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Schluss mit lustig

Es ist durchaus bemerkenswert, dass viele derjenigen, die den ursprünglich spontanen Yeaahh-Aktionen der letzten Tage so gerne jeglichen Sinn absprechen wollten, selbige erstaunlich ernst nahmen. Da gab es den ein oder anderen Artikel der Papiermedien und einen Tagesthemen-Bericht nebst Troll-Kommentar. Die Junge Union gab sich wie immer vergeblich Mühe cool zu sein und geiferte sich via Twitter an der unerheblichen Wikipedia-Diskussion auf, ob #yeaahh nun ein Flashmob sei oder nicht, und die CDU ließ heute wenig überraschend den Spaß beiseite, sortierte die angereisten Yeaah-Willigen schon vor der Tür aus und schmiss die wenigen, die es in den Saal geschafft hatten, kurzerhand wieder raus.

Insgesamt also keine schlechte Aufmerksamkeitsbilanz für das, was doch angeblich „Nonsens“ war und heute in dieser Form sicher seinen Abschluss gefunden hat. Doch auch wenn man die Aktion nicht überbewerten sollte, eines hat sie bestätigt: Macht bleibt arrogant.

Ihre „Freunde aus dem Internet“ hatte die Kanzlerin als Reaktion auf die Yeaahhs begrüßt und ihnen empfohlen „mal zuzuhören“, weil sie dann „was lernen“ könnten. Anders formuliert: „Ihr seid Aliens und außerdem dümmer als ich“. „Meine Freunde aus dem Internet“, das klingt ebenso geheuchelt wie „Meine Freunde aus der Türkei“ und meint in etwa das Gleiche: Geht doch bitte wieder dorthin zurück, wo ihr hergekommen seid, wir wollen mit euch nichts zu tun haben. Das Internet bleibt für Frau Merkel ein obskurer Ort, seine Benutzer irgendwelche jugendlichen Spinner, die man allenfalls belächeln, am besten aber belehren sollte. Da lacht die Generation Ü64 und ich frage mich, wann endlich wieder faule Eier fliegen.

Dabei hat es etwas beinahe niedliches, wenn Thomas Hinrichs im Tagesthemen-Blog lautstark darauf hofft, dass sein TV-Kommentar „den Vogel abgeschossen“ hätte, wo doch jeder Raab-Kandidat mehr Twitter-Reaktionen hervorruft. Hinrichs gibt sich kriegerisch, denn schließlich hatte er mit seinem Tagesthemen-Kommentar „gewissenhaft gezielt und mit voller Absicht drauf gehalten“. Im weiteren Verlauf des Textes fehlt nur noch der Deppen-Satz „Kunst kommt von Können“ und am Ende findet es Hinrichs natürlich super, dass man mal redet, mit den „neuen Freunden der Tagesthemen“. Von denen jene sicher noch was lernen können.

Ich gehe davon aus, dass der Spreeblick-Kommentar von Herrn Hinrichs hier echt ist (einiges weist darauf hin, ich kann mich dennoch irren), schade, dass er keine funktionierende Mailadresse hinterlassen hat, denn sonst hätte ihn meine ausführliche und äußerst freundliche Reaktion erreicht. Aber klar: Der Dialog soll nicht wirklich stattfinden, sondern nur im Tagesthemen-Blog gefeiert werden, in dem ausgewählte Kommentare schon nach wenigen Stunden freigeschaltet werden.

„Twitterer und Blogger“ mögen „vom Ross steigen“, fordert Hinrichs und fordert „Inhalte“ statt „Yeaahh“. Und mir wird schlecht, wenn ich solchen Unfug aus dem Mund eines Mannes höre, der sich ob GEZ schon seit Jahrzehnten keine Sorgen um seine Rente, geschweige denn um sein Gehalt machen muss und der danach auch noch droht: „Sonst bleibt ihr allein zurück“.

Alles falsch, Herr Hinrichs. Alles falsch. Vom Ross steigen können nur diejenigen, die darauf sitzen. Und das sind nunmal keine noch so arroganten Blogger, sondern Politiker, die eine ganze Bevölkerungsgruppe missachten und auf ihre Kultur von Internet bis Videogames allein mit Verboten reagieren, Politiker, die uns in einen beispiellosen Überwachungswahn geführt haben, trotz und wider aller inhaltsreichen Proteste.

