46

Joe Strummer darf alles (1999)

Ich bin echt, wirklich, ehrlich nicht so der nostalgische Typ. Na klar erinnere ich mich gerne und zu meinen Erzählungen, wie es damals war, als ich mal außerhalb von Berlin übernachtet habe, sind schon ganze Schulklassen eingeschlafen, aber ein „Früher war alles besser“ wird man von mir nicht ernsthaft hören.

Beim Aufräumen einer alten Festplatte bin ich nun aber gerade auf einen Artikel aus dem Jahr 1999 gestoßen, den ich damals für das Berliner TIP-Magazin geschrieben hatte und der von einem Interview mit dem 2002 verstorbenen Clash-Sänger Joe Strummer berichtet. Und ich denke, den kann man frei von Rückwärtsdenken noch einmal veröffentlichen. Das Tape mit dem Interview muss es auch noch irgendwo geben, doch solange es sich nicht im Fundbüro meldet, gibt es nur den Text. Fürs Archiv. Für mich. Für euch. Für Joe.

Joe Strummer darf alles

Joe Strummer darf alles.

Und genau deshalb verkneife ich mir ein „Danke nein, ich mag keinen Futschi!“, als er Cola über die beiden von ihm bestellten Brandies kippt. Ich sitze an einem verregneten Nachmittag in einem Kölner Hotel und darf 45 Minuten lang mit dem ehemaligen Sänger von The Clash plaudern, für mich unbestritten die beste Band der Welt. Von mir aus hätte Herr Strummer also auch zweimal Jägermeister mit Eierlikör bestellen können, mir doch egal. Joe Strummer hat für uns bestellt! Für uns! Für ihn und für mich! Ich trinke Futschi. Um 16 Uhr. Meine Mutter hatte Recht behalten, Punkrock hat einen schlechten Einfluss. Sogar noch 20 Jahre danach.

Ende der 70er Jahre gab es zwei Möglichkeiten: Entweder man verehrte The Clash oder die Sex Pistols (über diejenigen, die zu der Zeit noch Supertramp-Platten kauften, wollen wir mal fein schweigen). Natürlich liebten wir beide Bands und auch die anderen großartigen Heroen der Zeit wie The Jam, XTC, Blondie, Elvis Costello oder die Buzzcocks, aber im Kern ging es um die Frage: Pistols oder Clash? Die Pistols waren cool, aber mir persönlich nicht smart genug. The Clash hingegen strahlten eine ungeheure Faszination auf mich aus. Sie waren aufregend, sie hatten Glamour und sie traten wie eine Gang aus einem Martin Scorcese Film auf. Sie hatten etwas zu sagen (oder taten zumindest sehr überzeugend so) und sie spielten ihre Songs mit der Leidenschaft, Dringlichkeit und Energie, die keinen Zweifel daran ließen, dass die Band diese Songs nicht einfach nur spielen konnte oder spielen wollte, sondern dass sie sie spielen musste!

Schon auf Ihrem 77er Debütalbum spielten The Clash mit Reggae-Einflüssen und brachten mich dazu, altes Material von Lee „Scratch“ Perry und Studio-One-Platten zu kaufen, eine Tatsache, für die ich der Band ewig dankbar sein werde. Und selbst, wenn ich nicht jede Veränderung von The Clash sofort und immer nachvollziehen konnte, war mir die musikalische Offenheit der Band immer bewusst und wichtig. Ich erinnere mich an den Schock, den das 1980er 3fach-Album „Sandinista“ hinterließ, eine Platte, die den Begriff „multikulturell“ musikalisch vorwegnahm und die ich erst Jahre später zu schätzen lernte. Noch heute habe ich keinen Respekt vor Bands, die auf jedem Album gleich klingen (Ausnahme: The Ramones).

