53

Pseudonymität: Ein offener Brief an Google

Irgend jemand muss schließlich anfangen, und diesmal ist es Christoph Kappes, der mit einem offenen Brief an Google die Pseudonymitätsdebatte weiter ankurbelt. In dieser geht es um Googles Anforderung an Nutzerinnen und Nutzer des Social Networks Google+, ihren „echten“ Namen zu benutzen, Pseudonyme oder Fantasienamen sind nach Googles Willen unzulässig.

Christophs Brief hat einige zumindest in diesen Breitengraden des Internet bekannte Namen und ein paar MdB als Erstunterzeichner, sie alle fordern Google in dem Brief auf, die Namenspolitik bei G+ zu überdenken und zu ändern.

Ich halte Googles Vorschrift, G+ nur mit „echtem“ Namen nutzen zu können, albern, blöd, bedenklich und falsch. Und ich habe den Brief trotzdem nicht mitunterzeichnet. Die Gründe schwanken zwischen sachlich und unsachlich sowie zwischen persönlich und inhaltlich.

Mir geht nämlich sehr viel mehr auf den Wecker als die Frage nach Klarnamen bei Google+. Die immer weiter voranschreitende „Übernahme“, die schleichende Zentralisierung weiter Teile des Netzes durch Google, Facebook, Apple und viele andere schmeckt mir nicht. Nicht etwa, weil ich einer nerdigen Netzreligion angehöre oder weil früher alles besser war, sondern aus ganz persönlichen Beweggründen.

Ich möchte ganz einfach nicht, dass Unternehmen mein Kommunikations-, Kauf-, Arbeits- und Lebensprofil so gezielt auswerten können, wie es zur Zeit der Fall ist. Und ich möchte nicht, dass aus der Utopie Internet ein Kontroll- und Überwachungsalbtraum wird.

Egal, ob ich mich mit Mobile Me an Apples iDevices knüpfe oder mit einer Gmail-Adresse an Android (oder an ein Chromebook), ob ich auf Facebook ein kleines Spiel gegen meinen Sohn spiele oder für meine Mutter ein Produkt auf Amazon oder Ebay suche: Es wird getrackt, datengemint, verfolgt, mitgeschnitten, gespeichert und mit meinen Daten Geld verdient ohne Ende.

Bis zu einem gewissen Punkt ist mir das egal, denn mir ist bewusst: Es ist der Preis, den ich für die in vielen Fällen ansonsten kostenfreien Produkte zahle. Letztendlich interessiert sich Google nicht für Johnny Haeusler, sondern für mein Online- und Kaufverhalten und das ähnlicher Personengruppen. Muss man auch nicht so supertoll finden, aber das ist das Geschäft und auch Googles Programmierer leben nicht von Luft und Liebe.

Spätestens jedoch, seit Facebook sich massiv gegen die von Heise und dem SWR eingesetzten „Zwei-Klick-Like-Buttons“ wehrt; spätestens, seit Google-Chef Eric Schmidt Google+ als „Identitätsdienst“ bezeichnet hat und dabei die Zusammenarbeit mit Regierungen erwähnte; speziell, wenn man mit Blick auf den Google-Bezahldienst CheckOut davon ausgehen darf, dass Google u.a. wegen der Zusammenarbeit mit Kreditkartenunternehmen auf „echte“ Namen besteht; spätestens dann wird klar, dass der Preis, den wir für Online-Services bezahlen, jeden Tag höher wird.

Warum Google trotz dieser ganzen Pläne bei allen G+-Nutzern auf „echte“ Namen besteht und nicht einfach die optionale Nutzung der personenrelevanten Dienste an diese Vorgabe knüpft, ist mir unklar, es legt aber die Vermutung nahe, dass das Wort „optional“ aus dem Google-Wörterbuch verschwinden könnte.

Wie tief wir bereits in der Scheiße stecken, merke ich, wenn ich darüber nachdenke, welche Konsequenzen meine Überlegungen für mich persönlich im Netz, aber auch für Spreeblick haben könnten. Der komplette Verzicht auf die genannten Dienste und/ oder Unternehmen wäre alles andere als einfach und – da lächelt der CEO – würde einige Komfort-Einbußen mit sich bringen.

Und damit komme ich nun tatsächlich auch noch zu dem offenen Brief. Denn diesem merkt man meiner Meinung nach eine ähnliche Verunsicherung an und für wie aussichtslos er sich selbst hält, am Ende ist er nicht mehr als ein vorsichtiges Nachfragen. So richtig anlegen mag man sich nicht mit dem nicht ganz so unverzichtbaren Google, und das Unternehmen wird sich davon kaum irritieren lassen. Vielleicht wird es ein bisschen Presserummel von denjenigen geben, die mit Google noch ganz andere Rechnungen offen haben, vielleicht kommt eine freundliche Antwort von Google. Das war’s.

Ein wenig mehr „Impact“ hätte man vielleicht aufbauen können, wenn man die Webadresse und den Brief auch in einer englischen Version gebracht hätte und sich vorher mit Aktivisten aus anderen Ländern zusammengeschlossen hätte – aber das kann ja alles noch kommen.

In Sachen „Echt“namen-Regelung bei Google+ gibt es meiner Meinung nach nur einen vielleicht (!) sinnvollen Weg des Protestes: Das Netzwerk nicht mehr zu benutzen und diesen Schritt mit so viel Tamtam wie möglich zu kommunizieren. Dass dies etwas an Googles Geschäftsmodell oder gar Erfolg ändern würde, bezweifle ich zwar auch, doch es hätte meiner Meinung nach etwas mehr Eier als ein netter Brief.

Ob ich diesen Weg gehen werde (und in diesem Zusammenhang noch weitere Schritte im Zusammenhang mit meinen oben beschriebenen Gedanken unternehme), überlege ich noch, doch diese Entscheidung werde ich persönlich und allein treffen.

