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Fußball-WM 2011 – Vorrunde

Das wunderbare an dieser WM: keine Erwartung wird erfüllt, keine Voraussage hat Bestand, der Fußball zeigt sich von seiner uneinnehmbarsten, sprödesten Seite. Bajramaj das Gesicht der WM? Potenzierter Nutella-Fluch. Die schöne Seite des Fußballs? Blutgrätsche Nigeria. Torreiche, aber abwechslungsarme Spiele? Knappe Ergebnisse und 2,5 Tore pro Spiel, nix mit 60er Jahre Männerfußball. Da klingelt bei mir am Tag häufiger die Post an der Tür. Und als man dachte, die deutsche Nationalmannschaft versteife sich endgültig darauf, Pässe in die Spitze ausschließlich von Nadine Angerer spielen zu lassen, legen sie gegen Frankreich ein Feuerwerk hin, dass zum ersten Mal seit Anpfiff dieser WM die Laola-Welle im Publikum eine Berechtigung hatte.

A propos Laola-Welle. Ich saß in Sinsheim, als ich zum ersten Mal dachte, das ist der falsche Film, das muss eine Art Satire auf Wetten, dass sein. Noch vor dem Anpfiff, kaum dass die Spielerinnen auf dem Rasen waren, rollte die erste Welle durchs Stadion, wahrscheinlich, weil das Gras so schön grün war. Oder die Sonne schien. Auszuschließen ist, dass das feierwütige Publikum wegen des Stadions derart ausgetickt ist: weil man dort die Gegengerade fast vollständig mit Logen zugepflastert hat, fühlt man sich auf der Haupttribüne, als säße man vor einem modernen Kaufhausbau.

Nun mag man es gruselig finden oder nicht, wenn sich tausende Leute völlig anlasslos zusammen austicken, weil sie bei irgendeinem „geilen Zeug“ (Mario Barth et al.) dabeisind: das ist Geschmackssache. Aber selbst ein Zombie versteht, dass Spieler verunsichert sind, wenn sie statt vor 50 Hanseln plötzlich vor einem gefüllten Stadion spielen, mit Fernsehkameras überall. Gar nicht erst zu sprechen von den absurd hohen Erwartungen vor der WM: sexy sein*, erfolgreich sein, feministisch sein, trotzdem das männliche Publikum ansprechen, bodenständig sein, aber auch Stars sein, Interviews geben und der Werbebranche zur Verfügung stehen, und vor allem: super Fußball spielen. „Weiblicher Zidane“, „weiblicher Pelé“, in neunzig Minuten Fußball hört man in den Öffentlich-Rechtlichen mehr schiefe Vergleiche als während der gesamten Sommerpause von CDU-Hinterbänklern.

Je mehr man von einem Spiel fordert, desto weniger gibt es oftmals her. Je mehr Spektakel man darum macht, desto weniger spektakulär wird es. Alles Drama oder Pseudodrama, das man drumherum veranstaltet, versuchen die Spieler auf dem Platz unter Kontrolle zu bekommen. Je mehr man das Spiel aufbrezelt, desto hässlicher wird es: Denn wer keine Erwartungen enttäuschen will, stellt sich hinten rein.

Das haben wir oft gesehen während dieser WM: dass auch hoch überlegene Mannschaften zurückhaltend und unsicher gespielt haben, als würden sie für jeden Fehlpass ausgelacht oder direkt verprügelt. Das war wie unerwünscht in einer Ecke des Schulhofs, als man vierzehn war. Nur kein Risiko, nur keine Mätzchen, wenn man nicht alles richtig machen kann, dann am besten nicht zu viel tun und soch brav zurückziehen. Das ist der Grund für die knappen Ergebnisse.

Denn es mag sein, dass die Leistungsunterschiede zwischen den Teams abgenommen haben, aber sie sind immer noch immens. Äquatorial-Guinea zum Beispiel kann keine Abseitsfalle stellen. Die Laufwege der Kolumbianerinnen im Angriff sahen aus wie von Paul Klee gemalt. Offensive Außenverteidiger sieht man bei höchstens drei Mannschaften, die meisten Viererketten stehen wie beim Appell auf einer Linie. Technische Defizite, politisch korrekt gesagt: sehr verschieden veranlagte Torhüterinnen. Und vor allem: immer noch große körperliche Unterschiede, keine sehr großen mehr, aber im Zweifel reichts (außer für Norwegen).

