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TV-Duell #btw17

Als der dritte Kommentar im Anschluss an das gestrige TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz meinte, das Ganze sei „wohl eher ein Duett als ein Duell“ gewesen, wurde mir die ganze Langweilig- und Ideenlosigkeit dieses Landes erneut bewusst, der Grund auch, warum ich gerne auf Twitter bin bei solchen Events. Da sind wenigstens noch ein paar Leute mit Resthumor und kreativen Wortspielen unterwegs.

Ja logisch war das keine „Schlacht“, schließlich arbeiten die beiden Parteien zusammen und werden das vermutlich auch noch öfter tun, wer aber „überhaupt keine Unterschiede“ zwischen Schulz und Merkel gehört hat, hat nicht richtig zugehört. Außerdem sind wir hier nicht in den USA, Politik ist kein Zirkus-Format und da bin ich auch ganz froh drüber.

Zur allgemeinen Kritik, die zurecht und besonders an die mangelhafte Themengewichtung ob der knappen Zeit ging, an die einseitige Fragestellung und an die streckenweise sowieso unsägliche Moderation … darüber will ich nicht noch mehr tippen, das haben ja gefühlt alle anderen schon getan.

Ein paar Gedanken aber, die ich für mich festhalten will:

Vor kurzer Zeit wurde an den YouTuber*innen rumgemosert, die sich für „#DeineWahl – YouTuber fragen Angela Merkel“ mit Frau Merkel vor die Kamera gesetzt hatten, um ihr Fragen zu stellen. Und klar, das fanden sehr viele erwachsene Beobachter*innen ganz grausam, das kann man ja nicht machen, die haben ja keine Ahnung, die Merkel hat die um den Finger gewickelt, blah blah …

Und dann schaue ich mir die angeblichen Vollprofis gestern an und denke: Ich fand die YouTuber*innen besser. (Und noch ganz allgemein zu dieser Kritik damals: Stimmt, YouTuber*innen sind keine Journalist*innen, Überraschung! Das waren die meisten Blogger*innen übrigens vor zehn, zwölf, fünfzehn Jahren auch nicht, und „uns“ wurde damals genau das Gleiche wie nun den YouTuber*innen vorgeworfen, wenn wir uns langsam an politische Themen gewagt haben. Und jetzt meckern also die Blogger*innen von damals über die YouTuber*innen von heute. Ebenso: Langweilig.)

In ähnlichem Zusammenhang fand ich einen Nebenschauplatz gestern sehr spannend. Eine Kanzlerin, welche die Frage nach einem Wahlrecht für 16-Jährige mit einem klaren „Nein“ beantwortet, sollte einen Sturm der Entrüstung ernten. Tut sie aber nicht. Sondern sie „gewinnt das Duell“ lt. vieler Medien. A Country for Old Men.

Außerdem: Wieso entscheidet eigentlich die Kanzlerin allein, wie oft und auf welche Art es im TV politische Debatten gibt? Klar kann sie selbst entscheiden, an welchen TV-Auftritten sie teilnimmt, aber wieso hat das Einfluss auf alle Parteien und auf das TV-Programm? Wieso können TV-Stationen nicht zwei oder drei längere TV-Formate vor der Wahl entwickeln, zu denen die wichtigsten Parteien eingeladen werden? Und wenn die Chefin das nicht nötig hat oder ihr die Regeln nicht gefallen – dann kommt sie halt nicht. Ist ja auch ’ne Ansage. Sie kann ja Jens Spahn schicken, Smiley.

Vielleicht schreibe ich morgen noch eine Wahlempfehlung. So schwer das auch immer ist. Spoiler: Die CDU wird es nicht sein. Überraschung.

10 Kommentare

  1. 01

    Hach ja. Ich habe mich mit Händen und Füßen gegen das Duell gewehrt, in erster Linie ja wegen Strunz.
    Tja und nun? Es GAB eine Gleichschaltung des Staatsfunks und die Fragestellungen des Sat1-Mannes waren allesamt eine Frechheit. Nebenbei denke ich auch, dass unentschlossene nun noch viel unentschlossener sind :)

    https://www.trancefish.de/blog/show/Politik/Das+TV-Duell+hat+den+Waehler+noch+mehr+verwirrt/

  2. 02
    Armin

    Immerhin ist Merkel hingegangen. Hier bei uns ist die PM erst gar nicht gegangen und hat dann später eine Stellvertreterin geschickt….

