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Der Grieche an sich


Ich schalte den Fernseher ein und sehe griechische Soldaten, die in lustigen Kostümen lustige Schritte vollführen mit geschultertem Gewehr. Aha, denke ich, das soll ich jetzt also witzig finden. Ich schalte das Radio ein und höre Merkel sprechen. Sie sagt zu den Griechen: „Ihr müsst sparen, Ihr müsst redlich werden, Ihr müsst euch ehrlich machen!“ Aha, denke ich, dann waren die Griechen bisher also unredlich und unehrlich.

Ich schlage die Zeitung auf und lese dutzende offene Briefe, da ist von Korruption die Rede und davon, wie Deutschland Griechenland finanziert hat. Aha, denke ich, die wollen uns also ausbluten. Ich mache den Rechner an und lese in den Foren darüber, dass man lieber hier die Steuern senken solle oder die Straßen reparieren, als diesen griechischen Taugenichtsen auch nur einen Cent zu geben. Aha, denke ich, wenn man mir nach einer Fahrt über Landstraßen von den vielen Schlaglöchern der Arsch schmerzt, ist der Grieche schuld.

Klar. Wir Prometheus, die der Adler. Wir Laokoon, die die Schlange. Und sowieso: die Griechen, die riechen. Die Hälfte der Berichterstattung liest sich, als hätte Wischmeyer als Vorbild hergehalten.

Und das ist erst der Anfang. Man liest, Portugal drohe der Untergang, Spanien vielleicht, und der Ire sowieso. Bei den Spaniern ist das ja klar, da besteht der Tag ohnehin nur aus Siesta und Fiesta. Und die Iren erst: was will man von einem Volk erwarten, dass sich im kollektiven Alkoholdelirium kleine grüne Männchen mit Kleeblättern auf der Mütze zum Nationalsymbol zusammendeliriert. Und der Portugiese an sich kann ja auch nichts weiter als traurig kucken und sich von der EU mit Autobahnen zubetonieren lassen, auf denen dann keiner fährt, weil sich da niemand ein Auto leisten kann.

Damals, als die EU als hehre Idee galt, haben mir Fernseher, Zeitung und Internet gesagt, Europa würde zusammenrücken. Von Völkerverständigung war da die Rede, von Freundschaft sogar, davon, dass man aufeinander zugehe. Nichts mehr davon ist übrig. Keine Solidarität mit der griechischen Bevölkerung, kein Verständnis für Protestierende, die um ihre Existenz fürchten, keinerlei Mitgefühl. Hohn, Spott, Entsetzen darüber, dass man jetzt helfen müsse (für die Banken gibts das zum Nulltarif). Und natürlich wollen die meisten nicht wissen, was genau in Griechenland warum passiert. Es reicht die dunkle Ahnung, dass es auch in Deutschland düster werden wird. Und schon ist der ganze zivilisatorische Stuck abgeschlagen, und was dahinter stand, tritt hervor: nationalistisches Überlegenheitsgefühl, eine Prise narzistisches Selbstmitleid und viele angstgeschwängerte Ressentiments.

Angela Merkel hat mal gesagt, Europa sei ein Grundwerteclub. Ich kenne eine Menge Medien, die ausgeschlossen gehören.

35 Kommentare

  1. 01
    Island

    Ich war noch nicht ganz am Ende des Textes da wollte ich den Link von Print Würg empfehlen.

  2. 02
    DeLohf

    Hab in diesem Blog schon seit Tagen auf einen Standpunkt zu Griechenland gewartet.
    Bin sehr froh das er so ausgefallen ist ;-)

  3. 03

    was Frédéric sagt.

    ^^

  4. 04
    Johannes

    Natürlich sind die Hilfen ohne Alternative zum Einen aus Ökonomischen Gründen und zum Zweiten aus Moralischen. Trotzdem bin ich (wie viele andere auch) verägert. Es wurden Bilanzen gefälscht, einige hohe Beamte, die Griechenland in der EU repräsentieren, haben schlicht gelogen. Und die Lügen waren von ungeheurer Tragweite. Das jetzt ausbaden zu müssen tut weh.

  5. 05
    Sara Chahrrour

    Die deutsche Einstellung der Medien zu Griechenland korreliert ja auch mit der Einstellung zum WM-Kader, hat also alles seine Richtigkeit hier.