Die meisten Spiele werden über die Physis entschieden. Paradigmatisch dafür war das Spiel USA-Nordkorea, als die überlegene Spielanlage der Nordkoreanerinnen von den Amerikanerinnen am Ende in Grund und Boden gerannt wurde. Nur Frankreich (gegen Kanada) und Japan stemmten sich gegen die „Blut und Grätschen“-Philosophie. Frauenfußball sei wie Formel eins mit Safetycar, wurde da geunkt, und für diese WM stimmt das sogar.

Aber langsam, scheint es, emanzipieren sich die Spielerinnen von den völlig überzogenen Anforderungen. Gerade Deutschland hat ausgerechnet gegen die Französinnen einen großartigen, kombinationssicheren, überraschenden, wunderschönen Fußball gezeigt. Bei Brasilien bekommen immerhin die Stürmerinnen wieder Lust auf den Ball. Und Schweden gegen die USA war zwar keine überragende Partie, aber immerhin: es war intensiv und eng genug, man hatte immer das Gefühl, gleich passiert nochmal was.

Es gibt gute Gründe, dass das auch für diese WM insgesamt gilt: ab dem Viertelfinale passiert nochmal was.

*Da fällt mir auf: Ich habe noch von keiner ausspuckenden Spielerin eine Nahaufnahme gesehen. Bei Männern wird das sogar in Superzeitlupe gezeigt, aber offensichtlich haben Frauen keine Speicheldrüsen.


Eine Frage hätte ich noch:

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29 Kommentare

  1. 01

    Nicht nur dass es weniger Gespucke gab auch dieses unglaublich nervige Liegenbleiben bei jeder kleinsten Berührung, sodass der Gegner den Ball ins Aus spielt und so eine Nettospielzeit von gefühlt 20 Minuten bleibt, gibt es bei der Frauen-WM nicht. Angenehm.

    Ich hätte vorher nicht gedacht, dass ich fast jedes Spiel gucken würde. Dank Eurosport ist sogar der Kommentar erträglich und man verzichtet auf „Experten“ wie Mel C oder Franziska von Almsick.

    Was diese LaOla Epidemie angeht: Das ist wirklich fürchterlich. Aber so ist das im eventversessenen Deutschland, da spielt der Sport leider kaum eine Rolle.

  2. 02

    Also Deutschland hat gegen Frankreich definitiv keinen kombinationssicheren oder gar wunderschönen Fußball gezeigt. Es gab wie immer Fehlpässe ohne Ende und wenn mal wirklich ein Pass ankam, dann hatte das mehr mit Glück zu tun. Spannend war es aber trotzdem. Irgendwie.

  3. 03
    Rox

    Das Spiel Schweden gegen die USA eben fand ich richtig unterhaltsam.

    Mich irritiert nur, dass ausnahmslose keine Frau, die ich bisher auf die WM angesprochen habe auch das geringste Interesse gezeigt hat.

    Selbst die nicht, die zur Männer-WM total austicken vor Begeisterung.

  4. 04
    lars@

    @Thomas: Ich finde in punkto Hypochondrie geben sich Männer und Frauen wenig. So ist mir bei der WM mehrmals negativ aufgefallen, dass sich Spielerinnen raustragen lassen und dann wieder reinkommen. Das ist ein absolutes Unding, dass ich Männerfußball nur sehr selten vorkommt. (Die Männer lassen zwar oft die Trage kommen, laufen aber meistens selber raus und wieder rein)
    Dass die Frauen seltener den Ball ins aus spielen, wenn eine Gegnerin am Boden liegt finde ich höchst unsportlich. Ich finde es in Ordnung, wenn man einen Angriff zu Ende führt, aber spätestens danach sollte man das Spiel kurz unterbrechen. Sollte dann der Ball doch mal rausgeschlagen werden, gibt ihn die andere Mannschaft öfters nicht zurück, ebenfalls eine Frechheit wie ich finde.
    In Sachen Laolo: vollste Zustimmung.

