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Totschweigen hilft nicht gegen Homophobie

Prof. Dr. habil. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz ist empört. Deswegen hat sie einen Aufruf „Für Freiheit und Selbstbestimmung“ unterzeichnet. Darin streitet sie sich für wissenschaftliche Information und Auseinandersetzung und wehrt sich gegen die „totalitären Bestrebungen der Lesben- und Schwulenverbände“. Mit ihr haben ungefähr 370 weitere Personen den Aufruf unterzeichnet.

Anlass ist ein Kongress. Vom 20. bis 24. Mai soll in der Stadthalle Marburg der „6. internationale Kongress für Psychotherapie und Seelsorge“ mit dem Titel „Identität, der rote Faden in meinem Leben“ stattfinden. (Die Alternativtitel „Identität, das schwarze Loch in meinem Kopf“ oder „Identität, der gelbe Vogel auf dem Balken im Auge meines Nächsten“ hatten sich leider nicht durchsetzen können.) Zu diesem Kongress sind zwei homosexuellenfeindliche Referenten eingeladen worden: Christl Ruth Vonholdt (Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft) und Markus Hoffmann (Wüstenstrom).

Vonholdt und Hoffmann sind Anhänger der Konversions- oder Reparativtheraphie, die Homosexuellen bei ihrem Weg in die Heterosexualität helfen will. Charakteristisch für Vonholdt ist, dass sie nur Studien und Forschungsergebnisse gelten lässt, die ihre Ansichten unterfüttert, und ihr den Anschein einer wissenschaftlich Tätigen geben. In einem Interview sagte sie zum Rheinischen Merkur:

Und es gibt Hinweise in Studien, dass Kinder, die in homosexuellen Partnerschaften leben, häufiger als andere Kinder in ihrer geschlechtlichen Identität verunsichert sind und häufiger homosexuelle Erfahrungen machen.

Es ist unklar, woher diese Ergebnisse kommen: Diverse Studien der letzten Jahre kommen zu gegenteiligen Schlüssen.

Dass es Vonholdt nicht um Wissenschaft geht, legen auch die Titel ihrer vorgelegten Arbeiten nahe, zum Beispiel „Ein Irrweg fordert heraus“ [pdf]. Es handelt sich um eine Art Kampfschrift für Ehe und Familie, notdürftig unterfüttert mit diversen Forschungsergebnissen, die gegen ein Ehe- und Adoptionsrecht homosexueller Paare polemisiert.

Die Therapien, die Vonholdt und Hoffmann verfolgen, werden sowohl vom Berufsverband Deutscher Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie als auch von der Bundesregierung verurteilt. Die Bundesregierung wies „auf die Ergebnisse neuerer wissenschaftlicher Untersuchungen“ hin, „nach denen bei der Mehrzahl der so therapierten Personen negative und schädliche Effekte (z. B. Ängste, soziale Isolation, Depressionen bis hin zu Suizidalität) auftraten und die versprochenen Aussichten auf ‚Heilung‘ enttäuscht wurden.“

Das sehen die vielen Unterstützer des Aufrufs „Für Freiheit und Selbstbestimmung“ offensichtlich anders. Unter den Unterstützern befinden sich neben bekennenden Homosexuellen-Hassern auch zwei Mitglieder des Deutschen Bundestags, Norbert Geis (CSU) und Hans-Joachim Fuchtel (CDU), und der Fraktionsvorsitzender der CDU Marburg Philipp Stompfe. Als evangelikale Einrichtungen mit antihomophoben Parolen verschönert wurden, verurteilte er CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Heck die Aktionen „aufs Schärfste“. Der katholische Nachrichtendienst kath.net sprach gar von „Gewaltakten.

Die katholische Kirche hat weniger Schwierigkeiten, Pädophile zu decken als bekennende Homosexuelle im Priesterstand zu belassen; bisweilen bekämpft sie Homosexualität sogar offen als Krankheit und Sünde. Die Evangelikalen und Teile der CDU auch. Das lässt sich nicht durch Aufrufe zur Freiheit und Selbstbestimmung vorbeizaubern. Die Behauptung, die Schwulen- und Lesbenszene verfolge totalitaristische Bestrebungen, ist von einer Dreistigkeit, die einen angesichts der Berichte aus aller Welt und in Deutschland in ungläubiges Schweigen verfallen lässt. Vor allem, da selbst die Familienministerin Ursula von der Leyen Verbindungen zu fundamentalen Christen mit homophobem Hintergrund unterhält.

