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Regulating the Rich!


40 US-Milliardäre spenden mindestens die Hälfte ihres Vermögens. Alle Nachrichtenportale der Welt machen Klickstrecken aus ihren Porträtfotos, um ihnen angemessen zu huldigen. Denn sie haben ja „ehrenhafte gesellschaftspolitische Beweggründe“. Das mag ja sein, aber wie kommen die USA dazu, auf die Launen ihrer reichsten Mitbürger angewiesen zu sein? Und was sagt das über den Zustand der Republik?

Die Republik spricht nicht, wenig zu diesem Thema jedenfalls. Es sind die Milliardäre, die gerade viel sprechen, und wahrscheinlich wären sie nicht Milliardäre geworden, wenn sie nicht sogar in ihrer Selbstlosigkeit einen Vorteil für sich sehen würden.

Ganz in diesem Sinne sagte Michael Bloomberg, 17.5 Milliarden Dollar schwer, er wolle einen Teil seines Vermögens spenden, weil er seinen Kindern nicht allzuviel Geld hinterlassen wolle. „Du willst ihnen nicht so viel Geld hinterlassen, dass es ihr Leben ruiniert. Du willst Kinder haben, die zurückschauen und sagen, ‚Yeah, meine Familie hat mir geholfen, aber ich hab es selber zu etwas gebracht‘.“

Ehrenhafte gesellschaftspolitische Beweggründe? Jedenfalls ist es eine große Geste. Eine Geste, die man sich leisten können muss, versteht sich. Es darf immerhin bezweifelt werden, dass die betreffenden Milliardäre sich deswegen in ihrer Lebensführung einschränken müssen. Eine Geste ist kein Opfer.

Philip Auerswald und Zoltan Acs sehen das vermutlich anders. Für sie definiert sich in dieser Geste ein Alleinstellungsmerkmal des amerikanischen Kapitalismus. Nicht nur das reine Unternehmertum generiere Wohlstand für Chef und Angestellte, schrieben sie vor einem Jahr im American Interest, sondern auch die philanthropische Einstellung eben jener Bosse: so wird der Wohlstand weiterverteilt, schafft Möglichkeiten, Wachstum und noch mehr Wohlstand, Möglichkeiten, Wachstum, unfassbar viel mehr Wohlstand, nochmal Möglichkeiten, Wachstum… Entschuldigung. Ich war im Leerlauf. Jedenfalls sei das die „innere Dynamik des amerikanischen Kapitalismus und die Quelle seines Reichtums“.

Und Bloomberg, New Yorks Bürgermeister, erklärt parallel dazu den Sinn von Philanthropie: „Making a difference in people’s lives – and seeing it with your own eyes – is perhaps the most satisfying thing you’ll ever do.“ Mag sein, für den Gebenden jedenfalls. Für den Nehmenden hingegen wäre es besser, man befähigte ihn, selbst Entscheidungen zu treffen. Unabhängig zu sein. Die Geschichte mit dem Hungernden, dem Fisch und der Angel, ihr wisst schon.

Aber die Herrschaft der Demokratie bleibt die Demokratie der Herrschenden. Tatsächlich braucht das Volk keine Almosen, sondern gute Jobs. Von denen gibt es immer weniger, der Stundenlohn ist am Sinken und wird das auch weiterhin tun, insbesondere am unteren Ende der Einkommensskala. Nicht zu sprechen von den 24 Millionen Arbeitslosen, deren Grundsicherung in den USA skandalös ist.

Eine ganz andere Frage ist, wie es sein kann, dass einzelne Personen ein solches Vermögen überhaupt anhäufen können. Wie und warum der Staat das zulassen soll. Warum die Einkünfte des obersten einen Prozent die letzten Jahre derart explodiert sind, um 281 Prozent seit 1979, während die Gehälter stagnieren und die soziale Grundsicherung für Arbeitslose sich seit 1970 real halbiert hat. Das wäre die viel interessantere Frage: warum die Staaten sich diese Frage nicht stellen. Am gleichen Tag, als die Pressemitteilung der 40 Milliardäre durch die Agenturen tickerte, sprach sich Secretary Geithner wieder einmal gegen eine Vermögenssteuer aus.

