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Peter Kruse: Die Glaubensfrage des Internets

Warum streiten wir uns eigentlich so über das Internet? Die einen fühlen sich überfordert, die anderen bejubeln die Möglichkeiten des Web 2.0 – „die Bewertung des Internets scheint als Glaubensfrage behandelt zu werden“, sagt der Neurowissenschaftler Peter Kruse. Auf der re:publica brauchte er nicht einmal eine halbe Stunde, um zu erklären, warum das so ist.

191 „Heavy User“ des Internets hat Kruse interviewt und nach den Werten befragt, die ihnen persönlich wichtig sind. Die Ergebnisse habe er extra für die re:publica ausgewertet – am letzten Wochenende. Ob das so stimmt oder nicht, die Ergebnisse sind beeindruckend.

Was Kruse den re:publica-Besuchern zeigte, war nicht weniger als eine Teilung der Intensivnutzer des Internets in zwei Lager – „Digital Residents“ und „Digital Visitors“, nennt der Wissenschaftler sie. Beide Gruppen verstehen das Internet gleichermaßen – aber was sie von ihm wollen, könnte unterschiedlicher nicht sein.

Die „Digital Visitors“ legen Wert auf verlässliche Informationen und Beziehungen, während sie Angst haben vor Oberflächlichkeit und Überforderung. Die „Residents“ dagegen schätzen Dynamik und Gestaltungsmöglichkeiten – Intransparenz und Bevormundung sind ihnen ein Graus.

Diese letztgenannten Werte verbinden beide Gruppen mit dem Sozialen Web. Die „Bewohner“ fühlen sich also pudelwohl in der Welt von Twitter, Facebook und Co. Die „Besucher“ dagegen können hier nicht wirklich heimisch werden. Sie erkennen zwar die Bedeutung der Entwicklungen im Netz, „aber lieben tun sie es überhaupt nicht“, wie Peter Kruse sagt. Mit dem Alter der Befragten hat das im Übrigen nichts zu tun.

Während man sich, was das Internet angeht, bei den Fakten einig sei, komme man bei seiner Bewertung nicht auf einen gemeinsamen Nenner. „Ja Leute, dann kann man sich doch nur streiten“, meint Kruse. Sein Rat: Es müsse mehr Transparenz auf der Bewertungsebene geben. Für alle, die dazu nicht bereit sind, hat der Professor eine klare Ansage: „Haltet doch wenigstens die Klappe“.

19 Kommentare

  1. 01
    simon

    sehr sympathisch der mann.

  2. 02
    alex

    wieder ein netter post simon, aber kannst du mir den gefallen tun und das „read on my dear“ in eine extra zeile tun? ich weiß nicht, irgendwie stört mich das ;)

  3. 03

    Super Vortrag. Man musste dagewesen sein, um die Dimension zu erkennen

  4. 04

    Der Vortrag war der Hammer. Könnt Ihr das Video davon noch mal verlinken? Das war soviel Input, ich würd’s mir gerne nochmal in Zeitlupe ansehen.

  5. 05
  6. 06
    fewweffwe

    Das gesagte passt doch hinten und vorn nicht zusammen.

  7. 07

    mir qualmt der Schädel muss ich nochmal anschauen

  8. 08

    Danke. Der erste Artikel, den ich lese, der den Kruse-Vortrag richtig wiedergibt. Viele faselten da was von Internetverstehern vs. Nichtversteher und wollten genau wieder die Gräben aufmachen, die Peter Kruse eben als unterschiedliches Wertesystem bei der Sicht auf genau dieselben Dinge eigentlich schließen will, wenn er sinngemäß sagt: „Es ist kein Wunder, dass sich die beiden Gruppen nicht verstehen und deswegen streiten.“

  9. 09
    Odyssee

    Nach diesem Vortrag kann ich die Bestrebungen zur Einführung eines Zensursystems unter dem Vorwand der Bekämpfung der Kinderpornografie besser verstehen.
    Die Meinungsmacher sind sich inzwischen bewusst, das sie ihre Deutungshoheit verlieren, weil das Netzwerk durch seine steigende Dichte an Knotenpunkten reaktionsschneller und intelligenter wird. Ein Zensursystem ist der Versuch das emotionale Aufschaukeln des Netzwerks im Zaum zu halten und ein Abwehrverhalten gegen die allgegenwärtigen Desinformationen zu verhindern.

