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Bundesligaspieltag 32 – mit Film


Wofür dieses Bild steht, darf sich jeder selbst ausdenken. Ha! Kokoschka, zwei alte Herren und ein kleines Manifest des Unfugs nach dem Klick.

Vielleicht ein Wort zu Beginn, bevor mir wieder und wieder Ahnungslosigkeit und Irrelevanz vorgeworfen wird: In der Bundesligaberichterstattung auf Spreeblick… Falsch. Das ist keine Berichterstattung. Ich schreibe, was ich über Fußball schreibe, weit jenseits allen Expertenwissens. Wer Erkenntnisgewinn sucht, ist hier falsch. Ich hatte die Lebensmittel zum Spieltag bei Fooligan eingeführt, weil ich genervt war von allen gleichklingenden Analysen in der Tagespresse und was ganz anderes machen wollte: kleine Auffälligkeiten, Wortspielereien, Querverweise auf Popkultur, Kram eben. Wer Analysen haben will, kann sich gerne beim indirekten Freistoß umsehen, da findet jedes Tierchen sein Pläsierchen.

VfL Wolfsburg – Borussia Dortmund 3:0
Hach, war das rührend. Die Szene, kurz nachdem Prince Kevin Boateng, der Tim Wiese des Spieltags, Hasebe den Kopf fachgerecht zu entfernen suchte, und Prince Kevin Boateng dann, offensichtlich weniger entsetzt über seine Tat als vielmehr den Linienrichter, die olle Petze, der dem Schiedsrichter den völlig überdimensionierten Unsinn mit der roten Karte ins Ohr geflüstert hatte, als Prince Kevin Boateng dann kurz davor war, vor Verzweiflung auf den Rasen zu sinken und hemmungslos zu heulen, sich händeringend vom Platz eskortieren ließ und hin zu Papa Klopp ging, der ihn dann schützend in den Arm nahm und tröstliche Worte in sein Ohr flüsterte, und man weiß plötzlich genau – Klopp wäre ein guter Sozialarbeiter geworden.
(Dieser Satz wurde ohne Verwendung von Punkten hergestellt.)

Bayern München – Bayer Leverkusen 3:0
Woran erinnern mich denn die Bayernbank-Aufnahmen der letzten beiden Spieltage? Woran nur? Zwei alte Männer, einer etwas beleibter, einer ein wenig größer, sitzen zusammen und haben offensichtlich Spaß, sehen aber bisweilen ganz schön gneisig aus, hm. Woher kenn ich das bloß, woher kenn ich das bloß…

Karlsruher SC – Hannover 96 2:3
Joshua Kennedy, Angriff, 21 spiele, 0 Tore, 3 Vorlagen. Den stellen der Ede doch auch nur noch auf, damit sich der Engelhardt nicht so allein vorkommt mit seiner 68er-Gedächtnisfrisur. Wie dem auch sein: Auf ein andermal, KSC!

1. FC Köln – Hertha BSC Berlin 1:2
Pantelic, das ist bekannt, leidet nicht an einem zwergwüchsigen Ego. Neulich meinte er in einem Interview, das ich gerade nicht wiederfinde und deswegen aus dem Gedächtnis zitieren muss, dass es schwer werde, eine Mannschaft mit zwei solchen Ausnahmespielern zu schlagen. Gemeint hat er Hertha, Voronin und sich selbst. Wer so ein Ego hat, warum sollte der eigentlich nicht Meister werden.

Eintracht Frankfurt – Werder Bremen 0:5
Bremen tingelt ja gerade als eine Art Wanderzirkus durch die Lande, und Spieltag um Spieltag reibe ich mir verwundert die Augen, wie viel zu hoch Boenisch seine Flanken schlägt und dass Hugo Almeida denen trotzdem immernoch hinterherspringt. Friedhelm Funkel allerdings hat die Vorstellung nicht gefallen: der sah am Ende aus wie von Kokoschka gemalt.

Energie Cottbus – Borussia Mönchengladbach 0:1
Fußball hat da eigentlich keiner erwartet, eher eine Reminiszenz an frühere Zeiten, eine Grabenschlacht, sagen wir: Verdun. Und mit Fußball hatte das ja auch reichlich wenig zu tun, beide Sturmabteilungen strahlten die Gefährlichkeit eines entzahnten Hamsters aus. Dazu passten die niedlichen himmelblauen Strampler der Borussen, die waren sehr schön. Und allein die vierfache Umdrehung der Zunge in Meiers Mund war das Tor ganz am Schluss wert.

