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Ist es schlimm, heutzutage Musiker zu sein? Nein. Es ist großartig.

Ich bin äußerst erfreut über das wirklich umwerfende Interesse an meinem Artikel über Einnahmen aus dem digitalen Musikbereich – und auch ein bisschen erstaunt über manche Reaktionen. Denn obwohl ich sehr darauf geachtet hatte, selbst keine Wertung der Zahlen vorzunehmen, war das Feedback vielerorts doch ein verblüfftes. Menschen in Social Networks wunderten sich darüber, wie wenig Geld man mit Musik online verdienen kann, manche bekamen Mitleid mit Musikern, einige empfanden die Zahlen als unfair.

Ich sehe das etwas entspannter. Es gibt keinen Grund, zu jammern.

Vielleicht verweilte das Augenmerk mancher Leserinnen und Leser zu stark auf der von mir gezeigten Gesamtsumme von gut 600 Euro. Und richtig, das ist sehr wenig für ein Label, noch viel weniger für die an dieser Summe beteiligte Band, so gut wie nichts für einzelne Musiker.

Aber das liegt im konkreten Fall zunächst daran, dass wir kaum etwas verkauft haben im Digitalbereich, was auch niemanden überrascht. Wir sind als Band mit Alben auf dem Markt, die zwei Jahrzehnte alt sind, die nicht mehr im Radio laufen und die „damals“ bereits rund 120.000 Stück verkauft haben. Wer uns in den Neunzigern liebte, besitzt diese Alben mit hoher Wahrscheinlichkeit schon und kauft sie nur dann noch einmal in einer digitalen Version, wenn die alten Scheiben oder CDs zerkratzt oder verliehen oder beim Umzug abhanden gekommen sind. Kurz: Mit knapp einhundert verkauften Online-Alben kann man nun mal nicht besonders viel reißen …

Und auch, wenn man sich bei den Streamingdiensten höhere Auszahlungen wünscht und 80 Euro für immerhin knapp 20.000 angehörte Songs nicht einmal einen halben Studiotag finanzieren, fließt überhaupt Geld! Wenn 20.000 Menschen einen unserer Songs im Radio hören, gibt es zwar via GEMA und GVL vielleicht (vielleicht!) auch Auszahlungen, ob dabei aber 80 Euro beim Label hängenbleiben, darf bezweifelt werden.

Auch wenn also die einzelnen Posten und besonders die Gesamtsumme in meinem Beispiel niemanden vom Hocker hauen, wäre es falsch, davon enttäuscht zu sein. Denn auch das Internet verändert die Tatsache nicht, dass man für höhere Einnahmen als Label oder Band eben auch sehr ordentliche Stückzahlen verkaufen muss. Das war noch nie anders.

Hängt man als Spiel an alle Zahlen meines Echtwelt-Beispiels einfach mal zwei Nullen, bekommt man ein hübscheres Ergebnis. Mit 6.600 verkauften iTunes-Alben, mit 2 Millionen Streams und auch nur 50.000 YouTube-Views kämen wir auf immerhin 63.000 Euro Label-Einnahmen. Und – das ist sehr wichtig bei der Gesamtfrage, ob es sich heutzutage lohnen kann, Musik zu machen – das wären nur die Einnahmen aus nicht-physischen Verkäufen.

Diese nämlich würden dazu führen, dass wir eine ganze Menge Fans hätten. Und diese Fans wiederum kämen zu Konzerten und würden T-Shirts kaufen, vielleicht sogar ein CD-Set oder eine Vinylbox, haptische Waren also, bei denen die Gewinnmarge sehr viel höher sein kann als bei einem MP3, das für 99 Cent über den Netztisch geht.

Sicher würde nur ein kleiner Teil der oben hochgerechneten „Digital-Kunden“ auch ein Shirt oder eine CD kaufen. Doch selbst wenn nur zehn Prozent derjenigen, die uns auf YouTube gesehen haben, also etwa 5.000 Menschen, mit einem Konzertbesuch und dem Kauf einer CD oder eines Shirts für einen Gewinn von – sagen wir mal – je 20 Euro sorgen würden, wären das weitere 100.000 Euro.