Die Universität Marburg, die dem Kongress die Räume zur Verfügung stellt, will dem Kongress weiterhin Räume zur Verfügung stellen, und der Oberbürgermeister Egon Vaupel sieht „keine Veranlassung, die Ausrichtung dieses Kongresses in der Marburger Stadthalle zu untersagen.“

45 Kommentare

  1. 01

    so ekelhaft diese positionen sind, so sind sie trotzdem vom recht auf freie meinungsäusserung gedeckt. proteste gegen solch krude theorien sind natürlich umso wichtiger. es gibt genügend anlässe um auf die mißstände in kirchen (und nicht nur da) sehr laut hinzuweisen. man kann aber nicht alles verbieten, was einem gegen des strich geht. so bescheuert, engstirnig und homophob die äusserungen und arbeit dieser „wissenschaftler“ auch ist.

  2. 02
    bongokarl

    Danke. Es gibt kaum ein anderes Thema, bei dem ich es so wichtig finde, kompromisslos Position zu bekennen.
    Ich verstehe nicht, warum die Marburger nicht sagen: Wir wollen erklärten Lesben- und Schwulenhassern keine Plattform bieten. Ich dachte bei Marburg bisher immer an eine „linke“ Universitätstadt.

  3. 03

    @gero nicht alles was man sagt ist auch eine legitime meinung. aber selbst wenn man davon ausgeht, dass das eine schützenswerte meinung ist, muss und sollte eine öffentliche universität keine räume für solchen mumpitz zur verfügung stellen.

  4. 04

    @tom zu entscheiden, was eine ‚legitime meinung‘ ist, wage ich mir nicht anzumaßen und ich kenne auch niemanden, der das tun könnte/sollte. ich weiss, dass mich deren „meinung“ oder „position“ persönlich anekelt. was nichts daran ändert, dass ich auch diesen menschen das recht zuspreche, ihren dünnpfiff in der öffentlichkeit von sich zu geben. auch in einer universität, die ja eine öffentliche einrichtung ist und deshalb sehr gut geeignet für disskusion, argumentation und das aufeinandertreffen von weltbildern. ich hoffe nur, dass die studenten dort genug chuzpe haben, den herren und damen genug gegenöffentlichkeit zu schaffen und deutlich zeigen, was von homophobie (unter welchem deckmantel und mit welcher begründung auch immer) zu halten ist.

  5. 05

    Tja, immer wieder die Frage: Wenn man versucht, extreme Beiträge zu einem Diskurs durch Protest zu verhindern, ist das dann Teil dieses Diskurses (also legitim) oder zerstört man ihn damit (voll uncool)?

  6. 06
    Martin2

    Ich würde einfach einen Homophoben-Kongress abhalten zur gleichen Zeit.

    „Ursachen und Wege aus der Homophobie“ o.ä.

  7. 07
    Frédéric Valin

    @partikelfernsteuerung: Grafitti zu malen ist auf jeden Fall Diskursbeteiligung, würde ich sagen.

  8. 08

    In der Tat immer wieder schwierig das alles. Wenn jemand sagt, er fände Homosexualität, sagen wir mal: „nicht normal“, dann ist das meist eine Meinung. Wenn jemand jedoch Konferenzen veranstaltet, auf denen „wissenschaftliche Beweise“ für eine „Krankheit“ von homosexuellen Menschen vorgestellt werden, dann ist das u.U. keine Meinung mehr, sondern Propaganda. Um genau jene auszuschließen, schützt das Grundgesetz jene, deren Leben, Einstellung, Religion, Sexualität usw. vielleicht von der Mehrheit abweicht. Mal so in Kurzform. Und das ist schon allein deshalb sinnvoll, weil sich die Mehrheit mal eben schnell ändern kann. In der Politik, aber auch in anderen Bereichen.

    Und selbst wenn irgendein Kongress nicht gegen das GG verstößt, hat es mehr mit Meinungsfreiheit zu tun, wenn Veranstalter Farbe bekennen und bestimmten Veranstaltungen eine Absage erteilen. Man muss bestimmte Positionen nicht immer gleich verbieten, das bringt ja selten etwas. Man muss ihnen aber auch nicht mehr Raum als nötig bieten. Eine Absage wäre eine Form von Zivilcourage.

  9. 09

    Ha, das sind doch garantiert die gleichen Marburger, die die Lesung meines werten Slam-Kollegen Jaromir Konecny boykottiert haben.

  10. 10
    Frédéric Valin

    @Johnny Haeusler: Noch schwieriger wirds, wenn man sagt: okay, aber eine Universität ist keine Person und kann deswegen keine Zivilcourage zeigen.