„Sonst bleibt ihr allein zurück“? Zurückgelassen wurden wir längst. Aber allein sind wir nicht, keine Sorge.

58 Kommentare

  1. 01
  2. 02

    Ich finde den gesamten Yeaahh-Roman weiterhin amüsant, wurde mit der heutigen Geschichte der CDU wieder einmal darin bestätigt die Piraten zu wählen und weiß, dass ich nach dieser Wahl nie wieder „Yeah“ sagen werde. Denn ich kann’s bei Gott nicht mehr hören.

  3. 03

    @Marcel: Ist doch jetzt überstanden. :)

  4. 04
    PS

    macht korrumpiert.
    und absolute macht korrumpiert absolut!

    #ihr werdet euch noch wünschen, wir wären politikverdrossen!

  5. 05
  6. 06
    JanM

    Infuckingdeed.

  7. 07
  8. 08

    Wieder einer dieser Beiträge, für die ich Spreeblick so liebe. Weiter so! Wir sind ganz sicher nicht allein!

  9. 09
  10. 10
  11. 11
    Andreas

    Diese Überreaktion seitens der CDU zeigt IMHO doch nur, dass sie total nervös sind und großen Schiss haben vor dem Wähler. Und wie das Internet funktioniert, hat bei denen auch noch niemand begriffen. Der Initiator der heutigen „Yeaahh“-Aktion schreibt jedenfalls in seinem Blog (http://dkomm.wordpress.com/2009/09/26/yeaahh-mob-berlin-cdu-setzt-mitglieder-der-facebook-gruppe-auf-rote-liste/):

    „Als ich heute am Einlasszelt stand, sah ich meinen Namen mit einem roten Balken hinterlegt. In der Spalte standen die Hinweise „žYeaahh“ und „žSPD“ — wobei ich weder Mitglied noch Wähler dieser Partei bin. Ich wurde gefragt: „žFacebook-Gruppe? Yeaahh?!“ und versuchte mich dumm zu stellen, wurde aber wie viele andere schließlich nicht reingelassen.
    Die CDU hat demnach die in der Facebook-Gruppe angemeldeten Menschen auf eine rote Liste gesetzt und nicht zur Veranstaltung zugelassen. An andere Facebook-Mitglieder kamen CDU-Mails mit der Nachricht „žEs gibt keine freien Plätze mehr“, allerdings wurden heute auch Menschen spontan noch eingelassen, die sich weder auf Facebook noch per Mail bei der CDU angemeldet hatten. Ergo lässt sich davon ausgehen, das die „žausgebuchte Veranstaltung“ nur ein Vorwand seitens CDU war und bekennende Yeaah-Mobber gezielt ausgeschlossen wurden.“

  12. 12
    fruddi

    Blogger sind doch die einzige Lebensform die sich von ihrer eigenen Scheiße ernähren können.

  13. 13
    Grumpy

    Einfach nur Danke! Und die Gangart bleibt einen Schritt voraus.

  14. 14
    Johannes

    Merkel hat mit Humor auf Humor geantwortet, ich fand das gut. Und jetzt erzähl mir nicht das der Flashmob mehr Politik als Humor war. Wenn ihr das politsch gemeint habt, habt ihr das offensichtlich nicht rüber bringen können. Für 98% der Menschen in Deutschland ist das Internet (ja!) eben niiiicht der Lebensmittelpunkt. Unglaublich oder?! Du nimmst den Satz von Merkel viel zu Ernst bzw. hast die Ironie nicht bemerkt. Und du scheinst ja sehr genau zu wissen, was in ihrem Kopf vorgeht.

    Und natürlich werden GEZ Gelder verschendet, aber das hat doch absolut nicht, also GAR NICHTS mit der Diskussion hier zu tun. Keinerlei inhaltliche Auseinandersetzung. Nur eine Generalverurteilung von Politkern (Die Arroganz der Macht? Komm schon! Das stand auf billigen Antifastickern auf dem dritten Pissior von links auf dem Schulklo.) aufgrund unter fünf Gesetzen bezüglich Internet/Überwachung. Ich will das jetzt nicht runter spielen und ich wähle sicher nicht CDU (dass ich das schon sagen muss..), aber es gibt momentan wichtigere Themen als dieses. Namentlich zB Finanzkrise, Afghanistan, Bildung, Atomkraft usw.

