45

Finanzminister sucht Fassung

Sie sind ja ganz selten, diese Momente in denen einem Politiker die hart antrainierten Gesichtszüge entgleiten, schon gar nicht in einer landesweiten Fernsehproduktion. Umso dankbarer muss man wohl Maybrit Illner und ihrem Team für den folgenden Fernsehmoment sein, den sie, wenn auch erst nach holländischem Zuspiel, Wolfgang Schäuble letzte Woche bereitet hat. Die ZDF-Studiokamera, die sein Gesicht so aufmerksam ergründen will, wie es sonst nur die NASA mit der Mars-Oberfläche macht, zeigt die 26 durch überthematischer und -heblicher Ignoranz zu einem spitzen Grinsen verhärteten Gesichtsmuskeln in gefühlter Slowmotion beim Zusammenfall. Man erlebt in der ersten Reihe, wie der deutsche Finanzminister kurz abwägt auf ganz, ganz dumm zu stellen, bis ihn eine paar Junge Unionler aus dem Publikum kurzfristig und später dann Frau Illner endgültig erlösen, weil Schäubles Rumdrucksen im Fremdschämen nur noch von einem Zusammenschnitt aller Szenen, des „Bauer sucht Frau“-Opfers Milchbauer Josef (der Fromme) übertroffen werden kann.


[Direkt aus der Wäsche]

[via Mail]

45 Kommentare

  1. 01

    Hm. Das hat aber Maybritt Illner nicht gut gemacht. Sie hätte ja die Frage einfach wiederholen können, anstatt mindestens genauso verschämt wie Schäuble herumglucksen. Und darauf eingehen, dass er erst agt, dass er sich nicht über die Intelligenz von Journalistenfragen äußert, um direkt hintendran zu implizieren, dass das eine dumme Frage war.

    Aber welche Jungen Unionler im Publikum?

  2. 02
    Nico Roicke

    @Manuel: gut gemacht hat sie es nicht, das stimmt. man merkt ihr an, dass es ihr nicht behagt, die frage zu formulieren. aber sie hat sie gestellt. das ist doch auch schon mal was.

    die JUler sind vermutet, oder was meinst du wer klatscht für: „ich — äh — hab mir angewöhnt — äh — die qualität von fragestellern und von journalisten — jedenfalls öffentlich nicht zu beurteilen.“

  3. 03

    Ach so, könnten natürlich auch ganz normale CDU-ler sein. Wobei der Satz von SChäuble gar nicht mal so dumm ist, um sich aus der Affäre zu ziehen. Und da müsste man eben nachhaken und die Frage selbst stellen.

  4. 04
    MooT

    sollte mir angewöhnen die antworten von politikern in der öffentlichkeit nicht ernstzunehmen….

  5. 05

    @Manuel

    Herum glucksen ist die einzige Ausdrucksweise die Maybritt Illner hat.

  6. 06
    murdock

    Ich fand dieses „und das gilt für abwesende und auch für anwesende“ eigentlich ganz witzig.

  7. 07

    Oh man …
    Wenn ich das sehe bekomme ich Pickel…
    Berufs und auftrittsverbot sind Wörter die mir da spontan in den Kopf kommen….

  8. 08

    Für Maybrit Illner oder für Schäuble? Und welches Gesetz soll das greifen?

  9. 09
    menomena

    erstaunlich, wie verschämt und ängstlich manche journalisten plötzlich sind, wenn sie sich mal getraut haben eine etwas „frechere“ frage stellen.

    dass sie die frage quasi als abschlussfrage platziert hat, war wohl auch ungeschickt. ich glaube, schäuble ist tv-erfahren genug, um zu sehen, dass die zeit fast abgelaufen war.

  10. 10
    peter

    „zeigt die 26 durch überthematischer und -heblicher Ignoranz zu einem spitzen Grinsen verhärteten Gesichtsmuskeln in gefühlter Slowmotion beim Zusammenfall.“

    meistens kann man hass mit mangelnder intelligenz begründen. schonmal drüber nachgedacht? wahrscheinlich nicht geschafft. :D

    aber mal ernsthaft freunde: woher kommt die schäublephobie, die zu einem solch verzerrten bild der realität führt?