    Ich finde ja, dass es an CDUlern und Katholiken mangelt, die sagen: Das ist scheiße, da muss sich endlich was ändern. Man kriegt diese Leute ja nicht wegverboten, die Institute werden trotzdem bestehen und sie werden weiterhin eingeladen werden. Raumentzug hin oder her, das sowas kann die katholische Kirche doch nicht dulden, und die Mehrheit der Katholiken doch auch nicht. Aus der Ecke sollte mal einde deutliche Wortmeldung kommen, finde ich.

  11. 11

    man kann die herrschaften aber auch ins haus holen und sie argumentativ auseinandernehmen. wird ihnen dieser raum untersagt, dann verschwinden sie in eine dorfkneipe, ganz ohne gegenöffentlichkeit, und verbreiten ihren mumpitz dort weiter. so ist aber eine kontrolle möglich.
    wenn du einen feind nicht besiegen kannst, dann mach ihn dir zum freund.

  12. 12
    Max

    Was ich aber einfach nicht verstehe ist wieso immer wieder (vorallem in Amerika) davon ausgegangen wird das rechte der Homosexuellen irgendwie die Familie zerstören.

    Klärt mich da wer auf?

  13. 13

    Wahrscheinlich wären jene Evangelikalen und Homosexuellenhasser ein Fall für den Verfassungsschutz oder eine ähnliche Einrichtung. Eine Beschäftigung mit dem Thema von deren Seite wird es aber wohl nicht geben, weil die CDU da viel zu tief in diesem menschenverachtenden Sumpf mit drinnen hängt.

    Hat die SPD eigentlich auch derartige Leichen im Keller? Die Grünen?
    Von meiner Warte aus müssten die Schwulen- und Lesbenverbände noch sehr viel nachdrücklicher und unnachgiebiger gegen solche Leute vorgehen.

  14. 14

    @johnny ich glaube, es ist schwer, bei solchen grundsatzdiskussionen eine lösung zu finden. ich verstehe deine argumentation und auch die motivation dahinter. ich finde nur, der fakt, dass es solche gestalten gibt, und das sie öffentlichkeit ud unterstützung bekommen, zeigt, dass in deutschland für homosexuelle, wie gerne behauptet wird, eben nicht alles friede, freude, eierkuchen ist. das ist ein grundsätzlich ‚positiver‘ nebeneffekt in meinen augen. es ist immer noch so, dass es ausserhalb von berlin schöneberg und köln schwierig ist, offen farbe zu bekennen. und der fakt, dass die ganze sache von mainstreamgruppen wie der katholischen kirche und der cdu unterstützt wird, zeigt wieder mal, dass a) die cdu/csu nicht wählbar ist und es nie sein wird und b) die lächerlichkeit und menschenfeindlichkeit der kirchen und grossen religionen (ich nehm da keinen wirklich aus) ein viel grösseres thema sein muss und noch schärfer thematisiert werden muss(!). diese typen werden immer öffentlichkeit suchen. öffentlichkeit, in der man sie auslachen kann, ihnen zeigen kann, wie falsch sie liegen und ihre ignoranz um die ohren hauen kann. das ist disskurs, dafür leben wir in einer demokratie. ich bin nicht dafür, dass man die sachen verbietet. aus den augen aus dem sinn klappt auch woanders nicht. zerrt sie in die öffentlichkeit, macht sie zum thema, entlarvt die homophoben tendenzen in allen schichten der gesellschaft, lacht sie aus und von mir aus, malt die kirchen rosa an.

  15. 15
    Björn Grau

    @NetReaper: Das Problem sind nicht nur die prominenten Parteivertreter. Ein schwuler Freund von mir war jahrelang im Vorstand eines schwäbischen SPD-Ortsverbandes. Dann kamm er mit seinem neuen Partner zum Parteisommerfest und die Genossen verweigerten die Begrüßung.
    Homophobie ist immer noch unerträglich weit verbreitet.

    Und Hochschulveranstaltungen, die solche Positionen ohne zumindest kritische Stellungnahme zulassen, helfen dabei, dass das normal bleibt. Ich find’s traurig.

  16. 16

    Schlimm sind nicht die Durchgeknallten, die so etwas von sich geben, sondern die, die es ihnen glauben und folgen.

  17. 17
    Frédéric Valin

    @gero: Rosa Kirchen!

  18. 18
    Lebedjew

    Bei mir hat sich seit einigen Jahren so eine Art „žTelehomophobie“ eingeschlichen: Gegen die geistlosen Selbstpersiflierer Marke Thomas Hermanns. Es gab zwei Gründe, selbige für sich zu behalten: Erstens ist antithetisches Überzielhinausschießen einer ehemals verfemten Gruppe zu tolerieren auf ihrem Weg, der dann hoffentlich irgendwann zu einer Art Normalität führt, über die keine Worte mehr zu verlieren ist, und zweitens: s.o.
    So unlustig kann kein Quatsch Comedy Club; so penetrant kann keine Homoerotisierung einer überflüssigen Schlagerveranstaltung sein, als dass man sich freiwillig in die Nähe dieser Verwissenschaftlichung von Dummheit begeben möchte.

