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Terror Terror Terror Terror Terror

Es war viel von Terror die Rede die letzte Zeit. Von rechtsextremen Terror. Da ist sie wieder, die Überkompensation.

Terror, ein atmosphärisches Wort: Es wirkt bedrohlich, Nebel zieht auf, im Hintergrund geschändete Kindsmütter auf den Grabhügeln ihrer Väter, die ihre Organe gespendet haben und gute Menschen waren. Ja, das ist geschmacklos: aber der inflationäre Gebrauch des Wortes Terror ist genau das. Geschmacklos. Von einer terroristischen Straftat auszugehen, bevor man einen Täter geschweige denn irgendwelche Ermittlungsergebnisse hat, ist schlicht Unfug. Zumal keiner weiß, was das eigentlich bedeuten soll: eine terroristische Straftat.

Momentan liegen die Fakten so: Der Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl wurde von einem noch flüchtigen Täter vor seinem Haus niedergestochen. Tatwaffe war ein Messer, dass Mannichl vor seinem Haus liegen hatte, damit nach altem Brauch Passanten den extra dafür platzierten Lebkuchen abschneiden konnten. Es ist also noch nicht einmal klar, ob der Täter Mannichl aufgesucht hat, um ihn zu töten. Inzwischen ist ein Ehepaar festgenommen worden, das der Mittäterschaft bezichtigt wird: das Paar soll Mitglied der Freien Nationalisten München, einer militanten Kameradschaft, sein.

Es gibt eine gewisse Tradition, alles, was mit rechtsextremen Anschlägen zu tun hat, mit Terror in Verbindung zu bringen. 1993 starben fünf Menschen beim Brandanschlag von Solingen. Die Tat war der Höhepunkt einer ganzen Reihe fremdenfeindlicher Anschläge, Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Mölln. Solingen wurde zum Synonym für den rechtsextremen Terror, aber der Tathergang und die Vorgeschichte konnte nie abschließend geklärt werden. Es gibt kaum Hinweise darauf, dass der Anschlag von langer Hand geplant war. Was die Tat nicht weniger schlimm macht. Aber den Terrorismus-Vorwurf sehr beliebig aussehen lässt.

Terror ist zur Allgemeinmetapher verkommen für all die Dinge, die man nicht versteht und deswegen auch nicht verstehen muss. Terrorismus ist ein gefühlter Begriff und keiner Definition mehr unterworfen. Das ist Polit-Esoterik. Und weil uns so nach Räucherstäbchen verlangt, werden überall Nebelkerzen gezündet.

Ich habe jahrelang Antifa-Arbeit gemacht in Baden-Württemberg: es sind nicht die gleichen Probleme wie die von Freunden aus Spremberg oder sonstwo in Südbrandenburg, aber das Problem gab es. Unsere Nazis wollten in Ruhe Platten in alle Welt verkaufen und hielten sich deswegen mit Kameradschaftsgründungen zurück: die Platten übrigens, die jetzt bei Übergriffen anderswo laut mitgegröhlt werden, sei es Landser, Skrewdriver oder irgendeine Kellerkombo. Im Schwabenland war man still und hat sein Geld verdient, das ist ein regionales Klischee. Die Nazis da haben es übererfüllt. Das ist ganz große Scheiße, aber kein Terrorismus.

Im Alltag ist die Beschäftigung mit dem Rechtsextremismus einigen Verfassungsschutzbeamten, ein paar Bürgerrechtlern und einer marginalisierten linken Szene vorbehalten: Wir interessieren uns nur dafür, wenn tatsächlich etwas bemerkenswertes passiert. Trotzdem sind Nazis ein Phänomen des Alltags, rechtsextremistische Parteien feiern ihre Wahlerfolge, die Glatze in der S-Bahn, die verschiedenen Aufmärsche, die Übergriffe im privaten Umfeld, die Angst nicht-weißer Freunde, in den Osten zu fahren. Die Bedrohung von rechts, die privat sehr wohl eine Rolle spielt, spiegelt sich medial nur in Ausnahmefällen: da wir aber wissen, dass es sich um ein gefährliches Phänomen handelt, müssen wir, sobald dieses Thema groß aufkommt, besonders gründlich und besonders moralisch integer sein. Die klassische Reaktion, eine Hyperkorrektur. Oder eben Überkompensation.

