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Wir sind null Prozent

Quelle: Onlinestudie 2008 von ARD und ZDF (pdf)

Teil einer täglichen Surfroutine sein: Das wäre schon was. Die tägliche Surfroutine des gemeinen Onliners (lateinisch: Bos qliceri) jedoch beinhaltet der ARD/ZDF-Online-Studie 2008 zufolge nicht das Verweilen auf Web-2.0-Angeboten. Weblogs kommen nicht von der Stelle, ihre Akzeptanz ist wieder auf das Niveau von 2006 gesunken und das Hauptproblem: Leser vertrauen Weblogs nicht. „Nur 29% halten die auf Weblogs verbreiteten Informationen für glaubwürdig.“

Vor ein paar Tagen haben wir eine Mail bekommen, in der wir von einem Leser gebeten wurden, die Satire über die Fernsehkarriere von Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt als ebensolche zu kennzeichnen. Der Mailschreiber war es leid, sich in Diskussionen mit gefährlichem Halbwissen herumzuschlagen, das unter anderem durch solche nicht gekennzeichneten Texte verbreitet werde.

(Bevor jetzt jemand über Medieninkompetenz von Laien schmunzelt – die WELT hat den Text damals auch nicht verstanden.)

Der subjektive Eindruck von Glaubwürdigkeit leidet mit ziemlicher Sicherheit an der Darstellungsweise, an der Sprache, daran, dass Blogs weniger selbsterklärend sind als klassische Medien. Das Streiflicht der SZ steht immer oben links und wäre es der Leitartikel oder tauchte es im Wirtschaftsteil auf, wäre es gut möglich, dass die Leser sich dauerhaft fühlen würden wie am ersten April.

Tatsächlich sitzt man auf Blogs seltener Fehlinformationen auf als bei klassischen Medien.

Moment, Entschuldigung, der Satz ist Quatsch. Die Blogs, die ich konsumiere, erlebe ich oft als seriöser als die von mir konsumierten journalistischen Angebote. Was es da sonst noch gibt unter den Zilliarden Blogs, weiß ich doch gar nicht.

Aber wenn es einem überhaupt um Glaubwürdigkeit geht und nicht um Unterhaltung, dann wäre man so oder so besser beraten, Informationen gegenzuchecken. Was zweifelsohne eine hohe Medienkompetenz verlangt, denn 20 Googletreffer belegen nicht die Richtigkeit einer Information und 20000 auch noch nicht.
Um die Frage „Glaube ich das oder nicht“ nicht lediglich als religiöse Gewissensentscheidung beantworten zu können, sondern als ausgewogenes Urteil, muss man Blogs kennen und nutzen.
Und gerade das tun die Onliner der Studie zufolge gar nicht.

Würde man Sie fragen: Schmeckt Ihnen noch warmes Affenhirn an Rinderaugen wäre die Antwort für Rinderaugenköche ähnlich niederschmetternd wie die Ergebnisse der Onlinestudie für Blogger.

Langer Rede kurzer Sinn. So kommt die Studie zu dem Schluss:
„Entsprechend sieht auch nur eine Minderheit in Weblogs eine Konkurrenz zu klassischen journalistischen Angeboten.“

Dann muss man sich um Glaubwürdigkeit ja weiterhin keine Sorgen machen.

via, via

25 Kommentare

  1. 01

    Die Studie war für mich das lustigste Online-Event. Da bekommt das Tagesschaublog gleich noch mal einen ganz anderen Stellenwert, nicht wahr?

    Fotosammlungen, Communities: 0 täglich, 77 nie! Genau flickr war gestern. ,-)

  2. 02
    Hendrik

    Wenn sich die ÖffRecht keine Sorgen machen möchten sollen sie. Aber bitte nicht von meinen GEZ Gebühren, die ich zahle obwohl meine private Nutzung des damit finanzierten Angebots gleich null ist.
    Aber ich lese ja auch lieber Bildblog als Bild und bin vielleicht nicht der untersuchte typische Onliner.
    Oder aber… man hat schlicht die falschen gefragt. Könnte doch sein, hm?

  3. 03

    Schulligung. Hab ich jetzt nicht verstanden. Nur 29% der 0% halten Blogs für glaubwürdig?
    Und jetzt können wir wieder krampfhaft diskutieren, wie und warum und weshalb, und vielleicht denkt der eine oder andere daran, dass die meisten Blogs irgendwie gar keine „Medien“ sein wollen. Es würde ja auch keiner auf die Idee kommen, ein Sudoku-Heft, ein Boulevardmagazin und die Financial Times als das gleiche Ding zu bezeichnen, nur weil alle drei auf totem Baum erscheinen.
    Naja, ich hab ja keine Ahnung. Ich weiß nur: Sudoku-Hefte haben in der deutschen Presselandschaft keine Relevanz.