  19. 19

    An der Uni Marburg scheint auf jeden Fall durchaus Bewegung in der Diskussion zu sein. Zu den Vorwürfen nimmt die Uni in einer Mitteilung Stellung:

    Das Universitätspräsidium stehe gegen Diskriminierung und für die Wahrnehmung von Minderheitenrechten ein. In gleicher Weise stehe es für freie Meinungsäußerung ein, die nicht leichtfertig zur Disposition gestellt werden dürfe.

    Der AStA ruft zur Demo auf, lädt zur Alternativdiskussion ein und hat außerdem kritisiert, dass eine argumentative Auseinandersetzung wegen der 130€ Konferenzgebühr unmöglich sei. Die danach von Uni und Veranstalter ausgehandelten 10 Freiplätze für Studierende wurden laut Uni vom AStA abgelehnt.
    Das komplette Protestbündnis betreibt ein gemeinsames Infoblog.

  20. 20

    @Lebedjew: Bei heterosexuellen Selbstpersiflierern à la Atze Schröder oder Mario Barth stellst du deren platte Plointen doch auch nicht in einen Gesamtkontext der sexuellen Orientierung, oder?

  21. 21
    Frédéric Valin

    @Max: Ich verstehs auch nicht. Anscheinend ist die Familie, die funktionierende Familie wohlgemerkt, die es vermutlich nur in Kinderbüchern gibt, die Keimzelle jeder erfolgreichen Gesellschaft. Das ist die konservative Sicht. Aber mehr weiß ich dazu auch nicht.

  22. 22
    Aron

    ‚Der/die Homosexuelle ist eine Diagonale durch die Gesellschaft‘ – glaube Derrida hat das gesagt – und das soll sie/er auch bleiben. Punkt.

    Irgendwann ist dann auch Menschlichkeit heilbar – denn es muß wohl eine Krankheit sein.

  23. 23

    Dass wir in einer Gesellschaft leben, in der es möglich ist, überhaupt zu diskutieren, ob Lesben und Schwule krank sind, ist für mich unerträglich. Zeigt das doch, wo das Problem mit der vielgepriesenen „Toleranz“ liegt. Ich persönlich bin für die Akzeptanz von unterschiedlichsten Lebensentwürfen. Auf Toleranz kann ich verzichten. Eine deutliche herzerfrischende Ablehnung, damit kann ich erheblich besser, nicht jeder muss mich mögen als diese „mitleidigen“ Lesben, Schwulen und Kinderretter.

    Wenn eine derartige Diskussion in einen anderen Kontext geführt würde, dann ist man gefährlich nah an einer Strafanzeige wegen Beleidigung oder was auch immer. Beispielsweise gläubig sein ist krank, führt zu Entwicklungsschäden bei den Kindern und ist zu behandeln. Ich bin mir sicher, dass ich in der Lage eine beweiskräftige Studie darüber herzustellen.

  24. 24

    hole noch das Häkchen bei E-Mail Benachrichtigung nach.

  25. 25

    @somlu: damit sind wir genau bei dem punkt, den ich meine.
    ich möchte das recht haben, eine meinung wie bill maher * zu vertreten ohne dafür eine beleidigungsstrafe zu riskieren. das recht spreche ich aber eben auch anderen zu.

    „religious people, have a neurological disorder. And the only reason why people think it’s sane is because so many other people believe the same thing. It’s sanity by consensus.“

    CALLER: „Hi. Well, my question is, the Lord spoke to me approximately three years ago, and if the Lord spoke to you, I was wondering if you’d become a believer.“
    MAHER: „No, I’d check into Bellevue, which is what you should do…“

  26. 26

    Yep, wegen mir gero, für mich ist der Punkt, dass scheinbar kaum jemand das Gefühl hat, dass gegen die Würde und das Selbstbestimmungsrecht von Lesben, Schwulen und ihre Kinder verstoßen wird, wenn solche Fragestellungen auf den Tisch kommen. Im Falle einer vom mir erstellten Studie zur Pathologie des Gläubigen würde ein Aufschrei passieren, wetten.

