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Netz. Politik.

Da ich inzwischen auch via Twitter debattiere, hier also doch nochmal etwas ausführlichere Gedanken, obwohl die Diskussion um das Zitat der Piratenpartei ja eigentlich noch gut im Gange ist. Die Partei liegt vielen am Herzen, was ich gut verstehen kann, ich glaube jedoch nicht, dass die Beschäftigung mit ihr in einen „Glaubenskrieg“ ausarten sollte.

Durch die Diskussion um das Sperrgesetz (aber auch durch die vorangegangenen Debatten um die Vorratsdatenspeicherung und den Bundestrojaner) scheinen viele Leute in den letzten Monaten wieder politisch interessierter geworden zu sein. Ein Hafen für gefühlt sehr viele Menschen, die sich im Netz bewegen und denen netzpolitische Themen wichtig sind, scheint die Piratenpartei geworden zu sein, auch Twitter ist voller Zustimmung („#piraten+“).

Die Begeisterung für die Piraten äußert sich auch im persönlichen Engagement für die Partei. So erreichen mich seit einigen Wochen vielfache Mails und Twitter-Direktnachrichten, die sich entweder darüber wundern, dass Spreeblick nicht klar die Piraten unterstützt, oder mich direkt darum bitten oder auch mal gar nicht mehr so freundlich auffordern, die Partei bei ihrem Streben in den Bundestag aktiv zu unterstützen oder ihr beizutreten.

Ich sympathisiere mit den Piraten. Ich finde es wichtig, dass sich neue politische Gemeinschaften der (Netz-) Themen annehmen, welche die „Etablierten“ scheinbar so sträflich vernachlässigen. Ich habe darüber nachgedacht, in die Partei einzutreten und, lacht mich ruhig aus, ich habe sogar mal darüber nachgedacht, selbst und natürlich nicht allein eine Partei zu gründen. Aber ich habe mich dagegen entschieden.

Denn ich glaube, dass es zwar eine Aufgabe von Spreeblick sein kann, Politik in Deutschland mit unseren beschränkten Mitteln zu beobachten und subjektiv zu bewerten, ich glaube aber auch, dass es schädlich wäre, wenn wir uns inhaltlich mit einer Partei verbünden würden. Ich möchte die Freiheit behalten, über alle Parteien schreiben zu können, ohne dabei an ein Parteibuch gebunden zu sein. Ich möchte meine Wut auf die SPD ebenso ausdrücken können wie meine Verwunderung über die Piraten. Und ich bin schließlich für die Politik ungeeignet. Viel zu emotional, viel zu ungeduldig, viel zu oft widersprüchlich, viel zu selten Stratege.

Die Piratenpartei muss sich meiner Meinung nach der gleichen Realität stellen, der sich jede andere Partei stellen muss, denn auch an ihren Reaktionen auf Kritik wird sie gemessen. Wären die Piraten ein Verein, ein Arbeitskreis, eine Lobbyisten-Gruppe, würde das alles ganz anders aussehen. Aber sie sind eine Partei, die in den Bundestagswahl gewählt werden möchte. Sollte sie dort irgendwann einmal landen, und das halte ich nicht für ausgeschlossen, sollten sich potentielle Wähler/innen meiner Meinung nach damit auseinandersetzen, mit welchen der etablierten Parteien die Piraten sympathisieren. Mir persönlich genügt es einfach nicht, wenn ich in einem bestimmten Bereich (der im Detail auch noch zu diskutieren wäre) mit einer Partei übereinstimme, ich möchte auch die grundsätzliche Haltung einer Partei zu anderen gesellschaftlichen Themen kennenlernen. Denn ich bin nicht nur Netzbenutzer, sondern auch Vater, Selbständiger, Urheber, Unternehmer und vieles mehr.

Um es klar zu sagen: Ich vermute bei den Piraten keine Sympathie für rechtsextreme Parteien. Dennoch halte ich das Zitat für bemerkenswert, denn auch an anderer Stelle halten sich die Piraten verbal alle Türen offen und ich würde ich mir klare Absagen an bestimmte Parteien wünschen. Der im Interview unmissverständlich geäußerte Ansatz, dass es den Piraten nur um einen beschränkten Themenbereich ginge und man sich in allen anderen Bereichen derjenigen Partei fügen würde, die Kooperation anbietet, missfällt mir, selbst wenn er als liberale Grundhaltung formuliert wird. Ich wünsche mir Opposition statt Opportunismus von der Piratenpartei. Ich akzeptiere zwar den Ansatz, dass die althergebrachten Unterteilungen in „Rechts“ und „Links“ für eine junge Wählergeneration nicht mehr gelten würden, doch ich sehe das für mein Leben nicht als Lösung für irgendetwas, denn ich weiß sehr genau, was ich für „Rechts“ halte.