Und nun sitze ich gut 20 Jahre nach Punkrock mit dem Mann zusammen, der mit seinen Songs viel mehr als nur meine musikalischen Vorlieben geprägt hat, und der unterwegs ist, um seine neue Band „The Mescaleros“ und deren Album „Rock Art & The X-Ray Style“ zu promoten. Zusätzlich erscheint in diesen Tagen ein Clash Live-Album mit dem Titel „From Here To Eternity“ sowie ein Dokumentarfilm, „“Westway To The World“, zusammengestellt und geschnitten von Don Letts. Letts ist ein alter Freund der Band, der sie schon früh mit seiner Super-8 Kamera begleitet hatte und der Mitte der 80er vorrübergehend mit Mick Jones, dem Clash-Gitarristen, in dessen Post-Clash Band „Big Audio Dynamite“ spielte. Es gibt also genug zu reden.

Und Strummer redet.

„10 Jahre lang musste ich warten, bis ich aus unserem alten Vertrag mit Sony raus war“, erzählt er. „Die Bastarde wollten Platten von mir, aber ich gab ihnen keine mehr. Ich saß den Deal sozusagen aus, ich wartete einfach und tat gar nichts, bis sie mich endlich gehen ließen. Und obwohl das finanziell gesehen nicht gerade clever war, bin ich froh darüber, dass ich meine Munition noch nicht verschossen habe. Wenn ich jetzt noch etwas auf den Markt bringe, gähnen nicht alle und winken ab. Man gibt mir eine Chance!“.

„Rock Art & The X-Ray Style“ von Joe Strummer & The Mescaleros ist kein Hitalbum und auch kein Clash-Revival-Album. Es ist die Platte eines Mannes mit einer unverkennbaren Stimme und Energie, der Musik liebt und lebt wie wenige andere Künstler. Die schon bei The Clash vorhandenen südamerikanischen Einflüsse finden sich darauf ebenso wie Flirts mit der jüngeren britischen Dance-Szene (die Single „Yalla Yalla“ enstand in Zusammenarbeit mit Richard Norris, u.a. früher beim Techno-Act „The Grid“) oder älteren Songs wie „Forbidden City“, den Strummer bereits vor 10 Jahren geschrieben hat. Das alles macht die Platte nicht leichter und auch sicher nicht MTV-kompatibel, aber das interessiert Joe nicht. Stattdessen schaltet er seinen kleinen Ghettoblaster an, um mir kolumbianische Klänge vorzuspielen: „Hör‘ Dir diesen Rythmus an! Wir haben im Studio versucht, sowas auf einer Drum-Machine zu programmieren, aber es ging nicht! Sowas kann man nicht programmieren!“. Sagt’s und versinkt für 3 Minuten komplett in den verrauschten Tönen seines Tapes. Mittendrin stößt er einen Schrei aus, der mich an „London Calling“ erinnert. Ich bekomme eine Gänsehaut. Und noch einen Futschi.

Das erstaunliche und angenehme an Joe Strummer ist seine Selbstverständlichkeit. Weder verfällt er in die ansonsten bei Comeback-Künstlern übliche „Ich-möchte-nur-über-mein-neues-Werk-reden“- Mentalität, noch versucht der inzwischen 47jährige, sich berufsjugendlich zu geben: „Ich habe 3 Töchter, vierzehn, zwölf und 7 Jahre alt. Die stehen alle auf Punkrock, und das kommt wirklich nicht von mir. Meine Kids mögen diese ganzen neuen Punkbands, Offspring und sowas. Die Kleinste ist jetzt mit uns auf Tour, sie war auch schon in Amerika dabei. Sie genießt es, im Tourbus von Stadt zu Stadt zu reisen und sich andere Bands anzusehen!“.

Wenn Strummer anfängt, über die Zeiten mit The Clash zu reden, dann schwingt gerne berechtigter Stolz mit und man sieht ihn auch mal ungläubig grinsend den Kopf schütteln: „Mann, ich erinnere mich an diesen Gig in Hamburg, 1979 war das, glaube ich. Die Hamburger Punks hatten die Markthalle gestürmt und beschimpften uns als Verräter! Plötzlich steht einer von denen auf der Bühne und geht mir an den Hals und ich versetze ihm einen Hieb mit meiner Gitarre. Alle sind total durchgedreht! Als nächstes finde ich mich auf der Polizeiwache auf der Reeperbahn wieder und ein fetter Polizist brüllt durch den Raum: ‚Wo ist der Punker, der den anderen Punker geschlagen hat?‘. Er beugt sich zu mir runter und flüstert: ‚Gut gemacht!“ und lässt mich frei. Das war schon alles ein wenig merkwürdig…“.