  6. 06
    mackenzen

    …ja schoen auch mal etwas darueber hier lesen zu koennen: habe wie DeLohf auch schon laenger drauf gewartet! man kann sich ja auch nicht einfach rausnehmen aus diesem ismus der uns alle mit seinen problemen in seiner endphase an die wand drueckt und der uns ja noch die ganze hard- und software plus den strom liefert den wir brauchen um hier ‚bloggen‘ zu koennen… nicht nur dass man einmal etwas von voelkervestaendigung in europa gelesen hat nein man hat ja auch schon mal in der schule gelernt das kapitalismus keine oligopole und monopole zulaesst… ja da hat man auch mal gelernt dass der markt alles bestens fuer alle regelt und unternehmen durch produktion von guetern geld verdienen und ihre arbeiter damit bezahlen… nun heutzutage ist das ‚kartellamt‘ nur noch zum abnicken da: drei stellen die auddos her drei die elektronischen geraete und drei verkloppen die nahrungsmittel und die autoindustrie bekommt die arbeiter vom staat bezahlt und dann noch 500 millionen um die dumme ‚elektromobilitaet‘ zu entwickeln! von den banken mal ganz abgesehen! ja da ficken ganz ganz wenige ganz grosse die masse der kleinen und die meisten von den kleinen glauben tatsaechlich noch an die ‚volksherrschaft‘ lassen sich dafuer aber auch gerne unterdruecken! ‚they say jump you ask how high!‘ …jaja aber jezze auffe faulen griechen auffe faulen suedlaender einhaun: die sollen jezze mal genau so hoerig sein wie ‚wir‘ und endlich fuer weniger ranklotzen damit die profite exorbitant fuer die wenigsten weiter verteilt werden koennen… so viel zu fortschritt (ja auch wissenschaftlicher fortschritt) und entwicklung in europa und im kapitalismus! weiter so: zur vierzig jahr feier der ddr ham ja auch noch alle die fahnen hochgehalten und honni hat gewunken und gegrinzt und alles war noch ganz schwer in ordnung! bloss nix anderes denken und ‚buergerliche vernunft‘ walten lassen!

    mehr zum thema deutschlant griechenland kapitalismus hier:
    http://jungle-world.com/artikel/2010/18/40853.html

  7. 07
    pfandflasche

    Ich bin der Ansicht das diese Krise nur eine Intriege gewisser leute ( http://frank-meyer.eu/blog/index.php?p=1732&more=1&c=1&tb=1&pb=1 ) ist um vom eigenen Versagen ( http://bankhaus-rott.de/wordpress/?p=917&utm_source=feedburner&utm_medium=email&utm_campaign=Feed%3A+BankhausRottFeed+%28Bankhaus+Rott+Feed%29 ) ab zu lenken. Leider berichten nur wenige ( http://www.cashkurs.com/Detailansicht.80.0.html?&cHash=da40c0f5af&tx_t3blog_pi1%5BdaxBlogList%5D%5BshowUid%5D=7539 ) darüber was da grade passiert. Leider wird grade viel Desinformation verbreitet. Es sollten mehr Menschen bankhaus-rott.de und http://www.cashkurs.com lesen.

  8. 08

    Im Herdentrieb-Blog der Zeit gibt es einen sehr guten Beitrag von Fabian Lindner zu den volkswirtschaftlichen Hintergründen der Griechenland-Krise. Ist vielleicht ganz interessant, wenn man die vermeintliche Schuld bzw. Unschuld der Griechen an dem Desaster beurteilen möchte:
    http://blog.zeit.de/herdentrieb/2010/03/11/griechenlands-echte-probleme_1539#more-1539

  9. 09
    k.

    @mackenzen: ganz schön böse. aber ich hätte es nicht besser schreiben können. ich bin sehr gespannt, was dieses jahr(zehnt) noch bringen wird…..

  10. 10
    peter H aus B

    Europa ist ein Hirngespinst, ein utopisches Kasperletheater.
    Dieses Konstrukt einiger Bürokraten hat keinerlei Chance, eine Einheit zu werden. Nur weil ein paar Staaten sich zufällig eine geografische Fläche teilen, bedeutet doch nicht, das diese Staaten sonstige Gemeinsamkeiten haben.
    Und der Euro als „Gemeinsamkeit“ ist und war Pfusch.