Es ist ein Irrtum, wenn man glaubt, die grundsätzlich liberale Einstellung der Piratenpartei schließe rechte Sympathisanten von vornherein aus. Die rechte Szene hat mit staatlichen Einschränkungen und ihrer Beobachtung mehr zu tun als die meisten von uns, im Fall von Netz-Freiheiten also zumindest eine zeitlang die Fahne in den Wind zu hängen ist keineswegs so abwegig, wie man glauben könnte. Dafür kann die Piratenpartei selbstverständlich nichts, aber sie ist sich dessen hoffentlich bewusst. Nochmal: Ich glaube nicht, dass die Piraten eine Koop mit rechten Parteien anstreben. Ich finde eine klare Abgrenzung dann aber auch nicht zuviel verlangt, und ein Satz wie der zitierte trägt zu einer solchen Abgrenzung nicht besonders viel bei.

Was den Vorwurf angeht, ich hätte den Satz „aus dem Zusammenhang gerissen“: Das Zitat ist korrekt und es gibt nicht viel daran anders zu verstehen, wenn man das ganze Interview hört (in gewisser Hinsicht ist natürlich jedes Ein-Satz-Zitat aus dem Zusammenhang gerissen, doch das ist ein generelles Problem bei Zitaten). Und während man anderen Politikern jeden blöden Halbsatz um die Ohren haut, sollen die Piraten mit Samthandschuhen angefasst werden? Nicht von mir.

Für mich ist die Auseinandersetzung mit der Piratenpartei keine Glaubensfrage. Wenn @Boomel meinem Zitat-Posting eine „Kannibalisierung der letzten Freiheitsliebenden“ vorwirft, dann ist das nur ein Zeichen dafür, dass die älteren Parteien geradezu glamourös daran scheitern, ihre Haltung zur netzgesellschaftlichen Themen zu kommunizieren. Man hört jungen Wählern ganz offensichtlich nicht zu, selbst denen aus den eigenen Reihen nicht.

Denn schließlich äußert sich auch die Grüne Jugend klar gegen Netzsperren oder zur Privatkopie, die Jusos sind gegen die Vorratsdatenspeicherung, auch die Jungen Liberalen haben sich gegen die Netzsperren ausgesprochen, die Junge Union stellt sich immerhin in Sachen Computerspiel-Verbote gegen die ältere und nur bei der Linksjugend finde ich auf Anhieb nichts zum Thema Netzpolitik (bei der Jugendabteilung der NPD auch nicht, aber da wird mir einfach schneller schlecht, als ich klicken kann).

Aber: Alle genannten Parteien haben noch viele weitere, ebenfalls wichtige Themen und ihre Haltung dazu im Programm (und auch Frauen in tragenden Positionen, aber das ist ein anderes Thema), anhand derer man sich als Wähler orientieren kann. Wenn es die bekannten Parteien trotzdem nicht schaffen, ihre Anliegen an die Netzbevölkerung zu bringen und sich vor allem danach zu verhalten, dann tun das eben andere. Und vielleicht sind die Piraten gerade wegen der relativen Monothematik so erfolgreich dabei. Ob einem das als Wähler genügt, entscheidet natürlich jeder selbst.

Ich mag mir bei aller inhaltlicher Nähe zu den Themen der Piraten Skepsis und Hinterfragen nicht nehmen oder gar verbieten lassen. Denn die Partei hat eine reele Chance, Veränderungen zu beeinflussen und wird an Kritik wachsen. Täte sie das nicht, würde sie Unfähigkeit beweisen, was ein schlechtes Omen für die Zukunft wäre. Wenn Politik gemacht werden soll, dann muss man mit Gegenwind rechnen. Ansonsten bleibt es beim Stammtisch, und das wäre schade.

Sehr lesenwert: Der Tagesspiegel über Urheberrechte und die Piratenpartei.