    Was machen denn diese Leute mit all den Kindern, die bei ihren schwulen Vätern oder lesbischen Müttern aufwachsen, die erst spät entdeckten, dass sie schwul oder lesbisch sind? Kinder in heterosexuelle Pflegefamilien geben? Unglaublich was sich da für Abgründe auftun, wenn man deren Argumentation näher anschaut.

  27. 27

    Nachtrag, ich kann schon nicht mehr zählen, wieviel Diskussionen ich mit ganz toleranten (!) Menschen geführt habe, weil sich das bürgerliche Eheideal so tief in die Hirne gefressen hat, dass kaum einer von den Diskutanten bemerkte, dass sie als z.B.Nachkriegskinder ohne Vater groß geworden sind oder als Scheidungskinder in Patchworksituationen.

    Alle diese vertraten die Überzeugung, dass zwei Frauen oder zwei Männer oder wegen mir zwei Frauen und zwei Männer (dieses Modell gibt es ja auch Kinder nicht erfolgreich groß ziehen können. Und das wo die Praxen von Therapeuten voll sind mit Menschen aus „glücklichen“ heterosexuellen Familien.

    Die Spaltung der Argumentation von der eigenen Lebensrealität ist absolut frapant

  28. 28

    natürlich ist die „wissenschaftliche“ argumentation würdeverletzend und niederträchtig. aber der punkt ist, dass sie sich damit nicht durchsetzten werden können, wenn man dagegen argumentiert, die widersprüche aufzeigt und diese argumente als das benennt, was sie ist: menschenverachtend.

    ich freue mich auf deine studie über pathologische gläubigen.

  29. 29

    g@gero, leider wird da meinerseits nichts passieren, zuviel Aufwand, ich würde die Sache nämlich ernsthaft betreiben und nicht nur ein bisschen Material zusammen stückeln und drei Leute nach ihrer persönlichen Meinng fragen. Dafür habe ich keine Zeit und letzlich kein Interesse.

    Wenn für jemanden der Glaube ein unverzichtbarer Teil seines Lebens ist und er oder sie mir deswegen nicht vorschreibt, wie ich zu leben habe, geschenkt.

    Zur Pathologie der Normalität empfehle ich hingegen gerne Arno Gruen. ;-) Der passt auch als Erklärunghintergrund für die Ursachen, die Menschen dazu treibt, das Leben anderer retten oder bewerten oder abwerten zu müssen.

  30. 30

    Frédéric, ich verstehe ja, dass du dich für Schwule und deren Akzeptanz einsetzen willst. Aber warum willst du ihren Gegnern gleich das Recht auf Äußerung ihrer (offenbar wissenschaftlichen) Meinung absprechen? Warum den Kongress „verbieten“, ihm die Räume wegnehmen – und das nur wegen zweier Redner vor dem Hintergrund vieler anderer Konferenzteilnehmer, die vermutlich dagegen halten werden? Vertraust du so wenig auf die Macht der freien Rede?

    Und noch eine andere Anmerkung: In der Psychologie ist es in der Tat häufig genug eine reine Meinungsäußerung, was man als „Krankheit“ bezeichnen will oder nicht. Ich kenne mich da nicht genau aus, aber ich meine zu erinnern, dass Psychologen teilweise alles als (heilungsbedürftige) „Störung“ bezeichnen, was auf bestimmten Kongressen als solche festgelegt wird.

    Und noch was:
    https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,615701,00.html

    Auch ein Grund, darüber zu diskutieren, oder?

  31. 31
    rio

    @Max:

    @Frédéric Valin:

    was die homo-ehe anrichtet? na ganz einfach: (zumindest in deren meinung)

    Republikaner: Homo-Ehe schadet Mittelstand

    Republikaner-Chef Michael Steele, Vorsitzender der US-Republikaner, hat bei einer Parteiveranstaltung in Georgia erklärt, dass gleichgeschlechtliche Ehen mittelständischen Unternehmen schadeten.

    Er beschrieb dabei ein Gespräch mit einer Studentin, die sich als fiskalisch konservativ, aber in gesellschaftlichen Fragen — insbesondere bei der Homo-Ehe — als links bezeichnete. Diesem Politikansatz wollte er entgegentreten: „Jetzt plötzlich gibt es jemanden, der zuvor kein Ehepartner war und für den der Arbeitgeber keine Verantwortung übernehmen musste, und jetzt muss er ihn als Ehepartner anerkennen und trägt finanzielle Verantwortung für ihn“, erklärte Steele. Er wies damit vor allem auf Sonderleistungen von Arbeitgebern wie der Krankenversicherung hin, bei der Ehepartner mitversichert werden müssen – der Arbeitgeber müsse sich dann folgenden Problemen stellen: „Wie bezahle ich dafür? Wer zahlt dafür? So jemand kostet mich Geld“, so Steele.