  11. 11

    ach gottchen, wie unprofessionell von der illner!!! durch diese umständliche fragestellung über vier ecken hat sie ihre frage wirklich schon selbst beantwortet: es braucht offenbar wirklich ausländischer journalisten, die sich auch mal trauen die richtigen fragen richtig zu stellen.

  12. 12
    Roman

    Wo fallen denn da bitte Gesichtsmuskeln zusammen? Wolle ist bestimmt nicht mein Freund, aber da zieht er sich doch sauber raus.
    Ganz, ganz ekelig ist Frau Illner. Was soll die Frage? Entweder sie ziehts durch und stellt ihm direkt und vernünftig die Frage, ob er sich nach seiner Beteiligung in der Spendenaffäre wirklich als geeignete Person für den Posten des Finanzministers sieht und wie er das rechtfertigen kann oder sie lässt es bitte ganz. Aber dieses peinliche Vortäuschen einer „mutigen“ Frage (Warum ist es eigentlich mutig den Typen das zu fragen?) und das sofortige Anbiedern danach…. wie ein Schulmädchen vor dem Rektor. Hat sie Angst der Schule verwiesen zu werden?
    Der einzige der hier Fassung sucht, ist der Zuschauer. Obwohl das auch übertrieben ist. Es ist ja nicht so, als ob solche Journalismus-Heuchler noch ernsthaft jemanden überraschen. Traurig ist dieser Ausschnitt da, ganz traurig.

  13. 13

    Illner und Christiansen geben sich da nicht viel. Die gehen doch beide mit dem Establishment „ins Bett“ um ihre Gästesessel zu füllen. Das erklärt auch Illners zurückrudern. Sie dachte er nimmts mit Humor und war anschliessend erschrocken wie angepisst er reagiert hat. Entlarvend ist das Video schon. Aber sowohl für Fragestellerin als auch für den Befragten.

  14. 14
    franz

    ich find ja eigentlich nich das die Mimik sich so sehr verändert, aber dieses leichte Zucken in der Oberlippe, das is schon bezeichnend.

  15. 15
    JoK

    Da scheint sich Frau Illner eher vor der eigenen Frage nach der Frage erschreckt zu haben. Möchte man hoffen die vorhergehende Sendezeit war von ebensolch brisanten Fragen geprägt (ich fürchte beim hoffen bleibt es dann auch).

  16. 16

    Sehr schön! Das habe ich an so einem grauen Herbsttag gebraucht, jetzt bin ich wieder Happy.

  17. 17

    Wenn ihr mal sehen wollt wi eman schäuble wirklich aus der fassung bringt schaut euch diesen 15-sekündigen aussschnitt ausm interview an:
    http://www.chilloutzone.to/video/bruederle-vs-schaeuble.html

    Wirklich sehenswert!!!!!

  18. 18
    Hanoi

    @franz: Danke für den Hinweis, hab’s erst im Vollbild gesehen…

  19. 19
    olivero

    Herr Roicke scheint eine Wahrnehmungsstörung zu haben. Da war wohl eher der Wunsch Vater des Gedankens. Auch erschließt sich mir Sinn & Zweck und Relevanz dieses Posts nicht. Das einzige, was zu sehen ist, ist abgrundtief schlechter und verlogener Fernseh“Journalismus“.

  20. 20
    Martin

    Die Frage des holländischen Journalisten war gut, weil sie frech war, nicht weil sie intelligent war. Es gibt zunächst mal keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Eignung als Fianzminister im speziellen und dieser Koffergeschichte. Es läßt sich nur so hübsch assoziieren weil beides mit Geld zu tun hat.
    Es geht hier ja um die Integrität Schäubles als Politiker bzw. als Amtsträger, diese grundsätzliche Frage ist gestattet und sollte dann auch so gestellt werden. Ich finde Frau Illner echt süß, deswegen bin ich da nicht so streng, wenn sie mal daneben haut.