Weitere nicht so super sachliche Gründe: a) Ich bin komisch drauf, was diesen ganzen Social-Media-Kram angeht. b) Ich unterschreibe lieber nur noch Briefe, die ich selbst geschrieben habe und die nicht gleichzeitig von MdB unterzeichnet sind. c) Es ärgert mich, dass die Namensdiskussion bei Google Aktionen und Aktivitäten und Diskussionen ohne Ende hervorbringt, während Themen wie Bildung, Ethik, Medienerziehung etc. immer bei den uncooleren Experten und in kleineren Zirkeln hängenbleiben, vermutlich, weil sie halt nicht so sexy und hip sind.

Und bevor es komische Vermutungen gibt: Ich kenne und schätze Christoph Kappes und einige der Unterzeichnenden schon länger (meine Einwände hatte ich auch schon an Christoph geschickt, ihn werden diese Zeilen also kaum überraschen) und ich bin froh über jeden, der den Arsch hochbekommt und etwas tut. Der offene Brief ist nur in diesem Fall nichts für mich, was auch nicht schlimm ist, denn ich wünsche ihm trotzdem und ehrlich Erfolg.

53 Kommentare

  1. 01

    Amen… sehr guter Kommentar. Und werde mich auch abmelden bei Google+
    Nicht nur wegen der Debatte… Aber es stimmt, so ein Brief ist ein kleines Wimmern. Nein sagen würde evtl mehr bewegen.

    PS: Daumen hoch zum Stichpunkt Medienerziehung… Das sollte man lehren, aber lieber nicht an Schulen. Wo Lehrer denken Twitter sei ’ne ansteckende Geschlechtskrankheit.

    Finds auch klasse wie sich Facebook aus dem 2-Click-Desaster gerettet hat *G* „Neeeee wir meinen das Bild, nicht die Technik…“ Schon klar!

    Nochmals: Toller Artikel!

  2. 02

    Du bist nicht der erste, der über konsequentes Nicht-Benutzen nachdenkt. Das Problem: Vor wenigen Monaten haben alle sich noch über Ilse Aigner lustig gemacht, als die ihren Facebook-Account gelöscht hat. Daran wird man uns erinnern, wenn wir das nachmachen. Wie Hunde bellen, während die Karawane weiterzieht oder in der Karawane bleiben? Beides doof…

  3. 03

    Ich verstehe nicht: wieso sollte Google wegen der Zusammenarbeit mit Kreditkartenunternehmen auf Klarnamen bestehen? Warum sollte es VISA interessieren, welchen Usernamen ich bei Google+ verwende?

  4. 04
    Aslan

    @Max #3

    Vielmehr dürfte Google wohl an deinen KK-Umsätzen interessiert sein. ;)

  5. 05

    @Max Winde: Ist nur eine Vermutung. Aber irgendwo muss dein Name mit Konto hinterlegt sein, wenn du bezahlen willst. Und was nutzt ein Pseudonym, wenn es bei Google oder FB dann doch an „echte“ Daten geknüpft ist?

  6. 06

    @Johnny, vollkommen richtig, das Thema Medienerziehung wird leider in unserem Land noch nicht so behandelt wie es behandelt werden müsste.
    @Yeti, Ich bin übrigens für ein solches Schulfach. Das Internet, die Medien an sich müssen in die Schulen. Es muss dringend der richtige Umgang mit jedwedem Medium an den Schulen gelehrt werden. Wie das umzusetzen ist (sprich, wo finde ich die richtigen Lehrer) weiss ich auch nicht. Mir wird in der Politik viel zu wenig über dieses Thema geredet.

  7. 07

    Du bist emotional, Dein Unbehagen evident. Beides ist verständlich:

    „Ich möchte ganz einfach nicht, dass Unternehmen mein Kommunikations-, Kauf-, Arbeits- und Lebensprofil so gezielt auswerten können, wie es zur Zeit der Fall ist.“

    Wir haben uns eine Grube gebaut, können sie wunderbar einrichten, die Dienstleistungen sind traumhaft. Aber – wie immer – der Wunsch aus einer Grube zu entfliehen und die Lust auf freiere Perspektiven sind ein starkes Team, schaffen sich einen Weg und am Ende einen neuen Markt. Privatheit ist ein hohes Gut. Also, welcher Markt, welche Produkte? Ich denke, es wird Angebote geben für persönliche Clouds, die privat gehostet werden. Jeder mit seinem eigenen Server im Karton. Eine Box, alle Dienste – keine Plattform. Die entsteht durch die initiierten Verbindungen mit den persönlichen Clouds seiner Freunde, seiner Lieblings-Webseiten – direkt. Provider schon, aber keine Plattform. Vielleicht ein Problem für Suche, aber auch jetzt schon sind persönliche Empfehlungen wichtig und die könnten genauso von persönlichen Clouds kommen. Das könnte man auch übersetzen und bekäme vielleicht „Personal hosted private Clouds, PHPC“ und alles läuft – man müsste es nur als Produkt entwickeln, den Markt entwickeln gerade die anderen.

  8. 08

    als ich den ausspruch von eric schmidt gelesen hatte, war ich mehr oder weniger fassungslos. eigenlich wollte ich schon bild zusammenzimmern mit dem spruch „google doesn’t get the internet“. denn wenn ueberhaupt, kann g+ nur ein identifikationsdienst werden. identitäten habe ich im netz allerdings wie sand am meer (überspitzt gesprochen), wie im übrigen im leben ausserhalb des netzes aus.

    aber dann dachte ich: das ist google, die haben es schon verstanden, es interessiert sie nur nicht. sie verbrennen die erde, bis jeder im netz nur noch eine identität haben kann.

  9. 09

    @Johnny Haeusler: Nur weil Google meinen echten Namen kennt, müssen sie ihn noch lange nicht öffentlich anzeigen. Das würde die aktuelle Kritik an Google schon mal sehr stark abschwächen. Noch mehr würde sich das reduzieren, wenn sie auf den Namen erst bestehen würden, wenn jemand probiert etwas mit einer Zahlungsmethode zu bezahlen, für die man den echten Namen braucht. Das ist nicht der Grund.

