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Gegen die neuen Konservativen

Sie hatten es leicht in den vergangenen Jahren, die neuen Konservativen. Menschen wie Peter Hahne, Kai Diekmann, Henryk M. Broder, Udo Di Fabio und auch die Hetzer von Politically Incorrect ritten auf der Angstwelle in der Zeit nach dem 11. September 2001 obenauf. Jetzt aber wandelt sich der Zeitgeist, die Menschen haben keine Lust mehr, sich Angst einreden zu lassen. Robert Misik, Journalist und Blogger (und Twitterer), hat das Buch zur Zeitenwende geschrieben.

Politik der Paranoia heißt das Werk, in dem er das Wahngebäude der neuen Konservativen einreißt.

Der totale Werteverfall wird beklagt, oft aber nur ein paar Sätze weiter in Richtung muslimischer Einwanderercommunities herrisch eingefordert, „sie“ müssten sich zu „unseren“ Werten bekennen.

(…)

Das Emanzipationsbestreben der Frauen wird als Ausweis des Werteverfalls gesehen, aber die Gleichberechtigung der Frau wird als einer jener Werte angepriesen, den Einwanderer aus patriarchaleren Kulturen unbedingt akzeptieren müssen.

Willkommen in der Gedankenwelt der Talkshow-Gäste, Großpublizisten und kleinkarierten Internetarschlöcher.
Wozu nach den Regeln der Logik handeln, wenn man die Angst als Verbündeten hat und die Werte an seiner Seite weiß?

Die Werte, die Werte: die christlichen Werte, die bürgerlichen Werte, die Leitkultur-Werte.
Die Werte von Eva Herman, Ratzinger (der gerade einen Holocaust-Leugner in den Schoß der Kirche zurückgeholt hat) oder Diekmann. Drei große Vorbilder der Menschheit.

Seit dem elften September warte ich drauf, dass endlich jemand sagt, was Misik schreibt:

Dabei ist natürlich die Linke in Wahrheit jene Kraft, deren Politik, deren Set an Überzeugungen auf Werten basiert.

Dieses Buch macht mich sehr froh.
Sie hatten es sehr leicht, die neuen Konservativen, mit ihren kurzen Gedankengängen (eben erst bin ich auf Twitter dem Vorzeige-Mönch Bruder Paulus über den Weg gelaufen, der nochmal kurz darauf hinweisen musste, dass Gott die Menschen als Mann und Frau geschaffen hat).

Aber die Evolution beweist: Komplexität setzt sich durch. Gott bleibt tot im Darwin-Jahr.

78 Kommentare

  1. 01

    Sobald jemand in einer Diskussion mit einer Textstelle aus der Bibel argumentiert, so wie BruderPaulus, kann man die Diskussion getrost beenden. An dem Punkt kann man sich sicher sein, dass das Gegenüber nicht die Kompetenz hat, alle Positionen kritisch abzuwägen.

    Wenn sich „žneue Konservative“, wie z.B. in der Jauchegrube von PI, sich ständig auf Werte berufen und damit indirekt imaginäre „žchristliche Werte“ meinen, dann“¦ *benutze Kopf mit Schreibtisch*

    Ganz abgesehen davon, dass ein Vergleich zwischen „žislamischen“ und „žchristlichen“ Werten ungefähr so sinnvoll ist wie der Vergleich, ob Windows98 oder WindowsME das perfekte Betriebsystem ist.

  2. 02

    Man muss sich doch nur unsere Gesellschaft anschauen um zu erkennen das Werte wieder höher im Kurs stehen. Es ist dabei unerheblich wovon einige ewiggestrige Konservative träumen (Leitkultur etc.) sondern letztendlich zählt nur die Einstellung der Gesellschaft zu traditionellen Werten wie Familie, Ehe aber auch den klassischen Tugenden wie Pünktlichkeit, Treue, Verantwortung oder (christlicher) Moral.

    Neben diesen gesellschaftlichen Wandel gibt es aber auch den politischen Wandel in Europa. Konservative Politiker und Parteien stehen im Vergleich zur heillos zerstrittenen und zersplitterten politischen Linken stark da und können auf die Unterstützung liberaler Parteien zählen.

    Ein Buch welches die Realität verkennt…? Denn diese „Zeitenwende“ sehe ich nicht sondern eher die gesellschaftliche Rückkehr Konservativen, da die Bürger in Zeiten der Krise kein Interesse an politischen und gesellschaftlichen Experimenten hat.

  3. 03

    Wieso wird denn Udo Di Fabio in einer Reihe mit Leuten wie Diekmann, Broder und sogar PI genannt, die auf einer „Angstwelle“ reiten? Tut man dem Mann da nicht etwas unrecht?

    Bisher hatte ich das Bundesverfassungsgericht unter Di Fabio eher als Institution in Erinnerung, welche noch am ehesten und verlässlichsten die Bürger vor zu viel Eingriffe in die Grundrechte schützt. Schäuble ist doch eher sauer auf das BVG und Di Fabio.

    Und was ich bei Wikipedia und bei Amazon über Di Fabios Buch lese, klingt ja nun auch nicht so, dass man das nicht auch als Meinung gelten lassen könnte. Zumindest kann ich keine Angstwelle finden.

  4. 04

    dabei gibt es doch so vernünftige, religiös motivierte diskutanten. den hier zum beispiel: http://www.youtube.com/watch?v=4xEhRdUQHOk
    bei dem ist jedes video eine kritische auseinandersetzung mit ihm, seinem glauben und den menschen, die nicht an das glauben, was er glaubt.

    aber mal im ernst: das steuert wieder auf eine religionsbashing diskussion zu und so anstrengend die auch sein mögen: nirgends als hier findet man christen mit denen man angeregt über ihren glauben diskutieren kann. ich bin in der frage ja immernoch unentschossen und halte mich deswegen raus.

    aber das buch gegen die konservativen flachzangen, das werde ich mir gerne einmal durchlesen.

  5. 05

    Warum hier Eva Hermann, wenn auch am Rande, thematisiert wird, keine Ahnung. Aber ich glaubte, dass die Hetze, mehr war es nicht, gegen sie nur bei Menschen mit einem geringen IQ Anklang finden würde.

    Und nein, ich bin kein Freund dieser Frau, aber ein Freund der Wahrheit.

    Zum Thema: Ich halte es für wichtig die „Werte“ der Christen und unserer Gesellschaft in Frage zu stellen.