Ob dem Staat überhaupt mit diesen Spenden geholfen ist, ist nicht gewiss. 40 Milliarden Dollar verlieren die USA jährlich durch Steuererleichterungen nach Spenden. Obendrein verliert der Staat nicht nur Geld, sondern auch den Gestaltungsspielraum: denn natürlich befinden die Spender darüber, was mit ihrem Geld passieren soll. Und was nicht. Dem Staatshaushalt fehlt also erstens das Geld, und zweitens macht er sich auch noch überflüssig, weil auch die Entscheidungen anderswo getroffen werden.

Im Staat immerhin hätten die Bedürftigen die Chance, mitzuentscheiden, wohin das Geld soll. Das ist in einem solchen System von Philanthrokapitalismus nicht vorgesehen. Nicht zusammen mit den Armen werden Konzepte entwickelt, sondern über sie hinweg.

Deutsche Politiker haben sich durch die Bank skeptisch geäußert angesichts des Spendenexzesses der amerikanischen Milliardäre. Hier spricht die Republik noch. Und nein, hier spricht nicht der Neid auf diejenigen, die es geschafft haben; hier spricht das Selbstbewusstsein derjenigen, die noch etwas schaffen wollen.

30 Kommentare

  1. 01

    Ich stimme Dir grundsätzlich zu, was die Schieflage zwischen Staat und den einigen wenigen Milliardären angeht. Eine Auseinandersetzung damit muss jenseits der nervigen Neiddebatte geführt werden und darf ruhig kritisch hinterfragen, wie uneigennützig die Spendenorgie wirklich ist bzw. was sie über den Staat verrät, der sie unkritisch abnickt.

    Nur bringt das für mich auch eine (oft als neoliberal verschrieene) Frage auf: Wäre das Geld und der damit verknüpfte Handlungsspielraum beim Staat wirklich so viel besser aufgehoben? Mal abgesehen von moralischen, politischen oder philosophischen Konzepten, die natürlich immer im Sinn einer demokratische Verteilung von Ressourcen argumentieren würden, haben die Milliardäre sicherlich einen Vorsprung, was Effizienz angeht. Gerade durch die Konzentration des Geldes in einer Hand kann es wahrscheinlich wirkungsmächtig an Stellen eingesetzt werden (ich denke da bspw. an Social Business oder Stiftungen), die gegenüber staatlichen Programmen schneller und ökonomisch effektiver erscheinen.

    Unabhängig davon würde ich mir wünschen, dass die Milliardäre ihren Altruismus viel früher systematisieren, also ihre Konzerne und Investitionen nachhaltig und sozial verantwortungsvoll strukturieren und managen. Dazu sollten sie auch gesetzlich gezwungen werden, der Staat muss also den Altruismus als kapitalistische Grundhaltung einfordern, und nicht erst, wenn er im Nachhinein passiert, dankbar annehmen.

    Durch die Spendenorgie gewinnt man den Eindruck, dass sich einige wenige erst auf Kosten der großen Mehrheit bereichern, um dann mit großer Geste einen Teil ihres Reichtums in ein System zurück zu speisen, das durch seine immanenten Ungerechtigkeiten diesen Reichtum erst ermöglichte.

  2. 02
    Frédéric Valin

    @fk: Ich glaube nicht, dass Milliardäre einen Kompetenzvorsprung in ihnen fachfremden Gebieten haben. Beispiel: Buffet steht mit seiner Entwicklungshilfe ziemlich in der KRitik. Die sei sehr technologielastig. Kann man sich vom Prinzip her folgendermaßen vorstellen (sagen die Kritiker): Du stellst in irgendeinem Land Traktoren hin und lieferst für 24 Monate Benzin. Danach ist das Benzin alle, dem Traktor ist ein Keilriemen gerissen und der Sahel-Sand hat den Motor zerfressen. Und die Leute haben ihre lokale Wirtschaft umgestellt, zum Beispiel auf Monokultur, um über den Eigenbedarf zu produzieren. Nachhaltig geht anders

    Ganz abgesehen davon, ob die Kritik berechtigt ist oder nicht, ist es doch so: die Möglichkeit, in einer Stiftung reinzureden, sind viel geringer, als wenn das staatliche Entwicklungshilfe ist.

