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Huch! Rechtsextreme!

Dass mit zweistelligen Ergebnissen für die AfD auch in Deutschland der europaweite Trend zu Erfolgen rechtsextremer Parteien ankommen würde, konnte man vor den Wahlen vom vergangenen Wochenende in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt mindestens ahnen. Jetzt also über die Ergebnisse erschüttert zu sein, ist zwar verständlich, es überrascht mich dennoch. Man muss schließlich seit Jahren von der bloßen Existenz dieser und ähnlicher Parteien erschüttert sein, nicht erst jetzt, wo die Prognosen eingetreten sind.

Vielleicht sind die Wahlergebnisse also das nötige Signal an die demokratischen Parteien, unter denen manche in den letzten Monaten und Wochen einiges völlig falsch interpretiert haben. Denn wer am rechten Rand fischte und dabei hoffte, der AfD Stimmen abnehmen zu können, hat sich gewaltig getäuscht. Huhu, Anti-Merkel-Flügel der CDU! Hallihallo, Frau Wagenknecht!

Nicht das Schmusen mit AfD-Positionen hat anderen Parteien Stimmen gebracht, sondern die klare Haltung dagegen. 31% der Nicht-mehr-CDU-Stimmen sollen in Baden-Württemberg genau deshalb zu den Grünen gegangen sein.

Your milage may vary, of course, denn die Ergebnisse der drei Bundesländer könnten ja unterschiedlicher kaum sein.

Fast die Hälfte der AfD-Stimmen in Sachsen-Anhalt sollen von bisherigen Nichtwählern kommen, immerhin wissen die jetzt also, dass es etwas bringt, wählen zu gehen (davon konnten die anderen Parteien in den letzten Jahren ja kaum noch jemanden überzeugen) und jetzt gilt es, diese Menschen bei der nächsten Wahl erneut zu motivieren, aber diesmal mit Stimmen für zukunftsorientiertere und nicht-rechte Parteien. Dafür braucht es bei diesen aber klare Haltungen und vor allem ein paar Nasen, die diese Haltungen auch erklären, vertreten und kommunizieren können. Dass nämlich die AfD tatsächlich irgendwelche Lösungen hat, das glauben nicht einmal diejenigen, welche die Partei gewählt haben. 93% der AfD-Wähler sind der Meinung, die AfD löse „zwar keine Probleme, nennt die Dinge aber beim Namen“.

Was auch immer das im Detail bedeutet: Etwas theatralisch ausgedrückt wollen viele Menschen das übliche Partei-Gesülze einfach nicht mehr hören, sondern suchen Politik, die ihre Sprache spricht. Dass diese dadurch nicht zwingend rechts oder gar radikal sein muss, hat Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg bewiesen, den seine Wählerinnen und Wähler ebenfalls für klare Haltung und Worte schätzen, ohne dass der Mann dafür in rechte Demagogie abrutschen muss. Wählernähe ungleich Rechtsextremismus. Nämlich.

Und weil ich schon beim unvollständigen Schwadronieren bin: Meine Social-Media-Filterblase war und ist voller Tweets und Postings darüber, wie blöde und bekloppt und furchtbar die AfD und andere Kopfschüttelvorlagen wie Donald Trump sind. So sehr das auch stimmen mag: Wahrscheinlich wäre es ziemlich toll, wenn es mehr Tweets und Posts und Links über diejenigen gäbe, die sich den Arsch aufreißen, um es anders zu machen und die echte und humane Lösungen suchen. Die kennen nämlich zu wenige. Und dann kann sie auch keiner wählen. Aber geben tut es sie doch, oder?

Mehr PR für gute Ideen und Leute, weniger Werbung für Bauernfänger.
Ja, das wäre toll.

15 Kommentare

  1. 01

    Man sollte mal fragen ob man parteipolitisch überhaupt noch in klassische Rechts/Links-Schemata unterteilen kann. Damit will ich nicht sagen, dass es keine linke/rechte Politik mehr gibt, sondern dass die alten Schablonen nicht mehr passen. Was ist denn eigentlich klassisch rechts? Nationalismus? Den findet man inzwischen eigentlich in Flügeln jeder Partei. Rassismus? Er sicher ein Teil dessen was wir als klassisch rechts verorten, aber in meinen Augen nicht das was AfD oder CSU in erste Linie ausmacht. Denn auch die AfD-Wähler sind meines Erachtens mehrheitlich keinen klassischen Rassisten. Denn viele derer die gestern ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben, würden wohl folgende Aussage unterschreiben:

