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Ein Monopol zerfällt

Hans-Joachim Lenger zum Fall des Videos von Übergriffen der Polizei am Rande der Freiheit-statt-Angst-Demo im heutigen SWR2 Journal am Morgen:

Als wären sie eine Medienguerilla, nutzen Bürger neue Technologien, um andere, bislang verschwiegene Tatsachen zur Sprache zu bringen. (…) Neue Möglichkeiten zeichnen sich hier ab, festzuhalten und anzuklagen, was geschieht. Damit entstehen nicht zuletzt neue Formen einer demokratischen Kontrolle.

MP3, 2:38

[Quelle, via Sven Scholz bei facebook]

12 Kommentare

  1. 01
    Anmerkungsmann

    Naja die Schlussfolgerung des Beitrags ist nicht gerade sinnig. Ich meine mit derselben Begründung wurde damals ja sicher auch die Videoüberwachung von Autonomen auf Demonstrationen begonnen: Um sie an möglichen Straftaten zu hindern. Alles was sie gemacht haben, ist sich besser zu vermummen und drauf zu achten ob sie ne Kamera in der Nähe sehen. Funktioniert hat das also nicht. Und bei der Polizei wird es im Umkehrschluss ganz sicher auch nicht funktionieren. Tut mir Leid, dass ich da keine klare Trennlinie zwischen diesen zwei Gruppen ziehe, aber ich sehe eigentlich keine. Genau wie bei den Autonomen scheint es mir in der Polizei 80-90% halbwegs normal denkende Menschen zu geben, die aber völlig in ihrem Denkschema feststecken, sowie zehn Prozent leicht Debile und Verrückte. Also lieber mal ein paar sinnvolle Änderungen (ID- Nummer für Bereitschaftspolizisten) anstatt sich darauf auszuruhen, dass gerade ein einziger Fall aufgeklärt werden KÖNNTE. Korpsgeist ist nichts was in 1945 durch ein Dekret der Allierten abgeschafft wurde und wir finden ihn auch heute immer wieder, gerade bei der Polizei. Natürlich ist es spannend zu sehen, wie im Internet rumgemultiplikatort wird bei dieser Sache, aber wird das dem zehnten Opfer von Demogewalt noch genauso zu Teil werden? Und dem 100? Und so weiter?
    Tschauui

  2. 02
    Infojunge

    In falschen Händen wird die „Medienguerilla“ zum eigenen Propaganda-Organ der Autonomen und von „demokratischer Kontrolle“ kann dann wohl kaum die Rede sein.

  3. 03
    Oliver

    Auf der einen Seite verurteile ich permanente Kontrolle, um sie an anderer Stelle zu nutzen um „žfestzuhalten und anzuklagen“. Wogegen habe ich dann bitte am Samstag demonstriert?

  4. 04

    @Oliver: Papperlapapp. Demo. Öffentlichkeit. Polizeieinsatz.

    Privatsphäre. Intimsphäre. Gedankenfreiheit. Meinungsfreiheit.

  5. 05
    pmn

    @Oliver:
    Genau, gar keine Kontrolle ist die beste Kontrolle. Freie Fahrt für freie Bürger und freie Prügel für freie Demonstranten!

  6. 06

    Die Technik ist nicht wirklich neu. Sie ist nur leichter bedienbar und wesentlich günstiger geworden. Ein SD-Camcorder in der Größe einer Schachtel Fluppen hat heute bis zu 70x optischen (!) Zoom. Damit kann der Demofilmer aus sicherer Entfernung feine Clips vom Event drehen, mit Stativ oder Gorillapod (google it) sogar ruckelfrei.

    Feine Sache, nun kann $bürger die überwachen, die eine Demo gegen die Überwachung überwachen. Zumindest solange, bis jemand die Frage stellt, ob das „Recht am eigenen Bild“ auch auf Demos und auch für Beamte gilt. Wird die Frage von irgendeiner Instanz bejaht, flattern die Videos aus YT wie die Fliegen von den Wänden. Und es gibt Abmahnung galore.

  7. 07

    Stichwort:
    Gegenbeweis

    Die Juristen werden sich die noch vorhandenen Haare raufen,
    wenn ich hiermit behaupte, dass es m..E. legitim ist sich mit
    Kameras ‚bewaffnet‘ Bilder für Private Zwecke zu schiessen.
    (Insbesondere auf öffentlich zugänglichen Plätzen)

    Diese Aufnahmen werden, wenn nötig, zur Beweisführung
    herangezogen.

    Mein ja nur…
    @PiPi

  8. 08

    Mich erinnert das spontan an das von Peter Gabriel initiierte WITNESS-Projekt (http://www.witness.org/), das versucht, Videokameras in die Hände der Menschen in Entwicklungsländern zu bekommen, um Menschenrechtsverletzungen stärker zu dokumentieren.