Die Presse vernachlässigt Übergriffe, die Merkmale von Straßenterror im Sinn der 20er Jahre aufzeigen. Vor einem halben Jahr ging in Cottbus der Fragezeichenprozess zu Ende. Er hatte nicht die gleiche Prominenz wie Passau oder Mügeln. Eine Gruppe Rechtsextremer hatte einen linken Club überfallen haben und einige Anwesende zu Brei geschlagen. Ziel war es, den Stadtteil Sachsendorf „von der roten Pest zu säubern“. Also die Schaffung einer national befreiten Zone. Das ist Straßenkampf, aber es ist nur ein Fall unter vielen. Deswegen uninteressanter.

Es ist eine Frechheit, dass man dieses Problem bisher auf die dunkelsten Ecken Nordsachsens und die Westküste Rügens reduziert hat. Denn es ist kein Ostproblem und war auch noch nie eines. Es ist und war ein gesamtdeutsches Problem. Von den 200 Abgeordneten, die Rechtsextreme zu unserer aller Schande in deutschen Parlamenten stellen, sitzen drei viertel in Ex-Wessiland. Die Kader, die in Ostdeutschland unbehelligt ihre Kameradschaften aufbauen durften, kamen aus dem Westen, allen voran Michael Kühnen. Der Rechtsextremismus im Westen mag strukturell verschieden sein, weniger gefährlich ist er nicht.

Wir sollten uns der Problematik zuwenden, statt uns zu berauschen an den großartigen Wortgebilden, die wir in die Welt erbrochen haben. Ansonsten könnte der Kater übel werden.

Bis es soweit ist, begiessen wir doch die Schließung von Gegeninitiativen mit ein paar guten deutschen Obstlern.

Der Artikel entstand vor der Meldung, die Freien Nationalisten München hätten möglicherweise und unter Umständen das Attentat von langer Hand geplant. Kann sein, der Focus (der die Meldung brachte) hat Recht. Kann sein, dass es eine der ganz großen Vermutungsinformationen ist.

46 Kommentare

  1. 01
    Henker

    Da muss ich recht geben. Wenn von 700 Leuten im Dorf 14 die NPD wählen, kann man davon ausgehen, dass braunes Gedankengut durch die Wohnzimmer der Stadtrandgebiete im äußersten Westen schon länger fegt. Hinzu kommt das Minderheiten haben sich immer besser zu profilieren als große Massen. Heiligabend NPD-Aufmarsch in Aachen.
    Die denken, da kann keiner ^^

  2. 02
    antifalten

    Wikipedia sagt:

    „Der Terror (lateinisch terror, von terror, terroris, „žSchrecken“) ist die systematische und oftmals willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder angedrohte Gewalt, um Menschen gefügig zu machen.“

    Nach allem, was man bisher weiß, trifft diese Definition doch auf das Messer-Attentat zu, oder nicht?

  3. 03
    Frédéric Valin

    @antifalten: Systematisch heißt zentral angeordnet und koordiniert. Als krasses Beispiel: der stalinistische Terror der 30er Jahre war von oberster Stelle direkt angeordnet. Morde, Schauprozesse, da griff eins ins andere.

    Was mir bei Rechtsradikalen fehlt, ist das systematische. Ich hab mich zwar bemüht, aber ich kanns häufig nicht erkennen.

  4. 04
    antifalten

    @Frédéric Valin:

    Aber dass Rechtsradikale sich organisieren und systematisch Gewalt androhen und ausüben ist doch wohl unbestritten. Ob man das nun Terror nennen kann oder sollte? Ich denke schon.

  5. 05
    Frédéric Valin

    @antifalten: Ja, aber was ist an dem Übergriff in Passau Terror? Ich lese überall Attentat: aber das ist doch nach dem momentanen Stand der Ermittlungen überhaupt nicht gerechtfertigt. Sondern eine Vorverurteilung.

    Etwas ganz anderes ist die Schaffung National Befreiter Zonen. Da bin ich absolut Deiner Meinung, auch wenn ich finde, dass Terror überhaupt nichts mehr trifft, weil das Wort nur noch als pawlowsches Reizzeichen benutzt wird und nichts mehr bedeutet.

  6. 06
    Jürgen

    @Henker
    Naja ich denke den feigen Bürgern wird das ganze egal sein mit ihrer „aktiven Ignoranz“.
    Wir werden da unsere Paar Kern Leute aus aachen haben, ein paar Schaulustige und ein paar zugereiste aber viel wird das nicht!

    Also im Moment spitzt sich die Situation hier in Aachen immer weiter zu, das man bald auch hier von Terror reden kann….