Das macht insgesamt also rund 160.000 Euro, unter Umständen mit einem einzigen Album, mit Glück und Talent sogar mit einem einzigen Song.

Davon ernährt man zwar immer noch keine vierköpfige Band plus Entourage über zwei Jahre, aber es wäre ein Anfang. Auch wenn (daran muss man ja in diesem Zusammenhang immer wieder denken) das erst einmal die Einnahmen des Labels wären.

Womit wir bei der Frage nach einer zeitgemäß arbeitenden Band wären.

In der Vor-Internet-Zeit konnten Bands zwar auch schon Eigenproduktionen herstellen und auf Konzerten verkaufen, doch der physische Vertrieb, ganz besonders aber das Marketing waren kaum lösbare Probleme. Im Grunde brauchte man eine Plattenfirma, die sich kümmerte und die den Musikerinnen und Musikern vor allem mit Vorschüssen finanziell den Rücken frei hielt. Auch wenn das ein Weg ist, den man immer noch gehen kann: Damals war das keine Option, sondern eigentlich ein Muss.

Heute haben wir eine völlig andere Situation. Wer es sich leisten kann, auf hohe Vorschüsse zunächst zu verzichten (und wirtschaftlich betrachtet ist das immer besser, denn hohe Vorschüsse bedeuten meist auf sehr lange Zeit keine neuen Einnahmen auf Bandseite und eben eine Verschuldung, selbst wenn die Vorschüsse nicht zurückzahlbar sind), wer außerdem die Arbeit auf sich nimmt, sich vorerst selbst zu kümmern, der gründet sein eigenes kleines Label (GbR genügt), sucht sich einen Dienstleister für den Vertrieb, dem er ein paar Prozente abgibt, und behält das meiste eingenommene Geld für sich. Und wenn einem das alles über den Kopf wächst, weil die ganze Kiste wahnsinnig abgeht: Dann kann man sich immer noch größere Profis ins Team holen, die Regeln dabei aber selbst besser mitbestimmen.

Man kann an dieser Stelle darüber sinnieren, ob es denn wirklich die Aufgabe von Musikern sein sollte, sich so stark ums Geschäft zu kümmern. Denn nein, die Idealsituation ist das nicht. Doch seit Bestehen der Rock- und Popkultur bedeutet das Hinzuziehen von Dienstleistern nicht nur in der Musikbranche eben die Abgabe eines großen Teils der eigenen Einnahmen – und im Umkehrschluss das Einbehalten der meisten Einnahmen eben viel Arbeit auf eigener Seite.

Es hat schon immer mehr als künstlerisches Talent gebraucht, um auf hart umkämpften Kulturmärkten bestehen zu können und auch noch erfolgreich zu sein. Neben Können und Geschäftssinn spielen auch Glück und Zufall ihre Rollen, auch daran hat das Internet nichts geändert.

Der Reiz des kulturellen, künstlerischen Schaffens liegt nicht darin, dass man mit viel Spaß viel Geld verdienen kann, diesen Luxus genießt seit Jahrzehnten nur ein Bruchteil der kreativ arbeitenden Menschen. Und nur diejenigen, die in ihrem Leben gar keine alternative Form des Arbeitens finden können, weil sie nicht nur Künstler sein wollen, sondern es unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg einfach sind … nur diejenigen werden den Weg in das Dasein als Künstler wählen, durchhalten und damit glücklich sein. Und vielleicht, wenn alle benötigten Faktoren zusammen kommen, wenn das Glück ihnen hold ist, wenn der 8. März auf einen Sonntag fällt, wenn Jupiter in den Zwillingen steht und die Weltbevölkerung plötzlich auf Grindcore-beeinflussten Folkreggae steht … dann ergibt sich eine Karriere, bei der die Schaffenden nicht mehr aus dem Dauerlachen herauskommen.

Das Netz hat mit Download- und Streaming-Plattformen nicht dafür gesorgt, dass Menschen plötzlich mehr Zeit zum Musikhören haben. Es hat aber Musik präsenter denn je gemacht und den Zugang zu ihr sehr stark vereinfacht. Und es bietet jungen Künstlerinnen und Künstlern Möglichkeiten sowohl in der Produktion als auch im Vertrieb und beim Marketing, von denen man noch vor zehn Jahren nur träumen konnte.

