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Piratengeschichte


Die Piratenpartei hat wieder einmal einen Ausreißer in Führungsposition: Stefan „Aaron“ König, Piratenparteivorstand. Das ist nach den Debatten um Bodo Thiesen und das Junge-Freiheit-Interview die nächste Kontroverse, die sich damit auseinandersetzt, wie viel Offenheit den Piraten gut tut.

Zu den Fakten: Stefan „Aaron“ König hat nach dem Minarett-Votum der Schweiz einen Artikel verfasst, in dem er den Schweizern seinen Respekt ausdrückt. Denn

eine politisch-totalitäre Bewegung, die sich anderen Glaubens- und Denkrichtungen überlegen fühlt und den Anspruch hat, Andersdenkende zu bekehren und gegebenenfalls zu töten, steht hingegen nicht unter dem Schutz der Religionsfreiheit – denn Freiheit geht immer nur so weit, wie sie die Freiheit eines anderes nicht verletzt.

Islambashing nennt Enno Park das. König ist schon früher dadurch aufgefallen, rechtspopulistische Dogmen nachzuplappern, sich rechts der Mehrheit zu positionieren, und einen seltsamen Begriff von Pressefreiheit zu haben.

Die Piratenpartei ist angetreten mit dem Anspruch, nicht weiter in den altbekannten Rechts-Links-Schemata zu verbleiben. Diesen Anspruch, postideologisch zu sein, haben sie leider mit Teilen der Rechten gemein. Die Übergänge sind in der Theorie fließend, deswegen ist es wichtig, sich in der Praxis deutlich abzugrenzen. Denn was nutzt eine Partei, die für jedes Hirngespinst offen ist bis in die obersten Führungsetagen?

Bei der momentanen Ausrichtung der Piratenpartei wird es immer und immer wieder einen Thiesen oder einen König geben – mal wird der Fall eindeutiger sein, mal etwas schwammiger. Allein die Personaldebatte zu führen, wird nicht reichen, um den Abgrenzungsproblemen gegen Rechts beizukommen.

Nach dem Interview mit Popp hat die Führung der Piratenpartei so reagiert, wie man es von etablierten Parteien gewohnt ist: Mit Zurückrudern und Relativierung. Durch diese Herangehensweise hat sie viele Sympathien verspielt. Tatsächlich ergebnisoffen diskutiert haben nicht die Führungspersonen, sondern ein Teil der Mitglieder und Sympathisanten. Unzählige Kommentare, Blogposts und Forenbeiträge später ist das Ergebnis: Die Piratenpartei hat wieder einen Ausreißer in Führungsposition.

Und diskutiert wird auch diesmal wieder, und wieder bleibt die Spannung, wie sich die Parteispitze verhalten wird, was sehr wichtig sein wird. Denn noch ein paar von den Geschichten, und die Piraten sind Geschichte.

Update Aaron König erklärt seine Motivation.

94 Kommentare

  1. 01
    Chräcker

    @#740460: Nur weil „Rechte“ Teile der echten Angst der Bevölkerung aufgreifen und aufs wirklich schändlichste mißbauchen, darf man die Ängste selber doch noch benennen, oder? Nur wer seine Ängste erst mal eingesteht und benennt, kann sie auch überwinden. Sonst hätten „die Rechten“ eindeutig gewonnen, wenn man lieber im stillen seine Phobie weiter ausbaut, um ja nicht Gefahr zu laufen, denen zugeordnet zu werden.

    DAS hier sich viele vor einem fragwürdigen Karren haben spannen lassen, sehe ich ja ein, und selbst sehe ich da eine Gefahr der Basisdemokraie, aber ich verstehe nicht, warum man, und mit welcher Intention, jetzt bei einem Artikel zwischen den Zeilen etwas suchen will, wo die Zeilen selbst doch sehr eindeutig sind.

    Schriebe er eindeutig rechtes Zeug, heißt es: Rechter! – schreibt er eindeutig kein rechtes Zeug, heißt es nun? So tarnen sich die Rechten?

