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Spreeblick-Adventskalender Tag 20: Northern Soul

northernsoul

Northern Soul ist ja mittlerweile zu einer musikalische Gattungsbezeichnung geworden, die in den letzten Jahren für eine ganz erstaunliche Bandbreite von Stilrichtungen vereinnahmt wurde – von Molokko über Duffy bis Kylie Minogue schmückt man sich gerne damit, aber natürlich liegt das auch in der Natur dieser so flexiblen Kategorisierung: früher wurde die Einordnung in diese Musiksparte nicht von den Musikern vorgenommen, sondern von den Rezipienten.

Ob ein Titel „Northern Soul“ war, das legten in der Regel die DJs in den Clubs der Nordhälfte Großbritanniens fest – genommen wurde da, was tanzbar war und gefiel, uns so wussten viele US-amerikanische Musiker überhaupt nicht, dass sie in Wigan, Stoke-on-Trent und Blackpool unter Northern Soul gelistet waren.

Wie sich sowas dann anhörte zeigt diese Version des Klassikers „Cry me a river“ ganz exemplarisch:

Und der poster Mick Love war sogar so nett, wundervolle Videoaufnahmen eines Flusses beizusteuern! Danke, Mick!

Aber das Schöne an dieser Flexibilität ist natürlich, dass man völlig frei in allen möglichen Genres auf die Suche gehen kann, ob da nicht das eine oder andere Stück ins Northern-Portfolio passen kann, sogar beim Schlager.

Heute gibt es deshalb eine B-Seite von Horst Nußbaum alias Jack White, ehemaliger Fußballprofi beim PSV Eindhoven und dann Produzent und Texter (z.B. „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, „Und dabei liebe ich Euch beide“ und „Fußball ist unser Leben“).

1970 versuchte er sich noch als Sänger, und nahm sich „The Snake“ von Al Wilson vor, in der es ganz fabelhaft um Enttäuschung in Beziehungen geht (wer mal reinhören möchte, sollte hier klicken).

Wilson

White (der übrigens damals zusammen mit Roy Black bei Hans Bertram unter Vertrag war – sehr witzig, Hans!) drehte dann aber ordentlich an Text und Strophe und nannte das Ergebnis „Regen Regen Regen“. Naja. Der Ernst des Alltags kommt wieder für uns Zwei. Kann man mögen – muss man nicht.

White

Wenn man sich mit dem Phänomen Northern Soul ganz allgemein weiter beschäftigen möchte, dann ist ein offener, informativer und freundlicher DJ immer eine gute Adresse, ich empfehle da ganz besonders Andy Smith, der auf seiner Homepage eine schöne Auswahl ganz frei zur Verfügung stellt.

Keep on keeping on!

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