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Harald Ehlert, Held unserer Zeit

Wie macht man aus dem gescheiterten ehemaligen Chef der Treberhilfe Harald Ehlert einen Märtyrer? Durch Auslassungen. Herzlich willkommen zum Crashkurs „Wie schreibe ich eine neoliberale Reportage, ohne dass sie neoliberal klingt“: Der König der unteren Zehntausend von Henning Susselbach und Stefan Willeke, erschienen in der ZEIT letzte Woche.

Hauptfigur

Harald Ehlert war Chef der Treberhilfe in Berlin, einem Verein, der sich um obdachlose Jugendliche kümmert. Nach der sogenannten Maserati-Affäre wurden Vorwürfe laut, er habe sich am Unternehmen bereichert und seine Mitarbeiter ausgebeutet. Deswegen haben einige Bezirksämter beschlossen, keine Aufträge mehr an die Treberhilfe zu vergeben, die Berliner Diakonie und die Sozialsenatorin Carola Bluhm erstatteten Strafanzeige. Ehlert wurde als Geschäftsführer abgesetzt.

Soweit die Fakten. Die sollte man vorab entkräften. Und zwar: irgendwie. Das meine ich wörtlich: zum Einstieg hilft bestens die Relativierung. Oder aber: die einerseits-andererseits Taktik. Kann man so sehen, muss man aber nicht. Die einen sagen so, die anderen so.

Harald Ehlert, den enige seiner Genossen ein „Genie“ nennen, andere ein „größenwahnsinniges Arschloch“,…

Das ist gut, damit zeigt man seine Unvoreingenommenheit. Danach streut man nur noch selten eine negative Charakterisierung ein, Das Verhältnis Lob zu Nichtlob sollte bei 70 zu 30 liegen. Wichtig ist, dass die kritischen Stimmen immer anonym bleiben, während die positiven, huldigenden Zeugen klar benannt werden. Der Staatsanwalt fordert das Bundesverdienstkreuz für Ehlert, zum Beispiel. Das ist gut, das muss auch gleich zwei Mal in den Artikel, damit es keiner überliest.

Außerdem muss man Ehlert als guten Geschäftsmann dastehen lassen. Dazu gehören Eigenschaften wie Mut zur Innovation, Integrität, Besessenheit, Gestaltungswille. Natürlich ist auch Kritik angebracht, aber nur solche, die den positiven Eindruck verstärkt. Zum Beispiel so:

Auf seine Genossen wirkt Ehlert ruhelos, gehetzt, ein Mann ohne Mitte.

Lernt man von jedem Bewerbungsratgeber: Wird man nach seinen Schwächen gefragt, muss man dringend Ungeduld sagen.

Dazu kommen einige minderschwere Fehler: Geltungshunger zum Beispiel, Selbstüberschätzung, die falschen Ratgeber. Und Maßlosigkeit. Weil er, der Aktionist, halt nicht weiß, dass „zu viel des Guten manchmal schlecht ist“. Er hat’s halt ein bisschen übertrieben.

Dogmen

Harald Ehlert muss aussehen wie ein innovativer Geschäftsgründer. Einer, der sich reinhaut und jetzt die Früchte seiner Arbeit genießt. Einer, der aktiv ist und keine Risiken scheut. Einer, der es im Gegensatz zu den anderen Nasen im sozialen Bereich auch wirtschaftlich draufhat.

Nicht erwähnen darf man natürlich, dass im Gegensatz zu einem Unternehmer in der freien Wirtschaft Harald Ehlert inzwischen kein großes Risiko mehr eingeht. Man sollte auch verschweigen, dass keiner seiner Geschäftspartner (Bezirks- und Jugendämter) je in Liefer- oder gar Zahlungsschwierigkeiten kommen wird. Was man auch auf keinen Fall sagen darf: dass sein Geschäft wegen der Subventionen und der enormen Steuerbegünstigungen lukrativ ist. Also: lukrativ war. Jetzt, wo es diese Vergünstigungen nicht mehr gibt, ist die Treberhilfe nämlich pleite. Aber auch das sollte man besser nicht schreiben.

Sonst könnte noch ein Leser auf den Gedanken kommen, dass eine gemeinnützige Organisation ganz andere soziale Verpflichtungen hat, als den Gewinn in einen Fuhrpark des Vorsitzenden zu reinvestieren. Die Treberhilfe hat im Jahr 15 Millionen umgesetzt und davon eine Million Gewinn gemacht, das sind fast 7 Prozent. In der Branche üblich sind – hoch gegriffen – 1,4 Prozent.

