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Anonymous protestiert mit „Operation Turkey“ gegen Internetzensur in der Türkei

Anonymous haben mit ihrer „Operation Turkey“ und einer DDoS-Attacke dafür gesorgt, dass die Webseite der türkischen Telekom-Aufsichtsbehörde (TIB) derzeit nicht erreichbar ist.

Wenige Tage vor der türkischen Parlamentswahl am Sonntag kritisiert das Kollektiv mit seiner Hacktivism-Aktion die geplante Internetzensur der Behörde für Informationstechnologie (BTK). Diese ist nämlich dafür verantwortlich, dass ab dem 22. August ein Filtersystem in der Türkei in Kraft treten soll, welches Seiten sperrt die bestimmte Wörter enthalten. Insgesamt sind das über 100 Begriffe und neben „Porno“, „Sex“, „Geschlechtsorgan(e)“ oder „Geschlechtsverkehr“ finden sich darunter auch englische Wörter wie teen, mature, girl, fire, animal, beat, blonde oder escort. Aber auch die türkischen Wörter für „Stiefmutter“, „Schwägerin“, „nackt“, „erwachsen“ oder „heiß“ gehören dazu und der Begriff „Verbot“ fällt ebenfalls der Zensur zum Opfer.

Gegen die hierfür geplanten Filter-Pakete (Kinder-, Familien-, Inlands- oder Standardpaket), welche von den Providern angeboten werden sollen, regte sich bereits letzten Monat großer Protest in mehr als 30 türkischen Städten zu dessen Hintergründen ihr euch außerdem diesen Beitrag von Hakan Tanriverdi durchlesen solltet.

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28 Kommentare

  1. 01
    leo

    Mir war gar nicht bewusst, dass die Begriffe „Stiefmutter“, „Schwägerin“, „nackt“, „erwachsen“ und „heiß“ aus dem Türkischen stammen. :P

    Naja, auch in der Türkei wird man wahrscheinlich noch lernen, was der englische Begriff „false positive“ bedeutet, besonders, wenn primitiv nach Worten gefiltert wird, aber man trotzdem problemlos eine h31zze Pr0n0-Seite aufmachen kann.

  2. 02
    Anne Wizorek

    @leo: Also ich sehe da nur Wörter. :P

  3. 03
    leo

    @Anne Wizorek: Und die sind türkisch…?

  4. 04
    Anne Wizorek

    @leo: „die türkischen Wörter für“ – oder wie klein sollen die Krümel denn noch werden? ;)

  5. 05
    leo

    @Anne Wizorek: Also eben las ich da noch “die türkischen Wörter“ ohne „für“. Kann natürlich auch an meinem Speedreading liegen… kann ich im Nachhinein nicht mehr sagen. :)

  6. 06
    Hilcher

    Was bringen solche DDoS-Attacken eigentlich wirklich?
    Bei einer Seite wie z.B. Amazon oder Paypal ist mir das schon klar, aber hauptsächlich lese ich immer nur von Behörden- und Regierungsseiten oder sonstige Seiten, wo mir dadurch kein schwerer Schaden zu entstehen scheint.
    Und ich frage mich also, was juckt es die denn, wenn deren Seite mal 1, 2 oder 7 Tage nicht erreichbar ist? Auch scheint es ausserhalb von politisch interessierten Blogs niemanden zu interessieren.
    Stelle ich mir vor, die deutsche Regulierungsbehördeseite wäre offline, ähm ja, was würde das denn bedeuten?

  7. 07

    @Hilcher: Ich sehe sowas als eine digitale Form des Protestes an. Virtuelle Farbbeutel sozusagen. Bringen tut das immerhin Aufmerksamkeit – neben den üblichen Forderungen nach mehr Kontrolle usw.

  8. 08
    leo

    @Hilcher: Ich denke nicht, dass das direkt irgendwas bringt. Ich halte das eher für ein Statement mit den Mitteln, die den Leuten zur Verfügung stehen. Vielleicht vergleichbar mit einer Sitzblockade vor dem Eingang einer Institution. Die Blockade wird ja auch nach einiger Zeit wieder aufgelöst. Ich glaube auch nicht, dass Paypal und Amazon wirklich darunter gelitten haben. Die Transaktionen und Käufe konnten ja einfach später nachgeholt werden.

  9. 09
    S. Schwarzmeister

    Das bringt natürlich Aufmerksamkeit wie Farbbeutel zu werfen – ist aber leider nunmal genau wie Farbbeutelwerfen nur dazu geeignet, sich selbst zu diskreditieren.