Mit seinen Ex-Kollegen hatte Strummer in den letzten Jahren nicht viel zu tun, lieber trifft er sich mit seinem Kumpel Bez (genau der, der bei den Happy Mondays den Eintänzer gemacht hat), um „abzuhängen und sich gegenseitig neue Tapes vorzuspielen“. Doch immerhin haben die Freunde von damals 15 Jahre nach Auflösung der Band das erste offizielle Clash Live-Album zusammengestellt: Aus Aufnahmen der Jahre 1978 bis 1982 haben Joe Strummer, Mick Jones und Paul Simonon (letzterer lieferte auch das Cover-Artwork) die besten Tracks ausgewählt und von Bill Price neu mischen lassen. Bill Price war auch Produzent von „London Calling“ und hat aus „From Here To Eternity“ eines der wenigen hörbaren Live-Alben der Musikgeschichte gemacht. Keine Overdubs, keine Verschönerungen, sondern pure Energie. Aber da war doch noch einer dabei? Was macht Topper Headon, ehemaliger Drummer der Band“? – „I have absolutely no idea.“

Das 1999er Liveprogramm von Joe Strummer & The Mescaleros besteht zur Hälfte aus alten Clash-Songs: „Wenn die Leute kommen, um Joe Strummer zu sehen, wollen sie auch ‚London Calling‘ und ‚Straight To Hell‘ hören, ist doch klar!“, erklärt Joe, „Und außerdem liebe ich diese Songs!“. Überkommt ihn da nicht die Lust, sie auch wieder mit seinen alten Kumpels zu spielen? Eine Clash-Wiedervereinigung würde doch im Zuge des Live-Albums genau passen? „Ich glaube, das letzte Gebot für eine USA-Tournee lag bei 5 Millionen Dollar für die Band. Das ist viel Geld und meine Familie hätte keine Sorgen mehr. Aber es wird keine Clash-Reunion geben, zumindest nicht mit mir. Wenn ich das tun würde, würde sich das für mich anfühlen, als würde ich mit meinem kreativen Leben abschließen. Es wäre ein ‚Cash-In‘, oder vielmehr ein ‚Cash-Out‘! Es ging nie darum, den alten Tagen nachzutrauern, denn die Zeit bleibt nicht stehen. Es geht darum, mit ihr weiterzugehen!“

Ich bin inzwischen strammer als Strummer und grinse zufrieden. In Zeiten, in denen alles möglich und deswegen nichts mehr wichtig ist, in denen die musikalische Rebellion mit NIKE-Logos kenntlich gemacht wird, macht es Spaß, jemanden so etwas sagen zu hören. Jemanden zu hören, der nicht plötzlich meint: „Ach, das war doch alles Quatsch damals, uns ging es nur um die Kohle!“. Pistols oder Clash? Ich schließe mich einfach den Worten von Don Letts an:

„Every generation needs a soundtrack and The Clash provided mine.“


Foto: Selbstauslöser. Schrankwand: Hotelbestand.

46 Kommentare

  1. 01

    Cool. Danke für die nostalgischen Minuten :-)

  2. 02
    Marvin

    Tollo!

  3. 03
    Olaffsie

    Du kennst JOE STRUMMER !??!?! *voll schööön*

  4. 04

    Du hast bestimmt noch mehr auf dieser Platte. Aber erst mal danke hierfür!

  5. 05

    @Lermann: Ich hab noch eine (kommentierte!) Linkliste gefunden, die könnte auch lustig sein. Mal sehen, wie viele der Sites noch existieren „¦

  6. 06
    Ocaso Protal

    Die Ramones klingen *nicht* auf jeder Platte gleich!

  7. 07
    Andremoda

    Hat Spaß gemacht diesen Artikel zu lesen. Danke.

