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One more time: Du bist Deutschland

Das folgende Foto mit dem Untertitel „Um 1935: NS-Kundgebung auf dem Ludwigsplatz“ scheint aus einem Buch namens „Ludwigshafen im 20. Jahrhundert“ zu stammen. Ich habe es per Mail von Jan W. bekommen, der allerdings auf meine Rückfrage nach der Quelle noch nicht geantwortet hat.

Es ist also möglich, dass das Bild eine Photoshop-Arbeit ist. Es kann aber auch echt sein. Und wenn es das ist, könnte die Debatte um die „Du bist Deutschland“-Kampagne um eine Facette reicher sein.

Hat jemand das Ludwigshafen-Buch oder dieses Foto schon einmal an anderer Stelle gesehen um zu verifizieren, dass es unbearbeitet ist?

du bist deutschland

Update um 22:29h:

Das Bild ist definitiv keine Photoshop-Arbeit, sondern genau so wie hier dargestellt in dem Buch „Ludwigshafen – Ein Jahrhundert in Bildern“ zu finden (Dank an Andreas und Thomas für die Recherche!).

Eine unschöne und auch peinliche Parallele. Die halte ich persönlich zwar nicht gerade für lapidar, finde aber auch, dass man auf dem Teppich bleiben sollte und dass allein die Veröffentlichung in diversen Foren und Blogs schon dazu reichen sollte, um mal wieder über die verschwindenden Grenzen zwischen Propaganda und Marketing nachzudenken. Was ich von der Kampagne im Allgemeinen halte habe ich ja schon ausführlich zum Besten gegeben, sie wegen dieses Fotos jedoch in eine Nazi-Ecke zu stellen, wäre dumm und gefährlich.

Völlig unabhängig von dem Foto darf man aber auch feststellen: das Bild erschien bereits am 17.11. in diversen Foren, kurz danach auf Antifa-Seiten und bei indymedia. So richtig mitbekommen haben das dort aber scheinbar nur wenige. Dann ging das Foto gestern und heute per Mail an mich und einige andere Blogs, z.B. auch an den Werbeblogger. Und nun brodelt es in der Blogosphäre bis zu einem der Handelsblatt-Blogs. Sicherlich ein Zeichen für die weiter steigende Popularität von Blogs, was zwar prima ist, aber zumindest für mich auch ein Zeichen dafür, wie schnell die Blogosphäre zu instrumentalisieren sein könnte – egal von welcher „Seite“. Die Mechanismen scheinen, und das ärgert mich, zu leicht durchschaubar zu sein.

Ich persönlich würde mich über sehr viele weitere Meinungen in vielen anderen Blogs zu der Kampagne und dem Foto ebenso freuen wie über etwas Distanz zu dem, was hier gerade passiert. Es ist leicht hämisch zu sein, es ist nicht ganz so leicht einen eigenen Standpunkt zu vertreten und sich die Zeit und Mühe zu machen diesen fundiert darzustellen.

Einen viel besseren Artikel zum Thema als diesen hier findet man bei Glück auf!, denn Andreas hat sich die Mühe gemacht und versucht, die damaligen Zusammenhänge zu recherchieren. Genau das ist es, was Blogs in solchen Fällen eben auch leisten können, schneller als andere Medien. Für Sensationsgeilheit gibt es die BILD-Zeitung.

493 Kommentare

  1. 01
    sick_mind

    Hallo liebe Blogger und Blogleser,

    obwohl nunmehr viel gesagt wurde zu den Themen Nationalismus, Nationalstolz und Nationalbewusstsein, habe ich eine simple (aber nicht einfache) Frage:

    Kann es überhaupt richtig sein, auf etwas stolz zu sein, das man nicht selbst erreicht oder an dessen Existenz man nicht maßgeblich beteiligt war/ist?

    Für mich nehme ich die Antwort vorweg: Ich lehne JEDE Form des Nationalstolzes als überaus gefährlich und schon im Ansatz abgrenzend ab. Allenfalls kann ich auf den Zusammenhalt und die Hilfe innerhalb einer KLEINEN Gemeinschaft (Familie, Freunde, Kollegen) stolz sein, die ich unmittelbar beeinflusse und in der ich die zugrunde liegenden Motive erkennen und bewerten kann.