  10. 10

    Ich sehe es ähnlich wie Johnny – es bringt irgendwie Aufmerksamkeit. Die ist m.E. auch bitter notwendig, wenn solch eine Zensur aufgebaut werden soll. Es ist nicht nur gefährlich, allgemein zu zensieren, sondern dazu sind die Begriffe völlig unsinnig gewählt. Warum eine Seite mit dem Wort „fire“ sperren? Was passiert dann mit der BBC-Website (oder welche unzweifelhaft seriöse Nachrichtenseite man sich auch vorstellen mag), wenn die über einen Brand irgendwo berichtet?

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass das Peter-Prinzip doch wirksam ist.

  11. 11
    Wedge Faraway

    Ich habe mir den verlinkten Artikel von Herr Tanriverdi durchgelesen, nachdem Ich diesen hier auf Spreeblick gelesen hatte und mein Entsetzen darüber, was alles im Namen des Volkes, welches vertreten werden sollte, geschieht (dabei aber dem Volk und somit dem Staat selbst lediglich die alte Weise von Freiheit ist Sklaverei aufzwingt) schlägt im Moment in Lähmung um.

    Was zum Fick?

  12. 12
    Einwandererkind

    MMn endlich mal wieder ein sinnvoll ausgewähltes Ziel von Anonymous. Die Zensur in der Türkei nimmt langsam lächerliche Züge an, Vater Staat versucht die Bevölkerung vor sich selbst zu schützen, weil sie nicht versteht, wie das Internet funktioniert. Sinnvoller wären Aufklärungsmaßnahmen, Eltern stärker in die Verantwortung ziehen und ihnen klar machen, dass sie sich selbst um ihren Nachwuchs kümmern müssen. Unter dem Vorwand „Familie“ werden so auch als positiver Nebeneffekt für die Regierung auch politische Seiten geschlossen die im großen Zensurwahn untergehen. Wenn durch solche Aktionen die Menschen in der Türkei darauf aufmerksam gemacht werden, finde ich, dass sich die Aktion schon gelohnt hat.
    Danach sieht es aber bisher nicht aus, wenn ich an anderer Stelle lese, dass die türkischen Hacker, statt sich der Aktion anzuschließen, sich auf den Schlips getreten fühlen und wiederum Gegenattacken auf Anonymous durchführen. So siehts eher nach einer Schlammschlacht unter Kindern aus, statt nach einer politischen Nachricht.
    Außerdem hoffe ich, dass die Zensurmaßnahmen die sich in Europa, ja auch in Deutschland, ausbreiten auf Widerstand in den hiesigen Bevölkerungen stoßen, wenn sie die rabiateren Maßnahmen in der Türkei, Russland oder China sehen und wozu das führt und vorallem wozu solche Maßnahmen überhaupt eingeleitet werden. Zum „Schutz“ der Bevölkerung in den meisten Fällen nämlich nicht.

  13. 13
    KOPNR

    Diese albernen Kinder von Anonymous werden mit ihren armseligen Kindereien nicht aufhören solange die Medien und Blogger diesem Kindergarten Aufmerksamkeit schenken.

    Diese gernegroßen Möchtegern-Revoluzer die sich mit Hollywoodfilmen ihr winziges Gehirn frittiert haben…

  14. 14
    Krabat

    Internetseiten blockieren mit Hackerangriffen ist wie Scheibeneinwerfen.
    Zensieren und Filtern ist wie Mauerbau oder Ausgrenzung.
    Spamm ist wie Briefkästen mit Müll verstopfen.
    Alles zusammen ist ärgerlich und ein Angriff und Missbrauch des Internets.
    Hoffentlich verkommt das Internet nicht so wie einst der CB Funk, auf dem so viel Müll und ärgerliches gesendet wurde, dass es heute niemend mehr benutzt.
    Für wirkungsvoll halte ich Foren, die gepflegt werden und fundierte und vernünftig verfasste Protest-Emails an die Instituionen.
    Zensur des Inyernets in der Türkei? Ein Rückschritt.
    Gefährlicher wäre aber, die Nutzer gewisser Seiten zu verfolgen.