    Der Grund, warum Google auf die Klarnamenpflicht besteht, ist vermutlich: weil sie glauben, dass das die User so wollen. Schließlich wird es schon einen Grund haben, dass das mit Abstand erfolgreichste Social Network ausgerechnet eins ist, das auf Klarnamen besteht. Die absolute Mehrheit der User stört es offensichtlich nicht im allergeringsten, dass sie ihren echten Namen angeben müssen und freut sich darüber, dass sie alle ihre Bekannten unter deren echten Namen finden. Kann man gut finden, kann man schlecht finden, aber eine Kreditkartenverschwörung ist es garantiert nicht.

  10. 10

    Ich bete die Paymentthese ja seit 2 Monaten jedem vor, der sie hören will (oder auch nicht hören will).

    http://www.whitewhale.de/2011/06/01/facebook-credits-als-leitwahrung/

    Es gibt halt zwei Schlüsselpositionen, die es für die Unternehmen hier zu besetzen gilt: Das Device/Plattform und der Paymentprozess.
    Und wer das Geld kontrolliert….

  11. 11

    @Enno:

    Das Problem: Vor wenigen Monaten haben alle sich noch über Ilse Aigner lustig gemacht, als die ihren Facebook-Account gelöscht hat. Daran wird man uns erinnern, wenn wir das nachmachen.

    Das ist dann aber kein genuines Problem des Nicht-Benutzens, sondern (zu Recht) ein Problem derjenigen, die sich darüber lustig gemacht haben. Aber selbst wenn „man“ sich dann genauso darüber lustig machen oder daran erinnern wird: Who cares? Da sind wir wieder bei den von Johnny angesprochenen Eiern…

  12. 12

    Ich bin seit etlichen Tagen suspendiert und werde angeblich auf Echtheit überprüft- Ich habe kein Pseudonym oder so gehabt und mich manierlich benommen. Saftladen.

  13. 13

    Hat irgendwer das Update auf heise.de gelesen, dass gefühlte Sekunden später da stand? Das Problem war, dass sie das Facebook-Logo für einen Nicht-Like-Button benutzt haben. Das ist ne Anti-Phishing-Maßnahme, dass Facebook da protestiert. 2-Klick-Button in der aktuellen Form ist von Facebook abgesegnet. Ich hasse dieses Gerüchte verbreiten.

  14. 14
    Christoph Kappes

    Lieber Johnny,

    Du weisst ja, ich schätze Dich auch, das mal vorweg.
    Und ich verstehe auch den Satz mit den Dingern in der Hose. Diese Haltung gefällt mir.

    Ich darf kurz den Blick auf die Geschichte dieses Briefes lenken.
    1. Am 22. August schrieb ich selbst auf G+, dass ich nur noch bis zum 30.9. aktiv bin, wenn Google die Policy ändert.
    https://plus.google.com/118359023992790949354/posts/4Xisj3wC9o2
    2. Das fand wenig Beachtung und vor allem hat es mir aus meiner Sicht ziemlich dumme Kommentare eingehandelt, die man unter der obigen URL nachlesen kann. „Sowas ähnliches hat aigner schon versucht“ zum Beispiel.
    3. Ergo habe ich mich dann für den Offenen Brief entschieden. Wobei der 30.9. ja noch gilt.

    Will sagen:
    Für einen Teil der Leute macht man es immer falsch.
    Entweder löscht man den Account, dann heisst es: Was soll der Quatsch, da will sich wieder einer wichtig machen etc. (Muster 1)
    Oder man fängt an zu debattieren, dann heisst es: Du hast keiner Dinger in Hose. (Muster 2)

    Ich habe irgendwie das Gefühl, dass das ein Muster ist. Es sind auch dieselben Typen, die dieses Verhalten zeigen. Es ist einfach nur Frustration, die Webversion des frustrierten Bürgers.

    Nun möchte man meinen, wenn man ganz schlau ist, dass beides möglich wäre: Account deaktivieren/löschen UND sich in der Debatte einklinken. Dann bekommt man solche Texte wie ich heute von einem 55jährigen heise-Freelancer mit grauer Strickjacke, dass es auch wieder typisch wäre: da engagiert sich einer, obwohl er gar nicht betroffen ist (Muster 3).

    Was ist das, dass diese Muster kommen?

    Gibt es überhaupt noch eine Option für aktive Netzpolitik?

    (Die Frage ist ernstgemeint. Ich bin ja kein Aktivist. Ich habe das zum ersten Mal angeschoben.)

  15. 15

    Ja. Völlig d’accord, überlege auch so ähnlich rum.

  16. 16

    @Lino: Danke für den Hinweis, ich sehe mir das noch mal an und mache ein Update (geht gerade nicht, Blog editieren via Handy saugt enorm).

    @Christoph Kappes: Wie man es macht, macht man es falsch. Kenne ich sehr gut. Muster erkenne ich dabei in den Reaktionen zu viele als dass ich es schlimm finde, es gibt eben zu allem immer viele andere Meinungen. Am Ende zählt, was DU für sinnvoll hältst und wenn das dieser Brief mit Kündigung Ende Sep ist, dann ist das prima. Ich find’s halt merkwürdig an vielen Stellen, unterstelle aber niemandem irgendwelche Absichten außer den besten.

  17. 17

    @Max Winde: Von Verschwörungstheorien bin ich weit weg. Ich bin einfach nur sicher, dass es um sehr viel Geld geht.

  18. 18
    Maddes

    Und wie viele haben ihr iphone weggeworfen, nachdem bekannt wurde, dass Apple seine Kunden ausspioniert? Oder seit man weiss, bei Foxconn sich die Mitarbeiter in den Selbstmord stürzen? Und wer verzichtet auf die google-Suche, nach den ganzen Geschichten um Street View? Und wer surft ohne cookies?
    Solche „Proteste“, wie dieser offene Brief sind doch nicht mehr, als die Beruhigung des eigenen Gewissens und das Vorheucheln von Gutmenschtum.