    Daher ist Stolz ob Staatsbürgerschaft/konfessionell-religiöser oder parteilicher Zugehörigkeit für mich niemals richtig oder vertretbar => denn hier liegt kein persönlicher Verdienst zugrunde.

    „Patriotismus ist die Tugend der Boshaften“ – Oscar Wilde

    Grüße,
    sick_mind

  2. 02
    Timo F.

    Hallo!!! Meiner Meinung nach kann das Bild nur eine Fotomontage sein, denn zu Zeiten Hitlers wurde der Name Deutschland nicht als Propagandabegriff verwendet. Man sprach vom „Deutschen Reich“ und deshalb bin ich der Auffassung, dass es sich um eine geschmacklose Inszenierung handelt.
    Timo F.

  3. 03

    Die »Fraktur« ist handgeschrieben, das ist klar, aber was mich stört ist die völlig falsche Verwendung des runden »s«. In gebrochenen Schriften wird das runde »s« nur an Wort- und Silbenenden verwendet, das ist weder beim Wort »bist« der Fall noch bei »Deutschland«. Es müsste also zweimal langes »s« geschrieben werden, allein schon daher finde ich dieses Plakat extrem fragwürdig.

    Ich bin übrigens Typograf.

  4. 04

    Soso, Herr Typograf ;-)

    Kuck mal nach oben, das ist alles schon diskutiert worden.

    (Is aber auch unübersichtlich hier, ohne Threading und so).

  5. 05
    sinn

    im weitesten sinne.ich bin 17. ich weiß nicht was ich sage. und ich hab noch nichtmal abitur. ich lebe in deutschland. ich bin nicht arm und auch nicht reich. mir geht es eigentlich gut. wenn ich mich umschaue, dann weiß ich, dass es mir gut geht. ich werde das alles nicht aufgeben. aber ich will alles richtig machen. ich will richtig denken. ich will helfen. doch wird die welt dadurch besser? wer bin ich? wie kann ich es schaffen zu helfen? wie denke ich richtig? und ich bin immer noch mensch

  6. 06

    Das ist absolut krank. Da hat man doch keine Lust mehr Deutschland zu sein.

  7. 07

    Als Ludwigshafner finde ich das ziemlich lustig über meinen Wohnort zu lesen, was der Hilter wieder für Aktionen vollzogen hat :D

  8. 08

    Ohje, da sucht man als Ludwigshafener nach Lufwigshafener Geschichte im Internet und findet sowas. Ich scheine wirklich hinterm Berg zu wohnen, dass das an mir vorbeigegangen ist und ich ERST JETZT darauf stoße. Recht heftig möcht ich meinen.

  9. 09

    Dieser Aufschrei zeigt wieder einmal, wie wenig sich die Leute um den Unterschied zwischen Nationalismus und Patriotismus scheren. Das eigene Land zu achten und zu mögen muss noch lange nicht bedeuten, andere zu hassen.
    Dass man das Thema sensibel angehen muss, ist verständlich. Aber es wäre an der Zeit, dass sich die Deutschen nicht mehr für Fehler schämen, die begangen wurden, als viele von ihnen noch gar nicht lebten, von Menschen, von denen jetzt nur noch wenige leben. Vergessen sollte man die Sache niemals, denn es war ein schreckliches Kapitel. Aber sehr viele übertreiben einfach nur noch.

  10. 10

    OK, let’s begin. The photography shows a original capture, originally, the banner below is right, but the Hitler poster above is faked in !

  11. 11

    Also ich find die neue Kampagne zu mehr Kinderfreundlichkeit echt wichtig und super! Mal sehen wie die sich entwickelt!

  12. 12
    Martin

    Hallo vorangegangener Kommentator: Soweit ja schön, wenn deine Meinung, nur bitte benutzet die Vokabel *lapidar* doch bloß nicht immer in der falschen semantischen Bedeutung!
    Sie bedeutet, abgeleitet vom lateinischen *lapis* : steinern, ehern, felsenfest, und nicht etwa LÄPPISCH!