  15. 15

    Kann es sein, dass sich hier irgendwie beide Seiten viel ernster nehmen, als angemessen wäre?
    Meinst du im Ernst, dass diese „Aufmerksamkeitsbilanz“ irgendwie erfreulich aussieht? Sich bloß darüber zu freuen, dass jemand sich mit den „Yeaahh“-Aktionen auseinandersetzt, und wenn auch nur, um sie als Nonsens abzutun, finde ich als Erfolgsmeldung ein bisschen schlank.
    Und wer sind eigentlich diese „Wir“, von denen du ab und zu redest, und von wem wurden die deiner Meinung nach zurückgelassen?
    Schluss mit Lustig, in der Tat.

  16. 16

    Das ironische an der ganzen „Yeaahh!“-Geschichte ist ja, dass die ganze Aktion niemals so hochgekocht wäre, wenn die Regierung Merkel, konkret v.a. die BM v.d.Leyen und Schäuble die sachliche, inhaltsreiche Kritik aus der Blogger-, Internet-Natives-, etc. Szene zu ihrer inkompetenten Netzpolitik ignoriert hätte.
    Ich könnte hier jetzt hunderte Links raussuchen zu Threads, Blog-Artikeln, Kommentaren, etc. die auf höchst sachlicher Ebene die Netzpolitik der CDU kritisieren. Das fängt irgendwann vor einigen Monaten an, geht über den Brief von Johnny an BM v.d.Leyen zur re:publica und findet seinen Höhepunkt in der Petition zu den Netzsperren mit über 150.000 Mitzeichnern. Wer jetzt im Wahlkampf nach Inhalten fragt: Bitte, da habt ihr sie. Nichts als Inhalte, völlig frei von Ironie und Sarkasmus.
    Das Problem ist glaube ich vielmehr, dass die Öffentlichkeit genauso wie die CDU selbst zu dieser Transferleistung, d.h. von sachlicher Kritik an Netzpolitik zu sarkastischen Flashmob-Aktionen nicht in der Lage ist. Dabei ist die CDU bzw. Frau Merkel es selber schuld: Wer sachliche Kritik ignoriert kann der politischen Opposition wohl kaum verübeln wenn sie auf sarkastisch-ironische Weise und „mit ihren Mitteln“ kontert.

  17. 17

    @leon: Nein, verübeln kann man das niemandem, und ich setzte mich ja auch durchaus ab und zu auf sarkastische Weise mit der Regierung auseinander. Man sollte sich halt bloß nicht einreden, dass man damit irgendwen überzeugen oder sonst besonders was bewirken könnte. Politik ist ein mühseliges, bürokratisches, schwer erträgliches Geschäft in diesem Land.
    Mir kommt das Auftreten von Herrn Hinrichs auch recht unsympathisch vor, aber wenn er meint, dass diese Einsicht vielen Yeaahh-Aktivisten zu fehlen scheint, gebe ich ihm Recht.

  18. 18

    @Johannes Du findest es wichtiger, sich um einen Krieg zu kümmern den unsere liebe Politik nicht als Krieg anerkennt, damit sie um Verbliebenenrente herumkommt (soviel übrigens zum Thema Distanz zum Menschen), sich um eine Bildungspolitik zu kümmern, die mit jedem Versuch sich den USA anzunähern schlechter wird, und in einer von Banken und spekulanten Krise den Banken und Spekulanten Geld in den… zu schieben, anstelle den Betroffenen?
    Wie kannst du nur ;)
    Ironie beiseite: Ja es gibt wichtige themen bei dieser BTW, aber ein Überwachungsstaat (ja es ist ein Überwachungsstaat wenn der Verfassungsschutz (innere Sicherheit?) die Privatsphäre von Menschen komplett abschaffen darf, auf Grund eines nicht näher definierten Verdachts. Wohnung, Telefon, PC. Vom BKA, das gerne mal Wohnungen ohne berechtigten/rechtlichen (Hinter)grund (http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/09/17/ohne-nachricht/) durchsucht wollen wir gar nicht anfangen.
    Wie ein Bekannter von mir kürzlich (sinngemäß) sagte: Macht versucht sich immer selbst zu sichern, je mehr Macht, desto mehr wird versucht diese zu behalten, und desto mehr Möglichkeiten dazu bestehen.
    Deshalb Nein zu CDU, FDP und SPD.
    Heißt trotzdem nicht das man Piraten wählen muss, das mal als Hinweis am Rande – die Nicht-Beschäftigung mit anderen Themen ist nämlich durchaus kritisch zu sehen.
    Apropos kritisch: Kritisch solltest du mit Zahlen umgehen. 98% ist die Zahl der 14-20 jährigen regelmäßigen, d.h. 1-6 Stunden täglich, Netz-Nutzer. Selbst bei den Rentner ist der Anteil derjenigen, die das Netz als Teil ihres Lebens betrachten (von Mittelpunkt ist nirgends die Rede) größer als die Auflage der BILD – und das gilt doch immer irgendwie als eine so beeindruckend große Zahl…
    PS: Argh Spreeblick, nach dem Edit verarbeitet er das @ nicht mehr richtig… deshalb jetzt durch Namen ersetzt