    Und davon abgesehen: Ich gebe bei 95% aller Namens- und Adressenangaben im Netz zwar wie gewünscht nen Klarnamen, aber nicht den richtigen an: „Andreas Meier“, „Klaus Müller“, „Frank Schulz“… ach, die Möglichkeiten sind fast unbeschränkt und wenn ich nicht möchte, dass jemand meine Daten bekommt, dann gebe ich sie ihm halt auch nicht.

  19. 19

    Für mich gäbe es zwei hauptsächliche Gründe, ein Produkt nicht mehr zu nutzen: 1. persönliche Betroffenheit von Nachteilen oder aber 2. „ein-guter-Mensch-sein-wollen“. Im Moment trifft beides auf mein Verhältnis zu G+ NICHT zu:

    1. – abgesehen davon, daß ich aus welchen Gründen auch immer dort von Anfang an unter Pseudonym bin und nicht ein mal belästigt wurde (während andere anscheinend trotz erkennbarem realname gelöscht wurden… wenn dahinter eine Logik steckt, erkenne ich sie jedenfalls nicht), sehe ich derzeit nicht, inwieweit Google mit meine Daten Geld verdienen UND mir damit gleichzeitig schaden kann. Sie können gerne mein Suchverhalten und meine G+-Aktivitäten als „ShoBeazz“ analysieren, dann bekommen sie genau die Daten, die von mir aus jeder haben darf, weil die Accounts dieses Nicks auch auf anderen Diensten eh alle verknüpft sind, und zwar mit Absicht. Das ist quasi der „ich habe nix zu verbergen“-Teil.

    Mehr bekommen sie aber nicht, weil ich mehrere Google-Accounts habe, die auf verschiedenen Browsern und ggf. anonymisiert verwendet werden, wenn ich nicht will, daß Google bestimmte Suchanfragen mit meinem „offiziellen“ Profil in Verbindung bringt.

    Und selbst wenn Google meinen Allerwelts-Realnamen kennt, kennt es a) noch lange nicht meinen tatsächlichen „social graph“ (den kennt Facebook dafür) und b) keine Daten über Konto, Kreditkarten etc., weil ich Google für sowas nicht verwende. Dafür kennen ebay und amazon die aber. Soll heißen: jeder der derzeitigen Netzmoloche kennt ein bißchen was von mir, aber keiner alles. Ungemach würde erst drohen, wenn die Herrschaften auf den Trichter kämen, mal so richtig freimütig alle Kundendaten untereinander zu tauschen (halte ich zumindest nicht für unmöglich, wenn ich sehe, an wen die Telekom so meine Daten verscheuert, was ich prima kontrollieren kann, weil die Telekom meinen Allerweltsrealnamen in ihren Unterlagen auf ganz komische Weise falsch geschrieben hat).

    2. – natürlich möchte man die Welt ein bißchen besser machen, nur kommt man da schnell in so ein Boykott-Dilemma: im Grunde hat jede Firma ab einer gewissen Größe genug Leichen im Keller, um erkennbar zu müffeln.
    Sobald man aber eine davon boykottieren will, stellt sich aber nicht nur die Frage: „was als Ersatz nehmen?“, sondern auch: „wenn du [böse Firma A] boykottierst, mußt du konsequenterweise auch [böse Firma B] boykottieren“. Das sind natürlich selbstgemachte Leiden, denn von allen bekannten Sprichwörtern ist „wer A sagt muß auch B sagen“ das mit großem Abstand dümmste. Aber dazu kommt noch: wenn man erst mal angefangen hat, sich mit miesen Machenschaften großer Firmen (Staaten, NGOs,…) zu beschäftigen, findet man schnell einen derart überfordernden Ozean an unerfreulichen Informationen, daß der Reflex „Augen zu und einfach weitermachen wie bisher“ nicht ganz unverständlich ist… da man nicht ALLES boykottieren kann, aber sich auch nicht in der Lage sieht, ETWAS zu boykottieren und etwas anderes nicht, boykottiert man am Ende NICHTS.

    (und schlußendlich ist Bequemlichkeit tatsächlich immer noch die Killer-App unter den Argumenten. Ich habe mich ja sogar wieder, nach einer angemessenen Trauerfrist (oder wie nennt man diese Zeit, in der man zb. nach Hurrikanen laut irgendeinem „common sense“ keine Lieder spielen darf von Bands, die so heißen wie besagter Hurrikan oder in denen Wellen vorkommen?) wieder bei PayPal angemeldet, obwohl ich meinen Account nach der Wikileaks-Sache unverzüglich eingestampft hatte… shame on me?).

  20. 20
    3cupsoftealater

    google hat die fenster im internet aufgerissen und jetzt herrscht unangenehmer durchzug. keine frage, das ungute gefühl ausspioniert zu werden, wächst spürbar. und die google+ plattform ist nun wirklich ein herber einschnitt. erst braucht es eine einladung, dann darfst du keinen nicknamen verwenden, wenn du deine mailadresse ändern willst, wollen sie deine handynr, in der zwischenzeit wurden zwei youtube-konten zu einem zusammengeführt. ziemlich forscher auftritt. meinen google+ account werde ich jedenfalls stilllegen, was mir im übrigen nicht schwerfällt, denn meine interessensgruppe ist da eh völlig unterrepräsentiert.
    aber eins ist klar: diskussionen wie diese, werden wohl in zukunft vermehrt geführt werden. und ich finde gut, dass überhaupt mal ausgesprochen wird, dass man die vorgehensweise von google ziemlich daneben findet.
    was @Maddes sagt, trifft den kern. denn die tatsache, dass wir alle schon viel zusehr mit dem netz verwoben sind, hat eine abhängigkeit geschaffen, die man , wenn man so will, mit „gradueller unfreiheit“ übersetzen kann. ein ausstieg -z.b bei facebook- ist doch für viele im grunde schon gar nicht mehr vorstellbar.