  4. 04
    corax

    Tagesschau?
    Vorhin gefunden, inzwischen haben sie es aber gemerkt: Syrien Hauptstadt von Libyen?

    Qualitätsmedien!

  5. 05
    Thunder77

    Wer wurde denn befragt bei dieser Studie? Besucher von Tagesschau .de? Dann wundert mich das Ergenis nicht… ;-)

  6. 06
    Akkupunk

    Man kann aber nicht leugnen dass es verdammt viele Leute gibt denen Blogs egal sind und die mit dem Wort allenfalls den „Der kleine Peter hat Zähne“-Blog verbinden.
    Und man muss es halt so sehen: Jeder kann bloggen. Und wenn ich mir die Achse des Guten anschaue oder Politisch inkorrekt…zweifelt ihr nicht auch an der Glaubwürdigkeit von Blogs?

    Ich mein Spreeblick ist toll und an der Glaubwürdigkeit von Spreeblick zweifel ich nur gelegentlich, aber im ich kann schon nachvollziehen dass man blogs im Allgemeinen misstraut.
    Vor allem als Zeitungsleser der ja ständig mit obskuren Behauptungen über blogs bombardiert wird.
    Also was ich sagen kann ist dass ich Zeitungen dank Blogs für weniger glaubwürdig halte…

  7. 07

    Wenn man einen beliebigen Begriff googlet, wird man unter den Suchergebnissen in der Regel Links zu Wikipedia finden, häufig gefolgt von Links zu Blogs. Die befragten Onliner haben also entweder diese Links weiträumig umschifft – oder sie googlen nicht.

    Das heißt, das Menschen befragt wurden, die das Netz im Wesentlichen dazu nutzen, Mails zu checken oder dazu, sagen zu können, dass sie jetzt auch Internet haben.
    Das diese Gruppe wiederum eine klare Haltung zu Blogs hat, mag einiges aussagen. Was genau, das ist mir allerdings nicht klar.

  8. 08

    Nicht gleich den Stab über die Herrschaften brechen. Wie heißt es doch so schön: Rundungsfehler möglich… ;-)

  9. 09

    Hm, ich kann mir das durchaus vorstellen. Die Zahlen in der gesamten Studie (siehe PDF) klingen gar nicht so unglaubwürdig, wenn ich mir den durchschnittlichen User in meiner Bekanntschaft nehme, der das Internet zum E-Mail verschieben, seine Mitgliedschaft in ein bis zwei Communities und Recherchieren bei Wikipedia benutzt und den der Rest an Webangeboten schlichtweg nicht interessiert, weil er sie nicht „braucht“.

    Mal davon abgesehen, dass es einigen Leuten vielleicht auch nicht bewusst ist, auf was für einer Art von Seite sie sich gerade herumtreiben. Für einige ist es ja evtl. schlicht nur einfach eine Internetseite, egal ob „wir“ es als Web 2.0 Seite, Blog oder Community bezeichnen würden. Und unter dem Kontext sieht der Nutzer die Seite ja auch, egal ob die ersten 10 Suchergebnisse bei Google aus Blogeinträgen bestehen, bewusst muss es ihm nicht sein.

  10. 10

    @Malte Welding:

    Nicht notwendigerweise. Ich glaube sehr viele Leute lesen/besuchen/nutzen Blogs ohne zu wissen dass dies Blogs sind.

    Mal angenommen ich google nach irgendwas und komme darueber auf einen Eintrag bei Spreeblick. Steht da dann irgendwo dass Spreeblick ein Blog ist? Muss ich wissen was ein Blog ist um den Eintrag zu lesen?

    Nein. Die meisten Leute werden solche Texte lesen, daraus ihre Schluesse ziehen und gut ist. Ob das ein Blog ist oder sonstwas ist erst einmal egal.

    Ich bin mir relativ sicher dass ein recht grosser Teil meiner Besucher/Leser kaum eine Ahnung haben was Blogs sind und auch relativ wenig davon verstehen wie sie funktionieren. Brauchen sie auch nicht. Sie wissen da bekommen sie ziemlich regelmaessig was neues geboten, ob da nun Blog oder Zupiketahunpti steht ist ihnen vollkommen egal und irrelevant. Es ist einfach ein Ziel in diesem grossen Internetdingens. Da haben sie einen Bookmark fuer und gut ist. Thema durch.

    Manchmal macht es das als Blogger auch schwierig da ich zumindest ein paar „Blogstile“ vermeide da mir klar ist dass nur Blogger die verstehen. Bei anderen benutze ich sie einfach regelmaessig so dass zumindest meine Stammleser sie durch Gewoehnung lernen. Irgendwann wissen sie dann wann sie wo klicken muessen und was dann passiert.