  15. 15
    Dramenklau

    Da hat aber jemand das Gesetz nicht gelesen. Niemand wird gezwungen überhaupt eines der vier Filter-Pakete anzuwenden. Es ist freiwillig. Das hat BTK-Chefs Tayfun Acarer im Mai mitgeteilt und so steht es auch auf der türkischen Regierungsseite (die derzeit leider nicht zu erreichen ist):
    http://www.tk.gov.tr/Etkinlikler/Ulusal_Etkinlikler/basin-toplantilari/2011/bt05052011.htm

    Dort steht (bzw. stand) bzgl. der Frage, ob die Anwendung eines der Filter verpflichtend ist, dass dies ein freiweiliges Angebot sei und sich für Leute, die dieses Angebot nicht wahrnehmen wollen alles so bleibe wie vorher. Das verschweigt Herr Tanriverdi in dem oben verlinkten Blogeintrag und auch sonst jeder andere Artikel über dieses Thema.

  16. 16

    Ich empfinde es als unglaublich, dass zu diesem Artikel mehr dazu diskutiert wird, ob die DDoS-Attacken moralisch vertretbar sind oder nicht, anstatt die staatliche Zensur der türkischen Regierung anzufechten.

    @Dramenklau: Informationen über die Zensur auf staatlichen Seiten nachzulesen ist offenkundig ein wenig naiv. Dass z.B. YouTube in der Türkei jahrelang gesperrt war, ist eine Tatsache und zeigt die Ansätze seitens der Regierung recht deutlich.

    Ich halte es für undenkbar, dass ein Staat darüber entscheidet, was für mich als Internetnutzer gefährlich ist oder nicht. Erst recht, wenn die Auswahl und Zusammenstellung der zensierten Seiten nicht transparent ist. Und genau dafür gehen die Menschen in der Türkei auch auf die Straße: http://www.denkmaschinen.ch/2011/05/15/turkei-tausende-demonstrieren-gegen-internetzensur/

    Johnny hat vollkommen Recht, es ging bei dem Angriff auf Aufmerksamkeit der internationalen Medien, doch in Deutschland interessiert das scheinbar niemanden wirklich. Schließlich wirft da ja nur jemand mit Farbbeuteln auf Staatsorgane.

  17. 17
    Dramenklau

    @kaipiranhia: Es geht bei der verlinkten Seite von mir (die leider derzeit nicht zu erreichen ist) explizit um das Gesetzesvorhaben mit den vier Filtern. Es handelt sich um offizielle Stellungnahme BTK-Chefs Tayfun Acarer bzgl. des Gesetzesvorhabens. Das hat nichts mit Naivität zu tun. Wenn ein deutsches Bundesministerium eine offizielle Stellungnahme abgibt und man dann darauf verweist, dann kommt auch keiner bezichtigt einen der Naivität. Es hat einfach nur etwas mit großer Dummheit der Menge zu tun, die sie sich nicht mit offiziellen Stellungnahmen oder aber einfach mit dem genauen Wortlaut des Gesetzesvorhabens beschäftigt. Es gibt auch niemanden der hier das Gesetzesvorhaben im Wortlaut zitiert. Auch der Herr Tanriverdi, der ja der türkischen Sprache mächtig sein müsste (außer er schreibt über etwas, worüber er keine Ahnung hat), verliert kein Wort darüber. Warum wohl ? Ganz einfach, weder Herr Tanriverdi noch sonst jemand der das Gesetzesvorhaben kritisiert, scheint sich mit dem genauen Wortlaut des Gesetzesvorhabens beschäftigt zu haben. Ich weiß, dass es außer Mode ist, aber ich weiß gerne genau worüber ich rede und kann auch nur etwas kritisieren, wenn ich genau weiß, um was es sich handelt. Und bei Gesetzen heißt das, dass ich den genauen Wortlaut kennen muss.

  18. 18

    @Dramenklau: D.h. also in Zeiten, in denen staatlich kontrollierte Informationskanäle wegen einseitiger Darstellung deutlich in Diskreditierung gelangten, sind die verlässlichen Quellen der Gesetzeserläuterungen genau die, die in der Hand der Regierung liegen? Eine Frage: Beziehst du deine Informationen auch noch von anderen Quellen oder ist das studieren der Gesetzesvorlage zur objektiven Beurteilung ausreichend?

    Zensur ist in der Türkei bereits seit Jahren ein Thema und neben YouTube und anderen internationalen Plattformen, werden immer wieder Blogs und andere kritische Webseiten abgeschaltet. Ich denke nicht, dass einer der Betreiber dieser Seiten sich ein Paket freiwillig ausgesucht hat, auf dem steht: „Mein Blog soll für niemanden erreichbar sein.“

  19. 19

    @Dramenklau:

    „Da hat aber jemand das Gesetz nicht gelesen. Niemand wird gezwungen überhaupt eines der vier Filter-Pakete anzuwenden.“

    Nunja, das stimmt so nicht. In den vier Paketen enthalten ist – automatisch – das Standardpaket, also die Art, wie die Menschen bereits heute schon im Internet unterwegs ist.