    Die Unterschiede sind zu groß innerhalb „Europas“, als das daraus jemals eine wirkliche Gemeinschaft werden kann. Wozu auch? Ich finde gerade die Unterschiede reizvoll, Vielfalt statt Einerlei. Aber nicht um jeden Preis unter einem Hut!

  11. 11
    Hell

    Ich denke es ist ein Fehler, die Bewertung der Aktivitäten der europäischen Staaten und des IWF anlässlich der Finanzsituation Griechenlands zu einer Frage von Freundschaft oder Abneigung zwischen den beteiligten Völkern zu machen.

    So ist es natürlich völlig inakzeptabel, wie derzeit Ressentiments gegenüber „den Griechen“ geschürt werden. Es führt aber auch in die Irre, mit Blick auf die im Raum stehenden Kredite an Völkerverständigung und Freundschaft zu appellieren. Es geht hier nicht um Hilfe für die griechische Bevölkerung sondern um die Wahrung des Status quo in der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Während das Geld sofort an die Gläubiger Griechenlands (darunter deutsche Banken) fließt, wird die griechische Bevölkerung durch die mit den Krediten verbundenen Sparmaßnahmen schwer belastet.
    Und so geht das Gefasel von „notwendiger Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“ und das Rennen um niedrigere Löhne und gößeres Exportvolumen munter weiter – dass dem Wettbewerbsgewinner auch ein Verlierer gegenübersteht, wird weiterhin ignoriert.

    Wenn wahlweise mit der angeblichen Faulheit der Griechen oder der Freundschaft der europäischen Völker argumentiert wird, ist das zumindest irreführend.
    Den Artikel auf jungle-world.com kann ich übrigens nur wärmstens empfehlen.

  12. 12

    @peter H aus B:

    Deutschland ist ein Hirngespinst, ein utopisches Kasperletheater.
    Dieses Konstrukt einiger Bürokraten hat keinerlei Chance, eine Einheit zu werden. Nur weil ein paar Staaten sich zufällig eine geografische Fläche teilen, bedeutet doch nicht, das diese Staaten sonstige Gemeinsamkeiten haben.
    Und die D-Mark als “Gemeinsamkeit” ist und war Pfusch.

    Die Unterschiede sind zu groß innerhalb “Deutschlands”, als das daraus jemals eine wirkliche Gemeinschaft werden kann. Wozu auch? Ich finde gerade die Unterschiede reizvoll, Vielfalt statt Einerlei. Aber nicht um jeden Preis unter einem Hut!

  13. 13
    bummbumm

    Berlin ist ein Hirngespinst, ein utopisches Kasperletheater.
    Dieses Konstrukt einiger Bürokraten hat keinerlei Chance, eine Einheit zu werden. Nur weil ein paar Dörfer sich zufällig eine geografische Fläche teilen, bedeutet doch nicht, das diese Staaten sonstige Gemeinsamkeiten haben.
    Und die D-Mark als “Gemeinsamkeit” ist und war Pfusch.

    Die Unterschiede sind zu groß innerhalb “Berlins”, als das daraus jemals eine wirkliche Gemeinschaft werden kann. Wozu auch? Ich finde gerade die Unterschiede reizvoll, Vielfalt statt Einerlei. Aber nicht um jeden Preis unter einem Hut!

    PS: Bomb Prenzlberg

  14. 14
    nagut

    Mein Ich ist ein Hirngespinst, ein utopisches Kasperletheater.
    Dieses Konstrukt einiger bürokratischer Stimmen hat keinerlei Chance, eine Einheit zu werden. Nur weil ein paar Stmmen sich zufällig einen Kopf teilen, bedeutet doch nicht, das diese Stimmen sonstige Gemeinsamkeiten haben.
    Und der Körper als “Gemeinsamkeit” ist und war Pfusch.

    Die Unterschiede sind zu groß innerhalb “meines Ichs”, als das daraus jemals eine wirkliche Gemeinschaft werden kann. Wozu auch? Ich finde gerade die Unterschiede reizvoll, Vielfalt statt Einerlei. Aber nicht um jeden Preis unter einem Hut!