    Mal ganz davon abgesehen dass die „etablierten Medien“ fuer mich sowieso praktische keine Konkurrenz sind, da findet man kaum was ueber das Thema. Und wenn dann nur so oberflaechlich und meistens viel spaeter dass meine Leser das i.d.R schon wissen duerften. Aber wie gesagt, der Unterschied duerfte den wenigsten auffallen.

  11. 11

    Wieso unterstellt man Weblogs eigentlich immer Unglaubwürdigkeit. Wer kann generell dafür garantieren, dass alles, was in der Zeitung steht, richtig ist. Hier stellt niemand die Frage nach der Wahrheit, hier wird einfach angenommen, alles sei richtig. Es sind schließlich Journalisten, die das täglich machen.
    Mehr Medienkompetenz wäre überall angebracht.

  12. 12
    Gnarz

    Wen interessieren schon Blogs.

  13. 13
    pipi

    Unser Wissen

    Wir lernen von unseren Eltern.
    Wir lernen von den ErzieherInnen
    Wir lernen in der Grundschule
    Wir lernen Bücher lesen
    Wir lernen in der Schule
    Wir lernen in der Ausbildung
    Wir lernen das Leben kennen

    Wir lernen fortan, immerzu…

    Eigentlich sollten die über 40-jährigen, die zwar theoretisch über die Finanziellen u. Technischen Mittel verfügen, vom ‚Nutzen der Technik‘ überzeugt werden.
    Sei es nur zum Spaß…

  14. 14

    Ich wollte schon immer mal ein wenig unglaubwürdig sein. Hat so was verruchtes. In meiner unglaubwürdigen Welt auf jeden Fall.

  15. 15

    Warum müssen denn Weblogs auch unbedingt eine Konkurrenz zu den klassischen Medien sein? Das ist meiner Meinung nach ein Furz im Hirn einiger deutscher Weblog-Betreiber. Ich blogge selbst seit 2002 und würde was die Seriosität angeht immer eine der großen deutschen Tageszeitungen (in der gedruckten Version) einem Weblog vorziehen. Weblogs sind in erster Linie Software, die es Laien ermöglicht, Texte usw. im Internet zu veröffentlichen. Die Seriosität samt der Relevanz hängt immer von dem jeweiligen Autor ab.

  16. 16
  17. 17
    gpkvt

    Also strenggenommen lese ich pro Tag mind. 5 Weblogs, besuche aber nicht eins davon. RSS ist einfach praktisch.

  18. 18

    Diese Studie ist ja mal wirklich totaler unsinn…. Ich denke schon das Blogs von vielen Usern täglich besucht werden und es gibt leider mehr ungenuzte und veraltete Blogs als aktive die sich mit den neusten News befassen. Nur man sollte auch daran denken das diese Blogs dann auch niemand besucht sondern bei einer bestimmten Anzahl bleibt, um sich über bestimmte Themen zu informieren. Und wer schaut bitte täglich 3x ins Wikipedia? Ich meine wenn ich einen Begriff suche (das kommt nicht alle Tage vor) dann suche ich zwar im Wiki aber doch nicht 3x am Tag…

  19. 19

    Ich vermute stark (wie auch Armin und Daniel), dass die vergleichsweise niedrigen Nutzungswerte für Blogs _auch_ daher kommen, dass der Begriff vielen nicht geläufig ist – obwohl sie möglicherweise ab und an oder sogar regelmäßig Blogs lesen, diese aber eben nicht als solche wahrnehmen (sondern als Homepage, …).
    Aber ich glaube, dass wir in den letzten ein, zwei Jahren eine Verschiebung in der Bedeutung von Blogs erlebt haben, die viel mit dem Aufstieg von Netzwerkplattformen (die VZs, Xing, mySpace) zu tun hat und die erklären könnte, warum die Nutzungszahlen zurückgehen:
    Das Argument geht wie folgt: Man kann glaub ich davon ausgehen, dass für viele Nutzer das Web 2.0 vorrangig deswegen reizvoll ist, um ihr eigenes Netzwerk (Freunde, Bekannte, …) auf dem laufenden zu halten und mit ihnen zu kommunizieren, Fotos auszutauschen etc. – eben seine eigene „persönliche Öffentlichkeit“ zu schaffen.
    Für viele Nutzer ist es nun aber deutlich leichter, sich auf schülerVZ oder mySpace oder Lokalisten oder wer-kennt-wen anzumelden, wo schon ein Teil oder alle der eigenen Freunde/Kumpels/Subkultur verkehrt, als ein eigenes Blog einzurichten. Persönliche Öffentlichkeiten im privaten Sinn („was hab ich gestern auf der Party erlebt?“) finden sich inzwischen vor allem auf Netzwerkplattformen wieder.
    Für Blogs bliebe dann (ich vereinfache jetzt stark, weil es da jede Menge Überlappungen gibt) die Rolle übrig, eine Art Bindeglied zwischen diesen persönlichen Öffentlichkeiten und den journalistischen Öffentlichkeiten zu sein – oft themenspezifisch; oft auch mit nischigen Themen, die in den etablierten Medien zu kurz kommen; oft auch zusätzlicher Resonanzraum für Themen aus den Massenmedien (mal explizit kritisch wie bei watchblogs o.ä., mal eher verstärkend, wenn ein Artikel von heise oder spon zitiert und weitergeleitet wird).
    Ist so eine Vermutung/Ahnung – klingt das plausibel?

