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Netzwerke mit Verantwortung. Und Konkurrenz.

Die VZ-Gruppe, zu der StudiVZ, schülerVZ und meinVZ gehören, hat ein Manifest mit dem Titel „Netzwerke mit Verantwortung“ veröffentlicht (der Wortlaut folgt am Ende dieses Artikels) und hat die AGB der Portale angepasst oder ist dabei, dies zu tun. Auch andere soziale Netzwerke hatten sich bereits auf einen Verhaltenskodex geeinigt.

Es liest sich zunächst sehr gut, dieses VZ-Statement, dürfte aber im Grunde nur die längst fällige Umsetzung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung sein. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit also, auf deren nun endlich erfolgte Fixierung die Nutzer-Proteste und Abmahnungen durch Verbraucherschutzverbände sicher einen Einfluss hatten. Man darf sich fragen: Warum eigentlich nicht gleich so?, kann aber mit etwas Wohlwollen auch feststellen: Besser spät als nie.

Noch besser würde mir die Erklärung allerdings gefallen, würde sie sich im Kern nicht eher wie ein Schuss gegen die Konkurrenz anhören. Wie oft muss man in einem Manifest, in dem es zunächst um die eigene Standortbestimmung gehen sollte, betonen, dass in Deutschland geltende Gesetze auch für ausländische Anbieter gelten müssen (die meinen doch nicht etwa Facebook?)?

Es gibt in der Tat noch viel zu tun im Bereich des Datenschutzes, nicht nur im sozialen Web. Die Art, wie einige Anbieter ihre eigenen Regeln vorbei an geltenden Gesetzen einzurichten versuchen, wird Juristen noch viele Jahre lang beschäftigen. Ein Manifest jedoch, dass wie die Vorbereitung rechtlicher Schritte gegen Mitanbieter klingt, ist weniger Manifest als PR und politische Strategie. Schade.

Der Wortlaut des Manifests (PDF hier):

Manifest: Netzwerke mit Verantwortung
Das Internet ist die Kommunikationsplattform des 21. Jahrhunderts. Immer mehr Menschen nutzen die Chance zum Austausch im Netz, knüpfen und pflegen Kontakte. Soziale Netzwerke haben sich als Schnittstelle im Web etabliert: 21 Millionen Menschen in Deutschland verfügen über ein eigenes Online-Profil. Täglich kommen Neuanmeldungen im fünfstelligen Bereich dazu.

Soziale Netzwerke in Deutschland sind die mitgliederstärksten Plattformen in Kontinentaleuropa. Für die VZ-Netzwerke gilt: Alle Dienste unterliegen deutschem Recht. Ein Qualitätsmerkmal am Markt: In fast keinem anderen Land sind die Verbraucher-, Jugend- und Datenschutzrichtlinien so streng. Gerade Jugendliche brauchen umfassenden Schutz im Web.

Alle Nutzer in Deutschland sollen von den Chancen profitieren, die soziale Netzwerke bieten. Betreiber stehen in der Verantwortung, die Chancen zu fördern und die Rechte der Nutzer zu stärken. Die führenden Anbieter in Deutschland nehmen die Verantwortung ernst. Die VZ-Netzwerke haben ein Manifest auf den Weg gebracht, das in vier Punkten zeigt, wie sie Nutzer schützen und warum sie Sicherheit im Netz garantieren.

1. Daten sind persönliches Eigentum.
Soziale Netzwerke leben von der Aktivität ihrer Nutzer. Was Nutzer machen und welche Daten sie preisgeben, entscheiden sie allein. Ohne die ausdrückliche Zustimmung darf Persönliches nicht im Internet einsehbar sein, genutzt oder verbreitet werden, auch nicht durch Suchmaschinen oder von Freunden. Wer seine Daten entfernt, muss sich darauf verlassen können, dass Anbieter sie schnell und restlos löschen. Daten bleiben das Eigentum der Nutzer. Netzwerke haben sie geliehen und tragen Verantwortung, sie zu schützen.

2. Nutzer brauchen Transparenz.
Jeder Nutzer bestimmt, welches Ziel er im Netz verfolgt. Blankovollmachten über die Verwendung persönlicher Daten missachten die Autonomie. Der Nutzer entscheidet, welche Option er annimmt. Das gilt auch für Werbung: Wer keine personalisierten Informationen will, muss die Option haben, sie abzuschalten. Wer etwas verkauft, ist verpflichtet, transparent zu agieren und die Kosten zu nennen. Die Kontrolle liegt immer beim Nutzer. Jeder Anbieter hat das zu respektieren und zu unterstützen, indem er offen und klar informiert.

3. Es gilt das gleiche Recht für alle.
Das Daten-, Verbraucher- und Jugendschutzrecht in Deutschland ist streng — so streng wie in fast keinem anderen Land. Nutzer in Deutschland verlassen sich auf diesen Schutz. Die Regeln für soziale Netzwerke dürfen nicht davon abhängen, in welchem Land die Server eines Anbieters stehen. Wer in Deutschland Dienste anbietet, muss sich an deutsches Recht halten — ohne Ausnahme und ohne Tricks.

4. Jugend braucht Sicherheit.
Eltern, Schulen und Internetdienste haben die Aufgabe, Kinder und Jugendliche zu schützen. Sie müssen aufklären, welche Chancen und Risiken virtuelle Kommunikation hat. Anbieter müssen klar informieren, Nutzer unterstützen und schnell helfen — unabhängig von Landesgrenzen und Sprachbarrieren. Sie müssen Jugendliche dort abholen, wo sie sind: in ihrer Sprache und gemäß ihren Bedürfnissen. Inhalte, die für Minderjährige nicht gedacht sind, haben auch im Netz für Jugendliche nichts verloren. Sicherheit hat Vorrang — für Jugendliche und darüber hinaus.