  21. 21
    3cupsoftealater

    @ Maddes mit „trifft den kern“ meinte ich deine wer-fragen. nicht deine schlussfolgerung. ;)

  22. 22
    mp3

    @ShoBeazz: An wen gibt denn die Telekom deine Daten weiter? Würde mich echt interessieren! Wenn es nicht zu umständlich ist.. :)

  23. 23

    Ihr tut ja so, als wäre Google ein staatliches Monopol, bei dem man Petitionen einreichen muss. Bleibt doch bei Fressenbuch, wenn es Euch nicht passt. Oder macht Euer eigenes soziales Netzwerk auf, am besten dezentral (wie E-Mail oder Jabber). Es ist ja (noch) nicht so, als ob man keine Wahl hätte.

    Wenn soziale Netzwerke so wichtig sind, warum machen wir uns nicht auf, sie zu dezentralisieren und damit die Macht nicht mehr an einem einzelnen Punkt zu konzentrieren? Bei Suchmaschinen gibt es ja die nötige Forschung dazu auch schon länger.

  24. 24

    Ich möchte ganz einfach nicht, dass Unternehmen mein Kommunikations-, Kauf-, Arbeits- und Lebensprofil so gezielt auswerten können, wie es zur Zeit der Fall ist. Und ich möchte nicht, dass aus der Utopie Internet ein Kontroll- und Überwachungsalbtraum wird.

    Ich lese Ähnliches immer und immer wieder. Diese Aussage tätigende Leute machen größtenteils trotzdem mit bei Facebook und Google+, kaufen iDevices … und schreiben dann ihre Sorgen vom Leib, gefolgt von Wenn ich ein Opensource-Programmierer wäre, würde ich […].

    Ich wüsste gerne: Warum genau ist der erste Schritt denn nicht, nicht mitzumachen? Was genau hindert jemanden daran, sich persönlich einzuschränken, sei es nur, um sich selbst Druck zu machen, Alternativen zu finden oder aufzubauen? Nennt es meinetwegen eine digitale Propaganda der Tat.

    Wie ein berühmter Fefeminist einst sagte: Nicht meckern, machen. Tut nicht so, als wäret ihr keine Multiplikatoren.

    Das von ShoBeazz erwähnte Boykott-Dilemma ist übrigens ein rhetorischer Trick.

  25. 25

    Ich muss gestehen ich verstehe die Aufregung um das Thema nicht so ganz. Ja, ich wäre auf google+ auch lieber moolder, so wie in meinem Blog und überall sonst (bis auf Xing und wkw, btw.). Aber auch in meinem Blog musste ich ein Impressum einrichten, auch da steht also mein echter Name hinter meinen Beiträgen. Und irgendwie ist das auch gut so, den ich muss ja wirklich für das geradestehen, was ich schreibe.

    Dass man bei google+ keine Privatsphäre erwarten darf sollte jedem klar sein. Dort schreibe ich ja auch nur solche Dinge hin, die zu dem Bild passen, das ich von mir im Netz sehen will. Das habe ich im Blog auch so gemacht, denn auch das wurde schon immer von google gescannt.

    Im Gegensatz zu meinem Blog kann ich google+ mit IOS App gut nutzen, da hat man bei Antville Blogs schlechte Karten. Das Format der Nachrichten in Google+ spricht mich an, mit langen Texten und vielen Bildern. Und es funktioniert, bei Google+ lesen einige Kollegen ud Kunden mit, weil es einfach und eben weil es zentralisiert ist.

    Ich mag google+ :)

    So, jetzt könnt ihr losbashen :)

  26. 26

    Gibt es überhaupt noch eine Option für aktive Netzpolitik?

    Wie wäre es mit Programmieren bzw. Programmierer finanzieren? Der von Heise gebastelte privatsphärenfreundliche Like-Button ist technisch nicht so schwierig. Und bevor jetzt jemand erwähnt, wie beschissen Diaspora ist, denkt bitte an GNU, Linux, Apache, Firefox, den VLC Media Player … alles Projekte, die Jahre gebraucht haben, bis sie reif waren und schließlich und endlich so nicht mehr wegzudenken sind.

  27. 27

    Was mich ganz allgemein in den letzten Jahren immer wieder nervt, ist die Tatsache, dass alteingesessene Geeks es besser wissen müssten, aber trotzdem die meisten davon in immer wieder die gleiche Falle tappen: Zentralistische, geschlossene Systeme sind scheiße. Immer. Ohne Ausnahme. Es unterscheidet sich nur der Zeitrahmen, bis man das merkt. Manchmal dauert es nur Monate, meistens Jahre, oder gar Jahrzehnte.

    Das erste Mal, als ich das im Internet gemerkt habe, war 1996, als ICQ aufgepoppt ist (damals noch eine israelische Angelegenheit), praktisch gab es vorher nichts vergleichbares, und es war nützlich. Aber geschlossen. Das war am Anfang nicht schlimm, später wurde es immer kommerzieller, der offizielle Client bunter, mit Werbung verseucht, immer unbrauchbarer. Es gab natürlich inoffizielle, alternative Clients, aber die wurden ab und an mal ausgesperrt, manche Features gingen nicht richtig, es war ein ewiges Wettrüsten. Nervig. Eigentlich hatte es damals jeder kapiert, was daran schlecht war, es war kein offener Standard, ein geschlossenes System.