    @G3org: Da liegt möglicherweise ein Missverständnis vor: die 3 bei „wikipedia-täglich“ heisst ja nicht, dass es Leute gibt, die 3x täglich in die Wikipedia schauen, sondern dass 3 Prozent aller Internetnutzer täglich reinschauen.

  20. 20

    In Deutschland gibt es 77 Millionen DAUs die es gerade mal schaffen den Schalter am Computer zu finden, und vom Rest hat auch nicht jeder eine Ahnung was ein Blog ist.
    In einer Demokratie darf jeder so wenig wissen wie er will.
    Es gibt schlicht keinen bedarf an Wissen in der breiten Bevölkerung, PISA zeigt wohin es geht.

  21. 21
  22. 22

    OH MEIN GOTT! da werd ich mein blog mal schnell schließen.

    die menschen sind doch alle dumm! lesen die zeitung und keine blogs! pah!

  23. 23
    moses

    Wahrheit:
    Blogs sind Sekundär- oder Tertiärverwerter von Informationen; die Zahl der generierten Meinungen ist Legion, aber primäre Berichterstattung – gar im Sinne einer IPA – ist doch äußerst selten. Im besten Fall ist dieses Medium ein Forum, auf journalistischem Niveau einer Glosse (siehe Streiflicht), oder eine (RIESEN-) Meinugsmaschine; was ja nichts schlechtes sein muss, die will ja auch erst mal gefasst werde. Aber seriösen Jouranlismus, wie er auch in den Printmedien nur noch vereinzelt – und oft auch in der gleichen Publikation als Sekundärtugend – gepflegt wird, ist unersetzlich.
    Und ohne die humorigen Qualitäten SPREEBLICKs und Konsorten zu schmälern, die Welt versänke bestimmt nicht im Chaos, wenn eure „Druckerpressen“ für einen Tag/Monat/Jahr stillstünden.

  24. 24

    @moses: „[…] primäre Berichterstattung – gar im Sinne einer IPA – ist doch äußerst selten.“

    Stimmt. Nur leider ist primäre Berichterstattung abgesehen von Heimatzeitung in der Presselandschaft auch rar geworden. Es gibt ja Agenturen, von denen alle schön gleichgeschaltet Content schlürfen können. Von diversen lobenswerten Ausnahmen mal abgesehen. Man sollte ja nicht meinen, dass „die Presse“ nur aus der Zeit, der taz und der FAZ bestünde. Die tausenden kleinen Käseblätter da draußen, die den Mantelteil irgendwo kaufen und im Regionalteil nur zweifelhafte Schlamperei fabrizieren, sind genau so ein Teil.

    Die Blogosphäre ist natürlich keine „alternative Presselandschaft“. Aber die traditionellen Medien sehen sich vielleicht gefährdet, weil sie spüren, dass sie es nicht mehr bringen. Weil sie merken, dass sie ihre Qualität mit Füßen treten, schon seit Jahren, schon lange bevor jemand wußte, was ein Blog ist. Also schön auf die anderen schimpfen, ganz prophylaktisch. Das ist so wie die Raubkopierer auspeitschen lassen, weil man als Musikindustrie überwiegend unverkäufliche Musik produziert, sich das aber nicht öffentlich eingestehen möchte.

  25. 25
    TheK

    Wenn ich die Zahlen so sehe, könnte man glauben, dass die ganzen „Web 2.0“-Projekte eigentlich niemand nutzt… Man könnte aber auch auf die Idee kommen, dass „Onlinenutzer“ ein etwas schlechter Begriff für die befragten Personen ist – dazwischen sind wahrscheinlich massenhaft Leue, deren Online-Aktivität bei 2 eMails pro Woche und mit Glück noch was bei ebay kaufen erschöpft ist.

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