  6. 06

    @xephir
    Ich hab das bezgl. Eva Herman aber andersrum in Erinnerung. :)

  7. 07

    @Sukram71: Mag sein. Ich fand sie war einfach ein perfektes Opfer für die Klatschpresse und die erbrämlichen TV-Shows aus Deutschland.

    Irgendwo war alles aus dem Zusammenhang gerissen und in ein falsches Licht gerückt worden. (meine Meinung)

  8. 08
    Alberto Green

    @Toni: Ja aber dann kommen die Mac-User und stellen dich mit Holocaustleugnern, Eva Hermann und Bruder Paulus auf eine Stufe fragen einen, warum man überhaupt windows benutzt.

  9. 09

    Hätten die Blattläuse einen Gott, ich würde an ihn glauben.

  10. 10
    dralles

    Welch bewunderswerte Euphorie obamaesken Ausmasses.

    Angesichts der Präferenzen der Wahlergruppen, mit denen in diesem Land Mehrheiten gewonnen werden können, darf aber eher davon ausgegangen werden, dass das Vordringens des Neokonservatismus nicht nur durch schlaue Bücher kaum behindert werden wird. Die liberalen Standpunkte bildungsnaher 70plus Geborener spielen nämlich in der praktischen Politik höchstens bei der Bildung rethorischer Feigenblätter eine Rolle. Wenn überhaupt.

  11. 11

    @Der Brüsseler:

    fangen wir doch einmal der einfachheit halber mit dem wert familie an:
    was bedeutet es, wenn man als konservativer diesen wert betont?
    dass linke nicht gerne in zweierbeziehungen leben?
    ich sehe gerade die mafia-serie „the sopranos“. dort hält man den wert der familie hoch. was bedeutet: auch wenn die frau geschlagen und betrogen wird, wenn man sie würgt und verachtet und klein hält – will sie sich scheiden lassen, erklärt ihr der priester (denn natürlich ist die mafia zutiefst katholisch), dass das nicht gehe, wegen des versprechens vor gott.
    auf der linken seite des spektrums versucht man dagegen, das zusammenleben mit wert zu füllen. und wenn man scheitert, dann trennt man sich. nicht, weil man den wert des zusammenlebens nicht schätzt, sondern gerade, WEIL man ihn schätzt.

  12. 12
    Tichy

    „auf der linken seite des spektrums versucht man dagegen, das zusammenleben mit wert zu füllen.“
    Das ist jetzt nicht wirklich Dein Ernst?

  13. 13

    @Tichy:

    es ist mir ernst wie mir etwas nur ernst sein kann

  14. 14

    Konserative — ob jung oder alt — fühlen sich wohl in den Umständen in denen Sie leben. Sie sind immer auch Profiteure der bestehenden Ordnung und deshalb ruft jede auch noch so kleine Änderung ihr Mißtrauen und ihren (publizistischen) Widerstand hervor. Sie haben in der Regel viel zu verlieren.

    Konserative sind immer in der Minderheit. Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hin gewiesen das selbst die CDU keine explizit konserative Partei ist, sondern eher eine Art bürgerliche „žEinheitspartei“ darstellt in der verschiedene Strömungen Raum haben. „žVolkstümlich“ waren Konserative nie, wollten es auch nie sein.

    Als Reaktion auf die Umwälzungen der Aufklärung war diese Strömung wohl unvermeidlich. Problematisch wird sie dadurch, das die überwiegende Mehrheit der Menschen von Veränderung profitiert . Es muß eben anders werden wenn es besser werden soll (Lichtenberg). Der Konserative stellt sich dem „žbesser werden“ in den Weg . „žNicht übertreiben — abwarten — erst mal sehen ob es wirklich so schlimm kommt“ – das ist das Mantra der Konserativen.

    Da sie zur Zeit versuchen, mit diesen „žWertvorstellungen“, der wirtschaftlichen Krise Herr zu werden besteht aber Aussicht, das die Untauglichkeit ihrer Rezepte einem breiten Publikum offenbar wird. Gut möglich und auch wünschenswert das den Konserativismus schon in Kürze das Schicksal ereilt das sein alter Gegner, der dogmatische Kommunismus bereits 1989 erlitt.

  15. 15

    Es steht außer Frage, dass die Schmierfinken von PI Rassisten sind und fernab des Wertekanons argumentieren, auf denen meine Überzeugungen fußen.

    Was aber an den christlichen Werten (und ich meine damit nicht die kleinlichen Glaubensregeln der katholischen Kirche) nicht erstrebenswert sein soll, erschließt sich mir nicht. Sind es nicht grade jene Werte wie Familie, die in den letzten Jahren an Zustimmung gewonnen haben – und zwar in ihrem christlichen Verständnis und nicht in ihrem Linken? Ich jedenfalls kann beim besten Willen weder einen Verfall des Konservativismus noch eine pauschale moralische Überlegenheit des linken Parteienspektrums feststellen.

  16. 16

    @Thomas:

    kannst du mir denn erklären, was dieser satz bedeuten soll?
    „Sind es nicht grade jene Werte wie Familie, die in den letzten Jahren an Zustimmung gewonnen haben – und zwar in ihrem christlichen Verständnis und nicht in ihrem Linken?“

    formulier doch mal bitte diesen wert aus, so verstehe ich es nämlich nicht.

  17. 17

    @Malte Welding: Mal überspitzt gesagt: „Die Konservativen schlagen alle ihre Frauen“ wäre eine genauso überzogene Aussage wie „Die Linken sind alle familienfeindlich“.

    Ist es nicht vielmehr so, dass über das gesamte politische Spektrum hinweg Menschen versuchen, ernsthaft in verbindlichen Beziehungen zu leben, und auf der anderen Seite Menschen versuchen, ihr eigenen egoistischen Ziele gegen andere durchzusetzen, auch in der eigenen Familie? Letztendlich sind nur die Begründungen anders gewählt.

    @nilz: Ich verbuche das mal als Kompliment :-)

  18. 18
    Tichy

    @#Malte Welding (13): Ich habe es befürchtet. Du machst es Dir meiner Meinung nach sehr (zu) einfach. Oder Du definierst „links“, „rechts“, „konservativ“, „progressiv“ so, wie Du es zur Identitätsstiftung benötigst. So holzschnittartig, wie Du vorgehst, könnte man dem „linken Spektrum“ auch Angst vor Verantwortung, Substanzlosigkeit und Egozentrismus vorwerfen. Wäre natürlich blödsinnig. Aber immer noch harmloser, als seine Vorstellung von angeblich konversativen Familienwerten aus Mafiafernsehserien zu beziehen.
    @Christian: So wird ein Schuh draus! :)

  19. 19

    @Malte Welding: Damit wollte ich den Wert Familie etwas von deiner Interpretation als „Liebe des Zusammenlebens“ abgrenzen. Die Mehrheit der Bevölkerung dürfte – gefragt nach dem Wert Familie – ein größeres Bild haben, als das einer Lebensgemeinschaft. Intuitiv ist damit schön etwas verbunden, was sich eben nicht so einfach trennen lässt.