  2. 02

    @Chräcker: Der Unterschied besteht zwischen schüren und benennen. Nachplappern fällt unter schüren. Analyse würde unter bennen fallen.

    +++

    Ich hab gestern den sehr klugen Satz gehört, dass ein Pirat, der für völlige Meinungsfreiheit ist, gar nicht gegen den Minarettbau sein kann. Jede Art der Meinungsäußerung, und sei es architektonisch, müsse erlaubt sein. Ein interessanter Punkt, wie ich finde.

  3. 03
    gunthers

    @Damian Zoys (42):

    Wow, was für ne argumentative Grütze.
    Erstmal, ich habe das Kalifat denn wohl bei dir gelesen, mich aber überhaupt nicht „auf dich“ bezogen mit meinem Post, mir ging es um diese verbohrte Denke allgemein.
    Als Nazi habe ich dich nirgends bezeichnet, den Schluss hast du jetzt mal selber gezogen. Ich würde eher von einer Phobie/Paranoia sprechen.

    Ansonsten, der Blogpost von Aaron Koenig (und du selbst auch) macht genau den Fehler, den du gemeint hast – „den Islam“ als Ideologie zu beschreiben, der ein totalitäres Herrschaftssystem vorgibt. Denn mit dieser Aussage unterstellst du ganz klar allen Muslimen, dies auch anzustreben – sonst könnten sie sich ja nicht als Anhänger des Islam bezeichnen. Dann nachzuschieben, so wäre es ja nun auch nicht gemeint, ist Makulatur. Und wenn sich real zeigt, das selbst das größte islamische Land der Welt kein „totalitäres Herrschaftsregime“, sonder eine (wenn auch wenig perfekte) Demokratie ist, sollte dir das doch auch irgendwie zu denken geben, oder? Woher kommt die ganze Angst?

    Und nochmal zu „Islamkritik“. Es ist doch vollkommen engstirnig wie kontraproduktiv, die heiligen Schriften einer Religion zu „kritisieren“. Damit stößt du den Leuten einerseits lediglich vor den Kopf, und andererseits kannst du ja auch nicht verlangen dass sie das Ding jetzt umschreiben. Sinnvolle Kritik bezieht sich auf das hier und jetzt, auf die Taten, Absichten und Einstellungen der Menschen (womit wir einmal im Kreis wären: was will die Mehrheit der Muslime in Deutschland heute vs. was steht da blutrünstiges im Koran). Ich protestiere ja auch nicht dagegen, dass in der Bibel steht „So solle euch der Pimmel abfaulen, wenn ihr ihn unehelich benutzet“, sondern dass christliche Organisationen sich auf dieser Grundlage gegen Kondome zur AIDS-Vorsorge aussprechen.

  4. 04
    Stirle

    @Frédéric: Das hiesse ein echter Pirat dürfte ja auch rechte Ansichten äussern – völlig Meinungsfreiheitstechnisch? Ich wüsste, wer dann aber hier sofort wieder rumplärren würde. Es ist immer wieder das gleiche – du befürwortest die Meinungsfreiheit, solange die Meinung dir passt. Wenn nicht, dann ist diese nicht mehr legitim.

  5. 05
    Markus

    „Jede Art der Meinungsäußerung, und sei es architektonisch, müsse erlaubt sein. Ein interessanter Punkt, wie ich finde.“

    Vollkommen richtig. Genauso kann auch ein Piratenpartei-Mitglied seine Meinung frei äußern. Die Diskussion darüber bleibt ja nicht aus. Die Position dieses PP-Mitglieds ist dabei vollkommen egal.

    Und genau da liegt nämlich auch der Denk-Fehler: Die PP ist keine CDU oder SPD die sich durch die Meinung eines aristokratie-ähnlichen „Vorstandes“ definiert.

    Liquid Democracy ist da nur ein guter Ansatz. Aber ein besonders wichtiger. Zumindest für mich persönlich kommt das Thema Copyright weit weit hinter der Idee einer umsetzbaren Basis-Demokratie und für die steht die PP nunmal und arbeitet daran.