  13. 13

    Dieser Adolf H. aus B. verfolgt uns wohl dauerhaft. Schade, dass er das Bild Deutschlands dauerhaft geprägt hat und damit das Foto wahr werden lässt…

  14. 14

    Das wurde doch schon wahrlich oft als Thema
    immerzu benannt. http://www.spreeblick.com/?s=Nazi
    Was ist die Folge aus und von derlei Hinweisen?

    27.09.2009 !

    Bitte, geht zur Bundestagswahl und gebt Eure Stimme ab.

    Mal schauen

  15. 15
    Alex

    Habe’s schon auch in mehreren Blogs gesehen“¦

  16. 16

    Glaube nicht das es echt ist. Sieht eher nach einer Fotomontage aus.
    Schone Grüße aus der Wildschönau in Tirol Österreich

  17. 17

    Was ist eigentlich aus „Du bist Deutschland“ geworden? Sind die jetzt alle Deutschland oder will niemand mehr Deutschland sein?

  18. 18

    Ohje, da sucht man als Ludwigshafener nach Lufwigshafener Geschichte im Internet und findet sowas. Ich scheine wirklich hinterm Berg zu wohnen, dass das an mir vorbeigegangen ist und ich ERST JETZT darauf stoße. Recht heftig möcht ich meinen.

  19. 19

    Was ist eigentlich aus “Du bist Deutschland” geworden? Sind die jetzt alle Deutschland oder will niemand mehr Deutschland sein?

  20. 20

    Wohl nicht viel – ich glaub langsam hat keiner mehr Bock Deutschland zu sein ;-)

  21. 21

    begangen wurden, als viele von ihnen noch gar nicht lebten, von Menschen, von denen jetzt nur noch wenige leben.

  22. 22

    begangen wurden, als viele von ihnen noch gar nicht lebten, von Menschen, von denen jetzt nur noch wenige leben.

  23. 23

    I like this articles streamay

  24. 24

    OK, let’s begin. The photography shows a original capture, originally, the banner below is right,

  25. 25

    Dieser Adolf H. aus B. verfolgt uns wohl dauerhaft. Schade, dass er das Bild Deutschlands dauerhaft

  26. 26

    Was ist eigentlich aus “Du bist Deutschland” geworden? Sind die jetzt alle Deutschland oder will niemand mehr Deutschland sein?

  27. 27

    Hallo vorangegangener Kommentator: Soweit ja schön, wenn deine Meinung, nur bitte benutzet die Vokabel *lapidar* doch bloß nicht immer in der falschen semantischen Bedeutung!

  28. 28

    Der direkte Vergleich mit den Nazis ist aber doppelt irreführend. Es unterstellt den Machern der Kampagne politsche Ansichten, die sie mit großer Sicherheit nicht haben, und führt die Diskussion auf eine unsachliche Ebene. Er verstellt aber auch den Blick auf die Schädlichkeit solcher Kampagnen im heutigen Deutschland, das, man kann es nicht oft genug sagen, ganz anders ist. Kann man, wenn etwas garantiert nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun hat, immer gleich aufatmen und sagen, na Gott sei Dank, dann ist es ja in Ordnung? Es gilt viele Möglichkeiten, ein Land (oder eine Region oder die Welt, um mal vom Nationalstaat wegzudenken) so zu gestalten, dass viele dort nicht vernünftig oder gar nicht leben wollen/können, der Nationalsozialismus war eine davon, wenn auch die schlimmste mir bekannte. Zum Abschluss: Vergleiche mit dem Nationalsozialismus verbieten sich nicht, sind aber nur nützlich, so lange sie erhellend sind. Die Fragen, die man an “Du-bist-Deutschland” richten sollte, lauten nicht: Nazi ja oder nein, sondern: schädlich oder nützlich, hohl oder gefüllt, wichtig oder unwichtig.

  29. 29

    Nationalsozialismus war eine davon, wenn auch die schlimmste mir bekannte. Zum Abschluss: Vergleiche mit dem Nationalsozialismus verbieten sich nicht, sind aber nur nützlich, so lange sie erhellend sind. Die Fragen, die man an “Du-bist-Deutschland” richten sollte, lauten nicht: Nazi ja oder nein, sondern: schädlich oder nützlich, hohl oder gefüllt, wichtig oder unwichtig.

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