    Einige Jahre und einige Instant-Messaging-Protokolle später (mit Jabber war die Sache eigentlich vom Tisch, man pflegt noch ein paar Kontakt-Altlasten, ICQ ist über dem Umweg AOL jetzt bei den Russen gelandet) kommt auf einmal Skype auf den Plan, und was passiert? Der gleiche Mist von vorn, proprietäres Protokoll, proprietärer Client, mit allen Problemen: Unterstützung alternativer Systeme mangelhaft, man ist auf Gedeih und Verderb dem Dienstbetreiber ausgeliefert. Haben die Leute, die schon eine Weile im Internet sind, nichts gelernt? ICQ schon vergessen? Alle stürzen sich drauf, Skype war/ist ein ICQ 2.0

    Und seitdem geht es Schlag auf Schlag. Paypal als quasi-Online-Bezahlmonopol wäre gern eine richtige Bank, führt sich aber eher mafiös auf („wir behalten mal dein Gelde für 21 Tage ein, zu deiner Sicherheit!!!11“), Facebook wird immer mächtiger, Google sowieso. Es kann niemand, der schon länger im Internet unterwegs ist (10 Jahre und mehr), sagen, dass er das nicht hätte kommen sehen. Entweder lernresistent oder … ich weiß nicht.

    Zentrale, geschlossene Systeme sind schlecht. Immer. Punkt. Wobei man fährerweise sagen muss, dass Google eigentlich noch recht offen ist, man bekommt einen Teil seiner Daten raus. Trotzdem ist der Abschied mit Verlust verbunden. Kann ich mir zumindest vorstellen, ich nutze Google-Dienste bis auf die Suche praktisch nicht. Und da ist eine Alternative schnell bei der Hand, auch wenn sie vielleicht nicht so gut ist.

  28. 28
    Reiner

    Kein Facebook, kein „Ich brauch den Pre-Alpha-Invite!!“, kein G+, überhaupt keine Google-Dienste, datensparsam aus Prinzip. Immer. Auch beim onlineshoppen usw.

    Trotzdem SEHR viel Spaß im Netz, auf dem Laufenden und im kuscheligen Kreis durchaus ein Influenzer.

    Ja, das geht. Muss man nur wollen.

    Und das Gewinsel an Google ist das, was Johnny sagt.

    Du bist mit den Regeln nicht einverstanden? Dann geh woanders hin. Wer solche „Offene Briefe“ schreibt diskutiert auch ne Stunde mit dem Türsteher der In-Disko. Weil er dabei sein muss, statt in der wesentlich lustigeren Kaschemme daneben ein spaßiges Bierchen zu stürzen. Oder auch zwei.

    Arm. :-)

  29. 29
    Meckerin

    Und dann steht da unter dem Artikel der „gefällt mir“ Button.

  30. 30
    Dr. Helga

    „Wenn’s euch hier nicht passt, dann geht doch in den Osten.“

    „Solange du deine Füsse unter meinen Tisch stellst, bin ich das Gesetz.“

    „Machen doch alle so, da musst du dich schon nackt auf eine einsame Insel setzen, wenn du was ändern willst.“

    „Wutbürger, Wichtigtuer, Weltverbesserer, Gutmensch …“

    „Wir brauchen hier keinen, der ständig dagegen ist, der dem Fortschritt immer nur als eine Bremse dient [Die Toten Hosen, Um 180Grad]“

    mein ja nur …

  31. 31
    oblomow

    @Usul Reiner

    So isses. Nutzt den scheiß doch einfach nicht. Offene briefe schreiben, weil man gern auch mitmachen möchte, ich roll mich weg … Ansonsten: mitmachen, bedingungs- und bedenkenlos – ist eh schon fast egal.

  32. 32
    E.S. Brom

    Mit folgendem Kommentar aus meiner Feder will Ich niemandem vorschreiben, was er wie zu handhaben hat, und Ich möchte auch nicht jemandem auf die sprichwörtlichen Füße treten, handelt es sich hierbei lediglich um meine Meinung zu dem Thema selbst und auch zu der durchaus philosophischen Ebene der Diskussionsart zu diesem Thema.

    Selbstverständlich ist ein jeder dazu in der Lage, zumindest als Aussage verfasst, auf entsprechende Plattformen und Dienste zu verzichten, vielleicht auch nur um sich selbst zum Kreis derer zugehörig zu wähnen, die von sich dann behaupten können, dass ihnen das alles ohnehin schon immer klar war und die einfach mündige und selbstverantwortliche Nutzer des Internets sind.

    Selbstverständlich hat jede Plattform und jeder Dienst eine Art „Hausrecht“, da nunmal die Urheberrechte Diensteanbieter und Plattformbetreiber dazu berechtigen oder befähigen, ihre Angebote zu verändern, zu erweitern und für ihre Nutzer ansprechender zu machen, auch wenn dies manchmal bedeutet, dass Nutzer verloren gehen, da Gewisse nicht jede Innovation als solche wahrnehmen (man denke nur an die Problematik einer Musikband, die ein neues Album veröffentlicht hat und die Spaltung der Fangemeinde bezüglich des neuen Materials: einerseits will ein Teil der Fans innovative Musik haben, andererseits den charakteristischen und charakterisierenden Sound der Band nicht missen, manchmal zugleich von der gleichen Person geäußert).

    Mein Eindruck von der Diskussion selbst beschränkt sich fast ausschließlich auf die Fragestellung, wer sich denn nun beschweren darf, wie er sich beschweren darf und weswegen er sich beschweren darf.
    Die Äußerungen, die sich darin erschöpfen, dass man jemandem, dem etwas hierzu missfällt, sagt oder schreibt, dass er „doch woanders hingehen soll, wenn es ihm nicht passt“, ist das Verlangen nach Erdlöchern für Straußenköpfe;
    führe Ich als Beispiel an, dass ein Vermieter sich nicht um Schimmelbefall im Schlafzimmer einer von ihm vermieteten Wohnung kümmert, dann ist der Missstand offensichtlich und es ist einleuchtend, wer welchen Pflichten nachzukommen hat und worin das Versäumnis besteht.