    Jetzt ständig „Skandal“ zu schreien, nur weil irgendwer aus der PP was fieses gesagt hat, zeigt nur wie sehr du in diesem veralteten System von wenigen „Volksvertretern“ fest hängst. Anstatt die Möglichkeiten einer echten Demokratie zu erkennen. Das ist für mich Piratenpartei-Bashing auf dem Niveau von Boulevard-Nachrichten.

    Nochmal kurz: Einzelne Meinungen in der PP sind wirklich NUR das: Einzelne Meinungen. Die Aristokratie einer Politiker-Kaste ist auf die PP nicht anwendbar. Die Meinung jedes Einzelnen zählt, nicht die irgendwelcher „Führungsriegen“.

  6. 06

    @gunthers:

    Johnny schrieb in #3 das Aaron in Schemata verfallen sei. Dieser Schluss funktioniert nur wenn man Islamkritik einem Schema zuordnet und dies ist meistens nunmal ein rechtes. Ob du mich als Nazi bezeichnest oder nicht ist mir herzlich egal.

    Indonesien ist kein islamisches Land, sondern jenes mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit. Saudi-Arabien beispielsweise ist ein islamisches Land, dass sein Rechtssystem explizit auf die Sharia stützt und den Koran als Verfassung benennt. Der Unterschied ist eklatant.

    Weiters kann man sehr wohl eine Religion kritisieren ohne die sich daraus ergebenden Konsequenzen allen ihrer Anhänger zu unterstellen. Es gibt im Islam zahlreiche verschiedene Strömungen die beispielsweise den Koran als im geschichtlichen Kontext interpretierbar erachten, hier seien z.B. die Aleviten genannt, oder Menschen die sicher eher formal als Muslime bezeichnen, ähnlich wie es viele Christen hierzulande tun. Wie jeder seinen Glauben privat auslebt ist seine Sache, es wäre aber meines Erachtens naiv und gefährlich totalitäre Tendenzen zu missachten und nicht zu thematisieren.

    Ich verlange auch von niemandem das er oder sie den Koran umschreibt, sondern das man von dem Dogma abrückt, dass jedes Wort darin unveränderlich für alle Zeiten von Allah stammt. Denn so wird der Islam sich auf immer und ewig bei jeder Modernisierung selbst im Weg stehen.

    MfG

  7. 07
    Micha

    @#740446: In Saudi-Arabien sind alle Religionen außer dem Islam verboten. Wer andere Religionen ausübt, wird streng bestraft. Wer am Flughafen z.B. mit einer Bibel oder einer Kette mit Kreuzanhänger erwischt wird, bekommt richtigen Ärger. Bei der Einreise mußt Du Deine Religion angeben, es gibt genau drei Optionen: „žMuslim“, „žChrist“ und „žJude“ (die Religionen, die im Koran erwähnt werden), alles andere (auch Atheismus) „žexistiert“ nicht.

    Die dortigen Christen (z.B. die 1 Mio philippinischen „žGastarbeiter“) üben ihren Glauben heimlich in ihren Unterkünften aus (das wird geduldet), ähnlich die gutbezahlten westlichen Ingenieure und Geschäftsleute. Es gibt im ganzen Land kein einziges nichtislamisches Gotteshaus. Auf „žWerbung“ für nichtislamische Religionen steht die Todesstrafe, ebenso auf den Austritt aus dem Islam.

    Man kann also bei allem berechtigten Ärger über die Schweizer Entscheidung, nicht davon sprechen, daß Kirchtürme oder Minarette das größte Problem der Religionsfreiheit sind.

    Und bevor das irgendjemand zu relativieren müssen meint: Saudi-Arabien ist kein entlegenes, von irren Taliban geknechtetes Bergvölkchen, sondern einer unserer wichtigsten Handelspartner.

  8. 08
    Klii

    Guter Spiegelartikel: http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,664896,00.html


    Im Alltag wird diese Diskrepanz zum Beispiel daran deutlich, dass christliche Kreuze in Ämtern und Behörden nach einem höchstrichterlichen europäischen Entscheid abgehängt werden sollen, während muslimische Schüler Gebetsräume in Schulen einklagen und türkische oder arabische Eltern ihren Töchtern verbieten, am Schwimmunterricht teilzunehmen.