  7. 07
    jim

    @antifalten: ich denke, man sollte die worte und taten der rechten als das benennen, was es ist: rassistisch, zu großen teilen faschistisch, sexistisch und in letzter konsequenz absolut menschenfeindlich. sie streben eine gesellschaftsordnung an, in der wahrscheinlich du, ganz sicher ich und meine freunde/familie keine daseinsberechtigung haben werden. ich bin der überzeugung, das das dauerhafte alles unter den begriff terror sammeln lediglich dazu führt, das der begriff terror den gleichen stellenwert haben wird, wie das wort sanduhr.

  8. 08
    shoggoth

    Wer definiert, was Terror ist? Derjenige, der sich in der S-Bahn fast in die Hose macht, weil er mit Skins zusammen im Abteil gefangen ist und nicht weiss, ob es bei Pöbeleien bleibt oder Mitreisende eingreifen würden?
    Frederic: „Systematisch heißt zentral angeordnet und koordiniert.“

    Ist es nicht systematisch, wenn eine Gruppe von Menschen andere als mindere Menschen betrachtet und daher Handlungen ableitet bzw. ableitbar macht? Wären dann spontane Handlungen nicht auch systematisch?
    Bleiben wir bei dem Beispiel des Messer für das Lebkuchen abschneiden:
    Wenn da ein Messer liegt und ein Rechtsextremer vorbei kommt, und das Messer dazu spontan benutzt, den Polizisten, der Rechten unangenehm aufgefallen ist, nieder zu stechen – ist das dann nicht insofern eine systematische Tat, da der Rechte hier auf Grundlage seines Wertesystems handelt?
    Was den konkreten Fall betrifft, muss man sicher abwarten, was denn nun wirklich passiert ist bzw. wer da was getan hat und mit welchen Absichten.
    Aber ich würde nicht unterschreiben wollen, dass eine ggf. spontane oder gar unter Alkoholeinfluss ausgeübte Gewalttat an einen Menschen per se nicht systematischer Natur sein kann.
    Die Werte, die Neo-Nazis bzw. deren Hinter/Obermänner verbreiten, sind es, was systematisch ist…
    Deine Defintion löst den Zusammenhang zwischen den Agitatoren, deren Wertvermittlungen und den Handlungen des ggf. geistig minder Bemittelten bzw. spontan handelnden oder unter Alkoholeinfluss stehenden Fußvolkes auf…

  9. 09
    shoggoth

    Zum Ende des Artikels („Es ist eine Frechheit“)noch:
    Die Fremdenfeindlichkeit bzw. als erste Stufe die Angst vor dem Fremden überhaupt, wird durch Medien und Politikern des Mainstrams seit den 80ern geschürt:
    „Das Boot ist voll“-Kampagne, „Überfremdungs“-Debatte der CDU/CSU, Asylbetrüger, Wirtschaftsflüchtlinge, Arbeitsplatzschmarotzer, usw.

    Dann wären da noch die immerwährenden semantischen Ausgrenzungen:
    Ausländer, ausländische Mitbürger (what ever), Deutsche mit Migrationshintergrund (weil die unverschämter Weise ja schon einen dt. Pass haben), usw.

    Das ist es, was den Rechten den meisten Zulauf beschert…durch Mainstram-Medien und Mainstream-Politiker verängstigte Bürger, die kaum Kontakt mit den benannten Gruppen haben.

  10. 10
    mitleser

    shoggoth: Paßt!

  11. 11
    Vernunft

    Rechtsradikale (oder mutmaßliche) Gewalt ist ein Thema für wochenlange „Brennpunkt“-Sessions, Medienhype und allgemeine Hysterie.
    Auf der Straße und in den der Bahn ist die Wahrscheinlichkeit, von „Mitbürgern mit Migrationshintergrund“ malträtiert zu werden um einiges höher, als dies bei Skinheads der Fall ist.
    Das wird allerdings nicht publik gemacht, aus teils verständlichen Gründen, teils aus Feigheit.

    Wenn das Problem der Skinheads wirklich so gravierend wäre, würde im Fernsehen nur noch „Brennpunkt“ laufen.
    Und dann stimmen die gehypten Naziattacken manchmal auch garnicht, wie der Fall des selbstritzenden Mädchens zeigt. Peinlich.