Ressentiments

Feindbilder sind wichtig. Vor allem die sozialen Dienstleister. Die heißen dann „Sozialmafia“, „Kartell der Verschwender“ oder „soziale Samariter“. Und weil man Ehlert so motiviert und agil gezeichnet hat, muss man seinen potentiellen Nachfolger ein wenig kontrastieren: der ist dann eben müde, lustlos, stockend, ohne innovative Ideen. So ein Samariter eben, kraftlos und ohne unternehmerische Energie.

Verschwörungstheorien

Wie kommts, dass Ehlert am Ende doch scheitert? Zwei Thesen hierzu: Einerseits, weil er irgendwann kein Maß mehr kannte. Andererseits, weil er der Sozialmafia auf den lahmen Füßen herumsprang.

Kurz vor der Affäre spricht er während einer Konferenz über social profit. Sussebach und Willeke sind sich sicher, dass sich jetzt alle sicher sind, dass dieser Mann einfallsreich, gerissen und vielleicht gefährlich ist. Darum hat er jetzt viele neue Feinde in der Sozialmafia. Und deswegen schreiben sie:

Es mag Zufall sein, das wenige Tage später die Affäre Ehlert losbricht.

Es mag Zufall sein, aber wir betonen das lieber nochmal, damit auch ja keiner denkt, es sei Zufall. Schließlich ist das die Mafia, haben wir das drei Zeilen drüber auch ja reingeschrieben? Gut.

Moral

Am besten, man wirft eine Frage auf, die der Text nach und nach selbst beantwortet. Die Frage hier wäre:

Kann es sein, dass ein größenwahnsinniges Arschloch mehr Gutes bewirkt hat als all die sanften Samariter unter den Sozialarbeitern?

Und die Antwort lautet so:

Harald Ehlert hat das Gute in obszöner Offenheit mit dem Schönen vermengt, sich an der Symbolik einer Wirtschaftsbranche vergangen, die ihr Bild der selbstlosen Helfer pflegt.

Weil Ehlert so geschickt war in seinem Job, so durchsetzungsstark, umtriebig und voller genialer Gedanken, hat er sich natürlich einen Maserati verdient. Der tut doch Gutes, das muss honoriert werden. Und wer könnte das besser honorieren als der Markt?

Nicht erwähnen darf man, warum Ehlert diese Gewinne überhaupt abschöpfen konnte: weil er am Ende, seit Ende 2004, so gut wie überhaupt nichts bezahlt hat an seine Mitarbeiter. Promovierten Volljuristen zahlte er Gehälter an der Grenze zur Sittenwidrigkeit. Irgendwann gönnte er seinen Angestellten nur noch 20 Tage Urlaub im Jahr. Teilweise arbeiteten sie zum halben Gehalt. Bei der Einstellung versprochene Mehrzahlungen wimmelte er mit den Worten ab, das gebe der Träger nicht her: heute weiß man, dass Harald nichts hergab.

Auf gar keinen Fall sollte man in einer solchen Reportage die Angestellten zu Wort kommen lassen. Bloß keinen Streetworker fragen, ob das Finanzkonzept der Treberhilfe ihn bei seiner Arbeit eher behindert hat oder half. (Ein Streetworker sagte mir, das Konzept sei eine Katastrophe gewesen). Nicht nachfragen, was für Chef Harald Ehlert gewesen ist. (Fragt man doch, sagt einer „fiese Möpp“, ein anderer „durchgedreht“ und „krankhaft geltungssüchtig“.). Und vor allem nicht fragen, wie lange das noch gutgegangen wäre mit der Treberhilfe. („Gut? Seit 2004 geht da alles, aber nichts gut.“)

Darum gehts nämlich nicht. Weder um die Pädagogik, noch um die Existenzsorgen der Mitarbeiter. Wichtig ist, der Ehlert fährt einen Maserati und wohnt in einer Villa. Das spricht für sich.

Am Ende des Textes muss der Leser überzeugt sein, die Liberalisierung des sozialen Sektors wäre ein Segen für alle. Exzesse sind zu bedauern, aber der soziale Sektor sollte nichtsdestotrotz geöffnet werden. Ohne dass diese Forderung explizit im Text auftaucht. Ohne dass diese Forderung diskutiert wird, ohne dass Gegenargumente gehört werden. Nur dadurch, dass man Harald Ehlert zu einem Märtyrer macht.