83 Kommentare

  1. 01
    Florian

    Noch mal zum Artikel:

    „Und während man anderen Politikern jeden blöden Halbsatz um die Ohren haut, sollen die Piraten mit Samthandschuhen angefasst werden? Nicht von mir.“

    Eben gerade weil jeder Halbsatz auf die Goldwaage gelegt wird, geben so viele Politiker nur noch schlabberweiche Statements ab.
    Da tæte es eigentlich allen gut, auch mal fuenfe gerade sein zu lassen.

    Das die Piratenpartei so monothematisch ist, halte ich noch nicht fuer ein Problem.
    Der Zeitpunkt, an dem die Partei mit dem Anspruch: „Wir setzen unsere Forderungen zum Datenschutz, zur Ueberwachung, zum Mindestlohn und zur Krankenversicherung durch!“ in Koalitionsverhandlungen geht, liegt dann doch in ferner Zukunft.

  2. 02
    qed

    @#720813:
    gerne, so es denn welche gibt. Da wirst Du mich sicher gleich aufklären.
    Es ist jedenfalls nicht bekannt, daß die grüne europäische Partei (die es ja so nicht gibt) andere Ziele verfolgte als die hiesige. Die grüne Fraktion hat sich auch in der EU zu Krieg, Männerdiskriminierung und Sozialabbau bekannt.

  3. 03
    qed

    Kleiner Nachtrag zur steten Mahnung und ewigem Bedenken:

    Da hätten wir den roten Danny als Fraktionsvorsitzenden der EU- Grünen, der sich in den Siebzigern als aktiver Päderast outete und von Franzosen deshalb heftig verabscheut wird.
    Daneben die Fundamentalistin und Kampflesbe Rebecca Harms aus dem roten Bremen, die an ihrer männerfeindlichen Haltung keine Zweifel aufkommen läßt.
    Bütikofer als Alt- Maoist aus dem KBW rundet alles ab.

    Fürwahr, da glauben wir doch gerne, daß die Grünen im Europaparlament alles gaaaanz anders wollen als die Kriminellen hier.

  4. 04
    JBird

    Naja, jemand der wild bundespolitische und europäische Entscheidungen durcheinander bringt, sollte eigentlich seinen Mund nicht so weit aufmachen. Lies dir doch einmal das Programm der Fraktion der Grünen/Freie Europäische Allianz durch und du wirst schon größere Unterschiede entdecken(zu deiner Info: logischerweise werden sich auch viele Programmpunkte decken, sonst wären sie ja nicht in der Fraktion). Ich will mich ja nicht ewig darauf hinweisen, aber das hat nun einmal nichts mit den Entscheidungen der deutschen Grünen im deutschen Parlament zu tun, weshalb du die meisten Argumente auch gar nicht ummünzen kannst.

    Übrigens ist die europäische Fraktion gegen „Krieg“ und militärische Intervention, wie du es süß nennst. Aber hauptsache mal mit irgendwelchen falschen Argumenten herumhauen(kanst dir ja das Sicherheitsprogramm durchlesen). Denn das ist nur auf der Bundesebene bis jezt beschlossen worden.

    Perfekt ist auch die europäische Grünenfraktion/freie euro. allianz nicht, nur gefallen mir die meisten Standpunkte besser als bei anderen Parteien.

  5. 05

    Erstmal: guter Artikel.

    Dann noch, falls das hier jemand interessiert: auch die Gründungsgrünen sind teilweise mit der Haltung „nicht links, nicht rechts, sondern vorn“ an ihr Ein-Thema herangegangen. Neben den K-Gruppen und Resten der linken Studibewegung waren da eben auch Leute wie Gruhl (Ex-CDU) oder die „AUD“ (Aktion unabhängiger Deutscher, hatte sowas wie „Heimatschutz“ auf dem Profil) mit dabei. Diese Gemengelage hat sich schnell – naja, innerhalb der ersten fünf-zehn Jahre – geklärt. Die rechtskonservativen sind zur ÖDP gegangen/geworden, die fundamentalistischen Linken ein paar Jahre später ausgetreten (Ditfurth/Ökolinx etc.). Was bleibt, ist eine doch klar links der Mitte verortete Partei, die aber ebenso klar eher bürgerlich-liberale als links-sozialistische Züge aufweist (wird etwas logischer, wenn mehr als eine Dimension herangezogen wird).