  3. 03
    kaldin

    Über die Kapitalismus-Philanthropie-Sache hat Oscar Wilde in seinem Aufsatz „The Soul of Man under Socialism“ einige interessante Gedanken geäußert.
    http://wilde.thefreelibrary.com/Soul-of-Man-under-Socialism

  4. 04

    @Frédéric: Da kann man natürlich trefflich drüber streiten: Hält man die GTZ jetzt für einen effizient arbeitenden Verein? Muss sie das überhaupt sein, schließlich hat sie demokratische Gene? Arbeiten privatwirtschaftliche Initiativen „besser“? Kann/darf man das überhaupt vergleichen?
    Wer da genau wie nachhaltig arbeitet, kann ich mangels Kenntnis von positiven/Negativen Beispielen nicht bewerten. Aber dass dieses „reinreden“ grundsätzlich wünschenswert ist, bezweifle ich eben mit Hinweis auf die Trägheit demokratischer Prozesse (im Vergleich zu usw. usf.). Mal ganz abgesehen von der natürlichen Anfälligkeit staatlicher Initiativen für Lobbyismus und Vetternwirtschaft.

    Will sagen: Ein Betrag X wird von staatlicher Hand nicht automatisch besser ausgegeben als von privater, nur weil ein demokratischer Prozess im Hintergrund steht. Und ich traue erfolgreichen Unternehmern grundsätzlich eher effizientes Wirtschaften zu als eine an mannigfaltige Interessen gebundene Bürokratie.

    Aber wie gesagt: Eigentlich müsste Altruismus schon viel früher greifen, in kapitalistischen Unternehmungen institutionalisiert und operationalisiert sein, von Staatswegen aus überprüft und in einer demokratischen Gesetzgebung verankert sein.

  5. 05
    rio

    @frederic: stimme dir da völlig zu – und ich wäre schon für eine einführung einer vermögenssteuer…und, in schöner populistischer tradition (s.o.): mehr restaurants! ;-)

    http://www.youtube.com/watch?v=gk3NKyUfuN0
    (eat the rich!)

  6. 06

    mhm, das ist ja alles schön und gut, aber ich vermisse schon, dass hier auch mal darauf eingegangen wird, dass es in den usa ein großes mißtrauen gegenüber den staat gibt und das deshalb vor allem viele leute, die es gar nicht treffen würde, gegen dinge wie vermögenssteuer etc sind. die haben an der stelle wie so oft einen ganz anderen blick auf den lauf der dinge als wir hier in europa.

    auch dein text macht es sich da mal wieder viel zu einfach frederic. denn es ist nicht so, dass der staat in den usa einfach tatenlos zuschaut. die leute wollen es zu großen teilen so: starkes individuum und einen staat, der sich nur um das nötigste kümmert und den einzelnen ansonsten in ruhe lässt. das ist für uns europäer natürlich ähnlich schwer nachzuvollziehen wie die einstellung vieler amis zu waffenbesitz, aber so ist das halt

  7. 07
    Frédéric Valin

    @fk: Das sind berechtigte Zweifel. Und Du hast natürlich recht, pro und contra-Beispiele lassen sich zuhauf finden, das ist wenig zielführend. Ein Beispiel, dass in meine Argumentation überhaupt nicht passt, wäre ja die Eden Foundation. (Nichts zu danken! ;) )

    Wenn wir den Rahmen etwas weiter spannen und mal weggehen von der Entwicklungshilfe, kann man denke ich sagen, dass die USA im Vergleich zu Europa die privatwirtschaftlichen Initiativen stärker unterstützt. Das heißt gleichzeitig eine Marginalisierung der Gewerkschaften, kaum soziale Sicherungsnetze, extreme Gehaltsunterschiede zwischen arm und reich.