    Zum Thema Terror:
    Das ist die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele, wobei die nötige militärische Potenz nicht vorhanden ist.
    Wenn der Täter tatsächlich aus nationalsozialistischer Motivation heraus handelte, kann man die Tat schon als einen terroristischen Anschlag bezeichnen.
    „Terror“ heißt ja nicht nur zeigefingerschwingende Zauselbärte und vermummte Hassschwadroneure, auch wenn diese Assoziationen bei dem Wort leicht hochkommen.

  12. 12
    jim

    „vernunft“ halt´s maul. an die anderen: sorry für die wortwahl.

  13. 13

    Danke für die Worte!

  14. 14

    Nun hat es also einen Staatsbeamten erwischt und die Medienwelt dreht durch. Klar, die Tat an sich ist zu verurteilen und dem Opfer baldige Genesung zu wünschen. Aber ähnliche Vorfälle ereignen sich oft genug (Körperverletzung), nur sind die Leidtragenden in diesen Fällen eben unbekannte Normalbürger und dann erscheinen sie nur im lokalen Polizeibericht und das wars. Kein Aufschrei, keine Hysterie, keine Terror-Panikmache und keine Sonderkommisionen der Polizei. Das die Presse und die Politik hier mit zweierlei Maß misst ist ihr wohl wirklich nicht mehr klar, ein Zeichen dafür wie obsolet sie sind.

  15. 15
    shoggoth

    @Vernunft: „Auf der Straße und in den der Bahn ist die Wahrscheinlichkeit, von „Mitbürgern mit Migrationshintergrund“ malträtiert zu werden um einiges höher, als dies bei Skinheads der Fall ist.“

    Na – das nenne ich doch mal „ein Paralleluniversum trifft das andere.“
    Es kommt natürlich zum Einen darauf an, wie man aussieht und zum Anderen, wo man sich aufhält.
    Nach 20Uhr am Dresdner Hbf ist es auf jeden Fall wahrscheinlicher mit Skins Ärger zu bekommen als mit den von Dir genannten.
    Und natürlich würde ein Skin keinen Skin anmachen, wenn Du das meinst :)

    Und dass der Migrationshintergrund nicht thematisiert würde, ist ja wohl nun eine krasse Untertreibung – oder wie würdest Du die Berichte über die U-Bahn-Assozialen nennen, die den Rentern damals übel zugerichtet haben.
    Da war nur von „Migrationshintergründen“ die Rede.

    Ich schwanke noch in der Beurteilung Deines Gedankenguts – daher antworte ich mal… :)

  16. 16

    @ vernunft:

    „Rechtsradikale (oder mutmaßliche) Gewalt“:
    -Was ist mutmaßliche Gewalt?!

    „Und dann stimmen die gehypten Naziattacken manchmal auch garnicht, wie der Fall des selbstritzenden Mädchens zeigt. Peinlich.“:
    – Peinlich für wen? Für die Medien, die darüber berichtet haben, dass ein Mädchen eine hakenkreuzförmige Wunde hat, und, unglaublich naiv, wie sie sind, aus diesem Umstand und der Aussage des Mädchens geschlossen haben, dass ein rechtsradikaler Hintergrund vorliegt? Halten Sie alle Arbeit, die nicht von hellseherischem Talent begleitet wird, für peinlich?

  17. 17
    corax

    Ich schließe mich jims Bitte an und erweitere auf Viva Hammonia, Thibaut, Conring, Baldus, Haimo, Windscheid, Savigny, hab ich noch wen vergessen?
    Wenn das nicht F20.ff ist – was dann?

  18. 18

    @cakefire: Ich würde da doch etwas differenzieren. Ich schließe mich sofort an, wenn es darum geht, sich über Ignoranz oder Relativierung von rechter Gewalt aufzuregen. Dass aber nicht jeder Fall rechter Übergriffe in den Medien erscheint, der Angriff gegen Mannichl jedoch massiv, das ist erklärbar und braucht keine Verschwörung zu sein.

    Denn letztendlich ist ein Angriff auf einen Staatsbeamten zzgl. zu der Gewalt gegen den Menschen auch noch ein u.U. sehr beabsichtigter symbolischer Akt, und das hat noch einmal eine ganz andere Ebene, nicht nur für die Medien.

    Was wiederum keineswegs andere Opfer relativieren soll, das empfinde ich auch nicht so.

  19. 19
    heinzi

    woher wissen wir,daß der Täter ein Rechtsradikaler war? Sinnvoll wäre es,die Angaben des Opfers zu hinterfragen, denn die klingen realitätsfern.Vielleicht deckt er ja einen familiären Täter.das Reizwort Neonazi scheint das kriminalistische Denken der Polizei zu blockieren.