    Zurück zu den Piraten. Ich glaube ja, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Trotzdem scheint das „wir wollen anders sein als alle anderen, wir überwinden das Links-Rechts-Schema, wir sind offen für alle, die für unser Thema sind“ ziemlich typisch für Parteien kurz nach der Entbindung. Sollte die Piratenpartei sich halten, bin ich mir ziemlich sicher, dass daraus tendenziell eine Art „FDP 2.0“ wird – jünger, stärker an Freiheit als an Wirtschaft orientiert, aber nicht besonders interessiert an so komischen Dingen wie einem umverteilenden Staat usw. Im Rechts-Links-Schema würde so eine Partei vermutlich ziemlich mittig – je nach Akzentuierung vielleicht sogar ein klein wenig rechts davon – stehen. We will see.

  6. 06
    Alexander, ein anderer

    Große Zustimmung.

    Und mal ehrlich, entweder finden die PP und ihre Sympathisanten den richtigen, positiven Umgang mit kritischen Stimmen, oder halt nicht. Ich würde es mir wünschen, die Beobachtung ist zum Teil noch eine andere.

    Man kann kritische Stimmen ja nicht nur zur Gegenpolemik, sondern auch zur Schärfung und Weiterentwicklung des eigenen politischen und Parteiprofils nutzen. Das wäre zielführend, gerade in der Aufbauphase. Aufjaulen hingegen ist kindisch und wird, by the way, auch dem eigenen Anspruch als junge, moderne Netzpartei nicht gerecht.

  7. 07
    Dave

    Ehrlich gesagt ist mir nicht ganz klar, worüber man sich hier so aufregt. Geht es um die Weigerung der Piraten, sich klar genug im links-rechts-Spektrum zu postitionieren ? Dazu kann ich mich nur einigen Vorrednern anschließen, die darauf hingewiesen haben, dass die alten ideologischen Positionen nicht mehr so absolut sind wie früher – auch wenn ich nicht der Meinung bin dass sie sich ganz aufgelöst haben. Aber man braucht sich ja nur anschauen, wie nahe sich grüne Umweltfundis und katholische CSU-Schöpfungsbewahrer etwa in Fragen der Biotechnologie gekommen sind – oder auch die wunderbare Allianz von feministischem Furor und religiöser Moralpanik beim Kampf gegen Porno und Prostitution. In dieser Hinsicht finde ich den Hinweis auf den politischen Kompass in #23 sehr interessant. Abgesehen von diesen grundsätzlichen überlegungen: Wenn die Piraten versuchen wollten, sich im bestehenden Sprektrum zu verorten, wo sollten sie denn hin ? Ihr Grundprinzip – Individuelle Freiheit – lässt ja, ganz grob gesagt, eigentlich nur drei Möglichkeiten zu: anarchistisch (eher „links“), libertär (eher „rechts“), oder eben bürgerlich-liberal. Die beiden ersteren würden sie wohl für viele unwählbar, und beim letzterer ist zwischen FDP und Grünen nicht mehr soviel Platz. Insofern macht es durchaus Sinn, sich erstmal nur auf ein Thema zu konzentrieren. Sollten die Piraten -was ich ihnen wünsche – irgendwann mal stark genug werden, um in die nähe von regierungsverantwortung zu kommen, kann man sich ja immer noch ein plätzchen suchen…ich persönlich fände eine Mischung aus Grünen ohne Gutmenschentum und FDP ohne Klientelpolitik sehr ansprechend – aber Träume sind ja bekanntlich Schäume…
    Wenn das Problem aber sein sollte, dass die Piraten grundsätzlich auch für Menschen offen sind, die sich als „eher rechts“ verstehen, dann kann ich über soviel Borniertheit nur den Kopf schütteln. Auch für mich ist zwar bereits die CDU, nicht nur wegen ihrer Netzpolitik(bzw. des Fehlens einer selbigen), sondern auch wegen ihres gesamten Menschen- und Gesellschaftsbildes, kaum wählbar, von Parteien am rechten Rand ganz zu schweigen. Trotzdem vertrete auch ich – etwa in der Sicherheitspolitik- und Wirtschaftspolitik – einige Ideen, die traditionell als eher rechtskonservativ einzuordnen wären. Wie ein Pawlovscher Hund nach allem zu schnappen, dem irgendwie das Etikett „rechts“ angehängt werden kann, zeugt meiner Meinung nach von jener bedauerlichen Engstirnigkeit, die wir in der „Netzgemeinde“ Menschen wie UvdL zurecht vorwerfen.