    „Zuwanderung ist gut, insofern der Zuwandernde seinen Beitrag in unserer Gesellschaft leistet.“

    Das ist auch die Kernaussage vieler AfD-Funktionäre, die wiederum deutlich macht, dass es gar nicht so sehr um die Hautfarbe oder Religion geht, als in erster Linie darum wie viel jemand beiträgt bzw. ins Kollektiv einbringt. Und das ist formal eben kein Rassismus sondern Klassismus. Und hier liegt der Hund begraben bzw. der Grund wieso man das Phänomen des Rechtspopulismus in Europa nicht in den Griff bekommt, weil er zu teilen völlig falsch verstanden wird.

    Es gibt ganz sicher auch Ausnahmen, aber viele derer die AfD wählen oder in Dresden im Gleichschritt mit Demagogen marschieren, fühlen sich mit Rassist nicht angesprochen, weil sie es nicht sind, jedenfalls nicht in erster Linie. Sie wollen dass die die finanziell/sozial über ihnen stehen mit ihnen teilen, aber selbst nicht mit denen teilen die wiederum unter ihnen stehen. Im Volksmund nennt man das auch Futterneid. Ich behaupte viele von ihnen würden sich sofort mit einem Syrer verbrüdern, wenn sie das Gefühl hätten, dass er etwas für sie tun kann.

    Long story short: Deutschland hat in erster Linie kein Rassismus-Problem sonder ein Klassismus-Problem. Denn wenn Deutschland nicht gerade vor flüchtenden „Invasoren“ geschützt werden muss, dann vor’m gierigen „Pleite-Griechen“ oder wenn gar nichts anderes mehr zur Hand ist, auch mal vor’m schmarotzenden Hartz4-Empfänger.

    PS: Für mich ist jede Art des Hasses oder der Herabwürdigung von Menschen völlig inakzeptabel, das gilt für rassen-, religions-, geschlechts-, sexualitäts- oder auch klassenbezogenen Hass. Ich versuche hier also nichts schön zu reden. Nur um das unmissverständlich klarzustellen. :)

  2. 02

    >Mehr PR für gute Ideen und Leute, weniger Werbung für Bauernfänger.

    Meine Forderung nach ’nem linken Boulevard-Blatt geht in ’ne ähnliche Richtung, denke ich: http://www.nerdcore.de/2016/03/14/die-afd-ist-nicht-lustig/

  3. 03

    „Denn wer am rechten Rand fischte und dabei hoffte, der AfD Stimmen abnehmen zu können, hat sich gewaltig getäuscht. Huhu, Anti-Merkel-Flügel der CDU! Hallihallo, Frau Wagenknecht!“ Worauf gründen Sie diese Aussage? Bei der Kommunalwahl in Hessen hat die CDU mit -4,8 % mehr verloren als jetzt mit -3,4 % in RLP. Und Hessens CDU koaliert mit den Grünen und ist Merkel-treu bis zum geht nicht mehr. Also ist diese Aussage bloße Spekulation. Wie man es dreht und wendet, aus der Wahl irgendein Votum für Merkels Politik abzuleiten, ist an den Haaren herbeigezogen. Schauen Sie sich doch die Kommentare ausländischer Presse an. Dort wird ganz klar von einem Denkzettel gegen ihre Politik gesprochen. Nur hierzulande flüchtet man sich in Wunschdenken. Wenn man alle kritischen Stimmen ignoriert und sich auch um parteiinterne Kritik nicht schert, die alles andere als rechtspopulistisch ist, sondern einfach nur nach staatsmännischer Raison ruft, ist man kein guter Demokrat. So macht man aber die Radikalen stark, die die besonnenen Positionen besetzen und ihren Müll hinzufügen, worauf schlichtere Gemüter drauf reinfallen. Für mich ist beides keine Alternative. Vielmehr hoffe ich damit, etwas zur Besinnung beizutragen: https://www.openpetition.eu/petition/online/werte-der-aufklaerung-als-europaeische-leitkultur

  4. 04
    Jacobus

    Alles „Erklären“der Integrationspolitik bringt dann nichts,wenn man es wie bei mir mit überzeugten Rassisten zu tun hat. Dann kennt man die Forschung zu Persönlichkeitsunterschieden zwischen den 3 Großrassen hinsichtlich IQ und Big Five. Aber keine Sorge: da nur 25% der Deutschen ein rassistisches Weltbild haben,hat die AFD ihr Potential bereits ausgeschöpft. Und Frau Merkel hat einen großen Sieg errungen,sich als Koalitionskanzlerin für die nächsten Jahre unangreifbar gemacht.