  5. 05

    Cooles Spiel, Deutschland gegen Frankreich. Spannend bis zum Schluss, auch, wenn es durch eine Rote Karte etwas eingetrübt war, diese war allerdings eine Notbremse, also in meinen Augen nicht so schlimm. Das war einfach ein richtig schönes Fussball Spiel. Als einzigstes macht mir die deutsche Abwehr Sorgen, aber die kann sich ja noch steigern.

  6. 06
    Frédéric Valin

    @Thomas: Das kann ich nur unterschreiben: Wirklich kuckbar sind die Spiele fast nur auf Eurosport.

  7. 07

    Das Spiel gegen Frankreich war nicht brilliant – es war ein schön anzuschauendes Spiel, spannend und mit viel Emotionen. Ich denke, dass reicht doch schon mal. Ich habe mich von dem Spiel gut unterhalten gefühlt. Die Medien täten gut daran ein wenig auf die Euphorie-Bremse zu treten, sonst ist die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu gross.
    Das Interesse seitens der Zuschauer ist da und lasst die Frauen mal spielen – mehr brauchts beim Thema Fussball im Grunde nicht.

  8. 08

    @Frederic
    In den Kommentaren zur Torstatistik http://wm-2010-news.de/statistiken/durchschnittliche-tore-je-wm/ wird behauptet, dass da auch alle Tore im Elfmeterschießen mitgezählt würden und die Tabelle so verfälscht würde.
    Ich habe auch mal mit Wikipedia verglichen und auch ein paar eklatante Abweichungen erhalten.

  9. 09
    Fufu Fi

    Manchmal wünscht man sich echt die Leute würden zu diesem Thema endlich mal die Fresse halten. Inzwischen ist alles dazu gesagt. Jeder hat seinen Spruch zum Frauenfußball und der WM abgeliefert. Jede analyse wurde gemacht. Und es ist immernoch das was es ist. Die Frauenfußball WM – nicht mehr und nicht weniger. Wen es interessiert und wer Spaß dran hat der guckt. Wer nicht, der soll es doch lassen.

    Ich hab emit Frauenfußball so viel und so wenig Probleme wie mit Curling, Handball oder Feldhockey. Dort gibt es auch Damen udn Herrenmannschaften ohne dass irgendwelche Wochend-Fachmänner und Freizeit-Chauvinisten meinen sie müssten der Welt mit ihrem Gesülze beweisen dass sie das eine oder andere Haar am Hodensack haben.

  10. 10
    Frédéric Valin

    @Philipp: Stimmt. Das geht so natürlich nicht. Ich habs durch diese Statistik http://www.worldcupportal.de/rekorde/index.htm ersetzt. Dankeschön!

  11. 11

    Danke für den Eurosport-Tipp. Bei ARD und ZDF ist man nur am sich Aufregen. Ich will nicht ständig Männer-/Frauenvergleiche hören, sondern verficktescheißenochmal Fußball gucken und dazu ab und zu einen sachdienlichen Hinweis von einem Profi.

  12. 12

    USA- Schweden war das beste Spiel der Vorrunde. Und Schweden scheint mir bisher auch die Mannschaft zu sein, die den besten Fußball im mannschaftlichen, taktischen Sinn spielt. Fürchterlich dagegen Brasilien: eine Mannschaft, die wirklich ausschließlich über die individuellen technischen Fähigkeiten ihrer Einzelspieler funktioniert. Da sind mir die taktisch unbedarften, aber wenigstens geschlossen spielenden Amerikaner doch erheblich lieber.

    wenn man wirklich die Männer-Frauen-Vergleiche ziehen will: positiv überrascht bin ich von der Qualität der Flanken und der Standards, Ecken, Freistöße. Die Japanerin: phänomenal.
    Ansonsten vor allem auf technischer Ebene enttäuschend – Stockfehler und Fehlpässe wohin das Auge reicht sowie Unsinnspässe (hohe „Flanken“ aus dem Halbfeld) als würde heimlich Berti Vogts jede Mannschaft trainieren.