  3. 03

    @Armin: Bei euch ist aber vieles gerade etwas anders als woanders … ;)

  4. 04
    h s

    YouTuber sind keine Journalisten, ok, medienkompatibel, sie wollen ja auch keine sein und erwartet keiner.

    Die beim sog. Duell aufgefahrenen TV-Moderatoren sind auch keine Journalisten, Medienversagen. Besondern der oeffentlich-rechtlichen, die mal wieder Selbstentleibung betreiben, leider.

    PS: Wer solche Leute als Journalisten bezeichnet, will diesem Berufstand wirklich boeses.

  5. 05

    @h s: Na klar sind die Moderator_innen des TV-Duells Journalist_innen. Und mir ist da eher Herr Strunz äußerst negativ aufgefallen, der bekanntlich bei SAT1 arbeitet, die bekanntlich nicht besonders öffentlich-rechtlich sind.

  6. 06
    Svenn

    Das TV-Duell 2017 zwischen der Kanzlerin und ihrem Herausforderer ist nun schon ein paar Tage her, und ich versuche das gesehene noch immer für mich richtig einzuordnen.

    Das soll es also gewesen sein, dass Duell mit der Amtsinhaberin, die als stets abwartend bekannt ist? Die Landesmutter, die ihre Hände vor einer Entscheidung gemächlich – zur Raute geformt – in den Schoß zu legen pflegt? Die, die – nach angemessener Zeit – die Entscheidung trifft, die ihr und ihrer Partei am erfolgversprechendsten zu sein scheint?

    Bisher konnte man sich sicher sein, wenn Angela Merkel sich zu einem Thema positioniert, dann nur nachdem alle anderen erstmal ihren eigenen Standpunkt klar gemacht haben. Merkel hat in all ihren Jahren als Kanzlerin Politik nach dem Motto „Was kümmert es eine deutsche Eiche wenn eine Sau sich an ihr reibt?“ gemacht. Sie ließ ihre Gegner und Mitbewerber nur selten wirklich Einblick nehmen in ihre Entscheidungsprozesse, und das war ihr Erfolgsgeheimnis.

    Diese Form der Politik des Abwartens machte sie so stark, dass jeder der es mit ihr aufnehmen wollte an ihr abperlte wie ein Regentropfen an der Windschutzscheibe auf der Autobahn. 2013 gipfelte diese Haltung beim TV-Duell mit dem damaligen Herausforderer Steinbrück in das Schlusswort „Sie kennen mich!“. Dieses „Sie kennen mich!“ reichte und der Wähler wusste, mit Merkel macht er nichts falsch und bekommt das was er auch erwartet.

    Nun, vier Jahre später, Merkel kenne ich ja, wollte ich den aktuellen Herausforderer Martin Schulz ein bisschen kennen lernen. Als Schulz von seiner dahindarbenden SPD zum Kanzlerkandidaten auserkoren wurde, wehte ein frischer Wind durch das Willy Brandt Haus. Man hätte denken können, Merkel würde beim Wahlkampf 2017 eine steife Brise ins Gesicht wehen, wenn es so weiter geht. Wir alle wissen, es war nur ein laues Lüftchen das nicht lange hielt. Seither müht sich der einstige Hoffnungsträger nach allen Regeln der Kunst. Der Erfolg bleibt aus, und Merkel macht mal wieder nichts als die Raute um die Wahl zu gewinnen. Die zum Hashtag gewordene Raute heißt dieses Jahr #fedidwgugl und reicht quasi als Wahlprogramm für die CDU. Egal welches Thema Schulz wählt um sich an Merkel zu reiben. Rente, Geringverdiener oder soziale Gerechtigkeit scheinen dem Wähler nicht wirklich ausreichend um als Gegenentwurf für ein „weiter so“ zu dienen. Anders sind die Umfrageergebnisse nicht zu erklären.

    Und dann dieses TV-Duell, in dem Schulz egal was er vorbrachte, an der Ruhe und Gelassenheit von Merkel scheiterte. – Bis zu diesem Moment! – Dem Moment als er, der Vorsitzende und Kanzlerkandidat der SPD, ob der aktuellen Ereignisse rund um die Türkei eine Aussage machte, die man von einem Sozialdemokraten so nie erwartet hätte.