  19. 19
    ganzunten

    Meinegüte! Langsam geht mir diese Sache tierisch auf den Wecker. Wenn man die ganze Aktion nicht überbewerten sollte, warum machst du dann genau das in deinen Artikeln?

    „Macht bleibt arrogant.“ Bleibt? Also was war denn die Erwartung? Die „Yeaah“-Rufe waren doch wohl zugegeben eine Provokation — anfangs ja noch ganz lustig — mehr nicht. Kein wirklicher Protest. Und die geniale Schlussfolgerung, dass Frau Merkel (vielleicht sogar persönlich?) mit den „Freunden aus dem Internet“ nichts zu tun haben möchte und alle im Netz für „dumm“ hält weil bei Wahlkampfveranstaltungen Störenfriede unerwünscht sind? Bitte?

    Was mich persönlich stört ist die Haltung einiger elitärer Blogger — leider auch hier — die sich selbst als Vertretung Aller im Internet ausgeben möchten („…eine ganze Bevölkerungsgruppe…“).

  20. 20

    @Muriel: Nein, bewirken tut man damit in der Tat nichts, WENN der Adressat die Nachricht nicht versteht. Und insofern sind die yeaahh-Flashmobs auch „gescheitert“. Wobei die Hoffnung in der Regierung irgendjemanden inhaltlich zu erreichen nach der Petition wohl sowieso gestorben war und die Flashmobs imho auch nie diese Absicht hatten. Die Aktion war ja vielmehr Verarbeitung dieser Frustration und gleichzeitig die berechtigterweise „trotzige“ Rache an Merkel und ihren Ministern Schäuble und v.d.Leyen. Das traurige ist nur, dass das weder die CDU, noch die Öffentlichkeit verstanden hat.

  21. 21
  22. 22
    chris

    danke johnny! du hast mal wieder den nagel voll auf den kopf getroffen.

  23. 23

    D.h. jeder der auf einer CDU Veranstaltung „Yeah“ ruft wird rausgeschmissen? Das kann man durchaus als Erfolg verzeichnen. ;)

  24. 24
    Schtuef

    Schöner Artikel :)

    un ich geh etz mal diese verrückten Internetmenschen wählen

    (Warum sind so viele Leute die Nacht durch wach (und fähig zu kommentieren)?)

  25. 25
    lork

    Nochmal zu den Piraten: Klar gibt es andere große Probleme als den staatlichen Kontrollwahn im Internet. Aber mal ehrlich, wer traut den etablierten Parteien zu, diese zu lösen? Sie sind doch Teil des Problems!

    Die Mitgliederzahl der Piraten aber hat sich seit Februar verachtfacht (!) und sie wachsen rasant weiter. Es ist kein Zufall dass sich mittlerweile in über 30 Ländern Piratenparteien gegründet haben. Man muss den Piraten nur etwas Zeit geben, sich zu entwickeln. Sie stehen nicht für freie Downloads, sondern füe eine neue Form von staatlicher Transparenz und Basisdemokratie.

    Je transparenter und basisdemokratischer die Politik wird, desto gerechter und besser wird sie. Darum Piraten wählen!

  26. 26

    Sie sprechen mir aus der Seele.

