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re:publica 2009: Lawrence Lessig, Cory Doctorow, Märchen, Hackerspaces und Future-Porn

Cory Doctorow während seines Vortrags „žHow to survive the Web without embracing it“

Den zweiten Tag der re:publica 2009 verpasste ich nahezu komplett, ich kam erst sehr spät, ging dann erstmal mit meiner wunderbaren Begleitung Eis essen und fläzte ein wenig in der Sonne. Dann aber Larry Lessig, sicherlich eins der Highlights der Konferenz und bei make.tv online ansehbar. Dazu schrieb ich bereits auf Nerdcore:

Rhetorisch absolut brillant erzählte er in einer in fünf Teilen gegliederten Geschichte die Historie über Copyright und Remix. Für Lessig-Kenner war all das vielleicht nichts völlig neues, aber einen Gedanken von ihm war mir bisher unbekannt und den werde ich in zukünftigen Diskussionen gerne aufgreifen: Das Prinzip der „žWeb-Meme“ als „žKonversation“.

Das nächste Highlight folgte am nächsten Tag: Cory Doctorow von Boing Boing und sein Vortrag „žHow to survive the Web without embracing it“ (hier online). Auch er absolut eloquent und rhetorisch brillant. Beide, Lessig und Doctorow erzählten mir nun inhaltlich nicht viel neues, aber alleine ihre Vortragstechnik begeisterte mich sehr. Vorträge so erzählen, dass Geschichten entstehen. Wunderbar.


„žPornografische Zukunftsvisionen – eine nicht ganz ernstgemeinte Reise“ von Tina Lorenz, hier die Daleks

Ein Geheimtipp war dann für mich drei Vorträge in Folge im blauen Saal: „žMärchen als User Generated Content — Was die Kulturgeschichte zur Erklärung des Web 2.0 beitragen kann“ von Sabria David, „žHackerspaces: Selbstverwaltete Orte, in denen Hacker Sachen machen“ von Jens Ohlig und „žPornografische Zukunftsvisionen – eine nicht ganz ernstgemeinte Reise“ von Tina Lorenz.

Märchen und ihre orale Entstehung als Analogie zum Netz, in dem Inhalte ebenfalls ständig aufgegriffen, kopiert, geremixt werden. Sehr spannendes Thema, vom Vortrag bekam ich leider nur noch das Ende mit. Und Hackerspaces, über die ich erst vor ein paar Tagen durch einen Artikel auf Wired gestolpert bin. Menschen vernetzen sich zunehmend nicht nur virtuell, sondern übertragen das Prinzip in die Realität und schaffen sich hierfür Räume. Gleichzeitig eine neue Blüte des „žSelbermachens“, es ist wieder cool, Schränke zu bauen. Dann der eher lustige aber eben auch natürlich sehr interessante Vortrag von Frau Lorenz über futuristische Pornofilme. Raumschiffe in Dildoform, Daleks, die seltsame Dinge mit nackten Damen machten. Ich war natürlich sehr angetan.

Hiernach die Abschlußparty vor dem New Thinking-Store und heute ein Samstag, den ich komplett im Bett verbrachte. Schön war’s, sehr sogar. Und die Gespräche und die Leute waren noch viel superer.

16 Kommentare

  1. 01

    nächstes mal bin ich auch da… sicher… BaWü ist halt doch recht weit weg von Berlin :/ *nevermind* :-) (oftopic-comment)

  2. 02
    Janis Hofmann

    Ja geil
    also mal ernsthaft, da gehts irgendwie ums Internetz…
    Und die Einzigste Möglichkeit die (sicherlich tollen) Vorträge online zu geniessen is so ein abgewichster (sorry für die Sprache) Telefonmitschnitt ?!?!?!?!??!
    Gut dass man so gut wie NICHTS versteht! DANKE!
    Traurig traurig

  3. 03
    Lebedjew

    @Janis Hofmann:

    Dem schließe ich mich an. Konnte auch nicht hin. Und wo erfährt man was? Ausgerechnet im altbackenen, an sich ausgedienten TV. Obwohl, immerhin:
    http://www.3sat.de/mediathek/mediathek.php?obj=12240&mode=play

  4. 04

    Bitte langsam wieder zum Tagesgeschäft übergehen! Danke;)

  5. 05
    djs

    Ihr übertreibt ein wenig, wenn ihr mich fragt. Es war mäßig.

  6. 06
    Jolly

    Das ist alles..?! Die Highlights in Briefmarkengröße bei make.tv? Ist da noch etwas geplant, oder wollt/könnt ihr die Videos nicht größer/besser zur Verfügung stellen..?

  7. 07

    Raumschiffe in Dildoform? Die gab’s schon bei Flesh Gordon (eine Pr0n-Parodie auf Flash Gordon). 1972 war das. Hach ja.

  8. 08

    @Salz: Genau um den ging es ;)

  9. 09

    @Janis Hofmann:

    @Jolly:
    Seid euch sicher: wenn jemand über die mangelhafte Dokumentation traurig ist, dann sind wir das!
    Der fehlende Live-Stream des ersten Tages lag im Übrigen am fehlenden Netz, nicht an make-TV.

  10. 10

    @René Walter: Damnid! Nächstes Mal komm ich auch!
    Genau das hatte ich vor Jahren hier mal in einem Kommentar angesprochen: die Öffentlich-Rechtlichen hätten meinen Zuspruch, wären ihre Eigenproduktionen für ReMixe/MashUps freigegeben.

    Meint: ich möchte Radiomoderationen als Samples in meinen Tracks verwenden dürfen und Ö/R-Dokus in den Videos dazu.
    Ja, man könnte 3-7 Sender einstampfen und vom Ersparten ein eigenes Youtube anbieten.

    OK, I’m off topic. Vielleicht ein Thema fürs nächste Jahr.

  11. 11

    @Tanja Haeusler: Es wurde doch die meiste Zeit über gefilmt. Wurden diese Aufnahmen nirgendwo gespeichert?
    Es ist ja wirklich sehr schade um die fehlenden Mitschnitte und auch die Qualität der make.tv Filmchen ist nicht wirklich toll. Da war Hobnox letztes Jahr deutlich besser.

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