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Tunesday – Architecture in Helsinki, Battles, Ja, Panik

Was lagen wir nach all dem Rumgekonferenze trocken. Der Soundtrack für die Rückblickfilme war unser Methadon, aber da bleibt man nicht lange drauf. Fliegendes Spaghetti Monster sei Dank sind unsere Postfächer, Feeds und Tweets in der Woche Quasi-Abwesenheit ordentlich mit neuen Veröffentlichungen aufgefüllt worden. Schließen sie’s mir gleich an die Venen an!

Architecture in HelsinkiMoment Bends
MetronomyThe English Riviera
BurialStreet Halo EP
Ja, PanikDMD KIU LIDT
BattlesGloss Drop
MemphisHere Comes A City

Architecture in Helsinki
Moment Bends
Permanentes Herzrasen verursacht das jüngste Werk von AIH nun vielleicht nicht, aber einen kleinen Frühlingsflirt ist es immerhin wert und beweist vor allem mit seiner teils leiseren Gangart eine für mich erfreuliche neue Stärke der Melbourner. Auch das schon gut zwei Jahre alte Ohrwürmchen „That Beep“ zeigt sich weiterhin taufrisch als auch tanztauglich und „Moment Bends“ qualifiziert sich zur gekonnten Bauchpinselung des sonnigen Gemüts. [Anne]

I know deep down bei Hype Machine
♺ 08.04.2011
Amazon & iTunes

Metronomy
The English Riviera
Huch, welches Sedativum hat man denn hier verabreicht? Ich kenne Metronomy ja eher als kurz vor der Explosion stehende Live-Band, auf deren Leucht-Outfits ich sehr neidisch bin. Doch „The English Riviera“ hat nunmehr tatsächlich etwas von einem höchst entspannten Spaziergang am Strand, Sand zwischen den Zehen, sanft kreischenden Möwen über dem Kopf, einem Schokoladeneis in der Hand… Äh, wo war ich? Ach ja: Schöner Schunkeln mit Metronomy! (Subtext: Ich brauche Urlaub.) Keine Frage, „The Look“ ist der „Hit“ des Albums – muss dabei eigentlich noch jemand außer mir immer an „Toop Toop“ denken? – was ob des Soundwechsels zur Steely-Dan-Langsamkeit des Seins schon wieder angenehm irritiert. Das ganze Album kann damit mehr, als man es anfangs ahnt – im Gedächtnis bleibt am Ende jedoch der herrliche Strandspaziergang hängen. [Anne]

„Corinne“ bei Hype Machine
♺ 15.04.2011
Amazon & iTunes

Burial
Street Halo EP
Wer eine musikgeschmackssichere Timeline auf Twitter sein Eigen nennt, dem dürfte Ende März ein ehrfürchtiges Raunen durch selbige geflattert sein, nachdem das anbetungswürdige Label Hyperdub die Veröffentlichung von „Street Halo“ angekündigt hatte. 2007. „Untrue“. Nuff said.

Und kurzum: Burial ist endlichendlichendlich zurück und hat uns wieder Gänsehaut in Klangformen zusammengezaubert, die der wunderbar düstersten Ecke des Himmels entsprungen scheinen. Bass bis direkt ins Herz. Diese verdammten Genies aber auch immer! [Anne]

„Street Halo“ bei Hype Machine und Reinhören in alle Songs bei Hyperdub
♺ 28.03.2011
Bei Hyperdub kaufen

Ja, Panik
DMD KIU LIDT
Dem schnelle Satisfaktionsuchenden wird das neue Ja, Panik-Album keinen Gefallen tun. Und das obwohl es uns Sänger und Texter Andreas Spechtl leicht macht Anschluss zu finden. DMD KIU LIDT ist auf textlicher und musikalischer Ebene durchzogen von bekannten Ja, Panik-Versatzstücken. Das führt dazu, dass man sich in den neuen Songs auf Anhieb angenehm zu Hause fühlt, ohne sie dabei jedoch sofort komplett er- und umfassen zu können.

Es ist dieser Widerspruch, der wahrscheinlich auch die Ja, Panik-Rezipienten dermaßen spaltet. Dieses konkrete Winden im Unkonkreten, des Fremden im Bekannten, des Apolitischen im Politischen, des Lust- und Eigenschaftslosen Protago- und Aktionisten. Robert Musilschen Ausmaße nimmt auch die Welt dieses Nicht-Handlungsreisenden an. Allein der titelgebende Track Dmd Kiu Lidt umrundet in beinahe 15 Minuten mehrmals die Welt ohne wirklich raus zu kommen und zeichnet aus dem Persönlichen heraus ein umfassendes Gegenwartsgemälde so ziemlich aller Diskurse, die uns gerade umtreiben. Das muss ich mir jetzt noch ein paar Mal anhören. [Nico]