  27. 27

    Als einer der „Yeaahh“ Guys, die leider unerwünscht waren, mal noch ganz kurz ein paar der für mich beeindruckensten Situationen:

    zuerst einmal ist es wirklich ein komisches Gefühl, wenn alles voller Grün ist, wegen einem WORT. Es sollte weder eine Straftat noch eine Odnungswidrigkeit noch sonst irgendetwas irgendwie Illegales versucht werden. Aber das Geplante reichte aus, um sich auf Sperrlisten wiederzufinden und vor der Arena immer von Polizei begleitet zu werden. Und zwar nicht der nette Streifenpolizist von nebenan, sondern Riotpolice.

    Was für mich persönlich aber schlimmer, wenn gleich eigentlich zu erwarten, war, waren einige Kommentare von CDU Anhängern, als diese nach der Veranstaltung die Arena verließen:
    Mit hochrotem Kopf, der auf deutlichen Bluthochdruck schließen lies, empörte sich ein ca. 70 Jähriger Herr über die Proteste vor der Halle. Die CDU sei doch die einzige Partei, die dem Islam (in Afghanistan) entgegen trete und der Islam die größte Bedrohung für „unsere Region“!
    Eine Dame, die ebenfalls ihre besten Jahre bereits hinter sich hatte, war so empört von der „Jugend von heute“ (die ja absolut nichts machte, als durch Polizei abgeschirmt „dastehen“), dass Sie kaum ihren Satz rausbekommen hat, der es dann allerdings in sich hatte: *sächsisch an* „Die jungen Leute von heute sollen doch mal was schaffen, die brauchen mal ne Schippe in die Hand, dann kommen die auch auf andere Gedanken. Das war früher anders!“ *sächsisch aus* (Wenn gleich es mich in dieser Situation sehr gefreut hat, mit meinen 30 Lenzen noch zur Jugend gezählt zu werden ;-))

    Nun denn, dann gehe ich jetzt mal wählen und ich hoffe, ihr auch.

  28. 28

    Die CDU ist Meinungsführer derer, die in der DDR eine Abkapselung der Machtelite von der Bevölkerung konstatieren. Sie ist eine der Parteien, die die Deutungshegemonie über die DDR-Geschichte mit dem Vorwurf zu besetzen suchen, dort hätte es eine Rundumbespitzelung mit konsekutiver Unfreiheit gegeben.

    Kann mir jemand erläutern, was der Unterschied zwischen ihren Vorwürfen und ihrer aktuellen Politik ist?

  29. 29
    msy

    …soviel Hilflosigkeit ist doch erstaunlich und macht deutlich, wie wenig das Internet in den Köpfen unserer Politiker angekommen ist. Das kommt mir so vor als wenn man versucht, als Laie (z.B. ich), die Relativitätstheorie zu erklären ohne wirklich Ahnung zu haben aber den Zwang verspürt das cool rüberbringen zu müssen. Sprich unsere Politiker wissen nicht damit umzugehen und haben’s satt mit dem WWW. Soviel Widerwort sind die einfach nicht gewohnt.
    Die gute alte Politikerwelt ist am zerbröseln.
    Phantastisch!

  30. 30
    anon

    (F*ck) Yeah!

  31. 31
    DrCromeo

    und alle so: ach Menno ey!

  32. 32

    Genau, Macht bleibt arrogant! Und das ist schlecht. Warum wollen dann alle an die Macht?;)

  33. 33
    billy_bob

    ich höre immer unsachlich, also ich fand die ganze kritik äußerst sachlich. schließlich stand da keiner mit „žxy sieht ganz schön scheiße aus“-plakten. es ging doch ziemlich klar um den inhaltleeren wahlkampf, zugeben mit viel spaß und auf eine verkürzte formel gebracht. das halte ich wiederum für überaus legitim — wer in den medien stattfinden will tut gut daran erfrischend provokativ zu sein. irgendwelche anti-akw plakate auf merkels parteitagerede finden kaum ihren weg in die tagesthemen. ich stell mir eher die frage (wie auch schon bei den internetsperren) ob die adressaten nicht verstehen oder einfach nicht verstehen wollen.

  34. 34
    Jan(TM)

    Hinrichs der Wiefelspütz der ARD! yeeaah!