  20. 20

    @Johnny Haeusler: Verschwörungstheoretiker? Sehr abwegig.
    Schade nur, dass die Polizei viel intensiver fahndet, wenn ein Polizeichef angegriffen wird als wenn Inder gehetzt oder Schwarze verprügelt werden.

  21. 21
    Mekki

    Ich muss Vernunft (11) zum Teil Beipflichten. Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen und habe absolute keine Erfahrung mit Nazis oder Nazigewalt.
    Hier besteht tatsächlich eher die Gefahr von Mitbürgern mit Migrantenhintergrund in der Bahn und auf der Straße angepöbelt zu werden was ich auch schon am eigenen Leib erfahren durfte.

    Und in dem Bereich finde ich teilweise auch das mit zweierlei Maß gemessen wird und bei Nazistraftaten oder vermuteten immer eine Medienhysterie geschürt wird und bei Straftaten die von Leuten mit Migrantenhintergrund begangen wird meist nicht die Nationalitäten genannt werden.

    Auch Interessant in diesem Kontext: http://www.wz-newsline.de/?redid=365017

  22. 22
    jim

    @Mekki: ich hab auch keine erfahrung mit formel 1.

  23. 23
    shoggoth

    @Mekki: „und bei Straftaten die von Leuten mit Migrantenhintergrund begangen wird meist nicht die Nationalitäten genannt werden. “

    Also – nehmen wir doch einfach mal Deutschlands meist gelesene Zeitung (Suchbegriff „Türke“;):
    http://www.bild.de/BILD/news/vermischtes/2008/01/29/familiendrama-muenchen/tuerke-exfrau-erschossen,geo=3622702.html

    http://www.bild.de/BILD/hamburg/aktuell/2008/08/20/tuerke-geht-bei-amok-lauf/im-friseur-salon-mit-beil-auf-ex-frau-los.html

    http://www.bild.de/BILD/muenchen/aktuell/2008/07/16/polizeberichti-tuerke/-verletzt-frau-mit-glasscherbe.html

    „Wird meist nicht die Nationalität genannt“ – sicher Mekki.
    Das ist wirklich putzig…

  24. 24
    corax

    @Mekki: Ach bist du der „žhab ich noch wen vergessen?“

    Komisch dass Du, und/oder z. Bsp Julia hier im Kommenter #63 im lawblog immer wieder auf den, ca 3 Wochen alten, selben einseitigen Boulevardartikel der WZ verweist (übrigens auch wie Fincut) ohne! dass ihr überhaupt irgendetwas mit der Düsseldorfer Altstadt zu tun habt.

    Ich bin Pottler und durch meinen Freundeskreis seit ca 1998 ständig und besonders zum Weihnachtsmarkt und an Karneval in der Altstadt, und ob an der Heinrich-Heine-Allee am Jan-Wellem-Platz auf der Kö oder auf dem Schadowstraßenfest, beim Uerigen oder im Füchschen; ich hab noch nie ernsthafte Probleme mit „žMigranten“ gehabt, immer bloß mit „žanständigen Deutschen“. Das gleiche gilt für Oberhausen, Mülheim/Ruhr und Essen inclusive Altenessen -Nord und -Süd.

    Und was der Wahrheitsgehalt von Polizeiaussagen angeht, die „Gerlingwache“ Schutzbereich IV Mitte in Essen ist beispielsweise „Legende“ dafür.

    Komisch auch, dass in Duisburg problemlos eine der größten Moscheen in Europa gebaut wurde, ohne dass es jemals ernsthaften Protest von Anwohnern gab, haben ProKöln und Konsorten wohl gepennt.

    Im Ruhrpott oder D’dorf gibts keine ernsthaften Probleme mit Migranten oder Ausländergewalt, versucht eure Brandstiftung gefälligst woanders.

    Und wenn du Nazis im Ruhrgebiet suchst, setz dich in die S2 und fahr nach Dortmund.

  25. 25
    EPH

    Wenn einem Menschen Gewalt angetan wird, ist ihm der ideologische oder ethnische Hintergrund des Täters egal.

    In einigen Regionen geht die Gewalt von Skins aus, in anderen Regionen dominieren andere. Da ist die Realität und in beiden Fällen inakzeptabel.

    Ich halte es übrigens für reichlich überheblich einzelnen Kommentatoren ihre individuellen Erfahrungen abzusprechen.