  13. 13
    Olaf

    Die Tore, die ich gesehen habe (Deutschland gegen Frankreich) waren ziemlich gut. Alle Achtung meine Damen! Die Damen rocken sehr gut.

  14. 14

    die Tore an sich sehen meistens gut aus (das eine brasilianische Tor im 3. Spiel, das war der Wahnsinn: mit rechts angenommen, in der Luft auf den linken Fuß weitergeleitet und mit dem dann volley ins Tor!), es ist eher das Aufbauspiel, das wirklich viele Mängel hat. Und das liegt eben gerade nicht an der Physis, sondern doch an technischen Mängeln und/oder fehlender Spielübersicht.

  15. 15
    Genderkiller

    Hallo,

    es ist mir wichtig hier anzubringen, dass ich es beachtlich finde, wie das DFB-Team das meistert:
    sportlich und größtenteils die Kommunikation mit den Medien.
    Viel kann mensch rummeckern, ewig weiter Vergleichen mit der Schablone „Frau-Mann“.
    Ich fände es interessant, wenn dann auch etwas genauer beobachtet und verglichen werden würde, wie verschieden noch die Einflüsse und Bedingungen sind, wie verschieden Medien und Menschen reagieren.
    Einfach nur Fußball–tja, in so einer Welt leben wir noch nicht!!
    Mal ganz abgesehen, dass das Spiel von Frauen unter gänzlich anderen Bedingungen entsteht, die Frauen über ganz andere Widrigkeiten hinweg ihre Leidenschaft für den Fußball entdeckt und durchgesetzt haben und nach wie vor tun:
    mir haben auch die Nahaufnahmen gefehlt! Mir fehlt eine gleiche Bezahlung des Profifußballs unabhängig von Geschlecht!Mir fehlt die Selbstverständlichkeit eines Paninihefts für alle WMs!
    Mir fehlt das Angleichen der Sprache: Männerfußball,“Deutschland wird Weltmeisterin!“, von einem „weiblichen“ oder besser noch neutralen Begriff für Mannschaft ganz abgesehen!
    Mir fehlt das Pornoheft für Frauen, in dem die Fußballer nackt gezeigt werden-um zu zeigen, dass sie ganze Kerle sind, für Frauen begehrenswert bleiben-und um sich ihr dürftiges Gehalt aufzubessern.

    Ich habe jede Menge Respekt vor denen, die es zu spärlich gleichberechtigten Zeiten so weit an die Spitze schaffen –
    und hoffe deren Vorbild prägt die nachfolgenden Generationen und unsere Gesellschaft maßgeblich!!!

    Daran fehlt es zum Glück nicht:
    an Höchstleistungen der Füßballerinnen!!

  16. 16

    Das mit der gleichen Bezahlung kann ich wirklich nicht mehr hören. Als wenn von irgendwo Mindestlöhne für Profifußballer verordnet worden wären!

    Ab dem Moment, ab dem sich mensch schön EASports FIFAwomen2011 und Fußballmanagerin2012 kauft, weil eine Silvia Neid auf dem Cover ist und zu Turbine Potsdam nicht 700, sondern 40.000 Fans ins Stadion gehen, gleicht sich auch die Bezahlung an. Oder wie soll bitte Frankfurt oder Potsdam mit dem bisschen an Zuschauereinnahmen Millionengehälter für die Spielerinnen ausschütten? Wenn wir das Geld nicht hintragen, werden sie auch keines an die Frauen weitergeben können.

    Man kann das ja schön in den USA verfolgen, wo Mia Hamm in den 90ern sicherlich mehr Geld eingenommen hat als der durchschnittliche US-Nationalspieler.