    Schulz erklärte vor dem Hintergrund zweier erneuter Festnahmen von deutschen in der Türkei, er wolle als Kanzler umgehend auf eine Beendigung der Beitrittsverhandlungen der Türkei mit der EU hinwirken. Dies obwohl die SPD, das Wahlprogramm und er selbst stets gegen die Beendigung der Beitrittsverhandlungen waren. Man konnte bei diesem Thema merken, dass Schulz hier eine Empathie zeigte die Merkel bei ihrer Politik des Abwartens nicht aufzubringen in der Lage ist. Und das war der erste Moment, in zwölf Jahren Merkel, in dem ich erleben durfte, dass die Kanzlerin eine politische Entscheidung von jetzt auf gleich traf. Zunächst noch um Fassung ringend, ob des Überraschungscoups von Schulz, stellte Merkel innerhalb von rund zwei Minuten ihren eigenen Standpunkt „Kein Ausstieg aus den Verhandlungen“ in Frage. Merkel sagte zu, die Möglichkeit des Verhandlungsausstieges alsbald zu überprüfen und gegebenenfalls als Standpunkt ihrer Regierung zu vertreten. Ein so schneller Positionswechsel der sich sonst nicht so gerne festlegenden Kanzlerin, zeigt das Angela Merkel – trotz aller für sie positiven Umfrageergebnisse – den Gegenkandidaten nach wie vor als ernsthafte Gefahr sieht. Es war nicht das erste Thema bei dem Schulz, der bislang weder der Regierungskoalition noch dem Bundestag angehört, die Kanzlerin vor sich her getrieben hat. Bereits im Frühsommer hat Merkel aufgrund des geschickten Taktierens der SPD die Ehe für Alle im Bundestag gegen ihre eigene Überzeugung passieren lassen müssen.

    Diese beiden Beispiele zeigen eigentlich, dass Martin Schulz durchaus einen Kanzler abgeben könnte, der den Job mindestens so erfolgreich machen könnte wie die Amtsinhaberin. Das Duell belegt, gerade weil es von vielen als zu harmonisch kritisiert wurde, dass ein Kanzler Schulz einerseits keinen radikalen Kurswechsel in der Politik Deutschlands vornehmen würde, andererseits aber schnellere Entscheidungen in Situationen treffen würde, die sich sonst zu einer Krise auswachsen könnten. Die abwartende Haltung Merkels ist in der Türkeikrise jedenfalls nicht hilfreich. Vielleicht hätte ein spontanerer Regierungschef, wie Schulz es sein könnte, auch in der Flüchtlingskrise die eine oder andere Entscheidung getroffen, die die Dinge vorher in eine andere Richtung geleitet hätten.

    Ob die deutschen sich für das –despektierlich gesagt – „Mutti wird’s schon richten!“ entscheiden oder vielleicht doch einen Kanzler wählen, der die Führungsrolle Deutschlands in der EU aktiver wahrnehmen könnte, wird sich am 24. September zeigen.
    Das Duell ist da nur auf den zweiten Blick eine Hilfe.

  7. 07
    Armin

    @Johnny Haeusler: ich habe gehört dass der gute Nigel Farage demnächst zu euch nach Berlin kommen wird. Ich hoffe ihr werdet ihm einen gebührenden Empfang geben, so wie die Schotten….

  8. 08
    h s

    @Johnny: ich weiss, dass die sich Journalisten nennen. Aber entweder kann ich das ernst nehmen, oder ich kann Journalisten ernst nehmen.

    An Journalisten der oeffentlich-rechtlichen habe ich Ansprueche. Die privaten leben von Show gegen Geld und sind letztlich explizit als Gegengewicht geschaffen worden, da erwarte ich eine nennenswerte Qualitaet. Auch wenn es mich natuerlich freut, wenn da mal jemand ernst zu nehmendes gut unterwegs ist, was ja durchaus passiert.

  9. 09
    h s

    …das sollte natuerlich heissen:“Die privaten leben von Show gegen Geld und sind letztlich explizit als Gegengewicht geschaffen worden, da erwarte ich keine nennenswerte Qualitaet.“

  10. 10

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