  10. 10

    Herr Kruse weiss sehr genau, dass das IW W W nicht nur von
    Selbsteflektion begabten (g)benutzt wird. Das Internet per se
    ist ein offener Raum für alle Bildungsschichten. Auch Überhe-
    blichkeit findet darin einen würdigen Platz.

    @PiPi

  11. 11
    kernberg

    Unglaublich, wie hier kritische Beiträge über Nacht der Zensur zum Opfer fallen!

    — Beginn des ursprünglichen Kommentars —

    Kruse ist der Hyper-Schwobler des Internets, vergleichbar nur mit Franz Beckenbauer im Fußball oder mit Peter Sloterdijk im Literaturbetrieb. Mit seiner Brachialrhetorik, seiner enorm schnellen Sprechgeschwindigkeit, welche dem Zuhörer keine Chance zu einem klaren Gedanken lässt, vermittelt er die Illusion, er hätte unglaublich Bedeutendes und Wegweisendes mitzuteilen.

    Seine Endloskette an Fachbegriffen aus allen Disziplinen lässt ihn unendlich überlegen wirken und gleichzeitig alle potenziellen Kritiker verstummen, falls diese zufälligerweise mal zu Wort kommen dürfen. Wer wollte schon zugeben, dass er von diesem Wortschwall kaum etwas verstanden hat?

    Dass auch dieser Kaiser nackt ist, kann man problemlos feststellen, wenn man das Ganze einmal schriftlich nachliest, zum Beispiel hier:

    http://carta.info/24656/schwimmen-nicht-filtern-peter-kruse-im-interview/

    Hat man kurz Zeit zum Reflektieren, erkennt man sofort, dass sein Trick es ist, Trivialitäten rhetorisch aufzublasen, um dadurch zu beeindrucken. Der Erkenntniswert seiner Aussagen geht allerdings gegen Null, wie beim richtigen Beckenbauer halt auch. Hauptsache man ist wirtschaftlich erfolgreich…

  12. 12
    kernberg

    SOORRRY – der letzte Kommentar war eine Fehlposting, ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil!!!

  13. 13

    @kernberg: Du bist nicht zensiert worden. Dein Kommentar ist nur in der Moderationsschleife gelandet, weil die Worte „Franz Beckenbauer“ als Spamversuch gewertet werden. Oder es war etwas anderes.

  14. 14

    Hm, ich habe auch das Gefühl, dass das Internet immer mehr zur Glaubesfrage wird. Ich fühle mich sehr wohl im Netz, aber ich sehe auch einige, die das Internet quasi zu einer Gottheit erheben – übertrieben ausgedrückt. Ich muss mir den Vortrag wohl ebenfalls noch einmal anschauen, weil ich es nicht geschafft habe, hinzukommen.

  15. 15

    Ich denke, dass das Internet schon eine Glaube geworden ist & viele Jugendliche quasi nur noch vor dem Rechner sitzen und die einzigen sozialen Aktivitäten, welche sie noch haben Facebook o.ä. ist.
    Sport macht man ja sowieso nur noch auf der Wii.

  16. 16

    Ohne Internet ist es nicht mehr zu denken. Das Internet bringt vieles Positive mit sich, sofern man es natürlich richtig nutzt. Man kann sich über viele Themen informieren, sich unterhalten, spielen, musik hören…

    Menschen von nah und fern können sich schreiben, miteinander telefonieren und sich sogar im webcam sehen. Ich finde Peter Kruse hat Recht. Das Streiten um das Internet hat keinen Sinn.

    Sicher gibt es auch Leute, die das Internet nutzen, um „Unwissende“ auszurauben. Aber mittlerweile hat sich das auch so rumgesprochen, so dass die User aufpassen.

    Naja ohne Internet ist es öde!!!

  17. 17

    Kruse, Kruse – mal wieder ein Klassiker!

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