    ..

    Der Unterschied zwischen „öffentlicher“ und „veröffentlichter“ Meinung sei offenkundig sehr groß.

    ..

    Wie immer man das Ergebnis dieser Volksabstimmung in der kleinen Alpenrepublik betrachten mag – allein die weltweite Aufregung zeigt, dass die Eidgenossen uns womöglich einen großen Dienst erwiesen haben. Sie haben eine notwendige Debatte eröffnet über Demokratie und Integration, über eine freie Gesellschaft und die Grenzen der Religion.

  9. 09

    @Micha:

    ne, jude gibt es nicht auf dem formular. als jude darf man naemlich gar nicht einreisen.

  10. 10
    gunthers

    Ich meine relativieren zu müssen: es gibt islamische Länder, in denen es ganz anders aussieht – Indonesien (88% Muslime/zahlenmäßig mehr Muslime als in jedem anderen Land) habe ich ja schon erwähnt. Damit ist bewiesen, dass „der Islam“ nicht per se zu diesen Verhältnissen führen kann.

  11. 11

    guter artikel von jemandem, der sich auskennt:

    „Dabei ist die Verkrampfung auch darauf zurückzuführen, dass im Laufe der Jahrhunderte keine Alternative zur Religion als identitätsstiftendem Element entwickelt wurde. Alle aus dem Westen importierten Systeme scheiterten, weil man wohl deren Instrumente, aber nicht den Geist dahinter nutzte.“

    ….

    „Die Unantastbarkeit der Religion stand den Reformern immer im Weg und liess ihre Bemühungen im Sande verlaufen. Kommt hinzu, dass sie wie die religiösen Fundamentalisten selbst vom Text des Korans besessen sind. Während die Terroristen darin Rechtfertigung für Gewalt suchen und finden, stöbern Liberale nach friedfertigen Passagen, die das Zusammenleben ermöglichen. Beide stärken damit die Autorität eines Buches, das für die Bedürfnisse einer vormodernen Gemeinde im 7. Jahrhundert entstanden war und im 21. Jahrhundert historisiert gehört. Den Reformern fehlen die letzte Konsequenz und der Mut, dafür zu plädieren, den Koran politisch zu neutralisieren und aus dem politischen Diskurs zu verbannen.

    Für eine zeitgemässe Interpretation des Korans und eine Annäherung an die Moderne sprechen sich die Reformer aus und betonen im gleichen Atemzug, die eigene Tradition und kulturelle Eigenständigkeit nicht opfern zu dürfen. Ebendies tat auch Usama bin Ladin. Er löste sich von der überkommenen Interpretation des Korans, die eine Rebellion gegen den Herrscher verbietet. Durch seine Auslegung des Korans gelang es ihm, den jihad zu privatisieren und den Massenmord an Zivilisten zu rechtfertigen. Auch er nährt sich an der Moderne und bedient sich modernster westlicher Technik, ohne sich das aufgeklärte Gedankengut, das in dieser steckt, zu eigen zu machen.“

    http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/vom_glauben_zum_wissen_1.4098827.html

  12. 12
    Chräcker

    @gunthers: Du sagst:

    „“den Islam“ als Ideologie zu beschreiben, der ein totalitäres Herrschaftssystem vorgibt. Denn mit dieser Aussage unterstellst du ganz klar allen Muslimen, dies auch anzustreben“

    Wieso unterstellt man das denn? Aufgeklärte Menschen sollten in der Lage sein zu erkennen: nur weil ein ameriaknische ex Regierung eigenartige evangelische fundamentale Ideen gesellschaftlich vorgeben will, glauben nicht alle evangelisch orientierte Christen, das die Welt in 7 Tagen erschaffen wurde. Also ich schaffe das, ich traue das dem Artikelautor auch einfach mal zu.

  13. 13
    Marc

    … und vorzugsweise plappert er wie Friedman. Ohne Sinn und Verstand provozieren und immer versucht aggressiv seine Meinung zu missionieren.