    (Offenlegung: Ich würde mit Frau Illner gerne mal einen Kaffee trinken gehen.)

  21. 21

    Schäuble hat Maybrit Illner schlicht brutalstmöglich auf’s Töpfchen gesetzt.

    Das ist nicht nett, das ist nicht fair, hat aber offenbar funktioniert. Bei Illner sieht man eigentlich unmittelbar im Gegenschnitt, wie hinter der Stirn ein Laufband „Scheisse, warum habe ich das getan“ in den Dauerloop geschickt wird.

    Über ähnliche Spielchen berichtete Plasberg mal bei Domian: http://de.tinypic.com/player.php?v=2iicoch&s=6 (Video, 2 Minuten, von 2005)

  22. 22
    Peter

    @murdock: Ja, hat der Schäuble eigentlich recht souverän gelöst.

  23. 23

    wenn ich sowas seh kann ich kaum genug essen wie ich kotzen möchte“¦
    wie traurig das unser Journalismus inzwischen so zahn und harmlos geworden ist, das so etwas die Spitze der kritischen, politschen Nachfrage bildet“¦ . Es geht ja nicht darum das Journalisten Radau machen, vielmehr Radau in den Hosen der die Macht ausüben – aber das passiert in Deutschland öffentlich leider nicht mehr.

    Frau Illner hätten vorher schon 3mio Fragen, grad auch in Bezug auf Spenden und schwarze Konten, einfallen müssen, das Schäuble permanent mit dem Stift in der Hose malt“¦

  24. 24

    Die Illner ist nicht einmal fähig die Frage von Savelberg (dem holländischen Journalisten) ansatzweise richtig wiederzugeben. Der Moment war gut, aber nicht weil Schäuble irgendwie schlecht dasteht, der musste seine Trickkiste nicht einmal öffnen, um der Frage auszuweichen, sondern weil sich mal wieder gezeigt hat, dass deutsche Journalisten verlernt haben kritisch nach zu haken. Falls sie es denn jemals konnten…
    Illner stammelt rum, und lenkt kurz darauf auch noch selbst vom Thema ab. Armutszeugnis!

  25. 25
    Blixten

    Ich finde den Ausschnitt gar nicht sooo schlecht von Illner, gerade weil man sieht, dass ihr die Situation schlicht unangenehm war.
    Letztlich scheint Schæuble mit einem unschuldigen „ich weiss nicht, wovon sie reden“ ueber die Zeit zu kommen zu wollen, woraufhin Illner mehrmals nachfragt.

    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Geschichte nicht in Schæubles Pressespiegel gelandet ist, aber wahrscheinlich hatte er sie – aus Erfahrung wird man klug – gerade in dem Moment vergessen.

  26. 26
    Sanníe

    Wie schön hätte sie bei dieser Ich-weiß-jetzt-demonstrativ-nicht-worauf-Sie-hinauswollen-Maske nochmal nachhaken können: Sie erinnern sich an diese Pressekonferenz also ebenso wenig wie an die 100.000 Mark von Herrn Schreiber?

    Sie hats versaut.

  27. 27
    jako

    ooohhh mein gott…
    das ist fremdschämen auf allerhöchstem niveau! Jetzt kann ich ohne probleme heute abend wieder stromberg kucken

  28. 28
    Danny Wilde

    @Martin: „Es gibt zunächst mal keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Eignung als Fianzminister im speziellen und dieser Koffergeschichte.“

    Zwischen der Verantwortlichkeit für die Finanzen eines ganzen Staates und einem Hang zur Bestechlichkeit kein Zusammenhang? Interessant.

    Andere kriegen für weit weniger erhebliche Vergehen nicht mal mehr eine Stelle an irgendeinem Bankschalter.

  29. 29
    Jörg

    Da war Schäuble richtig gut, find ich. Zwar gibts keinen Zusammenhang zwischen Finanzminister-Sein und Spendenannehmen vor zehn Jahren, aber die Frage danach war trotzdem lustig. Aber er hat gut pariert (auch deutlich besser als die Kanzlerin). BTW: Bettina Gaus („taz“) sieht Schäuble in der Spendenaffäre „eher als Opfer denn als Täter.“
    Die im Netz weit verbreitete Schäublephobie ist wohl verständlich und erklärt sich aus seiner früheren Tätigkeit.