    Aber darauf kams mir auch nicht hauptsächlich an. Ich wollte von dir lieber ausgeführt haben, worauf du deine moralische Überlegenheit des linken Spektrums begründest. Ist nicht das Gegenteil dessen, was du über Werte gesagt hast, ebenso begründbar? Das soll nicht heißen, dass ich gegensätzlicher Meinung bin – aber ich bin nicht überzeugt von der Allgemeingültigkeit deiner Aussagen.

  20. 20

    @Tichy:

    ob man sich nun als konservativ, progressiv oder was auch immer bezeichnet: die allermeisten menschen suchen ihr glück in zweierbeziehungen.
    werte kommen erst dann ins spiel, wenn es probleme gibt – vorher ist alles heitere natur.
    und da kann ich in der bibel nichts finden, was erklärungsansätze bieten würde. soll ich von vorherein davon ausgehen, dass die frau weniger wert ist, wie es mir das alte testament nahelegt? oder soll ich, wenn ich einen unkeuschen gedanken habe, mir das auge herausreissen?
    im grunde ist es doch so: zu allem, was tatsächlich von belang ist, schweigt die bibel in aller ausführlichkeit.

  21. 21

    @Thomas:

    Das Problem mit christlichen Werten ist folgendes: Sie sind nicht christlich. Die meisten verstehen darunter Werte, die in Wirklichkeit eine vielfältige soziale Evolution durchlaufen haben. Sie sind keineswegs christlich begründet. Vielmehr hat die Kirche schon immer versucht, die Deutungshoheit über Werte an sich zu nehmen. Werte sind aber nicht göttlich inspiriert, sondern von Menschen gemacht.

    Sie als „žchristlich“ zu etikettieren hat Nachteile: Man entwürdigt erstmal die Menschen, die wichtige Ethikvorstellungen geprägt haben. Aber viel gravierender: Man entbindet sie vor Kritik, indem man ihnen eine „žgöttliche Qualität“ zuspricht. Ethik sollte immer kritisierbar, diskutierbar und damit für Verbesserungen offen sein. Wenn z.B. in der Debatte um Stammzellenforschung und Sterbehilfe ein unkritischer „žheiliger Wert des Lebens“ behauptet wird, lenkt das von den eigentlichen Argumenten und Problemen ab.

    Beim nächsten Beispiel „žFamilie“ schützt das christliche Label davor, sich kritische Gedanken darüber zu machen, was den Wert „žFamilie“ ausmacht. Er wird irgendwie einfach als positiv angenommen, ohne genau zu differenzieren, was daran positiv und was vielleicht weniger positiv ist.

  22. 22

    Diese „neuen“ Konservativen sind gar nicht das Problem. Das Problem sind u.a. die alten monoteistischen Religionen und wie sie heute, im Jahr 2009, noch immer ausgelegt werden. Jeder zweite Krieg hat religiöse Gründe. Irak, Afghanistan… Darüber sollte man mal nachdenken. Eva Hermann mit jemandem wie den Papst gleichzusetzen ist schon starker Tobak. Jemand, der millionenfaches Elend in Afrika zu verantworten hat, weil er sich wehement gegen Verhütung ausspricht, mit einer im 18. Jahrhundert stehengebliebenen Ex-Moderatorin in eine Reihe zu setzen… naja.

    Christliche Werte sind in der Regel deckungsgleich mit humanistischen Werten, also so schlimm sind die ja nun auch nicht.

    Und die Linken? Naja, viele denken da auch wie vorgestern. Ich will jetzt gar nicht auf Hetze gegen Banker und Großkapitalisten eingehen. Das ermüdet mich schon lange. Aber wenn man sich anschaut, daß Cuba immernoch als Hochburg der Menschlichkeit gepriesen wird und die linke Position zum Nahost-Konflikt sehr. Viele Linke scheinen ganz offensichtlich ein Problem mit Israel zu haben, was bei manchem noch aus der DDR-Zeit stammen muß. Wer den Konservativen eins reindrückt, sollte Leute wie Sahra Wagenknecht nicht schonen. Man sollte um Ausgewogenheit bemüht sein. Manchmal kommt es so vor, als trügen manche eine Brille, die auf der linken Seite ein rosafarbenes Glas hat.

  23. 23

    @Toni: Ich stimme dir ausdrücklich zu. Mir ging es auch nicht vordergründig darum, eine Lanze für die Kirche zu brechen. Nur sehe ich nicht die von Malte implizit angenommene Deutungshoheit der „linken Sicht“ (was auch immer das im Detail ist).

  24. 24

    @Thomas: Ach ! Aber gerade bei nicht-traditionell-westlichen Familienstrukturen gehen Konservative auf die Barrikaden ! Als ob Monogamie und Heterosexualität die einzige Möglichkeit darstellen würden. In diesem Fall kann „žFamilie“ also wohl nicht als Wert bezeichnet werden. Und nun ?

  25. 25
    Alberto Green

    @DIE ERKLÄRUNG: Ist dir jetzt schwindelig?

    „Das Problem sind u.a. die alten monot[h]eistischen Religionen“ vs. „Christliche Werte sind in der Regel deckungsgleich mit humanistischen Werten, also so schlimm sind die ja nun auch nicht.“
    „Eva Hermann mit jemandem wie den Papst gleichzusetzen ist schon starker Tobak.“ vs. „[„¦] im 18. Jahrhundert stehengebliebenen Ex-Moderatorin in eine Reihe zu setzen“¦ naja.“

    Das mit der Ausgewogenheit stimmt aber.

  26. 26

    @DIE ERKLÄRUNG: Sowohl der Einzug in als auch jetzt der Auszug aus dem Iraq wurden von einem gläubigen Präsidenten vorangetrieben (wobei von Obamas aktivem Gemeindeleben mehr bekannt ist als von Bush).