Fazit: Wir stellen uns der Verantwortung.
Deutschland ist wegweisend im Daten-, Verbraucher- und Jugendschutz. Damit Nutzer von den Rechten profitieren, müssen Anbieter den Schutz stärken. Wer in Deutschland eine Plattform zum Austausch bietet, muss das Recht befolgen, das in Deutschland gilt. Als führende Internetportale Deutschlands stellen wir uns der Verantwortung. Wir fordern klare Regeln für alle — und eine offene Debatte, die transparent macht, was Vertrauen verdient.

19 Kommentare

  1. 01
  2. 02

    Äußerst fragwürdig, geltendes Recht als eigene Errungenschaft zu verkaufen. Und wir erinnern uns nur an die anfänglichen Skandale bei StudiVZ um herumgereichte Fotos. Vielleicht vergisst StudiVZ ja ab jetzt gerne, das Internet allerdings tut dies nicht.

  3. 03
    Frogster

    Es wird mir wohl länger noch ein Rätsel bleiben, warum sooo viele Nutzer sich ausgerechnet zu GAAs (Größte anzunehmende Arschlöcher (ohne konkrete Zuweisung bestimmter Anbieter)) hingezogen fühlen.

  4. 04

    Ich votiere für einen Lyrikpreis:

    „Menschen in Deutschland
    brauchen umfassenden Schutz

    Nutzer in Deutschland
    nehmen die Verantwortung ernst

    offen und klar
    offen und klar
    offen und klar

    Deutschland ist streng
    Deutschland ist wegweisend“

    (wer mag es vertonen? ;) )

  5. 05

    Schoenes PR-Deutsch:

    „Soziale Netzwerke in Deutschland sind die mitgliederstärksten Plattformen in Kontinentaleuropa.“ (Hervorhebung von mir)

    So umgeht man elegant dass (meines Wissens) im UK die Mitglieder- und/oder Besucherzahlen von Social Networks trotz geringerer Einwohnerzahl groesser sind als in Deutschland. Auch wenn das hier einige nicht so gerne hoeren, noch gehoert das UK zu Europe ;-)

  6. 06

    Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung umzusetzen, ist leider nicht Aufgabe der VZ-Gruppe, sondern des Gesetzgebers.
    Das hat der auch gemacht, bspw. in den Datenschutzgesetzen. Inwieweit ihm das gelungen ist, darüber kann man sich streiten. Die getroffenen Regelungen galten jedenfalls auch schon vor dieser Erklärung für die VZs. Übrig bleibt nichts als Marketing.

  7. 07

    sehr schön formuliert.
    mir ist es auch schon leicht säuerlich aufgestoßen, als die VZ-Gruppe damals nach Zensursulas Vorschlag zum Verhaltenskodex ihr gleich voll und ganz nach dem Mund geredet haben, frei nach dem Motto, seht her wir sind die ersten die da mit machen: http://blog.studivz.net/2009/07/24/vz-gruppe-unterstutzt-forderung-der-familienministerin-nach-einem-verhaltenskodex-im-internet/

  8. 08
    Jan(TM)

    Und was machen die gegen den Mißbrauch von Daten durch den Qualitätsjournalismus? Können die das Pack nicht abmahnen?

  9. 09
    ap21

    @jan(tm) ja das koennte dann ja in arbeit ausarten. ich bin ziemlich sicher das bei den vz’s ausser den werbemenschen nur die arbeiten die wirklich muessen. der rest verdient geld fuers sitzen

  10. 10

    „Wer keine personalisierten Informationen will, muss die Option haben, sie abzuschalten. “

    Informationen scheint der neue Euphemismus für Werbung zu sein.
    Dennoch eine ganz lustige Aussage, gerade von den VZlern, weil diese Option dort zwar existiert aber an einer unmöglichen Stelle auf der Website platziert ist. Wer keinen Bock hat zu suchen, findet das zumeist nicht.

  11. 11

    Und was machen die gegen den Mißbrauch von Daten durch den Qualitätsjournalismus? Können die das Pack nicht abmahnen?

  12. 12

    Also, ohne diese ganzen VZ´s würden viele viele Studies nicht mal wissen dass es Politik gibt. Besser so als gar nicht behaupte ich einmal

  13. 13

    Obstsalat

    http://tiny.cc/2s90j

    Ich wurde beinahe dazu gezwungen die Taliban ruhig zu stellen.

    @PiPi

    Search/Suche ‚taliban fun‘

  14. 14

    Kam das Manifest bevor, oder nachdem Sie von der Verbraucherzentrale abgemahnt wurden? http://www.jurablogs.com/de/verbraucherzentrale-abmahnung-verschiedener-sozialer-netzwerke-datenschutzrechtswidriger

    Also aus meiner Sicht sollten Sie nicht das Unschuldslamm spielen wollen. Es gab doch auch schon mal bei der Änderung der AGB Theater, weil Sie die Kundendaten für personalisierte Werbung nutzen wollten. Das Statement ist nur ein Lippenbekenntnis und ziemlich unglaubwürdig. Studivz will wie alle auch nur Geld verdienen.

  15. 15

    Sie nennen es ein „Manifest“, wenn sie sich großzügig bereit erklären, dass sie sich künfig an das Gesetz halten möchten. Ähm. Nun.

    Sie halten ihre Kunden offenkundig für Deppen.

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