  30. 30

    Armutszeugnis. Für Illner. Erstens nicht getraut, die Frage selber zu stellen. Zweitens Frage schlecht zusammengefasst. Drittens nicht nachgefragt. Bzw. viertens so, dass man Schäuble direkt den Ausweg baut. Fünftens noch dement-dämliches Nachfragen, ob Schäuble die Geschichte auch wirklich nicht mitbekommen hat.

    Schäuble hat den von Illner gebauten Ausweg natürlich dankbar aufgenommen und sogar eine nette Replik daraus gemacht: Frei nach dem Motto: Bitte in Zukunft nicht mehr solche Fragen.

    Woran sich Illner auch halten sollte. Sie hat’s halt nicht drauf.

  31. 31
    Nico

    Definitiv. Nur peinlich für Illner. Ihre unsouveräne Drumherumfragerei bringt Schäuble nicht ansatzweise dazu, direkt auf sie einzugehen. Eine lächerliche Vorstellung, nach der zu hinterfragen ist, ob das Geld, dass in die Produktion dieser Sendung gesteckt wird, nicht andern Orts besser investiert wäre.

  32. 32
    quasi

    marokko, bauchkrämpfe vom wasser und schlimmeres – mache den fernseher für – echte 5 minuten – an und dann so was…

  33. 33

    @Blixten:
    Hier wird das peinliche abschneiden des deutschen Journalismus diskutiert und du schaust der Illner auf den Ausschnitt.
    „Ich finde den Ausschnitt gar nicht sooo schlecht von Illner,“

  34. 34
    Lasse

    Schlimmer als Schaeuble finde ich hier wirklich Frau Illner, die die Frage ja schon stellt als sei sie unsinnig. Damit gibt sie Schaeuble doch die Chance sich so herauszuwinden. Ich weiss nicht, was sie da getrieben hat, ob dies uebertriebener und falscher Respekt ist, und sie den guten Kontakt zu einem so wichtigen Politiker nicht versauen will? Kommt er sonst nicht mehr in ihre show? Wie sie ueber die „kleine 100.000 Mark Spende“ lacht, als wenn sie es selbst nicht ernst nimmt, ist unertraeglich.

    Naja, das ZDF und Illner sollte doch nochmal eine Fortbildung machen ueber die Rolle des Journalismus in der Demokratie. Illner wie vorher Christiansen ist nichts anderes als eine grosse unkritische Pressekonferenz der Parteien. Zu wirklich erleuchtenden oder interessanten Einsichten kommt es doch schon lange nicht mehr. Schade.

  35. 35

    Unfassbar. Illner, nicht Schäuble.

  36. 36

    Ich mag in die Lobrede des Beitrags überhaupt nicht einzustimmen. Da ist für mich der Herr Finanzminister aalglatt aus der Nummer raus gekommen, und die einzige, die dumm aus der Wäsche tönt und guckt, ist Frau Illner.
    Was für ein schwaches Stück.
    Wenn eine Frau wie diese Vorzeigejournalistin, die man beim Sender unbedingt halten wollte, solche Beisshemmungen hat, dann kann man sich vorstellen, welche Seilschaften im Hintergrund die Journalisten“meute“ zahm halten mögen.
    Eine einzige Katastrophe.

  37. 37
    Interessierter

    unfassbar wie genial Schäuble die Kurve noch gekriegt hat (er lacht sich nach seinem rhetorischen Rettungsschuss ja richtiggehend selbst ins eigene Fäustchen)! Rhetorisch einwandfrei von ihm, ansonsten offenbart es die Routine von Politikern im Umgang mit unangenehmen Fragen und eine gewisse Skrupellosigkeit wenn es um die Verdeckung von parteiinternen und eliteinternen Angelegenheit geht, welche mindestens als halblegal zu bezeichnen sind.

Diesen Artikel kommentieren