Verdienstmöglichkeiten bleiben zwar eine Herausforderung, Dienstleister teuer und die Chancen auf spürbare Gewinne klein. Doch mit bewusst agierenden Unterstützern und Konsumenten, die das Shirt oder die CD direkt bei der Band kaufen und auch ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Vereine wie die GEMA zwar stark reformbedürftig sind, aber immer noch mehr im Sinne der Urheber agieren als Google und daher im Moment noch für Komponisten und Texter wichtig sein können, überwiegen die Vorteile beim Musikerdasein im digitalen Zeitalter.

Ganz einfach deshalb, weil es heutzutage mehr Möglichkeiten denn je gibt, den Weg zu den Hörerinnen und Hörern zu finden. Und das ist großartig.

15 Kommentare

  1. 01

    Viel guter Text Johnny. Natürlich, wer nur für Geld Musik macht, der (ver)endet meist ganz übel. Die Beispiele gehen von Rex Gildo, über Elvis, Janis Joplin, Michael Jackson bis zu den lebenden Protagonisten wie Jagger oder MCartney, die eine Karikatur ihrer Selbst sind; und die sich aus den selbst geschmiedeten goldenen Käfigen kaum jemals befreien können. Klar, jede(r) muss irgendwie von was sein Leben finanzieren. Auch Musik, ihre Präsentation, so dass es auch jemand hören mag, alles dies ist mit Arbeit, Aufwand und Selbstdisziplin verbunden. Doch im Grunde genommen geht es um die Schwingungen in einem Selbst. Daraus erwächst Kultur, Liebe und die Zufriedenheit mit dem, was wir tun. Sei es nun Musik machen, Literatur schreiben, Bilder malen, Kinder groß ziehen und oder andere Menschen und uns selbst glücklich zu machen.
    Geld ist bei alledem höchstens Mittel zum Zweck. Und das letzte Hemd hat bekanntlich keine Taschen. Wie es Georg Ringsgwandl schon so treffend sang in seinem Song „Nix mitnehma“. http://www.youtube.com/watch?v=GcYzaHy813k

  2. 02
    Sabs

    Kaufe noch ein T-Shirt. Wann spielt ihr (endlich) wieder;-) Es ist so ein Fest Euch zu(zu)sehen.

  3. 03

    Ja schwer ist es doch auch überall, aber wie gesagt liegt dies im Auge des Betrachters was er als schwer empfindet und welche Subvention dies eventuell erleichtert!

  4. 04
    Sascha

    @‹(•¿•)›:

    Hast du in den letzten Jahren mal aktuelle Musik von Paul McCartney gehört? Das ist sehr wohl noch relevant, äußerst kreativ, vielfältig und oft würdest du ihn in einer Blind-Audition nicht erkennen. Und ich bin kein Fanboy.
    (Kein Vergleich zu „Mick Jagger spielt Mick Jagger“ m.E.)

    Und der von dir genannten verstorbenen Riege vorzuwerfen, sie hätten Musik ausschließlich wegen des Geld-Verdienens gemacht, ist schier unglaublich. Elvis? Wirklich? Ein bisschen tiefer darf man vor solch einem Statement gern schürfen. ;-)

    Viele Erdenbewohner arbeiten in anderen Berufen als denen, die sie sich in Kindheit und Jugend erträumt haben. Oft tatsächlich aus dem Grund, Geld zu verdienen. Um sich und ihre Famile zu ernähren zum Beispiel. Das ist nicht grundsätzlich verwerflich. Ich liebe die Musik leidenschaftlich, aber erhebe nicht den Anspruch, dass alle dies tun müssen – auch nicht die Leute, die Geld damit verdienen. Oft berührt mich deren Output dann einfach nicht. Es ist schön, die Wahl zu haben.