  8. 08

    Danke für einen Moment Musikgeschichte mit einem der bedeutsamsten Musiker der 70er Punkbewegung, sowie für eine kleine Träne im Knopfloch.

    Die Antwort lautet natürlich The Clash, die waren nämlich keine Marionetten für einen miesen Klamottenladenbesitzer.

  9. 09

    Obwohl die Band weiiit vor meiner Zeit liegt *hüstel* ;-) kann ich was mit dem Artikel anfangen^^ (denke ich zumindest)

    Johnny du siehst auf dem Foto so aus, wie ich dich mir vorgestellt hatte als ich die spreeblick-podcasts (vor paar Jahren oder so) entdeckt hatte.
    Ich denke ich hab dich dann das erste mal bei nem repuplica-video gesehen ;-) Ich hatte damals irgendwie ne Weile so ein 3-Tage-Bart Gesicht vor Augen ^^

    ok – is etwas OT hat mit the Clash nix zu tun ^^ deshalb an der stelle nochmals den link zu nem Cover von Arcade Fire (den ich dir vorhin twitterte)

    http://www.youtube.com/watch?v=-jmzOGuzXr8

  10. 10

    Du hast ein Foto von dir und Joe Strummer. Ich neige neidvoll mein Haupt vor dir! Un anscheinend interessiert es sogar mehr als zwei Leute.

  11. 11
    Simi

    Danke auch von mir für den Artikel! Und ja: tolles Foto.
    R.I.P. Joe Strummer, Punkrock Warlord

  12. 12

    Und schon damals das markante Gesicht. Awsum.

  13. 13
    plan9

    sehr guter text. hab ich gerne gelesen. danke.
    ja, strummer war gottähnlich, nicht zuletzt, weil er mit clash die gabe hatte, vielen leben eine richtung zu geben – kein erklärtes ziel, und das war eigentlich das entscheidende.
    und ja, ich hätte von ihm auch alles genommen, sogar flüssige partyreste im aschenbecher gemixt und auf spritze aufgezogen.
    aber auch ein strummer durfte nicht alles.
    und nach diesem sz-interview, das offenbar 2 jahre nach deinem entstanden ist, war ich ernsthaft sauer:
    http://www.dietotenhosen.de/alldieganzenjahre_presse_strummer.php

    und nein… natürlich hab ich meine wut nicht an meinem uk-import von „london calling“ ausgelassen. ich hab das eine nur säuberlich vom anderen getennt.

    cheers,
    plan9

  14. 14
    Jeriko

    Du hast keinen Respekt vor AC/DC und Motörhead?

  15. 15

    artikel noch nicht gelesen. werd ich gleich nachholen. wollt nur eins los werden… DAs ist johnny content. :D

  16. 16
    Jan(TM)

    Jemanden zu hören, der nicht plötzlich meint: „žAch, das war doch alles Quatsch damals, uns ging es nur um die Kohle!“.

    Hab mir vor paar Wochen die kompletten Pistols Songs bei iTunes geholt, noch mehr Cash from Chaos. Die haben wenigstens damals schon gesagt das es nur um die Kohle geht.

    Glaub die Pistols LPs hab ich mir gleich 1990 geholt. Paar Lieder kannte ich IMHO dank Lutz Schramm. Dafür war eine der beiden VHS Kassetten die ich je gekauft habe The Clash „Rude Boy“ – Clash, englischer Alltag und dann ein Film komplett in Englisch das fand ich geil – (die andere Kassette war Morrissey „Hulmerist“). Paar Platten von Clash hab ich auch, auf meinem Engl. Punk Soundtrack wären die trotzdem hinter den Pistols und Sham 69.

    btw. wenn ich Joes Gitarre so sehe weiß ich wieder warum ich Punk liebe.

  17. 17

    die ramones… ja, die durften das! nein, sie MUSSTEN das!

    :D

  18. 18

    so. gelesen. und ja, genial! allein seine einstellung zur reunion. respekt to the artist!