  8. 08
    Maltefan

    @#720762: Dein Kommentar gefällt mir gut. :)
    Ich kann die ganze Diskussion hier auch in keinster Weise nachvollziehen. Hier wird ja so getan, als ob jeder, der sich mit Teilen des CDU-Parteiprogramms identifizieren kann, der Antichrist wäre. Leute, kommt mal wieder runter!

    Ich finde es völlig korrekt wenn die Piraten sich erstmal auf Themen beschränken, von denen sie Ahnung haben. Und selbst wenn sie dann mal mit der CDU koalieren sollten .. so what? Dann werden wir wenigstens von einer Koalition regiert, in der in netzpolitischen, patent- und urheberrechtlichen Belangen meine Anliegen vertreten werden.

    Und zum Argument, man müsse halt warten, bis in den etablierten Parteien sich die jüngeren durchsetzen … sowas kann doch nur jemand schreiben, der sich noch nie in einer Partei durch die Gremien hochschleimen musste. Gerade weil ich schwere Zweifel an der (zeitnahen) Erneuerungskraft der etablierten Parteien habe, finde ich es wichtig, dass sich eine neue Kraft bildet.

    Selbst wenn die Piraten die 5%-Hürde nicht nehmen finde ich eine breite Zustimmung gut und wichtig, denn nur so wird wahrgenommen, wieviele Menschen an diesen Themen interessiert sind und wie wenig sie von den hergebrachten Lösungen halten. Es ist unmöglich dies mit einer Stimme für die etablierten Parteien auszudrücken, auch wenn dort tw. ähnliche Positionen vertreten werden.

  9. 09

    Ich hab jetzt nicht alle Kommentare hier gelesen, wollte aber einen Appell an die richten, die hier so aktiv über direkte Demokratie diskutieren und wo jetzt mehrfach gesagt wurde, dass „die da oben“ das ja nicht wollen.

    Guckt euch die Wahlprogramme der Parteien mal an und vergleicht. Auch im Bundestag sitzen Vertreter, die gerne die direkte Demokratie ausbauen würden. Dazu brauchen sie aber mehr Stimmen, denn der bisherige Einfluss hat ja nicht gereicht.

    Kleiner Tipp: Wer nicht lange suchen will, guckt im Grünen-Wahlprogramm auf S. 168 (und drumherum).

  10. 10

    „Und ich bin schließlich für die Politik ungeeignet. Viel zu emotional, viel zu ungeduldig, viel zu oft widersprüchlich, viel zu selten Stratege.“

    Schönes Zitat!

  11. 11

    Das Problem der Piratenpartei ist, dass sie in der Öffentlichkeit auf die Themen „Freies Internet“ und „Weg mit dem Urheberrecht“ reduziert wird. Dass die Piraten das Urheberrecht ebenfalls für nötig halten, nur in einer zeitgemäßen Form, wird gerne übersehen. Ebenso die Position zu den Grund- und Menschenrechten.
    Richtig ist, dass die Piraten bisher zu Themen wie der Wirtschaftskriese, Umeltschutz etc. noch nicht Stellung bezogen haben. Intern werden diese Themen aber sehr wohl diskutiert…

  12. 12
    Nemsis

    @Markus, intern ist aber nicht extern und eine Partei vegetiert nicht vor sich hin, sondern braucht Stimmen der Wähler.

    Als Beobachter in Hamburg, muss ich sagen das ich hoffe, dass das was in 4 Jahren wird.
    Zu lange wird um des Konsenswillen gezögert, planlos wie in einem „Taubenzüchterverein“ werden Witze gerissen, statt kurz und knapp einen Weg zu finden, andere Themenbereiche programatisch abzuarbeiten bzw. sollte so die Entscheidung fallen, wie in Schweden eben klar Themenpartei bleiben.

    Vor-und Nachteile einer solchen Entscheidung sind offensichtlich, Konsequenzen abzusehen.

    Ich z.b. vertrete die Meinung, dass man sich von der Themenpartei klar zu einer Partei entwickeln muss, die andere Sachbereiche vertritt, dabei sind bereits Ansätze vorhanden, die aus reiner Vernunft folgen.
    Beispiel hierzu ist die Unterstützung des Bildungsstreiks bzw. auch schon aus dem Kernprogramm, Teile der Wirtschaftsprogrammatik, des Patentrechts.