  5. 05

    @Sascha: Moin Sascha. Vielleicht ist es etwas mit zu schneller Taste geschrieben worden, da ganz oben. Was ich meinte mit meinen Beispielen, ist, dass die genannten m. E. zu Opfern der Ökonomie der Musikindustrie geworden sind. Gerade im Falle von Elvis, der natürlich (insbesondere wenn er sich im Gospelbereich bewegte) ein Musiker war, der mit viel Authentizität musizierte, wird deutlich, dass ihn dieser Druck der Karriere, mit all ihren Zwängen, mit all ihrem falschen Luxus und Freunden zu Alkohol und Tabletten greifen ließ. Geld kann dich so unendlich leer machen, wenn die Menschen zu dir nur noch freundlich sind, weil ihnen ein Trinkgeld sicher ist. Da bewegt man sich in Dimensionen, die mit Musik nicht mehr viel zu tun haben.
    Ich bin kein 100 % Fan von Paul, aber ich schätze schon, dass er aktuell den Menschen noch mal die Beatles auf die Bühne bringt. Und wenn er Helter Skelter singt, dann ist dass eine Leistung, die die Band so 1968 nicht auf die Bühne gebracht hätte. Allein dafür gibt es meinen Respekt für Paulie: http://www.youtube.com/watch?v=cu7YW7pjt8A&list=UUAQzOY85WV6_3Y4fAau6Pnw
    Das ändert aber nichts daran, dass er m. E. Gefangener seiner Selbst, d. h. der Vermarktung des Produkts „McCartney“ ist.
    Natürlich: Musik ist unser Leben, gleich ob wir sie nur hören oder machen. Nur ich denke, diejenigen die an ihrer Ökonomie zu Grunde gegangen sind, haben es verdient, dass wir diese Ursachen mal diskutieren.
    Und dass es „nicht grundsätzlich verwerflich“ ist Geld zu verdienen, „um sich und [seine] Familie zu ernähren“, da bin ich bereits in dem Text weiter oben, voll mit dir. (•¿•)›

  6. 06
    Sascha

    Na da bin ich dir dann doch näher, als es anfangs klang. ;-)

    Außer bei Paule, da werden wir uns nicht einig. Für mich einer der wenigen alten Hasen, der eben nicht in diesem Korsett gefangen ist. Der macht sooo viel unterschiedliches Zeugs und der Beatles-Anteil geht tatsächlich nicht über einige Songs in seinen recht raren großen Live-Performances hinaus. Ansonsten ist der musikalisch total umtriebig und macht, wozu er Lust hast. Und er ist immer noch Top in dem was er tut, was man z.B. vom Drummer seiner Ex-Band nur bedingt behaupten kann.
    Nebenbei: Ich habe neulich die ‚Sound City‘ Doku über gleichnamiges Studio gesehen und da war Paul auch nicht ganz ohne. Cooler Typ. Hier gibt’s nen Ausschnitt. http://www.youtube.com/watch?v=6sKfCjIMUVg

  7. 07

    @Sascha: Auch auf die Gefahr hin, das wir das Publikum etwas nerven mit unserem kleinen Dialog hier als Gäste auf Spreeblick ;-)), so ganz stehe ich nicht auf Nirvana.
    Aber die folgende Version zeigt immerhin, dass der Sound von Nirvana von den Beatles beeinflusst war. Das war wohl auch Paulchens Beweggrund für die Zusammenarbeit mit der Crew. Kein Ausschnit, sondern in voller Länge: Helter Skelter – Paul McCartney feaut. Nirvana: http://www.youtube.com/watch?v=tyXaRJUvWtM

  8. 08
    Sascha

    @ÄNDY:

    Was heißt hier „nerven“? Wir sind doch unter uns. ;-)
    Und Johnny meinte kürzlich noch, er liebe Pop-Diskurs auf Spreeblick.

    Ich schließe mich an. Auch kein Nirvana-Fan. Obwohl deren Bedeutung deutlich über ihren musikalischen Output hinaus geht und ich da großen Respekt vor habe. Zudem haben sie Teile einer ganzen Generation definitiv beeinflußt und waren für viele Kids einfach eine Konstante zum Festhalten in schwierigen Zeiten und Lebenssituationen. Es gibt so viele Leute, die behaupten, Kurt Cobain wäre nur ein armes Würstchen gewesen. Aber ich fürchte, das stimmt nicht. Allein der Text des Abschiedsbriefs (gibt’s tatsächlich als Scan im Internet) kann einem die Tränen in die Augen treiben. Aber wir schweifen ab, Ändy. Sei gegrüßt.