  27. 27
    Iggy

    Das größte Problem ist meiner Meinung nach eher die Leugnung der eigenen Werte von manchen (wohlgemerkt: manchen) Linken. Wenn man sich mit Organisationen wie z.B. der Hamas solidarisiert, wenn man nicht mehr gegen die Verdummung von Religion an sich ankämpft, wenn man Mao und Castro (Unterdrücker und Despoten – falls es noch keinem aufgefallen sein sollte) Bilder wie Ikonen bei Demonstrationen trägt, wenn man Gewalt als legitimes Mittel anerkennt, wenn man sich nicht mehr Diskussionen stellt, wenn man die Menschenrechte nicht mehr als universell anerkennt, wenn man nicht mehr bereit ist den Argumenten der Gegner zuzuhören, wenn man nicht mehr selbstkritisch ist; dann kann man sich auch in meinen Augen nicht mehr Linker nennen .
    Ich zitiere hier mal kurz Bakunin:
    „..daß die Existenz eines Gottes unvereinbar ist mit dem Glück, der Würde, der Intelligenz, der Moral und der Freiheit der Menschen.“

    (sinngemäß) „die Organisation und Regierung der neuen Gesellschaft durch die gelehrten Sozialisten ist die schlechteste aller desopotischen Regierungen.“ (sehr prophetisch wenn man bedenkt das das 1910 geschrieben wurde)

  28. 28

    @erlehmann: Das ist absolut richtig. Gleichwohl gibt es auch seitens der Kirche oder der Konservativen (diese Gruppen sind nicht notwendigerweise gleich) auch berechtite Kritik an anderen Interpretationen der Familie oder anderen (von Malte als Links eingestuften) Werten. Ich hoffe das ist – trotz meiner missverständlichen Äußerung – deutlich geworden. Insofern stimme ich DIE ERKLÄRUNG (22) ausdrücklich zu.

  29. 29
    Tichy

    @Malte Welding: Damit rennst Du ja bei mir durchaus offene Türen ein. Wobei ich zugeben muss, dass christliche Ideale der Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Empathie, Bereitschaft zur Verzeihung und des Sich-selbst-nicht-so-wichtig-Nehmens in einer Beziehung durchaus hilfreich sein könnten, wenn es kriselt. Wobei diese Ideale/Eigenschaften alles andere als exklusiv christlich/religiös sind.
    Jetzt verstehe ich Deine Gleichung aber noch viel weniger: Du nennst eine Anzahl Leute, die nicht viel miteinander zu tun haben, und pappst ihn ein Etikett „Konservativ“ drauf. Diese Leute verbreiten angeblich hauptberuflich Angst oder nutzen sie aus (das kann ich auch nur bedingt nachvollziehen: bspw. verbreitet Eva Hermann nur ihre eigene Ahnungslosigkeit). Als nächstes wird die große Brücke zum Wertekanon geschlagen, der uns nach dem Willen der Konservativen alle retten soll. Und von dort kommst Du zu den christlichen Familienwerten und stellst fest, dass die Bibel relativ wenig Direktes über Familien in der Moderne beinhaltet. Ach was.
    Worum geht es Dir wirklich? Dass jemand mal ausdrücklich schreibt, dass „linke“ Ideale sich am Menschen festmachen und von der Aufklärung gespeist werden? Sich an den Lebensumständen hier und jetzt messen lassen wollen und sich keiner Tradition unhinterfragt unterwerfen? Da gehe ich sofort mit Dir mit (auch in dem unguten Wissen, dass die „Linke“ diese Ideale schon oft genug für das angebliche „greater good“ beseite gewischt hat).

  30. 30

    @Christian: Das bezog sich auch, aber nicht nur auf die Terroristenseite.

  31. 31

    @Christian:
    Ob der Linke und der Konserative letztlich so unterschiedlich gar nicht leben spielt keine Rolle. Das Problem ist doch, das der Konserative unter dem Vorwand „Werte“ schützen zu wollen bestrebt ist ,sich eine gesetzlich abgesicherte Legitimation zu verschaffen die ihm die Möglichkeit gibt in die Privatsphäre der Menschen einzudringen.

  32. 32
    Tichy

    @Manfred Konradt: …während der Linke das Private zum Politischen erklärt und die Privatsphäre unter Hinweis auf den Gesamtzusammenhang, und um das höhere Ziel zu erreichen, ebenso übern Jordan gehen lässt.

  33. 33
    lork

    @DIE ERKLÄRUNG:

    Das Problem sind u.a. die alten monoteistischen Religionen und wie sie heute, im Jahr 2009, noch immer ausgelegt werden. Jeder zweite Krieg hat religiöse Gründe. Irak, Afghanistan

    Das ist doch Religionsbashing. Bei diesen Kriegen geht es um Macht und dem Kampf um Resourcen, Religion wird in diesen Fällen nur als Vorwand und zur Manipulation der Menschen missbraucht. Wenn wir (der Westen) uns nicht dauernd bei den Arabern eingemischt und sie ausgebeutet hätten, würden sie uns in Ruhe lassen, egal an welchen Gott wir glauben.

  34. 34
    christoph

    @Malte
    was du zu recht kritisierst, ist der Hang vieler Christlich-Konservativer zur Doppelmoral. Dies aber als Argument gegen diese Werte zu verwenden ist auch nicht so ganz fair, ich vermute einfach mal, dass es auch Menschen in diesem Umfeld gibt, die es wirklich ernst meinen – ok die oben genannten gehören offensichtlich nicht dazu.
    Auch ist es nicht ok, bei Diskussionen über Religion im Allgemeinen mit Zitaten aus dem Alten Testament aufzutrumpfen, kennt man doch zu genüge mit umgekehrten Vorzeichen aus den leidigen „Moslems-sind-schlechte-Menschen“ Beweisführungen.

    Ansonsten verstehe ich sehr gut was du meinst und sehe es genauso

  35. 35

    @christoph:

    Warum ist es nicht ok, mit dem AT zu argumentieren? Dass bei der Legitimation christlicher Werte mit der Bibel offensichtlich eine fette menschliche Interpretations- und Filterbrille aufgesetzt wurde — gerade beim AT —, zeigt doch eben, dass „žchristliche“ Werte nur gehijackte menschliche Werte sind. Und damit konservativen Ethikvorstellungen nicht den besonderen Geltungsanspruch geben können, den diese für sich beanspruchen.

  36. 36

    Der letzte Absatz war unnötig. Man kann auch an Gott glauben (dessen Nichtexistenz seit mehreren hundert Jahren nicht zu beweisen ist), ohne neo-konservativen Weltbildern nachzuhängen und die Bibel wörtlich zu nehmen.

  37. 37

    @Lukas:

    Wenn Religion politisch wird, muss sie sich der Kritik stellen, wie alles andere auch. Dazu gehört halt auch Polemik. ;-)

    BTW, die Nichtexistenz von Russels Teekanne kann auch niemand beweisen.