    „Wenn dir die Wohnung nicht passt, dann zieh doch weg“ ist etwas, das Ich nach der Nennung dieses Beispiels nicht erwarten würde.
    Es wird Geld in diese Wohnung investiert; dieses Geld wird dafür be- und gezahlt, dass diese auch gewährleistet in einem bewohnbaren Zustand zu sein hat.
    Dass die Aussage „geh doch weg, wenn du es hier oder da scheiße findest“ schränkt zudem noch das Recht auf Freizügigkeit ein, eine Transformation, die gegenüber dem Netz kaum jemand wagen will.
    Ferner wird mit solchen Aussagen bedenklich mit dem Recht auf Selbstbestimmung und -verwirklichung gespielt, die dann eher zu Zugeständnissen degradiert, anstatt als Rechte wahrgenommen zu werden.

    Dass der Vergleich mit der Wohnung entgegen der Erwartungshaltung gewisser Menschen nicht hinkt, liegt daran, dass das Finanzierungsmodell der Plattformen und Dienste Werbung heißt und nicht Miete.

    Es wird Werbung geschaltet.
    Was man bei Bundesligaspielen wortlos akzeptiert und als gegeben hinnimmt, das wird im Internet übersehen; Plattformen sind werbefinanziert; Dienste sind werbefinanziert.
    Jemand zahlt dafür, dass Personen diese Plattformen und Dienste als Mieter/Nutzer verwenden können.

    Liegt die Wertschöpfung einer Wohnung in ihrer Lage und der aus der Lage abgeleiteten Infrasktruktur, so liegt die Wertschöpfung der Angebote wie Skype und Facebook darin, dass sie mit möglichst vielen und auch unterschiedlichen Menschen kompatibel sind, da nur auf diese Art und Weise das Geschäftsmodell der Nutzungsauswertung und der damit verbundenen punktuell richtigen Werbung für den richtigen Nutzer aufgeht und funktionieren kann.

    Fußballzuschauer trinken Bier, wollen teure Autos und haben Finanzprobleme; folglich finden sich auch entsprechende Anbieter auf den Werbebannern um das Spielfeld herum.
    Und es finden sich unter diesen Zuschauern auch die, die diese Werbungen als erniedrigend wahrnehmen und auch jene, die das gerade laufende Spiel beschissen finden.
    „Wenn es dich stört, dann schau doch was anderes“ kommt dabei als reaktionäre Handlung zweiter Ordnung zum Tragen und zwar genau von denen, die sich aufgrund der Aussage einer anderen Person für einen kurzen Moment fragen müssen, weswegen dieses oder jenes sie eben nicht stört.

    Da menschliche Motivationen und Absichten sofort Opfer des Konfabulierens, des sich-selbst-für-sich-selbst-erklärbar-machens werden, reagieren einfach die falschen Leute auf den immer richtigen Protest.
    Wer in einem beobachteten Missstand keinen Missstand für sich selbst erkennen kann, ernennt den, der diesen dann als solchen wahrnimmt als Missstand, was eben den mehrfach erwähnten Satz als Keule nach sich zieht.
    Man reagiert also gar nicht auf den Missstand, sondern auf die Person.

    „Dann mach es halt nicht“ ist dabei von gleicher Güte wie „Ich habe nichts zu verbergen“; es geht hierbei überhaupt nicht um die wahrgenommene Konkurrenz zwischen denen, die kein Problem mit irgendwas haben, und jenen, die ein Problem mit irgendwas haben, sondern einzig und allein um die Reaktion letztgenannter auf etwas, das sie stört.

    Es erscheint mir aufgrund dieser Fehlwahrnehmung der Betroffenheit unmöglich tatsächlich zwischen diesen Gruppen zu vermitteln, weil sie nicht von und über die gleiche Sache sprechen.
    Zur Erläuterung und abschließend die Aufschlüsselung der Unterhaltung:

    A: „Mich stört es, dass G+ darauf besteht, dass Ich ihren Dienst nur dann verwenden soll, wenn Ich bereit bin folgende Bedingungen zu akzeptieren..“
    B: „Ich finde deine Bedenken nicht nachvollziehbar, da Ich selbst mit diesen Bedingungen kein Problem habe; was mich hingegen stört, ist dass du diese Bedenken hast, eben weil Ich den Eindruck habe, dass du die Tragweite dieser Bedingungen in ihrer Bedeutung für dich als etwaiger Nutzer falsch ein- oder überschätzt..“

    A reagiert auf Umweltfaktoren.
    B reagiert auf As Person.

    Vielen Dank fürs Lesen!

  33. 33
    Mister T

    @Dr. Helga: Genau das ist mir auch durch den Kopf gegangen.
    „Nicht mitmachen“ kann man ja auch bei Ölmultis, die die Meere verschmutzen. Muss man halt im Harz in eine Höhle ziehen, das Feuer selber machen und selbst ein paar Vögelchen zum Futtern keulen.

    Es hat einen Grund, dass es einen Staat gibt. Den gibt es nicht nur, um damit ausreichend Geld für Banken zu sammeln oder dem Bürger das Rauchen abzugewöhnen. In diesem Zusammenhang stört mich an dem Brief noch am meisten, dass er an Google gerichtet ist und nicht an das Verbraucherschutzministerium. Trotzdem: Besser als gar kein Brief.

  34. 34
    Tim

    @Max Winde:
    „Schließlich wird es schon einen Grund haben, dass das mit Abstand erfolgreichste Social Network ausgerechnet eins ist, das auf Klarnamen besteht.“

    Dann haben die sich aber FB nicht richtig angesehen. Bei meinen FB Freunden – sehr international mit einer großen Gruppe aus der US-afroamerikanischen Community – tummeln sich mind. 50% Pseudonyme.

  35. 35
    name

    Und wie bitte will google überprüfen, was der richtige Namen ist ?

    Nur weil die Buh machen und alle rennen..

    Ne sorry, aber wer da den Druck fühlt seinen richtigen Namen eingeben zu müssen, dem kann nicht mehr geholfen werden….