  15. 15
    peter H aus B

    @Armin:
    Ganz andere Geschichte. Lernt man in der Schule – so man aufgepasst hat.

  16. 16
    peter H aus B

    @bummbumm:
    Einfältig sind wir alle geboren, aber die meisten haben im Laufe des Lebens was dazugelernt….

    Eine Stadt ist ein gewachsenes Konstrukt – kein entworfenes. Berlin sogar ganz speziell.

  17. 17
    peter H aus B

    @bummbumm:
    Warum Prenzlauer Berg bombardieren?

    Deine Schreibweise des Bezirks ist übrigens grausam.

  18. 18

    Viele in Deutschland verstehen nicht, dass die Griechenland Hilfe unumgänglich ist. Leider lassen sich viele von den stumpfen Stammtischparolen des deutschen Boulevards anstecken. Wenn wir Griechenland untergehen lassen, sidn es als nächstes Spanien und Portugal. Was dann mit unsere Währung, dem bisher so stabilen Euro passiert kann sich dann hoffentlich auch ein BILD Leser vorstellen. Hier hilft nur aktive Aufklärung von jedem Einzelnen…!

  19. 19
    Namen, hui =)

    Sehr schöner Text. Es ist ein klein wenig erschreckend, wie die eigene Umwelt zu bestimmten Ereignissen reagiert. Bspw. bei mir auf Arbeit:

    „Jetzt demonstrieren diese Griechen schon und brennen alles nieder. Stand heut in der Zeitung, wie schlimm das da ist. Da wurden sogar Reporter verjagt!“
    „Du meinst die Reporter, die vorher da mit Aufklebern wie „German Finance Patrol“ auf dem Rücken durchs Land zogen und Witze auf niedrigstem Niveau über die Griechen machten?“
    „Was? Keine Ahnung. Reporter halt. Stell dir mal vor, unser ganzes Geld…“
    „Und die Alternative ist, daß der Euro zusammenbricht?“
    „Ja dann muß also doch wieder die D-Mark her!“
    „Wow, wie… realistisch… Und demonstrieren würdest Du auch nicht, wenn dir die EU ans Geld will, verstehe.“
    „Diese äh Ironie hilft da auch nicht. Kann doch nicht sein, daß wir die durchfüttern!“
    „Da sind die auch ganz geil drauf. Nicht umsonst sagen 60% der Griechen, daß sie gar keine Hilfe wollen.“
    „Ja, ja…“

    -.-

  20. 20
    k.

    @Armin:

    @bummbumm:

    wollen wir ein bolo gründen?

  21. 21

    Es ist sehr interessant – viel Polemik und es ist sehr schwer, die wirklichen Informationen heraus zu filtern.

  22. 22
    philipp

    Sorry, aber unsolidarisch ist es zuerst einmal, so sehr auf pump zu leben, dass es die gemeinsame Währungsgemeinschaft gefährdet.
    Es gibt in den Verträgen zum Euro nicht umsonst eine Klausel, die es verbietet, dass die Gemeinschaft für die Verbindlichkeiten eines Mitglieds aufkommt.
    Mit Nationalismus oder Überlegenheitsgefühl hat das nichts zu tun. Sehr viel aber mit Fairness.
    Dieser Bailout ist falsch (der der Banken war es auch schon). Hier werden schon wieder Verantwortungen und Risiken die die Gläubiger eingegangen sind, und für dies sie sich mit fürstlichen Zinsen belohnt haben, auf die Allgemeinheit abgewälzt.
    Und es ist durchaus möglich, dass Griechenland in ein paar Jahren trotzdem das Handtuch werfen muss.

  23. 23
    philipp

    Sorry, aber unsolidarisch ist es zuerst einmal, so sehr auf pump zu leben, dass es die gemeinsame Währungsgemeinschaft gefährdet.
    Es gibt in den Verträgen zum Euro nicht umsonst eine Klausel, die es verbietet, dass die Gemeinschaft für die Verbindlichkeiten eines Mitglieds aufkommt.
    Mit Nationalismus oder Überlegenheitsgefühl hat das nichts zu tun. Sehr viel aber mit Fairness.
    Dieser Bailout ist falsch (der der Banken war es auch schon). Hier werden schon wieder Verantwortungen und Risiken die die Gläubiger eingegangen sind, und für dies sie sich mit fürstlichen Zinsen belohnt haben, auf die Allgemeinheit abgewälzt.
    Und es ist wahrscheinlich, dass Griechenland in ein paar Jahren trotzdem das Handtuch werfen muss. Die 40 Mrd. sind dann weg.