    Steele erklärte, er wolle das konservative Gedankengut in der notleidenden Partei retten. Im November 2008 hatten die Republikaner sowohl Repräsentantenhaus und Senat als auch die Präsidentschaft an die Demokraten verloren. Die Zentralelemente des Konservatismus — inklusive der Ablehnung von „Sonderrechten“ für Homosexuelle — müssten aufrechterhalten werden.

    Warum die Nachteile für Arbeitgeber bei der verschiedengeschlechtlichen Ehe als weniger dramatisch angesehen werden, erklärte Steele nicht. Das brachte ihm den Spott vieler Blogger ein: „Republikaner sind für Abschaffung der Ehe“, titelte etwa „Joho“. (dk)

  32. 32
    dax

    Liebe Leute,
    ich finde es ziemlich erschreckend, wie viel und wie schnell ihr Menschen hier Überzeugungen unterstellt. Es gibt laut Bericht zwei Referenten, die Homosexualität thematisieren. Der Kongress selbst besteht aus 7 Hauptvorträgen und über 100 Seminaren. Diesen ganzen Referenten pauschal Homophobie und Menschenverachtung zu unterstellen macht mich einfach sprachlos! Dann könnte man wahrscheinlich jegliche Großveranstaltung auseinandernehmen.
    Die Debatte, ob die Universität ihre Räume für so etwas öffnen sollte, erinnert mich etwas an die Raumdebatte vor jedem NPD-Parteitag – mit dem feinen Unterschied, dass hier Menschen mit christlichen Grundwerten zusammenkommen wollen.
    Ich komme aus Marburg und kenne einige Verantwortliche dieses Kongresses. Daraus möchte ich hier gar keinen Hehl machen. Deswegen ist meine Meinung natürlich gefärbt! Aber ich bin wahrscheinlich der einzige von uns, der mit Referenten und Verantwortlich des Kongresses gesprochen hat und auch die Kritik kennt. Ich unterstelle diesen Leuten Nächstenliebe.

  33. 33

    @dax du kannst gerne unterstellen, was du möchtest. wenn Aussagen wie:
    „Wir sollten nicht gleich nennen, was nicht gleich ist.“ (bezogen auf Homosexualität in unserer Gesellschaft) sowie das ausschliessliche Behandeln von Homosexualität unter dem Überbegriff „Leiden“ (beides aus „Homosexualität verstehen“ und „Eine Frage des Menschenbildes — Warum Homosexualität Sünde ist“ von Christl Ruth Vonholdt) für dich Nächstenliebe ausdrücken, haben wir ein unterschiedliches Verständnis der deutschen Sprache.

    Ich hab nicht alle Kommentare gelesen, glaube aber, dass niemand hier allen Referenten Homophobie vorwirft. Was aber Frau Ruth und Herr Hoffmann von sich geben, ist grundsätzlich und zutiefst menschenverachtend und homophob. Und wenn diese sich bei dem Kongress von anderen Teilnehmern / Rednern keine scharfe Kritik anhören müssen, unterstelle ich denjenigen keine Nächstenliebe, sondern Feigheit oder stille Zustimmung. So einfach kann das sein.

    Das Recht auf freie Rede soll jeder haben, auch und gerade in der Universität. Das Recht ernstgenommen zu werden, muss man sich verdienen.
    Menschen, die Nächstenliebe und ihren verkrusteten religiösen Ansichen als Vorwand verwenden, andere Menschen zu „verbessern“ und von ihrem „Leiden“ der Homosexualität oder Ungläubigkeit oder was auch immer zu heilen, haben dieses Recht in meinen Augen verwirkt. Menschen, die das Mund halten, wenn jemand solchen Scheiss erzählt, sind arme Würstchen und haben keine Respekt verdient.

    Sehr unterhaltsam und bezeichnend finde ich übrigens, dass der Gründer von Wüstenstrom Günter Baum heute wieder offen homosexuell lebt:“Je länger je mehr wurde mir bewusst, dass ich vor der Wahl stand: Entweder ich bin fromm, ‚asexuell‘ und psychoneurotisch oder ich lebe als Christ mein Schwulsein und bin psychisch gesund.“

  34. 34
    dax

    @gero: diese Zitate von Frau Vonholdt drücken für mich schlicht aus, dass ihre Thesen fehlgeleitet und nicht ernstzunehmen sind. Ihren Einwand, dass homosexuelle Gefühle für viele Homosexuelle nicht immer einfach sind, was sie als Leiden beschreibt, ist für mich angesichts von Homophobie in unserer Gesellschaft verständlich. Das ist allerdings ein Gesellschaftsproblem, für das Frau Vonholdt meiner Meinung nach keine Lösungen anbietet! Trotzdem möchte ich ihr Nächstenliebe unterstellen, gepaart mit mangelndem Taktgefühl.