  36. 36
    Silly Human

    @E.S. Brom:

    Sehr gut! Das dachte ich auch, könnte es so aber nie formulieren. Schade, dass die meisten Leute die mit dieser Keule kommen, deinen Text nicht verstehen werden. Eben weil sie nicht mal das Thema des Artikels hier verstehen, wie du schon geschrieben hast.

    Achja und Usul kann ich auch nur voll und ganz zustimmen.

  37. 37

    Google+ nicht mehr benutzen und bei Google+ (plus optional anderswo) ankündigen, dass es mit der Klarnamenregelung zu tun hat ist tatsächlich der einzige Weg, dem Konzern zu zeigen, dass das so nicht geht.

    (Und ehrlich gesagt: Die extrem selbstreferentiellen Internet- und Social Media-Nerd-Debatten auf der Plattform sind nichts, was einen großen persönlichen Verlust mit sich bringt. Das kriegt man anderswo als Sahnehäubchen zu einem viel bunteren Themenmix gratis obendrauf.)

  38. 38
    Fufu

    Woher weiß Google, wenn ich mich als Hugo Schnatzki anmelde, dass das nicht mein Name ist?

  39. 39
    Stephan (Der Echte)

    Jeder muss selbst entscheiden, ob er den Preis für FB, G+ usw. bezahlen will. Darauf läuft’s letzten Endes hinaus. Die Dienste kosten den Nutzer nicht direkt Geld. Kostenlos sind sie aber nicht und der Anbieter braucht Kohle. Also…

    Ich brauch dazu nicht noch ’ne Debatte. Die Argumente hab ich alle schon gehört. Können andere Diskutieren, außerhalb meiner Hörweite. Ich denke nämlich nicht, dass sie bei den Diensteanbietern irgend was bewegen werden. Die brauchen Kohle! und können mithin nicht anders. Hungrige Löwen erörtern mit mir auch nicht die Vorzüge von Salat.

    Um mal konstruktiv zu fragen: Gibt es denn eine Alternative zu den Social Networks? Eine, wo keiner das Netzwerk besitzt? So peer-to-peer-artig?
    Im Prinzip müsste die Funktionalität von Facebook, Google+ und Co doch mit jeder besseren Blog-Software nachbildbar sein. Auf gemietetem Webspace ist man doch dann sogar Herr seiner Daten. Kein Dritter, dem man es nicht explizit erlaubt, kann reingucken. Ist ein Blog zu kompliziert für die Masse?

  40. 40

    @Stephan (Der Echte): Ganz so einfach ist das ja alles nicht. Ein Social Network macht eben erst ab einer netten Masse Spaß und Sinn (es sei denn, man beschränkt sich auf kleinere Gruppen von Menschen mit einem gemeinsamen Hobby, dann genügt aber vielleicht auch ein Forum), neben der reinen Technik ist daher eine Rechtsabteilung, eine Pressestelle, Nutzerbetreuung und Marketing nötig. Und viel Glück. Ich glaube nicht, dass ein sich selbst tragendes Netzwerk, das man sozusagen „einfach so hinstellt“, große Verbreitung finden wird (aber die Frage stellen sich natürlich trotzdem viele, ob das nicht irgendwie geht). Diaspora versucht es ja, aber es hebt nicht ab.

    Grundsätzlich kann man etwas ähnliches wie Facebook oder G+ sicher auch mit Drupal oder Buddypress o.ä. machen. Die Server- und Traffic-Kapazitäten würde ich dabei dennoch nicht unterschätzen und vor allem nicht den Betreuungsaufwand. Und am Ende glaube ich auch noch, dass eine Peer-To-Peer-ähnliche Struktur sehr wohl zu kompliziert ist, um eine spannende Masse an Leuten erreichen zu können (wobei Marketing das vielleicht richten könnte… Facebook ist ja glaube ich auch erst so richtig abgegangen hierzulande, nachdem der STERN eine Titelstory darüber hatte… so was kann man vielleicht kaufen, aber es kostet halt).

    Ich fürchte, in Schwung bekommt man so etwas dann doch nur mit entsprechendem Elan, der eben auch kommerziell begründet ist.

  41. 41

    Na dann macht das doch hier auf Spreeblick! Lasst die Teenies auf Facebook und die tech-Nerds auf G+ posten, dafür tummeln sich hier die Freunde der Popkultur. Ich fänd das cool!

  42. 42
    Stephan (Der Echte)

    @Johnny Haeusler: Jetzt wo du es sagst, fällt mir Diaspora wieder ein – ihr habt’s ja selber vorgestellt. Ich werde gleich mal der erste meines Bekanntenkreises, der schon da ist :) Jedenfalls probier ich das jetzt aus. Aus Trotz, weil mir die Idee gefällt, und ich wissen will, ob die halten, was sie versprechen.

    Bloß weil es nach einem Jahr noch nicht durchgestartet ist, ist es nicht gleich eine Totgeburt.

  43. 43

    Die ganze Aufregung kann ich nicht verstehen. Ich habe DREI G+ Seiten unter drei verschiedenen Pseudonymen.
    Die laufen alle ganz normal.
    So What?

    trude

  44. 44

    warum überhaupt ein verdammtes vieh in einer herde? scheisst auf facebook und google+, das braucht niemand, es wird einem nur eingeredet, dass man es braucht, weil es so vielen anderen auch schon eingeredet wurde, bis hinterher niemand nicht mehr weiss, wer hat was geredet, wer hat mit dem ganzen quatsch angefangen, und schon meldet man sich an, man ist ja masse. das muss nicht sein. eigentlich muss eine ganze menge nicht sein.

  45. 45

    Ich glaube,

    dass selbst Professionell arbeitende Personen sich einen Freiraum schaffen,
    der sie unsichtbar macht. Es sind nicht die tlw. komplizierten Einstellungen
    in einem Social- Network, sondern die Bereitwilligkeit der User, Meinungen,
    Darstellung u. Erfahrungen weiter zu geben.
    Kann aber auch falsch liegen mit meiner Annahme.

    Alles Gute

Diesen Artikel kommentieren