  26. 26
    corax

    @EPH:

    Ich halte es übrigens für reichlich überheblich einzelnen Kommentatoren ihre individuellen Erfahrungen abzusprechen.

    Und wo genau wurden diese individuellen Erfahrungen beschrieben?

    Außerdem wäre es mir mitnichten egal wer mir weswegen Gewalt antut.
    Und soweit mir bekannt, fragen Gewaltopfer sehr oft sofort „žWarum?“ „žWarum Ich?“ „žWas hab ich denn getan?“

    Den meisten Opfern ist es im Gegenteil meistens immens wichtig zu erfahren aus welcher Richtung die Gewalt stammte.

    Dein Statement ist deshalb völliger Bullshit.
    Nahezu jeder wird fragen „žWarum?“ und nur eine mikroskopisch kleine Anzahl wird gleichmütig antworten „žShit happens.“ „žMeine Nase hat ihm nicht gefallen.“

  27. 27
    mitleser

    „Ich halte es übrigens für reichlich überheblich einzelnen Kommentatoren ihre individuellen Erfahrungen abzusprechen.“
    Ich auch, aber mir geht die ständige Wiederholung der gleichen, alten Leier von vernunft, Viva Hammonia, Thibaut, Conring, Baldus, Haimo, Windscheid, Savigny oder wie auch immer ersiees sich nennt auf den Sack.

    Und nur für die Statistik: Ich wohne seit +10 Jahren in Kreuzberg und ja, ich wurde belästigt, bedroht, beleidigt, auch von Kellerkindern mit Migränehintergrund, aber noch nie in solchem Ausmaß, mit solcher Vehemenz, Aggressivität und Penetranz wie von Mitbürgern ohne Migrationshintergrund, mit denen ich in der Ostzone aufwachsen mußte.

  28. 28
    Vernunft

    @corax:
    Das ist gut für dich dass du noch nie Probleme mit aggressiven Migrantenschlägern hattest, ändert aber nichts daran dass es jene gibt. Und das nicht zu knapp.
    Das alte Muster: Wer darauf hinweist, wird beschimpft.
    Lieber den großen Naziteufel an die Wand malen, zu anders motivierten Gruppengewalttaten, die wesentlich alltäglicher sind in dt. Großstädten, braucht man sich nicht so auszulassen.

    @Der Aufprall: London anrufend:
    “ Halten Sie alle Arbeit, die nicht von hellseherischem Talent begleitet wird, für peinlich? “

    Das Mädchen hatte bereits einen Zivilcouragepreis erhalten.
    Ich halte die Hysterie für peinlich, die jedes Mal entsteht, wenn auch nur eine leiseste Ahnung eines rechtsradikalen Hintergrundes bei einer Tat anzunehmen ist.
    Lichterketten werden gebildet, die Guten der Nation stimmen einen klagenden Hymnus an, man meint, das vierte Reich stehe unmittelbar bevor.
    Ich finde es verlogen. Nicht weil aggressive Gesinnungen verurteilt werden, sondern weil nur EINE aggressive Gesinnung so hysterisch verurteilt wird. Das hat eher was rituelles an sich.

    Bei Gewalttaten anderer, bspw. durch städtische Migrantengangs, wie diese Busfahrer-Angriffe, werden keine Zivilcouragepreise vergeben. Meistens liest man das irgendwo in der Zeitung, aber sonst schweigen sich die Dauerbetroffenen in diesen Fällen aus.

  29. 29
    EPH

    @mitleser
    Mich nervt die Paranoia von pi-news etc. ebenfalls. Ich bin in einen recht durchwachsenen Stadtteil aufgewachsen. Aus diesem Grund zählt für mich das Individuum, nicht die Herkunft, Gruppe etc..

    @corax
    Natürlich will ich als Opfer wissen, warum ich „auserwählt“ wurde. Für mich klingt Dein Kommentar, als ob es einen Unterschied macht wer mir den Kiefer gebrochen hat. Wenn ich nicht gerade silberne Löffel gestohlen habe, ist der Täter für mich einfach ein Arschloch (das meinte ich mit egal).

    Diese Bullshit Wortwahl kannst Du Dir übrigens zu Deiner eigenen Befriedigung sonstwo einführen.