    Zur Situation des Kongresses nochmals: zwei Personen mit fragwürdigen Überzeugungen sind geladen und alle Welt geht davon aus, dass sie DIE Meinung der Evangelikalen Welt repräsentieren und ALLE diese Meinung übernehmen werden. Ganz nebenbei: dieser Kongress hat nicht das Thema Homosexualität! Ich persönlich vertraue darauf, dass meine Mitmenschen reflektiert leben, gerade Ärzte, Psychologen und Theologen. Somit lasse reden.
    Dass in dieser Kontroverse Menschen reihenweise defamiert werden, wobei ich nicht nur die Referenten meine sondern sämtliche Christen Marburgs, und es zu massiver Sachbeschädigung der Kirchen im Stadtgebiet kommt verstört mich! Das hat nichts mit Diskussionskultur und Toleranz zutun.

    Die Kunst im Miteinander ist es, den anderen zu akzeptieren und auch mit seinen Meinungen stehenlassenzukönnen. In der Diskussion ist diese soziale Kompetenz gerade auf Seiten der Kritiker wenig zu erkennen.

    Ich bin gespannt, ob es diese Diskussion am Wochenende in die tagesschau schafft.

  35. 35
    Frédéric Valin

    @Simon: Dass da jemand dagegenhalten wird, ist eher unwahrscheinlich, wie Du feststellen wirst, wenn Du die Unterstützerliste mit der Referentenliste des Kongresses vergleichen wirst. Ich finde die Meinung, Homosexualität sei eine Krankheit, indiskutabel. Sie ist falsch. Das ist mein Empfinden, und ich sehe nicht, was es da zu diskutieren gäbe. Ich bin da ganz anderer Auffassung als gero. Für sowas bin ich nicht liberal genug.

    @dax: Vergleiche Unterstützerliste mit Referentenliste. Google mal das Ergebnis u.a. der oben erwähnten Gerl-Falkovitz. Und dann schau mal in das Kongressprogramm und finde einen einzigen, der pro Homosexualität ist. Und, als Sahnehäubchen, hat der Kongress als Kompromissvorschlag, weil sich viele schwul-lesbische Aktivisten den Eintritt von 130 Euro nicht leisten können, dann haben die Veranstalter zehn Plätze zur Verfügung gestellt, damit sich schwul-lesbische Aktivisten an der Diskussion beteiligen können. Von „wie viel und wie schnell ihr Menschen hier Überzeugungen unterstellt“ kann keine Rede sein.

  36. 36
    zion

    @Johnny Haeusler johnny
    warum ist propaganda keine meinung?
    was ist das fuer eine meinungsdiktatur?

    @Frédéric Valin freddy
    warum katholiken, wie waere es allgemein mit christen, bzw religioesen menschen allgemein?
    hast du was gegen katholiken?
    ich mag falsch liegen, aber sind die freikirchlichen portestanten nicht viel radikaler als die hedonitischen katholiken?
    es ist wirklich seltsam, diese einseitige weltbild, das du hier von dir gibts.
    katholiken und cdu-ler sollen sich gegen schwulenfeindlichkeit einsetzen?
    als ob schwulenfeindlichkeite ein cdu bzw katholikenproblem waere.
    naja, vielleicht hast du es ja auch ironisch gemeint.

    ps: ich kann dich gerne an einen schwulen vemittlen, der sich vor nicht allzu langer zeit katholisch taufen lies.
    ich kann das auch nicht nachvollziehen. aber sachen gibts, ….

  37. 37
    Frédéric Valin

    @zion: Ich hab nix gegen Katholiken. Wenn ich aber alle Aspekte religiösen Schwulenhasses abdecken wollte, dürfte ich keine Artikel schreiben, sondern Bücher. Ach was, Buchmeter.

  38. 38
    dax

    @Frédéric Valin: Darauf wäre ich gespannt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du über 10 sinnvoll gefüllte Seiten hinauskommst. Und das wäre schon viel. Nur mit Fallbeispielen könntest du Buchmeter füllen. Aber dass ist für jegliche Form der Homophobie möglich. Als ob alle Menschen, die religiös leben, gleich Schwulenhasser sind und damit anlass zu großen Sozialstudien bieten.