  38. 38

    @Lukas:

    die nicht-existenz des biblischen gottes kann man übrigens beweisen, wenn man als beweis gelten lässt, was man vor gericht als beweis gelten lässt.
    die nichtexistenz des berühmten „irgendwas“ ist da schon schwerer zu belegen, weil die meisten menschen ja nicht einmal erklären können, was sie mit diesem irgendwas meinen

    @christoph:

    die at-zitate in dem twitterdialog stammen von bruder paulus, nicht von mir:)

  39. 39
    Viva Hammonia

    Henryk M. Broder ist ja wohl ein Liberaler und kein Konservativer.
    Auch wenn Du beide Richtungen verachtest, solltest Du wenigstens genau sein. Ich polemisiere derweil auch ein wenig vor mich hin:

    Die Linke hat sich in einem manisch-einseitigen Kampf gegen die westlich-liberale Ordnung verbissen und geht Bündnisse mit Strömungen ein, die jener ebenfalls den Kampf angesagt haben.
    Das pathologisch reaktionäre Weltbild dieser Strömungen wird folgerichtig nicht offen hinterfragt, man hat schließlich dasselbe Feindbild.
    So werden „linke Wertvorstellungen“ zur Farce, hält man sie doch bloß westlichen Liberalen und Konservativen vor.

  40. 40
    christoph

    @Toni
    sehe es (glaub ich) wie Lukas
    im Übrigen fehlt die Filterbrille bei Religionskritikern häufig auch nicht

    Ich bin nich gläubig und reagiere sehr empfindlich auf Belehrungen von christlicher Seite, aber ich finde den Ansatz zur Auseinandersetzung á la „ich beweise dir jetzt, dass deine Religion schlecht, ungerecht, mumpiz-lastig ist“ völlig bescheuert.

  41. 41

    @Viva Hammonia:

    ach v-h, du glaubst doch nicht im ernst, dass ich mit islamisten paktiere?
    ich BIN musterexemplar der westlich-iberalen ordnung.

  42. 42

    @christoph:

    Warum findest du ihn bescheuert? Wenn die Religion das Parkett der Politik betritt und dort von „žchristlichen“ Werten gesprochen wird, muss sie genau die Kritik einstecken können, wie alle anderen auch.

    Im persönlichen Bereich kann jeder machen, was er will.

  43. 43
    eisenmangel

    denke da ist so die substanz des buches drin, und dann noch zum hören- ich fands gut.
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/886825/

  44. 44

    mich verstört immer wieder aufs neue die empfindlichkeit, mit der auf vorsichtige anwürfe reagiert wird.
    da gibt es eine politische richtung, die den sozialstaat schleifen will und versucht, ihn durch den präventionsstaat zu ersetzen, die der gegenseite wertelosigkeit vorwirft und vorgibt, die rezepte für alle probleme zu haben (hauptsächlich für die, die sie selber herbeigeredet haben: einwandererflut! verdummung! werteverfall!) und wenn man dann mal nachfragt und ein bisschen bohrt, dann heißt es: rubbääh, das ist soooo beleidigend und eva herman kann man doch nicht mit dem papst vergleichen und udo di fabio ist doch kein dieckmann und broder ist sowieso ein hippie, der nur zufällig islamische gespenster sieht und ihr anderen seid so gemein und findet die hamas super.
    seltsam.

  45. 45
    christoph

    @Toni
    die Diskussion um oder die Definition von Werten ist ja sehr schwierig, aber wenn sich jemand hinstellt und von diesen Werten spricht, hat er im Allgemeinen eine vage Vorstellung davon im Kopf. Darüber kann und soll man dann zwar immernoch stundenlang streiten, aber den Umweg über die Entstehung dieser Werte nehmen zu wollen ist ein Ablenkungsmanöver oder ein Reflex, den ich mir abgewöhnt habe.

  46. 46
    christoph

    @Malte
    je dichter die Positionen beieinander, desto hitziger die Diskussion, ist doch immer so

  47. 47
    Alberto Green

    @Malte Welding: Tut mir leid, dass du verstört bist. Aber wenn man mich, der ich an Gott glaube, (oh ja ich, bin ein guter, ich missioniere und belagere Jerusalem nicht, ich bin integriert, aber die anderen…), mit dem Pack, das uns regiert, mit der Herman, die man nicht (warum?) blöde Kuh nennen darf, mit einem durchgeknallten (was ist Bruder Paulus? bestimmt:) Franziskaner in einen Topf schmeisst, dann bin ich nun einmal angepisst. Ich mache ruuubäh und du machst ruuubäh. Alle heulen.
    Ich würde das Buch bestimmt interessant finden und als „Linker“ (huch, es gibt grau) vermutlich das meiste unterschreiben können, aber irgendwie hab ich jetzt keinen Bock mehr darauf, weil ich fürchte, dass der auch alles in einen Topf kotzt, umrührt, köcheln läßt und als Weltbild präsentiert.

    So, und jetzt atmen wir schön in die Tüte und haben uns alle wieder lieb.

  48. 48
    Viva Hammonia

    @Malte Welding:
    Ein Beispiel: Du schreibst etwas über Diskriminierung von Schwulen und gibst als Initiatoren u.a. Papst, Bushido, katholische Bischöfe usw. an. Deine Kritik bleibt in den Grenzen der liberalen Welt, obwohl Schwule und viele andere in anderen Regionen mit bestialischer Barbarei rechnen müssen, wenn ihre Lebensart bekannt wird.

    Das ist ist zugegeben keine offene Paktiererei, aber doch ein unberedtes Hinnehmen. Ginge es Dir um Diskriminierung als solches, würdest Du auch universell dort ansetzen, wo diese am fatalsten grassiert.

  49. 49
    Kommissario

    Religion abtreiben!

  50. 50
    Maltefan

    Sie hatten es leicht in den vergangenen Jahren, die neuen Konservativen. Menschen wie Peter Hahne, Kai Diekmann, Henryk M. Broder, Udo Di Fabio und auch die Hetzer von Politically Incorrect ritten auf der Angstwelle in der Zeit nach dem 11. September 2001 obenauf. Jetzt aber wandelt sich der Zeitgeist, die Menschen haben keine Lust mehr, sich Angst einreden zu lassen. Robert Misik, Journalist und Blogger (und Twitterer), hat das Buch zur Zeitenwende geschrieben.

