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VfB Stuttgart – VfL Wolfsburg 3:1

Spitzenspiel und Krisengipfel haben exakt die gleiche Anzahl gleicher Vokale. Was ein Zufall. Man sollte eher sagen: das Duell der Gebeutelten, denen die Vorrunde eine miserable Känguru-Mama war. Allerdings, die Voraussetzungen: Stuttgart hat mit Christian Gross inzwischen nicht nur den neuen Heilsbringer, sondern vor allem Anlass für noch weit miserablere Wortspiele als meines eben. Und in der anderen Ecke Armin Veh, dem inzwischen der Stift geht wie sonst nur Ewald Lienen.

Beide Mannschaften spielen von Anfang an schneller, als sie können: viele gute Ideen, aber auch viel Gehaspel. Viele interessante Pässe, die aber im Zweifelsfall im Nichts landen. Es ging zu wie beim Brainstorming: so viel wäre möglich, und doch, die begrenzten Mittel… Grafite auf der einen, Hilbert und Niedermeier auf der anderen Seite setzten ihre Chancen in den Sand. Trotzdem war nach einer Viertelstunde mehr los als in 180 Minuten Frankfurt-Bremen.

Was (unter anderem) an Aleksander Hleb lag. Umtriebiger als Kader Loth auf der Suche nach neuen Fernsehformaten, holte er wieder und wieder den Ball nach vorne; dort sah man Progrebnyak sich verwundert die Stirn kratzen ob der Tatsache, einmal verwertbare Bälle zu bekommen.

Und vermutlich auch ob des Zustands der Wolfsburger Hintermannschaft. 28. Minute, vier Mann stehen brav Spalier, als Hilbert einsam und verlassen im Hintergrund steht, derart unbehelligt, wie es sich der gemeine Fernsehzuschauer von Kader Loth wünscht. Und weil es einer jener nicht ganz häufigen Bälle war, die Hilbert voll traf, stands 1:0.

Angesichts des VfL-Angriffs überkam einen das blanke Mitleid: Grafite gedankenschnell und beweglich wie ein Quartalssäufer am Katermorgen, Misimovic völlig desorientiert und Dzeko laufstärkster Zuschauer im Stadion, trugen sie immerhin Frisuren spazieren, die allerdings allesamt nicht sonderlich ausgefallen sind. Und ich gebe mir Mühe, nett zu sein. Von der Abwehr gar nicht erst zu reden: Denn dass es zur Pause nur einsnull stand, lag an der ins Nachlässige spielende Gedankenlosigkeit, mit der der VfB seine Angriffe abzuschliessen beliebte.

Es musste schon eine komplette Arbeitsverweigerung der Gäste her, um das 2:0 zu erzwingen; Freistoßflanke aus dem Halbfeld, der Ball ist eine halbe ERdumdrehung in der Luft, Tasci köpft den Ball inmitten des Fünfmeterraums, und während alle involvierten Abwehrspieler wie gelehrige SChüler die Hand heben, hebt Progrebnyak den Fuss hin. 2:0.

Anders als in der ersten Halbzeit, verzichtete der VfB darauf, seinen Gegner vor sich herzutreiben wie Hasso seine Schafsherde. Vielleicht hätten sie das gerne, aber häufig brauchten sie ein zwei Momente, ein zwei Ballkontakte zu viel. Hätte Wolfsburg einen spielstärkeren oder zumindest ballsicherern Gegner gehabt (sagen wir: Villareal), sie wären auseinandergenommen worden wie ein Weihnachtsgans.

„Wie aus dem Nichts“ ist die Formulierung, die unerwartete Tore normalerweise einläutet; und aus dem spielerischen Nirwana der Wolfsburger Offensivbemühungen kam ja auch tatsächlich der Ball, den Grafite auf Dzeko lenkte. Und Dzeko ihn ins Stuttgarter Tor. Überraschung ist wenig gesagt, 65 Minuten gespielt, Wolfsburg war wieder da. Und weil dem VfB langsam die Puste ausging, durfte Dzeko unter gütiger Mithilfe seiner Gegenspieler auch noch einen Ball an den Pfosten jagen. Beinah wäre sowas wie Spannung aufgekommen.

Vermeiden wir unnötige Worte, kürzen wir das Wolfsburger Elend etwas ab: 82. Minute, Konter VfB, Gebhart, 3:1, Schlusspfiff.

In Stuttgart dürfen weiterhin Wortspiele mit „Gross“ gemacht werden. Ob allerdings Veh dienstlich nach Spanien darf diese Saison, darauf würde ich nciht wetten.

10 Kommentare

  1. 01

    Lieber Fred

    Nur weil das Ergebnis Wunschgemäss ausgefallen ist empfehle ich dich weiter.

    Man sollte wirklich nicht glauben, was so alles geht, steht, läuft oder erzählt..
    Dir kaufe ich unbesehen alles ab.
    Danke
    @PiPi

  2. 02

    Endlich rollt der Ball wieder und die Ergebnisse am 1. Spieltag der Rückrunde stimmen mich auch ganz positiv.

  3. 03
    Frédéric

    @Mircow: Ich weiß gar nicht, wie ichs diesmal durchgestanden habe, und ich bin in der Tat schwer erschrocken, als man mir sagte, das sei die kürzeste Winterpause seit Menschengedenken gewesen.

    @PiPi: Ui. Danke.

  4. 04
  5. 05

    War ein echt geiles Spiel und ich stufe beide Vereine in etwea gleich stark ein, aber das war schon ein vernichtender Sieg. :-)

  6. 06

    Naja, gleich stark sei mal dahin gestellt…

    Das Spiel war trotzdem der Hammer.
    Wollen mal hoffen das die Saison so weiter geht.

  7. 07
    Martin

    Ich freue mich auch wie ein Schneekönig über den Rückrundenauftakt. Und Hertha hat jetzt unglaubliche 9 Punkte (Unglaublicher, dass sie nur 6 vorher hatten). Sie werden es packen.

  8. 08

    Endlich einmal ein Spielbericht, der sagt, was die Zuschauer auf den Rängen und vor dem Bildschirm denken. Sehr schön und sehr gelacht. Ich wünsche mir jetzt nur noch eine Sportschau mit derartigen Kommentaren und Kommentatoren. Comedy meets Satire meets Fakten, Fakten, Fakten.

  9. 09

    Das Spiel war ebenso klasse wie dein Beitrag. Danke!

  10. 10

    Super für Stuttgart, blöd nur, dass ich für Wolfsburg getippt hab!

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