgefahr! )
    Und nach Berichten lohnt sich die gefahr auch nicht!

    Also: Stechapfel ist keine Droge die man konsumieren sollte!

    Von Muskatnuss hört man auch nur schlechtes, es sind da relativ viele Giftstoffe enthalten, der Rausch soll auch nicht der beste sein. Aber zum Glück nicht sooooo gefährlich.
    Die bessere Alternative wäre wohl „hawaiianische baby Holzrose“. ;)

    Zu Spice:
    Spiegel-online schreibt, dass synthetische Cannabinoiide drin sind:
    http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,596518,00.html

    kann mann rauchen, macht breit. Wenn man den THC rausch interessant findet ( gähn ), kann man es ja mal ausprobieren.
    Die Gefahr ist wohl recht gering einzuschätzen ( Damit meine ich jetzt akute Vergiftung o.ä)
    Aber Voersicht bei Dosieren, das Zeug knallt wirklich dolle besonders in der Bong !

  22. 22
    fabi

    lysergsäureamid is echt geil, peace

  23. 23

    goldregen soll auch giftig sein…

  24. 24
    Vladimir

    Also dass der Cannabis-Artikel auf sich warten lässt, hat irgendwie was Groteskes an sich. Etwas lethargisch, phlegmatisch, cannabisiertes Groteskes. („Mañana, mañana“)

    Pilze hätten in diesem Artikel vielleicht noch erwähnt werden können oder aber auch (@fabi) LSA. Allerdings nicht wirklich wichtig.

    Zum Stechapfel: Lasst lieber echt die Finger davon. Ich habe mir mal mit meiner damaligen Freundin einen Tee aus dem Trompetenbaum gemacht (gleicher Wirkstoff) und bin saufroh, dass wir zu gering dosiert hatten und ein Rausch ausblieb. Meine Freundin hatte zwar zwischendurch Atemstillstände simuliert, (imho) aber nur um die Aufmerksamkeit der umstehenden Personen zu erhaschen.

    Ein Bekannter von mir hat allerdings mal einen Stechapfeltee zu sich genommen und sich im Rausch (angeblich, ich frage mich wie die Story überhaupt weitergelangt sein kann) mit mehreren Leuten im Zimmer unterhalten. Obwohl er auch alleine war. Danach hat er versucht, die Distanz vom 4. Stock bis zum Boden durch seine stechapfelteeinduzierte Leichtigkeit zu überwinden, was selbstverständlich funktionierte, leider aber mit lethalen Folgen.

  25. 25

    Absinth. Liebe. Tanzen. Musik. Walnuss-Eis (wirkt nur bei mir drogenähnlich). Erfüllendes kreatives Tun. Herumalbern. Wild mit Kindern spielen. Regelmäßig 50 min joggen. Workoholism. Sehr gutes Essen. Spieleabend. Bungee-Jumping. Urlaub. Freunde. Familie. Erfüllender Erfolg. Ein gewonnenes Sportturnier. DMT/Ajahuasca. Vogelfutter (ggf: nur die Hanfsamen).

    So richtig kickt nur ein gutes Leben. Imho.

  26. 26

    vonwegen Spice und Naturdroge.
    Die Spice-Kräuter werden mit JWH-018, das dann auch für die Cannabis ähnliche Wirkung verantwortlich ist, gemischt.

    zitat:
    JHW-018 ist ein künstlich geschaffenes, von Prof. John W. Huffman von der Clemson University entwickeltes Cannabinoid. Seine Wirkung ähnelt der von THC.

    siehe http://www.pierre-markuse.de/2008/12/17/spice-und-jwh-018-themenubersicht/

  27. 27
    Casi

    Was für Drogen kommen denn noch alles? Will dabei mal kurz darauf hinweisen das in der neuen „Dummy“ Ausgabe mit dem Titelthema „Glück“ ein ausführlicher Bericht über das Glücksgeschenk MDMA drin ist.
    Ich würde auch gerne mal was über das so oft verfluchte GHB lesen. Kann mir nicht vorstellen das Grafittientfernungsmittel so gesund ist. Muss schon ziemlicher Dreck sein.

  28. 28
    marlo

    @Zooey: GHB ist herlich wenn man damit umgehen kann, ungeübte konsumenten verschätzen sich leicht und enden dann leblos irgendwo in einer ecke. es ist echt schwer zu dosieren und keinesfalls eine droge die man über längere zeit konsumieren sollte da sie doch etwas hohl im schädel macht. auf gar keinen fall sollte man GHB mit alkohol zu sich nehmen da dies die wirkung unkontrolierbar macht. füllt das zeug einfach mal in einen plastick becher da kann man zu schauen wie aggressiv das zeug das plastick auffrisst also lasst lieber gleich die finger davon.

  29. 29
    Mr D

    Also Engelstrompete habe ich auch vermisst. Selbst schon probiert und durch genügend Informationen mit genuss konsumiert. Eine Blüte im Tee, kleinen Schluck genommen und erst mal warten. So nach einer bis zwei Stunden war ich mir sicher, wie stark der Tee ist und hab nach bedarf nachgetrunken.Ein eckelhafter Geschmack, Pappfresse, Müdigkeit und ähnliches sind Anzeichen für den Beginn der Wirkung. Nach mehreren Stunden hatte ich selbst dann auch die Dosis der Halluzinationen: Als ich so da saß habe ich einen Männer-Chor gesehen und auch gehört, zu meiner Freundinn, welche nichts getrunken hatte, gesagt, sie solle denen sagen, sie sollen leise sein. Ebenso hat meine Freundin im Bett mit mir geredet, dachte ich, und ich sah neben ihr ein gesicht das sie nachäft, doch sie schlief tief und fest…
    Also sollte klar sein, dass auch dabei die dosierung unglaublich schwankt. Mein Tipp: Am besten ganz lassen, aber wenn doch, kleine Schlücke und warten, sonst ist man schnell auf der intensiv oder gar Tod!
    LSA ist die „beste“ Alternative.

  30. 30
    tanja

    kann mir jemand helfen

  31. 31
    Mikel

    Ich habe mal gehört, dass die Nadeln von der Eibe, dem „giftigen“ Baum, verdammt doll High machen sollen… Ich würde aber vorsichtig sein, da das echt schwer zu dosieren ist… Kann man wohl als Tee und als normales Essen zu sich nehmen. Als dosis habe ich mal von 10g im tee gehört… Aufpassen, kann zu Übelkeit und dem Tod führen!!! Sonst halt noch Fliegenpilze in Milch eingelegt 3 Tage stehen lassen und die Milch trinken. Wiederum Aufpassen schwer zu dosieren…

  32. 32

    musik macht auch high und ist ist ganz ungefaehrlich..

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