    Wie kann man das verhindern? Eben die mannigfaltigen Interessen sind es, die zum Zuge kommen sollen. Das dauert sicher länger und ist weniger glorreich, aber es ist gerechter. Sich auf den Altruismus der Reichen zu verlassen ist imho blauäugig, außerdem ist es eine entwürdigende Entmündigung für den Rest der Gesellschaft.

  8. 08
    timo

    Auf die Frage ob der Staat mit dem Geld verantwortungsbewusster umgeht mag ich mal generell einwerfen, im gegensatz zu privaten Unternehmen ist die öffentliche Hand zu einer gewissen Transparenz verpflichtet bei ihren Ausgaben, ein Unternehmen wird den Teufel tun mit versenktem Geld an die Öffentlichkeit zu gehen.
    Daher halte ich die weit verbreitete Meinung der Staat würde Gelder eher verschwenden als Private dies tun für das Ergebnis einer getrübten Sichtweise.

  9. 09
    BenZol

    A Bit Off-Topic: Ich bin der Meinung, dass Theorien, auch gesellschaftspolitische oder philosophische, durch Experimente untersucht werden sollten. Wie wäre es daher mit einem kleinen Experiment? Nehmt Euch einen Hunderter und tauscht ihn meinetwegen in 50 Cent Münzen. Dann geht durch einen sozialen Brennpunkt in Eurer Stadt, um Gutes zu tun. Einfach mal, um ein Gefühl dafür zu kriegen. Wenn Ihr knapp bei Kasse seid, tut’s bestimmt auch ein Zehner. Dann kommt wieder hierher und diskutiert darüber.

  10. 10

    @Frédéric: Da kommen wir zusammen, denn wenn diese mannigfaltigen Interessen, die beim Thema Altruismus sicherlich konsensfähig zu bündeln sind, in Gesetze eingeschrieben werden, die Unternehmen zu gesellschaftlicher Verantwortung verpflichten, erübrigt sich die Diskussion um staatliche vs. private Initiativen. (Dass ich die europäischen Sicherungsmodelle der amerikanischen „Sozialpolitik“ natürlich bevorzugen würde, ist klar, aber spielt für mich auf einer anderen Ebene.)

    Ich meine dabei nicht die PR-schwangere Corporate Social Responsibility o.ä., sondern eindeutige, demokratisch-legislative Auflagen für Unternehmen, implizit nachhaltig (ökologisch/sozial/ökonomisch) zu wirtschaften, vom Start-Up bis zum milliardärsgeführten Konzern.

    @Timo: Transparenz ist so ein schwammiger Begriff… wer sich mal antut, bspw. öffentlich vergebene Forschungsgelder auf ihre sinnvolle/effiziente/gemeinnützige Verwendung nachzuverfolgen, sieht vor lauter Transparenz den Sinn nicht mehr. Ähnlich staatliche Entwicklungshilfe. Da wäre ich immer vorsichtig, und auch hier fällt mir die Frage ein: Ist eine Transparenz vor 80 Millionen (überwiegend desinteressierter) Bürger oder eine vor einer kleineren Gruppe von interessierten Aktionären effektiver? Auch hier entscheidet wohl der Einzelfall, ich wehre mich deswegen gegen die Pauschalisierung von „Staat mit Geld gut“ vs. „Privat mit Geld nicht so gut“.

  11. 11
    Johannes

    Okay, ich habe dazu folgende Punkte:

    1. Ich vermute mal ins Blaue hinein, dass es dabei weder um Philantropie noch um Altruismus geht. Meiner Meinung nach ist das ganz einfach ne PR-Kampgange. Die Message ist klar: Ohne uns Milliardäre würden selbst die starken USA am Stock gehen. Ein Hoch also auf das freie Unternehmertum!

