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Tempelhofer Feld ohne E-Partizipation?

tempelhof

Es ist immer schade und ärgerlich, wenn eine Plattform zur Bürgerbeteiligung nicht genügend genutzt wird. Da lässt der Senat eine solche Plattform für die Belange rund ums Tempelhofer Feld (das vor nicht allzu langer Zeit noch heftig diskutiert wurde) einrichten, und dann wird sie von kaum jemandem genutzt.

Daraus jedoch zu schließen, es interessiere sich niemand mehr fürs Feld, ist natürlich Unsinn in bester Per-Anhalter-durch-die-Galaxis-Tradition: „Wir hatten die Pläne für die Umgehungsstraße doch ausgelegt, nun beschweren sie sich mal nicht, dass ihr Planet weggesprengt wird.“

Lars Zimmermann ist Mitglied der Berliner CDU und beim Lesen dieser Tweets bilde ich mir ein leicht hämisches Grinsen neben den Worten ein. Es ist sicher nur meine verdorbene Fantasie, doch es würde mich nicht überraschen, hieße es am Ende: „Wir hatten doch diese tolle Beteiligungsplattform, die hat aber keiner genutzt, die Bürgerinnen und Bürger interessieren sich ganz offensichtlich nicht, nun machen wir es eben so, wie wir es für richtig halten.“

Ich selbst lese recht viele lokale Nachrichten online, habe eine Berliner Tageszeitung abonniert und bin viel in der Stadt unterwegs. Das garantiert natürlich nicht, dass ich alles mitbekomme, aber es erhöht die Chance ein wenig. Von der Beteiligungsplattform zum Tempelhofer Feld, die auch erst seit Dezember online ist, habe ich heute aber zum ersten Mal etwas gehört und gelesen, und tatsächlich findet man online so gut wie keine Presseberichte darüber.

Womit auch ein Grund dafür gefunden sein könnte, warum die Plattform bisher kaum genutzt wird: Es kennt sie niemand.

Erik Flügge schreibt dazu in diesem Artikel:

Es ist der fal­sche Ansatz zu glau­ben, dass allein die Möglichkeit seine Meinung Kund zu tun, Menschen zu mobi­li­sie­ren ver­mag. Viel zu sel­ten glau­ben Bürgerinnen und Bürger und ins­be­son­dere Jugendliche daran, dass das, was sie zu sagen haben, auch wirk­lich gehört wird. Darum müs­sen alle Beteiligungsprozesse mit Vertrauensarbeit begin­nen. Dafür trifft man sich in Veranstaltungen, spricht mit­ein­an­der, baut Beziehungen zuein­an­der auf, um dann über die eigent­li­che Sache ins Gespräch zu kom­men. So funk­tio­nie­ren alle erfolg­rei­chen Beteiligungsprozesse und all diese Grundsätze wer­den im Netz ignoriert.

(Als ein Beispiel für ein sehr viel besser funktionierendes Projekt hat mir Erik per Twitter dankenswerterweise diesen Text hier geschickt.)

Es genügt eben nicht, technische Möglichkeiten in Form von Partizipationsplattformen einfach nur zur Verfügung zu stellen und sie dann einsam verrecken zu lassen. Solche Möglichkeiten müssen beworben werden, Menschen müssen aktiv dazu eingeladen werden, der Dialog muss an vielen anderen Stellen auch geführt werden und vor allem muss auf Input reagiert werden.

Aber zumindest Spreeblick-Leserinnen und -Leser wissen ja jetzt Bescheid.

Hier entlang zum Einmischen bitte.

7 Kommentare

  1. 01
    Björn

    Genau richtig. Aber das potentielle Marketing-Budget ist wohl schon damals drauf gegangen als der Senat versuchte das Bürgerbegehren in die gewünschte Richtung zu schieben….

  2. 02
    Micha

    Hier ist n Gedanke: vielleicht sind die meisten auch einfach zufrieden mit dem Status Quo? Man muss ja nicht auf Teufel komm raus immer was veraendern, oder? Den weitaus meisten, die ich kenne, gehts im Sommer zumindest doch vor allem darum, dort ein bisschen Grillen und Bierchen trinken zu koennen.

  3. 03
    parken

    Heute – Berliner Lokalpolitik im Dialog:
    20.1.2015, 18:00, Stralsunder Straße 57 – Infoveranstaltung über die Bauvorhaben am Mauerpark mit Vertretern des Bezirksamtes und den Investoren.

    Hintergrundinfos:
    http://prenzlauerberg-nachrichten.de/politik/_/bezirksamt-mitte-groth-gruppe-mauerpark-171694.html

  4. 04

    Es gab von Anfang an ein Konzept für eine konsultative Beteiligung zum EPP, dass u.a. Tilmann Heuser vorgestellt hat. Neben den zahlreichen offline Veranstaltungen (http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/tempelhofer_feld/de/veranstaltungen/20150122.shtml) soll die Online-Beteiligungsplattform einen weiteren Kanal darstellen, über den sich Bürgerinnen und Bürger (inhaltlich) einbringen können.

    Selbst als die Senatsverwaltung darauf hingewiesen wurde, dass eine Bewerbung (je)des Beteiligungsprozesses essentiell ist, ist nichts passiert. Angeblich gab es kein Budget für Werbung, was sich nun angeblich in den letzten 2 Monaten der (Online) Befragung noch einmal ändern soll.

  5. 05

    PS: @Johnny Haeusler: Und ob Facebook wirklich als Grundlage für (Online) Beteiligungsprozesse empfohlen werden sollte – wie von Erik Flügge (und Kristin Narr) vorgeschlagen (http://www.partizipations-blog.de/2013/08/ein-neues-jugendhaus/) wage ich sehr zu bezweifeln.

  6. 06

    @Rukala: Ich bin kein Experte in diesem Gebiet, meine Frage ist also völlig unzynisch gemeint: Warum nicht Facebook? Ich mag die Plattform auch nicht besonders, aber es sind einfach viele Leute dort, die Facebook auch kaum verlassen und keine Lust haben, sich woanders anzumelden. Das kann man entweder blöd finden oder es als momentane Tatsache nehmen und die Leute dort (Achtung, doofes Marketing-Wort) „abholen“, oder? Wenn die Schwelle dort am niedrigsten ist, sollte man das nutzen. Oder was spricht deiner Meinung nach dagegen?

  7. 07
    Ich

    @Micha: Das glaube ich auch. Ich bin ziemlich oft auf dem Tempelhofer Feld und sehe viele Menschen an den Beeten, beim Drachen steigen lassen, chillen, grillen, Surfen etc. Ausserdem sollte der Senat, oder Teile davon, nach so einem anti-emanzipatorischen Gehabe vor dem Entscheid nicht glauben, die Bürger hätten auf eine „Diskussion“ mit dem Senat noch Bock. Der Erhalt des Feldes ist von dieser Plattform nicht abhängig.

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