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Fazsinierend

Zitate aus dem FAZ-Dossier „Deutsche Blogger“

Das Blog (Anm.: gemeint ist Spreeblick) ist seit langem eines der bekanntesten in Deutschland, und es hat nur einen einzigen Text (Anm.: gemeint ist der Jamba-Kurs) gebraucht, das zu werden.

Klar. Mit einem einzigen Artikel sorgt man für die Bekanntheit eines Blogs über Jahre hinweg, wer zwei kauft, spart Geld, und wenn sie jetzt sofort hier klicken, dann treffen sie Frauen aus Brandenburg.

„Aber gut“, sagt Johnny Haeusler, „ich kann mir nicht jeden Tag ein Ohr abschneiden.“

Das ist ein großartiger Satz, nur stammt er leider nicht von mir, sondern von Martin Kippenberger. Ich weiß das sehr gut, und Marcus Jauer, der Autor des FAZ-Dossiers, sollte es auch wissen, denn das Zitat hängt auf einer Postkarte an unserer Büro-Küchenwand (siehe Foto oben), genau dort, wo das Interview zwischen Marcus Jauer und mir stattgefunden hat.

Ich könnte noch ein paar tausend Zeichen weiter machen mit der Sezierung der missverständlich bis falsch zusammengekürzten Anekdötchen in dem weinerlichen bis hämischen Text, der mit den immer gleichen Nasen immer gleiche Klischees bedient, aber es ist mir zu blöd, Marcus Jauers Arbeit mehr Aufmerksamkeit zu schenken als er meiner.

Beim nächsten Mal, wenn sich jemand anderthalb Stunden Gespräch mit ein paar handschriftlichen Notizen merken will, stelle ich ich ein Aufnahmegerät daneben und das Ergebnis online.

Aber jetzt geh‘ ich erstmal einen zweiten Text schreiben.

58 Kommentare

  1. 01
    dot tilde dot

    der spruch zum tonband ist übrigens dann unbedingt „zu _ihrer_ sicherheit wird unser gespräch aufgezeichnet“.

    .~.

  2. 02
    dori

    @johnny: Danke für die ausführliche Antwort. Und um das noch einmal klar zu stellen: Der Tonfall des FAZ-Dossiers erscheint in der Tat sehr von oben herab und lässt einiges an Rückschluss auf die Person des Autors und seine Sicht auf die Welt zu. Das ist aber sowohl in der deutschen Presse als auch in deutschen Blogtexten alles andere als ein Sonderfall und wird leider immer nur moniert von denen, die sich falsch verstanden fühlen (oder falsch verstanden wurden) und nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Will heißen: Wir alle, die Leser, mögen so etwas offenbar, es sei denn, wir sind selbst das Opfer. Ansonsten ist der FAZ-Text doch nur ein Stück, der das Phänomen Alphablogismus den Eltern, Onkels und Tanten (des Autors und der Protagonisten) erklärt. Das mag für viele Netzmenschen nicht sonderlich originell sein und sehr veraltet rüberkommen. Die überwiegende FAZ-Leserschaft dürfte das aber etwas anders sehen, denn die haben viele Themen, Veröffentlichungen im Internet gehören aber bestimmt weniger dazu, da kann Frank Schirrmacher noch so viele Bücher verkaufen wollen. Insofern ist das Stück doch nur eine Art Nachhilfeunterricht i.S.v.: Da gibt es noch etwas, von dem Ihr nichts oder wenig wusstet, und die haben Probleme, von denen ihr keine Ahnung habt. Dass kein Blogger-PR-Text draus geworden ist, ist hier sekundär, weil beim normalen Leser eigentlich nur hängen bleibt: Da ist etwas, was die FAZ so wichtig findet, dass sie drei Seiten drüber schreibt. Kann also nicht schaden, sondern nur nützen.

  3. 03

    @dori:
    Lieber dori
    ‚wir sind selbst das Opfer‘
    welches sich der Journaille
    hingibt und alles glaubt, was ein Redakteur unreflektiert schreibt.

    Ja, es gibt Medien denen man gerne vertrauen (kann) möchte.
    Aber selbst die von mir sehr geschätzte STZ wird mit offenen Sinnen gelesen. Manchmal finde ich darin nur ein paar Schreibfehler.

    Schönen Gruss an Herrn Glaser ;-)

  4. 04

    @dori: Hast ja recht. Ich hätte das vielleicht auch einfach alles so stehenlassen sollen, weil’s am Ende egal ist. Aber manchmal platzt mir die sprichwörtliche Hutschnur. :)

  5. 05
    dori

    @johnny (48): Umso erstaunlicher ist, dass Du auch dann (wenn die Hutschnur reißt, meine ich) offenbar die Contenance nicht verlierst. Chapeau! :)
    Und vielleicht sollte Spreeblick einfach mal Marcus Jauer mit einem Frank-Schirrmacher-Porträt beauftragen. Das Geld würde sich schon auftreiben lassen, unter der Bedingung, dass er ihn ebenso kritisch würdigt wie deutsche Blogger.

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