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Jugendmedienschutz und Spaß dabei?

Verbote sind nicht sexy. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, muss man keinerlei Expertise aufweisen, sondern lediglich schon einmal selbst eins auf die Finger bekommen haben, weil jemand es gut mit einem meinte. Aber ist es eigentlich möglich, das doch eher leidige Thema vom Jugendmedienschutz so aufzubereiten, dass Kindern verständlich wird, weshalb gewisse Restriktionen gut für sie sind, da sie sich mit dem Spielen auch Risiken aussetzen, die nicht immer im ersten Moment erkennbar sind? Ich bin der Meinung: ja. Eine Veranstaltung wie die gamescom bietet zudem eigentlich den perfekten Rahmen hierfür und hat mit der gamesCompetence sogar einen eigenen Bereich eingerichtet, „der sich explizit an Eltern, Lehrer und Pädagogen richtet“.

Hm. Moment mal… auch nicht schlecht, aber ist eine Trennung nicht Quatsch, wenn es um gegenseitiges Verständnis geht? Was ist mit Workshops? Gemeinsamen Spielerfahrungen, um Hemmschwellen abzubauen? Auftritte wie der von GameParents.de e.V. bilden hier mit ihren integrativen Ansätzen leider doch die Ausnahme denn die Regel – hier bietet man immerhin sogenannte Eltern-LAN’s an, auf denen die Erziehungsberechtigten selbst mal ordentlich zocken können und somit erfahren, was ihre Kinder daran überhaupt so sehr begeistert.

Der Rest des gamesCompetence-Bereichs fühlt sich schlicht nach zu vielen erhobenen Zeigefingern in gedruckter Form an. Man kriegt für fast jedes Wehwehchen eine Broschüre in die Hand gedrückt, kann natürlich jederzeit Fragen stellen (zu denen der jeweilige Experte dann dummerweise meist nicht greifbar ist, weshalb eine E-Mail an die entsprechende Stelle aber total super wäre) und soll deswegen am Ende nur nicht behaupten können, man wäre uninformiert gewesen. Doch mal ehrlich, wer liest sich das denn alles durch? Kids, die mit dem Netz aufgewachsen sind und deren Aufmerksamkeitswillen verständlicherweise auf die durchschnittliche Länge eines YouTubeVideos beschränkt ist? Ach, für die war das ja ohnehin nicht gedacht. Nun, dann sollen also Eltern und Pädagogen jene Informationsflut bewältigen, die nach dem Motto „viel hilft viel“ erstellt wurde? Ich vertraue nach diesem traurigen Anblick eher darauf, dass noch mehr Gamergenerationen schließlich Eltern werden und aus der eigenen Erfahrung heraus keine Berührungsängste mit dem Thema Spielen aufweisen, um nicht zu sagen: Medienkompetenz. Denen fällt dann bestimmt auch ein spielerischer Umgang mit diesem elendig trockenen Thema ein.

8 Kommentare

  1. 01

    Ich kann die Kritik nicht ganz nachvollziehen, wir haben am Donnerstag auf und vor der Bühne mit dem „Jugendschutztalk vor Ort“ gezeigt, dass man das Thema Jugendschutz auch in einer Talkrunde unterhaltsam diskutieren kann. Und das beweisen wir bei jedem Talk, nicht umsonst sind wir eine der größten bundesweiten Projekte. Kaum eine andere Aktion hat so viele Talkgäste gehabt.

  2. 02
    Anne Wizorek

    @Gerald Jörns: Dann mögt ihr damit ebenfalls zu den Ausnahmen zählen, was natürlich schön zu hören ist. :) Allerdings habe ich keinen eurer Talks gesehen und kann sie deswegen auch nicht beurteilen.

    Wir haben sogar an einer der angebotenen Führungen teilgenommen und wurden leider ausschließlich mit Broschüren überschüttet, selbst wenn man zu den einzelnen Ständen ging. Mir fehlte da bei den meisten Angeboten der Willen zur Kommunikation und damit echten Aufklärung/Prävention.

  3. 03

    Kinder werden Jugendschutz niemals begreifen, da diese Restriktionen immer Verallgemeinerungen sind, die durch die unterschiedliche Entwicklung von Kindern nicht standardmäßig greifen. Jugendschutz in Bezug auf Medien sollte daher meiner Meinung nach auch eher Elternbewusstsein heißen.

    Welchen Risiken setzen sich Kinder aus, wenn sie Spiele spielen?

    Beim Rest des Artikels stimme ich dir zu. Ich habe große Probleme mit der Herangehensweise des Informationsmaterials bei der Vorstellung von Spielen als neues Medium. Viele Broschüren fühlen sich einfach überfüllt an und man hat als Spieler immer auch das Gefühl, von Befürwortern und Gegnern psychologisch auseinandergenommen zu werden, damit sie ihre Motive rechtfertigen können. Spiele sollte man einfach wie Bücher, Musik und Filme als Teil der modernen Kultur akzeptieren und die gleichen Prinzipien wie immer anwenden, fertig.

  4. 04

    Liebe Anne,

    ich weiss nicht wieviel Publikationen über fehlende „Medienkompetenz“
    in Zusammenhang mit Erziehung publiziert wurden.
    Bin mir aber sehr sicher, dass die eigentlichen ‚Problemfälle‘ keinerlei
    Interesse haben sich mit dem Thema zu beschäftigen.

    Viele Eltern setzen ihre Sprösslinge vor den Fernseher aus. Die kleinen
    unfertigen Menschen (klicken) drücken sich durch das Programmangebot.
    Schon da schauen nur die wenigsten darauf, welche Sender aufgerufen, u.
    welche Beiträge gesehen/konsumiert werden.

    Mein ja nur
    PiPi

  5. 05
    Anne Wizorek

    @Henry: Im Grunde sollte das nur ausdrücken, dass es wie bei allen anderen Dingen auch ist: nur gut – gibt’s nicht. Man kann sich schließlich sogar eine Überdosis Vitamin C holen. ;) Hier war keineswegs impliziert, dass ich Spielen generell im Kontext negativer Einflüssen sehe. Was die notwendige individuelle Umgangsweise von der Seite der Eltern/Familie angeht, stimme ich dir auf jeden Fall ebenso zu.

    @PiPi: Den Informationswillen der Erziehungsberechtigten vorausgesetzt, klar. Dass man nicht alle erreichen kann, macht natürlich auch hier keine Ausnahme. Ich bin nur der Meinung, dass die Erfolgsquote generell anders aussähe, würden viel mehr integrative und einfach praktische Ansätze verfolgt, als ständig mit irgendwelchen abgedruckten Studien umher zu wedeln. Ich bin jetzt kein Medienpädagoge, würde aber schon meinen, dass sich Medienkompetenz auch nur im direkten Umgang damit entwickeln lässt.

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