    Nervig und überflüssig … (und ohne wirkliche Inhalte)

    In ein paar Jahren haben sich die Piraten bereinigt und dann kanns losgehen mit der Jagd nach Prozent-Stimmen.

    Viel Glueck bis dahin …

  14. 14

    @Markus: Niemand will König verbieten, seine Meinung zu äußern. Die Frage ist allerdings: Ist er als Veratnwortlicher in einer Partei tragbar, die freie Meinungsäußerung sehr hoch stellt, wenn er gleichzeitig begrüßt, dass andere ihre Meinung nicht frei äußern dürfen?

    Hat die PP dann nicht ein Glaubwürdigkeitsproblem?

  15. 15
    gunthers

    @Chräcker:
    Die Erklärung meines Gedankens folgte im von dir beim zitieren weggekürzten Nebensatz:
    „…sonst könnten sie sich ja nicht als Anhänger des Islam bezeichnen. “

    In dem Moment, in dem du „dem Islam“ verallgemeinert dies und das zuschreibst, meinst du damit auch jeden, der sich als Anhänger des Islams begreift. Um diese Differenzierung tanzt ihr doch alle herum, einerseits wollt ihr es nicht so verstanden wissen, andererseits gründet sich die ganze Phobie darauf.

    Und dein Vergleich ist sicher zutreffend, er bedeutet aber eiegntlich:

    entweder
    a) ist es zulässig, das Christentum an sich als fundamentalistische Ideologie zu bezeichnen (da es eine kleine Zahl Anhänger dieser Orientation gibt, die sich das Armageddon wünschen)

    oder
    b) ist es nicht zulässig, den Islam an sich als fundamentalistische Ideologie zu bezeichnen (da es eine kleine Anzahl von Anhängern dieser Orientation gibt, die sich den Tot aller ungläubigen Wünschen)

    Ich hoffe, du konntest mir folgen.

  16. 16
    Jochen

    Da Frédéric die Abgrenzung wünscht, möchte ich mal auf eine Erklärung des Landesparteitag der Piratenpartei Rheinland-Pfalz vom 29.11.2009 hinweisen.

  17. 17
    Markus

    @Frédéric: „Hat die PP dann nicht ein Glaubwürdigkeitsproblem?“

    Das ist der Knackpunkt. Die Glaubwürdigkeit einer Partei an einzelnen Personen fest zu machen (auch oder gerade wenn diese einen gewissen Posten in der Partei bekleiden) passt zu den alten Modellen der alten Parteien. In einer Partei die auf Basisdemokratie basiert sind Einzelmeinungen in keiner Weise entscheidend für die Partei. Im Endeffekt ist sein Posten irrelevant für die Entscheidungen die die Partei basisdemokratisch trifft.

    In den alten Parteien wird es sicherlich auch solche Meinungen wie die von König geben. Nur das bei diesen Parteien die Meinungsfreiheit (und vor allem die Transparenz) an der Stelle fehlt. Bzw. einfach nicht nach außen getragen werden darf, weil man befürchtet die Partei könnte an Ansehen verlieren. Mir persönlich ist eine ehrliche und transparente Partei lieber, die auch mal kritische Stimmen zu Wort kommen lässt, als eine die so tut als wären sich alle einig und bei der man den Entscheidungsprozess weder begreifen noch mitbestimmen kann.

    Zum Thema Meinungsfreiheit selbst: Sie ist wie jedes andere Thema nicht nur schwarz-weiß zu betrachten. Es gibt für jeden Beispielfall verschiedene Meinungen. Die reichen von der ethischen Betrachtungsweise bis zur praktisch umsetzbaren. Von extremen Ansichten in die eine bis in die andere Richtung. Bestes Beispiel ist doch die Frage ob Meinungsfreiheit schon bei der Äußerung von rechtsgerichteten Ansichten aufhört oder wirklich erst da wo sie direkt die Freiheit anderer Personen einschränkt.