    Mit Typen und Argumentationsfiguren dieses Schlages hat doch bereits 2006 Christian Rickens gründlich abgerechnet

    @Alberto Green: Und Religion kommt da fast gar nicht vor, also vielleicht liest Du das Buch? Ich kann’s nur empfehlen, es entkräftet den neokonservativen Schwachsinn nämlich schlicht mit Fakten.

  51. 51

    Für mich stellt Windows 98 einen Wert dar. Die „Erkenntnisse“ und obskuren Ansichten von Papst Ratzinger sind hingegen kein Wert.

    (für mich ist das lediglich Gefasel eines Halbwahnsinnigen mit einer lustigen Mütze – und Windows 98 ist ein verblüffend stabiles Betriebssystem)

  52. 52
    Jan(TM)

    Dabei ist natürlich die Linke in Wahrheit jene Kraft, deren Politik, deren Set an Überzeugungen auf Werten basiert.

    „Was siehest du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr?“
    Lukas 6, 41
    scnr

  53. 53
    Thorsten

    @Malte Welding: super Antwort. Genau mit diesen Sachverhalten muss man die Konservativen konfrontieren und so ihre Verlogenheit offenlegen. Wobei mich schon interessiert hätte, was Misik in dem Buch denn noch schreibt. Was ist heute ein Konservativer? Ein Marktliberaler? Oder doch nicht? Ein Religiöser, der strenge Sittenregeln fordert? Ein Rassist, der alles Fremde bekämpft? Welche Formen des Konservatismus gibt es heute? Verstehen die Konservativen sich überhaupt untereinander? Sind Geißler und Junge Freiheit kompatibel? Wo ist die Grenze zum Rechtsradikalismus? uswusf.

  54. 54
    Jackie Gin

    Also Malte, der Text ist schon witzig, aber was mich stört: Links = gut, konvervativ = rechts = schlecht. Sicher hast du es nicht so platt gemeint, aber so kommt es für mich rüber.

    (Andererseits fällt mir auch nichts ein, was für konservative ansichten spricht:)

  55. 55

    Das Buch kommt jetzt erst???? 8 Jahre nach der Terrorwelle? Das ist ja fast wie deine Stauffenbergaussage im Videocast, Malte. Himmel!

    Und was auch immer dieser Linke-Pathos soll. Ich versteh das nicht. Die machen die Welt auch nicht besser.

    Aber vielleicht versteh ich gar nicht, was du uns mit diesem Post eigentlich sagen willst.

  56. 56

    @Die Erklärung (#22)

    Hetze gegen Banker und Großkapitalisten

    Hm ich finde ja, diese lahme ‚Hetze‘ ist unverdiente Milde. Diese Raubtierkapitalisten können doch froh sein, dass die, deren Blut und Schweiß sie auf Generationen verzockt haben, den wahren Sozialschmarotzern dafür jetzt nicht das Fell über die Ohren ziehen.
    Apropos Konservatismus: Manchmal bin ich auch in Versuchung zu sagen: Früher war manches besser ;o).

    @Viva Hammonia (#39):

    Henryk M. Broder ist ja wohl ein Liberaler und kein Konservativer.

    Wieso schmähen Sie die Liberalen? Der Liberalismus wird seit jeher von Freiheitsliebe angetrieben. Ein Narzisst jedoch ist Sklave seiner Geltungssucht und hat von Freiheit etwa so viel Ahnung wie der Papst von Schwangerschaft. Und nur weil’s in einer Schicht soziopathischer Egomanen eine Weile hipp war, sich ’neoliberal‘ zu nennen, sind sie noch längst keine Gleichgesinnten in den Augen geschichts- und wertebewusster Liberaler.

    zu #48:

    Deine Kritik bleibt in den Grenzen der liberalen Welt, obwohl Schwule und viele andere in anderen Regionen mit bestialischer Barbarei rechnen müssen, wenn ihre Lebensart bekannt wird.

    Das ist ist zugegeben keine offene Paktiererei, aber doch ein unberedtes Hinnehmen. Ginge es Dir um Diskriminierung als solches, würdest Du auch universell dort ansetzen, wo diese am fatalsten grassiert.

    Ihr unermüdliches Bemühen um Scharfsichtigkeit erstaunt mich doch immer wieder – vor allem, wenn ich mir den gigantischen Balken vergegenwärtige, der Ihnen die Sicht versprerrt ;o).

  57. 57
    Julius

    „Wo bleibt der Männerbeauftragte?“ Hm… und wo bleibt die Päpstin mein lieber Bruder Paulus? Da möchte man am liebsten auch gleich mit der Bibel antworten:
    „Du Heuchler, zieh am ersten den Balken aus deinem Auge; darnach siehe zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!“ (Mt 7,5)

  58. 58
    Ernst Hoppel

    Was ist das denn hier für ein unausgegorener Quatsch? Hier wird teilweise extrem reaktionäres (und dümmliches) Denken mit Konservativismus verwechselt und ziemlich extreme Persönlichkeiten miteinander vermantscht, die teilweise überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Und warum? Es hat den Anschein, dass man das nur tut, um sich eine schöne neue These/Ideologie zusammenzuhämmern. Haben es die Linken neuerdings so nötig, sich derart plumpe, dümmliche und schiefe Feindbilder zu schaffen?

    Das Schlimmste an dem Artikel ist aber, dass man versucht, mit diesen völlig einseitigen und unausgegorenen Gedanken noch soetweas wie gezielte Meinungsbeeinflussung zu betreiben, indem man eine Überschrift wie „Gegen die neuen Konservativen“ wählt, in der Hoffnung, mit diesen holzschnittartig zusammengewürfelten Stereotypen ein neues Thema zu setzen und eine Art „Antihetze“ zu betreiben, indem man alle Konservativen in einen Topf wirft – ganz peinliche Sache!

    Für mich ist dieser Artikel einseitige linke Meinungsmache übelster Sorte und er unterscheidet sich in seiner Beschränktheit und Undifferenziertheit (vor allem in Bezug auf die verallgemeinerne Überschrift) überhaupt nicht von denen, die er eigentlich kritisiert.

  59. 59
    Thorsten

    @Ernst Hoppel: geht es auch konkreter?

  60. 60

    Wer Ratzinger und PI in einen Topf wirft, schafft sich natürlich ein sehr einfaches, holzschnittartiges Feindbild das so primitiv ist, dass man einfach draufhauen kann.

    Zum Glück sagen objektive Statistiken und Wahlergebnisse etwas anderes. Nur weil einer was in einem Buch schreibt, ist es ja noch nicht Realität.