  17. 17

    Also ich fand das Spiel an sich gut aber auch nicht mehr. Man sollte jetzt nicht hingegen und gleich wieder sagen naja wir werden 100% Weltmeister. Man hat im ersten Spiel gesehen wie schwer sich die deutsche Mannschaft mit dem Druck tut und das dieser noch steigen wird sollte klar sein.
    Das ist der Punkt in dem ich auch Christian recht gebe es fehlt einfach die Profi Entwicklung. Man ist es eben gewöhnt „nur“ vor 700 statt 40.000 zu spielen.

  18. 18

    Ich bin ehrlich gesagt diese Vergleiche zwischen Frauen- und Männerfußball leid. Es scheint häufig mehr um die Geschlechterrollen zu gehen, als um den Sport an sich. Solche Vergleiche hört man ja auch nicht im Tennis, Schwimmen oder der Leichtathletik.

    Konzentriert man sich auf die sportliche Leistung, dann hat auch Frauenfußball heute durchaus seine Daseinsberechtigung. Aspekte wie Taktik oder Kondition sind heute schon häufig auf Spitzenniveau. Während der Männerfußball auch auf jahrzehntelang gewachsene Strukturen in der Nachwuchsförderung zurückblicken kann – und somit auch auf deutlich mehr Potenzial – entstehen diese Strukturen bei den Mädchen und Frauen erst seit einigen Jahren auf akzeptablem Niveau.

    Schlechte Spiele von „kleinen“ Mannschaften sieht man übrigens auch bei Herrenturnieren, das ist kein frauentypisches Symptom.

  19. 19
    Frédéric Valin

    @Christian: Einen Großteil des Umsatzes machen Fußballclubs nicht durch Zuschauer, sondern durch Fernsehgelder.

  20. 20

    Das weiß ich auch Fred – genau wie der dritte Aspekt die Sponsorengelder sind. Aber ursächlich sind die Besucherzahlen als Indikator für das Interesse der Bevölkerung an der Sportart, an dem sich Fernsehsender und Sponsoren hinsichtlich ihrer Ausgaben orientieren. Und da ist nun mal ein normales Spiel nicht auf dem Niveau, dass es wirtschaftlich sinnvoll wäre, für Sat1 Millionen in die Bundesligaübertragungsrechte zu stecken oder für – sagen wir – Eon in Turbine Potsdam. Da hilft kein Drehen und Wenden: das Interesse der Bevölkerung an Frauenfußball außerhalb dieses aktuellen Eventturniers (der DFB bezahlt ja auch nicht die laufenden Gehälter der Spielerinnen, von daher hilft das Turbine Potsdam nichts, wenn 16 Millionen mal ein Länderspiel schauen) ist geringer als das am Männerfußball – das ist doch nun wirklich kein Punkt, über den man streiten könnte? Geringeres Interesse -> weniger Zuschauer -> weniger Fernsehpräsenz -> weniger Sponsoreninteresse -> weniger Geld für einen Bundesligaverein -> geringeres Gehalt einer Fußballerin. Von daher ist es Unsinn, von Turbine Potsdam Equal Pay im Vergleich zu Bayern München zu fordern, das gibt einfach das Interesse der Bevölkerung nicht her.

  21. 21
    Frédéric Valin

    @Christian: Ich seh das nicht ganz so schwarz, denn tatsächlich hilft dieses Turnier dabei, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die Bundesligisten der Frauen konkurrieren bei den Fans ja nicht um die gleichen Gruppen, weder lokal (in Bad Neuenahr, Potsdam oder Duisburg wird ja sonst kein Fußball gespielt, vor allem nicht in Duisburg) als auch soziologisch (Familienevent gegen Fußballfans).

    Was Du sagst, stimmt natürlich, aber dass in den nächsten Jahren zumindest ein Profibetrieb aufgestellt werden kann, halte ich nicht für ausgeschlossen, weil diese andere Zielgruppe auch ganz andere Sponsoren anziehen wird, also Hip statt Jägermeister, oder Toys’R’Us statt EA Sports. Vielleicht auch mehr mittelständische Unternehmen, die Werbebanden buchen. Sowas eben.

    Ich denke, wir sind uns total einig. Ich wollte das auch nur nochmal präzisieren.