    So gesehen soll jeder seinen Standpunkt doch offen aussprechen können. Egal ob man der selben Meinung ist oder ob man diese Meinung verabscheuenswert findet. Am Ende entscheidet die Mehrheit bei der jede Stimme gleich zählt und irgendwelche Posten in der Partei für das Handeln der Partei nicht entscheidend sind.

  18. 18
    Frédéric Valin

    @Markus: Wenn es keine Hierarchie gibt, warum gibt es dann eine Hierarchie mit Ämtern etc in der Piratenpartei?

  19. 19
    Jochen

    @Frédéric Valin: Das frage ich mich als Pirat jetzt aber auch.
    Meiner Meinung brauchen wir auch in der Piratenpartei eine Hierarchie. Alles andere ist unpraktikabel.

  20. 20

    Diverse Diskussionen hier und anderswo in der letzten Zeit zeigen eigentlich nur eines: Wer vermutet hat, dass das Engagement für eine vernünftige, aufgeklärte Netzpolitik eine Sache der irgendwie „Linken“ ist, hat sich schwer getäuscht.

    Anscheinend passt sowas auch wunderbar zu Menschen mit kulturell doch sehr eng begrenztem Horizont – bis hin zu offenen Rassisten.

    *dem Spreeblick zu Weihnachten andere Leser wünscht*

  21. 21
    Jochen

    @Mart: Das muss ich jetzt als persönliche Beleidigung auffassen. Ich bin sicher ein Computerdepp, aber einen „kulturell [..] sehr eng begrenzte[n] Horizont“ würde ich dann doch eher Ihnen zu schreiben.

  22. 22
    Markus

    @Frédéric Valin (65): Tja, gute Frage. Bin selber kein PP-Mitglied auch wenn ich schwer am überlegen war. Die „Skandale“ in jüngster Zeit haben mich aber nicht dazu bewogen es sein zu lassen. Eher die fehlende Zeit etwas zu bewegen.

    Von daher kann ich dir darauf keine Antwort geben. Nur eine Vermutung: Nämlich, dass es zur Koordination und Organisation sinnvoll ist. Politik ist ja nicht einfach nur Diskussion und Entscheidung. Irgendwer muss sich ja auch (z.B.) um die Bürokratie kümmern, Treffen organisieren usw.

  23. 23
    Frédéric Valin

    @Markus: Strukturelle Organisation ist immer auch ein Machtgefüge. Deine Ziele und Ideale in der Sache mögen hoch sein, aber sie passen nicht zur Piratenpartei, wie sie sich jetzt im Moment organisiert.

    Deswegen ist imho Dein Einwand, man müsse die aussagen eines PP-Vorstandes anders bewerten als die eines anderen Parteivorstandes, nicht nachvollziehbar. Die PP organisiert und versteht sich als Partei. Daran muss sie sich messen lassen, egal, wie sie sich inhaltlich orientiert.

  24. 24
    Chräcker

    @gunthers: ich mag ja nun etwas verwirrt sein, aber der von mir, nicht zwecks Umbiegung, gekürzte Rückschluß von Dir kommt doch…. von Dir? (ohne retorisches Grinsen jetzt gemeint…. natürlich nur zur Verdeutlichung einer falschen und rechten Denke…)

    Bei Aaron konnte ich diese ganze „Kausalitätsverkettung“, die in der Tat ja daneben wäre, nicht lesen.

  25. 25
    Jochen

    @Frédéric Valin: Da muss ich Dir auch als Pirat, der hofft, dass sich die Piratenpartei in eine andere Richtung entwickelt als die etablierten Parteien, zustimmen.
    Wir haben nunmal Anführer und wenn schon ein „kleiner“ Ersatzrichter abgeschoben wird, dann muss ich ein Mitglied des Bundesvorstands die gleichen Fragen und Konsequenzen gefallen lassen.

