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Tipps

– Im Dezember letzten Jahres fand in London der 49. „Carnival of Socialism“ statt, während dessen es u.a. zu Einkesselungen von Jugendlichen durch die Polizei und äußerst einseitigen Medienberichten über die teilnehmenden Schüler und Studenten kam. Das Video der Rede eines Schülers nach diesen Geschehnissen machte damals schon die Runde im Interweb, der Zeitpunkt, es sich noch einmal anzusehen, könnte jedoch der richtige sein.

– Der Guardian kommentiert die Unruhen in England und erläutert, warum Cameron diese als rein kriminellen Akt ohne soziale Hintergründe bezeichnen muss: Weil er und seine Freunde ansonsten womöglich noch Verantwortung übernehmen müssten. These riots reflect a society run on greed and looting.

– Ebenfalls im Guardian: Ein äußerst respektvoller Bericht inklusive Video aus Birmingham, wo es die Community vorerst sehr bedacht geschafft hat, sofortige Aufmärsche und mögliche Racheakte ob der gestern getöteten drei jungen Männer zu verhindern.

– Wer etwas älter ist und/oder in irgendeiner Form durch den frühen Punkrock sozialisiert wurde, erinnert sich sicher an die Unruhen im Londoner Brixton vor 30 Jahren, 1981 nämlich. Die damalige Premierministerin Margaret Thatcher wies übrigens jede politische Verantwortung u.a. mit den Worten „Nothing, but nothing, justifies what happened“ von sich. Camerons Rhetorik ist also – natürlich – ein alter Hut.

– Hier gibt es eine „Short history of the London riot“.

Spiegel Online hat eine gute Übersicht über die BNP und die EDL und wie die beiden rechtsextremen Gruppen versuchen, die Unruhen für ihre Zwecke zu nutzen.

17 Kommentare

  1. 01
    Fufu Fi

    BNP und EDL . Braucht Deutschland gar nicht. Wir haben CDU und CSU, samt Innenminsiter Friedrich. Die wissen auch wie man jedes Ereignis, von Norwegen bis London, für die eigenen politischen Bestrebungen instrumentalisiert.

  2. 02
    marcel

    …nach 3 stunden hatten sie beim guardian wohl keine lust mehr, die ganze rassistische hasskübelei in den kommentaren zu redigieren und haben sie für diesen artikel abgeschaltet.
    die von dir angesprochene mobilmachung der rechten scheint sich nicht nur auf der straße abzuspielen. erschreckend, was da unter anderen artikeln zur thematik so alles durchrutscht. ich zitiere da lieber nichts von.
    die adresse ist bemerkenswert:

    2011/aug/11/uk-riots-birmingham-muslim-sikhs

    das transportiert unterschwellig was ganz anderes.
    ein roter faden, der sich durch die gesamte berichterstattung zieht;
    mal subil, mal ganz offen.
    andererseits bekommen sucher mit geschlossenem weltbild so, auf ihre suchstichworte hin, mal etwas anderes geliefert. gratwanderung.
    vielleicht seh‘ ich aber auch nur gespenster.
    ist einfach echt beängstigend viel rechtes gedankengut unterwegs.
    im spiegel/online übrigens auch, aber das faSS mach‘ ich jetzt nicht auf.

    die unruhen in den 80ern kamen mir tatsächlich drastischer vor. vielleicht weil die zeit weniger hysterisch und die berichterstattung noch so kühl, farblos und laaangsam war. wirkte dadurch wohl alles härter.
    das mit der berittenen polizei im ausnahmezustand werd‘ ich wohl nie verstehen. total irre. für alle beteiligten. damals wie heute.

  3. 03
    zionist juice

    in israel gibt es gerade (seit 1 monat) auch soziale unruhen/proteste/demos. gegenungerechte steuerlast, kürzungen bei ausbildung, unbezahbare preise für mieten und nahrungsmittel.

    auf dem rothshild boulevard in tel aviv wurde ein zeltlager gegründet. auch in anderen städten gibt es zeltlager.

    bislang gabe es 0 verletzte und keine plünderung. auch kein haus wurde abgefackelt.
    letzten samstag demonstrierten landesweit mindestens 300000 menschen. allein in tel aviv mindestens 150000. das resultat: kein verletzter, kein sachschaden.

    (ein großaufgebot der polizei war im einsatz um die demonstranten zu beschützen (menschenansammlungen werden in israel gelegentlich von norwegischen christen angegriffen).)

  4. 04

    So einige der Erklaerungen in den verlinkten Artikeln sind mir zu einfach. Sie beschraenken sich jeweils auf einen Aspekt und scheinen damit alles erklaeren zu wollen.

    Da glaube ich inzwischen nicht mehr dran.

    Gerne wird die Erklaerung der „perspektivlosen Unterklasse bzw Jugend“ genommen. Wenn man dann aber ein bisschen den Protokollen der Gerichtsverhandlungen folgt findet man dort neben obigen auf einmal Grundschullehrer, middle-class Studenten, Armeerekruten und aehnliches. Das passt irgendwie nicht zusammen.

    Ebenso das Argument der andauernd von der Polizei angehaltenen Schwarzen. Das trifft sicherlich zu, aber dann sieht man auf sehr vielen Bildern auch sehr viele Weisse am randalieren. Die duerften vergleichsweise wenig stop & search ueber sich ergehen lassen muessen (oder wenn nicht duerfte es dafuer wahrscheinlich durchaus gute Gruende geben).

    Dass das Establishment (und insbesondere die Banken) das ganze ja auch nur vorleben und man dann nichts besseres von den niedrigeren Klassen erwarten sollte, klar, da ist was dran. Nur warum haben sich dann so viele eben nicht an den Randalen beteiligt, sondern eher im Gegenteil? Warum haben die sich zusammengetan um anderen zu helfen und aufzuraeumen?