Und die Woche drauf kann die Zeitung dann einen Artikel über Burn out, Überarbeitung und Ausbeutung von Angestellten aufs Titelblatt heben.

18 Kommentare

  1. 01
    Daniel

    So gut und informativ ich deinen Beitrag finde, Fred, so wenig bekommt ihm die kalte Wut, mit der er geschrieben ist.
    Ich sehe nach der Lektüre beider Texte schon, worin in deinen Augen das Perfide des Zeit-Beitrags liegt (in den Andeutungen über das „System“, in der Lobpreisung des Erfolgs Ehlers etc.), aber in einem Punkt irrst du: Auch der Zeit-Text lässt Ehlert nicht sonderlich sympathisch erscheinen.
    Viele der von dir angebrachten Punkten kommen auch dort zur Sprache, wenn auch in einer insgesamt ambivalenteren Mischung.
    Ein Punkt aber, der fehlt mir in beiden Beiträgen: nämlich dass das System Ehlert genau so von der hiesigen Politik gewollt wurde.

  2. 02
    Frédéric Valin

    @Daniel: Nicht sonderlich sympathisch vielleicht, aber immer noch sympathischer und vor allem erfolgreicher als die anderen sozialen Träger.

    Mag sein, dass ich irre, aber für meine Begriffe ist das ein Mimikry-Schlechtfinden: Er ist ein bisschen cholerisch, aber das muss man ihm zugestehen bei seiner ganzen Energie. Sein Fahrer hat ein bisschen zu viel Respekt vor ihm, aber es ist eine Beziehung zwischen den beiden, die funktioniert.

    Und damit unterstützt der Zeit-Artikel genau jene Tendenz, die auch von der Politik gutgeheißen wird: Privatisierung, Profitstreben, sogenannte Eigenverantwortlichkeit.

  3. 03
    Dieter

    Nun, die anderen sozialen Träger sind halt auch nicht besser. Angestellte ausbeuten gehört überall dazu. Und wird überall gleich begründet. Kommt halt nur nicht so oft vor, dass dabei noch Geld fürs direkte verprassen übrigbleibt.

  4. 04
    Marius

    Deine Interpretation des Artikels ist ziemlich voreingenommen. Es werden in dem Artikel alle Schattenseiten dieser marktorientierten Form der sozialen Hilfe dargelegt, wie der enorme Druck auf die Mitarbeiter und die geringe Bezahlung, die von der Gier des Chefs kommt.
    Aber wieso willst du nicht auch die guten Seiten anerkennen?
    Die Obdachlosen-Unterkünfte wurden besser durch die Treberhilfe, er hat enorm viel in neue Häuser etc. investiert. Natürlich basiert(e) sein Geschäft auf staatlichen Subventionen, woher soll das Geld denn sonst kommen? Tatsache ist eben, dass jede andere soziale Einrichtung das selbe Geld für Obdachlosenaufnahme bekommen, die Treberhilfe aber einfach mehr daraus gemacht hat, was sowohl dem Unternehmen als auch den Bedürftigen genützt hat. Die anderen Unternehmen haben eben schön in der Öffentlichkeit den barmherzigen Samariter raushängen lassen, während Ehlert Maserati fuhr (währe es ein 7er BMW gewesen hätte es vermutlich keine Sau interessiert, obwohl genauso teuer).
    Ich finde es da wesentlich ehrlicher, offen mit dem finanziellen Erfolg umzugehen, als ihn irgendwo versickern zu lassen/zu verstecken, damit nur ja niemand die selbstverständlich rein altruistische Absicht anzweifelt.

  5. 05

    Das was wir mal vor einiger Zeit dazu geschrieben haben:
    http://www.galaxydefenders.de/361

    Für ein wichtiges Novum (das mir so nicht bekannt war) ist seine angebliche Handlungsweise ab Ende 2004. Interessant ist da natürlich, wie er es geschafft haben soll Volljuristen (die sich ihrer Arbeitsrechte ja mehr als bewusst sein sollten) so zu linken. Ich bin da noch skeptisch, ob man da nicht ein bisschen ins Fratzenzeichnen verfallen ist.