  9. 09

    Für die, die ständig Dauerüberwachung gleichsetzen mit dem Filmen von konkreten Rechtsverstößen: Es ist ein Unterschied, ob pauschal verdachtsunabhängig (und automatisch und manchmal auch durch unauffällige Kameras wenig nachvollziehbar) öffentliche Räume dauerüberwacht werden oder ob ein konkreter Rechtsverstoß (egal ob von Polizei oder Privatmensch) auf Video dokumentiert wird und dieser Verstoß damit sichtbar und ahndbar wird.

  10. 10
    Karlbioden

    Ich kann dieses einzelne Video nicht beurteilen. Vielleicht wird hier wirklich ein Rechtsverstoss festgehalten. Dann ist es gut und wichtig.

    Aber man muss skeptisch bleiben. Solche Videos zeigen nicht die Vorgeschichte. Sie zeigen nicht, was drumherum geschieht. Wie alle Bilder können sie manipulativ eingesetzt werden. Es erschreckt mich immer wieder, wie schnell Menschen Informationen aus dem Netz Glauben schenken, solange sie in ihr Weltbild passen. Passen sie hingegen nicht ins Weltbild, werden sie ignoriert oder umgedeutet.

    Darauf hat übrigens der Sozialpsychologe Leon Festinger schon in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts hinwiesen. Seine Theorie spricht von dem Drang der Menschen, kognitive Dissonanzen zu vermeiden.

    Außerdem: Mag sein, dass hier ein Bürgerrecht verteidigt wird. Aber andernorts kann es auch sein, dass mich irgendein Eumel beim Stolpern filmt, das total lustig findet, es auf Youtube stellt und mich tausenden von Menschen der Lächerlichkeit preisgibt. Es gibt eben immer zwei Seiten einer Medaille.

  11. 11

    Ich erinnere mich an die 80er Jahre.
    Da gab es in Köln den Verein „Bürger beobachten die Polizei“.
    Von diesem Verein haben sich dann Menschen abseits von voraussichtlichen Konfliktherden aufgestellt und das Ganze genau beobachtet. Dabei ging es nicht darum, dass auf Teufel komm raus Verstöße gegen die Polizei gefunden wird. Es war es so, dass sich beide Seiten entsprechend korrekt verhalten haben. Es war oft also auch eine Deeskalationsmassnahme. Von daher war die Unabhängigkeit des Vereins wichtig. Ähnliches sehe ich bei solch einer „Bewegung“ für mehr Gerechtigkeit. Bei dem Film kann man froh sein, das dieser ausreichend distanziert gefilmt wurde und man keine Schnitte sieht. Zudem dass später noch ein kurzer Filmausschnitt auftauchte, der die Anfangssituation des Vorfalles noch mal bestätigt.
    Das dies letztendlich in dem jetzigen Wertesystem der Polizisten (man lese nur mal die Kommentare dazu im „www.Copzone.de“. Da kann man das Rechtsverständnis zumindest einiger Polizisten selbst nachlesen.
    Das sich diese Äußerungen mit meinen Erfahrungen decken, macht es mir eigentlich kaum möglich, hier von einzelnen Meinungen zu reden. Ich persönlich bin überzeugt davon, dass diese Gesetzwidrigen Ansichten, die dort zum Teil verkündet werden, zumindest die Einstellung einer nicht zu vernachlässigenden Gruppe innerhalb der Polizei ist.

  12. 12

    Es ist ja leider nur die Ausnahme das solch ein Vorfall publik wird
    und vor allem dieses große Medieninteresse zuteil wird. In den
    seltensten Fällen wird sowas ja gerade gefilmt. Umso unverständlicher
    ist es für mich, dass ähnliche Videos nicht zu erforderlichen
    Konsequenzen führen. Hier ein paar Beispiele: im ersten droht der
    vermummte (!) Polizist sogar damit einen Journalisten zu erschießen.
    Dieser kontert jedoch ausgesprochen souverän und fordert zu Recht
    nach dem Polizeigesetz den Namen des Beamten, was diesem schlicht weg
    egal ist, wie er sagt. Dies zeigt uns doch sehr anschaulich einmal
    mehr, wie wichtig eine Kennzeichnungspflicht der Polizisten ist.
    http://www.youtube.com/watch?v=HMRFzI5JZ9s

    Und hier noch ein weiteres Beispiel, wobei das Verhalten des
    Kameramanns hier sicherlich auch nicht ganz ok ist.
    http://www.youtube.com/watch?v=IpQK5JcjFOE

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