  9. 09

    @Johnny Feines Update. Rückt für mich Einiges gerade, denn ich hab immer naiv gedacht, in der heutigen Zeit kannst Du für einigermaßen überschaubares Budget produzieren, über zB Distrokid digital günstig distribuieren und dann „hoffen“. Wenn man bedenkt, dass es ja um das Umsetzen einer kreativen Idee, im besten Fall einer kreativen Passion geht, wäre das wenig Investition.
    Spannend wird diese Rechnung jetzt, wenn ein neues Album rauskommt und man sich die Rechnung dann im Vergleich anschaut, wahrscheinlich hast Du das auch aus diesem Grund für Dich einfach festgehalten ;-)

  10. 10

    @Sebastian: Ja, ein bisschen wird dieses Blog auch immer noch als Chronik genutzt. :)

  11. 11
  12. 12

    @Eike: „Plan B“ ist halt immer offen, für Alternativen ;-)

  13. 13

    Interessanter Bericht, aber es fehlt mir etwas ein wenig an der Betrachtung von verschieden Qualitäten.(Ich achte auf keinerlei Orthografie) außer in meinen Musik-Texten.

    Allein schon die Endscheidung in welcher Sprache man sich am Markt präsentiert, macht einen Entscheidenden Unterschied. Zumindest wenn man herkunftsbedingt, englisch nicht die Muttersprache ist.
    Die richtige Balance, zwischen eigenem Unternehmerischem handeln und der reinen künstlerischen Arbeit, ist schon das nächste große Übel. Machst Du das was Dein Herz Dir sagt, wirst Du wohl oder übel im endlosen Ozean Musik kaum zu erkennen sein.
    Die Bauchgefühlmasse an Bands und Musikern, verbunden mit dem menschlichen Gehirn, was gefährlich ist, überwiegt seit Jahren sehr brutal. Es bringt Bands in einen letztlich geschmacksfaulen Kompromiss, der Dich aber auch nur in wenigen Fällen erst einmal überhaupt in die Nähe einer etwas kommerzielleren, wirtschaftlichen Machbarkeit stellt erfolgreich zu sein.
    Investitionen an Geld und Zeit, auch nur für ein Zehntel so zu generieren, um ein erneutes Album finanzieren zu können. Ist eine erste, nur grundlegende, durchschnittliche Qualität aus dem Studio erreicht, bleibt den meisten kein Geld über selbst ins Marketing und den Vertrieb zu Investieren.
    Die Selbstvermarktung anzustreben, ist für viele Bands unwissentlich der erste Schritt ins totale Desaster. Ist in deren Musik der kreative, anspruchsvolle, schöpferische Teil um so größer, werden die wirtschaftlichen Bereiche und Herausforderungen als riesige Hindernisse erscheinen.
    Was geschieht in der überwiegenden Zahl derer die sich entscheiden alles selber zu machen?
    Der Kreative Prozess wird leiden, eventuell ganz verloren gehen. Mit Paragraphen des Geschäftes und Marktdynamischen Gegebenheiten Schritt zu halten, ja gar zu verstehen braucht zu viel Energie und Zeit…
    Ist man aber doch bei einem Label gelandet, hindern meist deren, vertraglichen Verpflichtungen, dich wiederum am kreativen Prozess eines ehrlichen Manipulationsfreien Album Nummer 1 oder 2….
    Grade im Major-Labelsektor, hört man deutlich, wer seine neuen Lieder auf Tour erdenken, erschaffen musste… Keine Zeit für, die eigene Familie, um zu Leben, zu weinen, zu lachen. Auch einen echt privaten, neuen Teil des Lebens zu leben und vielleicht darüber zu schreiben. Touren sind so geplant, das es morgen schon wieder vorbei ist mit der Band…Jag sie um die Welt, lass sie auf jeder Hochzeit tanzen.
    Jetzt muss das neue Album noch her, ’’ihr wart ein Jahr auf Tour’’…
    Dann kommen meistens zu erwartende Musik und Texte zu Stande, die nachdem klingen was die Gesellschaft abstrahlt. Keine Zeit, funktionieren, Systemkonformität und Gleichschaltung. Die musikalische, wie menschlich kreative Entwicklung wird auf ein Höchstmaß ausgebremst, weil nur dann die mittleren oder satten Gewinne kommen (denkt man zumindest) wie man sie von einem Mainstream-Medienverdummten Volke von Anfang an kalkuliert hat. Bedenke von 10 Künstlern, oder Bands im Major-Katalog, spielen nur 1 oder 2 schwarze Zahlen ein! Der Rest wird grade so selbstfinanziert oder macht nur Verluste…Der Druck lastet also vor allem auf den beiden 1 und 2.
    Willst Du das sein?