  6. 06

    Ich hatte den Artikel der Zeit bis gerade eben eigentlich gedanklich als „lesenswert, fundiert, kritisch“ abgelegt, nach Lektüre dieser Interpretation überdenke ich das natürlich ein wenig. In erster Linie war mir das Paradoxe, das die Autoren meiner Meinung nach herausstellten, in Erinnerung geblieben: Dass nämlich die Treberhilfe trotz der Eskapaden und Skandale ihres Leiters offensichtlich für ihre Klienten eine gute Arbeit machte, was ja auch so dort geschrieben wurde, und mit den Kommentaren eines ehemaligen (?) Obdachlosen belegt wird. Ich finde, dass dieser Aspekt nicht unter den Tisch fallen darf, da doch gerade in Ehlerts Branche Erfolg fast ausschließlich an sichtbaren Merkmalen gemessen wird.
    Aber heiligt der Zweck die Mittel? Natürlich nicht, dennoch hätte ich Herrn Ehlert lediglich für einen maßlosen Menschen gehalten, der trotz fragwürdiger Charakterzüge einen guten Job macht. Dieses Bild ist durch den Wutmäander hier ins Wanken gekommen.

  7. 07

    Also, seit diesem ZEIT-Artikel finde ich den Ehlert aber sowas von voll eklig. Kannichdirsagen. Im Ernst: Auf diese schwurbelig-ostelbische Art hamse dem Maserati-Ehlert für ihre Verhältnisse bös einen reingetan. Und ich finde, dass die anderen Sozial-Firmen im Bericht nicht schlechter wegkommen. Ist ja auch egal. Ist ja eh alles nur der übliche Sozenfilz, aus dem noch nie was Gutes gekrochen ist, nicht mal Sozenfilzläuse…

  8. 08
    Frédéric Valin

    @Dieter: Harald Ehlert hat seinem Vergütungssystem eine Grundlage gegeben, das heutigen Vergütungssystemen nicht entspricht. Andere Träger haben Tarifverträge – die werden unter Einbeziehung der Mitarbeitervertretung verhandelt. Das war in der Treberhilfe nicht der Fall. Deswegen musste er auch den Betriebsrat zum Teufel jagen, als er den Laden in eine gGmbH überführt hat.

    Es gibt immer noch ein paar Abstufungen.

    @Marius: „die Obdachlosenheime wurden besser durch die Treberhilfe“
    Die Arbeit der Treberhilfe stellt niemand in Frage. Die Arbeit von Harald Ehlert stelle ich in Frage. Ich zitiere einen ehemaligen Mitarbeiter: Harald Ehlert hat sich Thermoskannen für hundert Euro ins Büro, während ein neuer Kicker in einer Einrichtung (Kostenpunkt 250 Euro) Anlass für wochenlange Verhandlungen war. Harald Ehlert hat noch nicht einmal mehr Leute eingestellt in diesem Laden: der hat mit der Arbeit der Treberhilfe überhaupt nix mehr zu tun gehabt.

    „er hat enorm viel in neue Häuser etc. investiert“
    Darf er ja. Man sollte als sozialer Träger aber im Sinne der Gesellschaft investieren. Nun ist natürlich die Frage, ob ein neuer Whirlpool (ausgedachter Fakt, der nah an die Wirklichkeit kommt, siehe Caputh) in Ehlerts Badezimmer sinnvoll für die Gesellschaft ist.

    „die Treberhilfe aber einfach mehr daraus gemacht hat“

    Für wen? Jedenfalls: nicht für die Angestellten, nicht für die Bewohner (siehe Kicker).

    „Tatsache ist eben, dass jede andere soziale Einrichtung das selbe Geld für Obdachlosenaufnahme bekommen, die Treberhilfe aber einfach mehr daraus gemacht hat“
    Nicht: die Treberhilfe. Sondern: Harald Ehlert.

    „Die anderen Unternehmen haben eben schön in der Öffentlichkeit den barmherzigen Samariter raushängen lassen, während Ehlert Maserati fuhr (währe es ein 7er BMW gewesen hätte es vermutlich keine Sau interessiert, obwohl genauso teuer)“
    7er BMWs gibt es selten in solchen Positionen. Wer fährt denn sowas in dieser Position? Und, obwohl ich überhaupt kein Autonarr bin: Woher kommst Du zu der Annahme, dass ein 7er BMW ähnlich kostet wie ein Maserati?

    „Ich finde es da wesentlich ehrlicher, offen mit dem finanziellen Erfolg umzugehen, als ihn irgendwo versickern zu lassen/zu verstecken, damit nur ja niemand die selbstverständlich rein altruistische Absicht anzweifelt.“

    Ich fände es ehrlicher, das Geld, das man erwirtschaftet, dahin zu stecken, wohin es gehört: zurück in den sozialen Sektor.