    Die logische Entscheidung muss die Ausarbeitung eines Programms sein, dass die gängigen Themenbereiche abdeckt.
    Es muss durch die Meinung von externen und internen (soweit vorhanden) Experten, sowie der allgemeinen Konsensfindung entstehen oder was eine Alternative dazu darstellt, Modelle der Liquid Democracy darstellen, welche das ganze überflüssig machen würde und Sympathieträger aller Parteien einbinden könnte.

    Das erwartet man von einer Partei, die über die Lager erhoben, eine echte politische Alternative derstellen will.

    Eine Wiki die auf dem Stand von 2006 ist, Kommunikation über die Mailingliste bei 200 Mitgliedern, das ist zwar Technik die genutzt wird, aber zu sehr eine Startup Stimmung.
    ———————————————
    Sehr guter Artikel der klar und journalistisch ehrlich die Probleme der Partei und das Dilemma des Wähler zusammenfasst.

    Wir befinden uns nicht nur in Abwegen mit Vorratsdatenspeicherung, Zensur und Datenschutz, sondern eben auch in der Finanzkrise, in der Steuergelder (unsere Gelder) in [sic] systemrelevante Unternehmen gesteckt werden, in einem überschuldeten Zustand, in einem Krieg, den wir nicht als solchen bezeichnen und für den wir keine Kapazitäten mehr haben, in einer Bildungsrealität, die immer noch so viele Jugendliche ohne Abschluss gehen lässt, dass Arbeitslosigkeit erzwungen bzw. produziert wird.
    Von der Umwelt ganz zu schweigen und seit heute auch von der europäischen Integration.

    „Ist das alles, ist das wirklich alles?“
    Sicherlich nein, politisch relevante Themen gibt es immer noch viel mehr, als das man sie alle könnte sofort abhandeln.

    Aber wer glaubt in einer modernen pluralistischen Gesellschaft mit Holzbein tanzen zu können, der sollte lieber den Anker lichten und in die schon verkaufte Piratenbucht segeln.

    Sympathisant der Piratenpartei
    Nemsis

  13. 13
    Mister T

    Die Piraten sind halt keine Politiker. Das ist zwar einerseits sehr charmant, aber andererseits merkt man allein an dieser Diskussion schon, das Idealisten in dem Job nichts verloren haben und die Sache wohl auch in Zukunft CDU, SPD und so weiter überlassen müssen.

  14. 14
    Nemsis

    Interessante Betrachtung, haben wir in Deutschland neuerdings ein Kastensystem auf Exklusivität in der Politik?
    Kann keine neue Partei mehr entstehen?
    Ist der Bürger von der Straße zu dumm fürs Politisieren?

    Das hat ein Thissen Krupp auch seinen Arbeitern verticken wollen, aber das ist dann mit der SPD ziemlich nach hinten losgegangen und auch der bismarckische Kulturkampf gegen die Religion hat die CDU zu dem Schmeltiegel gemacht, den sie bis heute weiterentwickelt und gehegt und gepflegt hat.

    Vielleicht bin ich das zu sehr Idealist, aber anscheinend sind wir mehr und Demokratie basiert auf der Idee einer Mehrheit, die Wahlbeteiligung bei der EU-Wahl spricht zunehmen gegen diese Grundlage der Legitimation, Zeit die Anker zu lichten und einen neuen Kurs anzupeilen.

  15. 15
    Mister T

    „aber anscheinend sind wir mehr“
    Wir sind mehr, aber wir sind kein „wir“. Wenn es beim Politisieren der Bürger von der Straße nur noch darum geht, wer den Begriff „rechts“ in welcher Art verwendet haben könnte, dann scheitert der Idealismus bereits, bevor die Politikerkaste (ja – sowas haben wir tatsächlich) überhaupt nur ans Reagieren zu denken braucht.

  16. 16

    Wegen Postings wie diesem bin ich der festen Überzeugung, dass Spreeblick das beste deutsche Blog ist und in dieser Hinsicht völlig außer Konkurrenz. Hier wird keine Polemik betrieben, Dinge werden nicht einseitig betrachtet oder verklärt und man steht allem mit dem nötigen Interesse, aber auch der kritischen Distanz gegenüber. Daumen hoch + weiter so, bitte :).

  17. 17

    Sachlich und unparteiisch bleiben ist meiner Meinung nach genau so wichtig wie seine Meinung zu diesem oder jenem kund zu tun.
    Ich sympatiere auch mit den Piraten – bezweifle aber, dass die Partei (wenn Sie die Wählermehrheit in Deutschland hätte) regierungsfähig wäre.

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