  24. 24
  25. 25
    Frédéric Valin

    @philipp: Stimmt, das müssten die Deutschen eigentlich wissen, die am Stück ihre Bilanzen fälschen.

  26. 26
    rofl

    @ phillip
    „Sorry, aber unsolidarisch ist es zuerst einmal, so sehr auf pump zu leben, dass es die gemeinsame Währungsgemeinschaft gefährdet.“

    Die gemeinsame Währungsunion wird in erster Linie von der BRD gefährdet, weshalb Austrittsforderungen in Richtung Griechenland absurd sind.
    Unsere Lohndumperei setzt alle andern Länder unter Druck, da der Währungsausgleich am Markt (bei unterschiedlichen Währungen) nicht mehr stattfinden kann. Das erklärt auch, warum der Engländer lieber bei seinem gammeligen Pfund geblieben ist.

    So kann man sich dann natürlich ne Zeit lang borniert als Exportweltmeister in Szene setzen, aber am Ende des Tages wird man davon weniger als nichts haben.
    Denn woher bitte soll denn das Geld kommen, wenn man darauf besteht, dass zB die Griechen weiterhin mehr importieren sollen, als exportieren?
    Abgesehen davon, dass man die Nachfrage effektiv versenkt, die eigenen Forderungen nicht das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt werden und sich die eigene Währung nicht mehr zum Handel nutzen läßt sehe ich keinerlei Effekte.

    Die ganze Dreckschmeisserei auf Griechenland ist mal wieder nichts anderes, als das uralte „Haltet den Dieb“-Spielchen, um von der eigenen Schuld abzulenken.

  27. 27

    @Marcus:
    Erst jetzt wurde artikuliert dass das Problem der Staatsverschuldung
    schon vor langer Zeit der EU hätte bekannt sein müssen!
    Wir können mittlerweile nicht anders als Greek zu unterstützen.
    Die Fehler wurden gemacht, sind aber leider nicht mehr reversibel.

    Herzlichen Dank
    an alle Regierungen,
    die sich Gyros satt darauf verlassen haben,
    dass es wie immer Halva als Dessert gibt.

    KALI OREXI

  28. 28
    philipp

    @rofl

    Ja, vielleicht war der Euro von Anfang an keine gute Idee. Oder man hätte vorsichtiger bei der Aufnahme sein müssen. Ohne könnte Griechenland seine Währung abwerten.

  29. 29
    mekong

    Europa hat versagt. Man hat die Griechen – aus welchen Gründen auch immer – einfach gewähren lassen. Und die haben – alle – eine Party gefeiert, als gäbe es kein Morgen. Offensichtlich ist Griechenland nicht reif für die EU. Aber in Brüssel ist man ja größenwahnsinnig und machtgeil geworden. Diese schnelle Erweiterung ist ein großer Fehler.

    Was Griechenland angeht, so wundert mich gar nichts. Ich gestehe, ich war ein großer Griechenland-Fan. Das Land war mir in Europa das liebste. Ich schätze, dass ich in den letzten 30 Jahren mindestens 25 mal in Griechenland war. Ich habe früher auch mit Griechen gearbeit. Die Griechen sind – meiner Erfahrung nach – schlitzohrig, träge und sie reden lieber als dass sie was tun. Nicht unsympathisch. Sie leben in den Tag hinein, nehmen was sie ohne große Anstrengung kriegen können, und lassen keine Feier aus. Ich habe mich unter Griechen immer wohl gefühlt. Griechenland selbst war eigentlich immer so etwas wie ein Schwellenland, ideal für anspruchlose Individualtouristen. Auf Kreta gab es immer genug Zimmer für 20 bis 25 Mark.