Hamburger SV – VfL Bochum 3:1
Die Hamburger sahen vor Anpfiff aus, als wären sie nach einem ganz bösen in Alkohol ertränkten gemeinschaftlichen Pokerabend aufgewacht und hätten festgestellt, das jetzt alle pleite sind. Jetzt gehts wieder einigermaßen, zumindest Atouba hab ich einmal kurz lächeln sehen in dieser an positiven Emotionsäußerungen doch eher zurückhaltenden Mannschaft.

Arminia Bielefeld – 1899 Hoffenheim 0:2
Fünf Millionen, hat der Rangnick gesagt, hätten sie mehr zur Verfügung, wenn sie Wellington nicht geholt hätten für Transferaktivitäten nächste Saison. Da werden doch noch zwei Euro fuffzig für ein ordentliches Trikotdesign drin sein, damit die Herrschaften nächstes Jahr nicht nach Freiburg marschieren müssen in diesem Müllmannorange.

Schalke 04 – VfB Stuttgart 1:2
Es liegt ein fundamentales Missverständnis vor, wenn von Schalke gefordert wird, nach vorne zu spielen. Das hatten die diese Saison überhaupt nicht vor. Heute standen, im Mittelfeld, Engelaar, Jones, Rakitic und Westermann sich die Füße breiter, wer soll denn da das Spiel machen? Rafinha? Schalke hat diese Saison doch durchgehend versucht, so zu spielen, als wären sie akut abstiegsgefährdet. Die wollten nie spielen, immer bloß beißen. Vielleicht hat das dem Magath so gut gefallen.

11 Kommentare

  1. 01

    in punkto müllmannorange fällt mir amüsanterweise vor allem cottbus ein, lieber frédéric. (hihi..)

  2. 02

    Ich Wünsche mir weniger Fußballcontent auf Spreeblick. Fußball hat schon in vielen anderen Medien einen zu hohen Stellenwert.

  3. 03
    miles

    hm..ich finde das mal eine andere Art von Analyse und die sollte hier auch so weiter bestehen bleiben

  4. 04
    Frédéric Valin

    @Angela Merkel: Zu hohen Stellenwert geht gar nicht. Echt nicht!

    @jo.: Ja, ich hatte das an anderer Stelle schon mal thematisiert. Obwohl ich wirklich ungern schlecht von Cottbus rede.

  5. 05
    bunki

    Ist denn in anderen Städten die Müllabfuhr auch so hübsch in Apfelsinenfarben unterwegs? Oder sind wir hier in Berlin nur BSR-Augenkrebs-geschädigt, dass uns bei Neonorange immer nur Müll oder die Abfuhr desselbigen einfällt?

  6. 06
    Frédéric Valin

    Im Allgäu sind die, so weit ich weiß, auch farblich als Orangelimonade gekennzeichnet.

  7. 07
    Jakob

    In Meck-Pomm sind sie auch grundsätzlich orange (lokale Ausnahmen nicht ausgeschlossen).

    Übrigens danke mal für diese Artikel, Frédéric! Sicher mag sie nicht jeder (ist ja mit vielem so) und auch ich finde sie nicht immer SO unterhaltsam. Dennoch sind sie immer wieder für einen netten Gedanken, schiefen Vergleich oder lustige Wortspielerei gut. Und sie sind mal die etwas andere Herangehensweise an den Fußballzirkus.

  8. 08

    HmPf

    Without Alcohol

    Liebe kleine wuschelige Samtpfoten zu missbrauchen,
    indem man diese (manchmal) unschuldigen Tiere für
    uneigennützige Zwecke ‚benutzt‘ Ist ein Foul…
    Darauf steht die Mindeststrafe laut ‚Katzengesetz‘
    _

    Nicht ich bin der Richter…
    http://www.katzen.de/german/

  9. 09

    @Frédéric Valin: stimmt, ich erinnere mich. und dass du ungern von cottbus redest, ist mir auch schon aufgefallen.
    (im übrigen: gute sache, diese spieltagszusammenfassungen hier. top!)

  10. 10

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