  26. 26
    Markus

    @Frédéric Valin: Nicht ganz. Das Machtgefüge durch strukturelle Organisation hat in dem Falle PP keine Auswirkung auf deren Politik. Es bestimmt nicht, welche Entscheidungen gefällt werden.
    Klar, es bestimmt z.B. welche Meinungen _prominent_ nach außen gehen. (Posten: Pressesprecher) Aber das ist ein anderes Problem. Und zwar folgendes:

    Die Ideale die von der PP vertreten werden und die sie zu erreichen versuchen, passen nicht zu den derzeitigen Strukturen. Sie musste sich zwangsläufig an diese Strukturen anpassen, da Gesetze und Bürokratie es so vorschreiben. Man kann ja nicht einfach sagen: „Jetzt sind wir eine Partei“ Man muss sich an die Richtlinien halten.

    Diese Richtlinien sind aber nicht für eine basis-demokratische Partei ausgelegt. Doch wie will man sonst etwas ändern? So gesehen ist die PP gezwungen eine unpassende Struktur an zu nehmen, um überhaupt gewählt werden zu können, um überhaupt an die Macht zu kommen, um dann das System zu verändern.

    Ich hege einfach die Hoffnung, dass sie auf dem Weg dahin ihre Ideale nicht vergisst. (Auch wenn das einzelne Mitglieder scheinbar tun.) Aber solange _alle_ bestimmen können wo es hingeht, bleibe ich als Wähler der PP treu. Denn es gibt niemanden sonst, der es zumindest versucht.

  27. 27

    @Jochen:

    Stand in meinem Post „@Jochen“?

    Habe ich die Priatenpartei namentlich erwähnt?

    Hast du das „auch“ im folgend noch mal zitierten Satz gelesen?
    „Anscheinend passt sowas auch wunderbar zu Menschen mit kulturell doch sehr eng begrenztem Horizont — bis hin zu offenen Rassisten.“

  28. 28
    !"

    ÜBLICHES PIRATENBASHING VON BEKANNTER sEITE; ÄRMLICH

  29. 29
    gunthers

    @Chräcker:

    Sorry, ich raff wirklich nicht was du mir sagen willst. Mein posting war eine Antwort auf deine Frage.

    Aaron meint mit seiner „politisch-totalitäre Bewegung“ offensichtlich den Islam an sich, es wurde ja nicht nicht über die Errichtung von Terrorcamps abgestimmt. Das diese von vielen anscheinend mit Moscheen verwechselt werden, ist das eigentliche Problem.

  30. 30
    Jochen

    @Mart: Wenn man von dem Artikel unter dem Ihr Kommentar steht und der Einleitung „Netzpolitik“ weiterdenkt, dann bleibt als Ziel nur die Piratenpartei. Da ich ein Mitglied bin, kann ich das eben nur als indriekten, aber verallgemeinenden Angriff auch auf meine Person werten.
    Übrigens ist Ihre Argumentationsweise genau die gleiche wie die von Aaron Koenig: Nichts direkt sagen, aber implizieren.

  31. 31
    Chräcker

    @gunthers: Ganz einfach: Du sagst: „Aaron meint mit seiner „politisch-totalitäre Bewegung“ offensichtlich den Islam an sich“ und ich sage die ganze Zeit. +++ wo +++ steht +++ diese +++ Definition +++ bei +++ ihm +++ ausser +++ bei +++ Deinem +++reinlesen +++ und +++ Vermutungen?

    Puh. Jetzt klar geworden?

    Er spricht übrigens von zwei Dingen: politisch (also nicht religiöse) Bewegungen und Elemente (also Teile von etwas ganzem) von Religion. Er sagt also genau das Gegenteil von dem, was Du bei ihm gelesen haben willst.

  32. 32
    gunthers

    Bullshit. Ich habe schon richtig gelesen. Und wenn du deinen Gedanken nicht ausformulierst (dann aber geht das auch in normaler Formatierung), kann ich nicht wissen was du meinst.

    Er sagt, es gehe bei der Abstimmung nicht um Bauwerke, sondern Symbole. Und für wen Minarette eine politisch-totalitäre Bewegung symbolisieren, die „auch religiöse Elemente enthält und sich daher auf Religionsfreiheit beruft“, der hat den Kontakt zur Realität verloren. Er spricht nicht von Islamisten, er spricht nicht von Fundamentalisten, er meint den Islam. Da gibt es nichts zu interpretieren oder hineinzulesen, das steht da sehr unmissverständlich.