  5. 05

    Vielleicht sollten potenzielle Wähler der AFD einfach mal den Programmentwurf der Rechtskonservativen lesen. Der ist nämlich noch gruseliger als deren Vertreter.

    https://correctiv.org/media/public/a6/8e/a68ed5e4-32a8-4184-8ade-5c19c37ff524/2016_02_23-grundsatzprogrammentwurf.pdf

  6. 06
    Heiko Hucke

    Der rechte Ruck, welcher derzeit durch unser Land bzw.durch Europa geht, vorhersehbarer ging es nicht.
    Die Realität ist doch logisch. Wähle CDU–> die paktieren mit der SPD / FDP / CSU.
    Wähle die SPD –> die paktieren mit …….
    Wähle Grün–> die paktieren…. ectr.
    Was ändert sich den wirklich? Für den kleinen Mann/Frau alles nur zum Nachteil. Die sogenannten Volksparteien denken schon lange nicht mehr an das Volk im Sinne von der Mehrheit.
    Da kommt dann ein popolistischer Spinner, welcher genau das ruft was die Menschen hören wollen, gepaart mit einem Bild der den angeblichen Schuldigen (Ausländer) darstellt und die Masse läuft wie Schafe hinterher.
    1933 hatten wir so etwas schon einmal.
    Das Problem, welches offensichtlicher nicht sein kann, ist das den Menschen nicht zugehört wird und nur Interessen der Finanzwelt wargenommen werden.
    Die Einkommen in Deutschland sind gesunken! Das Rentenniveau, welches ebenfalls herabgesetzt wurde, prophezeit für die Zukunft Altersarmut vom allerfeinsten.
    Die Lohnnebenkosten müssen gesenkt werden ! Richtig! jedoch in einem Atemzug die Merwertsteuer erhöhen bedeutet weniger im Geldbeutel!
    Die Mehrheit der Menschen verdiehnt in diesem Land um die 1800 Euro Brutto! davon zahlt der Ledige ohne Kind 3.215,64 Euro im Jahr an Steuern und Soli. Senken wir doch mal die Steuer um 3% !
    Das ergibt 8,039 Euro weniger Last für den kleinen Mann. Nichts wie hin und einen Anlageberater gesucht!
    Das geht aber auch nicht mehr. Denn die Enteignung durch die EZB ist im vollen Gange. Leitzins auf Null, idealerweise noch Negativzinnsen. Hura es lebe der moderne Feudalismus
    Da wundert sich die Politik das die Menschen diesen Wahnsinn nicht folgen und zu jemanden rennen der eine andere Richtung vozugeben scheint? Was die AFD jedoch wirklich vorhat spottet doch jeder Beschreibung. Pflichtversicherung abschaffen, Frauen an den Herd , ectr.
    Das jetzt Politiker ihre Felle schwimmen sehen zeigt das Beispiel Gabriel!
    Gegen die Empfehlung durch das Kartellamt genehmige ich die Fussion durch Edeka und Tengelmann. In welchem Aufsichtsrat wird der Herr wohl sitzen wenn er abgewählt wird? Die Zeit wird es uns zeigen und hat es bereits getan. Ex-Kanzler Schröder!
    Ich glaube das die Politik neue Wege gehen muss. Interessen von allen zu vertreten ist der Grundgedanke gewesen, welcher jedoch vergessen wurde.
    Jedoch gibt es nach meiner Auffassung einen wesentlichen Hinderungsgrund ! Die Spezies Mensch ist gierig. Es wird nie genug sein!
    Und der Grund weshalb ich nicht Politiker werde, ist die Angst selbst in dieses Fahrwasser zu geraten!
    Allen Menschen Recht getan ist eine Kunst die Niemand kann. Aber Demokratie bedeutet Mehrheitsentscheidung. Selbst diese kann man in diesem Land in die Tüte stecken.
    Theoretisch können die Grünen , welche bei der Wahl stärkste Fraktion im Landtag Baden Würtenberg sind durch Koalitionen in die Opposition gezwungen werden. Ist da nicht etwas falsch im System? — > Berufspolitiker !?!?!? Sicherer Arbeitsplatz ???
    WIR SCHAFFEN DAS !
    PS: Ich hoffe jedoch das dieser Satz, welchen ich gerade etwas missbraucht habe, am Ende der Richtige war, denn obwohl die Politik von Frau Merkel nicht zwingend meinen Vorstellungen entspricht, hat die Dame das erste mal Rückrat bewiesen.