    2. »… natürlich befinden die Spender darüber, was mit ihrem Geld passieren soll« Nette Sache für den Staat, Budget-Hilfe auch mal als Nehmer zu erleben.

    3. Ob nun Private effizienter sind in der Verwendung der Mittel, ob der Staat anfälliger ist für Korruption – allein, das Regierungssystem der USA ist eine (präsidentielle) Demokratie, dessen Organe direkt oder indirekt vom Volk legitimiert sind. Demzufolge ist der Staat die einzige Körperschaft, die für sich zumindest in Anspruch nehmen kann, im gesamtgesellschaftlichen Interesse zu handeln. Ergo sollte der Staat auch die Stelle sein, die über die Verwendung solcher Summen entscheidet. Dessen ungeachtet waren private Spenden ja noch nie verboten, egal an welchen Empfänger, solange dieser nur die freiheitlich-demokratische Grundordnung achtet. Deshalb ist aber z.B. die ganze NGO-Geschichte auch ein so heikles Kapitel.

    4. @fk (1): »Durch die Spendenorgie gewinnt man den Eindruck, dass sich einige wenige erst auf Kosten der großen Mehrheit bereichern, um dann mit großer Geste einen Teil ihres Reichtums in ein System zurück zu speisen …« Ich glaub auch, dass es sich bei solchen Beträgen um eine ganze Menge ›dreckiges Geld‹ handelt.

    5. @Frédéric Valin (2): »Es darf immerhin bezweifelt werden, dass die betreffenden Milliardäre sich deswegen in ihrer Lebensführung einschränken müssen. Eine Geste ist kein Opfer.« Gut, dass Du das gebracht hast. Muss ja auch nicht sein. Aber sonst hätte ich nämlich das hier gebracht:
    »41 Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel.
    42 Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein.
    43 Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern.
    44 Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.« (Mk 12. 41-44)

  12. 12
    TJ

    Haben die Bedürftigen „im Staat“ tatsächlich die Möglichkeit mitzuentscheiden?

  13. 13
    Frédéric Valin

    @TJ: Klar. Durch Wahlen, durch Bürgerinitiativen, durch Forderungen an ihre Abgeordneten. Weniger als Leute mit Geld, das ja, aber immerhin doch ein paar Möglichkeiten.

  14. 14

    Mal offtopic: Freval, musst du hier unbedingt ein unskaliertes 1,4MB-Bild (rich.jpg) einbetten? Spreeblick ist so schon unfreundlich genug für Smartfon-Browser.

  15. 15
    Frédéric Valin

    @erlehmann: Oops, sorry. Korrigiert.

  16. 16
    David

    Ich vertrete die stark polarisierende These dass der American Way of Life eure sicherlich interessanten und erstrebenswerten Modelle gar nicht vorsieht. „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ ist doch immer noch in aller Munde. So wird mit der Illusion jeder könne es schaffen eine Hoffnung erzeugt, die hierzulande nur schwer vorstellbar ist. Meiner Ansicht nach nichts grundsätzlich Schlechtes, denn es sorgt dafür dass sich der Einzelne mehr selbstverantwortlich für Erfolg oder Niederlage sieht und nicht immer den Staat als Schuldigen für die eigene Misere sieht…

  17. 17

    Die Bürger, die jetzt von dem Spendengeld profitieren, sind nicht die, die in den USA wählen dürfen. Denen bringt es auch nichts, wenn die USA mehr Steuern einnehmen, denn die leisten (wie alle anderen Staaten) nicht mal die versprochene Hilfe (Stichwort MDG). Das Geld fließt durch die Spenden aus reichen Staaten in arme Staaten. Dass in der Entwicklungshilfe Fehler gemacht werden – geschenkt. Und auch, dass die USA eigene Probleme und eigene Armut hat, ist richtig. Aber amerikanische Arme sind nicht die besseren Armen, andere brauchen das Geld ebenfalls dringend, in der Regel eher dringender.