  30. 30
    corax

    @EPH:

    Zitat Kommentar # 25:“ž Wenn einem Menschen Gewalt angetan wird, ist ihm der ideologische […] Hintergrund des Täters egal.“

    Zitat Kommentar # 29:“žNatürlich will ich als Opfer wissen, warum ich „auserwählt“ wurde. Für mich klingt Dein Kommentar, als ob es einen Unterschied macht wer mir den Kiefer gebrochen hat.“

    Schatzimausischnuckelchen: Der ganze Artikel hier handelt davon ob der Terror nun von rechts oder von links kommt und was denn nun der Unterschied sei. Und unter #25 sagst du, dass dir persönlich der Unterschied egal sei, und auf meine Replik sagst du, dass dir der Unterschied natürlich doch nicht egal sei.

    Natürlich macht es für mich einen Unterschied WER jemandem den Kiefer bricht!
    Davon handelt schließlich dieser Beitrag! Stupid!
    Kriegt man eins auf die Fresse weil man sich für eine Minderheit einsetzt, oder weil man zu einer Minderheit gehört!

    Und wo genau individuelle Erfahrungen beschrieben wurden wolltest du mir auch nicht beantworten, mein Schnuckelchen.

    Bevor du also deine widersprüchliche Argumentation nicht in geordnete Bahnen lenken kannst, führ dir gefälligst selber deinen Finger dahin wo es dir Spaß macht!

  31. 31
    Emil

    Ich bin in einer Gegend aufgewachsen, die damals schon nationalbefreit war, obwohl die Faschos diesen Begriff noch gar nicht kannten. Mit 13 hab ich aufs Maul bekommen, weil ich einen Ohrring trug (auf der linken Seite, das hieß wohl schwul), mit 14 gabs aufs Maul, weil ich eine blonde Strähne hatte (hieß wohl auch schwul), mit 15 wollten sie mir aufs Maul hauen, weil meine Haare hochstanden und schwarz gefärbt waren (keine Ahnung, was das hieß). Roten Lippenstift und Hose in den Stiefeln (wie es jetzt gerade IN ist) durfte ich auch nicht tragen, ohne verfolgt zu werden. Das war wohl auch schwul. All diese Arschlöcher hatten blonde Vernunftschnurbärte (wahrscheinlich vom muslimischen Verfassungsschutz).

  32. 32
    EPH

    @corax
    Wie war das: Denken, Drücken, Sprechen?!

    Artikel handelt von der mangelnden Behandlung alltäglicher rechter Gewalt in den Medien.

    Die folgenden Kommentare bezogen sich z.T. inwieweit Gewalttaten nicht aufgrund ihrer Schwere, sondern der Tätergruppe in den klassischen Medien thematisiert werden, oder eben nicht. Natürlich kam umgehend der Klassiker der Gewalttäter mit Migrationshintergrund mit dem ebenso automatischen Vorwurf des Nazis. Natürlich wird das Thema von Extremisten massiv vereinnahmt, real ist es trotzdem. Ich hatte schon mit beiden Gruppen körperliche Auseinandersetzungen. Den einen hatte ich eine zu große Nase für die Andere war ich ein scheiß Deutscher.

    Ich stimme Dir zu, das die Motivation des Angriffs für das Opfer wichtig ist, was ich ja auch schon geschrieben hatte. Das „Egal“ bezieht sich darauf, das es in meinen Augen keine Rechtfertigung für dieses Verhalten gibt.

  33. 33
    melmoth

    Frederic, ich muß dir zum ersten mal voll und ganz recht geben!

  34. 34

    „Sprengberg wurde nicht gefunden.

    Meinten Sie Spremberg?“

  35. 35
    pwallenb

    Langzeitgedächtnis lohnt sich auch beim Zeitunglesen

    Kurz nach der Tat:
    http://www.zeit.de/online/2006/17/potsdam_23

    Während des Prozesses ein Jahr später:
    http://www.zeit.de/2007/20/Verbrechensopfer

    Nach dem Urteil (find ich persönlich am brauchbarsten, aber hinterher ist man ja IMMER schlauer):
    http://www.zeit.de/online/2007/25/ermyas-kommentar

    Einfach mal hintereinander weg lesen … ist sehr erhellend.

    Dazu ein Zitat von Helmut Schmidt:
    „Politiker und Journalisten teilen sich das Schicksal, dass sie heute über Dinge reden oder schreiben müssen, die sie erst morgen ganz verstehen.“

    Das sie das TUN sehe ich auch, aber dass sie das MÜSSEN liegt daran, dass WIR darauf REINFALLEN. Dadurch entsteht eine Konkurrenz um die GÄNGIGSTE Aussage und nicht z.B. um die WAHRSTE oder HILFREICHSTE.