  22. 22
    westernworld

    ich würde mich nach jedem spiel über einen text hier freuen. wie überhaupt anregen möchte das du in zukunft die spiele im fernsehen kommentierst. malte könnte mit christian ulmen als netzer den conférencier machen. was das kommentierende und expertierende personal angeht wurden neue tiefstwerte auf der rethyskala erreicht.

  23. 23

    Mir gings nur um obige Anmerkung mit der Equal Pay Geschichte – die kürzlich auch schon Augstein bei SpOn brachte – das ist so dermaßen weltfremd, weil ja Profifußball-Gehälter nicht von einem Zentralkommitee verordnet werden, sondern sich aus den Gegebenheiten schlüssig herleiten lassen.

  24. 24
    Frédéric Valin

    @Christian: Ach siehste, das hatte ich nicht verstanden.

    @westernworld: Sobald das wer bezahlen kann: sofort!

  25. 25

    @Frédéric Valin:

    vielleicht ganz interessant, weil es ja immer heißt, dass fernsehgelder wichtiger wären als zuschauerzahlen – ich hab hier die Bilanz der 1. FC Köln GmbH vorliegen, da verteilen sich die Einnahmen wie folgt:

    – Werbung und Sposoring: 24,15 Mio
    – Ticketverkäufe / Zuschauereinnahmen: 19,34 Mio
    – TV-Honorare: 15,34 Mio
    – Transfers: 3,09 Mio
    – Handel: 3,34 Mio

    TV Honorare machen also weniger als ein Viertel aus (23%).

  26. 26
    Frédéric Valin

    @Christian: Interessant. Das hätte ich so nicht vermutet.

    Wie könnte man den rausfinden, welchen Einfluß das Fernsehen auf Werbe- und Sponsorengelder hat? Und aus welchem Jahr stammt die Bilanz? Laut transfermarkt war die letzte, die annähernd an die Transfererlöse rankam, 2007/2008, als Sinkiewicz und Cabanas verkauft wurden: wenn das Geschäftsjahr 2008 gemeint ist, dann hat Köln davon die Hälfte in der zweiten Liga verbracht. Das würde die Fernsehgelder natürlich drücken. Hast Du da so eine Art Verlauf?

  27. 27

    Nein, es ist die aktuelle Konzernbilanz zum 30. Juni 2010.

    hier die Fernsehgelderverteilung von 2009:

    TV-Einnahmen in der Saison 2009/2010 (Insgesamt im Topf: 407 Millionen Euro):

    Bayern München: 23 443 200 Euro (5,76 %)
    Schalke 04: 22 792 000 Euro (5,60 %)
    HSV: 22 140 800 Euro (5,44 %)
    Bayer 04 Leverkusen: 21 489 600 Euro (5,28 %)
    SV Werder Bremen: 20 838 400 Euro (5,12 %)
    VfL Wolfsburg: 20 187 200 Euro (4,96 %)
    VfB Stuttgart: 19 536 000 Euro (4,80 %)
    Borussia Dortmund: 18 884 800 Euro (4,64 %)
    Eintracht Frankfurt: 18 233 600 Euro (4,48 %)
    Hertha BSC Berlin: 17 582 400 Euro (4,32 %)
    Hannover 96: 16 849 800 Euro (4,14 %)
    VfL Bochum: 16 117 200 Euro (3,96 %)
    TSG 1899 Hoffenheim: 15 384 600 Euro (3,78 %)
    Borussia Mönchengladbach: 14 652 000 Euro (3,60 %)
    FSV Mainz 05: 13 878 700 Euro (3,41 %)
    1. FC Köln: 13 105 400 Euro (3,22 %)
    1. FC Nürnberg: 12 413 500 Euro (3,05 %)
    SC Freiburg: 11 721 600 Euro (2,88 %)

    quelle: http://www.soccer-warriors.de/2010/11/03/die-verteilung-der-tv-gelder/

  28. 28
    Frédéric Valin

    @Christian: Steht in der Bilanz, wie die 3,09 Millionen zustande kamen?

  29. 29

    ne, ist nur die Zusammenfassung, die im aktuellen Kicker abgedruckt ist.

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