    Dass linke und konservative Intellektuelle auch sehr sachlich und konstruktiv miteinander umgehen können, zeigt der Habermas-Ratzinger-Dialog.

  61. 61

    @Manfred Konradt: „Es muß eben anders werden wenn es besser werden soll (Lichtenberg).“ Es ist bisher selten besser geworden, wenn die Gesellschaft sich wirklich ernsthaft gewandelt hat. Das ist das Argument, das auf der Seite der Konservativen steht.

  62. 62
    Thorsten

    @Jörg Friedrich: „Es ist bisher selten besser geworden, wenn die Gesellschaft sich wirklich ernsthaft gewandelt hat.“

    lol. Solche Sätze kann man wohl nur schreiben, wenn man sich „Naturwissenschaftler, Unternehmer, Philosoph“ nennt.

    Also: Zurück in die Steinzeit. Seitdem hat sich entweder nichts geändert oder es ist alles schlechter geworden.

  63. 63

    @Thorsten: Wenn sie 10.000 Jahre Zeit hat, kann sich die Gesellschaft auch unmerklich zum besseren wandeln. Linke nehmen sich im allgemeinen nicht so viel Zeit, sie wollen die Gesellschaft schnell verändern. Und das Lichtenberg-Zitat spricht auch nicht von langfristigen evolutionären Veränderungen, sondern von der Revolution.

  64. 64
    NuÅŸin Arslan

    Zum ersten Kommentar von einem gewissen Toni
    (…Ganz abgesehen davon, dass ein Vergleich zwischen „žislamischen“ und „žchristlichen“ Werten ungefähr so sinnvoll ist wie der Vergleich, ob Windows98 oder WindowsME das perfekte Betriebsystem ist.), im Türkischen gibt’s für solche Ähnlichkeiten folgende Redewendung: al birini, vur ötekine (= nimm das Eine und hau damit auf’s Andere drauf!)

  65. 65
    Viva Hammonia

    @Iris:
    Nun hat aber die klassische Linke wenig mit Freiheitsstreben gemein, sondern mit Gleichheitsstreben. Versuchen sie demnach besser nicht, sich den liberalen Hut aufzusetzen, Genossin Iris ;o)
    Ich bin allerdings überzeugt, dass die Epoche der Ideologien großteils vorüber ist und Begriffe wie „links“, „rechts“ usw. in der politischen Landschaft immer leerer werden und subjektiver Identitätsstiftung dienen.

    Maltes Beiträge festigen meine These, dass seine Kritik sich einseitig gegen die liberale Welt richtet, nicht universell gegen kritikwürdige Zustände
    Linkssozialisierten wie euch werfe ich vor, keine Prioritäten zu setzen und dass ihr mangelnde Flexibilität an den Tag zu legt.

  66. 66

    @Viva Hammonia (#65)

    Nun hat aber die klassische Linke wenig mit Freiheitsstreben gemein, sondern mit Gleichheitsstreben. Versuchen sie demnach besser nicht, sich den liberalen Hut aufzusetzen, Genossin Iris ;o)

    Aber nicht doch, ich trage keine Hüte … auch nicht solche, die mir andere überzustülpen versuchen ;o).
    Im übrigen wurde nach meiner Einschätzung das Streben der Linken nach Chancengleichheit seit jeher vom intelligenteren Teil des rechten Flügels als Gleichmacherei verunglimpft. Der weniger intelligente hat gar nicht erst verstanden, dass mehr Chancengleichheit mehr Freiheit für mehr Menschen bedeuten würde. Doch gleichzeitig würde das natürlich auch von einer begüterten Minderheit die Aufgabe von Freiheit als Privileg verlangen. Und die wollten natürlich mehrheitlich lieber den alten Status behalten. Wer gibt schon gern freiwillig Privilegien auf – selbst für eine gerechte Sache?

    Linkssozialisierten wie euch werfe ich vor, keine Prioritäten zu setzen und dass ihr mangelnde Flexibilität an den Tag zu legt.

    Ach wissen Sie, vielleicht werden Sie es nie verstehen, aber ich suche mir immer noch aus jeder Denkrichtung die Ideen und Argumente aus, die mich am meisten überzeugen. Die Freiheit nehm‘ ich mir. Auch wenn Sie immer mal wieder versuchen, mich in eine Ecke zu drängen, hält mich das nicht davon ab. Wenn Sie diese Ecken brauchen, um sich nicht zu verirren … bitte schön. Aber nehmen Sie’s mir nicht übel, wenn ich mir gelegentlich die Freiheit nehme, nicht in der Ecke hockenzubleiben, in der Sie mich gerne (oder auch nicht so gerne) sehen wollen ;o).

  67. 67
    Viva Hammonia

    @Iris:
    Nun, wir hatten im hiesigen Blog ja bereits desöfteren das Vergnügen und ich gehe wohl so falsch in der Annahme nicht dass Sie zumindest hin und wieder besagte Ecke frequentieren. :O)
    Allerdings bin ich, wie erwähnt, der Meinung, dass das klassisch ideologische Zeitalter vorüber ist.

    „Gleichmacherei“ ist Wesensmerkmal aller kollektivistischen, bürgerlichkeitsfeindlichen Bewegungen vom Sozialismus über den völkischen Nationalsozialismus und Faschismus bis hin zum Islamismus.

    Die Ablehnung jeglicher Liberalität, sowie Israels (bzw. „Finanzjudentum“, „Judenlobby“ usw.) und Amerikas sind ebensolche systemübergreifenden Schnittmengen der Kollektivisten.
    Nur so kann ich mir u.a. eine Verbrüderung linker Populisten wie Chavez mit Islamisten wie Achmadindschad, oder LINKE Solidarität mit Hisbollah, Mullahs und Hamas erklären.

  68. 68
    Martin2

    Für mich sind weder Eva Hermann noch Kai Diekmann Vetreter einer Ideologie. Das ist alles einfach irgendeine zusammen gerührte Soße. Diekmann könnte genauso gut die taz machen, oder erfolgreich Teppiche verkaufen. Ein Unternehmer im besten Sinne.

    @Viva Hammonia: „Allerdings bin ich, wie erwähnt, der Meinung, dass das klassisch ideologische Zeitalter vorüber ist.“

    Ich gebe Dir Recht.
    Und welche Konsequenz zieht man daraus?
    Über was wird eigentlich gestritten?