    Auf dem evangelischen Kirchentag in Bremen, der auch am kommenden Wochenende stattfindet, bekommen auf dem Markt der Möglichkeiten auch Organisationen von homosexuellen Christen Ausstellfläche und Raum um sich zu präsentieren. Dies machen die Veranstalter nicht um sie dann mit rohen Eier zu bewerfen (was man aus dem in dieser Diskussion dargestellten Bild von religiösen Menschen folgern könnte), sondern um Akzeptanz, Andersartigkeit und Offenheit zu leben.

  39. 39
    Frédéric Valin

    @dax: Es gibt Gegenbeispiele, na klar, und die evangelische Landeskirche ist kein homophober Verein. Keiner hat behauptet, dass alle religiös lebenden Menschen Schwulenhasser sind.
    Was evangelikale Christen, Freikirchler, katholische Fundamentalisten, den Papst selbst, religiös motivierte Homosexuellenverfolgung in arabischen Ländern und in Afrika und Südamerika anbelangt, wenn das keine Buchmeter füllt, weiß ich auch nicht. Als Religiöser tut man seiner Religion übrigens keinen Gefallen, in solchen Fällen abzubügeln, kleinzureden und auszuweichen.

  40. 40
    daniel

    Hm, wenn ich mir die Vortragsliste des Kongresses durchlese, entdecke ich manch Seltsames, viel Interessantes, aber nirgends etwas so Anstößiges, das einen derart aufgeregten medialen Proteststurm und das Beschmieren von Häusern rechtfertigt.

    Vielmehr scheinen die Kritiker des Kongresses hauptsächlich Feindbildpflege zu betreiben. Und evangelikale Christen sind diesbezüglich gerade stark nachgefragt.

  41. 41
    Frédéric Valin

    Was rechtfertigt denn das Beschmieren von Häusern?

  42. 42
    zion

    freddy,
    es lag mir auch fern, die katholische kirche oder die katholiken in schutz zu nehmen.

  43. 43
    zion

    @ alle meinungsdiktatoren

    eine meinung ist dadurch gepraegt, dass sie ein element der stellungnahme, des dafuerhaltens, des meinens im rahmen einer geistigen auseindandersetzung enthaelt.
    das meint zumindes das dingsbums in karlsruhe.
    oder kurz: eine meinung ist jede wertende stellungnahme.
    keine meinung ist eine tatsache. da aber auch tatsachen zumeist irgendwie mit meinungen verwoben sind, werden sie zumeist auch durch die meinungsfreiheit geschuetzt.
    das ist ein ziemlich umfangreicher schutzt, trotzdem ist es mit der meinungsfreiheit in dland nicht weit her.
    die leugnung der shoa ist verboten. ob das gut oder schlecht ist, darueber kann man geteilter meinung sein (stichwort: meinungsdikatur, bzw aufwertung einer meinung durch verbot, vermeintliches maertyrertum unter faschisten).

    aussagen wie:
    „schwule/christen/soldaten/familienvaeter/biertrinker/golffahrer sind doof/unattraktiv/haesslich usw“
    oder
    „schwul sein/blond sein/christ sein/geschieden sein/verheiratet sein/ ist (nach meiner meinung) unnormal/schaedlich fuer die gesellschaft“

    sind also meinungsaeusserungen.

    es mag seltsame leute geben, die seltsame kongresse veranstalten.
    sollen sie doch.
    ich denke, dass es die wenigsten schwulen und nicht-schwulen juckt, wenn irgendwelche spinner irgendwo in einem geschlossenen raum sich ueber die lebensgewohnheiten gedanken machen.

    vielmehr ist wohl von interesse, wenn irgendwo in neukoelln schwule angegriffen werde und ihrer koerperliche unversehrtheit in frage gestellt wird.
    oder wenn sie ein verrueckter eismann in schoeneberg von seinem eisladen vertreibt.

  44. 44
    dax

    @Frédéric Valin: Wenn ich deinen letzten Satz richtig verstehe meinst du, ich würde hier was abbügeln, kleinreden und ausweichen. Was du mit abbügeln meinst weis ich nicht, aber ich rede klein, weil hier etwas unglaublich groß geredt und aufgebauscht wird. deshalb zurück auf den Boden der Tatsachen. Und ausweichen tue ich sicherlich nicht, da ich konkrete Dinge benenne anstatt mich hinter pauschalen Phrasen zu verstecken. Ich hasse Pauschalisierungen.
    Und nochmal zu deinen Buchmetern: ich hab doch geschrieben, dass du mit Beispielen Buchmeter füllen kannst. Aber konkrete Theorien, sprich Homophobie weil Wertevorstellungen verletzt, weil Überzeugung, dass das Sünde ist, weil Intoleranz, weil Angst, weil … passen auf 10 Seiten.

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