    @Steffen: „Dass nämlich die Treberhilfe trotz der Eskapaden und Skandale ihres Leiters offensichtlich für ihre Klienten eine gute Arbeit machte, was ja auch so dort geschrieben wurde, und mit den Kommentaren eines ehemaligen (?) Obdachlosen belegt wird. Ich finde, dass dieser Aspekt nicht unter den Tisch fallen darf, da doch gerade in Ehlerts Branche Erfolg fast ausschließlich an sichtbaren Merkmalen gemessen wird.“

    Das ist allerdings der Verdienst der Mitarbeiter, und nicht Ehlerts. Und gerade deswegen muss man den Zeitartikel so sehr verurteilen: weil er die Verdienste der Mitarbeiter auf Ehlert umschreibt. Der Irrsinn dieses Artikels ist es eben, diesen Verdienst der Belegschaft zu verschleiern, indem man Ehlert lobt.

  9. 09
    Martin

    Schon der Titel ist doch eine Zumutung! Ehlert war ja wohl kaum der „König der unteren Zehntausend“. Generell wird im Zeit-Artikel einfach nur mit Klischees gespielt. Die guten sanften Sozialarbeiter, die erreichen nichts. Irgendwo steht noch „Kann es das geben: einen Linken, der Spaß am Rechnen hat?“. Dazu fällt einem echt nichts mehr ein.
    Ich bin Sozialarbeiter und kann nur sagen, wer glaubt das der Filz in der Sozialbranche größer ist als anderswo, der träumt. Zudem, wer bei festen Sätzen als Geschäftsführer soviel verdient wie Ehlert, der macht dies auf Kosten seiner Angestellten und/ oder der Hilfebedürftigen. Und außerdem sollte man sich fragen, wie ist Herr Ehlert zu all den Aufträgen gekommen? Weil er so gut war oder weil Teil der Sozialmafia war? (Ein Satz à la Sussebach und Willeke)

    In anderen Bereichen werden die Preise gedrückt, weil Träger mit Dumpingpreisen in Ausschreibungen gehen und ihren Angestellten Hungerlöhne zahlen. Der Staat könnte einen Riegel vorschieben, will dies aber offensichtlich nicht. Sparen ist im Sozialen Bereich ja immer gut!

    Danke, für diesen Artikel!

  10. 10
    Ariane

    Wunderbar, danke für diesen Artikel!

  11. 11
    Namen, hui =)

    Ich denke, der Artikel trifft es ganz genau.

  12. 12
    Jan(TM)

    Für mich liest sich der Zeit Artikel wie Hofberichterstattung, der Autor hat scheinbar auch nur mit Ehlert, seinem Lakaien und einem ausgewählten Bewohner geredet.

    Was mich aber wirklich nervt ist diese Geschichte vom „starken Mann“ dessen Villa passend Wolfsschanze genannt wird. Dachte die Zeit für solche Geschichten ist langsam mal vorbei.

    Was der nun genau gemacht hat erfährt man auch nicht wirklich, außer mit der Klampfe neben dem Ofen zu sitzen, an Autositzen rumzureißen(ich sah die panisch aufgerissenen Augen im bleiche, ängstliche Gesicht des Lakaien direkt vor mir!) und mit Kaffee aus der Thermoskanne an einem Plastiktisch(dem sein Bauch im Weg ist) sitzen.
    Er hat sich für jeden Kram etwas neues ausgedacht … namedropping … was das genau war und ob es was getaugt hat ist dem Autor egal. Immerhin merkt er zwischendurch, das Obdachlose marktwirtschaftlich durch Schlafräume zu schleusen möglicherweise die Obdachlosigkeit nicht wirklich bekämpft(eher das Gegenteil) – Aber he! Ist doch egal, wer Masarati fährt muß einfach alles richtig machen.

    Wirklich schade ist nur, das Behauptung „Für jeden Euro, den die Treberhilfe vom Staat bekommt, kriegt der Staat 1,15 Euro zurück.“ nicht belegt wird. Immerhin kann ich mir vorstellen welchen Taschenrechner die da benutzt haben.