  33. 33

    Bei all den „Islam-Kritikern“, die sich hier so verbreiten, fehlt mir ein zentraler Punkt: Ich sehe nicht, an welcher Stelle ihr spezifisch den Islam kritisiert, und an welcher Stelle das Phänomen „Religion“ im Allgemeinen. Ich denke nämlich, dass die meisten Kritikpunkte eigentlich eher darauf bezogen sind, dass der Islam eine Religion ist. Gedanken wie der, ein verbindliches Wertesystem durchsetzen zu müssen, eine eigene Vorrangstellung gegenüber Nichtgläubigen innezuhaben oder im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein, sind eben nun mal Kennzeichen aller großen Religionen.

    Die Frage ist: Wenn Muslime keine Minarette bauen dürfen – wieso dürfen dann Christen Kirchtürme bauen?

    (Ich finde es davon abgesehen auch unnötig, kontraproduktiv und teilweise beleidigend, als Außenstehender fremde Glaubensvorstellungen zu kritisieren.)

    Ich warte übrigens auch immer noch auf das Statement von Johnny.

  34. 34

    @Jochen: Meine Güte! Man kann auch alles in den falschen Hals bekommen, wenn man sich nur genug anstrengt.

    Aber bitte: Folgendes ist (im Gegensatz zu dem, was ich vorher schrub) eine direkte Kritik an deiner lustigen kleinen Partei, da darfst du dann auch gern entrüstet sein:

    Vollmundige Erklärungen zum Thema Toleranz und Aufarbeitung des Faschismus abzugeben ist eine Sache – danach zu handeln und Leute, die augenscheinlich auch gerne mal am rechten Rand Wählerstimmen fischen gehen konsequent und schnell auszuschliessen anscheinend eine ganz andere.

  35. 35
    Jochen

    @Mart: Ich muss Sie enttäuschen, da läuft schon was.
    Ausserdem braucht auch das seine Zeit, immerhin soll ja alles korrekt laufen, oder?

  36. 36

    Ist halt noch eine sehr junge Partei.. Trotzdessen: Menschenskinder, manche Aussage sollte man eine Nacht überschlafen.

    @spreeblick: War mir ein Fest den aktuellen und, wie ich finde liebevoll geschriebenen Artikel zu lesen. http://www.spreeblick.com/2009/12/03/sonderangebot-zwei-themen-zum-preis-von-einem/

  37. 37

    Man kann halt auch irgendwann mal akzeptieren, dass der Bundesvorstand bei uns nicht tonangebend ist und sich auch nicht zu allem äußern muss. Wir sind anders. Bei uns positionieren sich die Mitglieder und werden einen Aaron sicher nicht noch einmal wählen. Das ganze Netz ist voll mit Piraten, die sich ärgern und diesen Ärger ausdrücken. Und dass wir so offen und transparent diskutieren ist Zeichen politischer Moderne.

  38. 38
    Jochen

    @Martin (Pirat): Nein, ich kann einfach nicht akzeptieren, dass mein Bundesvorstand alles sagen darf, was es will und dass das aber nicht für die Partei gilt.
    Das ist doch Quatsch. Wäre das so, dann bräuchten wir den Bundesvorstand nicht.

  39. 39
    Frédéric Valin

    @Stirle: Er darf sagen, was er will, so lange es strafrechtlich nicht relevant ist. Wenn ich das hier kritisiere, fällt das auch unter Meinungsfreiheit. Spreeblick ist nicht die Staatsanwaltschaft, wir verbieten keine Äußerungen. Aus unserem Büro ist noch keine Unterlassungserklärung verschickt worden.

  40. 40

    Keine andere Partei kümmert sich um das Internet. Es wird zwar mittlerweile als wichtig Instrument im Wahlkampf angesehen. Ansonsten wird diesem Medium wenig Beachtung geschenkt. Auch ein Grund, warum die Piraten groß werden durften.

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