  35. 35
    Andreas

    Laut „žTagesspiegel“ (http://www.tagesspiegel.de/berlin/Wahlkampf-in-Berlin;art270,2909429) wäre dem Chefredakteur der Zitty, Daniel Boese, beinahe auch der Einlass verweigert worden. Wir rätseln, ob es an seinem Vornamen („Daniel“ wie der Initiator des Flashmobs) oder an seinem Nachnamen („Boese“ ähnelt dem Namen „žBoes“, so heißt ein sehr engagierter parteiloser Direktkandidat aus Berlin-Mitte) gelegen haben mag.

  36. 36
    Sweetshark

    Ich habe das Gefuehl, hier wird gerade von zwei Seiten eine Mauer hochgerissen: Die „alte Politik“, die „alten Medien“ auf der einen Seite und die „neuen Medien“ mit der „neuen Politik“ auf der anderen Seite. Dabei ist die „neue Politik“ nicht nur die Piratenpartei, sondern eben auch die Blogs, Foren u.ae. in denen konstruktiv Politik diskutiert wird.
    Denn keiner der beiden Seiten will der Gegenseite eine Platform gewaehren. Die „Alten“ fuerchten die Unkontrollierbarkeit, die „Neuen“ die Korruption und Instrumentalitaet der alten, fixen Strukturen.

    sehr lesenswert zum Thema Unkontrollierbarkeit:
    http://www.freitag.de/wochenthema/0939-wahlkampf-spd-wahlkampfzentrale-insider/
    zum Thema Misstrauen muss man sich nur die Kommentare unter dem „Die reine Wahrheit“-Video der JuLis anschauen (oder das Antwortvideo der PP). Da hilft es auch wenig, dass sich Julia Seeliger von den Gruenen zu einen verbrannte-Erde-Raubzug aufmachte, auf den selbst Sherman stolz gewesen waere (und sich aehnlich wenig wie jener um eine dezente Ausfuehrung bemuehte).

    Sollte es wirklich wieder auf eine GroKo hinauslaufen (wie es sich die Kanzlerin wohl heimlich wuenscht), wird der oft beschworene „langweiliste Wahlkampf aller Zeiten“ nur die Ruhe vor dem Sturm sein. Dafuer hat sich schon viel zu viel Inertia entwickelt. Und: es ist nicht mehr 1968 – einige Dinge gehen heute viel, viel schneller.
    „Ihr werdet Euch noch wuenschen, wir waeren …“ wird dann irgendwann in den Geschichtsbuechern stehen. Leider kann das auch heissen, dass man in den naechsten Jahren auf der Strasse bei einem lauten Knall verschreckt auf den Boden hechten wird. Glueckwunsch, Herr Schaeuble! War es das, was Sie sich unter Sicherheit vorgestellt haben?

    Geht Waehlen!

    Sweetshark

    P.S.:
    @Schtuef: Also in einer Grossstadt mit einer ordentlichen Partymeile ist es schwer enttaeuschend, wenn man am Samstag vor 4 Uhr nach hause kommt. (aber wie hiess es schon in Lethal Weapon: „I’m too old for this shit!“)

  37. 37

    ich fühle mich im internet ziemlich alleine. und es gibt hunderte und tausende kaum gelesen blogs und tweets und die aufmerksamkeit bekommen nur wenige. und auch nicht immer die, die es verdient haben.

    die idee des „wir“ ist zwar sehr schön, aber keine wirklichkeit. sonst würde es hier nicht jeden tag grabenkämpfe um irgendwas geben.

  38. 38

    Ya, kann man so stehen lassen, bis auf das „žZurückgelassen wurden wir längst.“ zum Schluss.

    Ich sehe mich ehrlich gesagt viel weiter vorne positioniert, als ich die weit zurück stehen sehe, die immer noch eine veraltete Politik des vergangenen Jahrhunderts zelebrieren. An irgendetwas müssen die ja glauben. Eigene Flexibilität, losgelöst von dem üblichen Zeitraum einer Legislaturperionde und Mut zur Innovation sind keine Substantive, die sich in den Bewerbungsunterlagen von Politikern allzu breit machen dürfen. Da kann man schon mal überholt werden und nix merken.

  39. 39

    Ya, kann man so stehen lassen, bis auf das „žZurückgelassen wurden wir längst.“ zum Schluss.