    Dann kam der Euro. Ca. 4 Jahre später war ich wieder als Individualreisender auf Kreta und habe nichts mehr wiedererkannt. Das Zimmer kostet jetzt mindestens 50 Euro. Jeder baute, hatte ein neues Auto oder Motorrad und an der abgelegensten Orten standen an den unmöglichsten Stellen Schilder „Hier wird mit Geldern der EU gebaut“. Dass da was nicht stimmte, mußte einem klar sein. Die haben die EU gnadenlos abgezockt und fast jeder hat davon profitiert. Jetzt kommt die Rechnung.

  30. 30
    Intersubjektiv

    „Die Griechen sind – meiner Erfahrung nach – schlitzohrig, träge und sie reden lieber als dass sie was tun. Nicht unsympathisch. Sie leben in den Tag hinein, nehmen was sie ohne große Anstrengung kriegen können, und lassen keine Feier aus. Ich habe mich unter Griechen immer wohl gefühlt.“

    Lass das nicht die Netzpolizei sehen.

    Mit Verlaub: LOL

  31. 31

    bißchen wie erinnert mich das ganze an die hatz, auf die noch vor wenigen wochen hierzulande geblasen wurde zur verfolgung der langzeitarbeitslosen.
    dann kam ww in die kritik: kümmert ihn als außenminister doch das ausland kein bißchen. statt dessen die bevölkerung ein bißchen gegeneinander aufbringen.
    häää? sagten ganz viele, das ist doch gar nicht sein job?
    hat der nicht das ausland?
    naja, jetzt gibts wieder ganz viel ausland und die im inland haben ruhe.
    so ist das eben mit den projektionen.
    das blöde dabei: es ist nicht immer so, das da alles stimmt was man glaubt wahrzunehmen, oder was einem in irgendeiner weise als wahr verkauft wird.
    die unglaubliche medienmechanerie bläst hie und da zum hallali, und dumm aus der wäsche guckt nur, wer nicht selbst fähig war sich umfassend zu informieren.
    das mit dem griechenland stand schon vor einiger zeit im handelsblatt mit der süffisanten notitz, dass deutschland einen boykott deutscher waren dort wegstecken könne wie nix- was sind schon die südländer!
    da hat es hier aber noch niemanden interessiert.
    fragt man sich: was treiben denn so die ökonomen den lieben langen tag?
    von ordentlicher arbeit, die ja wohl auch ein auge auf risiken haben müßte kannn da eher keine rede sein.
    jeder hartzer ist mit und in seinem tagwerk dagegen ein muster an sorgfalt!

  32. 32
  33. 33
    Johanna Altmeier

    Gibt es „den Griechen an sich“?
    Eigentlich werden die Leute die in Griechenland leben genauso von ihren PolitikerInnen verarscht wie die Deutschen, US- AmerikanInner, BritInnen, IsländInner und JapanInner (natürlich mit kleinen aber wichtigen Unterschieden ;-))
    Dass jetzt alle um den Euro bangen, find ich witzig: Ich wollte den Euro nie (er wurde uns versprochen als fälschungssicher- heute die Währung mit den meisten Fälschungen- und als inflationssicher ).
    Schon vor 9 Jahren, als ich den ersten Euro dann in der Hand hielt: „Ob ich das glauben kann?“
    Vermutlich kann Europa als Tummelspielplatz von LobbyistInnen, BänkerInnen, loggorrhöischen PolitikerInnen und SpekulantInnen nicht funktionieren, weil der Neoliberalismus als systemischer Denkfehler ein funktionierendes Europa gar nicht aufbauen kann-

    ich würde mich schön bedanken, wenn Fehlentscheidungen der Politiker mich dazu verpflichten würden, diese zu bezahlen (ach ja, Hartz IV und Gesundheitsreform und Rentenkürzungen etc. hier in Deutschland. Was ist aus unserem schönen Sozialstaat geworden, für den Generationen von Menschen seit 1900 gekämpft haben).
    Danke, liebe Regierungen!
    Ich denke, Solidarität mit den griechischen (isländischen, spanischen, britischen…) ArbeiterInnen wäre eher angebracht, als nationalistisches Polemisieren.
    Hier geht es nicht „um den Griechen an sich“, sondern wie können die Reichen (noch mehr) an den Armen verdienen?
    Früher oder später, scheibchenweise, geht es uns allen an den Kragen.

  34. 34
    rofl

    Bei Leuten wie mekong merkt man, dass der heutige Bildleser der Satire schon immer um einige Schritte voraus ist:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=5421#h16

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