    Und ja: ich finde auch, dass wir höhere Steuern brauchen, bspw. auch auf Erbschaften etc. Aber bis das nicht so ist, ist es mir lieber, dass die das Geld spenden, als es einfach immer weiter zu vererben und soziale Mobilität vollständig verhindern.

  18. 18
  19. 19
    msy

    Natürlich,… Steuern auf Erbschaften. Ach die bösen Erben. Simple typisch linke Denkweise .
    Vieleicht sollten wir viel mehr Steuern auf den Verbrauch von Energie, egal welcher Art, erheben, denn damit lässt sich die Anhäufung, von auf energieverbrauchenden Wohlstand, besser regulieren und die damit verbunden Altlasten besser in den Griff bekommen.
    Außerdem ist Energie viel zu billig.
    Aber ich schweife schon wieder ab.
    Gruß micha

  20. 20
    timo

    @fk: Mir ging es nur darum zu sagen, dass der Staat es nicht zwangsläufig schlechter macht.
    Ansetzen würd ich auch schon wesentlich früher als Staat und es erst gar nicht zu derartigen Vermögensverhältnissen kommen lassen.
    Die Spitzensteuersätze vor Ronald Reagan, das wäre eher mein Ding.
    Aber redet man darüber, dann kann man sich eigentlich direkt mit der Neidkeule selber totschlagen. =)
    Das Problem im System ist ja die erste Millionen zu verdienen, die im Vergleich zur zweiten undendlich schwer zu erreichen ist.
    Insofern gehört ein Bloomberg auch totgeschlagen für den Satz „Du willst ihnen nicht so viel Geld hinterlassen, dass es ihr Leben ruiniert. Du willst Kinder haben, die zurückschauen und sagen, ‘Yeah, meine Familie hat mir geholfen, aber ich hab es selber zu etwas gebracht’.“
    Ähnliches hat auch mal Bill Gates gesagt, da sollten es bescheidene 20 Millionen sein für die Tochter. :-)
    Alles natürlich unter den gegeben Umständen deren gutes Recht, andererseits ist ja genau dies das Problem im System.

  21. 21
    peter

    @msy:
    Erbschaftssteuer linke Denkweise? Böse Erben?
    Auf den nach wenigen Jahrzehnten angewachsenen Geld- & Finanzadel und der damit einhergehenden Plutokratie fürchte ich mich heute schon!

    Höhere Steuern für Erbschaften + Schenkungen!

  22. 22

    @David: The American Dream. Das letzte lebende Exempel, das sich vom Tellerwäscher zum Millionär hochgearbeitet hat, starb vermutlich so um 1950. Warum überhaupt noch jemand dieses Märchen glaubt, weiß allein Hollywood. Sogar Europa ist sozial durchlässiger als die USA, und das will schon was heißen.

    @Gregor: Teils, teils. Nicht alles Geld geht in die Entwicklungshilfe. Selbst wenn dem so wäre: Mehr Geld ist nicht das Allheilmittel. Mich würde da mal eine genaue Inspizierung insbesondere von Buffets Initiativen interessieren, aber so lange alle Welt damit beschäftigt ist, die Herren zu feiern, muss ich eben noch warten.

  23. 23

    @Frédéric Valin: ach sicher? du bist dir da sooo sicher? zugegeben, es enspricht nicht ganz dem klischee, aber die familie von sergey brin ist, als er 6 war, aus russland in die usa emmigriert. heute ist er 17,5 milliarden $ schwer .x

  24. 24

    und ist bestimmt kein einzelfall, möchte ich mal schnell noch hinzufügen.

  25. 25

    @Marcel: Natürlich sind das Einzelfälle. In einem Jahr schaffen das 500 Leute. Und das bei 3 Millionen Millionären in den USA, macht im Schnitt 0,00017 Prozent.