    Generell zum Ausmass des ganzen:

    Einige (z.B. die BBC) berichten ja inzwischen nicht mehr unter dem Banner „UK Riots“ sondern „England Riots“. Warum werden wir nie wirklich wissen, aber in Schottland ist gar nichts passiert und was in Wales passiert ist kann man meines Erachtens getrost vergessen. Ebenso so ist (zumindest bis jetzt) z.B. in Newcastle und Sunderland nichts passiert, dabei gibt es gerade dort hohe Arbeitslosigkeit und „deprivation“.

    Auch wenn man sich so die Zahlen anguckt habe ich Schwierigkeiten da eine grosse Bewegung draus zu machen. Genaue Zahlen habe ich jetzt nicht zur Hand, aber ich schaetze in ganz England duerften so um 1500 bis 2000 festgenommen worden sein, davon in London so um die 1000. Zumindest entnehme ich das diversen Berichten.

    Ob es Zahlen/Schaetzungen dazu gibt wie viele Menschen insgesamt an den Randalen beteiligt waren weiss ich nicht. Ich nehme an dass duerften hoechstens ein paar 10,000 gewesen sein. Hoechstens. Da gehen locker jede Woche mehr zu einem Premier League Fussballspiel. Gestern hoerte ich es gibt in London alleine ueber 1 Mio Jugendliche (wobei ich nicht weiss was da die Definition ist), wenn man das auf „junge Leute unter 30“ ausdehnt duerften das locker 2 Mio oder mehr sein. Da dann von einer grossen Revolution/Protest der Jugend zu sprechen faellt mir echt schwer.

    Einfache Antworten wird es zu dem Thema meines Erachtens nicht geben.

  5. 05
    daniel

    Eine etwas andere Sicht auf die Unruhen in England: „Individualisierung der Zwangswohlfahrt“: http://ef-magazin.de/2011/08/11/3130-krawalle-in-england-individualisierung-der-zwangswohlfahrt

    (Der Artikel ist natürlich neoliberales Teufelszeug :-))

  6. 06

    Kleine Ergaenzung zu meinem vorherigen Post:

    The competing arguments used to explain the riots

    Scheint tatsaechlich nicht so einfach zu sein.

  7. 07

    @Armin: Einfach ist das überhaupt nicht, ich schätze, jeder möchte halt irgendeine Ursache erkennen. Geht mir auch so.

  8. 08
    Negativity

    das video da oben hat einen recht ironischen touch finde ich.
    was glaubt ihr, wo jemand landen wird, der mit 15(!) solche reden schwingt? die meisten deutschen bringen – wenn man pisa glauben schenken darf – in dem alter noch nicht mal einen geraden satz heraus.

    ich fress nen besen samt hausfrau, wenn der später nicht selbst politiker wird.

  9. 09
    max

    ein sehr erhellendes und gutes interview, wie ich finde.
    http://www.tagesschau.de/ausland/geuss100.html
    wenn die gesellschaft an ihren rändern die entstehung von massenhaft armen und ausgegrenzten zulässt, dann darf sie sich nicht wundern, wenn diese irgendwann ihren teil mit gewalt einfordern und sich nicht um gesetze oder moral kümmern. das ist beschissen und individuell nicht rechtfertigbar, aber absehbar. es gab einmal ein studienfach, das hieß soziologie, da hat man sich mit solchen entwicklungen und phänomenen beschäftigt. aber dieses studienfach ist im rahmen der neoliberalen ausrichtung der universitäten nahezu vollständig abgeschafft worden.

  10. 10
    c.

    zur english defence league und zur bnp lohnt sich für menschen, die des englischen ein wenig mächtig sind immer ein blick auf die seiten von searchlight http://www.searchlightmagazine.com/
    und auf die unterseite von hope not hate zum thema hate groups
    http://www.hopenothate.org.uk/hate-groups/

  11. 11
    ber

    @Armin:
    „… findet man dort neben obigen auf einmal Grundschullehrer, middle-class Studenten, Armeerekruten und aehnliches. Das passt irgendwie nicht zusammen.“

    Das passt leider doch zusammen, weil man in London selbst mit Job einen beschissenen Lebenstandard haben kann – Stichwort „the working poor“.

    Der Guardian Artikel fasst das ganz gut zusammen:

    „It then erupted across what is now by some measures the most unequal city in the developed world, where the wealth of the richest 10% has risen to 273 times that of the poorest, drawing in young people who have had their educational maintenance allowance axed just as official youth unemployment has reached a record high and university places are being cut back under the weight of a tripling of tuition fees.“

  12. 12

    @zionist juice: Was genau willst Du damit sagen? Ich möchte dieses Verhalten nicht legitimieren, aber vor all dem gab es eine friedliche Demonstration, die laut einigen Leuten weder Anerkennung noch irgendeine Form von Aufmerksamkeit erhalten habe.

  13. 13

    @Negativity:

    Wenn er IDS Beispiel folgt wird er gescheiterter Prime Minister Kandidat und Parteivorsitzer und bekommt dann ein paar Jahre spaeter immerhin noch einen Kabinettsposten.

    ;-)

    Zumindest musste ich an IDS denken als ich das Video sah. Und ein kleines bisschen an Harry Enfield.

  14. 14
    Elblette

    @Negativity: Komisch, dasselbe habe ich auch gedacht.

  15. 15
    ergänzung

    Ergänzend noch ein Artikel, der sich kritisch mit der deutschen und britischen TV-Berichterstattung über die Riots beschäftigt:
    http://fernseherkaputt.blogspot.com/2011/08/uber-die-falsche-gewaltdebatte.html

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