    Ich sehe mich ehrlich gesagt viel weiter vorne positioniert, als ich die weit zurück stehen sehe, die immer noch eine veraltete Politik des vergangenen Jahrhunderts zelebrieren. An irgendetwas müssen die ja glauben. Eigene Flexibilität, losgelöst von dem üblichen Zeitraum einer Legislaturperionde und Mut zur Innovation sind keine Substantive, die sich in den Bewerbungsunterlagen von Politikern allzu breit machen dürfen. Da kann man schon mal überholt werden und nix merken.

  40. 40
    Andreas

    Meines Erachtens sollten die „Yeaahh“-Rufe die nichtssagenden Parolen und Floskeln von Frau Merkel und der CDU insgesamt karikieren, nicht mehr und nicht weniger.
    Das ganze hat mich sehr an eine Szene aus dem Film über die Titanic-Partei „Die PARTEI“ erinnert, in der ein Redner zu sehen ist, der sagt: „Wir sind eine Partei, WEIL WIR EINE PARTEI SIND!“ und dafür von den PARTEI-Mitgliedern tosenden Applaus erntet. Da fragt man sich doch: Meinen die CDU-Leute ihre Floskeln ernst oder ist das nicht vielleicht auch Satire?

  41. 41
    Johannes

    @Hendrik: Wenn ich jetzt als SPD einen Mindestlohn durchsetzen möchte, wie wenn nicht in der Regierung ist das zu schaffen? Aber das ist gar nicht die Diskussion. Von Lebensmittelpunkt ist eben doch die Rede! Was mich aufregt ist, dass für viele Leute in der Bloggerszene, bspw. Spreeblick Autoren, das Internet eben der Lebensmittelpunkt zu seien scheint und dass sie an jeden Menschen in Deutschland diesen Anspruch stellen, siehe Kritik an Hinrichs. Und das ist doch Schwachsinn.

    Viele mögen das Web 2.0, aber mehr als genauso vielen Menschen geht es einfach am Arsch vorbei, meinen Eltern zB oder den Eltern meiner Freunde. Die Bloggerszene strahlt manchmal so eine wichtigtuerische Selbstgerechtigkeit und -verliebtheit aus. So hip und jung und cool und revolutionär. Kurz:

    Jonny, du verstehst du CDU genauso wenig, wie die CDU dich versteht.

  42. 42
    Johannes

    Und nochwas:

    @Andreas: Keine Inhalte? Hallo? Steuern senken, um Wirtschaft anzukurbeln, AKW Laufzeitverlängerung, keinen Mindestlohn, erstmal keinen Abzug aus Afghanistan. Das sind fucking Inhalte! Da, schau hin! Ich habe eine andere politsche Meinung als die CDU, aber das sind doch offensichtlich klar formulierte Maßnahmen und Inhalte mit denen man sich sehr gut kritisch auseinander setzen kann. Mach mal den Laubhaufen vor deiner Haustür weg…

  43. 43
    Andreas

    @Johannes: Das CDU-Wahlprogramm ist mir durchaus bekannt, aber guck dir doch mal die ganzen CDU-Plakate an, auf denen so vielsagende Worte stehen wie „Wir haben die Kraft“, „Familien stärken“, „Wir haben mehr zu bieten“ oder „Wirtschaft mit Vernunft“.

  44. 44
    Falk

    @Johannes (14): Danke! Und: Johnny, hast Du nicht mal selber von den GEZ-Gebühren profitiert? Oder hast Du für Radio4You und Fritz ehrenamtlich gearbeitet?

  45. 45

    Mein aktuelles Problem ist, das sich die CDU in ihrem Blog als sagenhaft pfiffig darstellt, mich mehrfach erwähnt, aber Kommentare nur von komplett registrierten Mitgliedern des teAMs zulässt. Man, these guys do suck! Siehe & kommentiere: http://www.bit.ly/roteliste

  46. 46
    Andreas

    @Daniel: Das ist mal wieder typisch CDU (ich habe während meines Studiums einige JU-/RCDS-/CDU-Funktionäre kennengelernt). Es wird dort nach dem Grundsatz verfahren „Wir sind die Guten, und wer nicht für uns ist, ist ein linker, asozialer Chaot“.