  7. 07
  8. 08
    m

    Ich für meinen Teil kann die Wahl im September gar nicht abwarten. AH, _das_ wird gut. Haha. Yes!

    Dabei gehe ich nicht mal wählen aber es wird mir _so_ eine Genugtuung sein zu sehen, wie de AFD den anderen verkrusteten, realitätsfernen, vor allem linken Spinnern in die Vagina tritt! Eier gibt es ja dort schon gar nicht mehr. Bei den Grünen stehen Eier sogar mit einem Bein in der Illegalität.

    Wie dem auch sei — ich stelle schon mal den Sekt kalt und die Taschentücher für die Elefantenrunde voll mit dummen, bedröppelten und „besorgten“ Arschgesichtern.

    Und Johnnys nächsten Blogpost wie — huch — schlümm doch alles ist!!111!!1

    MAKE THE WEST GREAT AGAIN!

  9. 09

    @m: „Make the west great again“. Kann ich mir das so vorstellen?

    https://www.youtube.com/watch?v=N5I0SLhQgm0

  10. 10
    m

    @Johnny Haeusler: Du magst Dir vorstellen, was immer Du möchtest aber so wie die Dinge stehen, bleibt Dir und Deiner alternden Bewegung nichts anderes übrig als zuzusehen.

    Ich war ein Linker für die längste Zeit meines Lebens. Aber ich mag mein Land. Ich mag meine liberale Kultur. Ich mag, was was wir für uns geschaffen haben. Ich bin nicht bereit das alles aufzugeben und meine Freiheit auszuhändigen an eine Horde Menschen, die all das, was mir lieb und teuer ist mit Füssen treten würde wenn sie es könnte. Und sie kann es, wenn sie eine kritische Menge erreicht. Wir alle haben Silvester einen Ausblick darauf gehabt.

    Du kannst Dich gerne niederwerfen und Dich selbst im white guilt üben aber ich werde das nicht tun. Frag nur nicht nach Hilfe, wenn es so weit ist.

    Oh, und falls Du ein Video möchtest, hier ist eines:

  11. 11
    flubutjan

    „Es fehlt die Liebe.“ (Imre Kertész)

  12. 12

    @m: Nee, danke, solche Videos brauche ich nicht.

    Ich gehöre keiner Bewegung an, ich schätze, du denkst dir da was zurecht, was meine Person angeht. Und ich bin genauso froh wie du über die Demokratie und Liberalität des Landes, in dem wir zufällig geboren wurden. Im Gegensatz zu dir glaube ich aber an die Kraft dieser Grundlagen und sorge mich daher nicht halb so sehr wie du.

    Und vor allem frage ich mich: Was möchtest du denn genau tun, um deine Kultur zu „schützen“ und dich nicht „niederzuwerfen“? Grenzen dicht? Schießbefehl? In den Krieg ziehen? Werd doch mal konkret, das ist doch alles Geschwurbel von „Horden“ und „mit Füßen treten“. Und merkst du nicht, dass du dich radikalisierst und damit genau das passiert, was du verhindern willst?

    Aber danke für den Hinweis, dass du mir nicht helfen würdest.
    Noch ein Unterschied.

  13. 13
    Robin

    Ach Gottchen, vollste Zustimmung, Herr Haeusler. Die letzten beiden Absätze sind wohl das intelligenteste, was ich bisher zum Thema gelesen habe.

  14. 14
    Robin

    @m:
    „Ich bin nicht bereit das alles aufzugeben und meine Freiheit auszuhändigen an eine Horde Menschen, die all das, was mir lieb und teuer ist mit Füssen treten würde wenn sie es könnte.“ – ich schlage vor auf eine Pegida-Gegendemonstration zu gehen.

  15. 15

    Das ist wie mit den Menschen, die erst sehr spät zu Arzt gehen obwohl sie schon lange ahnen, dass was nicht in Ordnung ist. Weitverbreitetes Phänomen. Leider.

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