  19. 19
    jim

    Haha, nicht nostalgisch, Clash und Haeusler schließt sich doch grundsätzlich aus. Im ernst, ein schöner Text. Gleich mal die Sandinista auflegen.

  20. 20
    musszáj

    ich bin von Deinem Text tief berührt

  21. 21

    @jim:

    wieso sich clash und häussler ausschliessen musst du mir unbedingt erklären. ich warte…

    nd nein! ich schleime nicht! denn ich bin ähnlich alt (sogar älter) wie johnny und ich kann seinen output diesbezüglich ziemlich gut nachvollziehen. ausserdem bin ich spreeblickleser der ersten stunde. kenne also alles, was mr. J. dazu bereits gesagt hat. und jetzt du:

    (ich hoffe, ich hab da was falsch interpretiert.)

  22. 22
    jim

    Jens, hast du. Nicht nostalgisch gehört zur Aufzählung.

  23. 23

    @jim:

    ok, habs. danke. ;)

  24. 24

    hach ja, wow … schöner artikel der da ans tageslicht gekommen ist, sehr schön geschrieben. Danke!

  25. 25
  26. 26

    @plan9:
    auweia, da erdreistest sich jemand, mit musik über die runden kommen zu wollen. gaaanz böse.
    einen anderen bezug zu kohle sehe ich da nicht. nur (selbst)kritische reflektionen zu punk und popkultur. die sollte erlaubt sein.

    —–

    habe aufgrund des artikels beschlossen, den abend mit „combat rock“ ausklingen zu lassen. danke johnny für diesen beitrag, danke mr. strummer für die musik!

  27. 27

    @Jeriko: Ich wusste, dass die Frage kommt. Zurecht! Aber die anderen Bands haben nicht mehr in die Klammer gepasst „¦ ;)

    @plan9: Das Interview klingt sehr zynisch, aber ich denke, dass es in einer merkwürdigen Stimmung entstanden sein kann oder Strummer keinen Bock hatte, dem Klischee zu entsprechen. Man hat ja auch mal miese Tage. Ich würde da nicht ein Interview mehr werten als die vielen, vielen anderen.

    Ich hab Strummer insgesamt dreimal zu verschiedenen Gelegenheiten getroffen und selbst, wenn er nicht der Polit-Prophet war (übrigens zieht einem auch der Film „The Future Is Unwritten“ einige Zähne, was die oft übertriebene Ver-Heroisierung von Strummer angeht), kann ich sagen, dass er überaus interessiert war an Menschen, dem Leben, der Politik. Vielleicht auch nicht mehr als wir alle, aber ganz sicher war er nicht der Zyniker, als der er sich in diesem Interview auszugeben versucht.

  28. 28

    Every generation needs a soundtrack and The Clash provided mine. Da lass‘ ich mir jetzt gleich ein T-Shirt von Machen. Danke!

  29. 29

    Ich hatte Joe Strummer ein halbes Jahr vor seinem plötzlichen Tod in New York noch einmal spielen sehen und das ist bis heute eines der bewegendsten Konzertereignisse meines Lebens.
    Strummer wirkte so frei, so jedem Zynismus sich entsagend. Irgendwie angekommen, zufrieden mit dem, was das Leben ihm gegeben hat – genau deshalb hat es auch funktioniert, dass er alte Clash-Songs mit den Mescaleros spielen konnte, weil es nie wie ein verzweifeltes Schreien „Hey, ich bin auch noch da!“ klang, sondern ihm einfach Freude bereitete. Und seinem Publikum ebenso.

    Ich glaube, Strummer hätte im besten Sinne der Dylan des Punk werden können, der ewige Wanderer, der einfach weiterspielt und mit der Liebe zur (obskuren) Musik Freude bereiten will.

  30. 30
    Grumpy

    Ich empfinde ein wenig Neid … super Schlußwort. Danke.

  31. 31

    @Christian: Genau diesen Dylan-Vergleich hatte ich auch immer im Kopf. Vielleicht auch noch Johnny Cash, auf jeden Fall aber habe ich auf einen in Würde gealterten Musiker gehofft, der noch etwas zu sagen hat. Das letzte Mescaleros-Album schien das erste gewesen zu sein, auf dem die Band wirklich „angekommen“ war. Extrem bedauernswert, dass wir einen alten Strummer nicht erleben können.