  13. 13
    sozialarbeiter

    Im System Ehlert ging es ihm selbst und den Obdachlosen gut, den normalen Sozialarbeitern nicht. Im System der sonstigen Sozialträger geht es allen Mitarbeitern gut, nicht nur den Führungsfiguren, dafür aber den Obdachlosen schlecht. Ich stimme dem Zeit-Artikel zu: die vielen kleinen Sozialarbeiter, die sich nebem ihrem Heilgenschein auch noch einen lauen Lenz machen wollen, waren ungeheuer wütend auf Ehlert und haben ihn abgesägt.

  14. 14
    binko

    Die Darstellung in deinem Artikel deckt sich überhaupt nicht mit dem, was Treberhilfemitarbeiter in meinem Bekanntenkreis über Ehlert sagen. Anfangs war ich von deren Milde überrascht, aber viele Dinge, die u.a. in dem Zeit-Artikel vorkommen, haben mich da doch etwas nachdenklicher werden lassen. War ja alles so einfach gelagert am Anfang, Maserati und so.

    Überhaupt verstehe ich nicht, wieso es hier einen Artikel über den Zeit Artikel gibt.

    Ihr sitzt doch in Berlin, oder? Schreibt doch was über die Angestellten selbst. Die kommen nur in einem Absatz am Schluss zu Wort, in ihrer Kritik übrigens genau so anonym, wie es ganz oben an der vermeindlichen Lobeshymne der Zeit kritisiert wird.

  15. 15
    Frédéric Valin

    @binko: Es ist auch meine Aufgabe, die Angestellten, wenn ich über das Thema schreibe, zu schützen. Kein Arbeitgeber stellt jemanden ein, von dem er weiß, dass er zuvor schlecht über einen anderen Arbeitgeber geredet hat. Ich hätte gerne ein Interview mit Leuten gemacht, die Harald Ehlert tatsächlich beurteilen können, aber damit hätten die auf der Stelle aufs Amt gehen können, weil: die hätte nie irgendwer nochmal eingestellt.

  16. 16

    Das Wort „Sozialunternehmer“ ist ein spannungsreiches und in einer neoliberalen Färbung empfinde ich es als geradezu widerlich. Darüber mag man streiten. Andere Dinge sollten jedoch kaum Raum zu unterschiedlichen Sichtweisten geben:

    Die Aufgabe einer gGmbH besteht nicht darin, dem verantwortlichen GF den Zugriff auf Millionengewinne zu ermöglichen. Wer seine eigenen Mitarbeiter brutal und an den Tarifverträgen vorbei auspresst, um sich selbst Maserati-fahrend als „Unternehmer“ und zudem eine Art sozialer Heilsgestalt feiern zu lassen, der hat, vorsichtig formuliert, ein sehr merkwürdiges Verhaltnis zu sich selbst, zu seinen Mitmenschen und zum Wort „sozial“, das in diesem Fall u.a. die Zielsetzung und den eigenen Verantwortungsbereich beschreibt.

    Witzigerweise kenne ich Leute mit einem Gehabe wie dieser Ehlert aus dem sozialen Bereich, wenngleich in kleinerem Maßstab. Dieser Menschenschlag, arbeitet er jedenfalls im Bereich Banken oder Versicherungen, wird nicht selten mit dem Wort „Betrüger“ bedacht. Wobei das in der Praxis mehr eine Frage des ehrlichen Empfindens ist als eine juristische Frage…

    Zum Thema Neoliberalismus:

    Ich denke, dass diese Dreistigkeit, mit der Erfolge einer Organisation/Unternehmung vor allem dem Handeln bzw. Habitus einer leitenden Person zugeordnet werden, ein Teil dessen beschreibt, was Neoliberalismus als Ideologie ausmacht.

  17. 17

    Nach all den Fachartikeln im Berliner Kurier, BZ, Tagesspiegel usw. über „Maserati-Harry“ war dieser Zeit-Artikel schon mal interessant weil er es schaffte ein paar mehr Perspektiven auf die Zusammenhänge anzudeuten.

    Hätte die Treberhilfe über Jahre heimlich agiert könnte man die Geschichte vom skrupelosen, neoliberalen Ausbeuter der unterdrückten Sozialarbeiter und Obdachlosen vielleicht glauben.

    Aber im Vergleich zum Rest der lokalen Branche agierte dieser Verein schon fast exhibitionistisch. Weder Maserati noch Geschäftsmodell waren geheim in der Stadt.

    Spannender ist doch die Frage, wer von dieser Geschichte profitiert ?

    Die Mitarbeiter sicherlich nicht, aber ein paar weniger bekannte ehernwerte Funktionäre.

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