    Denkt an Rosenstolz, deren Rückkehr und das folgende Ergebnis der Trennung völlig klar war. Von Anfang an!
    Wer so viel geleistet hat, in Zahlen Erfolgreich war, hätte eben nicht zu einer Platten-Firma zurückkehren müssen bzw. sollen, deren aus oder unausgesprochenen Vorstellungen zwangsläufig in die Falle führen müssen.
    Geld verdient man nur über Konzerte, plus Drumherum und das kann sehr hart sein! Gesundheit? Scheiß drauf, getreu nach dem euch bekannten Motto…
    melke die Kuh so lange Sie noch Milch hat. Auch wenn man danach nicht viel neues zu verbraten hat.

    These: Wenn ich überdurchschnittlicher Musiker, Texter, Sänger oder Produzent mit ein bisschen Anspruch bin, muss zwangsläufig von Anfang an ein Dich liebendes Team hinter Dir stehen, ohne Erwartungen um diese Talent an das sie glauben zu erhalten, es zu wahren um es wirken zu lassen, damit ein ehrliches Ergebnis da steht. Allein das Herz sollte entscheiden. Jeder Kompromiss ist sonst Selbstbetrug und am Ende auch am Fan oder Konsumenten.
    Die Manipulation steckt in uns selbst, wenn wir bevor wir Musik machen darüber nachdenken, wie wir Sie vertreiben und Vermarkten können. Ich habe meine Texte, meine Musik seit 2005 ohne gänzlichen Einfluss von Medien und Unternehmerischen Endscheidungen gemacht. Das Ergebnis war ein Test von mir, der mir eine Quote von 7,9 Millionen Zuschauern im TV gebracht hat. Das Feedback war groß, Sodas ich wusste ich werde mein eigenes Label Gründen. Es macht Sinn selbst zu veröffentlichen trotz Finanzieller Risiken die aber überschaubar sein sollen, weil ich auch nichts erwarte.
    Das Leben selbst um mich herum, bot mir die Inspiration. Durch Ansprache von zweiten und dritten Menschen, schaute ich ob es einen Weg gibt euch dies anzuvertrauen, zu veröffentlichen und zu welchen Bedingungen am Markt so etwas möglich ist. Mir wurde klar, das alles was von mir folgt, nichts mit Geldverdienen zu tun haben darf. In Dir steckt sonst die Bedrohung von Verlust und Enttäuschung, wenn bestimmte Erwartungen nicht erfüllt werden. Viele Bands daran zerbrechen…

    Die Zahlen die hier im Artikel als Beispiel angeboten werden sind gut nachvollziehbar, liegen aber schon im überdurchschnittlichen Bereich wo die meisten auch sehr gute Musiker sich nicht befinden. Mit viel Glück zahlt Dir als Musiker ein Label, wenn kein eigenes vorhanden 12-20 Prozent…von diesen benannten Zahlen…vor Steuern durch sagen wir mal 6 Köpfige verrückte, die ihren bock noch nicht verloren haben. Vor der noch ganz gut klingenden Abrechnung! Im Grunde hat man nur eine Möglichkeit etwas zu erringen.
    Das erste Album!
    Dieses muss von Herzen sein, ohne Kalkül und Strategie mit marktorientierten Input in Dir. Egal was dann daraus wird, Du hättest es sowie so gemacht. In erster Linie weil Musik für Dich ein Bedürfnis ist. Du Dich über Sie richtig zum Ausdruck bringen kannst wenn Du magst.
    Nicht für jemand anderen und schon gar nicht des Geldes wegen.

    Alles andere ist dann ein gesunder Zugewinn. Aber auch nur vielleicht…

    Euch wünsch ich von Herzen viel Erfolg.

    ’Teil mit mir den Frieden’’

    Leander

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