  26. 26
    RLU

    Na dann, die Botschaft ist klar: Superreichtum wollen wir nicht! Leider fällt mir keine Wirtschaftsordnung ein die das verbietet und gleichzeitig nicht überreglementierend in die Märkte eingreift. Nur weil unser Bauchgefühl sagt, dass das unfair ist können wir nicht Hals-über-Kopf Erbschaften und Vermögen besteuern und die dadurch gesetzten Anreize missachten. Im Ergebnis hätten wir zwar keine Superreiche, dafür aber auch insgesamt weniger Wohlstand.

    Im Übrigen verstehe ich das Besteuerungsargument überhaupt nicht. Wenn 40 Mrd. Dollar Steuern in den USA weniger gezahlt werden, dafür aber 220 Mrd. Dollar aus Privatvermögen für gemeinnützige Zwecke verwendet werden haben jedenfalls die Spender nichts davon. PR bekommt man auch günstiger.

    Warum das Geld – z.B. verdient mit Microsoft – dreckiger als anderes sein soll verstehe ich ebenfalls nicht. Weil es soviel ist?

  27. 27

    @Frédéric Valin: das mag sein, aber deswegen heisst es auch amerikanischer _traum_ und nicht amerikanisches _gesetz_ . es ist allerdings möglich und weniger eine utopie als die vollbeschäftigung in deutschland.

    schau, ich versteh die punkte, die du oben anführst, und als vernunftbegabten, europäisch geprägten menschen leuchtet mir das auch alles ein, aber du kannst den fakt, dass philantropismus ein integraler bestandteil des american way of life ist, nicht einfach so wegwischen.

    allerdings finde ich auch, dass vielmehr darauf geschaut werden sollte, was wirklich mit dem geld geschieht, wo es investiert wird. das soviel gespendet wird ist aber eher typisch amerikanisch.

  28. 28
    peter

    @RLU:
    >Na dann, die Botschaft ist klar: Superreichtum wollen wir nicht! Leider >fällt mir keine Wirtschaftsordnung ein die das verbietet und gleichzeitig >nicht überreglementierend in die Märkte eingreift.

    Soziale Marktwirtschaft und Transferleistungen können dies erreichen auch ohne das in die Märkte eingegriffen wird. Schließlich kann der Staat in das Vermögen der Bürger eingreifen.

    >Nur weil unser Bauchgefühl sagt, dass das unfair ist können wir nicht >Hals-über-Kopf Erbschaften und Vermögen besteuern und die dadurch >gesetzten Anreize missachten.

    Die neue Trendsportart der Neoliberalen heißt wohl den Menschen die sich einen starken Sozialstaat wünschen Neid zu unterstellen. Aber hier geht es nicht um Neid, hier geht es ums überleben des Wirtschaftssystems und der gesellschaftlichen Stabilität.

    >Im Ergebnis hätten wir zwar keine Superreiche, dafür aber auch >insgesamt weniger Wohlstand.

    Das ist grundsätzlich falsch, ich erkenne keine Logik warum Superreiche zu mehr Wohlstand führen sollten. Die massive Anhäufung von brachliegendem Kapital schadet dem Kapitalismus selbst. Geld darf sich nicht sammeln und verdichten es muss breit gestreut sein, damit sich der Wohlstand aller erhöht.

    >Warum das Geld – z.B. verdient mit Microsoft – dreckiger als anderes >sein soll verstehe ich ebenfalls nicht. Weil es soviel ist?

    Ein Monopolunternehmen hier heranzuziehen ist leider ein schlechtes Beispiel und Geld, das mit dreckigen Geschäften verdient wird gibt es zuhauf. Siehe BP.

  29. 29
    timo

    @RLU: Komm, lass stecken den Käse. Echt.

    Es ist sowas von Belegt, dass seit den Senkungen der Spitzensteuersätze die Verteilung des Wohlstandes sehr sehr asymetrisch von statten geht.
    Im Mittel mehr, für die Mehrheit weniger.
    Braucht man sich nur die Vermögensverhältnisse seit den 70ern anzuschauen.

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