  47. 47

    Ach nein, bitte nicht, jetzt geht das schon wieder mit den „Yeahh“-Heulsusen los. Geht doch bitte endlich einfach weiter.

    @fruddi: Dem Himmel sei Dank, wenigstens einer hat’s begriffen.

  48. 48
    Stephan

    Heute ist ein guter Tag. Das Yeahh-Rufen ist vorbei. Es heult langsam in den Ohren. Am Anfang war es gut, dann fingen die Blogger an, irgendwelchen Sinn darein zu interpretieren. Die sollten doch eigentlich wissen, dass Flashmobs keinen Sinn machen und außerdem einmalig sind.
    Im Übrigen war die Reaktion von Frau Merkel auf die Zwischenrufe durchaus komisch und ich habe gut gelacht, obwohl ich noch keine 30 bin.

    Danke Deutschland für dieses Ergebnis.

  49. 49

    Und zack, einen Tag nach der Wahl schlägt schon die soziale Kälte bei GMU und Stephan durch. Und das Internet fristt seine Lieblingskinder von gestern. Viel Spaß in den kommenden Jahren. Eine gute Wahl für die Atomkraft, Klimablocker und Wirtschaftsliberale – supa Idee, Deutschland!

  50. 50
    Stephan

    Das hat nichts mit sozialer Kälte zutun. Manche Bürger sind einfach nur froh, dass es in den nächsten Jahren endlich mal wieder möglich ist, Politik zu betreiben. Es ist gut, dass es eine Mehrheit an der Macht gibt und dem gegenüber eine große Opposition steht. So können wichtige Themen hart diskutiert werden und nicht in einer großen Koalition hinter dem Vorhang zu einem triefendem, stinkendem Kompromiss verarbeitet werden. Deswegen war gestern ein guter Tag.
    Und es war ebenso gut, dass es wieder kleine Parteien gibt, die sich völlig vom Einheitsbrei abgrenzen und chaotisch dazwischenbrüllen. Aber ihre politischen Ziele werden sie nie durchsetzen können, weil es eben Minderheiten sind. Sie können Themen ansprechen, die den „großen“ sonst nicht einfallen würden. Mehr nicht.

  51. 51

    @Falk: Ja und? Ich habe, wie man weiß, nichts gegen die Öffentlich-Rechtlichen und schon gar nichts gegen die Tagesthemen. Und ja, ich habe als Freier für die Ö-R gearbeitet, würde ich auch wieder tun. Das ist aber völlig egal, denn darum geht es gar nicht, wie man aus dem Text lesen kann. Es geht allein um die arrogante Kombination des sicheren Hafens Ö-R mit der Aufforderung an Dritte, mal „von ihrem hohen Ross“ zu steigen, da sie sonst allein gelassen werden würden.

  52. 52
    Falk

    @Johnny (51): Dass es nicht um eine GEZ-Diskussion gehen soll, ist schon klar. Aber Du weißt doch selbst, dass Arbeiten für die Öffentlich-Rechtlichen kein „sicherer Hafen“ ist – schon lange nicht mehr. Das so pauschal zu behaupten ist ebenso unpassend wie unfair und hat, wie Johannes ja schon geschrieben hat, nun wirklich nicht das geringste mit der „Yeaahh“-Diskussion zu tun.

  53. 53

    @Falk: „So läuft das immer: Erst eine kleine Provokation, dann die inhaltliche Debatte“. Aus dem Kopf zitiert von Herrn Hinrichs. Nur, dass er die inhaltliche Debatte nicht führt. Es ging allein um die Provokation.

    Wer ist nun unpassend und unfair?

    Ich weiß, was du meinst, ist auch normalerweise nicht meine Art, so zu argumentieren. Aber ich kann sowas einfach schwer ertragen und habe dabei nicht mal angefangen, diese unsäglichen Kunst-Vergleiche anzugehen, die das allerletzte sind.

    Ach, und von wegen „sicherer Hafen“: Wir wissen aber beide, dass man in der Position von Herrn Hinrichs durchaus davon reden kann. Nicht falsch verstehen: Das ist kein Neid und ich gönne jedem eine gute Position und Sicherheit, völlig okay. Ich mag mir nur von ihm nicht gleichzeitig Arroganz vorwerfen lassen, nur weil man ihn kritisiert.

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