♫ Die Single „Trouble“ als Download (Rechtsklick)
♺ 15.04.2011
Amazon & iTunes

Battles
Gloss Drop
Was mich an Gloss Drop total irritiert, ist der erste Song. Der ist nämlich gut und rund. Aber alles was danach kommt, hat sich leider unendlich in den rosafarbenen Hirnmassen von John Stanier verheddert. Ja, ja, ich weiß. Der Mann ist ein Arbeitstier. Eine Legende und so. Einer, der wenigstens mal ernst nimmt, was er da tut. Pah! Der ist nix anderes als ein Rainman mit Hi-Hat, sag ich! Ein guter Freund wollte mir nach dem Berliner Konzert (auf dem „Mirrored“ quasi komplett ignoriert wurde) erklären, dass das Musik auf einer höheren Ebene sei. Endlich wieder eine Band, die das alles mal intelligent angeht. Klar. So verkaufe ich das auch immer, wenn ich mich mal wieder im eigenen Kopf verlaufen habe. Aber ach, ich weiß eigentlich gar nicht, wieso ich so beleidigt bin. Wenn man jetzt noch mal „Mirrored“ hört, wird einem im Grunde schnell klar, dass danach eigentlich nur zwei Entwicklugsrichtungen möglich waren. Richtung Kopf oder Richtung Herz. Schade ums Herz. [Philipp]

Ice Cream (Featuring Matias Aguayo) bei Soundcloud
♺ 6.6.2011
Amazon & iTunes

Memphis
Here Comes A City
Zugegeben, das letzte Stars Album liegt noch nicht mal ein ganzes Jahr zurück. Aber mal angenommen, man wäre trotzdem schon wieder völlig ausgehungert und zehre sich nach einer frischen Dosis Wunderpop, dann käme einem „Here Comes A City“ genau richtig. Ja, es ist eigentlich extrem Unfair, von dieser Seite an Memphis heranzugehen, und ich meine das eigentlich auch alles gar nicht böse, aber mit ihrem dritten Werk hat das Herrenduo, bestehend aus Stars-Sänger und -Schreiber Torquil Campbell und seinem Kumpel Chris Dumont, ein Album veröffentlicht, dessen Grundstimmung ich mehr als je zuvor einfach nur als „die Stars kurz nach dem Mittagsschlaf“ bezeichnen würde. [Philipp]

Albumstream bei SoundCloud
♺ 08.03.2011
Amazon & iTunes

Tunesday around the clock!

14 Kommentare

  1. 01

    Zunächst las ich: Moment, Bernds.

  2. 02
    jo.

    du, philipp, du hast beim battles-schlagzeuger im nachnamen ’n‘ und ‚i‘ vertauscht. (ich bin nebenbei auch immer noch der meinung, dass mirrored viel mehr kopf war, als der quatsch da neulich.)

  3. 03
    Philipp Jahner

    @jo.: Oh, vielen Dank. (Ich fand Mirrored singletechnisch allerdings schon etwas brauchbarer.)

  4. 04
    stan

    Hmm, wenn ich Kritik anmelden darf: Bei keiner der Rezensionen würde ich aus dem Text erkennen können, um *was* für eine Art von Musik es sich dabei handelt- Das finde ich schade, weil ich immer gern Neues entdecke (und mich dazu nicht eingeladen fühle). Klar ist’s auch schön auf neue Werke bekannter Künstler_Innen aufmerksam zu werden… aber, naja, irgendwie nicht alles.

  5. 05
    Anne Wizorek

    @stan: Darfst du natürlich. Aber genau, um den entsprechenden Audio-Eindruck zu vermitteln, verlinken wir ja auch die diversen Hörbeispiele innerhalb des Texts und noch mal darunter. Oder weshalb würdest du sagen, laden diese nicht zum Entdecken ein?

    Ich glaube jedenfalls, dass ich für alle spreche, wenn ich sage dass es uns fern liegt, hier nur wieder Musikzeitschriften-Schubladen à la „klingt nach Post-Pop-Rock-Funk-Step“ aufzumachen – da lassen wir halt eben lieber die Musik für sich sprechen. :)

  6. 06
    Nico Roicke

    @stan: vom format her sind das was wir da oben machen eher kurzbesprechungen. klar passt da nicht alles rein und ist es für uns verlockend nicht klassische reviews zu schreiben. da bleibt immer einiges auf der strecke.
    ich bin mit der spex groß geworden, da war man damals froh überhaupt irgendeinen bezug verstanden zu haben.

    tatsächlich können wir aber mal überlegen, wie wir soundbeispiele besser einbinden. gruss!

  7. 07
    stan

    @anne.

    Das stimmt natürlich. In all den unzähligen „finde ich gut“-Rezensionen des Internets wären mir ein paar „klingt wie“ allerdings trotzdem eine Hilfe (und würde die Motivation dann auch den Audiolink zu klicken erhöhen). So ganz ohne liest sich das für mich manchmal wie ein Klappentext auf einem Buchrücken: irgendwie OK aber oft auch nichtssagend.

  8. 08
    Sebi

    In das Metronomy Album habe ich mich soeben verliebt; die waren sonst nie so mein Ding. Tolle Atmosphäre, ich bin dann mal weg für nen Kurzurlaub vor der Tür.

  9. 09
    Anne Wizorek

    @Sebi: Klasse. Bring mir ein Eis mit! :)

  10. 10

    Nicht dass ich nicht sowieso auf die Beispiele klicke, aber ein kleines Vergleichchen darf meines Erachtens gerne sein. Wenn unvergleichbar, dann eben nicht. :)

  11. 11
    Martin

    Bitte keine Vergleiche. Das schränkt den Genuss ein. Euer Tunesday ist eine wundervolle Pralinenschachtel, ich beiße lieber rein ohne vorher den Beipackzettel zu studieren.

  12. 12
    jo.

    @Philipp Jahner: definitiv brauchbarer. aber das schließt jetzt nach meiner definition auch den kopf nicht aus.

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