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„We have all been debased by this incident“

U.S.-Präsident Barack Obama hat gestern die ausführliche Fassung seiner Geburtsurkunde veröffentlicht, um final den Angriffen der sogenannten „Birthers“ entgegen zu wirken, die zuletzt insbesondere in Person von Donald Trump vertreten wurden. Ein Ereignis, das die New York Times zu Recht als „schlimmen und zutiefst erniedrigenden Moment in der amerikanischen Politik“ bezeichnete. Zum Hintergrund: Die „Birthers“ glauben, dass Obama nicht auf Hawaii, sondern im Heimatland seines Vaters, Kenya, geboren ist und somit laut amerikanischer Verfassung auch gar nicht Präsident sein dürfte – ein Vorwurf, der bereits besteht seit Obama im Jahr 2008 als Kandidat der Demokraten feststand.

Als Europäer lässt sich dieses Geschehen natürlich schnell als jener konservative Konspirationsblödsinn abtun, der er tatsächlich ist, doch man muss am Ende nicht einmal ein U.S.-Bürger sein, damit einem angesichts dessen ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Denn dass im Jahr 2011 selbst der demokratisch gewählte Anführer einer Weltmacht die Rechtmäßigkeit seines Amts rechtfertigen muss, weil er kein Weißer ist, ist schlicht mehr als beschämend. Der Schriftsteller und Comedian Baratunde Thurston hat dies in einem sehr emotionalen als auch enorm klugen Videokommentar treffend zusammengefasst:

[via], wo auch das komplette Transkript des Videos nachzulesen ist.

16 Kommentare

  1. 01

    Jon Stewart hatte auch was Schönes zu dem Thema: http://www.thedailyshow.com/watch/wed-april-27-2011/believe-it-or-believe-it—obama-releases-long-form-birth-certificate?xrs=share_copy

    Mich hat das auch sehr befremdet. Aber was willste erwarten von einer Partei, in der Knallchargen wie Sarah Palin, Mitt Romney, die Tea Baggers oder neuerdings Donald Trump Meinungsführer sind?

  2. 02

    Nun, ich bin mir nicht ganz sicher, ob das tatsächlich Rassismus ist- steckt bestimmt auch dahinter, aber was Donals Trump reitet, keine Ahnung. Ich denke es ist eher die Parteizugehörigkeit, die die Verschwörungstheorien antreibt.

  3. 03
  4. 04
    Anne Wizorek

    @Manuel: Ich stimme da mit @ber überein. Übrigens auch noch mal bestens auf den Punkt gebracht von der Journalistin Goldie Taylor: http://goldietaylor.wordpress.com/2011/04/28/video-show-me-your-papers-2/

  5. 05

    Der sollte sich mal lieber dafür rechtfertigen, dass er Guantanamo nicht dicht macht. Gut, er darf zwar kein staatliches Budget dafür benutzen, aber bekam er nicht eine Menge Spenden für den Wahlkampf? Und könnte man an einen derartigen Erfolg nicht anknüpfen, mit einer internationalen Kampagne?

    Korollar: Der Arschlochfaktor ist geschlechts-, einkommens-, alters- und insbesondere hautfarben-unabhängig.

  6. 06

    also wenn nur alles so einfach wäre wie Geburtsurkunde veröffentlichen.

    Da gibt es ganz andere Sachen die mal offen gelegt werden sollten.

  7. 07

    @erlehmann: Mit den Wahlkampfspenden hat er Wahlkampf gemacht. Das Geld ist jetzt nicht übrig und liegt unter seinem Kopfkissen und er kann auch nicht sagen: „Hey, USA, ich hab noch etwas Kohle, wir kriegen das schon hin, ich zahle es aus eigener Tasche.“

    Und wenn er eine internationale Werbekampagne anleiern würde, um international Druck auf die USA auszuüben, damit er selbst endlich Guantanamo schließt – dann wäre das nicht nur absurd, sondern dann wäre er tatsächlich seinen Job schnell los.

  8. 08
    Marc K.

    Trump legt ja schon nach und zweifelt nun Obamas Uni-Abschluss an. Am besten er veröffentlicht mal kurz alles, was an Dokumenten so im Haus ist.

    Wo ist Wikileaks, wenn er es mal wirklich braucht?!

  9. 09
  10. 10

    Zum einen zeigt dieser Vorfall, dass der Wahlkampf nun begonnen hat.

    Andererseits ist in der Tat eine Frechheit und ein Kniefall vor den rassistischen und verschwörungstheoretischen Anheizern der amerikanischen Rechten. Diese Sache musste bei der Anmeldung zu Kandidatur geregelt werden und das wurde sie.
    Es ist .aber schon Paradox. Ein Land in dem der steirische Titan aus Graz zum Governator werden kann, zieht über einen farbigen Mitbürger her.

    Trump bekommt durch den Medienhype und seine Kandidatur doch schon genug Publicity. Lächerlich was dieser Geldmogul hier nun abzieht. Soll er doch bitte weiter Schönheitswettbewerbe ausrichten

  11. 11
    Bob

    Mal ganz ehrlich, überrascht das noch jemanden? Wir sprechen hier über ein Land, das ernsthaft die Evolutionsgeschichte zusammen mit der Schöpfungsgeschichte unterrichtet, wo Menschen meinten, Harry Potter verführe die Kinder zu schwarzer Magie und wo in den Südstaaten inoffiziell immer noch eine Rassentrennung herrscht.

    Zudem ist es das einzige Land auf der Welt, wo es Menschen aus dem Showbiz in die Politik schaffen können und ernstgenommen werden (Regan, Schwarzenegger, Sonny Bono)

  12. 12
    heidrun

    @erlehmann: genau! aber gut, dass jetzt dafür gesorgt wird, dass die zukünftigen präsidenten-arschlöcher auch wieder so persil-weiß sind, wie die 43 präsidenten vor obama.
    //ironie off
    dein kommentar ist zwar nicht falsch, aber sowas von am thema vorbei. hier geht es nicht um obamas unfähigkeiten, sondern darum, ob jemand, der eine dunkle haut und einen etwas exotischeren namen hat, präsident „sein darf“ oder nicht.

    wie irgendjemand auf diesem planeten ernsthaft behaupten kann (und leider sind es ja nicht wenige), dass dieser wahnsinn _nicht_ rassistisch motiviert ist, entzieht sich völlig meinem verständnis.

  13. 13

    Wir, als informiert geltende, sollten wissen, dass mancher US-Bürger unglaublich regional beschränkt ist. Obama wurde auch schonmal unterstellt, er sei Muslim.

  14. 14

    @PiPi:

    von der Art duerfte es auch in Deutschland genug geben. Mehr als genug.

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