  36. 36

    @shoggoth: Das Problem ist genau dieses: Wer definiert, was Terror ist.

    Ist es nicht systematisch, wenn eine Gruppe von Menschen andere als mindere Menschen betrachtet und daher Handlungen ableitet bzw. ableitbar macht? Wären dann spontane Handlungen nicht auch systematisch?

    Und genau das glaube ich nicht. Ich glaube, dass auch Nazis aus dem Affekt handeln können, dass sich nicht jede ihrer Handlungen aus ihrer verkorksten Kindheitsgeschichte, ihrer niedrigen sozialen Stellung, die sie dann zum Nazitum hat übergehen lassen, aus der sich dann ihre Tat herleiten lässt, motiviert. Ich glaube, diese Form der Bedingtheit muss man erst beweisen, und sie nicht voraussetzen. Ich empfinde das als unlauter.

  37. 37

    @Henry: Ja, richtig. Ich versteh diesen brandenbuirgischen Dialekt immer noch nur so halb.

  38. 38
    OverFlow

    Was interessiert mich Terror in Bezug auf rechte Gefahr? Dieter Hildebrandt hat es in der aktuellen Sendung „Neues aus der Anstalt“ auf den Punkt gebracht. Die Diskussion ist meiner Meinung nach irrelevant. Jeder soll sich Herbert Wehner (gespielt von Hildebrandt) vor Augen führen, weil besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Und hier wird über die Definition von Terror diskutiert, Entschuldigung … Thema verfehlt.

  39. 39
    shoggoth

    @Frédéric:
    OK – mit ein wenig Denken komme ich Dir näher:
    Wenn eine ideologisch verseuchte Persönlichkeit des äußersten politischen Spektrums (also egal ob Links – oder Rechtsextrem) in welchem Zustand (Alkoholeinfluss) auch immer, einer anderen Person Schaden zufügt, weil diese Person nicht in die Ideologie passt ist das dann spontan?

    Näher komme ich Dir, weil ich zugestehen muss, dass jeder spontanen Tat bzgl. der Wahl des Opfers oder des Gegenstandes die dahinterliegende Ideologie/Überzeugung steht.
    Mist.
    @Overflow: Was hat denn nun Wehner gesagt? Muss ich da selbst hin oder sagst Du es noch? Geht es um seine Moskauer Zeit oder was? Oder wie?

    Und an den Admin: Wieso war ausgerechnet mein Beitrag über Stunden gesperrt, während hier andere abfreaken dürfen (von rechtslastig anmutenden Äußerungen bishin zu Beschimpfungen. Die Rechten benutzen die Worte doch eh nicht, falls ich in Eurem SuperFilter gelandet bin…

  40. 40
    Harm

    Ich schaue mal ganz kurz in die kriminalistische Spiegelkugel in meiner Küchenpsychologieküche, und siehe da:
    Der, oder die Täter (Ermittlungsstand: Glatze, Kopftattoo, „Kameradenrache“) griffen ganz autonom und ohne zentrale Planung eines „Oberkommandos zur Lösung der nationalen Frage“ zum Lebkuchenmesser.
    Mit einem Kopftattoo hat man die persönliche Karriereplanung im ländlichen, südbayerischen Raum vermutlich aber auf „Motorrad-Mechaniker“ eingeschränkt, bzgl. verzichtet auf so etwas, wie z.B. Pläne.
    Weil die neuen Freunde das neue Kopftattoo total cool und gefährlich finden, und einleuchtende Antworten bereithalten, warum man mit einem Kopftattoo, Kastrationsangst und nix in der Birne, auf ein Leben als Josef Ackermann verzichten muss, lässt man sich gerne radikalisieren.
    Die Adressen der Feinde liegen ja schon im Internetz. Und, nein, es wird keine Dunkelziffer der Lebkuchenmesser-Attacken auf weniger prominente Symbole verschwiegen.
    Wenn das kein Terror ist, dann war Mohammed Atta ein Student, der den Anforderungen des Elternhauses an ein erfolgreiches Studium im Ausland nicht gewachsen war, aber trotzdem was sinnvolles aus seinem Leben machen wollte.

  41. 41

    @Harm:
    Du machst mir Angst mit ‚Mutmasslich‘.

    In dieser Zeit sind mir Spekulatius lieber als Spekulationen.

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