  69. 69

    Wir haben bei unseren Kunstausstellungen, in denen es um das Thema Integration geht, stets das Problem, dass es offenbar nur zwei Sorten von Menschen gibt: Denen, für die Ausländer per Definition die besseren Menschen sind („wir Deutschen sind ja alle rassistisch“) oder diejenigen, die Angst vor dem Fremden haben („Ich habe ja nix gegen Ausländer. Aber…“)

    Für differenzierte Betrachtung ist in dem Feld zwischen Religion, Rasse, Nation, Ideologie, Glaube… an keiner Seite offenbar viel Platz.

  70. 70

    @nilz:
    >nirgends als hier findet man christen mit denen man angeregt über ihren glauben diskutieren kann

    Hier wahrscheinlich nicht sehr oft aber abseits des Blog-Mainstreams kann man eine ganze Menge sehr unterschiedliche christliche Weblogs von evangelikal bis katholisch finden.

    Aber noch was zum Artikel: Da wird eine Menge durcheinander geworfen, ein wenig mit irgendwas vom bösen Papst vermengt und heraus kommt das was man leider von eher linken Blogs gewohnt ist. Nichts was man ernst nehmen müsste.

  71. 71
    gustav ganz

    Die ganze Diskussion um „Neukonservative“ ist lächerlich. Es handelt sich bei den meisten PI-Lesern nicht im geringsten um Konservative genauso wie Broder nicht konservativ ist. Angst haben diese Leute, aber kann man es ihnen übel nehmen?

    Hinter den genannten Protagonisten eine neue ideologische Strömung zu sehen ist einfach nur lächerlich. Vor 20 Jahren wären die Aussagen dieser Menschen noch bei der SPD gut aufgehoben.

  72. 72
    Ricci Riegelhuth

    Wir erleben gerade das Fiasko finanziell auf ausgeblasenen Eiern zu stehen. Wenn zum Beispiel die Reue als Wert unter dem Geld bzw. Profit rangiert, ist es doch logisch das die Boni aus 2008 noch ausbezahlt werden müssen. Ausserdem, als gelernter Koch weiss meine Nase noch:
    Der Fisch stinkt am Kopf zu erst. Egal ob konservatisch, evangelisch oder aus dem Süsswasser.

    Ist es konservativer als sozialistisch, wenn wir jetzt gelernt haben das selbst Markt Regeln braucht?

    Gestern habe ich etwas gelesen was mir sehr gefiel.
    Es war zum Thema und Überschrift:
    „Der gute Geist der Sozialdemokratie“

    …auch sehr nostalgisch.

    Hier jetzt Tacheles:

    Emil Stang
    26.01.2009 – 08.46 Uhr

    Um noch etwas konkretter zu werden, den Geist der Sozialdemokratie in Zweifel zu stellen und was mich am meissten stört in meiner bundesrepublikanischen, deutschen Gesellschaft:
    Die Konstruktion von Moral exclusive Religion und Herzensbildung.
    Dafür:
    Der Moralbegriff aller Gesellschaftskonstrukteure!
    Und der, zeigt sich immer in einer Scheinmoral.
    Solidarität mag die Zärtlichkeit von Völkern sein, dies muss allerdings nicht implizieren dass Bevormundung und Gängelei die Aufgabe des Staates und seiner Parteien darstellt. Besonders dann, wenn der Staat seit Jahr und Tag ohne Reue unsere Steuergelder veruntreut. Siehe Landesbankenpleiten!
    Wie oft wurden diese Geldinstitute denn eigentlich verstaatlicht?
    Wann ist unser Saat eigentlich Pleite?
    .
    Nun denn,die angebliche Notwendigkeit einer idealen Gesellschaft
    müssen die Sozial-Klempner moralisch begründen.
    Aber auch Gesellschaftsingenieure wissen das menschliche Individium ist gar -nicht ideal – so ein Ärger, denn sonst wäre ja die Gesellschaft als Summe der Ideal-Individuen a priori perfekt.
    Also muss hurtig eine „höhere“, über dem egoistischen Eigeninteresse verhafteten Individuum angesiedelte, eben eine geschlossene Kollektivmoral.

    Achtung jetzt, kommst:
    „Moral“ setzt immer und sofort Verantwortlichkeit voraus;
    und Verantwortung kann es nur in Freiheit der Entschiedung

    ..also in Freiheit geben.

    Freiheit der Entscheidung kann in dem Fall nur heißen:
    Individuelle Freiheit.
    Moral ist somit bezogen auf die Einzelperson.
    Es kann keine Kollektivmoral existieren.

    Kein System der Welt kann verhindern das uns der Verstand in waghalsige
    Dummheiten hebt. Selbst die ES PE DE mit Herrn Müntefering und Herr Steinmeier
    machen immer mal wieder Dummheiten, also, keine Aufregung.

    Somit ist die Kolletivmoral eine Schimäre.

    Folglich muß der heimwerkende Gesellschaftsingenieur und seine Seerosen begießenden Fusstruppen beständig versuchen ( darin ist die SPD einsame Spitze), alle individuelle Moral – und damit jede Moral – zu zerstören, um sie durch eine Kollektivmoral zu ersetzten.
    Das wir nicht ausflippen, sondern in Hessen die FDP gewählt wurde, damit die bürgerlichen Freiheiten wieder in Szene gesetzt wurden, kann für alle Bürger nur gut sein.
    Ansonsten mein Gefühl zur derzeitigen Situation:
    Die haben alle geglaubt die Genüsse des Lebens zu schlürfen und haben doch alle nur anschreiben lassen.
    Das ist typisch Mensch und sonst gar nichts.

    Angenehme Woche noch!
    Emil

  73. 73
    gustav ganz

    Wer wissen will wie es bald in Berlin aussieht bekommt hier schonmal einen Vorgeschmack.

    Zustände in der schwedischen Hauptstadt:

    http://www.thelocal.se/17210/20090128/

    Angesichts solcher FAKTEN frage ich mich wie man jemanden wie Broder noch diffamieren kann.

  74. 74
    zarathustra

    @Der Brüsseler:
    Zitat:“klassischen Tugenden wie Pünktlichkeit, Treue, Verantwortung oder (christlicher) Moral“.
    Da stellt sich bei mir die Frage, ob Tugenden wie Nächstenliebe, Solidarität, Mitgefühl, für Sie Tugenden zweiter Klasse sind, da sie nicht in ihrer Aufzählung erwähnt werden.

  75. 75
    Paul, der Reformer

    Ach, der Dummschwätzer Paulus agiert wieder. Er, der zum Klosterleben Berufene trotz des Nachwuchsmangels vergrault und ausser schönen Reden nix zu bieten hat, schwatzt wieder geistigen Dünnschiss.

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