  32. 32
    plan9

    @Johnny Haeusler: okay… schlechter tag könnts gewesen sein. und der wurde wahrscheinlich auch nicht besser angesichts eines zwischen zappeliger verehrung und schmolliger entrüstung switchenden campino.
    aber der schock saß bei mir so tief, dass ich mich auch nach jahren noch an dieses interview erinnern konnte.
    es gibt halt nicht soooo viele bands in eines menschen leben, deren alben man auf den plattenteller legt und plötzlich geht eine gemütstür auf… jajajaja, auch musikalisch.

  33. 33

    @plan9: Verstehe ich sehr gut, den „Schock“. Hast du den Film von Julien Temple gesehen? Das fand ich eigentlich noch ernüchternder, daher aber grandios.

  34. 34

    @Johnny Haeusler:
    strummers aussagen zu punk und politik und pose wurden meiner meinung nach schon durch ihn selbst in diesem interview entschärft: angesprochen auf seinen positiven bezug auf woody guthrie erklärte er diesen (bezug, nicht guthrie) eben nicht zur pose oder zu einem kind der mode jener tage. und woody guthrie ist ja nicht dadurch von bedeutung, dass er ein apolitischer schlagersänger war.

    wichtig, nicht zu überlesen sind meiner meinung nach auch folgende worte: „Ich habe nur im Rückblick die Neigung, alles ein bisschen schlechter zu machen, als es war“.

  35. 35
    plan9

    @Johnny Haeusler: du meinst „the great rock’n’roll swindle“? :))
    nee, schon klar… „the future is unwritten“. klar, steht neben der „london calling“-cd/dvd im regal. da fand ich aber alles, was strummer sagt und tut – und er sagt und tut vieles, was man unbedingt lieb haben muss – nicht so ernüchternd wie die tatsache, dass pope bono mal wieder was salbungsvolles faseln durfte, nur weil er big audio dynamite mal als u2-vorband (!) durch die stadien dieser welt geschleift und damit niemandem einen gefallen getan hat.

  36. 36

    @plan9: Es gab aber auch einige Stellen, die man nicht so lieb hatte „¦ :)

    Hach, Bono, ja „¦ er war ja immer Clash-Fan, aber ich denke, dass er im Film ist, um seinen Namen auf dem Plakat zu haben. Vielleicht hat er aber auch was zu den Produktionskosten dazugegeben. ;)

  37. 37

    Herzaufgehartikel, Johnny – danke!

  38. 38

    DU! HAST! JOE! STRUMMER! GETROFFEN! Oh Gott, ich vergöttere diesen Kerl, aber als er gestorben ist, war ich gerademal 9. Also wirklich, damit kannst du angeben. Ich kenne auch die Platte mit den Mescaleros, und die find ich ebenso gelungen wie London Calling.

  39. 39

    @Johanna: Ich geb damit an, wann immer ich kann! Ich glaube, das Foto gibt es mittlerweile drei Mal auf Spreeblick. Da bin ich ganz schamlos. ;)

  40. 40

    Ja

    bin auch dafür Werbung zu machen
    Ohne hintergründige Interessen kann
    man alles und muss nicht weiters denken

    Ansichtssache

    http://en.wikipedia.org/wiki/The_Clash
    http://www.bing.com/reference/semhtml/The_Clash?src=unkn&fwd=1&qpvt=the clash&q=the clash

    Top Links
    sind wie immer offen und herrlich einfach transparent

  41. 41
    Toby

    Hach, erinnert mich gleich an die Zeit von Strummer bei den Pogues, danke für diesen Nostalgiemoment :)

  42. 42
    Jens

    Da frage ich mich, haste bei der Gelegenheit Strummer das Geld wiedergegeben das er in Düsseldorf 84 auslegte ? :-)

  43. 43

    @Jens: Das hat er nicht ausgelegt, das war unsere unerwartete Gage!

Diesen Artikel kommentieren