    Wenn man sich also dafür entscheidet, so weiter zu machen wie bisher, dann fällt man automatisch (!) unter das Standardpaket. Es ist also eines der vier Pakete. Wie Sie zu dem Schluss kommen, dass ich etwas verschweige, ist mir rätselhaft. Ebenfalls wie Sie zu dem Schluss kommen, dass man sich für keines der vier Pakete entscheidet.

    Acarer hat gesagt, dass in diesem Paket (Standard) nicht gefiltert wird. Das entspricht nicht den Tatsachen. Ein Blick auf „Engelli Web“ etc. reicht aus.

    Gruß,
    Hakan

  20. 20

    Die Süddeutsche berichtete dass die Verpflichtung für eines der Zensur-Pakete für die Zivilbevölkerung kurz NACH den nächsten Wahlen in Kraft tritt.

  21. 21
    hgbr

    @Hakan Tee: Du sagst ja selbst: Wer sich nicht explizit für eines der restriktiveren Pakete entscheidet, für den ändert sich zunächst einmal nichts.
    Mit anderen Worten und etwas provokant formuliert: Unmittelbar (!) verschlechtert die Einführung des neuen Filtersystems die Lage für niemanden, sie verbessert aber die Lage für diejenigen, die tatsächlich eine restriktive Filterung wünschen.

    Ich halte es mit Blick auf mittelbare Auswirkungen des neuen Systems für höchst bedenklich, dass auf diese Weise eine ausgefeilte Filterungsstruktur aufgebaut wird, die nicht durch die Benutzer selbst kontrollierbar ist und neben verfeinerten staatlichen Zensurmöglichkeiten potentiell auch eine Diskriminierung (etwa durch pauschale Verdächtigung) von Benutzern mit „Standardpaket“ ermöglicht.

    Die bereits existierenden Zensurmaßnahmen in der Türkei halte ich ebenfalls für inakzeptabel.

    Es sollte aber nicht suggeriert werden, dass durch das neue Filtersystem plötzlich neue Einschränkungen für alle Internetzugänge in der Türkei gelten. Dieser Eindruck entsteht aber meines Erachtens leicht, wenn man diesen Spreeblick-Artikel und deinen Artikel im ZDF-Hyperland-Blog liest. Oder irre ich mich etwa, und es sind tatsächlich auch für das Standardpaket zusätzliche Einschränkungen geplant?

    Eine klare Argumentation ohne verzerrte und schwammige Darstellungen ist wichtig. Das ist nur auf der Grundlage von Fakten möglich. Gibt es irgendwo eine deutsche Übersetzung des Gesetzestextes?

  22. 22
    Krabat

    Da ich des Türkischen nicht mächtig bin, kann ich mir die Informationen nicht „vor Ort“ abholen.
    Wenn ich die Beträge so lese, habe ich den Eindruck, dass durch die Anwendung der verschiedenen Pakete eben doch Benutzer des Internets herausgefiltert werden könnten, die eben keine Zensur wollen und sich dadurch verdächtig machen.
    Das wäre perfide und gegen so etwas muss man natürlich kämpfen, aber nicht mit Hackerangriffen.

  23. 23

    Hmm,

    nochmal zum besseren Verständnis,
    gibt es gute und böse Hacker?

    Bin nicht sicher wo die Unterscheidung trifft.
    Vor ein paar Jahren las ich mal einen Artikel,
    der sich ausführlich damit beschäftigte, und
    dargestellt hat, dass es Black, White und Red
    – soweit meine Erinnerung – geben soll.

    http://anonymouse.org

  24. 24
    KRabat

    Es gibt weder gute noch schlechter Hacker.

    Hacken ist ein unerwünscht und macht unser Net kaputt, genauso wie die unerträglichen SPAM.

    Es ist einfach nervtötend immer und immer wiedder von SPAM heimbesucht zu werden aus den Verunreinigten Staaten, die mir die X-te Penbisvergrößerung anbieten.

    $Genauso zum Kotzen finde ich das Lahmlegen oder verfälschen oder blockieren von Internet Adressen.

    Hacken ist wie Bombenlegen im Net.

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